<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Monatsblatt Archive | Hirschinitiative e.V.</title>
	<atom:link href="https://hirschinitiative.de/category/monatsblatt/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://hirschinitiative.de/category/monatsblatt/</link>
	<description>Rabbiner S. R. Hirsch Plattform zur Wiederbelebung des orthodoxen deutschen Judentums</description>
	<lastBuildDate>Wed, 13 May 2026 09:25:30 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.9.4</generator>

<image>
	<url>https://hirschinitiative.de/wp-content/uploads/2021/06/SiteIcon-150x150.png</url>
	<title>Monatsblatt Archive | Hirschinitiative e.V.</title>
	<link>https://hirschinitiative.de/category/monatsblatt/</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Siwan 5786</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/siwan-5786/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 09:25:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Monatsblatt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hirschinitiative.de/?p=5528</guid>

					<description><![CDATA[<p>Für wen hat Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l  im Jahre 1858 diesen grundlegenden Artikel über die tiefe Bedeutung des Schawuot-Festes geschrieben? Den orthodoxen Juden seiner Zeit musste er die heilige Bedeutung dieses Festtages gewiss nicht erst vor Augen führen. Ihnen war Schawuot als das Fest der Thoraübergabe, als „Zman Matan Toratenu“, zutiefst vertraut. Wenn Rabbiner [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/siwan-5786/">Siwan 5786</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[		<div data-elementor-type="wp-post" data-elementor-id="5528" class="elementor elementor-5528">
						<section class="elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-7a712c38 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default" data-id="7a712c38" data-element_type="section" data-e-type="section">
						<div class="elementor-container elementor-column-gap-default">
					<div class="elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-672f415f" data-id="672f415f" data-element_type="column" data-e-type="column">
			<div class="elementor-widget-wrap elementor-element-populated">
						<div class="elementor-element elementor-element-6fc18265 elementor-widget elementor-widget-text-editor" data-id="6fc18265" data-element_type="widget" data-e-type="widget" data-widget_type="text-editor.default">
				<div class="elementor-widget-container">
									
<p class="has-small-font-size" style="text-align: justify;">Für wen hat Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l  im Jahre 1858 diesen grundlegenden Artikel über die tiefe Bedeutung des Schawuot-Festes geschrieben? Den orthodoxen Juden seiner Zeit musste er die heilige Bedeutung dieses Festtages gewiss nicht erst vor Augen führen. Ihnen war Schawuot als das Fest der Thoraübergabe, als „Zman Matan Toratenu“, zutiefst vertraut. Wenn Rabbiner Hirsch s“l dennoch einen ausführlichen Artikel zu diesem Thema verfasste, dann richtete er sich ganz bewusst an eine andere Leserschaft: an die nicht-orthodoxe, liberale und reformierte jüdische Öffentlichkeit seiner Zeit.</p>

<p class="has-small-font-size" style="text-align: justify;">Liebe Leser, stellen Sie sich einmal für einen Moment meine Fußnoten, Erklärungen und die hinzugefügte Punktierung der hebräischen Wörter und Zitate weg. Nehmen Sie den reinen Text von Rabbiner Hirsch, wie er 1858 erschien. Besitzen Sie wirklich das umfassende Hintergrundwissen, um diesen Artikel – und überhaupt alle anderen Aufsätze des Rabbiners, die ich in dieser Zeitschrift regelmäßig abdrucke – vollständig zu erfassen? Sind Ihnen die Prophetenworte, auf die Hirsch sich bezieht, geläufig? Kennen Sie die Psalmen, auf die er anspielt, zur Genüge? Verfügen Sie über jenes tiefe historische Wissen sowohl der jüdischen als auch der allgemeinen Geschichte, das nötig ist, um seine feinen Anspielungen auf vergangene Epochen und ihre Lehren wirklich zu verstehen?</p>

<p class="has-small-font-size" style="text-align: justify;">Ich selbst muss ehrlich gestehen: Ich kann es ohne diese Hilfestellungen nicht. Und doch ist es eine bemerkenswerte Tatsache, dass die liberalen und reformierten Juden zur Zeit Hirschs diese Texte ohne jede Schwierigkeit lesen und verstehen konnten. Sie brauchten weder ausführliche Fußnoten noch Punktierungen der hebräischen Begriffe. Ihr jüdisches Wissen, ihre Vertrautheit mit Tanach, Talmud und jüdischer Tradition war noch so lebendig, dass sie die anspruchsvollen Ausführungen des großen Rabbiners mühelos folgen konnten.</p>

<p class="has-small-font-size" style="text-align: justify;">Genau hier liegt die entscheidende Frage: Wenn die liberalen und reformierten Juden in der Mitte des 19. Jahrhunderts noch über ein derart hohes Maß an jüdischem Wissen und innerer Jüdischkeit verfügten – wie war es dann möglich, dass sie sich dennoch mehr und mehr vom orthodoxen Judentum abwandten?</p>

<p class="has-small-font-size" style="text-align: justify;">Meine Antwort auf diese Frage lautet klar und deutlich: <strong>Antisemitismus.</strong></p>

<p class="has-small-font-size" style="text-align: justify;">Es war der Antisemitismus, der viele Juden dazu brachte, die Heiligung des Schabbats aufzugeben. Es war der Antisemitismus, der Orgel und gemischten Chor in die Synagogen einführte. Der Antisemitismus zwang oder verleitete Juden dazu, auf koschere Speisen zu verzichten und sich ihrer traditionellen jüdischen Kleidung zu entledigen. Viele derjenigen, die sich vom orthodoxen Weg abkehrten, taten dies in der aufrichtigen, wenn auch tragischen Überzeugung, durch Anpassung an die nichtjüdische Mehrheitsgesellschaft dem Antisemitismus wirksam begegnen zu können. Sie glaubten: Wenn es keine sichtbaren Unterschiede mehr zwischen Juden und ihren Mitbürgern gäbe, dann würde der Hass schwächer werden, dahinschmelzen und schließlich verschwinden.</p>

<p class="has-small-font-size" style="text-align: justify;">Die bittere historische Erfahrung hat jedoch das genaue Gegenteil gezeigt. Je mehr sich Juden vom orthodoxen Judentum entfernten und sich der Mehrheitsgesellschaft anpassten, desto stärker wurde in vielen Fällen der Antisemitismus. Denn das eigentliche Ziel des Judenhasses ist nicht die bloße Ablehnung bestimmter Bräuche oder Kleidungsstücke – sein letztes und tiefstes Ziel ist die vollständige Auslöschung des Judentums als solches.</p>

<p class="has-small-font-size" style="text-align: justify;">Gegen diese verhängnisvolle Entwicklung stellte sich Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l mit seiner ganzen Familie und seiner unermüdlichen Kraft. Sein Schwiegersohn, Rabbiner Salomon Breuer s“l, führte diesen geistigen und geistlichen Kampf wiederum mit seiner Familie entschlossen weiter. Dessen Nachfolger wurde Rabbiner Josef Jona Horovitz s“l, der die Israelitische Religionsgesellschaft (IRG) in Frankfurt bis in die dunkelsten Jahre des Holocausts hinein als mutiger und treuer Hirte leitete.</p>

<p class="has-small-font-size" style="text-align: justify;">Die Geschichte lehrt uns eine schmerzliche, aber unübersehbare Wahrheit: Je weiter sich Juden von der Orthodoxie entfernen, desto größer wird paradoxerweise der Antisemitismus – weil dieser Hass letztlich nicht auf Äußerlichkeiten, sondern auf der bloßen Existenz des jüdischen Volkes als Träger der Thora zielt.</p>

<p class="has-small-font-size" style="text-align: justify;">Dieser Artikel von Rabbiner Samson Raphael Hirch s“l wurde in der Zeitschrift Jeschurun, 4. Jahrgang, Heft 9, im Juni 1858 veröffentlicht.</p>

<p class="has-small-font-size" style="text-align: justify;">Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter:</p>

<p class="has-text-align-center has-small-font-size"><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/titleinfo/2932859">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/titleinfo/2932859</a></p>

<p class="has-medium-font-size" style="text-align: justify;">„Es war im dreißigsten Jahr am fünften des vierten Monats, ich war mitten unter den Vertriebenen am Strome Kebar<a id="_ftnref1" href="#_ftn1"><sup>[1]</sup></a>, da öffneten sich die Himmel und ich sah Erscheinungen Gottes.<a id="_ftnref2" href="#_ftn2"><sup>[2]</sup></a>&#8220; — Das mit diesem Satz eingeleitete Prophetenwort Jecheskels ward uns am Siwan-Fest unserer Gesetzoffenbarung aus dem reichen Schatz des göttlichen Wortes zur Betrachtung gereicht.</p>

<p class="has-medium-font-size" style="text-align: justify;">Dreißig Jahre waren verflossen, seitdem der Hohepriester Chilkijahu<a id="_ftnref3" href="#_ftn3"><sup>[3]</sup></a> bei einer Renovierung des Tempels eine Thora-Rolle im Heiligtum gefunden und sie als einen seltenen Fund dem jungen Fürsten Joschijahu<a id="_ftnref4" href="#_ftn4"><sup>[4]</sup></a> zugesandt hatte; dreißig Jahre, seitdem dessen Herz so von dem Inhalt dieses Buches ergriffen worden, dass es ihn zum heilbringenden Regenerator begeisterte.</p>

<p class="has-medium-font-size" style="text-align: justify;">In welch eine Zeit versetzt uns diese Notiz am Geburtsfeste unserer Thora! Diese Thora, deren dreitausend-einhundert-neunundsechzigsten Geburtstag wir in diesem Monate begingen<a id="_ftnref5" href="#_ftn5"><sup>[5]</sup></a>, die uns noch heute nach so vielen tausend Jahren mit immer frischer Begeisterung zusammenruft und welcher unsere Herzen, mit immer neuer Weihe und Hingebung entgegenschlagen, diese Thora hat schon Zeiten erlebt, in welchen  unseres Volkes ihr bereits, durch die Politik ihrer Führer und die Sophistik ihrer „Geistlichen&#8220; verführt, den Rücken gewandt und dadurch der ganzen glorreichen Sendung ihrer welthistorischen Bestimmung verlustig gegangen waren, und sie auch bei dem übrigen unter der siebenundfünfzigjährigen Regierungszeit eines gottvergessenen und leider nur zu spät in sich gegangenen Fürsten und seines Sohnes — wenigstens im Kreis der leitenden Hofluft<a id="_ftnref6" href="#_ftn6"><sup>[6]</sup></a> — fast in Vergessenheit geraten war.</p>

<p class="has-medium-font-size" style="text-align: justify;">Fünfundfünfzig Jahre hatte Menascheh<a id="_ftnref7" href="#_ftn7"><sup>[7]</sup></a> mit dem ganzen Fanatismus eines in der Richtung des Baal-Kultus reformatorischen Systems rücksichtslos in Jerusalem und dem Gottesheiligtum gehaust. Die dem individuellen Egoismus schmeichelnde Bamoth-Zersplitterung<a id="_ftnref8" href="#_ftn8"><sup>[8]</sup></a> hatte er wieder hergestellt und auf deren Grund den ganzen Wust eines die himmlischen Naturkräfte verehrenden Kultus in seiner ganzen entsittlichenden Konsequenz bis in das Allerheiligste des einen Einzigen eingeführt. Es war ihm „Prinzip&#8220;, das Volk des einen Einzigen und seines geoffenbarten Gesetzes zum Niveau der emoritischen Völker rückschreitend zu reformieren und in diesem Reformbestreben die geschicktesten Könige des schon auf diesem Wege zu Grabe gegangenen „israelitischen&#8220; Reiches also zu überflügeln, dass auch über das „jüdische&#8220; Reich das bereits an dem „israelitischen&#8220; vollzogene Verhängnis unwiderruflich ausgesprochen worden.</p>

<p class="has-medium-font-size" style="text-align: justify;">War es ein Wunder, dass sein Sohn Amon, den er schon früh der Feuer-Weihe des Götzentums übergab, der Erziehung seiner Jugend treu blieb selbst als sein Vater im Alter seinen Sinn zum Besseren wandte? Und als nun, wahrlich wundergleich, von diesem Amon dem Menascheh im Joschijahu ein Enkel geboren war, der unter allen seinen Vorgängern keinen seines Gleichen gehabt, der also mit ganzem Herzen und ganzer Seele und allem Vermögen zu Gott und seinem heiligen Gesetz zurückgekehrt, — war&#8217;s ein Wunder, dass diesem Joschijahu zu seiner Jugend das Buch der Thora völlig fremd geblieben, dass es an ein Wunder grenzte, wenn in dem von Menaschehs und Amons Unwesen entweihten Heiligtum sich noch ein Exemplar des alten, heiligen Gottesgesetzes vorgefunden und dass erst aus dem Inhalte dieses Fundes dem Joschijahu die ganze Wucht des Abfalls klar geworden, in welchen Vater und Großvater ihr Volk hineingerissen?</p>

<p class="has-medium-font-size" style="text-align: justify;">Und nun siehe die göttliche Kraft dieses göttlichen Gesetzes! Den <strong>Staat</strong> konnte es nicht mehr retten. Der erlag dem von Gott verhängten und verheißenen Geschick. Aber die Rettung des <strong>Volkes</strong> vermochte es zu vollbringen. Im vollen Bewusstsein, dass gleichwohl der Staat in Trümmer gehen werde, sammelte Joschijahu das ganze Volk, Priester und Propheten, das ganze Volk von Klein bis Groß um das Buch dieses Gesetzes. Mitten unter seinem Volk stand er hoch auf einer Säule und errichtete vor Gott das Bündnis, Ihm nachzufolgen und seine Gebote, seine Zeugnisse und seine Gesetze mit ganzem Herzen und ganzer Seele zu erfüllen und die Bundesbestimmungen alle aufrecht zu halten, die in diesem Buche verzeichnet waren. Und das ganze Volk trat ein in den Bund. Der Ernst aber, mit welchem Joschijahu in den letzten Jahren des jüdischen Staates das Volk wieder um die Thora versammelte und den Bund mit dem jüdischen Gesetz erneuerte, der Ernst, mit welchem er diese Bundeserneuerung in ihren letzten Konsequenzen verfolgte, dieser Ernst hatte in dem jüdischen Volk wieder seine Lebensseele wach gerufen, hatte es bewirkt, dass nun als Juda — wie es Jirmijahu bezeichnet — hinabstürzte, es von dem geistigen Erbgut, das Gott ihm gegeben, mit in diesem Hinabsturz in sich hinausrettete<strong>, וְשָׁמַטְתָּ֗ה וּבְךָ֙ מִנַּחֲלָֽתְךָ֙ אֲשֶׁ֣ר נָתַ֣תִּי לָ֔ךְ<a id="_ftnref9" href="#_ftn9"><sup><strong><sup>[9]</sup></strong></sup></a> , </strong>und als es ins Galuth ging<strong>, </strong>die Thora mit in die Verbannung wanderte. Wer weiß, ob nicht ohne diese Wiedererweckung durch Joschijahu Juda völlig das Geschick Israels geteilt hätte, und, ohne das geistige Band und den geistigen Odem des Gesetzes vom heimatlichen Boden vertrieben, gänzlich in der Fremde in die Masse der übrigen Völker verloren gegangen wäre. Wer weiß, ob wir es nicht eben diesem regeneratorischen Ernst des Joschijahu verdanken, dass wir noch heute nach mehr als dreiundzwanzig hundert (2.300) Jahren, umflutet von allen Strömungen eines europäischen Lebens mit vollster Begeisterung das Geburtsfest unserer Thora feiern und mit sinaitischem Ernst dem göttlichen Gesetz, als unserem einzigen geistigen Halt und Führer, unser ,,Naaßeh Wenischma<a id="_ftnref10" href="#_ftn10"><sup>[10]</sup></a>&#8220; zuwenden!</p>

<p class="has-medium-font-size" style="text-align: justify;">Dieser regeneratorische Ernst des Joschijahu hatte es möglich gemacht, dass, als dreißig Jahre später bereits der bedeutendste Teil des jüdischen Volkes, auch seine „Bildner und Regler&#8220; mit dem König Zechanjah (Zedekia<a id="_ftnref11" href="#_ftn11"><sup>[11]</sup></a>) in die babylonische Gefangenschaft gewandert war, der Prophet auf fremdländischem Boden, an fremdländischem Strome mitten unter der Golah sich befand, sich <strong>dort</strong> ihm die Himmel öffneten und auch <strong>dort</strong> die Gotteshand auf ihn kam! War ja die Thora mitgewandert, und wo das Gottesgesetz weilt, da ist die Gottesherrlichkeit nicht fern. Wohl war in dieser außerjüdischen Welt eben diesem Gottesgesetz kein Heiligtum erbaut und ebendarum hatte die Gottesherrlichkeit dort keine Stätte im irdischen Kreis der Menschen<strong> — וְעָ֥שׂוּ לִ֖י מִקְדָּ֑שׁ וְשָׁכַנְתִּ֖י בְּתוֹכָֽם<a id="_ftnref12" href="#_ftn12"><sup><strong><sup>[12]</sup></strong></sup></a> — </strong>allein dennoch sah er und siehe! wie aus Mitternachtsturm und Wolke, Feuer und Glanz, psychisch-physisch-geistiges Leben sich entfaltet, wie alles Lebendige auf allen Stufen der Entwicklung sich vereinigt um Träger des Thrones der göttlichen Herrlichkeit zu sein, wie da jegliches — im Dienste Gottes — in gerader Richtung zu dem Ziel wandelt, wohin der Geist es weist und nimmer abweicht in seinem Wandel — — „und da mich der Geist emporhob, hörte ich mir nach in lautem Sturme den Ruf: Die Herrlichkeit Gottes ist gesegnet, wo sie ihre Stätte nimmt!&#8220;<a id="_ftnref13" href="#_ftn13"><sup>[13]</sup></a></p>

<p class="has-medium-font-size" style="text-align: justify;">Wollen wir es unseren Väter nicht danken, dass sie eben dieses Prophetenwort uns zu unserem Fest der Gesetzoffenbarung gereicht? Ist es ja eben dafür Bürge, dass auch im Exil <strong>כל מקום שגלו שכינה עמהם<a id="_ftnref14" href="#_ftn14"><sup><strong><sup>[14]</sup></strong></sup></a></strong> überall wohin wir auch den wandernden Fuß des Verbannten setzen, Gottes Herrlichkeit uns begleite, überall wo wir in seinem Namen uns versammeln Er in seiner Herrlichkeit uns nahe und überall, wie ja der letzte Nachruf der sinaitischen Offenbarung lautet:</p>

<p class="has-text-align-center has-medium-font-size"><strong>בְּכׇל־הַמָּקוֹם֙ אֲשֶׁ֣ר אַזְכִּ֣יר אֶת־שְׁמִ֔י אָב֥וֹא אֵלֶ֖יךָ וּבֵרַכְתִּֽיךָ</strong><br />Überall wo ich meinen Namen nennen lasse komme Ich zu dir und segne dich!<a id="_ftnref15" href="#_ftn15"><sup>[15]</sup></a></p>

<p class="has-medium-font-size" style="text-align: justify;">Ist es ja eben dieses Bewusstsein, das unser Gesetzgebungsfest nicht zu einem Gedenkfest der Vergangenheit, sondern zu einem Weihefest für jegliche Gegenwart gestaltet, das auch jedem außerpalästinensischen Geschlecht den ewigen Gottesbund und die ewige Gottesnähe zuführt und eben dieses Gesetz für jede Zeit und jedes Geschlecht nicht als die Wurzel, aus welcher einst die „religiöse Bildung der Väter&#8220; erblüht, sondern als den einzigen Boden, auf welchem jedes kommende Geschlecht zu stehen hat und als die einzige Bedingung begreifen lässt, an welche für jedes kommende Geschlecht die Segensnähe der Gottesherrlichkeit geknüpft ist.</p>

<p class="has-medium-font-size" style="text-align: justify;">O, dass ein Joschijahu unter uns aufstünde, dem der ganze Bruch unserer Zeit zu Herzen ginge, dem der ganze Abfall unseres Geschlechts von dem ewigen Gottesgesetz vor die Augen träte, der das ganze Unwesen in seiner Hohlheit und Verwerflichkeit zu würdigen wüsste, mit welchem eine jerobeamisch menaschehische Rückschrittsreform unsere Heiligtümer entweiht, unser Familienleben entgöttlicht, unser Geistes- und Gemütsleben entheiligt, die Heiligkeit unseres Gesetzes zum Gelächter gemacht und indem sie unserem Volk den göttlichen, einheitlichen, alle, alle in weitester Ferne und in zerstreutester Vereinzelung zusammenhaltenden Mittelpunkt eben in diesem Gottesgesetz entrissen, die alte Bamoth-Wirtschaft kläglichster Zerrissenheit wieder heraufbeschworen<strong>,</strong> in welcher<strong> אִישׁ בּוֹנֶה בָּמָה לְעַצְמוֹ<a id="_ftnref16" href="#_ftn16"><sup><strong><sup>[16]</sup></strong></sup></a></strong> , in welcher jeder sich eine beliebige religiöse Weihe zusammenzimmert und in jeder Stadt, jedem Dorf, jedem Weiler ein gefirmeltes Schulmeisterlein sitzt, das für sich und seine Gemeinde ein modernes Heiligtümchen zurechtschneidet, je wie es den zufälligen Gelüsten und den <em>soi disant<a id="_ftnref17" href="#_ftn17"><sup><strong><sup>[17]</sup></strong></sup></a></em> Ansichten und „Überzeugungen&#8220; zusagt, und die Jugend für dieses <em>Credo<a id="_ftnref18" href="#_ftn18"><sup><strong><sup>[18]</sup></strong></sup></a></em> seiner Mache mit Sinne bestechendem Firlefanz konfirmiert.</p>

<p class="has-medium-font-size" style="text-align: justify;">O, dass ein solcher es verstünde an dem Fest der Offenbarung unseres Gesetzes, im Anblick des blitzeumleuchteten, dampfenden Sinai-Gipfels, unter dem Zürnen der dahinrollenden Horeb-Donner das Volk wieder hinanzuführen zu Gott und <strong>seinem</strong> Gesetz und den alten Bund zu erneuern, Ihm, Ihm, Ihm, dem einzigen <strong>Ihm</strong> nachzuwandeln und seine Gebote, seine Zeugnisse und seine Gesetze mit ganzem Herzen und ganzer Seele zu hüten und die Bundes-Worte alle aufrecht zu halten, die in dem Gesetz verzeichnet sind, dessen Offenbarung Israel eben feiert.</p>

<p class="has-medium-font-size" style="text-align: justify;">Wir haben keine Chulda<a id="_ftnref19" href="#_ftn19"><sup>[19]</sup></a> und keinen Jeremias mehr, bei denen wir uns Rat einholen könnten über die nächste Zukunft, die unser wartet, nach dem Abfall, der in so erschreckenden Dimensionen sich in jüdischen Kreisen vollzogen.</p>

<p class="has-medium-font-size" style="text-align: justify;">Das aber wissen wir, das bezeugt uns unsere ganze mehr als dreitausendjährige Vergangenheit, das ruft uns mahnend jedes Blatt dieses unseres geoffenbarten Gesetzes zu: Wie auch die Zeiten sich gestalten mögen, kein Heil für uns, wenn nicht in voller, aufrichtiger unverklausulierter Rückkehr zu diesem ganzen Gesetz!</p>

<p class="has-medium-font-size" style="text-align: justify;">Vergebens rühmt sich unsere Zeit schönerer, zierlicherer Tempel, vergebens harmonischer gefügter, musikalischer Choräle, vergebens stilgewandterer, formgerechterer Predigten — von allem dem weiß das Gesetz, dessen Offenbarung wir feiern, nichts, nichts von einer mit ein Paar Minuten andächtiger Tempelrührung erfüllten Rechnungsabfindung mit Gott. Seine Erfüllung fordert es, Erfüllung seiner Gebote, Zeugnisse und Gesetze, Erfüllung derselben mit ganzem Herzen, ganzer Seele und allem Vermögen. Und so wir dieser Erfüllung nicht unsere Häuser, unsere Ehen, unsere Familien, unsere Kinder, unser Geschäft, unsere Mahlzeiten, unser Freud und Leid, unser ganzes Dasein in- und außerhalb der Tempeln hingeben; so unsere Tempel und unser Gottesdienst nicht bloß Vorbereitung, Rüst und Weihe sein sollen für den Dienst Gottes in einem gesetzestreuen Leben außerhalb des Tempels; so wir im Tempel nicht den Bund mit dem Gesetz erneuern, sondern der Tempelbesuch Stellvertreter der Gesetzerfüllung sein, und uns von unseren Tempelministranten den Tempelgottesdienst nicht als Mittel und Vorbereitung für den eigentlichen Bundesgottesdienst des Lebens, sondern als das All und die Summe, als Inhalt und Blüte unseres ganzen Bundes mit Gott ausschwatzen lassen wollen: ist dies dann nicht ganz wieder die alte heillose heidnische Überschätzung des Tempels und seines Gottesdienstes, gegen welche schon so manches alte Wort des jüdischen Geistes und der Gottesbotschaft aus dem Munde der Propheten gesprochen wurde?</p>

<p class="has-medium-font-size" style="text-align: justify;">Wenn Aßaf<a id="_ftnref20" href="#_ftn20"><sup>[20]</sup></a> heutigen Tages wieder aufstünde, wenn er am Tag unseres Offenbarungsfestes unsere zur Konfirmation der Jugend festlich geschmückten modernen Tempel beträte, würde seinen Lippen ein anderes als sein<strong> ק&#8217;ל אלקים ה&#8216; דבר<a id="_ftnref21" href="#_ftn21"><sup><strong><sup>[21]</sup></strong></sup></a> , </strong>entströmen?</p>

<p class="has-medium-font-size" style="padding-left: 80px;">Gott, Gott, Gott sprach schon als er die Erde rief<br />Von Sonnen-Aufgang bis zum Niedergang;<br />Auch aus Zion der Schönheit Fülle,<br />Ist schon Gott erschienen.<br />Er wird <strong>wieder</strong> kommen, unser Gott, und wird nicht schweigen, —<br />Zehrend Feuer um ihn her,<br />Rings um ihn stürmend Beben.<br />Wird zum Himmel rufen aus der Höh&#8216;<br />Und zur Erde, sein Volk zu richten:<br /><strong>„Sammelt meine Frommen mir,<br />Die meinen Bund beim Opfer schließen!&#8220;</strong><br />Und die Himmel verkünden dann sein Recht,<br />Denn Gott ist Richter, Sela.</p>

<p class="has-medium-font-size">Hör&#8216; mein Volk, ich will reden,<br />Israel, ich will zeugen wider dich!<br />Nicht um deine Opfer weis&#8216; ich dich zu rechte,<br />Deine Opfer — sind ja ununterbrochen vor mir!</p>

<ul class="wp-block-list">
<li>— — — —</li>
</ul>

<p class="has-medium-font-size"><strong>Huldigung</strong> opfere Gott<br />Und löse dem Höchsten dein Gelübde,<br />Dann ruf mich an am Tage der Not,<br />Ich rette dich und du ehrest mich.</p>

<p class="has-medium-font-size" style="padding-left: 80px;">Aber zum Gesetzlosen spricht Gott:<br />Wie ziemt es dir meine Gesetze zu erzählen<br />Und meinen Bund in deinem Mund zu tragen?<br />Du hassest ja die Fessel<br />Und wirfst meine Worte hinter dich!</p>

<p class="has-medium-font-size">Merkt doch dies, ihr Gottvergessenen,<br />Dass ich nicht rettungslos vernichte:</p>

<p class="has-medium-font-size" style="padding-left: 80px;"><strong>Nur wer Huldigung opfert</strong><br />Ehret mich,<br /><strong>Und nur wer darauf seinen Wandel gründet,<br /></strong>Den lasse ich schauen das Gottesheil!</p>

<p class="has-medium-font-size" style="text-align: justify;">In der Tat dürfte sich schwer begreifen lassen, wie in unseren modernen Tempeln am Tage des Gesetzoffenbarungsfestes auch nur die Zehngebote vorgelesen und auf die Zehngebote die Jugend konfirmiert werden konnte, in diesen Tempeln, in welchen nicht die Unterwerfung des Lebens unter das Gesetz, sondern die Akkommodation<a id="_ftnref22" href="#_ftn22"><sup>[22]</sup></a> des Gesetzes an das Leben als leitendes Prinzip dasteht und selbst die Zehngebote — im jüdischen Kreis keine höhere Geltung als alle übrigen Gesetze beanspruchend — nicht ohne jesuitische Reservatio mentalis<a id="_ftnref23" href="#_ftn23"><sup>[23]</sup></a> als Gottes Gebot gelehrt werden können.</p>

<p class="has-medium-font-size" style="text-align: justify;">Ist nicht das Gebot der Sabbatheiligung eins dieser Zehngebote? Und wie muss nun der jüdische „Geistliche&#8220;, der den Ansichten, den „Überzeugungen&#8220; seiner Gemeinde, aufrichtig gesprochen, den Anforderungen des gesellschaftlichen Lebens Rechnung tragen will, wie muss er dieses Gebot mit jesuitischen Vorbehalten ausstatten, welch künstlichen Manipulationen mit „Wenn&#8220; und „Aber&#8220;, „Freilich&#8220; und „Jedoch&#8220; muss er es unterwerfen, bis er dieses Gebot, das nicht weniger als den Stillstand unseres ganzen arbeitenden und geschäftlichen Lebens von uns für die 24 Sabbatstunden fordert, bis er es zu den paar Stunden Tempelandacht mit obligater Predigt und Choralgesang herunterbringt! Wollt ihr euren Katechumenen und Konfirmanden, euren „andächtigen Zuhörern und Zuhörerinnen&#8220; dieselben jesuitischen Vorbehalte und Klauseln, dieselben das Gottesgesetz zur wächsernen Spielpuppe herabwürdigenden Manipulationen auch bei dem Verbot des Meineids, das vorangeht und dem Gebot der Elternehre, den Verboten des Mordes, des Ehebruchs, des Diebstahls, des falschen Zeugnisses, die ihm folgen, gestatten? Und was wollt ihr tun, wenn sie euch in „heiligster Stunde der Weihe&#8220; lediglich die Kunst abgelernt haben, wie man heiligsten, unzweideutigsten Gottes geboten irgend einen Zwickel andichtet, mit dem man sie, je wie es bequem ist, bei Seite schiebt, wie man sich für heilige Gewissenspflichten das bequemste Ruhekissen mit Rücksicht auf die Anforderungen des Lebens, der Zeit, der Mode, auf wirkliche und eingebildete Lebensbedürfnisse usw. zurechtlegt, wenn sie euch diese Kunst im Stillen abgelernt für Pflichten für die ihr es nicht gemeint, was wollt ihr tun?! Denn, dass Gott, den ihr doch am Schawuotfest als den Geber der Zehngebote preist, dass Gott das Sabbatgebot, und zwar eben in dem Untersagen <strong>jeglichen Werkes</strong>, etwa weniger ernst als die übrigen Gebote gemeint, das könnt ihr doch im Ernst nicht meinen und auch euere Katechumenen im Ernst nicht glauben. Ihr könnt, bei aller Unkunde des heiligen Textes, die ihr bei ihnen großzieht, ihnen ja doch einmal den Einblick in eine übersetzte Bibel nicht hindern. Und mit höchster diesseitiger und jenseitiger Strafe, mit Steinigungstod und Extermination lesen sie in ihrer Bibel die Entweihung des Sabbats bedroht und von allen anderen Todesstrafen finden sie nur zwei im Pentateuch ausgeführt — den Sabbatschänder und Gotteslästerer, — und was hatte der arme Sabbatschänder getan? War er zur Predigt ausgeblieben? Hatte er eine falsche Note im Chor gesungen? Hatte er gegen die „Synagogenordnung&#8220; verstoßen? Nein! Er hatte ein paar Reiser auf dem Feld aufgelesen!! Das steht auch in der Thora, aus deren Göttlichkeit ihr eure Jugend „konfirmiert&#8220; — —</p>

<p class="has-medium-font-size" style="text-align: justify;">Das war wahrlich nicht der Sinn des alten<strong> &#8220; נַעֲשֶׂה וְנִשְׁמַע &#8220; </strong>mit welchem unsere Väter am allerersten Schawuotfest in den Gottesbund zur Thora traten, dass sie oder ihre Söhne und Enkel jeder- zeit<strong> כָּל אֲשֶׁר דָּבָר ה&#8216; , </strong>alles, was Gott geboten, erst vor das Forum ihrer Klugheit und Neigung, ihrer Einsicht und Ansicht laden und die alte ewige Verfassungsurkunde immer einer Revision unterziehen sollten um in Hinblick aus Zeit und Umstände, aus Lage und Verhältnis zu bestimmen was und wie viel noch von den Gesetzen Gottes zur Geltung zu kommen habe oder nicht.</p>

<p class="has-medium-font-size" style="text-align: justify;">Das war nicht der jüdische „Leichtsinn&#8220;, um welchen die Heiden die Juden das<strong> עַמָּא פְּזִיזָא , </strong>das leichtfertige Volk schalten, das den Mund versprechen ließ, ohne dass das Ohr vernommen und geprüft, der aber in den Augen unserer Weisen eben Israel in den Chor der Gott dienenden Genien hob<strong>, </strong>die<strong>, גִּבֹּרֵי כֹחַ עֹשֵׂי דְבָרוֹ לִשְׁמֹעַ בְּקוֹל דְּבָרוֹ<a id="_ftnref24" href="#_ftn24"><sup><strong><sup>[24]</sup></strong></sup></a> , </strong>die „kraftgerüstet sein Wort vollstrecken um seinem Worte gehorsam zu sein,&#8220; die, wie Jesaias sie schaute, mit zwei Flügeln sich das Angesicht, mit zweien die Füße sich verhüllen und mit zweien dahin fliegen, im Dienste Gottes nicht fragen wo sie stehen, nicht fragen wohin es führt, Aug und Fuß verhüllt dahin eilen, wohin Gott sie ruft, die wie Jecheskel sie geschaut „geraden Fußes vor Gott stehen&#8220;, und wohin sein Geist sie weist dorthin wandeln und nimmer abweichen von ihrem Gange — das ist vielmehr die ganze heidnische Weisheit, die das Gottesgebot an den Menschen nicht kennt und nur dem Gott und seinem Orakel in der Menschenbrust lauscht — —</p>

<p class="has-medium-font-size" style="text-align: justify;">Das war endlich nicht der Sinn jener seligen Verheißung, mit welcher Gott uns am Sinai entließ<strong> בְּכׇל־הַמָּקוֹם֙ אֲשֶׁ֣ר אַזְכִּ֣יר אֶת־שְׁמִ֔י אָב֥וֹא אֵלֶ֖יךָ וּבֵרַכְתִּֽיךָ<a id="_ftnref25" href="#_ftn25"><sup><strong><sup>[25]</sup></strong></sup></a>,</strong> es gleichgültig wäre, wie und wo und womit wir uns zu Gott erheben würden, dass — wie das so gerne von den Orakeln unserer modernen heidnischen Weisheit gepredigt wird — dass auf die andächtige Regung allein alles ankomme, alles Übrige nur Form, nur gleichgültige und gleichgeltende Form sei, die der Mensch nach seiner jeweiligen Bildungsstufe und seinem jeweiligen religiösen Bedürfnis sich zu erfinden habe, „Gott komme überall wo wir seinen Namen nennen&#8220; — dass Gott mit dieser letzten Verheißung sein ganzes Gesetz wieder über den Haufen und uns wieder in die Subjektivität unseres eigenen, jeweiligen, heidnischen Beliebens zurückgeworfen<strong> — אֲשֶׁר </strong><strong>תַּזְכִּיר</strong><strong> אֶת שְׁמִי אֵין כָּתוּב כַּאן אֶלָּא בְּכָל מָּקוֹם אֲשֶׁר </strong><strong>אַזְכִּיר</strong><a id="_ftnref26" href="#_ftn26"><strong><sup><strong><sup>[26]</sup></strong></sup></strong></a><strong> , </strong>mahnt schon Rabbi Jochanan im Jeruschalmi Berachoth IV.  „Nicht überall, wo du meinen Namen nennst, heißt es, sondern überall wo ich meinen Namen nenne, wo ich es bin, der ich dich meinen Namen nennen lasse, wo du meinen Namen in meinem Geheiß, nach meinem Willen nennst, wo <strong>nicht das subjektive Belieben, wo der Gehorsam dich leitet —: da komme ich zu dir und segne dich.</strong></p>

<p class="has-medium-font-size" style="text-align: justify;">Und alle unsere Tempel, alle unsere Feier, alle unsere Chöre und Gesänge, alle unsere Feste und gottesdienstlichen Veranstaltungen nützen alle nichts, so wir nicht zu diesem ersten Gehorsam zurückkehren, mit welchem wir einst das Gottesgesetz empfingen.</p>

<p class="has-medium-font-size" style="text-align: justify;">Als es uns ward, da mussten wir uns reinigen und heiligen und unsere Kleider wechseln, mussten erst andere Menschen werden und aus der Subjektivität des Heidentums in die Dahingebung an den Dienst Gottes treten. In unnahbarer Höhe ward uns das Gesetz gezeigt, das uns <strong>gegeben</strong> werden sollte. Es ward das Volk, es wurden vor allem unsere Priester, die am nächsten zu Gott hintraten, gewarnt, die Grenze nicht zu überschreiten, ihrer Stellung bewusst zu bleiben, die ihnen Gott und seinem heiligen Gesetz gegenüber angewiesen ist<strong> &#8222;! יִתְקַדְּשׁוּ <a id="_ftnref27" href="#_ftn27"><sup><strong><sup>[27]</sup></strong></sup></a>&#8220; </strong>heißt diese Stellung. An die eigene Heiligung, an die eigene Vervollkommnung durch das Gesetz und zur Höhe des Gesetzes hin sind sie gewiesen, nicht aber dem Gesetz eine Weihe, eine Vollendung, eine fortschreitende Verbesserung zu bringen. Die Priester wie das Volk standen zurück als Gott das Gesetz <strong>gab</strong>. Priester wie Volk <strong>empfingen</strong> das Gesetz. Es war keine Religion ihrer Mache und wird nimmer eine solche werden<a id="_ftnref28" href="#_ftn28">[28]</a>.</p>

<p class="has-medium-font-size" style="text-align: justify;">Und schritte der Abfall vom göttlichen Gesetz auch noch weiter im jüdischen Kreis, erstünde auch ein Menascheh wieder in unseren Zeiten, der mit prinzipiellem Fanatismus dem göttlichen Gesetze den Untergang in Israel geschworen, würde die Zerfahrenheit auch noch größer, dass jedes Haus sich eine Beneige amah<a id="_ftnref29" href="#_ftn29">[29]</a> des Abfalls erbaute, unsere Tempel Altäre des Baal empfingen und unsere Jugend dem heidnischen Feuer der Sinnlichkeit und des Wahns verfiele: so lange es nicht gelingt die Bücher des göttlichen Gesetzes bis auf das letzte Exemplar zu vernichten, so lange ist die Sache dieses ewigen Gesetzes gerettet. Ein Buch bleibt übrig und das findet seinen Joschijahu. Der liest es und liest den ganzen Ernst und die ganze göttliche Wahrheit, die die Baalskünste unserer Pfaffen unserem Geschlecht entzogen, unserem Geschlecht entstellt, und es geht ihm zu Herzen und er steht auf für Gott und sein heiliges Gesetz in Israel und es sammelt sich das ganze Volk um ihn und tritt wieder neu ein in den Bund des Gesetzes. Keine dreißig Jahre vergehen — das äußere Geschick geht an den bitteren Früchten des Abfalls zu Grunde — aber das Gottesgesetz und Israel für das Gottesgesetz ist gerettet — und es öffnen sich die Himmel und mitten in der Zerstreuung ist Gott uns nahe — und welche Stürme auch kommen, mitten durch die Stürme der Zeiten trägt uns der Geist, tönt uns der Ruf:</p>

<p class="has-text-align-center has-large-font-size"><strong>בָּרוּךְ כְּבוֹד ה׳ מִמְּקוֹמוֹ !<a id="_ftnref30" href="#_ftn30"><sup><strong><sup>[30]</sup></strong></sup></a></strong></p>
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity" />
<p><a id="_ftn1" href="#_ftnref1">[1]</a> KI: Der Kebar (auch Chebar) ist ein in der Bibel (Jecheskel 1:1) erwähnter „Strom“ oder Kanal im antiken Babylonien (Land der Chaldäer), an dem jüdische Exilanten lebten.</p>

<p><a id="_ftn2" href="#_ftnref2">[2]</a> Jecheskel 1:1</p>

<p><a id="_ftn3" href="#_ftnref3">[3]</a> KI: Chilkijahu (auch Hilkija, hebräisch <em>Ḥilqiyyāhû</em>) war Hohepriester im antiken Juda im Tempel von Jerusalem unter der Herrschaft von König Josia (ca. 640–609 v. Chr.). Chilkijahu wird besonders bekannt durch den Fund des „Buches der Tora“ (Gesetzbuch) im Tempel, was eine zentrale Rolle bei den religiösen Reformen des Königs Josia spielte. Er wirkte in der Zeit der letzten sieben Könige Judas, insbesondere im 13. Regierungsjahr des Josia (ca. 627 v. Chr. wird als Beginn der prophetischen Wirksamkeit in diesem Kontext genannt).</p>

<p><a id="_ftn4" href="#_ftnref4">[4]</a> Wikipedia: Joschija oder Josia (auch Josias; hebräisch <strong>יֹאשִׁיָּהוּ</strong> Jôšijjā́hû; * um 647; † 609 v. Chr.) war von 640 bis 609 v. Chr. König des Reiches Juda (Südreich) aus der Dynastie der Davididen in der Königszeit Israels. Er war einer der prägendsten Gestalten in der Religionsgeschichte Israels.</p>

<p><a id="_ftn5" href="#_ftnref5">[5]</a> Das war im Jahr 1858, heute wäre es der 3337. Geburtstag. Nach Isaac Breuer war der erste Schawuoth 1320 Jahre vor der Zeitrechnung. (Kampf um Gott; Seite 148)</p>

<p><a id="_ftn6" href="#_ftnref6">[6]</a> KI: Die Redewendung „Hofluft schnuppern“ oder sich im „Kreis der Hofluft“ bewegen, bezieht sich metaphorisch auf die Nähe zu Machtzentren, elitären Kreisen oder einflussreichen Personen. Es beschreibt das Bestreben, Teil einer privilegierten Gesellschaft zu sein oder zumindest deren Atmosphäre zu erleben, oft verbunden mit dem Wunsch nach sozialem Aufstieg, Prestige oder Einflussnahme.</p>

<p><a id="_ftn7" href="#_ftnref7">[7]</a> Wikipedia: König Manasse (hebräisch <strong>מְנַשֶּׁה</strong> Menashe; * um 708 v. Chr.; † um 642 oder 641 v. Chr., regierte zwischen 696/95 und 642/41 v. Chr. das Südreich Juda.</p>

<p><a id="_ftn8" href="#_ftnref8">[8]</a> Das opfern auf und in persönlich individuell eingerichteten Opferstätten – nicht Teilnahme an den Opferungen zu  den Wallfahrtsfeiertagen usw.</p>

<p><a id="_ftn9" href="#_ftnref9">[9]</a> Jecheskel 17:4; Du wirst durch dein eigenes Handeln das Erbe verlieren, das ich dir gegeben habe;</p>

<p><a id="_ftn10" href="#_ftnref10">[10]</a> „Wir werden tun und hören“; Exodus 24:7</p>

<p><a id="_ftn11" href="#_ftnref11">[11]</a> Wikipedia: Zedekia oder Zidkija (hebräisch <strong>צִדְקִיָּהוּ</strong> ṣidqîjāhû, deutsch Gott ist (meine) Gerechtigkeit‘; * 618; † nach 586 v. Chr.) war der letzte König des Reiches Juda (Südreich) in der Königszeit Israels. Er hieß als dritter Sohn Josias ursprünglich Mataniah. Der babylonische König Nebukadnezar II. änderte Mataniahs Namen nach der Inthronisierung in Zedekia.</p>

<p><a id="_ftn12" href="#_ftnref12">[12]</a> Exodus 25:8; „Sie sollen mir ein Heiligtum schaffen, so werde ich unter ihnen wohnen.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>

<p><a id="_ftn13" href="#_ftnref13">[13]</a> Jecheskel 3:12</p>

<p><a id="_ftn14" href="#_ftnref14">[14]</a> Megilla 29a: <strong>שֶׁבְּכָל מָקוֹם שֶׁגָּלוּ — שְׁכִינָה עִמָּהֶן</strong> „denn wohin sie auch verbannt wurden, war die Göttlichkeit immer bei ihnen.“ (Übersetzung L. Goldschmidt)</p>

<p><a id="_ftn15" href="#_ftnref15">[15]</a> Exodus 20:21</p>

<p><a id="_ftn16" href="#_ftnref16">[16]</a> Jeder baut sich seine „Bama“ selbst</p>

<p><a id="_ftn17" href="#_ftnref17">[17]</a> angeblich</p>

<p><a id="_ftn18" href="#_ftnref18">[18]</a> Glaubenssatz, Bekenntnis, Grundsatz, Prinzip, Überzeugung</p>

<p><a id="_ftn19" href="#_ftnref19">[19]</a> Wikipedia: Nach 2 Kön 22,8–20 EU und 2 Chr 34,22–28 EU war Hulda die Frau Schallums. Sie lebte in Jerusalem während der Herrschaft des Königs Joschija von Juda und war eine Prophetin. Als man Joschija aus dem „Buch des Gesetzes“, das von dem Hohenpriester Hilkija während der Ausbesserungsarbeiten am Tempel gefunden worden war, vorlas, entsandte er eine Abordnung, um Gott zu befragen. Die Delegation wandte sich an Hulda, die daraufhin in prophetischer Rede ein zweiteiliges Wort Gottes ausrichtete. Zunächst wurde in einer Unheilsprophezeiung angekündigt, dass wegen ihres Ungehorsams all das im „Buch“ beschriebene Unglück über die abtrünnige Nation kommen werde. Im zweiten Teil übermittelte Hulda die persönliche Heilszusage an Joschija, wonach er das Unglück nicht mit ansehen müsse, da er sich vor Gott gedemütigt habe. Er werde sich mit seinen Vorvätern vereinen und in Frieden begraben werden.</p>

<p><a id="_ftn20" href="#_ftnref20">[20]</a> Asaf, auch Asaph, ist in der Bibel ein Gesangsmeister Davids und der Ahnherr einer nachexilischen Sängergilde.</p>

<p><a id="_ftn21" href="#_ftnref21">[21]</a> Psalm 50</p>

<p><a id="_ftn22" href="#_ftnref22">[22]</a> Anpassung</p>

<p><a id="_ftn23" href="#_ftnref23">[23]</a> KI: Reservatio mentalis (lateinisch für „geistiger Vorbehalt“) bezeichnet einen geheimen Vorbehalt, bei dem eine Person eine Willenserklärung abgibt, aber innerlich eine abweichende Absicht verfolgt, ohne dies dem Empfänger mitzuteilen.</p>

<p><a id="_ftn24" href="#_ftnref24">[24]</a> Psalm 103:20</p>

<p><a id="_ftn25" href="#_ftnref25">[25]</a> Exodus 20:21; „an jedem Orte, wo ich meines Namens gedacht wissen will, werde ich zu dir kommen und dich segnen.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>

<p><a id="_ftn26" href="#_ftnref26">[26]</a> Jeruschalmi Berachot 4:4; Es heißt nicht „wo du es erwähnen wirst“, sondern „an jedem Ort, wo ich meinen Namen erwähnen lassen werde“.</p>

<p><a id="_ftn27" href="#_ftnref27">[27]</a> Macht euch heilig!</p>

<p><a id="_ftn28" href="#_ftnref28">[28]</a> Siehe Leitmotiv unserer Broschüre: Das Judentum ist keine Religion (Umschlagseite)</p>

<p><a id="_ftn29" href="#_ftnref29">[29]</a> jedes Haus würde sich eine eigene (heidnische) Kultstätte / Opferhöhe des Abfalls errichten</p>

<p><a id="_ftn30" href="#_ftnref30">[30]</a> Gepriesen sei die Herrlichkeit des Herrn von seinem Ort aus.</p>
								</div>
				</div>
					</div>
		</div>
					</div>
		</section>
				</div>
		<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/siwan-5786/">Siwan 5786</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ijar 57876</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/ijar-57876/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Apr 2026 17:09:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Monatsblatt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hirschinitiative.de/?p=5499</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Tage zwischen Pessach und Schawuoth, die sogenannte Omerzeit, in der die Juden von Ägypten zum Gottesberg wanderten, ist der Aufhänger dieses Aufsatzes von Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l. Immer wenn wir meinen, schon fast am Ziel, am Berg Sinai zu sein, fallen wir von dem von Gott uns vorbezeichneten Weg ab, und beginnen wieder [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/ijar-57876/">Ijar 57876</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-small-font-size">Die Tage zwischen Pessach und Schawuoth, die sogenannte Omerzeit, in der die Juden von Ägypten zum Gottesberg wanderten, ist der Aufhänger dieses Aufsatzes von Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l. Immer wenn wir meinen, schon fast am Ziel, am Berg Sinai zu sein, fallen wir von dem von Gott uns vorbezeichneten Weg ab, und beginnen wieder unsere Wanderung im Sklavenhaus. — Die Zeit, die Gott uns auf Erden schenkt, richtig nutzen, das bedeutet das „Zählen von Tagen und Wochen“ während dieser Periode.</p>



<p class="has-small-font-size">Dieser Artikel stammt aus der Zeitschrift „Jeschurun“, 2. Jahrgang, Heft 8, Mai 1856. Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst, wo nötig mit KI überarbeitet und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter: <strong></strong></p>



<p class="has-text-align-center"><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2939783">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2939783</a></p>



<p><em>Mit KI habe ich eine kurze Inhaltsangabe gefertigt:</em></p>



<p><em>Der Text beschäftigt sich mit den „Wochen und Tagen der Übergangs-Periode“, mit der Zeit zwischen Pessach und Schawuoth, der sogenannten Omerzeit. In dieser Zeit wanderten die Juden von der Befreiung aus Ägypten bis zum Empfang der Tora am Berg Sinai. Das Zählen von Tagen und Wochen, wie es religiös geboten ist, wird als Sinnbild für das richtige Nutzen der Zeit und als Prüfung dargestellt.</em></p>



<p><em>Der Autor beschreibt, wie das Alte vergangen ist und das Neue noch nicht vollendet wurde. Oft scheitert die Hoffnung auf eine bessere Zukunft an den Prüfungen der Zeit, und alte Missstände kehren in neuen Formen zurück. In dunklen Perioden, in denen die Menschheit den Sinn und Halt verliert, richtet sich das Gebet an Gott, der als einziger unveränderlicher Angelpunkt der Zeiten erscheint. Die Geschichte der Menschheit wird aus göttlicher Perspektive betrachtet: Jahrtausende sind für Gott wie flüchtige Momente, und der Mensch erkennt seine Ohnmacht gegenüber dem göttlichen Willen.</em></p>



<p><em>Die zentrale Botschaft ist, dass wahre Weisheit und Seligkeit nicht aus der äußeren Erforschung der Welt, sondern aus der inneren Verbindung zu Gott entstehen. Die Menschheit kann erst dann Frieden und Erfüllung finden, wenn sie ihre Taten im Einklang mit dem göttlichen Gesetz vollbringt und jeden Augenblick bewusst und treu lebt. Solange Menschen versuchen, aus eigener Kraft Recht und Wahrheit zu definieren, bleiben sie gefangen in den Kreisläufen von Macht, Schwäche und Leidenschaft.</em></p>



<p><em>Erst wenn die Menschheit ihre Grenzen erkennt und sich nach einem höheren, göttlichen Gesetz sehnt, kann sie wirklichen Frieden und Beständigkeit erlangen. Diese Erkenntnis spiegelt sich im Gebet Mosches (Psalm 90) wider, der um göttliche Führung und Gesetz bittet. Die Geschichte Israels wird als Beispiel genommen: Nur durch Prüfungen, Wüstenwanderungen und Selbsterkenntnis reifte das Volk zur Empfängnis des Gesetzes und zum Gesetzesvolk.</em></p>



<p><em>Die Bedeutung der Omerwochen liegt darin, dass Israel gerade in Zeiten der Prüfung und Umwandlung lernen muss, seine Tage und Wochen zu zählen – als Zeichen für die fortwährende Wanderschaft und Entwicklung auf dem Weg zum Ziel. Dabei wird betont, dass nicht nur die Wochen als größere Zeitabschnitte, sondern auch die einzelnen Tage voller Bedeutung sind: Jeder Tag des Ausharrens, der Treue und des Kampfes trägt zur Erfüllung des göttlichen Plans bei.</em></p>



<p><em>Abschließend wird deutlich gemacht, dass Gott die Treue und den Zusammenhalt der wenigen Gerechten in Zeiten der allgemeinen Verirrung besonders wertschätzt und das geistige Band zwischen Vergangenheit und Zukunft bewahrt. Die Gedanken und das Gebet der Gottesfürchtigen werden von Gott gehört und in einem „Buch des Gedächtnisses“ festgehalten. So bleibt die Hoffnung bestehen, dass das Ziel – die Versammlung am Sinai und die Ernte der Früchte aus den Mühen der Vorfahren – eines Tages erreicht wird.</em></p>



<p class="has-text-align-center has-large-font-size"><strong>Wochen und Tage der Übergangs-Perioden.</strong></p>



<p class="has-text-align-right"><strong>מִצְוָה לְמִימְנֵי יוֹמֵי,<br>וּמִצְוָה לְמִימְנֵי שָׁבוּעֵי<a href="#_ftn1" id="_ftnref1"><sup><strong><sup>[1]</sup></strong></sup></a></strong></p>



<p class="has-text-align-right">Zählet Tage<br>Und zählet Wochen!</p>



<p>Das Alte ist geschwunden — das Neue noch nicht da. Und was noch trüber ist, auch das Neue ist schon alt geworden. Woran die Menschen ihre Hoffnungen für die neue Zukunft geknüpft, es hat die erste Probe nicht bestanden, es war nur in wenigen Gemütern in sittlicher Klarheit und Wahrheit aufgegangen und war den anderen nur eine neue Maske für das alte morsche Unrecht, für den alten morschen Wahn. Darum hat es nicht Stand gehalten in den Geburtswehen der Zeiten und aus seinen Trümmern haben sich die Menschen den Sarg für ihre Hoffnungen gezimmert und haben die Hoffnung begraben und haben gelernt sich ihrer Hoffnung zu schämen.</p>



<p>Und die morgenrotlose Nacht der Gemüter weckt all das Nachtgetier, all das Ungetüm der Nachtgespenster aus ihren kaum verschütteten Gräbern, das alte Unrecht und den alten Wahn und die dumm zutappende Gewalt und die Blindschleichen der Geisterverdumpfung und die kalte schmalstirnige Selbstsucht — auf dem Grabe der Morgenröte beginnen sie ihre nächtlichen Orgien zu feiern, ihnen, den Wiederauferstandenen, meinen sie, sei nun erst recht das Reich ihrer ewigen Herrschaft, gekommen, darum feiern sie schamlos nackt ihre nächtlichen Orgien. Die Erlösungsideen der Wahrheit und des Rechts, der Heiligung und der Sitte, der Menschenwürde und des göttlichen Adels der Menschenseelen sind ja zum Gelächter geworden. Darum verschmähen sie die Hüllen, mit denen sie einst auf ihrem ersten Grabesgang ihre Blößen noch gedeckt, die kindischen Lappen lassen sie den Särgen, zeigen der erschreckten Zeit die alten Schwären<a href="#_ftn2" id="_ftnref2"><sup>[2]</sup></a> und den alten Moder in ihrer ganzen unverhüllten Schreckensgestalt — und sehen nicht in ihrem Taumel, wie sie eben in dieser Verblendung sich das Grab noch tiefer graben, die alte Sehnsucht nach Erlösung nur umso mächtiger wecken und einen Herold mit der Morgenrotbitte an den Thron des Weltenrichters senden, der noch immer Einlass gefunden — die Träne, die die gedrückte, die verkümmerte Menschheit weint.</p>



<p>Eine solche Zeit, in welcher der Genius der Menschheit verzweiflungsvoll in die Nacht ausschaut und vergebens den Schimmerpunkt im Osten sucht, an welchen sich die Hoffnung klammern könnte, es habe schon die Sonne den Nadir<a href="#_ftn3" id="_ftnref3"><sup>[3]</sup></a> überschritten und sende bereits den Dämmerhauch ihres Heranzuges hinter den Rücken der nächtlichen Schläfer voraus — eine solche Zeit, in welcher das Gefühl der Unzulänglichkeit des Bestehenden alle erfüllt, ohne dass einem die Zuversicht inne wohne, die Menschheit werde nun auch fähig sein, aus eigenem Schoße das Neue, das Bessere dauernd zu gebären, — eine solche Angstperiode des Überganges, in welcher die Jahrtausende der Vergangenheit zu versinken scheinen und die Gegenwart verzweiflungsvoll die Hände ringt und sich nicht zu sagen wagt, ob sie als der letzte müde Ausläufer dieser Vergangenheit mit in das Geröll der alten Nacht verschüttet zu werden bestimmt sei, oder die Erschütterungen, die sie fühlt, schon den Geburtswehen einer jungen, frischen Zukunft angehören, vor der sie gleichwohl wie vor jedem Unbekannten nicht minder zittert, weil sie es fühlt, dass, wenn diese Zukunft kommt, sie ohne ihr Zutun nur als Gnadengeschenk einer höheren Macht ihr komme, der sie willenlos wie das Kind im kreisenden Mutterschoß in den Armen liegt — eine solche Zeit war es, in welcher der erste jüdische Seher einst sein Gebet hinaus- betete in die Nacht.</p>



<p>Zu dem einen Einzigen flüchtete er sich hinaus, der „der einzige feste unwandelbare Angelpunkt ist in dem wechselnden Gang der dahin rollenden Zeiten! Wie die Erde, so lässt Er auch die Menschenwelt kreisen, wenn neue Bergeshöhen sich in ihr erzeugen sollen, — sei immer dunkel die Vergangenheit, dunkel die Zukunft, von verhülltem Zeitanfang bis zum verhüllten Zeitenende ist Er allein die alles bewegende Kraft, die alles tragende Macht, ist Er allein — Gott! Bis zur Vernichtung lässt Er die alternde Menschheit schwinden wenn Er gesprochen: kehret wieder als neue Adamssöhne. Tage und Jahre zählt der kurzatmige Mensch; aber von Gottes Augen überschaut gruppiert sich die Geschichte nach Jahrtausenden, und da sind tausend Jahre oft nur wie der Wendepunkt, der den gestrigen Tag von dem heutigen scheidet, sind oft nur eine Nachtwache in der Nacht! Er lässt sie dahin strömen — ihre Bedeutung ist: Schlaf — der Morgen kommt und es steht erfrischt auf wie Kraut — am Morgen blüht es und treibts — es geht zum Abend wieder, dann bricht man die Frucht ab — und wieder dorrt es hin. Wenn es aber mit einem Geschlechte zu Ende geht und es sich ratlos unterm göttlichen Unwillen fühlt, dann sind seine Verkehrtheiten vor Gott getreten, zugleich aber auch die in ihm schlummernde bessere Zukunft vor das Licht seines Angesichts gekommen. Denn wenn erst unsere Tage nichts mehr bedeuten, dann vollenden wir auch unsere Jahre wie einen Traum. Wenn unsere Tage in unsere Jahre und unsere Jahre in jene Jahrtausende aufgehen, wir siebzig und wenn es hoch geht achtzig Jahre in diesen Ozean der Zeiten zählen, Jahre, deren Kern Elend und Unrecht ist, Unrecht ist das wir leiden, oder Unrecht das wir üben, dann — wenn dann die rasche Eile uns abmäht — dann freilich fliegen wir dahin! Wer aber,“ so betete vor mehr als dreitausend Jahren der Seher, „wer aber begreift die stärkende Kraft deines Zornes und dass du nur so viel zürnst, als du verehrt sein willst! Unsere Tage zählen, <strong>das</strong> mögen wir lernen, und dann ein weises Herz mit heimbringen; dann wende dich wieder o Gott, und gib andere Zeiten deinen Dienern. Lasse, wenn es dann wiederum tagt, uns im Bewusstsein deiner Liebe unsere Befriedigung finden, dann werden wir an <strong>jedem</strong> Tage unserer Tage fröhlich sein und froh. Wie du uns Tage gabst, in denen du uns unser Elend fühlen ließest, Jahre, in denen wir nur Unglück kannten, so gib Du uns Freude wieder. Lasse deinen Dienern sich dein Werk erschließen und deine Herrlichkeit über ihre Kinder sich offenbaren, dass an uns die Seligkeit, die du Gott, unser Gott, allein verleihst, sich bewähre: Begründe unserer Hände Werk auf uns, und das Wirken unserer Hände bestimme du es!“ <a href="#_ftn4" id="_ftnref4"><sup>[4]</sup></a></p>



<p>Es ist das Gebet Mosches, des göttlichen Mannes, das wir in schwach nachlallenden Worten wiederzugeben versucht, es ist das Gebet, dessen Kommentar die Weltgeschichte bildet und dessen gottgehobener Blick auf das letzte Ziel aller Menschheitsentwicklung hinweist, aber auch Geist und Gemüt mit einer Weisheit zu rüsten vermag, die die dunkelsten Perioden des Übergangs zu dem einst lichtig tagenden Ziel heiteren Mutes zu bestehen lehrt.</p>



<p>Wohl ist es tröstlich beruhigend, die Jahre der Menschheit aus der göttlichen Himmelsperspektive zu beschauen, in welcher Jahrtausende zu einzelnen Übergangsmomenten in dem großen Entwicklungsdrama der Menschheitsbestimmung zusammenschwinden, wohl ist es tröstlich beruhigend sich sagen zu können: „die Gänge der Zeiten sind sein!&#8220;, sein allmächtiger Wille trägt die Welt und seine ewige Weisheit führt alles herrlich zum Ziel, aus der Nacht zum Tag, aus dem Moder zur Blüte, aus dem Tod zum Leben, wohl mag unser Kleinmut beschämt verstummen, wenn wir auch in der kurzen Spanne unserer siebzig, achtzig Jahre nur so wenig Erfüllung der heißesten Wünsche für das Heil der Menschheit zu erspähen vermögen, indem wir bedenken, wie das, was uns in unserer Beschränktheit nur als Misston erscheint, sich in harmonischen Einklang im Akkord der Äonen<a href="#_ftn5" id="_ftnref5"><sup>[5]</sup></a> auflöst, und was wir als Grabesgang der Vernichtung betrauern, als Vorbereitung ihrer Auferstehung von unseren Urenkeln begrüßt werden werde, und wohl mag hohe Seligkeit den Sterblichen durchschauern, dem es vergönnt wäre, diesen „Gängen Gottes in dem Heiligtum&#8220; der Zeiten denkend, anbetend, zu folgen — allein die Menschheit erlösende Weisheit ist dieser Jahrtausende umspannende Gedanke — nicht. So lange das Heute seinen Trost im „Morgen&#8220; und der morgende Tag nur in dem sich zu versprechen vermag, was ihm der folgende bringen könne, so lange werden Jahre, Jahrhunderte, Jahrtausende dahinschwinden, und Geschlechter vergehen — und haben den Trost nicht gefunden. Erst wenn wir die Weisheit gefunden, die uns <strong>Tage</strong> zählen lehrt, erst wenn <strong>jeder</strong> treu erfüllte Augenblick unseres Daseins in sich uns seine volle Seligkeit zu bringen vermag, wenn wir das Bewusstsein gefunden, das in jeden dahinschwindenden Augenblick die ganze Wonne aller Ewigkeiten zu legen versteht, erst dann wird in jedem Augenblick die ewige Seligkeit reifen und nicht Jahrtausende erst zu sühnen haben, was Jahrtausende gefehlt. Das ist aber die Weisheit, die sich nicht erst aus der Wissenschaft des Himmels und der Erde, nicht aus dem in den Lineamenten<a href="#_ftn6" id="_ftnref6"><sup>[6]</sup></a> des Erdballs, in dem Adergeflecht der Wanzen und Tiere und Menschen erspähten Leben, nicht aus den durchforschten Geheimnissen der Sphären in den Höhen, der Schachten in der Tiefe, der mikroskopischen Wunder im Reich der Lebendigen und der Toten mühsam zusammenbuchstabiert, das ist überall die Weisheit nicht, die dem Menschen erst aus dem sich in die Ferne der Zeiten und Räume verlierenden Blick erwächst, das ist die Weisheit, die dem Menschen aus dem Blick in das <strong>eigene</strong> Innere erblüht, wenn ihm dort das Gottesbewusstsein aufgegangen, und ihm die Welt als Gotteswelt und ihn sich als Gotteskind und Diener gelehrt und er die Frage hinaus ruft an seinen und aller Welten, aller Zeiten Gott: was willst du, dass ich in meiner Spanne Zeit, auf meiner Spanne Raum, mit meiner Spanne Mitteln vollbringe, und er die Stimme Gottes vernimmt, und er der Stimme Gottes gehorcht. Das ist die Weisheit, die in die Sehnsucht nach dem göttlichen Gesetz aufgeht, die die großen Gänge der Zeiten Gott überlässt, und dem Menschen die Seligkeit, die frohe ungetrübte Heiterkeit bringt, die selbst die kurze Spanne eines Eintagslebens durch das Bewusstsein voll zu verleihen vermag: an dieser Stelle, in dieser Zeit, mit diesem kurzen Maß von Kräften den Willen Gottes erfüllt, seiner Bestimmung genügt zu haben. Das ist die Weisheit, die der alte Seher in den einen Wunsch zusammenfasst: Gründe unsere Taten auf uns, mache uns selbstständig, mache uns frei, mache uns unabhängig von der Willkür, von dem Zwang der Gewalten und Mächte und von dem erst im Laufe der Zeiten reifenden Erfolg, lege die Bedingung unseres Handels und den Wert unserer Taten in <strong>uns</strong>, gründe unsere Taten auf <strong>uns</strong>, aber das Tun unserer Hände bestimme <strong>du</strong>, gib du uns das Gesetz für unsere Taten, auf dass jeder einzelne Moment unseres Schaffens und Tuns uns die Beruhigung, uns die Überzeugung, die Gewissheit verleihe, mit jedem Kleinsten und Größten unserer Lebensäußerungen im Einklang mit deinem Willen, deinen großen und ewigen Zwecken und unserer heiligen, ewigen Bestimmung zu stehen und so &nbsp;&nbsp;<strong>&#8222;</strong> <strong>נוֹעָם &#8222;</strong>, die süße Melodie des harmonischen Einklangs unser ganzes Wesen und Leben durchdringe und wir die Seligkeit ganz empfinden, in dem verschwindendsten Augenblick der Tage den uns zugewiesenen Ton gewissenhaft und treu, rein und klar in das große Konzert der Jahrhunderte gespendet zu haben —</p>



<p>Das ist aber auch die Weisheit, in der allein einst der in immer wiederkehrenden Stürmen bewegte Wellenschlag der Gesellschaft zur Ruhe kommen wird. So lange die Freiheit und das Recht, die Selbstständigkeit und die alle gleich adelnde Menschenwürde nur von Menschen und aus dem Menschen heraus gelehrt, demonstriert und verfochten werden wird, so lange wird dies alles immer wieder und wieder, — und oft von denselben Menschen in anderer Glückslage — von Menschen und aus dem Menschen, aus der natürlichen äußerlichen Verschiedenheit der Menschen heraus, bestritten und geleugnet, bekämpft und vernichtet werden, so lange wird immer wieder und wieder der Stärkere zu dem Schwachen, der Herr zu dem Diener sprechen: ich bin mehr als du; sonst wäre ich nicht dein Herr! Und so lange von Menschen das Gesetz für den Menschen gefunden werden soll, so lange die ganze Arbeit der Menschheit noch darin aufgehen soll erst festzustellen, was denn das Wahre und das Rechte, das Edle und das Gute sei, durch welche Formel denn endgültig das Maß für die Tätigkeit und die Bestrebungen der Einzelnen und der Gesamtheit zum dauernden Heile der Gesamtheit und der Einzelnen zu suchen wäre, so lange wird jeder Tag ein anderes Recht und eine andere Wahrheit statuieren, so lange wird der morgende Tag — und oft von denselben Menschen in inzwischen veränderter Stellung — das in Frage gestellt finden, was der gestrige geheiligt, so lange werden Einseitigkeit und Schwäche, Beschränktheit und Leidenschaft, Selbstsucht und Interesse die Gesetze der Menschheit diktieren, so lange wird sich immer wieder und wieder der Blick der Menschen trüben, und ihnen nur das Recht heilig sein, das sie fordern und genießen, in ganz anderem Licht aber ihnen das Recht erscheinen, das sie zu zollen hätten und zu üben — so lange werden die Annalen der Menschheit mit Tränen und Blut geschrieben werden, so lange wird der Kern ihrer Geschichte in &nbsp;<strong>עָמָל וָאָוֶן</strong>, in Elend oder Gewalt aufgehen, und der Friede nur in der Brust des Vereinsamten wohnen. Und so lange noch die Menschen an ihre Zulänglichkeit und ihren Beruf glauben, aus sich heraus die Gesellschaft und den Staat, die Welt und die Gottheit zu gebären und auf ihren Kinderarm den Atlas des Weltalls zu tragen, so lange wird ihre Welt, die Welt des Menschen auf einem feuerdurchglühten Vulkan stehen, und Leidenschaft und Schwäche die umwälzenden Faktoren der Weltgeschichte bleiben. So lange ferner die Erforschung der Wunder der Natur den Menschen immer wieder und wieder zur Anbetung seiner selbst führt, und er vor der Majestät des eignen Geistes kniet, der die Sterne in den Höhen und den Keim in der Tiefe in ihren Gängen und Entwicklungen belauscht, und ihn der Glanz des eigenen Geistes blendet, die überwältigende Strahlenglorie des Geistes nicht zu schauen, dessen Gedanken eben in diesen Wundern sich offenbaren, und dessen Größe und Allmacht und Weisheit und Herrlichkeit und Waltung und Herrschaft in diesen Wundern und in dem Wunder aller Wunder: in dem erkennenden Menschengeist und in dem empfindenden Menschengemüt strahlt und dessen Geist zu unserem Geist aus den Wundern seiner Schöpfung spricht — so lange werden die Angelegenheiten der Menschen jenem Spiel der Leidenschaften, jenem Kampf der Interessen und jenem Gaukelspiel wechselnden Wahnes unrettbar verfallen bleiben, weil ihnen der ewige, feste, unwandelbare Angelpunkt außerhalb und über der Menschheit fehlt, dessen allmächtiger Wille was wahr ist und recht, was rein ist und gut, unantastbar festsetzt, und dessen allmächtige Weisheit und Güte immer bereit ist, das Reich der Weisheit und des Rechts, der Reinheit und Güte auf Erden segnend und schirmend zu fördern, sobald die Menschen sich dem Dienst dieses Reiches mit Aufrichtigkeit und Treue weihen.</p>



<p>Wenn aber einst die Menschen an das Ende ihrer vergeblichen „weltschaffenden&#8220; Versuche angelangt, und ihrer Schwäche und Ohnmacht inne sie die Sehnsucht nach einem <strong>über</strong> ihren Leidenschaften und Schwächen, über ihren Verirrungen und Irrtümern weit hinaus stehenden festen Höhepunkt fassen wird, an welchen sie die Angelegenheiten ihrer kleinen und doch so großen Welt sicher knüpfen könnten — und ihnen gleichzeitig die Schuppen von den Augen fallen und ihnen aus der immer wachsenden Erkenntnis der Welt und ihrer Gesetze endlich, endlich der <strong>Gesetzgeber</strong> in seiner Glorie entgegenstrahlen wird, dann werden sie ihm anbetend entgegenjauchzen, und es wird sie die Sehnsucht nach der Seligkeit einer Ephemeride<a href="#_ftn7" id="_ftnref7"><sup>[7]</sup></a> fassen, die, vom Gesetz des großen Einzigen getragen, selig in seinem Dienst ihr Eintagsleben verlebt, und sie werden hinausbeten zu dem Weltschöpfer und Gesetzgeber: Lasse uns Teil haben an deiner, deiner Welt verliehenen Seligkeit, das Werk unserer Hände gründe auf uns, aber unserer Hände Werk stelle <strong>du</strong> fest, — gib uns dein <strong>Gesetz</strong>, auf dass wir teilhaben an deinem Frieden: <a href="#_ftn8" id="_ftnref8"><sup>[8]</sup></a>   <strong>וִיהִ֤י</strong> <strong>נֹ֤עַם אֲדֹנָ֥י אֱלֹקינוּ עָ֫לֵ֥ינוּ וּמַעֲשֵׂ֣ה יָ֭דֵינוּ כּוֹנְנָ֥ה עָלֵ֑ינוּ וּֽמַעֲשֵׂ֥ה יָ֝דֵ֗ינוּ כּוֹנְנֵֽהוּ</strong>, und dann wird Gott das Gebet seiner Kinder erhören, wie er einst das Gebet seines Dieners Mosche erhört, ja durch ihn schon im Voraus auch ihrem einstigen Gebet Erfüllung bereitete.</p>



<p>Denn Mosches Sehnsucht nach dem Gesetz und nach dem ,,Frieden auf Erden durch das Gesetz aus der Höhe&#8220; ward erhört. Ihn selber erwählte Gott zum Werkzeug der Erfüllung seines Gebets. Er ward gesendet die <strong>שְׁנֵי אַלְפֵי תֹּוהוּ</strong> , die zwei Jahrtausende chaotischer Geschichtsnacht abzuschließen, die <strong>שְׁנֵי אַלְפֵי תּוֹרָה </strong>, die zwei Jahrtausende der Pflanzung des Gesetzes in den Schoß eines Volkes zu begründen, das dann, hinausgestreut in alle Welt, die <strong>שְׁנֵי אַלְפֵי יְמוֹת הַמָּשִׁיחַ</strong> ; die zwei Jahrtausende der Vorbereitung der Erlösung aller Völker durch dies Gesetz vermittelnd durchzuleben bestimmt sein sollte.</p>



<p>Aber nur durch lange und bange Prüfungsnächte der Selbsterkenntnis reift die Menschheit der Sehnsucht und dem Licht Gottes entgegen.</p>



<p>Nur in bangen Prüfungsnächten reifte auch Israel zur Empfängnis des Gesetzes empor. Nur in bangen Prüfungsnächten erstarkte es und erstarkt es in dem göttlichen Beruf, das Gesetzes-Volk zu sein.</p>



<p>Nur durch die Wüste ging — und geht der Weg zum Sinai. Es genügte nicht, im einzig hervorragenden Rettungsmoment die „starke Gotteshand&#8220; zu schauen, die dem Ross und dem Mann und dem Weltmeer gebietet, es genügte nicht sie „fürchten&#8220; und ihr „vertrauen&#8220; gelernt zu haben, — in der Wüste und durch die Wüste musste Mosche das Volk zum Sinai führen, in „Marah&#8220;, dort, wo die Wüste starrt und das Wasser bitter, und nur durch den „von Gott gelehrten Baum&#8220; süß geworden, dort, wo Israel die eigene Ohnmacht und die Kraft des göttlichen Wortes, und die diesem Worte ewig Nahe Bundesallmacht Gottes kennen gelernt — dort,<strong> <a href="#_ftn9" id="_ftnref9"><sup><strong><sup>[9]</sup></strong></sup></a>שָׁ֣ם שָׂ֥ם ל֛וֹ חֹ֥ק וּמִשְׁפָּ֖ט וְשָׁ֥ם נִסָּֽהוּ</strong>, dort legte Gott den Grund, dort gründete er ihm Gesetz und Recht und dort führte Er es in die Prüfungsschule und sprach: „Wirst du der Stimme Gottes, deines Gottes horchen und was in seinen Augen das Rechte ist üben , seinen Geboten dein Ohr entgegen bringen und alle seine Gesetze hüten: so werde ich all das Siechtum, das ich in Mizrajim gegeben, über dich nicht verhängen; denn Ich, Gott, bin dein Arzt.<a href="#_ftn10" id="_ftnref10"><sup>[10]</sup></a>&#8222;</p>



<p>Und so oft Israel an der Kraft dieses göttlichen Wortes irre geworden und das gesetzlose Siechtum der Völker als ungebundene Fülle der Gesundheit beneidete, führte Gott es immer wieder und wieder in die Wüste, zerstreute es zuletzt hin in die <strong>מִדְבַּר הָעַמִּים</strong> , in „die Wüste der Völker&#8220;, ließ es kennen lernen die von ihm beneideten siechen Zustände der Völker, ließ es die öden Jahrhunderte der Völkergeschichte durchwandern und in der Wüste der Zeiten, am Bitterbrunnen, stets die wunderbar erhaltende und beseligende Kraft des Gesetzes erfahren, das es trug.</p>



<p>Die Wochen vor allem, in welchen es von Mizrajim durch die Wüste zu dem Sinai gewandert und am Schilfmeer, am Bitterbrunnen, bei Manna und Wachteln, am Haderfels und unterm Amaleks- schwert die immer nahe Wundermacht Gottes — aber auch die eigene Ohnmacht, und den eigenen Ungehorsam und den eigenen Kleinmut erfuhr, der immer noch zweifelnd sich fragte: ob wohl Gott bei mir ist oder nicht? — diese sieben Wochen waren es vor allem, in welchen es noch nach Jahrtausenden stets die höchsten Prüfungen zu bestehen hatte, so oft es das Banner seines Gesetzes verloren hatte und erst wieder durch die Wüste — zum Sinai wandern sollte.</p>



<p>Und durch diese Wochen des Überganges, der Wanderung und Prüfung geleitet uns das <strong>Gebot</strong>: <strong>Wochen und Tage zu zählen.</strong></p>



<p>Wir zählen <strong>Wochen</strong> und sagen uns, wie glücklich auch die äußeren Zustände sich zu gestalten scheinen mögen, — mögen sie uns nimmer blenden! Nur auf den Höhen des Gesetzes winkt uns das Ziel, bedeutungslos sind unsere Tage, so wie noch fernab vom Sinai. Und wenn auch Äcker blühen und Sicheln sich regen, für Israel blüht kein Acker, für Israel grünt keine Saat, „Israels Händewerk steht nimmer selbstständig und fest auf seine freie Kraft gegründet, so ihm Gott nicht dies Händewerk begründet,&#8220; so ihm Gottes Gesetz nicht feststellt das Wirken seiner Hand, so es Gott nicht dient mit seinem Wirken und Schaffen. Israel hat sein Ziel nicht erreicht bis es seine Prüfungswochen durchgezählt und einmütig wieder um den im Gesetzesfeuer leuchtenden Sinai-Gipfel lagert.</p>



<p>Wir zählen <strong>Wochen</strong> und sagen uns, wie trübe sich auch die Zeiten gestalten und wenn auch Druck und Hohn, Verkennung und Gewalt uns die Tage unserer Wanderschaft umdüstern — Tage runden sich zu Wochen, — vorwärts liegt unser Ziel, — vollenden wir nur mutig und stark die Wochen der eigenen Umwandlung, der eigenen Prüfung und Läuterung, wandern wir nur mitten durch die Wüste zu den Höhen des Sinai heran, auf dem Gipfel des Gottesberges wohnt das Gesetz und die Freiheit, — die Hand, die das Werk unserer Hände festigt, festigt auch die Hand für das Werk.</p>



<p><strong>Wochen</strong> zählen wir. Lasst den Kleinmut am Kummertuch der Gegenwart nagen, lasst den Kleinmut über die trüben Gestaltungen des Tages an der lichteren Zukunft verzweifeln, lasst die Ungeduld in dem langsamen Fortschritt der Zeiten die Hoffnung verlieren, jeder Tag bringt uns dennoch vorwärts! Und wenn auch derer immer weniger werden, die den Tag ihrer Wanderung nach ihrer Entfernung vom Sinai zählen und schätzen, immer weniger derer, die sich nach der Sinai-Höhe sehnen und von dem leuchtenden Sinai-Gipfel Licht und Wärme, Glut und Leben erhoffen, und immer stärker wird die Zahl derer, die die durch die Wüste zum Sinai wandernde Jakobsfamilie verlassen, und seitabwärts zu Ammon und Moab, Amalek und Edom pilgern, oder sich eine Oase in der Wüste erwählen, oder sich in den Irrgängen der Einöde verlieren — wir wissen es, Wochen des Übergangs, der Prüfung und Läuterung zählen wir, die Periode der Nacht und der Nichtigkeit geht herum, es kommt das Ende, es winkt das Ziel, die Enkel, die Urenkel finden sich einst alle wieder am Sinai zusammen und ernten in Freuden die Garben, die die Väter in Tränen und Seufzen gesät.</p>



<p><strong>Aber wir zählen auch Tage!</strong> Mögen auch erst Enkel, Urenkel erst sich der heiteren, besseren, glücklicheren Zeit in Israel erfreuen, mögen erst ihnen die Saaten reifen, für die die Väter den Boden erst unter Tränen und Seufzern erkämpfen, auch die Tage der Tränen und des Seufzens, auch die Tage des Kämpfens und Ringens, die Tage des mutigen Ausharrens und der vereinsamten Festigkeit, auch die nur im Hinzählen zur Woche ihre Bedeutung suchenden und erst im Abschluss der Woche ihre Bedeutung findenden Tage sind bedeutungsvoll und wiegen inhaltsschwer auf der gerechten Wage des ewigen Zeitenrichters. <a href="#_ftn11" id="_ftnref11"><sup>[11]</sup></a> <strong>יָ֭קָר בְּעֵינֵ֣י ה&#8216; הַ֝מָּ֗וְתָה לַחֲסִידָֽיו</strong> &nbsp;„auch ein solcher Tod der Gott-Treuen wiegt schwer in Gottes Augen&#8220;, er zählt nicht nur die schaffende Tat, das vollendende Wirken, den verwirklichenden Aufbau seines Reiches auf Erden — in Zeiten des Überganges, wo das Schaffen so schwer, das Wirken so gehemmt, der vollendende Aufbau und Ausbau fast unmöglich, gilt ihm auch die Treue der Gesinnung, die Wahrheit der Gedanken, die Kraft des Beharrens, der Sieg des Gewissens, und auch die haben ihm gelebt, die in Zeiten des Leichtsinns und des Abfalls, des Irrtums und des Wahns, die <strong>Gedanken</strong> des Ernstes und der Treue, der Wahrheit und des in Gott zu vollendenden Lebens und damit das geistige Band gerettet, das einst die bessere, erleuchtetere Zukunft mit dem von Gott gelegten Boden der Vergangenheit zu verknüpfen vermag, aus welchem dann das richtigere, vollere Heil den Urenkeln erblühen wird. An dem stillen, geistigen, sich gegenseitig weckenden und ermutigenden Zusammenhalten weniger Treuen spinnt Gott in Zeiten allgemeiner Verirrung das Band <strong>seiner</strong> Geschichte fort,</p>



<p class="has-text-align-center">&nbsp;<strong>אָ֧ז נִדְבְּר֛וּ יִרְאֵ֥י ה&#8216; אִ֣ישׁ אֶל־רֵעֵ֑הוּ וַיַּקְשֵׁ֤ב ה&#8216; וַיִּשְׁמָ֔ע וַ֠יִּכָּתֵ֠ב סֵ֣פֶר זִכָּר֤וֹן לְפָנָיו֙ לְיִרְאֵ֣י ה&#8216; וּלְחֹשְׁבֵ֖י שְׁמֽוֹ׃</strong><strong></strong></p>



<p class="has-text-align-center"><strong>וְהָ֣יוּ לִ֗י אָמַר֙ ה&#8216; צְבָא֔וֹ&#8216; לַיּ֕וֹם אֲשֶׁ֥ר אֲנִ֖י עֹשֶׂ֣ה סְגֻלָּ֑ה וְחָמַלְתִּ֣י עֲלֵיהֶ֔ם כַּֽאֲשֶׁר֙ יַחְמֹ֣ל אִ֔ישׁ עַל־בְּנ֖וֹ הָעֹבֵ֥ד אֹתֽוֹ׃</strong><strong></strong></p>



<p>im still trauten Verkehr tauschen die Gottesfürchtigen dann ihre Gedanken aus einer gegen den anderen, und Gott merket auf und hört es und daraus schreibt sich das Buch des Gedächtnisses vor ihm für die, die ihn fürchten und seinen Namen denken. ״Das sind die Meinen!&#8220; spricht Gott, „für die Zeit, die ich mir zubilde, und ich schone ihrer, wie der Vater seines Sohnes schont, der ihm dient.&#8220;<a href="#_ftn12" id="_ftnref12"><sup>[12]</sup></a></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Menachot 66a;</p>



<p><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> eiterndes Geschwür</p>



<p><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> KI: Der Nadir (aus dem Arabischen für „Gegenstück“) bezeichnet astronomisch den Punkt senkrecht unter einem Beobachter, entgegengesetzt zum Zenit. ….und figürlich … einen absoluten Tiefpunkt.</p>



<p><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> Psalm 90</p>



<p><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> KI: Äonen (Plural von Äon, griech. <em>aiṓn</em> = Ewigkeit/Zeitalter) bezeichnet extrem lange Zeiträume, oft verwendet für geologische Zeitalter (Hunderte Millionen bis Milliarden Jahre). Es bedeutet Weltalter, Unendlichkeit oder eine Ära. <strong>Synonyme</strong> sind Zeitalter, Ära, Epoche, Ewigkeit, Weltalter</p>



<p><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Wikipedia: Ein Lineament ist eine gerade oder leicht gebogene, linienhafte Struktur, an der eine Oberfläche oder ein Körper charakteristische Merkmale aufweist oder an der sich der Aufbau ändert. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird als Lineament auch ein Charakterzug bezeichnet. Früher bezeichnete man auch den Umriss, den Gesichtszug oder auch die Linien der Hand als Lineament.</p>



<p><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> KI: Eine Ephemeride (Plural: Ephemeriden) ist eine Tabelle, die die vorausberechneten Positionen von Himmelskörpern (Sonne, Mond, Planeten, Satelliten) zu bestimmten Zeitpunkten angibt.</p>



<p><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> Psalm 90:17</p>



<p><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> Exodus 15:24</p>



<p><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> Exodus 15:25</p>



<p><a href="#_ftnref11" id="_ftn11">[11]</a> Psalm 115:15; „Selten lässt der Herr seine Frommen [frühzeitig] sterben.“ (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld); „Wertvoll ist in Gottes Augen auch dies hinsterbende Geschick, das den Ihm sich Weihenden geworden.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref12" id="_ftn12">[12]</a> Melachi 3: 16-17; „Da sprachen sich die Gottesfürchtigen einer gegen den anderen aus und Gott horschte hin und hörte auf sie und das schrieb sich zusammen zu einem Buch des Gedächtnisses vor Ihm für die, die Gott fürchten und Seinen Namen hochhalten. Und die bleiben Mein sprach Gott der Schöpfungsscharen, für den Tag, da Ich ein ausschließlich Mir Angehöriges bilde und Ich sorge schonen für sie, wie ein Mann schonend sorgt für seinen Sohn, der ihm dient.“ (Übersetzung Dr. Mendel Hirsch)</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/ijar-57876/">Ijar 57876</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Nissan 5786</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/nissan-5786/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Mar 2026 15:29:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Monatsblatt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hirschinitiative.de/?p=5455</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/nissan-5786/">Nissan 5786</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="_df_book df-lite" id="df_5475"  _slug="" data-title="pessach" wpoptions="true" thumbtype="" ></div><script class="df-shortcode-script" nowprocket type="application/javascript">window.option_df_5475 = {"outline":[],"autoEnableOutline":"false","autoEnableThumbnail":"false","overwritePDFOutline":"false","direction":"1","pageSize":"0","source":"https:\/\/hirschinitiative.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Pessach.pdf","wpOptions":"true"}; if(window.DFLIP && window.DFLIP.parseBooks){window.DFLIP.parseBooks();}</script>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/nissan-5786/">Nissan 5786</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Adar 5786</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/adar-5786/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 15 Feb 2026 08:42:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Monatsblatt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hirschinitiative.de/?p=5426</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der Gotteskampf gegen Amalek. Der Schabbat vor Purim wird Schabbat Sachor, „Schabbat der Erinnerung“, genannt. Man nimmt zwei Thorarollen aus dem Schrein. Aus der ersten liest man den Wochenabschnitt und aus der zweiten Deuteronomium 25:17-19[1], den Abschnitt über den Überfall von Amalek. Man liest diesen Abschnitt u.a. deshalb, weil in der Purimgeschichte der Minister Haman [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/adar-5786/">Adar 5786</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center has-large-font-size"><strong>Der Gotteskampf gegen Amalek.</strong></p>



<p class="has-small-font-size">Der Schabbat vor Purim wird Schabbat Sachor, „Schabbat der Erinnerung“, genannt. Man nimmt zwei Thorarollen aus dem Schrein. Aus der ersten liest man den Wochenabschnitt und aus der zweiten Deuteronomium 25:17-19<a href="#_ftn1" id="_ftnref1"><sup>[1]</sup></a>, den Abschnitt über den Überfall von Amalek. Man liest diesen Abschnitt u.a. deshalb, weil in der Purimgeschichte der Minister Haman ein Nachfahre der Amalekiter war.</p>



<p class="has-small-font-size">Dieser Artikel von Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l beschäftigt sich genau mit diesem Thema. Er wurde in der Zeitschrift „Jeschurun“, 7. Jahrgang, Heft 6, im März 1861 veröffentlicht.</p>



<p class="has-small-font-size">Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter:</p>



<p class="has-text-align-center has-small-font-size"><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2945657">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2945657</a></p>



<p class="has-small-font-size">Für den schnellen Leser habe ich über KI eine Inhaltsangabe des Textes anfertigen lassen.</p>



<p><strong>Inhaltszusammenfassung des Artikels &#8222;Der Gotteskampf gegen Amalek&#8220;</strong></p>



<p><em>Der Artikel aus der Zeitschrift „Jeschurun“ ist eine theologische und philosophische Abhandlung über den biblischen Konflikt zwischen Gott und Amalek. Er interpretiert diesen als einen ewigen, göttlichen Kampf gegen das Prinzip der rohen Gewalt und egoistischen Macht, das Amalek symbolisiert. Der Text basiert auf biblischen Zitaten (z. B. aus Exodus 17 und Deuteronomium 25) und verbindet jüdische Geschichte mit universellen moralischen Prinzipien.</em></p>



<p><strong><em>Hauptstruktur und zentrale Themen:</em></strong></p>



<p><em>1. Einleitung und historischer Kontext: Der Autor erinnert an Moses&#8216; Altar nach dem Sieg über Amalek und den göttlichen Schwur, Amalek von Generation zu Generation zu bekämpfen. Dieser Krieg wird nicht als physischer Kampf gesehen, sondern als göttliches Gericht in der Weltgeschichte gegen alle Mächte, die Amaleks Erbe – die Verehrung von Macht über Moral – fortsetzen.</em></p>



<p><em>2. Amalek als Symbol der Gewalt: Amalek wird als unehelicher Enkel Esaus dargestellt, der das &#8222;Schwert&#8220; (Gewalt) erbt, im Gegensatz zu Jakob, der das &#8222;Wort&#8220; (göttliches Gesetz) repräsentiert. Der Text kontrastiert dies mit Figuren wie Nimrod, dem &#8222;Jäger der Menschen&#8220;, der falschen Ruhm und Macht als höchste Tugend etablierte. Abraham und seine Nachkommen stehen für das Prinzip des Rechts, der Pflicht und des Segens, das Gewalt ablehnt und durch sittliches Handeln siegt.</em></p>



<p><em>3. Der Antagonismus zwischen Schwert und Wort: Die Weltgeschichte wird als Pendel zwischen diesen Prinzipien beschrieben. Amalek hasst instinktiv das abrahamitische Ideal, da es eine Größe lehrt, die für alle erreichbar ist – durch innere Erhebung, nicht durch Zerstörung. Der Sieg des Rechts über die Gewalt wird als göttliches Versprechen dargestellt, das letztendlich triumphiert.</em></p>



<p><em>4. Biblische Beispiele und Lehren:</em></p>



<p><em>&nbsp;&nbsp; &#8211; Der Kampf in Rephidim: Israels Sieg hängt vom Glauben ab (Moses&#8216; erhobene Hände symbolisieren Hingabe an Gott). Der Text betont, dass Gottes Präsenz in Israel von moralischer Reinheit abhängt: Keine &#8222;Blöße&#8220; (Unwürdigkeit) darf sichtbar sein. Der innere Kampf gegen Zweifel und Erschlaffung führt zu äußeren Siegen.</em></p>



<p><em>&nbsp;&nbsp; &#8211; Zweiter Konflikt (im Buch Esther impliziert): Amaleks Antagonismus tritt bei Israels Eintritt in die Nationen und in der Diaspora auf, als warnende Leuchttürme.</em></p>



<p><em>5. Botschaft an Israel und die Völker: Für Israel bedeutet es, durch sittliches Leben Gottes Präsenz zu verdienen. Für die Welt ist die Geschichte ein fortwährender Gotteskampf gegen Amalek: Keine Hoffnung für Gewalt, da Gott Gerechtigkeit und Liebe auch in Staaten und Nationen durchsetzt. Egoismus und Machtmissbrauch scheitern langfristig; selbst der &#8222;Nachruhm&#8220; (irdische Unsterblichkeit) von Tyrannen wird ausgelöscht.</em></p>



<p><em>6. Schluss und prophetische Vision: Der Autor zitiert Psalmen (z. B. Psalm 9) und Propheten, um zu zeigen, dass dasselbe Sittengesetz für Individuen und Nationen gilt. Die Zukunft gehört dem Recht; Amaleks Andenken wird unter dem Himmel vernichtet, und Gottes Thron wird als Richter der Welt errichtet.</em></p>



<p><em>Der Text ist stark exegetisch, mit hebräischen Zitaten und rabbinischen Interpretationen (z. B. aus dem Midrasch). Er plädiert für eine moralische Weltsicht, in der Gewalt letztlich unterliegt, und dient als Ermahnung für jüdisches Leben in Haus, Gemeinde und Schule. Die Sprache ist archaisch und philosophisch, mit einem Fokus auf spirituelle Erhebung über materielle Macht.</em></p>



<p class="has-text-align-right"><strong>מִלְחָמָ֥ה לַה&#8216; בַּֽעֲמָלֵ֑ק</strong><br>&nbsp;<strong>מִדֹּ֖ר דֹּֽר<a href="#_ftn2" id="_ftnref2"><sup><strong><sup>[2]</sup></strong></sup></a></strong></p>



<p>Mehr als dreißig Jahrhunderte sind verflossen, seitdem Moses einen Altar baute, den er „Gott, mein Banner“ nannte und aussprach, „dass Gott die Hand auf seinen Thron gelegt: Gottes Krieg wider Amalek von Geschlecht zu Geschlecht.“</p>



<p>Führt Gott aber einen unausgesetzten Krieg gegen Amalek, so kann das nicht der besondere, durch Menschen auszuführende Schlachtenkampf sein, der 5. B. M. 25:19 für eine bestimmte Periode Israel aufgetragen, so muss das vielmehr ein Kampf sein, den Gottes Welt-Gericht, das die Menschen Welt-Geschichte nennen, unaufhörlich gegen Amalek führt, und es kann hier wiederum nicht bloß Amalek in seinen konkreten Völkersprossen, sondern in all den Völkermächten begriffen sein, die als die geistigen Amalekssöhne Erben seines Prinzips, Vorträger seiner Fahne sind.</p>



<p>Amalek ist der unechte Enkel Esaus, jenes Zwillingsbruders Jakobs, dem das „Schwert“ zum Versuch des Völkersiegs gereicht war, wie Jakob das „Wort“, nach dem alten Wahlspruch, „<strong>הַקֹּל֙ ק֣וֹל יַעֲקֹ֔ב וְהַיָּדַ֖יִם יְדֵ֥י עֵשָֽׂו</strong> <a href="#_ftn3" id="_ftnref3"><strong><sup><strong><sup>[3]</sup></strong></sup></strong></a> : Jakob das Wort, Esau die Hand!“</p>



<p>Der Wettkampf dieses Wortes und jenes Schwertes um die Herrschaft der Welt, das ist das wahrhaftige Motiv jener divina Comödia<a href="#_ftn4" id="_ftnref4"><sup>[4]</sup></a>, deren Zuschauer und Mitspieler zugleich wir, wie die Geschlechter alle sind, die seit Jahrtausenden über die Bühne der Zeiten wandern.</p>



<p>Gleichzeitig mit Nimrod<a href="#_ftn5" id="_ftnref5"><sup>[5]</sup></a>, dem ersten „Jäger der Menschen vor dem Herrn“, der, vorgeblich im Dienste und in Stellvertretung des „Herrn“, die Menschen an die Fessel seiner Macht und an den Wagen seines Ruhmes schmiedete, indem er sie beredete, seine Macht sei ihre Macht und sein Ruhm der ihrige, der überhaupt zuerst jenes, seitdem dominierende, und die Geschlechter der Menschen und Völker so tief gestaltende Prinzip des falschen Ruhmes und der unechten Ehre in die Welt schleuderte, das sich in dem himmelan seinen Turm bauenden: „Wir wollen uns einen Namen machen!“ aussprach, jenes Prinzip, das Macht und Größe nicht als Werkzeuge der „Tugend“, sondern „Tugend“ nur als Werkzeug der Macht und Größe gelten lässt, — gleichzeitig mit dem Schöpfer dieses Prinzips „weckte Gott aus Osten den Mann, der Tugend mit seinem Eintritte verkünden sollte“, der alles, was die Menschen mit dem Schwerte und der machtdienenden Klugheit erobern, Vaterland, Bürgertum und Familienglück, preisgeben, sein „Geburtsrecht und seinen Namen!“ Gott überlassen sollte, und im diametralen Gegensatz zur nimrodischen Welt nur in dem einen: <a href="#_ftn6" id="_ftnref6"><sup>[6]</sup></a> &nbsp;<strong>הְיֵ֖ה בְּרָכָֽה</strong> „Werde Segen!“ den Hebel und das Ziel seines Lebens und Strebens erblicken sollte.</p>



<p>Die Zwillingsenkel dieses Mannes (Abraham) wählten zwischen diesen einander bekämpfenden Lebens- und Bestimmungs-Anschauungen. Während der eine sich für den Ausbau der Tugenden entschied, die sich der Menschheit vollenden, erbte der andere den „Nimrodsmantel“ und das Nimrodsschwert, und ein Erbe dieses Schwertes ist Amalek.</p>



<p>Amalek ist Repräsentant jenes Prinzips, das nur in äußerer Machtstellung und Hoheit die Würde des Menschen und der Nationen erblickt, das alles entschuldigt so es zur Macht und Hoheit führt das nichts verzeiht, so es Macht und Hoheit kürzt oder auch nur wagt einer anderen Größe zu huldigen. Es duldet nur, was es fürchten muss oder verachten kann. Es ist instinktmäßig feind allen, was es achten soll ohne es fürchten zu müssen; denn es fühlt: in dieser Achtung ist es selber gerichtet. Es ist instinktmäßig Feind jedem Prinzip, das eine Größe lehrt, zu welcher jeder das Zeug im eigenen Busen trägt, die jeder zu erringen vermag, die nicht in Vernichtung, sondern in möglichst gleicher Erhebung aller zu sich ihre Triumphe feiert; es ist instinktmäßig Feind jedem Prinzip, dem, wenn es zur Herrschaft käme, auch sein Schwert und sein Mantel huldigen, von dem, wenn es zur Herrschaft käme, auch sein Schwert und sein Mantel erst den Ritterschlag der Adelung erhalten, die Berechtigung zu sein sich erst erbitten müsste; es ist instinktmäßig dem Abrahamsprinzip feind, das nicht für „Mantel und Schwert“, das</p>



<p class="has-text-align-center"><strong>צֶ֖דֶק יִקְרָאֵ֣הוּ לְרַגְל֑וֹ<br>יִתֵּ֨ן לְפָנָ֤יו גּוֹיִם֙ וּמְלָכִ֣ים יַ֔רְדְּ<br>יִתֵּ֤ן כֶּֽעָפָר֙ חַרְבּ֔וֹ כְּקַ֥שׁ נִדָּ֖ף קַשְׁתּֽוֹ<br>יִרְדְּפֵ֖ם יַעֲב֣וֹר שָׁל֑וֹם<br>אֹ֥רַח בְּרַגְלָ֖יו לֹ֥א יָבֽוֹא <a href="#_ftn7" id="_ftnref7"><sup><strong><sup>[7]</sup></strong></sup></a></strong></p>



<p>das, von vornherein bei seinem Eintreten in die Geschichte für „<strong>Recht</strong>“, für die „<strong>Menschenpflicht</strong>“, als Herold auftrat, ihm, diesem Rechte, den Sieg über Völker und Könige verhieß, zu seinem Sieg aber Schwert und Bogen verschmäht, im friedlichsten Wandel Völker und Könige besiegt, auf Pfaden selbst, wohin der irdische Fuß seiner Träger nicht kommt — kurz, Amalek ist instinktiv Israel feind. Es fühlt, es gilt einem Entweder-Oder. Entweder das <strong>Schwert</strong>, und diesem Schwerte, alles andere, Göttliches und Menschliches, Geistiges und Sittliches als nichtsbedeutender Plunder geopfert, höchstens als verbrämende Staffage geduldet — oder das <strong>Wort</strong>, das an den Menschen und in dem Menschen gesprochene göttliche Wort, und diesem Worte, diesem kategorischen Imperative des gottdienenden Sittengesetzes, alles, auch Geist und Macht, auch Schwert und Mantel als Werkzeug dienen, oder vor seinem Hauche verschwindend. Zwischen diesem Entweder-Oder bewegt sich der Pendelschlag der Geschichte. Dass aber kein Zweifel sei, wo einst der Meister der Zeiten stille stehen wird, dazu hat Gott <strong>sein</strong> Volk unter die Völker gesendet, hat es als dienende, Ferse haltende, nur auf den Gottessieg harrende — <strong>יִשְׂרָ אֵל</strong> — Jakobs-Familie dem Schwertgerüsteten Esaugenius vorgeworfen — Alle Nachtjahrhunderte ringt Esau mit Jakob, lässt es nur hinkend seinen Weg auf Erden vollbringen. Allein, wenn die Nacht vorüber, wirft Esau sein Schwert weg und huldigt segnend dem Prinzip, das Jakob-Israel getragen — <a href="#_ftn8" id="_ftnref8"><sup>[8]</sup></a></p>



<p>Zweimal trat dieser Amalek-Antagonismus in bedeutsamen, gottoffenbarenden Ereignissen hervor. Sie stehen wie warnende und tröstende Leuchttürme am Eingang Israels, als Nation in den Kreis der Nationen, und am Eingang Israels als zerstreute Völkerfamilie unter die Staaten und Familien der Völker.</p>



<p>Israel war auf seinem Zug durch die Wüste. Das einzige Moment, das es unantastbar in die Mitte der Völker hinstellen sollte, jenes geistige sittliche Moment, das alle Völker der Erde gewähren und sich vor ihm fürchten sollten — <strong>וְרָאוּ֙ כׇּל־עַמֵּ֣י הָאָ֔רֶץ כִּ֛י שֵׁ֥ם ה&#8216; נִקְרָ֣א עָלֶ֑יךָ וְיָֽרְא֖וּ מִמֶּֽךָּ<a href="#_ftn9" id="_ftnref9"><sup><strong><sup>[9]</sup></strong></sup></a></strong> &nbsp;— jenes sich der göttlichen Leitung ganz hingebende Vertrauen, noch in seiner schwankenden Entwicklung in ihm begriffen. Sie hatten soeben gezweifelt <strong>&#8222;הֲיֵ֧שׁ ה&#8216; בְּקִרְבֵּ֖נוּ אִם־אָֽיִן<a href="#_ftn10" id="_ftnref10"><sup><strong><sup>[10]</sup></strong></sup></a>&#8222;</strong> &nbsp;„Ob wohl Gott in unserer Mitte ist oder nicht?“ <strong>,וַיָּבֹ֖א עֲמָלֵ֑ק וַיִּלָּ֥חֶם עִם־יִשְׂרָאֵ֖ל בִּרְפִידִֽם<a href="#_ftn11" id="_ftnref11"><sup><strong><sup>[11]</sup></strong></sup></a></strong> &nbsp;da kam Amalek und stritt mit Israel in <strong>רְפִידִֽם</strong>, in ihrem <a href="#_ftn12" id="_ftnref12">[12]</a><strong>רִפְיוֹן יָדַיִם</strong>, in ihrer geistig sittlichen Erschlaffung, woraus dem Orte der Name erwuchs, und zeigte ihnen, dass <strong>&#8222;יֵ֧שׁ ה&#8216; בְּקִרְבֵּ֖נוּ&#8220;</strong>, <strong>dass</strong> Gott in unserer Mitte ist, und unter welchen Bedingungen Er in unserer Mitte sei. <strong>וְהָיָ֗ה כַּאֲשֶׁ֨ר יָרִ֥ים מֹשֶׁ֛ה יָד֖וֹ וְגָבַ֣ר יִשְׂרָאֵ֑ל וְכַאֲשֶׁ֥ר יָנִ֛יחַ יָד֖וֹ וְגָבַ֥ר עֲמָלֵֽק</strong> <a href="#_ftn13" id="_ftnref13"><strong><sup><strong><sup>[13]</sup></strong></sup></strong></a> &nbsp;„Ob Moses seine Hand erhob siegte Israel, so aber die Moses-Hand erschlaffte siegte Amalek.“ „<strong>וְכִי יָדָיו שֶׁל מֹשֶׁה עוֹשׂוֹת מִלְחָמָה אוֹ שׁוֹבְרוֹת אֶלָּא לוֹמַר לָךְ בִּזְמַן שֶׁיִּשְׂרָאֵל מִסְתַּכְּלִין כְּלַפֵּי מַעְלָה וּמְשַׁעְבְּדִין אֶת לִבָּם לַאֲבִיהֶם שֶׁבַּשָּׁמַיִם הָיוּ מִתְגַּבְּרִין וְאִם לָאו הָיוּ נוֹפְלִין</strong> <a href="#_ftn14" id="_ftnref14"><strong><sup><strong><sup>[14]</sup></strong></sup></strong></a> &nbsp;„Nicht als ob Moses Hände führten oder brächen den Krieg, sondern dir zu sagen: so oft Israel nach oben blickte und sein Herz dem Dienste seines Vaters im Himmel hingab, so oft siegten sie, so oft dies eben nicht geschah, fielen sie“.</p>



<p>Das war die Erfahrung für Israel, das war die Antwort auf ihren Zweifel, ob Gott wohl in ihrer Mitte sei. Er ist in ihrer Mitte, so oft sie an seiner Gegenwart nicht zweifeln, so oft sie diese Gegenwart durch ihre tätige Hingebung, durch Bereitstellung ihres ganzen Wesens zu seinem Dienste verdienen; Er ist „unter ihnen“ und „wandelt in ihrer Mitte“ und „begleitet sie“, und verteidigt sie und schützt sie und segnet sie, und segnet all ihr Tun mit der Blüte der Vollendung, wenn er kein <strong>דִּבֵּר רַע</strong>, wenn er kein „böses Wort“, wenn er keine <strong>עֶרְוַת דָּבָר</strong>, wenn er in keiner Beziehung menschenunwürdige Blöße an ihnen erblickt. Er ist in ihrem Kreis, wenn ihr Kreis ein durch und durch sittlich heiliger ist, wenn sie die Heroldschaft Abrahams forttragen und durch ihren ganzen Wandel nur den Sieg des „Rechten und Pflichtgemäßen“ verkünden wollen, wie er es verheißen und gewarnt: „<strong>ה&#8216;</strong> dein Gott wandelt in der Mitte deines Lagers dich zu retten und deine Feinde vor dich hinzugeben, darum seien deine Lager <strong>heilig</strong>, dass Er keinerlei Blöße an dir schaue und dich nicht ferner begleite.“ Er <strong>ist</strong> unter ihnen, so sie Gott nicht nur in äußeren Wunderzeichen suchen, so sie vor allem zuerst in den eignen Busen greifen, dort nach der Würdigkeit für die Gottes-Gegenwart fragen. So oft sie ihr Herz dem Dienst ihres Vaters im Himmel weihen, ist auch Er ihnen mit seiner Wundermacht nahe, sie alles ihnen Feindliche bezwingen zu lassen. Nicht durch äußere Kämpfe, durch den Kampf im eigenen Innern, durch den Sieg über sich selbst erstreiten sie die äußern Siege. Indem sie sich Gott unterwerfen, unterwerfen sie sich die Welt. Diesen Sieg der wehrlosen Sittlichkeit über die schwertgegürtete Gewalt in Mitte der Völker durch ihr Leben und ihr Geschick zu verkünden, das ist ja die Bedeutung dieser, „Gott“ durch den Sieg des Rechts auf Erden zu verkünden gesandte Abrahamsfamilie — die ganze freud- und tränenreiche Geschichte ihrer Jahrtausende: <strong>כַּאֲשֶׁ֨ר יָרִ֥ים מֹשֶׁ֛ה יָד֖וֹ וְגָבַ֣ר יִשְׂרָאֵ֑ל וְכַאֲשֶׁ֥ר יָנִ֛יחַ יָד֖וֹ וְגָבַ֥ר עֲמָלֵֽק</strong>, da habt ihr ihr Bild und den Schlüssel zu ihrem pragmatischen Verständnis.</p>



<p>So der Wahrspruch aus diesem Amalekkampfe für Israel. Den Völkern aber zugewandt lautet er also: <strong>מִלְחָמָ֥ה לה&#8216; בַּֽעֲמָלֵ֑ק מִדֹּ֖ר דֹּֽר</strong> <a href="#_ftn15" id="_ftnref15"><strong><sup><strong><sup>[15]</sup></strong></sup></strong></a> , die ganze, von Gott gelenkte Weltgeschichte ist ein fortgesetzter <strong>Gottes</strong>kampf wider Amalek von Geschlecht zu Geschlecht.</p>



<p>Wären die Welt und alle die Geschlechter in der Welt nur das Ergebnis mechanisch physischer Wechselwirkung, gäbe es keinen Gott, der frei über diese Welt und ihre Geschlechter gebietet und deren Gänge zu seinem Ziele hin leitet: es gäbe eine Hoffnung für Amalek; des Gewaltigsten und Listigsten wäre die Welt; dem vollendeten, rücksichtslosen, alles nach seinem Interesse berechnenden,&nbsp; und für sein Interesse ausbeutenden, egoistischen Kalkül winkte die Hoffnung des Sieges; man brauchte nur die Welt und ihre Erscheinungen, die Menschen in ihren Leidenschaften sich dienstbar zu machen, könnte seine Weltverrichtungspläne fertig rechnen ohne Gott — Amalek hätte recht.</p>



<p>Und wiederum, wäre dieser Gott nur der Gewaltige, etwa der Gewaltigste unter allen Gewaltigen, der Amalek über allen Amaleks, dessen Wesen nur Kraft und Macht und Gewalt, nicht in erster Linie Gerechtigkeit und Liebe bedeutete; es blühte wiederum den kleinen Amaleks einige Hoffnung auf Erden; es dürften dem Gewaltigen dort oben vor allem die Gewaltigen auf Erden gefallen, er dürfte in ihnen ihr Ebenbild erblicken und fördern; es dürfte ein Nimrod sich einbilden, „er triebe die Menschenjagd vor dem Angesichte des Herrn“, und es wäre der Gewaltigste der Göttlichste auf Erden.</p>



<p>Und selbst wenn der Herr in der Höhe ein Gott der Gerechtigkeit und Liebe wäre für den Einzelmenschen, für das Einzel- und Familien-Leben; so aber die Menschen ihre Kräfte vereinten, als Völker, Nationen, Staaten und deren Repräsentanten: Regierungen und Reiche, kurz für die Menschen in ihren Gesamtbeziehungen gegen den Einzelnen und in ihren Gesamtbeziehungen gegen einander verloren Gerechtigkeit und Liebe ihren Wert, hätten die sittlichen Mächte nur untergeordneten Wert, träten egoistische Macht und Gewalt in ihr Recht ein; nur der schwache Einzelne hätte „brav“ zu sein, der starken Gesamtheit aber wäre alles erlaubt; nur im Kreis des Einzelnen und des Familienlebens wäre der Sittliche der Brave, aber die Wahrheit der Völker und Staaten bedeutete Schwertschlag und Gewalt — auch dann wäre für Amalek eine Hoffnung auf Erden; die Gewalt, aus dem Privatleben gebannt, dürfte ihre lorbeerbekränzte Siege in der Blutbahn der Staaten und Völker feiern.</p>



<p>So aber nicht. Nicht nur wenn im Kreise des bürgerlichen Einzellebens wir vor jeglichem Unrecht und jeder Gewalt gewarnt und gemahnt werden sollen, dass <strong>תוֹעֲבַ֛ת ה&#8216; אֱלֹקיךָ כׇּל־עֹ֣שֵׂה אֵ֑לֶּה כֹּ֖ל עֹ֥שֵׂה עָֽוֶל</strong>&nbsp; <a href="#_ftn16" id="_ftnref16"><strong><sup><strong><sup>[16]</sup></strong></sup></strong></a> , dass von unserem Gott jeder verabscheut sei, der solches tut, jeder, der Gewalt ausübt, nicht nur dann werden wir erinnert: <strong>זָכ֕וֹר אֵ֛ת אֲשֶׁר־עָשָׂ֥ה לְךָ֖ עֲמָלֵ֑ק</strong> <a href="#_ftn17" id="_ftnref17"><strong><sup><strong><sup>[17]</sup></strong></sup></strong></a> &nbsp;„gedenke was dir Amalek getan!“&nbsp; und hüte dich selber ein Amalek in deinem Kreise zu sein; sondern <strong>מָחֹ֤ה אֶמְחֶה֙ אֶת־זֵ֣כֶר עֲמָלֵ֔ק מִתַּ֖חַת</strong> <strong>הַשָּׁמָֽיִם</strong> <a href="#_ftn18" id="_ftnref18">[18]</a>, sprach Gott nach dem ersten Mosessieg über Amalek, „unterm ganzen Himmel vernichte ich Amaleks Andenken“ — „<strong>זכר</strong>“ Andenken, Nachruhm, Namenverehrung, irdische Unsterblichkeit, das ist ja zuletzt das Letzte, das die schwertgegürtete Amalekgewalt von der mit ihren Trümmern bedeckten Erde erwartet; und dieser Nachruhm, diese Verewigung, diese Lorbeeren, die noch die späteste Nachwelt in ihrer Blindheit dem bluttriefenden Menschenwürger im Großen flicht, diese Verehrung der Gewalt, sie ist es ganz eigentlich, die die Gewaltherrschaft verewigt, die zur Nachfolge auf solchem Wege auffordert, die schon den Gemütern junger aufblühender Seelen einen über hunderttausend Trümmer- und Leichenzügen sein Schwert schwingenden Helden nicht als einen Gegenstand des Abscheus, sondern als einen Gegenstand ehrender Bewunderung zeigt, und jedem kommenden Geschlecht von früh an das Bewusstsein einprägt: es gebe eine Größe der Gewalttat, vor welcher selbst die Stimme der Sittlichkeit schweigt, und das Verbrechen verliere sein Verbrecherisches in je größerem Umfange man es übe und in je größere, weitere Kreise es den Fluch seiner Taten streut.&nbsp;&nbsp;&nbsp; <strong>,זֵכֶר עֲמָלֵק</strong> der Nachruhm Amaleks, der macht erst recht eigentlich die Amalekstat zum Menschheitsfluch. Erst wenn <a href="#_ftn19" id="_ftnref19">[19]</a> <strong>,</strong> <strong>שֵׁ֖ם רְשָׁעִ֣ים יִרְקָֽב</strong> wenn mit der Leiche des Bösewichts auch sein Name eingescharrt wird, wenn keines Bösewichts Name mehr im Andenken der Menschen blüht, erst dann kann das Reich gottdienender Sittlichkeit auf Erden beginnen. Solange ist, wie es das sinnigtiefe Wort des Weisen ausdrückt, weder <a href="#_ftn20" id="_ftnref20">[20]</a> <strong>שְׁמוֹ שֶׁל ה&#8216; שָׁלֵם</strong> noch&nbsp; <strong>כִּסְאוֹ שָׁלֵם</strong> ist weder die Anerkennung Gottes, noch sein Reich auf Erden zur Vollendung gebracht. So lange ist sein Name nicht der <strong>alles</strong> belebende, <strong>jeden</strong> Moment des Daseins durchhauchende, so lange ist sein Name nur die von Zeit zu Zeit durchblitzende, in seltenen, großen welterschütternden Ereignissen den Menschen zum Bewusstsein kommende Macht, und so lange ist sein Reich, das der alles beherrschende, einzige Welten<strong>thron</strong> sein soll, nur — ein <strong>Stuhl</strong>, den man auch der göttlichen Macht, als <strong>auch</strong> einer, nicht ganz außer Rücksicht zu lassenden Potenz einräumt, neben welcher man aber noch gar viel anderen Menschen, und vor allem der eigenen Macht und der eigenen Klugheit den Sitz der Hoheit bereitet. Darum hat Gott die ganze Heilszukunft der Menschheit und sein eigenes Reich auf Erden an die Verheißung geknüpft, dass Er „das Andenken Amaleks bis zur Vernichtung verlöschen werde unter dem ganzen Himmel“, hat es verheißen, dass „auf den noch unausgebauten Thron seiner nur erst unvollkommen erkannten Gottheit „der Gottesschwur niedergelegt ist: Gotteskrieg wider Amalek von Geschlecht zu Geschlecht!“ <strong>כִּֽי־יָד֙ עַל־כֵּ֣ס יָ֔&#8216; מִלְחָמָ֥ה לַה&#8216; בַּֽעֲמָלֵ֑ק מִדֹּ֖ר דֹּֽר<a href="#_ftn21" id="_ftnref21"><sup><strong><sup>[21]</sup></strong></sup></a></strong></p>



<p>Und darum wollen die von Gottes Geist diktierten Worte unserer Sänger und Propheten vor allem den Gedanken zum lebendigsten Bewusstsein bringen, dass nicht nur derselbe Gott, der die Gesetze der Natur geschrieben und handhabt, auch dem Menschen sein Gesetz gegeben — <strong>מַגִּ֣יד דְּבָרָ֣יו לְיַעֲקֹ֑ב וגו&#8216;<a href="#_ftn22" id="_ftnref22"><sup><strong><sup>[22]</sup></strong></sup></a> = הַשֹּׁלֵ֣חַ אִמְרָת֣וֹ אָ֑רֶץ עַד־מְ֝הֵרָ֗ה יָר֥וּץ דְּבָרֽוֹ<a href="#_ftn23" id="_ftnref23"><sup><strong><sup>[23]</sup></strong></sup></a> וגו&#8216; וגו&#8216;</strong>&nbsp; sondern, dass auch dieses Sittengesetz, das Gesetz des Rechts und der Heiligung und der Liebe, für jede Menschengesamtheit dasselbe wie für den Einzelnen sei, dass es nicht zwei verschiedene Moralkodizes, den einen für das Privatleben und den andern für das öffentliche Leben gebe, sondern die Rechtschaffenheit des Völkerlebens auf derselben Waage wie die des Privatlebens gewogen werde, und dass dem Unrecht und der Gewalt im Völker- und Staatenleben ebenso der Stab gebrochen, ebenso jede Zukunft versagt sei, wie im Familien- und Einzel-Leben.</p>



<p>So singt David — <a href="#_ftn24" id="_ftnref24"><sup>[24]</sup></a> <strong>עַל־מ֥וּת לַבֵּ֗ן</strong> — in Erinnerung an den Tod seines Kindes, womit Gott sein, des Königs, Frevel gegen das Familienglück eines Untertanen gestraft hatte —</p>



<p>Ich huldige Gott mit meinem ganzen Herzen,<br>Möchte deine Wunder alle erzählen,<br>Möchte mich freuen, möchte fröhlich sein in dir,<br>Möchte deinen Namen singend verkünden, Höchster!</p>



<p class="has-text-align-left">Wenn meine Feinde zurückweichen,<br>Straucheln sie ja nur und gehen verloren vor <strong>deinem</strong> Angesicht.<br>Wenn du <strong>mein</strong> Urteil und <strong>mein</strong> Recht ausgeführt,<br>Hast du ja zum Throne dich hingesetzt als gerechter Richter,<br>Hast ja damit Völkern gedroht, Vernichtung für jeden Bösen ausgesprochen,<br>Hast damit ihren Nachruhm verlöscht für alle Ewigkeit.<br>Ja, Feind! In jener endlosen Zukunft ist es zu Ende mit Trümmern,<br>Und deiner Städte-Zerstörungen, man denkt ihrer nicht mehr und damit sind sie selber vernichtet.<br>Gott aber thront dann für immer,<br>Stellt jetzt nur erst zum Gerichte seinen Thron.<br>Er richtet dann die Menschenwelt nach dem Recht,<br>Spricht Urteil über Staaten nach Geradheit —</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Gedenke, was dir Amalek getan auf dem Wege bei eurem Auszuge aus Ägypten. Der dich traf auf dem Wege, und deinen Nachtrab erschlug, all die Schwachen hinter dir — du aber warst matt und müde; — und fürchtete Gott nicht. Es soll nun geschehen, wenn der Herr, dein Gott, dir Ruhe schafft von all deinen Feinden rings herum in dem Lande, das der Herr, dein Gott, dir als Besitz gibt, es einzunehmen, sollst du auslöschen das Gedächtnis Amaleks unter dem Himmel. Vergiß nicht! (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Exodus 17:16; „Krieg des Herrn wider Amalek von Geschlecht zu Geschlecht!” (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Genesis 27:22; „Die Stimme ist Jaakobs Stimme, und die Hände sind Esaws Hände.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> „Göttlichen Komödie“ siehe hierzu Kommentar von Rabbiner Hirsch zu Genesis 27:1</p>



<p><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> Zu Nimrod siehe Hirschkommentar zu Genesis 10:8-18</p>



<p><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Genesis 12:2</p>



<p><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> Jesaja 41:2-3; „(Wer hat [Cyrus] von Osten herbeigerufen?) Wer ihn mit Sieg in seinem Gefolge berufen, Völker vor ihm niederzuwerfen und Könige zu unterjochen. Zu Staub macht alles sein Schwert, zu wehenden Stoppeln sein Bogen. Er verfolgt sie, er ziehet hin unversehrt einen Pfad, den sein Fuß nie betreten.“ (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>



<p><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> Siehe hierzu Hirschkommentar zu Genesis 32:25</p>



<p><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> Deuteronomium 28:10; „und es sehen es alle Nationen der Erde, daß Gottes Name über dich genannt ist, und fürchten sich vor dir.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> Exodus 17:7; „Ob wohl Gott in unserer Mitte ist, oder nicht?“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref11" id="_ftn11">[11]</a> Exodus 17:8; „Es kam Amalek und kämpfte mit Jisrael in Refidim. (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref12" id="_ftn12">[12]</a> Ohnmacht, Schwäche</p>



<p><a href="#_ftnref13" id="_ftn13">[13]</a> Exodus 17:11; „Und es war, wenn Mosche seine Hand in der Höhe hielt, siegte Jisrael, und wenn er seine Hand ruhen ließ, siegte Amalek.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref14" id="_ftn14">[14]</a> Sefat Emet (Kommentar von Rabbiner Aryeh Leib Alter), Exodus, Parashat Sachor;</p>



<p>Sefaria.org: Yehudah Aryeh Leib Alter, bekannt als „Sefat Emet“ (nach seinem bekanntesten Werk), war ein polnischer Rabbiner, chassidischer Meister und Rebbe der Gerer Chassidim. Sein Vater starb, als er noch ein Junge war, und er wurde von seinem Großvater, Yitzchak Meir Rotenberg-Alter, bekannt als „Chiddushei HaRim“ (nach seinem berühmtesten Werk), erzogen. Dieser leitete auch das Rabbinatsgericht der Stadt. Nach dem Tod seines Großvaters im Jahr 1866 lehnte er dessen Amt ab und unterstellte sich stattdessen der Führung von Rabbi Chanoch Henoch von Alexander. Als der Rebbe von Alexander 1870 starb, übernahm er widerwillig die Führung der Gerer Chassidim. Unter seiner Leitung entwickelte sich Ger zum größten und einflussreichsten chassidischen Hof in Polen. Seine zahlreichen Werke wurden posthum unter dem Titel „Sefat Emet“ veröffentlicht. Sie umfassen eine bedeutende Sammlung chassidischer Einsichten und Lehren, basierend auf dem wöchentlichen Toraabschnitt, sowie einen gelehrten Kommentar zum Talmud. Diese Werke werden bis heute in der jüdischen Welt eingehend studiert. Anders als viele chassidische Meister lehnte er freiwilliges Geld seiner Anhänger ab und bestritt seinen Lebensunterhalt mit einem kleinen Laden, den seine Frau betrieb. Obwohl er den Aufbau und die Besiedlung des Landes Israel förderte, war er ein Gegner der aufkeimenden zionistischen Bewegung. Er starb 1905 und wurde von seinem ältesten Sohn Avraham Mordechai, bekannt als „Imrei Emet“, beerbt.</p>



<p><a href="#_ftnref15" id="_ftn15">[15]</a> Exodus 17:16; „Krieg für Gott wider Amalek von Geschlecht zu Geschlecht.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref16" id="_ftn16">[16]</a> Deuteronomium 25:16; „ein Abscheu <em>Gottes</em>, deines Gottes ist jeder, der solche Dinge tut, jeder, der Unrecht tut.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref17" id="_ftn17">[17]</a> Deuteronomium 25:17; „Gedenke dessen, was dir Amalek getan“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref18" id="_ftn18">[18]</a> Exodus 17:14; „(daß) ich Amaleks Gedächtnis gänzlich von unter dem Himmel forttilgen werde.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref19" id="_ftn19">[19]</a> Mischle 10:7; „der Name der Gesetzlosen vermodert”</p>



<p><a href="#_ftnref20" id="_ftn20">[20]</a> Der Name Gottes noch sein Thron vollendet; d.h. Gottes Schöpfung wartet noch immer der Vollendung</p>



<p><a href="#_ftnref21" id="_ftn21">[21]</a> Exodus 17:16; „denn die Waltung auf Gottes Thron heißt: Krieg für <em>Gott</em> wider Amalek von Geschlecht zu Geschlecht.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref22" id="_ftn22">[22]</a> Psalm 147:19; “Er kündigt Sein einheitlich manigfaltiges Wort Jakow“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref23" id="_ftn23">[23]</a> Psalm 147:15; „Denn Er, der Seine Weisung zur Erde schickt, — gar rasch eilt Sein Wort! —“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref24" id="_ftn24">[24]</a> Psalm 9:1</p>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/adar-5786/">Adar 5786</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Schewat 5786</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/schewat-5786/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Jan 2026 18:39:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Monatsblatt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hirschinitiative.de/?p=5403</guid>

					<description><![CDATA[<p>Den nachfolgenden Artikel von Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l habe ich der Zeitschrift „Jeschurun“,3. Jahrgang, Heft Nr. V aus dem Jahr 1857 entnommen. Der Text ist ein leidenschaftlicher Aufruf zur Parashat Shekalim (dem Abschnitt über den halben Schekel aus Exodus 30:11-16), der traditionell kurz vor Rosh Chodesh Adar gelesen wird[1]. Der Autor mahnt die jüdische [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/schewat-5786/">Schewat 5786</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-small-font-size">Den nachfolgenden Artikel von Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l habe ich der Zeitschrift „Jeschurun“,3. Jahrgang, Heft Nr. V aus dem Jahr 1857 entnommen. Der Text ist ein leidenschaftlicher Aufruf zur Parashat Shekalim (dem Abschnitt über den halben Schekel aus Exodus 30:11-16), der traditionell kurz vor Rosh Chodesh Adar gelesen wird<a href="#_ftn1" id="_ftnref1"><sup>[1]</sup></a>. Der Autor mahnt die jüdische Gemeinde, die alte Pflicht der Machatzit ha-Shekel (halber Schekel) nicht nur als historische Erinnerung zu sehen, sondern als zeitlosen Aufruf zur Einheit, Hingebung und Verantwortung für das jüdische Gesamtheiligtum – die Thora und das Gesetz – in einer Zeit der Diaspora und geistigen Zerstreuung.</p>



<p class="has-small-font-size">Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter:</p>



<p class="has-text-align-center has-small-font-size"><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2940741">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2940741</a></p>



<p class="has-small-font-size">Für den schnellen Leser habe ich über KI eine Inhaltsangabe des Textes anfertigen lassen:<strong></strong></p>



<p><strong><em>Zentrale Botschaft:&nbsp;</em></strong></p>



<p><em>Die Parashat Shekalim ist nicht nur eine historische Erinnerung, sondern ein zeitloser Ruf zur Einheit, Verantwortung und Hingabe an das jüdische Gesamtheiligtum – die Thora und das Gesetz – in einer Zeit der Zerstreuung und Gleichgültigkeit.</em></p>



<p><strong><em>Hauptthemen: </em></strong><em></em></p>



<p><strong><em>1. Symbolik und Bedeutung der Schekel-Spende&nbsp;</em></strong></p>



<p><em>Der Autor erinnert an die biblische und talmudische Tradition der jährlichen halben Schekel-Spende, die alle Juden (reich und arm) gleichermaßen verpflichtete. Sie diente nicht nur zur Finanzierung der Tempelopfer und des Tempelbetriebs, sondern symbolisierte die Einheit und gemeinsame Verantwortung des gesamten Volkes Israel für das Heiligtum. Der Tempel wurde durch die Spende „gebaut“, doch erst durch die fortwährende Nutzung und Hingabe wurde er wirklich vollendet.</em></p>



<p><strong><em>2. Aufruf zur Verjüngung und Erneuerung&nbsp;</em></strong></p>



<p><em>Der Text vergleicht die Spende mit einer Verjüngung des jüdischen Volkes. Nach dem Fest der Bäume am 15. Schewat (Tu bi Shvat) soll die Parashat Shekalim den Aufruf zur geistigen und praktischen Erneuerung bringen. Das jüdische Volk soll sich wieder als eine große, unsterbliche Gottesgemeinde begreifen und aus Lethargie, Vereinzelung und Egoismus herausgerissen werden.</em></p>



<p><strong><em>3. Kritik an der Gegenwart&nbsp;</em></strong></p>



<p><em>Der Autor beklagt den Verlust des gemeinsamen Verantwortungsgefühls in der Diaspora. Viele Juden kümmern sich nur um ihre eigenen Angelegenheiten, vernachlässigen die Thora-Erziehung, die Einhaltung der Gesetze und die Gemeindeangelegenheiten. Er fragt rhetorisch:&nbsp;</em></p>



<p><em>&nbsp;&nbsp; &#8211; Gibt es noch Wege zum Heiligtum der Thora?&nbsp;</em></p>



<p><em>&nbsp;&nbsp; &#8211; Sind die Hindernisse („Kilajim“ = Vermischung, Unreinheit, falsche Einflüsse) beseitigt?&nbsp;</em></p>



<p><em>&nbsp;&nbsp; &#8211; Wird die Thora wirklich gelehrt und gelebt, oder nur in prächtigen Synagogengebäuden verehrt?</em></p>



<p><strong><em>4. Zeit ist wichtiger als Geld&nbsp;</em></strong></p>



<p><em>Der Text kritisiert die moderne Haltung „Zeit ist Geld“ und betont, dass die Hingabe von Zeit, Geist und Wille für die Thora und die Gemeinde unverzichtbar ist. Geld allein reicht nicht – es braucht Menschen, die sich aktiv einsetzen.</em></p>



<p><strong><em>5. Aufruf zur gemeinsamen Verantwortung&nbsp;</em></strong></p>



<p><em>Der Autor fordert, dass jeder Jude seinen „halben Schekel“ (seine volle Hingabe) leisten soll – nicht nur finanziell, sondern durch Einsatz für die Thora, Erziehung, Gesetzeserfüllung und die Rettung des jüdischen Gesamtheiligtums. Nur durch die Vereinigung aller könne das wahre Heiligtum wieder erstehen.</em></p>



<p><strong><em>Schluss und Vision&nbsp;</em></strong></p>



<p><em>Der Text endet mit einem hoffnungsvollen, aber drängenden Aufruf: Die Zeit sei arm und groß zugleich – groß in der Zerstörung, aber sie könne auch groß im Wiederaufbau werden. Ein „halber Schekel“ von jedem treuen Juden, jährlich für die Thora und das Gesetz gespendet, könne ein neues Heiligtum der Erkenntnis und Erfüllung schaffen.</em></p>



<p class="has-text-align-center has-large-font-size"><strong>שקלים</strong> (Schekalim<a href="#_ftn2" id="_ftnref2"><sup>[2]</sup></a>)</p>



<p>Wenn der 15. Schewat<a href="#_ftn3" id="_ftnref3"><sup>[3]</sup></a> vorüber ist und die Bäume bereits ihr stilles winterliches Fest der Verjüngung gefeiert haben, tritt auch gar bald <strong>שְׁקָלִים</strong><a href="#_ftn4" id="_ftnref4"><sup>[4]</sup></a> <strong>פָּרָשַׁת</strong> in unseren Kreis und bringt uns den ersten Gruß unserer eigenen Verjüngung. <strong>שְׁקָלִים</strong> <strong>פָּרָשַׁת</strong> ist eine Botschaft der einen, großen, unsterblichen, ewigen Gottesgemeinde an ihre Glieder, ist eine Botschaft der <strong>יִשְׂרָאֵל</strong><a href="#_ftn5" id="_ftnref5"><sup>[5]</sup></a> <strong>כְּנֶסֶת</strong> an alle Gemeinden und jeden Einzelnen in Israel, sie aus ihrer Lethargie zu wecken, sie aus ihrer Vereinsamung und Vereinzelung zu reißen, sie aus dem gänzlichen Aufgehen in Sonder- und Privatinteressen zu retten und ihnen die Sorge für das eine, große, jüdische Gesamtheiligtum ans Herz zu legen. Nur ein Monat noch und es lächelt uns der Monat des jüdischen Lenzes, die Festzeit unserer einstigen geschichtlichen Auferstehung<a href="#_ftn6" id="_ftnref6"><sup>[6]</sup></a>. Zu diesem ihrem Geburtsfest möchte die große Gottesgemeinde alle ihre Glieder die ihren nennen, möchte mit den Pfändern ihrer erneuten Anhänglichkeit in Händen vor Gott hintreten, möchte aus den Zeichen erneuter, frischer Weihe, <a href="#_ftn7" id="_ftnref7"><sup>[7]</sup></a> <strong>מִתְּרוּמָה</strong> <strong>חֲדָשָׁה</strong>, die Opfer ihrer Hingebung bringen, möchte in jugendlicher Frische, in bräutlichem Glanze, als die in allen Gliedern vollendete Eine erscheinen.</p>



<p>Darum mit „Anfang Adar<a href="#_ftn8" id="_ftnref8"><sup>[8]</sup></a>“ — so lautete die alte Weisung — <strong>מַשְׁמִיעִין עַל הַשְּׁקָלִים וְעַל הַכִּלְאַיִם, — וּמְתַקְּנִין אֶת הַדְּרָכִים וְאֶת הָרְחוֹבוֹת וְאֶת מִקְוְאוֹת הַמַּיִם, וְעוֹשִׂין כָּל צָרְכֵי הָרַבִּים, וּמְצַיְּנִין אֶת הַקְּבָרוֹת, וְיוֹצְאִין אַף עַל הַכִּלְאָיִם</strong>, — „ergeht die Aufforderung zur Schekel-Sendung und zur Ackerreinigung, die Wege werden gebessert, die Straßen hergestellt, die Bäder<a href="#_ftn9" id="_ftnref9">[9]</a> in Stand gesetzt, alle öffentlichen Angelegenheiten werden zum Vollzug gebracht, Gräber werden bezeichnet und die Säuberung der Äcker von <a href="#_ftn10" id="_ftnref10"><sup>[10]</sup></a> <strong>כִּלְאַיִם</strong> durch Boten des Gesetzes selbst betrieben.<a href="#_ftn11" id="_ftnref11"><sup>[11]</sup></a>“</p>



<p>So trat mit Ablauf des Schewat-Monats verjüngtes und verjüngendes Leben in Haupt und Glieder der großen Gottesgemeinde. Die Mittel zur Bestreitung der Opfer und aller anderen öffentlichen Nationalangelegenheiten für das mit dem Lenz beginnende neue Tempeljahr sollten in der Schekel-Sendung aus allen Fernen zum Herzen des Volkes gen Jerusalem hinauf strömen, auf Feld und Flur sollten die von <strong>כִּלְאַיִם</strong> gesäuberten Äcker das jüdische Land als Boden des Gesetzes und der Gottesordnung verkünden, alle Straßen und Wege sollten geöffnet sein, damit das Gottesvolk ungehindert hinauf zu seinem Heiligtum wandern könne, alle Reinigungsanstalten<a href="#_ftn12" id="_ftnref12">[12]</a> sollten in Ordnung sein, damit das Heiligtum auch rein seine Glieder empfangen möge. Und wenn Israel in allen seinen Gliedern an seinem Geburtsfeste<a href="#_ftn13" id="_ftnref13"><sup>[13]</sup></a> im Gesetzes-Tempel seines Gottes<a href="#_ftn14" id="_ftnref14"><sup>[14]</sup></a> erschien, sollten seine Häupter, die Träger und Wächter seines Gesetzes, so viel an ihnen lag, dieses Gesetz, die Seele und das Leben ihres Volkes, zur vollen Verwirklichung gebracht haben. Da sollte keine Angelegenheit mehr schwebend gelassen sein. Israels Horeb-Schmuck<a href="#_ftn15" id="_ftnref15"><sup>[15]</sup></a> sollte eine Wahrheit geworden sein und die Nation, das Gottesvolk des Gesetzes, alle Anforderungen dieses Gesetzes durch seine Vertreter zur Erfüllung gebracht und den Ruf zur Reinheit und Gesetzlichkeit durch die Gräberzeichen und das Ausjäten der <strong>כִּלְאַיִם</strong> überall hin durch ihre Boten des Gesetzes verkündet haben. Denn dieses Gesetz war Israels Feierkleid, dieses Gesetz Israels Kraft und Leben. Israel wäre es Hohn, an seinem Geburtstage das Gedächtnisopfer seiner Auferstehung vor den Gesetzesaltar seines Gottes zu bringen, unter Halleluja-Gesängen seine Hingebung an seinen Gott und dessen Willen in seinem Tempel zu feiern und außerhalb dieses Tempels dieses Gesetz seines Gottes der Übertretung und Verwahrlosung überantwortet zu haben.</p>



<p>Der erste Anstoß zu diesem erneuten, frischen jüdischen Leben ging aber von <strong>פָּרָשַׁת שְׁקָלִים</strong> aus.</p>



<p>Zu den silbernen Füßen<a href="#_ftn16" id="_ftnref16"><sup>[16]</sup></a>, auf welche Israels erstes Heiligtum erbaut werden sollte, hatte das ganze Volk, reich und arm, seinen halben <strong>שֶׁקֶל</strong> gespendet und so die gleichberechtigte und gleichverpflichtete Vereinigung aller dem zu errichtenden Heiligtum als einheitlichen Boden zu setzen gehabt. Und als nun darauf das Heiligtum aus freiwilligen Weihespenden vollendet war und am ersten Tage des Frühlingsmonats<a href="#_ftn17" id="_ftnref17"><sup>[17]</sup></a> errichtet und geweiht wurde, da erging am Tage der Errichtung und Weihe, als gälte es <strong>nun</strong> <strong>erst</strong> nochmals dem Baue, die Anforderung an alle, reich und arm, durch Spende wiederum eines halben <strong>שֶׁקֶל</strong> sich zu Gott und seinem Heiligtum zu bekennen und mit ganz demselben Ernst in der gleichberechtigten und gleichverpflichteten Vereinigung aller also nunmehr die Benutzung des Heiligtums zu verwirklichen, wie die Gründung des Heiligtums auf die gleiche Hingebung aller gerechnet. Da ward in Israel die Wahrheit begründet: Benutzung ist erst der rechte Bau des Heiligtums.</p>



<p>Tempel bauen ist leicht. Ein Augenblick der Begeisterung, eine günstige freigebige Stimmung, die mehrere ergreift und alle mit hinreißt, und der Tempel ist gebaut. Aber die Begeisterung festhalten, jahrelang, jahrzehntelang, sein Leben lang festhalten, die Begeisterung nun auch für die Benutzung des Tempels, für Verwirklichung der Zwecke betätigen, für welche das Heiligtum gebaut, und ohne welche der ganze Bau schal und nutzlos wäre, und diese Begeisterung und Hingebung nie erkalten lassen, nicht ermüden und nicht matt werden, das Heiligtum und seine Zwecke sich nicht alt werden lassen, sich nie mit dem bereits Getanen begnügen, immer vorwärts blicken und so lange Gott Geist gibt, die Begeisterung und Hingebung immer neu werden, immer erfrischt und jung wie am Tage des ersten Antritts zum Bau erstehen lassen und also die „täglichen Opfer“ im Heiligtum mit derselben gleichberechtigten und gleichverpflichteten und gleichtragenden Hingebung verwirklichen, wie man die „silbernen Füße“ des Tempels einst gebaut — das macht Israel zu Israel und seine Tempel zu Heiligtümern.</p>



<p>Darum erging alljährlich mit Ablauf des Schewat oder Anfang des Adar durch <a href="#_ftn18" id="_ftnref18"><sup>[18]</sup></a> <strong>פָּרָשַׁת שְׁקָלִים</strong><strong> </strong>die Aufforderung in allen jüdischen Gauen<a href="#_ftn19" id="_ftnref19">[19]</a>, wie unter Mosche einst, sich wieder durch Spenden der <a href="#_ftn20" id="_ftnref20"><sup>[20]</sup></a><strong>מַחֲצִית הַשֶּׁקֶל</strong> zu Gott und seinem Heiligtum zu zählen, zu zeigen, dass man sich noch um Gott und sein Heiligtum in ungeschwächter Hingebung schart, Gott und sein Heiligtum noch heute wie einst auf alle seine Söhne rechnen kann.</p>



<p>Es wurden aber nicht nur die Gesamtopfer der Israel-Gemeinde aus diesen jährlichen Schekel-Spenden bestritten, sondern alles, was die jüdische Gesamtheit zur <strong>Erfüllung</strong> des göttlichen Gesetzes mit Gesamtmitteln zu bestreiten hatte, wurde aus dieser Opferspendenkasse erhoben. Spricht ja jedes Opfer eine Hingebung an die Erfüllung des göttlichen Willens aus. Ist doch die Erfüllung des Gesetzes die einzige Verwirklichung der Opfer. Jedoch nur den <strong>Zwecken</strong> des Heiligtums gehörten die jährlichen Pflicht-Spenden der Schekelhälften, wie jene erste am Tage der Stiftweihe. Die bauliche Erhaltung des Heiligtums selbst war wie damals den freiwilligen &#8211; <strong>בֶּדֶק הַבַּיִת</strong> Spenden<a href="#_ftn21" id="_ftnref21"><sup>[21]</sup></a> überlassen.</p>



<p>פ<strong>ָּרָשַׁת שְׁקָלִים</strong> lesen wir noch heute — soll diese Aufforderung ihre alte Kraft verloren haben? Haben wir kein Gesamtheiligtum mehr, dessen Zwecke nur durch die volle Hingebung aller erreicht und verwirklicht werden können? Steht uns die alte Thora nicht mehr im Hechal<a href="#_ftn22" id="_ftnref22"><sup>[22]</sup></a> und wartet, dass sie durch uns zur Wahrheit im Leben gebracht werde? Sind die Wege alle geebnet, die unsere Söhne und Töchter, unsere Männer und Frauen, unsere Jungen und Alten zum Heiligtum des Gesetzes geleiten? Gibt es keine Steine aus dem Weg zu räumen, die das Leben unseren Kindern in den Weg wirft, der zum Gottesberge führt? Stehen keine <a href="#_ftn23" id="_ftnref23"><sup>[23]</sup></a> <strong>פַּרְדְּסָאוֹת</strong>, keine jerobeamischen Feldwächter am Wege, die unseren Kindern den Weg verstellen, die sie in die Irre führen, die ihnen den Weg zu den Kälbern in Bethel und Dan<a href="#_ftn24" id="_ftnref24"><sup>[24]</sup></a>, statt zu dem Gesetzesheiligtum in Zion weisen? Sind aus den Äckern unserer Nahrung keine <strong>כִּלְאַיִם</strong> auszujäten? Blüht keine Verhöhnung göttlicher Gesetze auf dem Felde unseres täglichen Brotes? Sind alle Quellen der Reinheit geöffnet<a href="#_ftn25" id="_ftnref25"><sup>[25]</sup></a>, alle Anstalten in gehörigem Zustand, die die Reinigung und Heiligung unseres ganzen leiblich-geistigen Wesens bedingen, dass wer das Reine will, auch sich und seine Ehe und seine Kinder und sein Haus reinhalten könne? Sind alle Gräber bezeichnet, wo das Tote wohnt und die <a href="#_ftn26" id="_ftnref26"><sup>[26]</sup></a> <strong>טֻמְאָה</strong> lauert, dass unsere Waller<a href="#_ftn27" id="_ftnref27"><sup>[27]</sup></a> gewarnt sind und nicht aus Unwissenheit dem Unlauteren in die Hände fallen, das ihnen den Eintritt in das Heiligtum sperrt? Oder sind bei uns die Zeichen verwischt, die das Tote von dem Lebendigen, das Reine von dem Unreinen, das Erlaubte von dem Unerlaubten, das Heilige von dem Unheiligen scheiden, ist alles unentschieden eben und gleich gemacht, dass der „Schrei des Unreinen<a href="#_ftn28" id="_ftnref28"><sup>[28]</sup></a>“ verstummt und nicht einmal das Gewissen mehr schlägt, wenn unsere Kinder aus sträflicher Unkenntnis im Unreinen wandeln? Sind alle unsere <a href="#_ftn29" id="_ftnref29"><sup>[29]</sup></a><strong>צָרְכֵי צִבּוּר</strong>, alle unsere Gemeindeangelegenheiten erledigt, ist nichts verschoben, nichts unvollendet, beiseitegelegt, in ungewisse Ferne vertagt, dessen Erledigung die Pflicht gebieterisch heischt? Sitzt nirgends in den Gemeinden der Leichtsinn mit zu Rate, der das Ernsteste auf leichte Achseln nimmt und mit ungebührlichem Achselzucken dem Wichtigsten begegnet, oder die Gleichgültigkeit, der alles recht ist, oder die Menschenfurcht, die Spott und Tadel der Menschen tiefer empfindet als den Gewissensvorwurf ihres Gottes, oder die Niedergeschlagenheit, die an allem Besseren verzweifelt, oder die Beschränktheit, die keines großen Gedankens fähig ist, oder die Engherzigkeit, die keinem großen Gedanken zugänglich ist weil sie die Opfer fürchtet, oder die Dummheit, die keinen Fehler sieht, oder der Dünkel, der keinen Fehler sehen will, oder die Trägheit, die sich zu keiner Tat entschließen mag, oder die falsche Friedensliebe, die alles gehen lässt wie es geht, um der lieben Ruhe willen — nagen diese und ähnliche Feinde aller Wohlfahrt nirgends an den Gemeindeangelegenheiten, dass darum so manches tot liegt, was sich rühren könnte, so manches nicht geschieht, was geschehen müsste, so manches vernachlässigt, verwahrlost bleibt, was zu verbergen wäre, und es darum noch schlimmer als schlimm ist in der ohnehin schon schlimmen Zeit?</p>



<p>O, was hätten wir zu tun, wenn uns der Schekalim-Ruf in dem ganzen Ernst seiner Bedeutung erfasste! Es ist wahrlich nichts Kleines, einst aus der Welt gehen und sich sagen zu können: „Ich habe <strong>meinen</strong> halben <strong>שֶׁקֶל</strong><strong> </strong>voll und redlich dem Heiligtum gezollt, habe lieber das „Kolbon-Agio<a href="#_ftn30" id="_ftnref30"><sup>[30]</sup></a>“ beigefügt, als dass das Heiligtum zu kurz käme, habe lieber „für mich und für den Unvermögenden“, Schwachen, mitgetragen, als dass ich es hätte an dem Meinen fehlen lassen!“</p>



<p>Wohl wäre es immer nur ein Halbes, nur eine Schekelhälfte, die ein jeder leisten könnte. Allein wenn nur ein jeder <strong>sein</strong> Teil <strong>voll</strong> dem Heiligtum zuwendete, <strong>sein</strong> volles Interesse, <strong>seine</strong> volle Einsicht, <strong>seine</strong> volle Kraft, wie anders stünde es um unsere allgemeine große, heilige Sache!</p>



<p>Glauben doch selbst viele der Besseren, Ernsteren, Treueren in den Gemeinden, dass sie nicht <strong>Zeit</strong> hätten, die Zeit nicht finden könnten, in welcher sie ihre Gedanken und ihre Tätigkeit dem jüdischen Allgemeinen zuwenden könnten. Der transatlantische Grundsatz: „Zeit ist Geld“ ist in unserer Zeit so in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir in diesem Satz volle Entschuldigung zu finden glauben, wenn wir dem Heiligtum die Stunde versagen, in welcher wir seine Sache zu betreiben hätten. Wäre die Zeit Geld, wäre sie ist doch nur zweifelhaft Geld, denn es liegt doch ebenso Verlust wie Gewinn in der Zeit, während die dem Allgemeinen mit treuem Ernst zugewendete Minute in jedem Fall ein Gewinn ist, sicheren, dauernden Gewinn bringt — <a href="#_ftn31" id="_ftnref31"><sup>[31]</sup></a><strong>זִכָּרוֹן לִפְנֵי ה&#8216;</strong><strong>,</strong> wie die Schekalimlehre es ausdrückt, ewiges Andenken vor Gott, dessen Sache wir betrieben und: <a href="#_ftn32" id="_ftnref32"><sup>[32]</sup></a> <strong>לְכַפֵּר עַל נַפְשֹׁתֵיכֶם</strong>, Sühne und Berechtigung erst dem sonstigen Privatstreben für die eigene Persönlichkeit — wäre Zeit Geld, mit Sicherheit Geld, hätten wir denn nicht auch unser Geld dem Heiligtum zu opfern, mit unserem Geld seine großen Zwecke zu fördern? In der Tat aber ist dem Heiligtum unsere Zeit mehr Wert als Geld, kann ihm durch nichts, und am allerwenigsten durch unser Geld ersetzt werden. Die Erkenntnis dessen, wo es fehlt, die Erforschung der Wege und Mittel zur Abhilfe, die Verfolgung dieser Wege, die Verwirklichung dieser Mittel, alles dies ist nicht mit dem toten Gelde gegeben, alles dies erfordert den Mann, die Hingebung des Gedankens und des Willens und der Tat, die Vereinigung vieler geistigen Willenskräfte zur gemeinsamen Beratung und Ausführung, alles dies erfordert Zeit, und die Gemeinde, deren Schatz Tausende zählte, wäre arm, wenn ihre Glieder ihr alles zuwendeten, nur nicht ihre Zeit.</p>



<p class="has-medium-font-size">Aber selbst unser Geld, ist es überall und immer also bereit für die Zwecke des jüdischen Heiligtums, wie es die Schekel-Lehre forderte? Für das <strong>Heiligtum<a href="#_ftn33" id="_ftnref33"><sup><strong><sup>[33]</sup></strong></sup></a></strong>, ja wohl! Wo das Gebäude des Heiligtums schadhaft, oder zu eng geworden, ja wo es auch nur veraltet erscheint und es gilt, ein Gebäude in modernem Geschmack aufzuführen, da ist wohl noch überall unser Geld bereit, und vielleicht hat es seit Jahrhunderten noch keine Zeit gegeben, die so bereit war, neue Synagogen zu bauen und in welchen so viele neue jüdische Heiligtümer auch wirklich gebaut wurden und werden, als eben die unsrige<a href="#_ftn34" id="_ftnref34"><sup>[34]</sup></a>. Aber für die Zwecke des jüdischen Heiligtums, dafür, dass nun diese Thora, dieses Gesetz und diese Lehre, der wir so prächtige Heiligtümer bauen, von unseren Kindern gelernt, von unseren Jünglingen verstanden, von unseren Männern begriffen und beherzigt, dass sie Pflanzung und Pflege finde in den Herzen und Gemütern unserer Jungen und Alten, dass sie auch nur gleiche Pflege finde wie alle anderen Bildungsmittel des Jahrhunderts, dass sie nicht die im Hechal festtäglich geschmückte, sondern die <a href="#_ftn35" id="_ftnref35"><sup>[35]</sup></a> <strong>מְאוֹרָסָה</strong>, die Vertraute und Angetraute unseres Volkes werde — wie viel gehört dazu, dass dafür auch nur etwas in unserer Zeit und für unsere Zeit geschehen wäre; ja wie viel gehört dazu, dass dieses Bedürfnis auch nur erst in seiner ganzen Größe und Wichtigkeit begriffen wäre? Nicht <a href="#_ftn36" id="_ftnref36"><sup>[36]</sup></a><strong>בָּתֵּי כְּנֵסִיּוֹת</strong>, nicht Stätten des Gebetes, <a href="#_ftn37" id="_ftnref37"><sup>[37]</sup></a> <strong>בָּתֵּי מִדְרָשׁ</strong>, die Stätten der Torah-Pflege sind Israels heiligste Heiligtümer, und wo sind die Hände, die dafür sich rühren? Geht aufs Land, was lernen die Kinder, was wissen die Lehrer? Geht in die Städte, was wissen die Lehrer, was lernen die Kinder? Wo sind die Jünglinge, wo sind die Männer, wo sind die Hunderte und die Tausende von Jünglingen hin, die noch zu den Zeiten der Großväter zu den Füßen lehrender Männer saßen, wo die Lehre zu finden war wie die Luft und das Licht, wo man <a href="#_ftn38" id="_ftnref38"><sup>[38]</sup></a> <strong>כְּבוֹד הַתּוֹרָה</strong>, die Verehrung der Torah nicht nur durch prächtige Hechalot — <strong>in unserer Zeit oft nichts anderes als prächtige Kerker</strong> — die man ihr erbaute, sondern auch und ganz vorzüglich dadurch betätigen zu müssen glaubte, dass man seine Kinder zu <a href="#_ftn39" id="_ftnref39"><sup>[39]</sup></a> <strong>בְּנֵי תּוֹרָה</strong>, zu Kindern der Torah erzog, dass man durch Torah <a href="#_ftn40" id="_ftnref40"><sup>[40]</sup></a> <strong>חִזּוּק יְדֵי לוֹמְדֵי תּוֹרָה</strong>, durch Lebensfristung<a href="#_ftn41" id="_ftnref41">[41]</a> der Lernenden und Lehrenden dem Baume der Torah Raum und Boden schaffte, in welchem er sodann frei und fröhlich zum Baume des Lebens erwuchs! Nicht <a href="#_ftn42" id="_ftnref42"><sup>[42]</sup></a> <strong>עֲבוֹדָה</strong> und nicht <a href="#_ftn43" id="_ftnref43"><sup>[43]</sup></a> <strong>תּוֹרָה</strong> <a href="#_ftn44" id="_ftnref44"><sup>[44]</sup></a>, <strong>גְּמִילוּת חֶסֶד</strong>&nbsp;&nbsp; hieß überall die erste Rubrik in dem Jüdischen der Gemeinde-Statuten der Alten, und nicht in großartiger Pracht der Hörsäle erkannten sie die Blüte der Torah, sondern in der Menge lebendiger Seelen, die das Wort der Lehre in sich aufnahmen.&nbsp; <strong>כַּמָּה מָמוֹן שִׁיקְעוּ אֲבוֹתַי כָּאן</strong> „Welch eine Menge Geld haben meine Eltern in dieses Gebäude versenkt!“ sagte R. Chama zu R. Oschaja, als sie zusammen die Synagoge zu Lydda durchwanderten! <strong>כַּמָּה נְפָשׁוֹת שִׁיקְּעוּ אֲבוֹתֶיךָ כָּאן</strong> „wie viele Seelen haben deine Väter hier versenkt!“ war R. Oschajas Antwort, „Gab es denn keine Menschen, die für das Lernen der Lehre zu erhalten waren?“<a href="#_ftn45" id="_ftnref45"><sup>[45]</sup></a> Und als R. Abon durch die Pforten des großen Hofsaals ging, trat R. Mana zu ihm hin mit den Worten: <strong>חֲמִי מָה עַבְדִּית</strong>! „Siehe, was ich geschaffen habe!“ <strong>וַיִּשְׁכַּח יִשְׂרָאֵל אֶת עוֹשֵׂהוּ וַיִּבֶן הֵיכָלוֹת</strong> „Israel vergaß seinen Schöpfer und baute Tempel!“ entgegnete R. Abon, <strong>לָא הֲוָה בְּנֵי נַשׁ דְּיִלְעוּן בְּאוֹרַיְתָא</strong> „gab es denn keine Menschen für das Lernen der Lehre zu erhalten?“<a href="#_ftn46" id="_ftnref46"><sup>[46]</sup></a> — <strong>Was würden R. Oschaja und R. Abon zu unserer Zeit sprechen, wenn sie ihnen ihre Herrlichkeiten zu bewundern zeigte!!</strong></p>



<p>Und nun endlich die Verwirklichung der Torah im Leben! Das gesetzliche Bestehen und die entsprechende Blüte aller der Anstalten, die die Erfüllung des Gesetzes der Torah bedingen! Das siegreiche Bekämpfen aller der Hindernisse, die die sträfliche Gleichgültigkeit der Menge und Zeitgenossen, und die noch sträflichere Gewissenlosigkeit ihrer Führer der gewissenhaften Pflichterfüllung der Gesetzestreuen heutzutage immer mehr und mehr in den Weg türmen! Wo sind die Mittel, die hierfür bereit sein müssten, wo die Anstrengungen, die hierfür gemacht würden, wo die Vereine, die die Rettung des Gesetzes im Leben sich zur Aufgabe gesetzt hätten!!</p>



<p>O, dass wir das alles einmal im Geiste der Schekalim-Lehre beherzigten! Bau und Unterhaltung der Tempel<strong>gebäude</strong> blieb den <strong>freiwilligen</strong> Spenden zur &#8211;<strong>בֶּדֶק הַבַּיִת</strong>Kasse überlassen. Konnte ja zuallerletzt selbst der Tempelbetrieb, wenn es sein müsste, auf den Tempel verzichten! <strong>וְאָמַר רַבִּי יְהוֹשֻׁעַ: שָׁמַעְתִּי שֶׁמַּקְרִיבִין אַף עַל פִּי שֶׁאֵין בַּיִת, אוֹכְלִין קׇדְשֵׁי קָדָשִׁים אַף עַל פִּי שֶׁאֵין קְלָעִים, קָדָשִׁים קַלִּים וּמַעֲשֵׂר שֵׁנִי אַף עַל פִּי שֶׁאֵין חוֹמָה, מִפְּנֵי שֶׁקְּדוּשָּׁה רִאשׁוֹנָה קִידְּשָׁה לִשְׁעָתָהּ וְקִידְּשָׁה לֶעָתִיד לָבוֹא</strong>. <a href="#_ftn47" id="_ftnref47"><sup>[47]</sup></a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>



<p>Da galt die Überlieferung: man opfert auch wenn der Tempel geschwunden, genießt die heiligsten Heiligtümer auch wenn die Tempelhallen nicht mehr sind, Heiligtümer und Zehnten, wenn auch Jerusalems Mauern in Trümmern liegen; denn die Heiligkeit der Stätte schwindet nicht mit dem Tempel und den Hallen und den Mauern — die Opfer konnten im Notfall des Tempels entbehren; Tempel aber ohne Opfer und Opfer ohne dem Opfer entsprechende Durchdringung und Weihe des Lebens mit dem Geiste und der Heiligung des göttlichen Gesetzes ist eine Verhöhnung desjenigen, der auch gesprochen: „O, dass einer unter euch wäre, der die Türen schlösse, und ihr nicht mehr nutzlos meinen Altar leuchten lasset: <a href="#_ftn48" id="_ftnref48"><sup>[48]</sup></a> <strong>מִ֤י גַם־בָּכֶם֙ וְיִסְגֹּ֣ר דְּלָתַ֔יִם וְלֹא־תָאִ֥ירוּ מִזְבְּחִ֖י חִנָּ֑ם</strong>! Bau und Erhaltung der Tempel<strong>gebäude</strong> vertraute man ruhig den <strong>freiwilligen</strong> Spenden zum Tempelbauschatz, ,<strong>בֶּדֶק הַבַּיִת</strong> — die Zwecke des Tempels aber, <strong>Opfer</strong> und alle anderen von der jüdischen Gesamtheit zu bestreitenden Gesamt-obliegenheiten des Gesetzes forderte man von den jährlichen <strong>Pflicht</strong>-Schekeln eines jeden jüdischen Mannes! <strong>תְּרוּמַת הַלִּשְׁכָּה וּשְׁיָרֶיהָ</strong> (Siehe Ketubot 105–106.)</p>



<p><strong>Diesen alten Pflichtgeist der Schekel-Spenden möge Gott wieder in uns lebendig werden lassen; er würde uns regenerieren und retten.</strong></p>



<p>Er würde vor allem zwei Dinge, die uns nottun, wieder zum Bewusstsein bringen.</p>



<p>Wir würden zuerst aufhören, nur auf unser Haus, höchstens unsere Gemeinde, unsere nächsten Kreise zu blicken. Wir würden uns nimmer damit beruhigt fühlen, in unserer Gemeinde, in unserem Hause, die Zwecke des Heiligtums in Erkenntnis und Erfüllung verwirklicht zu sehen. Wir würden das große Band der Verantwortung fühlen, das <a href="#_ftn49" id="_ftnref49"><sup>[49]</sup></a> , <strong>כָּל יִשְׂרָאֵל עֲרֵבִים זֶה לָזֶה</strong> das ganz Israel mit dem vollen Ernst der Pflicht aneinanderbindet; das <strong>כְּנֶסֶת</strong> <strong>יִשְׂרָאֵל</strong> zu unserer Gemeinde und <strong>בֵּית יִשְׂרָאֵל</strong> zu unserem Hause macht, das die Rettung und Erfüllung des Gesetzes in ganz Israel einem jeden von uns als seine eigenste Sache ans Herz legt. Die Entfremdung unseres Nachbarn würde uns schmerzen, die Unwissenheit seines Kindes uns anklagen. Die Entfremdung unserer Nachbargemeinde würde uns schmerzen, die Unwissenheit ihrer Kinder uns anklagen. Wir würden nimmer ruhen noch rasten, bis wir das Unsrige getan, um die heiligen Gesamtheitszwecke des göttlichen Gesetzes für Israels Gesamtheit gerettet zu haben.</p>



<p>In diesem Bewusstsein der Gemeinsamkeit der Torah, in diesem Bewusstsein, dass wir doch ein gemeinsames Gesamtheiligtum, eine gemeinsame große Sache haben, die die Hingebung eines jeden von uns fordere, würden wir wieder als eine Einheit erstehen, und in dieser Einheit, in dieser vereinigten Hingebung, hätten wir auch sofort die Mittel für alles Heilige und Gute, für alles Wahre und Große, das das göttliche Gesetzheiligtum erfordert.</p>



<p>Nicht nur den Geist, auch die Mittel weiß uns die Schekel-Lehre zu geben. Wohl unsterblichen Verdienst und Ruhmeskränze der Verherrlichung würden sich die Begüterten in Israel erwerben, denen der Notschrei des jüdischen Gesamtheiligtums zu Herzen ginge und die mit den Gütern, die Gott ihnen gegeben, vor den Augen ihrer Nation in die Bresche ihres Heiligtums träten, und der Torah wieder die Pflanzstätten der Erkenntnis und die Pflege der Erfüllung brächten! Gesegnet der Tag, an welchem nicht mehr nur für <strong>עֲבוֹדָה</strong> und <strong>גְּמִילוּת חֲסָדִים</strong>, für Tempel und Armenpflege, an welchem auch für <strong>תּוֹרָה</strong>, und für <strong>תּוֹרָה</strong> zuerst unsere Reichen wieder reich wären!</p>



<p>Aber dreimal gesegnet der Tag, wo die Schekel-Lehre unserem Volke wieder zu Herzen ginge, und es lehrte nicht auf die Weihegedanken einzelner Großen zu warten, vielmehr mit seinen kleinen Mitteln voranzugehen und die Kraft zu erproben, die auch kleine Mittel in Vereinigung aller gewinnen!</p>



<p>Ein <strong>שֶׁקֶל</strong>, was sagen wir, ein halber <strong>שֶׁקֶל</strong> von jedem, der es auf weiter Erde noch treu meint mit Gott und seinem alten ewigen Gesetze, ein halber <strong>שֶׁקֶל</strong> jährlich mit treuer Pflichtgebung gespendet, nicht zum Fond<a href="#_ftn50" id="_ftnref50"><sup>[50]</sup></a>, sondern zu jährlicher Verwendung für Gesamtzwecke der göttlichen Lehre, — was ließe sich damit nicht erstreben! Und welch ein Heiligtum der Erkenntnis und Erfüllung des göttlichen Gesetzes würde daraus entstehen! Fundiert auf das unwandelbare Pflichtgefühl, auf die nie ermüdende Hingebung einer unsterblichen großen Gottesgemeinde, vom Interesse der Gesamtheit getragen und darum auch unter dem Strahle der allgemeinsten Öffentlichkeit und Verantwortlichkeit in seinem reinsten Wesen garantiert —</p>



<p>Soll unsere Zeit nur groß in der Zerstörung sein<a href="#_ftn51" id="_ftnref51"><sup>[51]</sup></a>, und so armselig und verächtlich im Bauen<a href="#_ftn52" id="_ftnref52"><sup>[52]</sup></a>? Soll nicht endlich die Größe der Zerstörung eine noch mächtigere Größe des Wiederaufbaus wecken? Können wir denn nichts, so gar nichts tun, dass <a href="#_ftn53" id="_ftnref53"><sup>[53]</sup></a> <strong>וְהָיָה לִבְנֵי יִשְׂרָאֵל לְזִכָּרוֹן לִפְנֵי ה&#8216; עַל נַפְשֹׁתֵיכֶם</strong><strong>,</strong> in dieser armen — großen Zeit ???</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> An dem Schabbat, am dem der Thoraabschnitt vom „Halben Schekel“ vorgelesen wird, nimmt man zwei Thorarollen aus dem Schrank. Aus der einen wird der Wochenabschnitt vorgelesen, aus der anderen zusätzlich der Abschnitt über den „Halben Schekel“.</p>



<p><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Der Schekel ist eine alt-biblische Währungseinheit. Es war eine Silbermünze im Gewicht von etwa 14,55 gr.</p>



<p><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Tu Bi Schewat = Neujahr der Bäume; nachbilblischer Feiertag</p>



<p><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> Der Thoraabschnitt vom „Halben Schekel“</p>



<p><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> Vollversammlung Israels</p>



<p><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Das Pessachfest im Monat Nissan</p>



<p><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> Durch neuerliche Spenden</p>



<p><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> Der Monat vor Nissan</p>



<p><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> Tauchbäder, Mikwe</p>



<p><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> Kilaim=Gattung; Verbotene Kreuzungen bei Rindern, Saatgut (Aussaat) und Textilien (Materialien); siehe hierzu 3. B. M. 19:19 und 5. B. M. 22:9.</p>



<p><a href="#_ftnref11" id="_ftn11">[11]</a> Mischna Schekalim 1:1</p>



<p><a href="#_ftnref12" id="_ftn12">[12]</a> Tauchbäder, Mikwot</p>



<p><a href="#_ftnref13" id="_ftn13">[13]</a> Pessach</p>



<p><a href="#_ftnref14" id="_ftn14">[14]</a> In Jerusalem</p>



<p><a href="#_ftnref15" id="_ftn15">[15]</a> Die Gesetzgebung am Berg Sinai</p>



<p><a href="#_ftnref16" id="_ftn16">[16]</a> Exodus 36:24; „Vierzig silberne Füße machte man unter den zwanzig Brettern, zwei Füße unter einem Brette zu seinen beiden Zapfen, und wieder zwei Füße unter einem Brette zu seinen beiden Zapfen.“</p>



<p>Exodus 38:27; „Diese hundert Kikar Silber dienten, die Füße des Heiligtums und die Füße zum Vorhang zu gießen: hundert Füße aus hundert Kikar, ein Kikar zu einem Fuß.“ &nbsp;(Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>



<p><a href="#_ftnref17" id="_ftn17">[17]</a> 1. Nissan</p>



<p><a href="#_ftnref18" id="_ftn18">[18]</a> Durch die Thoravorlesung dieses Abschnittes</p>



<p><a href="#_ftnref19" id="_ftn19">[19]</a> Region, Landschaft</p>



<p><a href="#_ftnref20" id="_ftn20">[20]</a> „Tempelsteuer“ (halberSchekel)</p>



<p><a href="#_ftnref21" id="_ftn21">[21]</a> Spenden zur Gebäudeerhaltung; siehe hierzu u.a. 2. Könige 12</p>



<p><a href="#_ftnref22" id="_ftn22">[22]</a> Der Begriff &#8222;Hechal&#8220; (הֵיכָל) bedeutet &#8222;Palast&#8220; oder &#8222;Tempel&#8220; und bezieht sich in Synagogen auf den Toraschrein (Hechal), der die heiligen Torarollen beherbergt, ähnlich dem Allerheiligsten (Debir) im antiken Tempel. Bei aschkenasischen Juden wird der Schrein meist &#8222;Aron ha-Kodesch&#8220; (heilige Lade) genannt, während Sepharden den Begriff &#8222;Hechal&#8220; verwenden.</p>



<p><a href="#_ftnref23" id="_ftn23">[23]</a> Wachen, Wächter die der 1. König Israels Jerobeam aufstellen ließ, um die Pilger zu hindern zu den Wallfahrtsfesten nach Jerusalem im verfeindeten Judäa zu ziehen.</p>



<p><a href="#_ftnref24" id="_ftn24">[24]</a> Jerobeam ließ in Dan und Bethel Götzenbilder (Kälber) aufstellen zu denen die Pilger wallfahrten sollten.</p>



<p><a href="#_ftnref25" id="_ftn25">[25]</a> Tauchbäder, Mikwe</p>



<p><a href="#_ftnref26" id="_ftn26">[26]</a> Unreinheit — jüdische Friedhöfe müssen von einer Mauer umgeben sein.</p>



<p><a href="#_ftnref27" id="_ftn27">[27]</a> &#8222;Waller&#8220; ist ein alter Begriff für einen&nbsp;Pilger&nbsp;oder&nbsp;Wallfahrer, eine Person, die zu Fuß zu einem heiligen Ort wandert, hier kann aber einfach eine ortsfremde jüdische Person gemeint sein.</p>



<p><a href="#_ftnref28" id="_ftn28">[28]</a> In der theologischen Analyse wird dieser Schrei als ein hörbares Zeichen der Macht des Göttlichen über das Dämonische oder Unreine verstanden.</p>



<p><a href="#_ftnref29" id="_ftn29">[29]</a> Das von der Gemeinde benötigte</p>



<p><a href="#_ftnref30" id="_ftn30">[30]</a> Ein Kalbon ist eine kleine Münze, die die Weisen als Zuschlag zu einem halben Schekel festlegten, wenn der Geber den halben Schekel in einer anderen Währung bezahlte. Agio = Aufgeld, mit anderen Worten Wechselgebühr</p>



<p><a href="#_ftnref31" id="_ftn31">[31]</a> zum Gedächtnis, Angedenken vor Gott.</p>



<p><a href="#_ftnref32" id="_ftn32">[32]</a> Sühne für eure Seelen zu erwirken</p>



<p><a href="#_ftnref33" id="_ftn33">[33]</a> Hier: die Synagoge</p>



<p><a href="#_ftnref34" id="_ftn34">[34]</a> Damals so wie heute!</p>



<p><a href="#_ftnref35" id="_ftn35">[35]</a> Die Verlobte, die Angetraute</p>



<p><a href="#_ftnref36" id="_ftn36">[36]</a> Nicht Synagogen</p>



<p><a href="#_ftnref37" id="_ftn37">[37]</a> sondern Lehranstalten!</p>



<p><a href="#_ftnref38" id="_ftn38">[38]</a> Zur Ehre der Thora</p>



<p><a href="#_ftnref39" id="_ftn39">[39]</a> Kinder der Thora</p>



<p><a href="#_ftnref40" id="_ftn40">[40]</a> Stärkung der „Hände“ der Thoralernenden</p>



<p><a href="#_ftnref41" id="_ftn41">[41]</a> Bezahlung</p>



<p><a href="#_ftnref42" id="_ftn42">[42]</a> Gottesdienst</p>



<p><a href="#_ftnref43" id="_ftn43">[43]</a> Hier: freundliche Gesten</p>



<p><a href="#_ftnref44" id="_ftn44">[44]</a> Thorastudium</p>



<p><a href="#_ftnref45" id="_ftn45">[45]</a> Jerushalmi Peah 8</p>



<p><a href="#_ftnref46" id="_ftn46">[46]</a> Jerushalmi Shekalim 5</p>



<p><a href="#_ftnref47" id="_ftn47">[47]</a> Megilla 10a; „R. Jehošua͑ sagte: Ich hörte, daß man Opfer darbringe, auch wenn kein Tempel vorhanden ist, daß man hochheilige [Opfer] esse, auch wenn keine Vorhänge und minderheilige [Opfer] und zweiten Zehnten esse, auch wenn keine [Stadt]mauer vorhanden ist, weil die erste Heiligkeit sowohl für die damalige Zeit als auch für die Zukunft galt.“ (Übersetzung L. Goldschmidt)</p>



<p><a href="#_ftnref48" id="_ftn48">[48]</a> Melachi 1:10; „Wer wäre doch unter euch, dass er die Pforten schlösse, sodass ihr nicht Meinen Altar nutzlos leuchten lässt.“ (Übersetzung Dr. Mendel Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref49" id="_ftn49">[49]</a> In Israel ist einer für den anderen verantwortlich</p>



<p><a href="#_ftnref50" id="_ftn50">[50]</a> Als Geldanlage</p>



<p><a href="#_ftnref51" id="_ftn51">[51]</a> In der Trennung vom orthodoxen Judentum</p>



<p><a href="#_ftnref52" id="_ftn52">[52]</a> In dem Versuch der Rückgewinnung der Reformjuden</p>



<p><a href="#_ftnref53" id="_ftn53">[53]</a> Exodus 30:16; „es soll Jisraels Söhnen zum Gedenken vor <em>Gott</em> sein, für eure Seelen Sühne zu vollziehen.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/schewat-5786/">Schewat 5786</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Tewet 5786</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/tewet-5786/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Dec 2025 20:00:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Monatsblatt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hirschinitiative.de/?p=5363</guid>

					<description><![CDATA[<p>Jüdische Fasttagsgedanken Über die Bedeutung des Fastens macht sich hier in diesem Artikel Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l Gedanken. Warum gleich vier Fastentage wegen der Zerstörung des Tempels – hätte einer nicht genügt??!! Der Artikel stammt aus der Zeitschrift „Jeschurun“, 6. Jahrgang, Heft 4, Januar 1860. Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/tewet-5786/">Tewet 5786</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center has-medium-font-size"><strong>Jüdische Fasttagsgedanken</strong></p>



<p class="has-small-font-size">Über die Bedeutung des Fastens macht sich hier in diesem Artikel Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l Gedanken. Warum gleich vier Fastentage wegen der Zerstörung des Tempels – hätte einer nicht genügt??!!</p>



<p class="has-small-font-size">Der Artikel stammt aus der Zeitschrift „Jeschurun“, 6. Jahrgang, Heft 4, Januar 1860.</p>



<p class="has-small-font-size">Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter:</p>



<p class="has-text-align-center has-small-font-size"><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2944349">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2944349</a></p>



<p class="has-small-font-size">Für den schnellen Leser habe ich über KI eine Inhaltsangabe des Textes anfertigen lassen.</p>



<p><strong><em>Inhaltsangabe des Artikels „Tewet“ von Rabbiner Samson Raphael Hirsch (1860)</em></strong></p>



<p><em>Der Text ist ein klassischer Aufsatz von Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l aus der Zeitschrift „Jeschurun“ (Januar 1860), der die tiefere Bedeutung der vier historischen jüdischen Fasttage (10. Tewet, 17. Tammus, 9. Aw und 3. Tischri) erklärt. Hirsch wendet sich gegen ein weit verbreitetes Missverständnis und zeigt, dass diese Fasttage keineswegs dazu dienen, das jüdische Volk in ewiger Trauer, Selbstverachtung oder Verzagtheit zu halten.</em></p>



<p><strong><em>Kernaussage:</em></strong><em> Nicht Übermut und Stolz haben zum Verlust des Tempels und zur Zerstörung des jüdischen Staates geführt, sondern genau das Gegenteil: chronischer Kleinmut, Mangel an jüdischem Selbstbewusstsein und ein tiefes Misstrauen in die eigene göttliche Bestimmung sowie in Gottes Allmacht und Führung.</em></p>



<p><em>Hirsch stützt sich dabei vor allem auf drei zentrale Tora- und Prophetentexte:</em></p>



<ol start="1" class="wp-block-list">
<li><em>Sacharja 8,19 – Die vier Fasttage sollen einst „</em><strong><em>לְשָׂשׂוֹן וּלְשִׂמְחָה</em></strong><em>“ (zu Freude und Frohlocken) werden, wenn Israel nur Wahrheit und Frieden liebt.</em></li>



<li><em>Deuteronomium 28,47 – Das eigentliche Verhängnis kam, „weil du dem Ewigen, deinem Gott, nicht mit Freude und mit frohem Herzen gedient hast bei all der Fülle“.</em></li>



<li><em>Die Kundschafter-Episode (Numeri 13–14) – Das Volk fühlte sich „wie Heuschrecken“ in eigenen Augen und wurde deshalb auch in den Augen der Völker zu Heuschrecken („</em><strong><em>וַנְּהִי בְעֵינֵינוּ כַּחֲגָבִים וְכֵן הָיִינוּ בְּעֵינֵיהֶם</em></strong><em>“).</em></li>
</ol>



<p><strong><em>Hauptgedankengang:</em></strong><em></em></p>



<ul class="wp-block-list">
<li><em>Die eigentliche Ursache des Exils war nicht Hybris(Hochmut,Überheblichkeit), sondern ständige Selbstunterschätzung und Gotteszweifel.</em></li>



<li><em>Das Volk wollte immer „wie alle Völker“ sein: einen sichtbaren König, fremde Bündnisse, fremde Kulte, fremde Lebensweise – weil es seinem eigenen, rein gottzentrierten Weg nicht traute und ihn nicht mit Freude lebte.</em></li>



<li><em>Diese innere Haltung („es genügt uns nicht, nur Juden zu sein und nur auf Gottes Wohlgefallen zu vertrauen“) führte dazu, dass Israel sich selbst und Gott verachtete und deshalb auch von den Völkern verachtet wurde.</em></li>



<li><em>Der Churban (Zerstörung) und das Exil sollten genau diese falschen Götzen (menschliche Macht, äußere Pracht, fremde Kulturen) zertrümmern und Israel zwingen, endlich allein mit Gott und seinem Torah-Weg zufrieden und glücklich zu sein.</em></li>
</ul>



<p><strong><em>Die positive Bestimmung der Fasttage (</em></strong><strong><em>צוֹם</em></strong><strong><em>, nicht </em></strong><strong><em>תַּעֲנִית</em></strong><strong><em>!):</em></strong><em></em></p>



<p><em>Hirsch betont den sprachlichen Unterschied:</em></p>



<ul class="wp-block-list">
<li><em>Jom Kippur heißt „</em><strong><em>עִנּוּי נֶפֶשׁ</em></strong><em>“ – bewusste Selbsterniedrigung, um die eigene völlige Abhängigkeit von Gottes Gnade zu spüren.</em></li>



<li><em>Die vier historischen Fasttage heißen jedoch „</em><strong><em>צוֹם</em></strong><em>“ = sich sammeln, sich auf das Wesentliche konzentrieren, sich auf den inneren Kern des Judentums zurückbesinnen.</em></li>
</ul>



<p><em>Deshalb sollen diese Tage bewirken:</em></p>



<ul class="wp-block-list">
<li><em>Ein freudiges, stolzes Genügen an dem einen Satz:   „</em><strong>´<em>אִם חָפֵץ בָּנוּ ה </em></strong><em>“ – „Wenn Gott nur seine Freude an uns hat!“ – das ist die einzige Sorge, die wir haben dürfen.</em></li>



<li><em>Die Erkenntnis, dass wir als Juden in jeder Lage (auch in größter äußerer Beschränkung und Isolation) vollständig glücklich und erfüllt sein können, wenn wir unser Judentum mit Freude und ganzem Herzen leben.</em></li>



<li><em>Die Umwandlung der Trauer in zukünftige Freude (Sacharja), weil wir endlich gelernt haben, Gott „</em><strong><em>בְּשִׂמְחָה וּבְטוּב לֵבָב</em></strong><em>“ zu dienen.</em></li>
</ul>



<p><strong><em>Schlussfolgerung:</em></strong><em> Die Fasttage sind keine Tage der Selbstzerknirschung und Schwermut, sondern pädagogische Gedächtnistage, die uns zu selbstbewussten, freudigen und Gott allein ergebenen Juden erziehen sollen. Nur wenn wir aufhören, uns selbst wie Heuschrecken zu fühlen und stattdessen mit Josua und Kaleb rufen: „Wenn Gott Freude an uns hat, dann fürchten wir weder Riesen noch Tod!“, werden diese Fasttage sich, wie verheißen, in Feste der Freude verwandeln.</em></p>



<p><em>Der Text ist ein leidenschaftliches Plädoyer für jüdisches Selbstbewusstsein, innere Unabhängigkeit und freudigen Gottesdienst – und gehört zu den zentralen programmatischen Schriften der Torah im Derech Eretz-Bewegung bzw. der Neo-Orthodoxie Hirschs.</em></p>



<p class="has-text-align-right"><strong>אַתֶּם בְּכִיתֶם בְּכִיָּה שֶׁל חִנָּם —<a href="#_ftn1" id="_ftnref1"><sup><strong><sup>[1]</sup></strong></sup></a></strong></p>



<p>Wer das jüdische Volk mit seinen jährlichen geschichtlichen Fasten betrachtet, wer gewahrt, wie es ihm nicht genügt den Untergang seiner staatlichen Größe durch <strong>einen </strong>Fasttag alljährlich in Erinnerung zu begehen, sondern ihm die eine Katastrophe noch dazu in ihren einzelnen Stadien vorgeführt wird und der Belagerungs-Anfang, die Einnahme der Stadt, die Einäscherung des Tempels, der Satrapenmord<a href="#_ftn2" id="_ftnref2">[2]</a> ihm Veranlassung zu <strong>vier</strong> Fasttagen wurden, mit welchen es das eine Unglück beweint — dem dürfte der Gedanke nahe treten: Fasten und Weinen sei vor allem diesem Volk von Nöten, Übermut und Selbstüberhebung habe das Grab seines nationalen Glückes gegraben und nun sei der Weisheit seiner es erziehenden Institutionen eine jede Veranlassung willkommen, es durch Fasten und Weinen zur Demütigung und Zerknirschung zu führen, sei diese Weisheit vor allem darauf bedacht, den Geist der Verzagtheit und der Schwäche, den Geist des Schmerzes und der Trauer, den Geist der Betrübnis und der Verstimmung, den Geist der Mutlosigkeit und der Selbstverachtung durch diese ewigen Fasten in ihm groß zu ziehen, auf dass es durch diesen Charakter der selbstpeinigenden und selbstverachtenden Herabstimmung sich einst eines besseren Loses würdig und fähig mache sein künftiges Glück bescheidener und demutsvoller zu ertragen.</p>



<p>Und doch liegt der Wahrheit nichts ferner als dies; und doch dürfte unserem geschichtlichen Fasten nichts weniger als ein solches Ziel gesteckt sein!</p>



<p>Nicht weil wir in den Tagen unseres Glückes zu viel gelacht und zu wenig geweint: weil wir zu wenig gelacht und zu viel geweint, ward uns das tränenreichste Geschick beschieden. Nicht weil wir zu übermütig, weil wir zu verzagt gewesen, weil wir zu wenig Vertrauen zu unserem jüdischen Geschick und unserer jüdischen Bestimmung gehabt, weil wir uns zu gering geschätzt den Völker-Riesen gegenüber, mit denen wir geschichtlich in Berührung kamen, darum gingen wir im Wirbel der Geschichte zu Grunde und die Tage unserer geschichtlichen Fasten kommen nicht uns den Geist der Verzagtheit und Zerknirschung zu bringen, sondern uns mitten aus den Tiefen unseres nationalen Unterganges, und mitten aus dem Gefühl unseres nationalen Missgeschicks heraus, den Weg zum freudigsten Selbstbewusstsein, zur heitersten Ermannung und zur fröhlichsten, ungetrübtesten Blüte in Gott finden zu lassen.</p>



<p class="has-text-align-right">&nbsp;<strong>צ֣וֹם הָרְבִיעִ֡י וְצ֣וֹם הַחֲמִישִׁי֩ וְצ֨וֹם הַשְּׁבִיעִ֜י וְצ֣וֹם הָעֲשִׂירִ֗י יִהְיֶ֤ה לְבֵית־יְהוּדָה֙ לְשָׂשׂ֣וֹן וּלְשִׂמְחָ֔ה וּֽלְמֹעֲדִ֖ים טוֹבִ֑ים וְהָאֱמֶ֥ת וְהַשָּׁל֖וֹם אֱהָֽבוּ</strong><a href="#_ftn3" id="_ftnref3"><sup><strong><sup>[3]</sup></strong></sup></a> <strong>&nbsp;</strong></p>



<p>heißt es wohl in tieferem Grunde auch nach dieser Seite hin: „das Fasten des vierten und das Fasten des fünften und das Fasten des siebten und das Fasten des zehnten Monats soll dem Hause Juda zur Wonne und zur Freude und zu fröhlichen Zeiten werden, liebet nur die Wahrheit und den Frieden.“</p>



<p><a href="#_ftn4" id="_ftnref4"><strong><sup><strong><sup>[4]</sup></strong></sup></strong></a><strong>תַּ֗חַת אֲשֶׁ֤ר לֹא־עָבַ֙דְתָּ֙ אֶת־יְהֹוָ֣ה אֱלֹהֶ֔יךָ בְּשִׂמְחָ֖ה וּבְט֣וּב לֵבָ֑ב מֵרֹ֖ב כֹּֽל —</strong> „<strong>Weil du dem Herrn deinem Gotte nicht gedient hast mit Freuden und mit fröhlichem Herzen in allseitiger Fülle!</strong>&#8220; mahnt die das Verhängnis antizipierende Gottesrede, und der Moment, in welchem dies tränenreiche jüdische Verhängnis im Gottesbuch der Zukunft verzeichnet wurde, war nicht ein Sonnentag des Übermuts und kecker Selbstüberhebung, war eine Nacht trostloser Verzweiflung, war eine Nacht gottvergessener Verzagtheit, war jene Nacht, in welcher, bis auf Joschua und Kaleb, das ganze Volk an dem Sieg der göttlichen Allmacht über die Riesenmacht der Sterblichen und an der Heilskraft der göttlichen Führung, wäre es selbst auf einem Tod brütenden Boden, verzweifelten und sich und ihre Kinder beweinten, deren Schicksal und Leben lediglich dieser Gottes-Allmacht und dieser göttlichen Heilsführung anvertraut sein sollten!</p>



<p>Wie die Väter das Land nicht erhielten und im Anblick des Landes ihr Grab in der Wüste fanden, weil sie die Träne des Kleinmuts geweint, so verloren die Enkel das Land und mussten wieder hinaus in die Wüste, weil sie fort und fort diesen Geist des Kleinmuts gehegt, weil sie sich nimmer im Ganzen und dauernd zur Höhe des jüdischen Selbstbewusstseins und der jüdischen Selbstachtung erhoben, die, mit Gott im Bunde, keine Riesen unter den Menschen und keinen Tod unter den Naturgewalten fürchten, die mit Josua und Kaleb nur die eine Sorge kennen: <a href="#_ftn5" id="_ftnref5"><sup>[5]</sup></a><strong> </strong> <strong>!&#8217;אִם חָפֵ֥ץ בָּ֙נוּ֙ ה</strong> „wenn nur Gott seine Freude an uns hat!&#8220; und in dieser einen Sorge alle andere Sorge und Bekümmernis begrabe.</p>



<p>War es denn nicht dieses kleinmütige Misstrauen in die eigene jüdische Bestimmung, in das eigene jüdische Geschick und in die Gottesweisheit und Gottesallmacht, die jenes bestimmt und dieses leitet, war es denn dieses nicht, das sofort die Söhne dieser Väter die Besitznahme dieses Landes nicht vollenden ließ und den Kanaaniter mit seinem polytheistischen Wahn und seiner zur „Religion&#8220; erhobenen Unsittlichkeit mitten unter dem Gottesvolk bundesfreundlich hegte? War es denn nicht diese stets unbefriedigte Halbheit, die sie fort und fort hinüberschielen ließ nach der Sitte und den Gebräuchen und den Einrichtungen der Fremden? War es denn nicht die völlige Unterschätzung ihres ganzen <strong>gott</strong>geordneten und <strong>gott</strong>getragenen Verhältnisses, nicht die völlige, die innere Hohlheit verkennende Überschätzung des in Macht und Glanz und Königshoheit erscheinenden Völker-Elends, die sie an Gottes Leitung kein Genüge finden und sie den „König&#8220; vermissen und fordern ließ, in welchem sie „wie die andern Völker ringsum&#8220; doch auch die jüdische Gesamtgröße in einer menschlichen Majestät konzentriert erblicken wollten, die vor ihnen herziehe und sie heimführe und ihre Kriege führe und ihre Siege erstreite, — und sollte doch nur Gott ihr Mittelpunkt sein, in dem unsichtbaren Zusammenfinden in Gott und in dem einheitlichen Erfüllen seines Dienstes auf Erden und in der daraus hervorsprießenden Blüte und Heilsentwicklung <strong>aller Einzelnen</strong> ihre Nationalgröße glänzen, und nur Gott vor ihnen herziehen, Gott sie heimführen, Gott ihre Kriege führen, Gott ihnen ihre Siege erstreben?! War es denn nicht diese jämmerliche Selbst- und Gottesverachtung, nicht diese traurige Verkennung des einzigen jüdischen Palladiums: <strong>&#8222;<strong>!&#8217;אִם חָפֵ֥ץ בָּ֙נוּ֙ ה</strong>&#8222;</strong> die sie auf dem erschütterten Welttheater immer nur nach Bundesgenossen unter den Völkern ausblicken, um ihre Gunst buhlen, und Gott, ihren einzigen Bundesfreund hinter den Rücken werfen ließ, auf dessen Adlerflügeln sie hoch über der allgemeinsten Welterschütterung ruhig im Sonnenglanz Seines Schutzes und Seines Segens heiter ruhen und der staunenden Welt zeigen sollten, welche Kraft und welche Macht in dem einzigen <strong>&#8222;אִם חָפֵ֥ץ בָּ֙נוּ֙ <bdo lang="heb" dir="rtl">ה&#8216;!</bdo>&#8222;</strong> liegt, wenn es allein und ausschließlich und ganz und wahrhaft und aufrichtig und mit freudigster Hingebung der Leitstern des Einzelnen und der Gesamtheit wird? War es denn nicht diese traurige Selbst- und Gottes-Verkennung, der es nicht genügte, nicht freudig genügte, Gott ihre Häuser zu erbauen, Gott ihre Kinder zu zeugen und zu erziehen, Gott ihre Äcker zu bestellen und ihre Herden zu warten, Gott ihren Staat und ihren Tempel zu weihen, die weder ihre Häuser, noch ihre Kinder, ihre Äcker nicht und ihre Herden, Staat und Tempel nicht sicher glaubten, nicht hinreichend dem Segen und der Blüte, des und der Erhaltung geöffnet glaubten, wenn sie nicht neben Gott auch allen Göttern der Völker die Altäre erbauten, ihre Kinder dem „Einzigen!&#8220; und dem Moloch<a href="#_ftn6" id="_ftnref6"><sup>[6]</sup></a> zugleich weihten, an der Türe die Mesusa hatten und auf den Dächern „allem Heere des Himmels“ dienten — war es nicht die Ungenügsamkeit, die Unzufriedenheit mit dem eigenen gottgeordneten und gottgetragenen jüdischen Geschick und Leben, die Israel immer in den Völkererscheinungen die Riesen und in seinen ureigenen göttlichen Veranstaltungen die Pygmäen erblicken ließ, Israel immer dazu brachte, dass <a href="#_ftn7" id="_ftnref7"><sup>[7]</sup></a> <strong>וַנְּהִ֤י בְעֵינֵ֙ינוּ֙ כַּֽחֲגָבִ֔ים</strong>, dass es sich den Völkern gegenüber immer wie Heuschrecken vorkam, und es darum auch jederzeit von den Völkern also geachtet wurde, <a href="#_ftn8" id="_ftnref8"><sup>[8]</sup></a> <bdo lang="heb" dir="rtl"><strong>וְכֵ֥ן הָיִ֖ינוּ בְּעֵינֵיהֶֽם</strong>?</bdo></p>



<p>Und wie sollte es auch anders! Wenn der Jude sein Judentum — und dieses umfasst das ganze jüdische Wesen, sein gottgeordnetes Leben und sein gottgeleitetes Geschick — wenn der Jude sein Judentum nicht achtet; wenn es ihn nicht mit seligster Freude, mit beglückendstem Selbstbewusstsein erfüllt; wenn es sein Auge nicht stählt, in den scheinenden Glanz und in die täuschende Strahlenumgebung menschlicher Macht und vergänglicher Riesenhoheit ohne geblendet zu werden drein zu schauen; wenn das Judentum den Juden nicht also erhebt, dass der <strong>Jude</strong> sein Judentum über alles erhebt: wie sollten die Fremden es tun, wie sollten die Fremden es schätzen, denen ja das Judentum, dessen Wert sich nur dem Erfüller eben in der Erfüllung enthält, immer seinem geistigen beseligenden Inhalte nach eine fremde, unbekannte Erscheinung bleiben muss, die ja das Judentum nur nach der Beschränkung seiner Lebensordnung und nach dem Herben seines Geschickes, aber die lohnende, beglückende Seligkeit nicht kennen, die aus allem diesem sprießt, — <a href="#_ftn9" id="_ftnref9"><sup>[9]</sup></a> <strong>מַתַּן שְׂכָרָהּ לָא עֲבִידָא לְאִגַּלּוֹיֵי </strong>&nbsp;— wie sollten die Fremden Jud´ und Judentum schätzen, wenn der Jude sein Judentum nur unwillig trägt, seinem Gott nicht mit Freuden und heileren Herzens dient, stets bereit ist sein Judentümliches gegen Unjüdisches zu vermäkeln, stets bemüht ist, seinem Judentümlichen Unjüdisches beizufügen! Nein! Nein! Nein! So lange <strong>&#8222;וַנְּהִ֤י בְעֵינֵ֙ינוּ֙ כַּֽחֲגָבִ֔ים&#8220;</strong> wir in unseren Augen wie Heuschrecken sind, solange <strong>&#8222;וְכֵ֥ן הָיִ֖ינוּ בְּעֵינֵיהֶֽם&#8220;</strong> so lange werden wir es auch in ihren Augen sein!!!</p>



<p>So lange ferner es uns nicht genügt <strong>&#8222;<bdo lang="heb" dir="rtl">אִם חָפֵ֥ץ בָּ֙נוּ֙ ה&#8216;</bdo> &#8222;</strong> , so lange wir außer dem göttlichen Wohlgefallen auch noch des Wohlgefallens der Völker zu unserer Zufriedenheit bedürfen, so lange wir außer dem göttlichen Wohlgefallen auch noch in gleicher Linie um das Wohlgefallen der Menschen buhlen und alle Seligkeit des göttlichen Wohlgefallens uns verscherzt scheint, sobald es auch nur dem ersten besten jüdischen oder nichtjüdischen — Jungen einfiele, den Kopf über unser Leben zu schütteln — so lange dies Bewusstsein des göttlichen Wohlgefallens uns nicht eine solche Freudigkeit gewährt, die keines anderen Zusatzes bedarf und alles andere ersetzt: so lange werden wir immer wieder und wieder dieses göttlichen Wohlgefallens verlustig gehen, werden seiner nicht würdig bleiben. Es geht nicht. Gott hat sich uns gegenüber nicht umsonst<strong> </strong><a href="#_ftn10" id="_ftnref10"><sup>[10]</sup></a><strong> </strong> <strong>א&#8216; קַנָּ֔א</strong> genannt. Er fordert uns ganz und ausschließlich. Wir können ihm nur ganz oder gar nicht angehören, und noch heute, und jederzeit unentschiedener Halbheit und sich selbst verachtender Verquickung unjüdischen und jüdischen Wesens würde Elijahu sein:</p>



<p class="has-text-align-center"><strong>עַד מָתַ֞י אַתֶּ֣ם פֹּסְחִים֮ עַל שְׁתֵּ֣י הַסְּעִפִּים֒ אִם ה&#8216; הָאֱלֹקים֙ לְכ֣וּ אַחֲרָ֔יו וְאִם הַבַּ֖עַל לְכ֣וּ אַחֲרָ֑יו <a href="#_ftn11" id="_ftnref11"><sup><strong><sup>[11]</sup></strong></sup></a></strong></p>



<p>entgegenrufen.</p>



<p>Wer zu seiner Lebensfreudigkeit außer dem göttlichen Wohlgefallen noch anderes bedarf, wer nicht alles andere nur durch das göttliche Wohlgefallen und von ihm erwartet, der wird bald um dieses anderen willen göttliches Wohlgefallen verscherzen und was er an Scheinfreuden gewinnt an dem Quell der einzigen wahren untrübbaren Lebensfreude einbüßen.</p>



<p>Was sollen daher die Gedächtnistage des jüdischen Unterganges? Nichts anders als dieser Untergang selber. Dieser Untergang sollte uns ja nicht niederwerfen und beugen, nicht von Gott entfernen und zum Selbstaufgeben bringen, sollte uns ja aufrichten und erheben, sollte uns ja umso inniger mit Gott und unserer Bestimmung vermählen, indem er alle Güter, die wir vergötterten und Gottes Thron in uns teilen ließen, darnieder warf, und uns für Jahrhunderte hinaus nichts anders übrig ließ, als „Gott und sein Wohlgefallen&#8220;, als „die Freude an seinem Dienst&#8220; und „die Wertschätzung der Wahrheit und des Friedens&#8220;. Das sollte der Untergang, das war von Anfang seine Bestimmung und daran hat er Jahrhundert nach Jahrhundert an unserm Innern gearbeitet. „Als Gott Israel hinaussandte, da griffen die Nationen dies im Doppelmaß zum Kampf wider es auf. Gott aber sprach bei seinem schwer-sten Verhängnis am Tage des Oststurmes: darum sei es, damit hierdurch Jakobs Sünde gesühnt werde und das sei die ganze Furcht, dass, was es zum Abfall gebracht entfernt werde: denn wenn Gott selbst alle Steine des Altars wie zerstreute Kiesel sein lässt, werden keine Glückshaine und Sonnenbilder mehr aufkommen.“ Indem <strong>Jerusalem</strong> zusammenbrach, ward <strong>Zion</strong> frei <a href="#_ftn12" id="_ftnref12"><sup>[12]</sup></a><strong>צִיּ֖וֹן בְּמִשְׁפָּ֣ט תִּפָּדֶ֑ה</strong> — das von all dem&nbsp; unjüdischen Treiben im Staat und im Tempel wie eine feindliche Stadt umlagert war <a href="#_ftn13" id="_ftnref13"><sup>[13]</sup></a> <strong>כְּעִ֥יר נְצוּרָֽה</strong></p>



<p>Und die ersten Mitarbeiter an diesem Befreiungswerk des jüdischen Unterganges sollen die Gedächtnistage desselben für unser Inneres werden. <a href="#_ftn14" id="_ftnref14"><sup>[14]</sup></a> <strong>צוֹם</strong>, nicht <a href="#_ftn15" id="_ftnref15"><sup>[15]</sup></a> <strong>תַּעֲנִית</strong> , nicht <a href="#_ftn16" id="_ftnref16"><sup>[16]</sup></a> <strong>יוֹם עֲנוֹת נֶפֶשׁ</strong> nennt sie das Gotteswort.<strong> <a href="#_ftn17" id="_ftnref17"><sup><strong><sup>[17]</sup></strong></sup></a>עִינּוּי נֶפֶשׁ </strong> nennt es nur das Fasten des <a href="#_ftn18" id="_ftnref18"><sup>[18]</sup></a> <strong>יוֹם הַכִּפּוּרִים</strong>. Der Tag, der uns das Höchste wiederbringen soll, <a href="#_ftn19" id="_ftnref19"><sup>[19]</sup></a> <strong>כַּפָּרָה וְטָהֳרָה</strong> aus Gottes allmächtiger Gnade, der Tag soll uns unsere vollendete Armut fühlen lassen, fühlen lassen, wie ohne diese Gnade mit ihrem allmächtigen Erneuerungswunder wie bis auf den letzten Anspruch auf fortzuspinnendes Dasein und Leben alles durch die Fehler unserer Vergangenheit verloren, und nur mit diesem Armutsbewusstsein, tatlos und genußlos wie wir ihn begehen, stehen wir an den Pforten der göttlichen Gnadenallmacht, Recht zu neuem Dasein und Kraft zu neuem Leben zu erstehen. Dort heißt das Fasten: <a href="#_ftn20" id="_ftnref20"><sup>[20]</sup></a> <bdo lang="heb" dir="rtl"><strong>וְעִנִּיתֶם אֶת נַפְשׁוֹתֵיכֶם</strong> !</bdo> Unsere geschichtlichen Fasten heißen aber <strong>צוֹם</strong>, und <strong>צוֹם</strong> heißt <strong>sich sammeln, sich in sich zusammenziehen, sich auf sich beschränken,</strong> und das sollen diese geschichtlichen Fasten an uns bewirken.</p>



<p>Sie sollen uns sammeln, in den Mittelpunkt unseres jüdischen Bewusstseins uns sammeln. Und könnten wir auch nichts anderes als Juden, und wären alle anderen Beziehungen des bürgerlichen und Staatslebens abgebrochen, vollzöge die Wirklichkeit <strong>&#8220; בְּסַאסְּאָ֖ה <a href="#_ftn21" id="_ftnref21"><sup><strong><sup>[21]</sup></strong></sup></a>&#8222;</strong>, im Doppelmaß, was der jüdische Untergang begonnen, und wiese den Juden zurück von allen Bahnen menschlich bürgerlicher Entfaltung, isolierte ihn auf sich, auf sein Haus, seine Brüder, die Genossen seiner Bestimmung und seines Geschickes — lernen wir an unseren <strong>צוֹם</strong>, an unseren geschichtlichen Fasten, ein Genüge, ein freudiges Genüge, ein freudig stolzes Genüge darin zu finden: Jude zu sein. Die Geschichte unserer Vergangenheit mahnt uns: wir sind nur untergegangen, weil es uns nicht genügte „Jude“ sein, weil wir Jude, aber auch Syrer und Tyrier<a href="#_ftn22" id="_ftnref22"><sup>[22]</sup></a>, Ägypter und Assyrer sein wollten, weil wir nicht alle unsere innersten und äußeren Beziehungen rein nur als Ausfluss und Verwirklichung unseres Judentums begriffen, unser „Jude sein&#8220; auf den Tempel beschränken, unser staatliches und bürgerliches Leben aber thyrischen und babylonischen, ägyptischen und assyrischen Einflüssen unterstellen wollten.</p>



<p>Sie sollen uns in den Sammelpunkt unseres <strong>menschlich sittlichen</strong> Bewusstseins zurückführen. Fastend, schwach und hungernd, und doch vor Gott, sollen wir lernen, sollen wir uns entschließen: unser Dasein vor Gott, unser Beharren vor Gott, unser Leben vor Gott, unser freudig heiteres Leben und Weben in Gott, von keinem Maß des äußern Habens und Genusses abhängig zu machen. <strong>&#8222;<bdo lang="heb" dir="rtl">אִם חָפֵ֥ץ בָּ֙נוּ֙ ה&#8216;</bdo></strong> wenn nur Gott seine Freude an uns hat!&#8220; Diese Sorge endlich nicht unsere angelegentlichste, sondern unsere einzige Sorge werden zu lassen, mit allen unseren anderen Sorgen und mit allen unseren anderen Sorgen nur die Lösung dieser einzigen Sorge zu suchen: als Mensch, als Jude, als Familienvater, als Bürger, — und wie die verschiedenen Erscheinungen alle heißen mögen, in die wir unser einheitliches Dasein spalten und die gespaltenen Teile wahnumfangen einander gegenüber stellen, — als Mensch, als Jude, als Familienvater, als Bürger, eben nichts anderes sein zu wollen als „Jude&#8220;, als Gottes Willen in all diesen Beziehungen, zu erfüllen und sein Wohlgefallen mit all diesen Bestrebungen zu erzielen, und darum das Maß der Mittel und das Maß des Gelingens Ihm, ganz ausschließlich Ihm, und uns nur die ganze Energie des reinen entschiedenen Willens zu vindizieren, das Gott Wohlgefällige zu wollen, darin unser ganzes eigenes Wohlgefallen aufgehen zu lassen, und darum, unbeirrt von den Gestalten des äußeren Lebens, im Hunger und in der Fülle, in der Schwäche und in der Kraft, in der Krankheit wie in gesunden Tagen, im Schmerze der Entsagung wie im Jubel des Erlangens, in allem und mit allem, freudvoll und leidvoll, doch heiter im Lebensdienst vor Gott zu stehen, — das dünkt uns, müsse die Frucht unserer geschichtlichen Fasten werden.</p>



<p>Sie müssten uns zu wahren Juden, zu glücklicheren Juden, zu Menschen machen, die ihrem Gott mit Freuden und fröhlichen Herzen dienen, die in diesem Dienst alle ihre Freudigkeit und all ihre Fröhlichkeit finden, die darum kein anderes Ziel kennen, als die von ihm geoffenbarte Wahrheit zu erkennen und sie zum Heil und Frieden der Menschen zu verwirklichen, die darum keine andere Sorge haben als dass Gott seine Freude an ihnen habe und die tief von der Überzeugung durchdrungen sind, dass <strong>אִם חָפֵ֥ץ בָּ֙נוּ֙ ה&#8216;</strong> ,dass wenn Gott seine Freude an ihnen hat, sie dann selbst in winzigster äußerer Erscheinung die riesigste gottmissfällige Macht überragen und, von den Fittigen des göttlichen Wohlgefallens getragen, keine Riesengewalt und keine Todesmacht zu fürchten haben.</p>



<p class="has-text-align-center"><strong>אִם חָפֵ֥ץ בָּ֨נוּ֙ ה&#8216; וְהֵבִ֤יא אֹתָ֨נוּ֙ אֶל הָאָ֣רֶץ הַזֹּ֔את וּנְתָנָ֖הּ לָ֑נוּ אֶ֕רֶץ אֲשֶׁר הִ֛וא זָבַ֥ת חָלָ֖ב וּדְבָֽשׁ <a href="#_ftn23" id="_ftnref23"><sup><strong><sup>[23]</sup></strong></sup></a></strong></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Taanit 29a; “Ihr habt ohne Anlass gejammert“ (Übersetzung L. Goldschmidt)</p>



<p><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Ermordung Gedaljas</p>



<p><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Zecharia 8:19</p>



<p><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> Deuteronomium 28:47</p>



<p><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> Numeri 14:8</p>



<p><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Altbiblicher Götze, dem Kinderopfer dargebracht wurden.</p>



<p><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> Numeri 13:33</p>



<p><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> ebenda</p>



<p><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> Beitza 16a; “Dessen Belohnung würde nicht bekannt geworden sein.” (Übersetzung L. Goldschmidt)</p>



<p><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> Exodus 20:5; „bin ein sein ausschließendes Recht fordernder Gott“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref11" id="_ftn11">[11]</a> 1. Buch Könige 18:21; “Wie lange noch wollt ihr hüpfen auf die beiden Zweige [wollt ihr schwanken]? Ist der Herr euer Gott, so dienet ihm, und wenn der Baal [euer Gott it], so dienet ihm.“ (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>



<p><a href="#_ftnref12" id="_ftn12">[12]</a> Jesaja 1:27; „Zijon wird durch Gerechtigkeit erlöst“ (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>



<p><a href="#_ftnref13" id="_ftn13">[13]</a> Jesaja 1:8; „wie eine belagerte Stadt“ (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>



<p><a href="#_ftnref14" id="_ftn14">[14]</a> Fasten</p>



<p><a href="#_ftnref15" id="_ftn15">[15]</a> Quälendes Fasten (Foltern)</p>



<p><a href="#_ftnref16" id="_ftn16">[16]</a> Ein Tag, an dem die Seele gequält wird</p>



<p><a href="#_ftnref17" id="_ftn17">[17]</a> Die Seele quälen</p>



<p><a href="#_ftnref18" id="_ftn18">[18]</a> Jom Kippur</p>



<p><a href="#_ftnref19" id="_ftn19">[19]</a> Wiederherstellung der Reinheit durch Sühne</p>



<p><a href="#_ftnref20" id="_ftn20">[20]</a> Levitikus 23:27; „und ihr lasset eure Lebensgeister darben“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref21" id="_ftn21">[21]</a> Jesaja 27:8; „Im vollem Maße &#8230;“ (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>



<p><a href="#_ftnref22" id="_ftn22">[22]</a> Bewohner von Tyros. Tyros war im Altertum eine griechische Metropole</p>



<p><a href="#_ftnref23" id="_ftn23">[23]</a> Numeri 14:8; „Wenn <em>Gott</em> Wohlgefallen an uns findet, so wird er uns in dies Land bringen und es uns geben, ein Land, das in Wahrheit von Milch und Honig fließt.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/tewet-5786/">Tewet 5786</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kislew 5786</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/kislew-5786/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 23 Nov 2025 09:00:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Monatsblatt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hirschinitiative.de/?p=5332</guid>

					<description><![CDATA[<p>Chanukka Sollte man zu Chanukka nur an den Aufstand der Hasmonäer gegen die Griechen denken? Das Wort Chanukka חנוכה kann mehrere Bedeutungen haben. Es bedeutet „Einweihung“, „Weihe“, „Amtseinführung“. Es ist aber auch verwandt mitחינוך , „Erziehung“, „Bildung“. In Anlehnung an den Leuchter im Tempel wird der Chanukkaleuchter als חנוכייה bezeichnet. In diesem Sinne ist der [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/kislew-5786/">Kislew 5786</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center has-large-font-size"><strong>Chanukka</strong></p>



<p class="has-small-font-size">Sollte man zu Chanukka nur an den Aufstand der Hasmonäer gegen die Griechen denken? Das Wort Chanukka<strong> חנוכה </strong>kann mehrere Bedeutungen haben. Es bedeutet „Einweihung“, „Weihe“, „Amtseinführung“. Es ist aber auch verwandt mit<strong>חינוך</strong><strong> </strong>, „Erziehung“, „Bildung“. In Anlehnung an den Leuchter im Tempel wird der Chanukkaleuchter als<strong> חנוכייה </strong>bezeichnet. In diesem Sinne ist der hier wiedergegebene Artikel von Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l zu lesen.</p>



<p class="has-small-font-size">Den Artikel habe ich der Zeitschrift „Jeschurun“, 6. Jahrgang, Heft 3, Dezember 1859 entnommen.</p>



<p class="has-small-font-size">Viele Leser unserer Zeitschrift haben immer wieder angemerkt, dass ihnen das Lesen der Schriften Rabbiner Hirschs schwerfällt. Sie kommen mit dem Sprachgebrauch des 20. Jahrhunderts nicht zurecht. Deshalb habe ich diesen Artikel mit KI überarbeitet. Man erhält dadurch, wie ich meine, ein gefälligeres Deutsch. Die KI-Überarbeitung dieses Artikel finden Sie weiter unten.</p>



<p class="has-small-font-size">Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter:</p>



<p class="has-text-align-center has-small-font-size"><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2944235">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2944235</a></p>



<p><strong>Chanukka, Chanukka!</strong> Morgenrot und Frühlingsschimmer liegt auf dem Worte, Morgenlicht und Frühlingshauch fächelt der Gedanke! Chanukka, — eine große Chanukka ist die Knaben- und die frühste Jünglingszeit, in welcher die Knospe des Geistes und Gemüts sich aufschließt und das verschleierte Allerheiligste der Seele für das Aller-Heiligste, gewonnen und der „wach&#8220; werdende Mensch „gerüstet&#8220; und „geweiht&#8220; werden soll für das, „was ihn noch als Mann und als Greis soll durchs Leben geleiten.&#8220;</p>



<p>Chanukka ist jeder erhabene und erhebende Moment, in welchem der Mensch ein Werk hat vollbracht, das nicht das Ende, das der Anfang einer Zukunft voller Hoffnung und voller Lebenskeime für ihn werden soll, und er nun mit dem Anknüpfen dieser Zukunft an dieses Werk den Anfang dieser Hoffnungen und dieser Lebenskeime zu ernten gedenkt.</p>



<p>„Chanukka?&#8220; — so spricht die engbrüstige Weisheit der Sterblichen — „Chanukka, die Jugend und die Weihe, nur einmal! Unwiederbringlich ist die Jugend, wenn einmal verscherzt, unwiederbringlich die Weihe, wenn einmal verloren! Der Mensch ist nur einmal begeistert für das Hohe, der Mensch nur einmal empfänglich für die Weihe. Kindesgemüt, Jünglingsglut, Bräutlichkeit, Weihestimmungen — Poesien sind&#8217;s, vom barmherzigen Vater dem armen Menschenherzen zum Trost verliehen, um wenigstens über jeden Anfang den Rosenschimmer der Hoffnung zu decken und das Ende noch mit dem süßen Schmerz der Erinnerungswehmut zu laben. Allein die Wirklichkeit hat nichts von dem Perienthan<a href="#_ftn1" id="_ftnref1"><sup>[1]</sup></a>, der in der Morgensonne glänzte. Die poetischen Keime müssen zertreten werden, wenn die Wirklichkeit sich aufbauen soll, der Mann wird zum Narren, der sich das Kindesgemüt und die Jünglingsglut bewahren wollte. Des Weibes Herz wird gebrochen, das die bräutlichen Träume im Sorgenhaus der Familie erfüllt sehen möchte. Das Haus, der Tempel wird unpraktisch, wenn der Inhalt ihrer Einweihungsgedichte wollte mehr als Gedichte bedeuten.&#8220;</p>



<p>Und doch steht Chanukka, Chanukka, immer wieder und wieder in dem Kalender unserer Jahre, und doch ist&#8217;s diesem Kalender vollendeter Ernst, mit jeder Chanukka, eben „Chanukka&#8220;, neue Weihe, frische Rüste, erneuten, frischen Anfang dem Tempel- und Familien-Leben <strong>jeder</strong> Zeit zu bringen! Und doch straft die Chanukka-Geschichte selbst alle jene engbrüstige Blasphemie von dem bloß „Gemachten&#8220;, von der bloßen Poesie des Poetischen im Leben Lüge! In der achtzigjährigen Brust eines Greisen loderte die Chanukka-Flamme der Begeisterung auf, an der sich das Feuer eines ganzen Volkes entzündete, die Wahrheit und die Weihe, die Heiligkeit und die Heiligung seines Lebens zu retten. Und es war das beginnende Greisenalter dieses Volks, in welchem es der Begeisterung fähig war, für seines Lebens höchste Güter das Leben mit allen seinen Gütern einzusetzen und eben mit dieser Begeisterung den Anfang, die Chanukka seines — Greisenalters zu beginnen. Und es wäre euch Chanukka, es wäre euch Begeisterung und Weihe, Dichtung und Unwahrheit, mit deren man Kinder ergötzt und Jünglinge berauscht bis sie zur Nüchternheit des Lebens erwachen?</p>



<p>Warum sind euch Begeisterung und Weihe nichts als abgepflückte Blüten-Girlanden, mit denen ihr eure sogenannten „Weihestunden&#8220; des Lebens verbrämt, die aber den morgenden Tag nicht erleben und schon tags darauf wie die welken Kränze einer gestrigen Tempelweihe, einer gestrigen Konfirmation, einer gestrigen Hochzeit ihr: sic transit<a href="#_ftn2" id="_ftnref2"><sup>[2]</sup></a> selbst all der Gefühle und Gesinnungen, all der Entschlüsse und Weihegedanken predigen, die ihr in den „Weihestunden&#8220; doch als die ewigen und unvergänglichen gepriesen? Warum? weil eure Begeisterung und Weihe selbst von vornherein eine Lüge. Ihr begeistert, aber es fehlt euch der Gegenstand, für den ihr begeistert, Ihr weiht, aber es ist euch das Leben abhandengekommen zu dem ihr weiht. Ihr begeistert nicht das Kind für das Pflichtleben der Knaben und Mädchen, den Knaben und das Mädchen nicht für das Pflichtleben der Jünglinge und Jungfrauen, den Jüngling und die Jungfrau nicht für das Pflichtleben des Mannes und der Frau, den Mann und das Weib nicht für das Pflichtleben des Greisen und der Greisin, den Greis und die Greisin nicht für das Leben ihrer diesseitigen und jenseitigen Ewigkeit. Das Entzücken eurer Braut- und Flitter-wochen liegt nicht in dem <strong>kommenden</strong> Ernst der Ehe, die Begeisterung eurer Tempelweihen nicht in dem <strong>kommenden </strong>Ernst des Tempellebens, ihr versteht es nicht <a href="#_ftn3" id="_ftnref3"><sup>[3]</sup></a> <strong>&nbsp;חֲנֹ֣ךְ לַ֭נַּעַר עַל־פִּ֣י דַרְכּ֑וֹ</strong>Dinge und Menschen für <strong>ihre Zukunft</strong> zu rüsten und in dieser Zukunft zu begeistern und durch diese Zukunft zu weihen, eure <strong>Weihe</strong> ist stets ein <strong>Gipfelpunkt</strong>, von dem es nur ein <strong>Herabsteigen</strong> gibt, und sie soll doch ein <strong>Anfang</strong> sein, der zum hinanklimmenden Fortschritt führt. Eurer Begeisterung und Weihe fehlt der inhaltsvolle Kern, sie haben keinen Gegenstand als sich selbst, sie sind euch Selbstzweck und darum verpuffen sie und lassen euch in Nacht wie die Rakete, wenn ihr Brennstoff verzehrt. Die Liebe eurer Braut war Tändelei, die Liebe eurer Kinder Zärtlichkeit, das Interesse an eurem Tempelbau der Glanz und der Stolz der Einweihungsfeier; aber ihr herzt in der Braut nicht das einstige Weib, ihr liebt in dem Kinde nicht den einstigen Mann, ihr weiht eure Tempel nicht— um sie zu besuchen, ihr setzt die Wahrheit nirgends am Anfang, darum habt ihr Täuschung und Lüge an allen Enden.</p>



<p>Wie anders die jüdische Begeisterung und Weihe, wie anders die jüdische Chanukka, wo und wann immer sie auftritt! <a href="#_ftn4" id="_ftnref4"><sup>[4]</sup></a> <strong>חִנּוּךְ</strong>, die jüdische Menschen-Chanukka speist das Kind nicht mit Märchen, den Knaben nicht mit Fabeln, nicht mit Romantik den Jüngling, gängelt Kindheit und Jugend nicht mit Anschaltungen einer Welt die nicht ist, gewinnt nicht ihren Geist und ihr Herz für ein Leben das die Wirklichkeit nie bietet. Sofort an das „<strong>Gesetz</strong>&#8222;, unmittelbar an denselben Ernst, zu derselben Wahrheit führt sie den Knaben, die sein Leben lang seine Führer und die Zielpunkte seines Lebens bleiben sollen, <strong>גַּ֥ם כִּי־יַ֝זְקִ֗ין לֹא־יָס֥וּר מִמֶּֽנָּה</strong> &#8220; — &#8220; <strong>עַל־פִּ֣י דַרְכּ֑וֹ</strong> &#8222;&#8220;<a href="#_ftn5" id="_ftnref5"><sup>[5]</sup></a> — für „Gott und Pflicht&#8220; weckt sie seine Begeisterung und weiht sie ihn von dem ersten Dämmerstrahl seines Bewusstseins; und hat sie die Begeisterung getroffen, ist ihr die Weihe gelungen, so leuchten „Gott und Pflicht&#8220; ihm sein Leben lang als die leuchtenden Sterne seines Weges. Immer mehr zu wachsen in Erkenntnis! Gottes und seiner Pflicht, immer mehr zu wachsen im Dienste Gottes und in Erfüllung seiner Pflicht, das heißt dem Kinde Knabe, dem Knaben Jüngling, dem Jünglinge Mann, dem Manne Greis werden, dem Greise Greis sein und indem er die Schätze der Erkenntnis und des Lebens, die ihm gereift, dem jungen Geschlecht hienieden geweiht, nimmt er das, wofür sein erstes kindliches Bewusstsein aufgedämmert und wofür er sein Leben lang mit immer wachsender Begeisterung gelebt, als den Garbenkranz hiniediger Vollendung mit hinüber in den neuen Anfang der jenseitigen Chanukka, zu welcher ihm der Tod an der Pforte der Ewigkeit leuchtet. Seht das jüdische Volk, solange es ein <strong>jüdisches</strong> ist. Die weite Erde bietet kein zweites. An derselben Quelle der Begeisterung und Weihe seht ihr den Greis wie das Kind, den Jüngling wie den Mann. Dasselbe Buch, dieselben Bücher, dasselbe Gesetz, dieselben Wahrheiten, an welcher sich zuerst des Kindes Geist und Begeisterung, Lust und Lebensweihe entzündet, nähren das Feuer des Jünglings, fesseln den Ernst des Mannes, verklären den Blick des Greisen, und der Siebzigjährige bückt sich noch emsig über denselben Folianten, trinkt noch Begeisterung aus denselben Worten, die der Fünf- und Zehnjährige zuerst mit leuchtendem Blick stammeln gelernt. Seht die Ehe des Juden! Nicht Galanterie, Tändelei und täuschende Liebesvergötterung knüpft des jüdischen Mannes und des jüdischen Weibes Herz und Hand. In dem vollen Bewusstsein des ganzen kommenden Ernstes des Lebens und für diesen Lebensernst treten Mann und Weib zusammen, und ihre Liebe heißt Begeisterung für die gemeinsame Pflichterfüllung des Lebens und für die Beglückung des einen <strong>durch</strong> den andern und <strong>mit</strong> dem andern, und darum wächst ihre Liebe je länger die Ehe, wächst ihre Lebensweihe je ernster des Lebens Ernst. Ihre Hochzeit ist nicht ihre Höhezeit, ist der Lenz, ist der Keimtag ihrer Liebe. So wie der jüdische Mann sein jüdisches Weib, wie der jüdische Greis seine greise Gattin liebt, so hat der Jüngling nimmer die Jungfrau geliebt; denn jeder Tag, jedes Jahr — und die ernsten, rauhen Tage und Jahre wahrlich nicht am ärmsten, — haben immer Ring an Ring in die Kette gefügt, die ihre Geister und Herzen auf ewig verbindet. — Seht jüdische Tempel zur <strong>jüdischen</strong> Zeit. Vom großen Weihegepränge ihres<strong> חִנּוּךְ </strong>wissen sie nicht viel zu erzählen. Orgelklang und Choralgesang, Kränze und Weihegedichte, selbst die Weihepredigt samt dem Weiheprediger fehlt zumeist. Die Rollen des Gesetzes hineingetragen, die kürzeste Dankberachah<a href="#_ftn6" id="_ftnref6"><sup>[6]</sup></a> dem „Guten und Gutes gewährenden&#8220; gesprochen, der erste Minchahgottesdienst gehalten — und die Synagogenweihe, die Chanukka war vollbracht. Dagegen ward aber nun fort und fort das Gotteshaus <strong>besucht</strong>, dagegen ward es nun aber auch der Zufluchtsort und das Rüsthaus des <strong>täglichen</strong> Lebens, ward die Sammelstätte des gemeinsamen Lebens vor Gott und die Lehrstätten zur Durchdringung des ganzen Lebens mit Gott. Es war das Bedürfnis und der Ernst, der die alten Synagogen baute; ihre Weihe endete nicht mit dem letzten Amen einer Weihepredigt oder mit dem letzten Halleluja eines Schlusschorals am Weihetage. Der<strong> חִנּוּךְ </strong>war die Wiege, nicht das Testament der Synagogenweihe. Eine unjüdische Zeit weiß freilich schönere, prächtigere Weihefeier zu begehen. Allein die mit so vielem Gepränge geweihte Luxus-Synagoge sieht meist die begeistertsten Leiter ihre Weihe höchstens einmal am Versöhnungstag — wo wir uns ja alle wieder zusammenfinden — wieder, sieht ihre Räume an den Wochentagen des täglichen Lebens geschlossen, oder — wie eine Sterbende, eine Kranke, erfreut sie sich eines Minjan-Vereins, oder eines besoldeten Minjan-Dezemvirats<a href="#_ftn7" id="_ftnref7"><sup>[7]</sup></a>, die die begeisterten Prunkworte der Weihechorale und Weihereden, von „Andacht&#8220; und „Tempelseligkeit&#8220; usw. in den neun Zehnteln des Jahres, in welchen die Prachtsynagoge der wirklichen Gemeinde Luxus ist, stellvertretend zu verwirklichen <strong>bestellt</strong> werden.</p>



<p>Seht die jüdische Geschichte! Von Anfang an ward <strong>diesem </strong>Volke die von ihm zu lösende weltgeschichtliche Aufgabe in ihrer ganzen Herrlichkeit, aber auch in ihrem ganzen Ernst, in ihrer ganzen, noch erst durch Jahrhunderte, Jahrtausende der Verirrungen und des Wehs zu erklimmenden Höhe gezeigt. Für keine Täuschung, für das jüdische Leben und das jüdische Geschick mit all seinem Schweren und Herben ward das begeisterte „Ja&#8220;! am Sinai gefordert, und es wusste es von vornherein, dass sein bevorstehender Lebensberuf durch Klippen und Talgründe sich aufwärts windender Felsengang sein, dass erst <a href="#_ftn8" id="_ftnref8"><sup>[8]</sup></a> <strong>בָּאַחֲרִית הַיַּמִּיִּים</strong><strong> </strong>, erst am fernen Ende der Tage es auf den vollen Höhen dieses gelösten „Ja&#8220; ! sich befinden werde. Es ist das einzige Volk, dessen Höhepunkt an seinem Ende, nicht an seinem Anfang zu suchen ist. Es ist das einzige Volk, das eine wahrhaftige Chanukka hat, und bei dem Chanukka in immer steigendem, hellerem, reinerem Licht durch alle Phasen seiner Geschichte wiederkehrt, um es immer frischerer Weihe und immer steigendem Fortschritt zuzuführen. Es sollte nicht wie die Hellenen<a href="#_ftn9" id="_ftnref9"><sup>[9]</sup></a> als das Volk der Begeisterung für das „Schöne und Gute&#8220; beginnen, um als trauriges, nur von dem Schein einer untergegangenen Vergangenheit glorifiziertes Klephtenvolk<a href="#_ftn10" id="_ftnref10"><sup>[10]</sup></a> zu enden. Es sollte nicht wie die Römer als das von Wolfsmilch genährte welterobernde Volk des Schwerts und der Politik die Schaubühne betreten, um als kläglicher von Pfaffen und Fremden unterjochter Völkerjammer zu enden. Israels Schmach liegt in seinem Anfang und sein ewiger Ruhm winkt ihm von den Höhengipfeln seine Zukunft.</p>



<p>Als <a href="#_ftn11" id="_ftnref11"><sup>[11]</sup></a> <strong>קְשֵׁה עֹרֵף</strong><strong> </strong>, in hartnäckigster Opposition stand es zuerst selbst der ihm gewordenen großen Aufgabe gegenüber, und dieses Gesetz, das einst die Welt überwinden wird, hatte seinen ersten Sieg in Eroberung des Volkes zu feiern, das das geistige Werkzeug seines Weltenkampfes werden sollte. Und Jahrhunderte waren ihm für diesen Sieg bestimmt. Wie sein Moses vor der ersten Chanukka siebenmal die Stiftshütte seines Heiligtums aufrichten und abbrechen musste, ehe am achten Tage die erste Chanukka durch Eintritt der Gottesherrlichkeit besiegelt wurde; wie bei dieser ersten Chanukka sofort die ersten Priestersöhne der Heiligung des Heiligtums zum Opfer fielen, weil sie die Aufgabe dieses Gesetzesheiligtums nicht in der Ferne vor sich, nicht in der Höhe über sich, sondern unter sich und in sich, somit jeden zu jeder Zeit auf der Höhe dieser Aufgabe vermeinten: so wird diesem Volke ja von vornherein gesagt und durch den Untergang des ganzen Zeitgeschlechtes, das die erste Chanukka erlebte, mit ernstestem Ernst zum Bewusstsein gebracht, dass es mit allem dem noch nicht , <a href="#_ftn12" id="_ftnref12"><sup>[12]</sup></a><strong>אֶל־ הַמְּנוּחָה֙ וְאֶל־הַֽנַּחֲלָ֔ה</strong>, noch nicht zur Ruhe, geschweige zum ewigen Ziel gekommen, dass es mit allem diesem erst an einen Anfang gestellt, der, mit wandelloser Begeisterung rasch zum Höhenziel führen könnte, mit unterbrochener und immer wieder unterbrochener, aber auch immer wieder gewonnener Begeisterung, wenn gleich spät und scheinbar im Rückgang, doch unwiderruflich und in immer steigendem Fortschritt zum Ziel führen werde.</p>



<p>In der Wüste, in Schilo, in Nob, in Gibeah, in Jerusalem durch Salomo, durch Esra, durch die Hasmonäer, bereits siebenmal ist das Gesetzesheiligtum neu errichtet und eingeweiht worden, und während das äußere politische Geschick des Volkes abwärts ging, war die Chanukka innerlich doch immer eine geistig höhere. Je mehr Israel seine politische Bedeutung verlor, umso mehr ward sein Gesetz von dem Bündnis mit einer Aristokratie befreit, die es meist nur zur Forderung ihrer Interessen missbrauchte oder verriet, und um so mehr Boden gewann es im Volke, das bald nichts anderes als dies Gesetz, sein Studium und seine Erfüllung haben, die sich ihm als die Adlerflügel seines Gottes erweisen sollten, es über eine in Nacht versinkende Welt von fast Jahrtausenden gegen alle dämonische Gewalt einer seine Vernichtung erstrebenden Völkerfeindseligkeit, hell und lebenskräftig siegreich emporzutragen.</p>



<p>Als die Hasmonäer die letzte Chanukka feierten, da gaben sie das Weihelicht jedem jüdischen Hausvater in die Hand, auf dass in jedem <strong>Hause</strong> sich erst recht die Tempelweihe vollziehe, auf dass diese Weihe sich von Jahr zu Jahr immer neu und jung wiederhole, jedes Geschlecht immer aufs Neue und in immer höherem Fortschritt die Weihe des Heiligtums durch die Weihe des Hauses vollbringe, bis einst das Haus des Gottesheiligtums von allen Häusern Israels, von dem ganzen „Hause Jakobs&#8220; getragen werde und die letzte wirkliche und wahrhaftige Chanukka auf dem Gipfel des errungenen Ziels beginnen könne.</p>



<p>Und nun, nachdem alle Jahrtausende unserer geschichtlichen Vergangenheit den siegreichen Geist der Chanukka in Israel verbürgen, nachdem Israel allein nicht nur die Chanukka, sondern die Wieder-Chanukka, die Wieder-Weihe kennt, die ewig wiederkehrende und dann in gesteigerter Begeisterung wiederkehrende Weihe und fortschreitende Hingebung an das von Anfang an in siebenfacher Höhe hoch aufgesteckte Ziel: wollen wir gleichwohl, — wer weiß wie nahe am Ziele — den Mut verlieren, wollen <strong>unsere </strong>Chanukka nur kalt als Erinnerung vergangener alter Tage, nicht aber unserer <strong>חִנּוּךְ עַל פִּי דַּרְכּוֹ</strong> <a href="#_ftn13" id="_ftnref13">[13]</a>, nicht als „Rüste und Weihe für <strong>unsere</strong> Zukunft&#8220; feiern, wollen das Licht der Chanukka in unseren Häusern nicht in der Zuversicht anzünden, es werde, wenn auch siebenmal die Weihe verloren, endlich dennoch in immer steigenderem Licht das Ziel gewonnen, und während Israels Chanukka damit begann, das Licht des Hauses am Licht des Tempels zu entzünden, die neue, endliche Chanukka damit gewonnen werden würde, an dem siegreich gepflegten Licht des Hauses das Tempellicht dann zum wahrhaftigen ewigen <a href="#_ftn14" id="_ftnref14"><sup>[14]</sup></a> <strong>&nbsp;נֵר תָּמִיד </strong>sich entzünden zu lassen?</p>



<p>Sagen uns denn nicht alle Zeichen der Zeit, dass uns eine neue wirkliche Chanukka von Nöten? Und ist diese Chanukka je in Israel ausgeblieben, wenn sie von Nöten gewesen? Hat nicht wieder antiochäische Gefahr Tempel und Häuser Israels ergriffen und schreit das Heiligtum nicht laut auf nach einem Hasmonäer-Geist, der es und seine Kinder vor dem Eindringen jüdische Wahrheit und jüdisches Leben tötenden hellenischen Hauches rette? Hat hellenischer Schwindel, der den Menschen sich selbst zur Anbetung gibt, der das Menschenideal mit all seinen Schwächen und Gebrechen zum Gott und den Anstand und das menschliche Wohlgefallen zum Maßstab der Sitte und der Pflicht setzt, der, statt den Menschen zum Licht des Göttlichen zu erheben, das Göttliche hinabzieht in die Dämmerung der schönen Sinnlichkeit des Menschen — hat dieser ganze, den Menschen um seine Würde und den Juden um seine Pflicht betrügende Schwindel nicht wieder gerade die Regionen ergriffen, die als die Leiter und Lehrer der Gemeinde die eherne Phalanx<a href="#_ftn15" id="_ftnref15">[15]</a> bilden sollten um das Gottesheiligtum, das Heiligtum in seiner Wahrheit und das Volk in seiner Treue vor jedem Andringen unjüdischen Wesens zu retten? Ist die jüdische Aristokratie und der jüdische Priesterkreis nicht fast bereits wieder vom jüdischen Gesetze abgefallen, hat sie nicht bereits, wie <a href="#_ftn16" id="_ftnref16"><sup>[16]</sup></a> <strong>בַּיָּמִים הָהֵם בַּזְּמַן הַזֶּה</strong><strong> </strong>, das ihren Händen anvertraute Heiligtum des Tempels und der Lehre, der Schule und der Gemeinde, nicht ihre bevorzugte Stellung in der Nähe der Macht habenden Gewalten bereits missbraucht um ihren Geist des Abfalls dem Geist der Gesetzestreue zu substituieren und durch Tempel und Schule das Haus und die Familie dein jüdischen Gesetzesheiligtum zu entfremden? Und ist ihr das Werk dieses Verrats nicht bereits fast gelungen, so gelungen, dass selbst die Treue der Treusten unter den Treuen erschüttert, das ganze Bewusstsein von der Bedeutung der jüdischen Pflicht so getrübt, dass kaum die Gesetzestreue es noch wagt in der alten Treue für die Gottespflicht aufzutreten, und das jüdische Volk sich vergebens umsieht nach Lehrern seiner Pflicht, wie nach Vertretern seines Rechts — — und da sollte uns die neue Chanukka fehlen, da sollte die neue Chanukka noch fern sein, da sollte sich der jüdische Geist nicht wieder aufraffen und dem Volk sein Recht und dem Heiligtum seine Reinheit und Weihe wieder erstreiten, dass wenn die Enkel ihr Chanukka-Licht in ihren Häusern anzünden werden, sie auf eine ganz nahe Vergangenheit hinschauen können, wo Gott wieder seine Wundernähe bewiesen und ihre Väter wieder als „seine Kinder in die Wortstätte seines Hauses gegangen, und haben seinen Tempel von allem Unjüdischen geräumt und sein Heiligtum von allem Ungöttlichen gereinigt und haben die Weihelichter in den <strong>Häusern</strong> wieder zur Geltung gebracht, die sich als die Um- und Vorhöfe um das Heiligtum Gottes reihen — — —&#8220;?</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Blütenhülle der Blütenpflanzen</p>



<p><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> &#8222;Sic transit&#8220; ist die Abkürzung des lateinischen Sprichworts &#8222;Sic transit gloria mundi&#8220;, was bedeutet &#8222;So vergeht der Ruhm der Welt&#8220;</p>



<p><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Sprüche Salomons 22:6; Erziehe das Kind zu dem Weg, den es gehen soll</p>



<p><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> Erziehung</p>



<p><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> Sprüche Salomons 22:6; dann wird er ihn auch im Alter nicht verlassen</p>



<p><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Danksegenspruch</p>



<p><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> aus zehn Männern bestehendes Beamten- oder Priesterkollegium im alten Rom</p>



<p><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> Am Ende der Zeiten</p>



<p><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> Griechen, der Terminus Hellenen (altgriechisch Ἕλληνες Héllēnes) – ist ursprünglich der Name eines thessalischen Stammes nach dessen mythischem Stammvater Hellen</p>



<p><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> Wikipedia: Als Klephten (griechisch Κλέφτες Kleftes „Räuber“), auch Kleften, bezeichnet man Rebellen im Freiheitskampf der Griechen gegen die osmanische Herrschaft.</p>



<p><a href="#_ftnref11" id="_ftn11">[11]</a> halsstarrig</p>



<p><a href="#_ftnref12" id="_ftn12">[12]</a> Deuteronomium 12:9; „nicht zu der Ruhe und dem Erbe gekommen“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref13" id="_ftn13">[13]</a> Erziehung zu Seinem Weg hin</p>



<p><a href="#_ftnref14" id="_ftn14">[14]</a> Ewiges Licht</p>



<p><a href="#_ftnref15" id="_ftn15">[15]</a> Hier: „Schlachtreihe“</p>



<p><a href="#_ftnref16" id="_ftn16">[16]</a> Damals so wie heute</p>



<p class="has-text-align-center has-large-font-size"><strong>Chanukka</strong></p>



<p class="has-small-font-size">Hier der vorstehende Artikel von Rabbiner Hirsch s“l mit KI-Überarbeitung. Die Fußnoten wurden in Endnoten umgewandelt.</p>



<p><strong>Chanukka</strong>, <strong>Chanukka</strong>! Morgenrot und Frühlingslicht liegen auf diesem Wort, Morgenlicht und Frühlingshauch umwehen den Gedanken! Chanukka – eine große Chanukka ist die Knaben- und die frühe Jugendzeit, in der sich die Knospe von Geist und Herz öffnet und das verhüllte Allerheiligste der Seele für das Aller-Heiligste gewonnen werden soll. Der erwachende Mensch soll „gerüstet“ und „geweiht“ werden für das, was ihn später als Mann und als Greis durch das ganze Leben begleiten wird.</p>



<p>Chanukka ist jeder erhabene, erhebende Augenblick, in dem ein Mensch ein Werk vollbracht hat, das nicht das Ende, sondern der Anfang einer hoffnungsvollen Zukunft sein soll – einer Zukunft voller Lebenskeime. In diesem Moment knüpft er diese Zukunft an sein Werk und beginnt, die Hoffnungen und Keime zu ernten.</p>



<p>„Chanukka?“ – so spricht die engstirnige Weisheit der Menschen – „Chanukka, Jugend und Weihe, nur ein einziges Mal! Die Jugend ist unwiederbringlich verloren, wenn sie einmal verspielt ist, die Weihe unwiederbringlich, wenn sie einmal versäumt wurde! Der Mensch ist nur einmal begeistert für das Hohe, nur einmal empfänglich für die Weihe. Kindliches Gemüt, jugendliche Glut, Bräutlichkeit, Weihestimmungen – das alles sind nur Poesien, die ein barmherziger Vater dem armen Menschenherzen zum Trost geschenkt hat, um wenigstens über jeden Anfang den rosigen Schimmer der Hoffnung zu legen und das Ende mit dem süßen Schmerz wehmütiger Erinnerung zu versüßen. Doch die Wirklichkeit kennt nichts von dem Perienthan[1], der in der Morgensonne glänzte. Die poetischen Keime müssen zertreten werden, damit die Wirklichkeit entstehen kann. Zum Narren wird der Mann, der sich kindliches Gemüt und jugendliche Glut bewahren will. Das Herz der Frau zerbricht, die ihre bräutlichen Träume im Alltag der Familie erfüllt sehen möchte. Haus und Tempel werden unpraktisch, wenn der Inhalt ihrer Einweihungsgedichte mehr als bloße Gedichte bedeuten soll.“</p>



<p>Und doch steht Chanukka, Chanukka immer wieder im Kalender unserer Jahre. Und diesem Kalender ist es todernst: Mit jeder Chanukka soll neue Weihe, frische Rüste, ein erneuerter, frischer Anfang für das Tempel- und Familienleben <strong>jeder</strong> neuen Zeit kommen! Die Chanukka-Geschichte selbst widerlegt all jene engstirnige Blasphemie, die das bloß „Gemachte“, die bloße Poesie des Poetischen im Leben für Lüge erklärt. In der Brust eines Achtzigjährigen loderte die Chanukka-Flamme der Begeisterung auf und entzündete das Feuer eines ganzen Volkes, um Wahrheit und Weihe, Heiligkeit und Heiligung seines Lebens zu retten. Es war das beginnende Greisenalter dieses Volkes, in dem es fähig war, begeistert für seine höchsten Güter das Leben mit allen seinen Gütern einzusetzen – und gerade mit dieser Begeisterung den Anfang, die Chanukka seines Greisenalters zu feiern. Und das soll euch Chanukka sein? Begeisterung und Weihe nur Dichtung und Unwahrheit, mit der man Kinder ergötzt und Jünglinge berauscht, bis sie zur Nüchternheit des Lebens erwachen?</p>



<p>Warum sind euch Begeisterung und Weihe nichts als abgepflückte Blüten-Girlanden, mit denen ihr eure sogenannten „Weihestunden“ des Lebens verbrämt – Girlanden, die den nächsten Tag nicht überleben und schon übermorgen wie welke Kränze einer gestrigen Tempelweihe, einer gestrigen Konfirmation, einer gestrigen Hochzeit ihr <em>sic transit</em>[2] selbst all der Gefühle und Gesinnungen, all der Entschlüsse und Weihegedanken predigen, die ihr in diesen „Weihestunden“ doch als die ewigen und unvergänglichen gepriesen habt? Warum? Weil eure Begeisterung und Weihe von Anfang an eine Lüge sind. Ihr begeistert, aber es fehlt euch der Gegenstand, für den ihr begeistert. Ihr weiht, aber euch ist das Leben abhandengekommen, zu dem ihr weiht. Ihr begeistert das Kind nicht für das Pflichtleben der Knaben und Mädchen, den Knaben und das Mädchen nicht für das Pflichtleben der Jünglinge und Jungfrauen, den Jüngling und die Jungfrau nicht für das Pflichtleben des Mannes und der Frau, den Mann und das Weib nicht für das Pflichtleben des Greisen und der Greisin, den Greis und die Greisin nicht für das Leben ihrer diesseitigen und jenseitigen Ewigkeit. Das Entzücken eurer Braut- und Flitterwochen liegt nicht im <strong>kommenden</strong> Ernst der Ehe, die Begeisterung eurer Tempelweihen nicht im <strong>kommenden</strong> Ernst des Tempellebens. Ihr versteht es nicht [3]<strong> </strong><strong>חֲנֹ֣ךְ לַ֭נַּעַר עַל־פִּ֣י דַרְכּ֑וֹ</strong><strong> </strong>&nbsp;Dinge und Menschen für ihre <strong>Zukunft</strong> zu rüsten, in dieser Zukunft zu begeistern und durch diese Zukunft zu weihen. <strong>Eure Weihe</strong> ist immer nur ein <strong>Gipfelpunkt</strong>, von dem es nur <strong>abwärts</strong> geht – und sie sollte doch ein <strong>Anfang </strong>sein, der zu <strong>stetigem Aufstieg</strong> führt. Eurer Begeisterung und Weihe fehlt der inhaltsvolle Kern; sie haben keinen Gegenstand außer sich selbst, sie sind Selbstzweck und verpuffen deshalb wie eine Rakete, die ihren Brennstoff verbraucht hat und euch in Nacht zurücklässt. Die Liebe eurer Braut war Tändelei, die Liebe zu euren Kindern bloße Zärtlichkeit, das Interesse am Tempelbau nur Glanz und Stolz der Einweihungsfeier. Ihr herzt in der Braut nicht das einstige Weib, ihr liebt im Kind nicht den einstigen Mann, ihr weiht eure Tempel nicht, um sie zu besuchen. Ihr setzt die Wahrheit nirgends am Anfang – darum habt ihr Täuschung und Lüge an allen Enden.</p>



<p>Wie anders die jüdische Begeisterung und Weihe, wie anders die jüdische Chanukka, wo und wann immer sie erscheint! [4]<strong> </strong><strong>חִנּוּךְ</strong>, die jüdische Menschen-Chanukka, speist das Kind nicht mit Märchen, den Knaben nicht mit Fabeln, den Jüngling nicht mit Romantik. Sie gängelt Kindheit und Jugend nicht mit Anschaltungen einer Welt, die nicht ist, und gewinnt Geist und Herz nicht für ein Leben, das die Wirklichkeit nie bietet. Sofort ans „<strong>Gesetz</strong>“, unmittelbar an denselben Ernst, zu derselben Wahrheit führt sie den Knaben – Wahrheit und Ernst, die sein Leben lang seine Führer und Zielpunkte bleiben sollen: <strong>&nbsp;</strong>&#8222;<strong>גַּ֥ם כִּי־יַ֝זְקִ֗ין לֹא־יָס֥וּר מִמֶּֽנָּה</strong>&#8222;<strong> — </strong>&#8222;<strong> עַל־פִּ֣י דַרְכּ֑וֹ</strong>&#8222;<strong> </strong>–<strong>ֹ</strong> [5]. Für „Gott und Pflicht“ weckt sie seine Begeisterung und weiht sie ihn vom ersten Dämmerstrahl seines Bewusstseins an. Trifft diese Begeisterung, gelingt diese Weihe, dann leuchten „Gott und Pflicht“ ihm sein Leben lang als die leitenden Sterne seines Weges. Immer mehr zu wachsen in der Erkenntnis Gottes und seiner Pflicht, immer mehr zu wachsen im Dienst Gottes und in der Erfüllung seiner Pflicht – das heißt: dem Kind zum Knaben, dem Knaben zum Jüngling, dem Jüngling zum Mann, dem Mann zum Greis werden, dem Greis Greis sein lassen. Indem er die gereiften Schätze der Erkenntnis und des Lebens dem jungen Geschlecht hienieden weiht, nimmt er das, wofür sein erstes kindliches Bewusstsein aufdämmerte und wofür er sein Leben lang mit wachsender Begeisterung lebte, als Garbenkranz irdischer Vollendung mit hinüber in den neuen Anfang der jenseitigen Chanukka, zu der ihm der Tod an der Pforte der Ewigkeit leuchtet.</p>



<p>Seht das jüdische Volk, solange es wirklich <strong>jüdisch </strong>ist – die weite Erde bietet kein zweites. An derselben Quelle der Begeisterung und Weihe seht ihr Greis und Kind, Jüngling und Mann. Dasselbe Buch, dieselben Bücher, dasselbe Gesetz, dieselben Wahrheiten, an denen sich zuerst des Kindes Geist, Begeisterung, Lust und Lebensweihe entzündeten, nähren das Feuer des Jünglings, fesseln den Ernst des Mannes, verklären den Blick des Greisen. Der Siebzigjährige beugt sich noch eifrig über denselben Folianten und trinkt noch Begeisterung aus denselben Worten, die der Fünf- und Zehnjährige zuerst mit leuchtenden Augen stammelnd gelernt hat.</p>



<p>Seht die Ehe des Juden! Nicht Galanterie, Tändelei und täuschende Liebesvergötterung verbinden Herz und Hand des jüdischen Mannes und der jüdischen Frau. Im vollen Bewusstsein des ganzen kommenden Ernstes des Lebens und für diesen Lebensernst treten Mann und Weib zusammen. Ihre Liebe heißt Begeisterung für die gemeinsame Pflichterfüllung des Lebens und für das Glück des einen durch den andern und mit dem andern. Deshalb wächst ihre Liebe mit jedem Jahr der Ehe, wächst ihre Lebensweihe mit jedem Ernst des Lebens. Ihre Hochzeit ist nicht der Höhepunkt, sondern der Lenz, der Keimtag ihrer Liebe. Wie der jüdische Mann sein jüdisches Weib liebt, wie der Greis seine greise Gattin liebt, so hat der Jüngling die Jungfrau nie geliebt; denn jeder Tag, jedes Jahr – und gerade die ernsten, rauhen Tage und Jahre am allermeisten – haben Ring um Ring in die Kette gefügt, die ihre Geister und Herzen auf ewig verbindet.</p>



<p>Seht jüdische Tempel zur <strong>jüdischen</strong> Zeit. Vom großen Weihegepränge ihres<strong>חִנּוּךְ</strong><strong> </strong>&nbsp;wissen sie wenig zu berichten. Orgelklang und Choralgesang, Kränze und Weihegedichte, selbst die Weihepredigt samt dem Weiheprediger fehlen zumeist. Die Rollen des Gesetzes hineingetragen, die kürzeste Dank-berachah[6] dem „Guten und Gutes gewährenden“ gesprochen, der erste Minchahgottesdienst gehalten – und die Synagogenweihe, die Chanukka, war vollzogen. Dafür wurde das Gotteshaus nun Tag für Tag <strong>besucht</strong>, wurde Zufluchtsort und Rüsthaus des <strong>täglichen</strong> Lebens, Sammelstätte des gemeinsamen Lebens vor Gott und Lehrstätte zur Durchdringung des ganzen Lebens mit Gott. Es war das Bedürfnis und der Ernst, der die alten Synagogen baute; ihre Weihe endete nicht mit dem letzten Amen einer Weihepredigt oder dem letzten Halleluja eines Schlusschorals am Weihetag. Der <strong>חִנּוּךְ</strong><strong> </strong>&nbsp;war die Wiege, nicht das Testament der Synagogenweihe.</p>



<p>Eine unjüdische Zeit versteht es freilich, schönere, prächtigere Weihefeiern zu veranstalten. Doch die mit so viel Gepränge geweihte Luxus-Synagoge sieht ihre begeistertsten Leiter meist nur einmal im Jahr wieder – am Versöhnungstag, wo wir uns ja alle treffen. An den Wochentagen des täglichen Lebens bleiben ihre Räume geschlossen oder – wie eine Sterbende – erfreut sie sich eines Minjan-Vereins oder eines besoldeten Minjan-Dezemvirats[7], das die prunkvollen Worte der Weihechoräle und -reden von „Andacht“ und „Tempelseligkeit“ in den neun Zehnteln des Jahres stellvertretend verwirklichen soll, in denen die Prachtsynagoge für die wirkliche Gemeinde nur Luxus ist.</p>



<p>Seht die jüdische Geschichte! Von Anfang an wurde <strong>diesem</strong> Volk seine weltgeschichtliche Aufgabe in ihrer ganzen Herrlichkeit, aber auch in ihrem ganzen Ernst gezeigt – in ihrer ganzen Höhe, die erst durch Jahrhunderte und Jahrtausende der Verirrungen und des Wehs erklommen werden muss. Für keine Täuschung, für das jüdische Leben und Geschick mit all seinem Schweren und Herben wurde das begeisterte „Ja!“ am Sinai gefordert. Es wusste von vornherein, dass sein Lebensberuf ein felsiger Pfad durch Klippen und Talgründe sein würde, dass es erst [8]<strong> </strong><strong>בָּאַחֲרִית הַיַּמִּים</strong>, erst am fernen Ende der Tage auf den vollen Höhen dieses „Ja!“ stehen werde. Es ist das einzige Volk, dessen Höhepunkt am Ende liegt, nicht am Anfang. Es ist das einzige Volk, das eine wahrhaftige Chanukka hat – eine Chanukka, die in immer steigendem, hellerem, reinem Licht durch alle Phasen seiner Geschichte wiederkehrt, um es immer frischerer Weihe und immer höherem Fortschritt zuzuführen.</p>



<p>Es sollte nicht wie die Hellenen[9] als Volk der Begeisterung für das „Schöne und Gute“ beginnen, um als trauriges, nur vom Schein einer untergegangenen Vergangenheit glorifiziertes Klephtenvolk[10] zu enden. Es sollte nicht wie die Römer als von Wolfsmilch genährtes, welteroberndes Volk des Schwerts und der Politik die Bühne betreten, um als klägliches, von Pfaffen und Fremden unterjochtes Völkergemenge zu enden. Israels Schmach liegt am Anfang, sein ewiger Ruhm winkt von den Gipfeln seiner Zukunft.</p>



<p>Als [11]<strong> </strong><strong>קְשֵׁה עֹרֵף</strong>, in hartnäckigster Opposition, stand es zuerst selbst seiner großen Aufgabe gegenüber. Dieses Gesetz, das einst die Welt überwinden wird, feierte seinen ersten Sieg in der Eroberung des eigenen Volkes, das das geistige Werkzeug seines Weltenkampfes werden sollte. Jahrhunderte waren für diesen Sieg bestimmt. Wie Mose vor der ersten Chanukka siebenmal die Stiftshütte auf- und wieder abbauen musste, ehe am achten Tag die erste Chanukka durch den Eintritt der Gottesherrlichkeit besiegelt wurde; wie bei dieser ersten Chanukka sofort die ersten Priestersöhne der Heiligung des Heiligtums zum Opfer fielen, weil sie die Aufgabe dieses Gesetzesheiligtums nicht in der Ferne vor sich, nicht in der Höhe über sich, sondern unter sich und in sich suchten und meinten, jeder sei zu jeder Zeit schon auf der Höhe dieser Aufgabe: so wurde diesem Volk von vornherein gesagt und durch den Untergang des ganzen Zeitgeschlechts, das die erste Chanukka erlebte, mit aller Ernsthaftigkeit bewusst gemacht, dass es noch nicht [12]<strong> </strong><strong>אֶל־הַמְּנוּחָה֙ וְאֶל־הַֽנַּחֲלָ֔ה</strong>, noch nicht zur Ruhe und zum Erbe gekommen sei, dass es mit alledem erst an einen Anfang gestellt war. Dieser Anfang könnte mit wandelloser Begeisterung rasch zum Ziel führen – oder mit unterbrochener, immer wieder unterbrochener, aber auch immer wieder neu gewonnener Begeisterung, scheinbar im Rückschritt, doch unwiderruflich und in immer steigendem Fortschritt zum Ziel gelangen.</p>



<p>In der Wüste, in Schilo, in Nob, in Gibeah, in Jerusalem durch Salomo, durch Esra, durch die Hasmonäer – bereits siebenmal wurde das Gesetzesheiligtum neu errichtet und eingeweiht. Während das äußere politische Geschick des Volkes abwärts ging, wurde die Chanukka innerlich doch jedes Mal geistig höher. Je mehr Israel seine politische Bedeutung verlor, desto mehr wurde sein Gesetz von dem Bündnis mit einer Aristokratie befreit, die es meist nur für ihre eigenen Interessen missbrauchte oder verriet. Umso mehr Boden gewann es im Volk, das bald nichts anderes mehr besaß als dieses Gesetz, sein Studium und seine Erfüllung – die sich als Adlerflügel seines Gottes erweisen sollten, es hell und lebenskräftig siegreich über eine in Nacht versinkende Welt von fast zwei Jahrtausenden zu tragen, gegen alle dämonische Gewalt einer auf Vernichtung sinnenden Völkerfeindseligkeit.</p>



<p>Als die Hasmonäer die letzte Chanukka feierten, gaben sie das Weihelicht jedem jüdischen Hausvater in die Hand, damit sich in jedem Hause erst recht die Tempelweihe vollziehe, damit diese Weihe sich von Jahr zu Jahr immer neu und jung wiederhole, jedes Geschlecht immer aufs Neue und in immer höherem Fortschritt die Weihe des Heiligtums durch die Weihe des Hauses vollbringe – bis einst das Haus des Gottesheiligtums von allen Häusern Israels, vom ganzen „Haus Jakobs“ getragen werde und die letzte wirkliche und wahrhaftige Chanukka auf dem Gipfel des errungenen Ziels beginnen könne.</p>



<p>Und nun, nachdem alle Jahrtausende unserer geschichtlichen Vergangenheit den siegreichen Geist der Chanukka in Israel verbürgen, nachdem Israel allein nicht nur die Chanukka, sondern die Wieder-Chanukka kennt – die ewig wiederkehrende, in gesteigerter Begeisterung wiederkehrende Weihe und fortschreitende Hingabe an das von Anfang an in siebenfacher Höhe hochgesteckte Ziel: wollen wir gleichwohl – wer weiß, wie nahe am Ziel – den Mut verlieren? Wollen wir <strong>unsere</strong> Chanukka nur kalt als Erinnerung vergangener alter Tage feiern, nicht aber unserer [13]<strong> </strong><strong>חִנּוּךְ עַל פִּי דַּרְכּוֹ</strong>, nicht als „Rüste und Weihe für <strong>unsere</strong> Zukunft“? Wollen wir das Licht der Chanukka in unseren Häusern nicht in der Zuversicht anzünden, dass es – auch wenn siebenmal die Weihe verloren ging – endlich doch in immer steigerndem Licht das Ziel gewinnen wird? Dass, während Israels Chanukka damit begann, das Licht des Hauses am Licht des Tempels zu entzünden, die neue, endliche Chanukka damit gewonnen werden wird, am siegreich gepflegten Licht des Hauses das Tempellicht zum wahrhaftigen ewigen [14]<strong>נֵר תָּמִיד</strong><strong> </strong>sich entzünden zu lassen?</p>



<p>Sagen uns denn nicht alle Zeichen der Zeit, dass uns eine neue wirkliche Chanukka von Nöten ist? Und ist diese Chanukka je in Israel ausgeblieben, wenn sie von Nöten gewesen? Hat nicht wieder antiochäische Gefahr Tempel und Häuser Israels ergriffen? Schreit das Heiligtum nicht laut nach einem Hasmonäer-Geist, der es und seine Kinder vor dem Eindringen jenes hellenischen Hauches rette, der jüdische Wahrheit und jüdisches Leben tötet? Hat hellenischer Schwindel – der den Menschen sich selbst zur Anbetung gibt, das Menschenideal mit all seinen Schwächen und Gebrechen zum Gott erhebt, Anstand und menschliches Wohlgefallen zum Maßstab von Sitte und Pflicht macht, statt den Menschen zum Licht des Göttlichen zu erheben das Göttliche in die Dämmerung schöner Sinnlichkeit hinabzieht – hat dieser ganze Betrug, der den Menschen um seine Würde und den Juden um seine Pflicht bringt, nicht wieder gerade die Regionen ergriffen, die als Leiter und Lehrer der Gemeinde die eherne Phalanx[15] bilden sollten, um das Gottesheiligtum in seiner Wahrheit und das Volk in seiner Treue vor jedem unjüdischen Eindringen zu schützen?</p>



<p>Ist die jüdische Aristokratie und der jüdische Priesterkreis nicht fast bereits wieder vom jüdischen Gesetz abgefallen? Hat sie nicht – [16]<strong> </strong><strong>בַּיָּמִים הָהֵם בַּזְּמַן הַזֶּה</strong><strong> </strong>– das ihr anvertraute Heiligtum des Tempels und der Lehre, der Schule und der Gemeinde, ihre bevorzugte Stellung in der Nähe der Machthabenden missbraucht, um ihren Geist des Abfalls dem Geist der Gesetzestreue zu unterschieben und durch Tempel und Schule das Haus und die Familie dem jüdischen Gesetzesheiligtum zu entfremden? Und ist ihr dieses Werk des Verrats nicht bereits so gut wie gelungen – so gelungen, dass selbst die Treue der Treuesten erschüttert ist, das ganze Bewusstsein von der Bedeutung der jüdischen Pflicht getrübt, dass kaum noch die Gesetzestreue wagt, in alter Treue für die Gottespflicht aufzutreten, und das jüdische Volk vergeblich nach Lehrern seiner Pflicht und Vertretern seines Rechts Ausschau hält?</p>



<p>Und da sollte uns die neue Chanukka fehlen? Da sollte die neue Chanukka noch fern sein? Sollte sich der jüdische Geist nicht wieder aufraffen und dem Volk sein Recht und dem Heiligtum seine Reinheit und Weihe wieder erkämpfen, sodass, wenn die Enkel ihr Chanukka-Licht in ihren Häusern anzünden, sie auf eine ganz nahe Vergangenheit zurückblicken können, wo Gott wieder seine Wundernähe bewiesen hat? Wo ihre Väter wieder als seine Kinder in die Wortstätte seines Hauses gegangen sind, seinen Tempel von allem Unjüdischen geräumt, sein Heiligtum von allem Ungöttlichen gereinigt und die Weihelichter in den Häusern wieder zur Geltung gebracht haben – Lichter, die sich als Um- und Vorhöfe um das Heiligtum Gottes reihen?</p>



<p class="has-small-font-size">[1] Blütenhülle der Blütenpflanzen [2] „Sic transit“ ist die Abkürzung des lateinischen Sprichworts „Sic transit gloria mundi“, was bedeutet „So vergeht der Ruhm der Welt“ [3] Sprüche Salomons 22:6; Erziehe das Kind zu dem Weg, den es gehen soll [4] Erziehung [5] Sprüche Salomons 22:6; dann wird er ihn auch im Alter nicht verlassen [6] Danksegenspruch [7] aus zehn Männern bestehendes Beamten- oder Priesterkollegium im alten Rom [8] Am Ende der Zeiten [9] Griechen, der Terminus Hellenen (altgriechisch Ἕλληνες Héllēnes) – ist ursprünglich der Name eines thessalischen Stammes nach dessen mythischem Stammvater Hellen [10] Wikipedia: Als Klephten (griechisch Κλέφτες Kleftes „Räuber“), auch Kleften, bezeichnet man Rebellen im Freiheitskampf der Griechen gegen die osmanische Herrschaft. [11] halsstarrig [12] Deuteronomium 12:9; „nicht zu der Ruhe und dem Erbe gekommen“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch) [13] Erziehung zu Seinem Weg hin [14] Ewiges Licht [15] Hier: „Schlachtreihe“ [16] Damals so wie heute</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/kislew-5786/">Kislew 5786</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Cheschwan 5786</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/cheschwan-5786/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Oct 2025 09:58:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Monatsblatt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hirschinitiative.de/?p=5294</guid>

					<description><![CDATA[<p>In diesem Artikel greift Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l die Zustände in der „Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main“ in den 1840iger und 1850iger Jahren scharf an. Durch die für gesetzestreue Juden mehr und mehr verunmöglichten Zustände in der Gemeinde spaltete sich eine Gruppe von etwa 10 Familien von der Hauptgemeinde ab und gründete die „Israelitische [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/cheschwan-5786/">Cheschwan 5786</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-small-font-size">In diesem Artikel greift Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l die Zustände in der „Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main“ in den 1840iger und 1850iger Jahren scharf an. Durch die für gesetzestreue Juden mehr und mehr verunmöglichten Zustände in der Gemeinde spaltete sich eine Gruppe von etwa 10 Familien von der Hauptgemeinde ab und gründete die „Israelitische Religionsgesellschaft“, IRG. Die Mitglieder der IRG mussten jedoch aufgrund der damaligen Gesetzeslage Mitglieder der „Jüdischen Gemeinde“ bleiben und weiterhin ihre Kirchensteuer an die Gemeinde entrichten. Im Jahr 1850 stellte die IRG den Antrag beim Senat der Stadt einen Rabbiner einstellen zu dürfen. So wurde1852 Rabbiner Hirsch zum geistigen Oberhaupt der IRG berufen. Wenn man bedenkt, dass bereits 1852 der Grundstein für den Bau einer eigenen Synagoge gelegt und wenig später die Gründung einer jüdischen Volksschule mit orthodoxer Ausrichtung ermöglicht wurde, erkennt man, dass es sich bei den Mitgliedern der IRG um sehr finanziell hochgestellte Persönlichkeiten gehandelt haben musste.</p>



<p class="has-small-font-size">Wenn Sie den Artikel aufmerksam lesen, werden Sie feststellen, dass viele, wenn nicht sogar die meisten Kritikpunkte Rabbiner Hirschs an den Zuständen der Hauptgemeinde auch auf die Gemeinden heute in Deutschland zutreffen. Vor allem der Kritikpunkt, dass die Vorstände vieler Gemeinden bis hin zu den Mitgliedern des heutigen „Zentralrats der Juden in Deutschland“ aus nicht-gesetzestreuen Juden besteht, sollte uns aufhorchen lassen. Denn genau diese Besetzung hat zu den hier geschilderten Auswüchsen jüdischen Lebens geführt.</p>



<p class="has-small-font-size">Der Artikel wurde der Zeitschrift „Jeschurun“ 4. Jahrgang, Heft 2, November 1857 entnommen.</p>



<p class="has-small-font-size">Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter:</p>



<p class="has-text-align-center has-small-font-size"><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pagetext/2941693">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pagetext/2941693</a></p>



<p class="has-text-align-right"><strong>אָ֧ז נִדְבְּר֛וּ יִרְאֵ֥י ה&#8216; אִ֣ישׁ אֶל־רֵעֵ֑הוּ<br>וַיַּקְשֵׁ֤ב יה&#8216; וַיִּשְׁמָ֔ע<br>וַ֠יִּכָּתֵ֠ב סֵ֣פֶר זִכָּר֤וֹן לְפָנָיו֙ לְיִרְאֵ֣י ה&#8216;<br>וּלְחֹשְׁבֵ֖י שְׁמֽוֹ׃</strong></p>



<p>                                                               <em>Da sprechen sich Gottesfürchtige einer gegen den andern aus,<br>                                                               Und Gott merkt es und hört es,<br>                                                               Und es wird in Sein Buch des Gedächtnisses der Gottesfürcht&#8217;gen verzeichnet,<br>                                                               Und </em><em>d</em><em>erer, die seines Namens gedenken.                                             (Maleachi 3:16)</em></p>



<p></p>



<p>Einen hohen Wert legt das Prophetenwort, das wir an die Spitze dieses Artikels geschrieben, der gemeinsamen Besprechung gottesfürchtiger Männer bei. Und achtete auch sonst keiner auf das, was Gottesfürchtige also gemeinsam besprechen, und führte die Besprechung auch vorderhand zu keinem Resultate —<a href="#_ftn1" id="_ftnref1"><sup>[1]</sup></a> <strong>אֲפִילּוּ חָשַׁב אָדָם לַעֲשׂוֹת מִצְוָה וְנֶאֱנַס וְלֹא עֲשָׂאָהּ</strong> , wie die Weisen zur Stelle bemerken, selbst wenn die äußeren Umstände die Ausführung des beabsichtigten Guten hindern — Gott achtet darauf, Gott hört zu und selbst die bloße Besprechung wackerer, gottesfürchtiger Männer ist ihm eine bedeutsame Tatsache, dass er sie nicht spurlos vorübergehen lässt. Gedanken, Wünsche, Entschlüsse wackerer Männer, zumal in gemeinsamer Besprechung gewonnen, sind schon Erfolge, die Gott in sein Buch der Geschichte verzeichnet. Nichts ist für ihn verloren, worin sich die Gottesfurcht und die ernste Sorge für die Verbreitung und Verherrlichung Seines Namens auf Erden betätigt.</p>



<p>Und wahrlich, wenn jede gute Tat nur die Verwirklichung eines guten Gedankens ist und dieser Verwirklichung selbst der Entschluss, der ernste Wille vorangehen muss, so ist ja die Belebung eines jeden Gedankens und die Weckung des ernsten Willens, des Entschlusses zur Ausführung, sobald die Ausführung möglich, selbst schon für die gute Sache von unleugbarem Gewinn. Gedanke und Wille sind ja zwei Drittel der Tat, und auch nur im Stillen und vereinzelt Gedanken und Willen dem Guten und Gottgefälligen zuwenden, heißt, dem Guten und Gottgefälligen Keim und Boden vorbereiten, die nur auf den Sonnenschein der Gelegenheit warten, um Heil und Segen bringend aufzugehen.</p>



<p>Noch bedeutsamer jedoch ist der Gewinn für die gute Sache, wenn in der Belebung guter Gedanken und Entschlüsse wackere Männer sich zusammenfinden. Es wird Gedanke an Gedanke entzündet und geläutert, es wird Wille an Wille gestärkt und gehoben, es tritt eine Gemeinsamkeit der Gedanken und der Bestrebungen zu Tage, die die Bedeutung jedes Einzelnen in seinen Überzeugungen und Vorsätzen verdreifacht, und sobald die Gelegenheit zur Tätigkeit sich zeigt, der guten Sache einen Verein von Kräften bereitzuhalten, wird jedes vereinzelte Streben in seinen Erfolgen weit überflügelt.</p>



<p>Aber von ganz besonderer Bedeutung ist das Wort, und zumal die gemeinsame Besprechung des Guten gerade in Zeiten, die der Wirksamkeit fürs Gute unübersteigliche Hindernisse in den Weg stellen, wo die Tätigkeit für das Gute versagt ist und ihm fast nur noch der Gedanke, der Wille geblieben. Eben da, wo man gemeinhin das Wort und den Austausch der Gedanken als doch unnütz und fruchtlos betrachtet und darum eine gegenseitige Besprechung achselzuckend belächelt, eben da gilt es doppelt, den Gedanken und das Wort nicht zu lassen und fällt mit unberechenbarem Wert die Besprechung Wackerer ins Gewicht. Sind die Zeiten günstig, kann man für das Gute wirken, dann mag die Zunge schweigen, dann gilt&#8217;s für das Gute mit Taten einzustehen und müßig ist das Wort, wo der Acker der Zukunft der Aussaat der Taten harrt. Allein in der Ungunst der Zeiten, wenn die Masse sich dem Guten abgewendet, wenn Gleichgültigkeit oder Verzweiflung sich der Übrigen bemeistert, „wenn&#8220; — wie der Prophet, dessen Wort uns zu diesen Betrachtungen leitet, es schildert — „wenn die allgemeine Stimmung spricht: Torheit ist es ferner Gott zu dienen! Was haben wir denn genützt, wenn wir Seine Zwecke schützen wollten und um Seine Sache trauernd gingen? Wir müssen ja Sünder glücklich preisen! Die das Schlechte geübt sind groß geworden, haben Gott versucht und kamen davon! —<strong>,אז </strong>&nbsp;„wenn dann&#8220;, wenn in einer <strong>solchen</strong> Zeit allgemeiner Entmutigung und Verkommenheit des Guten, „wenn dann Gottesfürchtige zusammen treten zur gemeinsamen Besprechung, so merkt Gott auf und hört&#8217;s und schreibt es ein zum Gedächtnis und spricht: <strong>וְהָ֣יוּ לִ֗י &#8230; לַיּ֕וֹם אֲשֶׁ֥ר אֲנִ֖י עֹשֶׂ֣ה סְגֻלָּ֑ה</strong>, das werden die Meinen, für die Zeit, da ich einen Kern bilde!&#8220;<a href="#_ftn2" id="_ftnref2"><sup>[2]</sup></a></p>



<p>Und in der Tat, wenn es erst dahin gekommen, dass man von dem Guten nicht einmal mehr <strong>spricht</strong>, dann erst ist das Gute wahrhaft begraben. So lange aber noch die Gedanken und Entschlüsse wackerer Männer dem Guten zugewendet sind, solange sie diese Gedanken und Entschlüsse durch gegenseitige Besprechung läutern und stärken, so lange ist Kopf und Herz der Wackeren eine sichere Burg und eine hoffnungsreiche Zufluchtsstätte des Guten. Ihre Gedanken, ihre Entschlüsse, ihre Worte selber sind Fruchtkeime der besseren Zukunft. Ihre Gedanken, ihre Entschlüsse, ihre Worte selber sind Werkzeuge in Gottes Hand für die bessere Zeit, die Er herbeiführt, wo das Gute wieder verwirklicht werden kann und Er der geläuterten Gedanken, der gestählten Gesinnungen und des entschlossenen Willens zu Vollbringern Seines Werkes bedarf.</p>



<p>Wo Taten rufen, da mag die Rede feiern. Wo aber die Hände gebunden sind, da sind Reden Taten, da gehe man zusammen und denke und überlege und spreche — Gott hört&#8217;s, und merkt&#8217;s, und verzeichnet es.</p>



<p>Was wir mit diesen Betrachtungen bezwecken mochten? <strong>Besprechungen</strong>, <strong>Besprechungen</strong> alles Guten, dessen Verwirklichung schwierig ist, oder, um in dem uns zunächst liegenden Kreis zu bleiben, <strong>Besprechungen alles für unsere heilige jüdische Sache Wünschenswerten</strong>, und zwar umso mehr, je weniger die Gegenwart Aussicht zur Realisierung der Wünsche bietet, ja, je größer die Schwierigkeiten sind, die die Zeit der Verwirklichung entgegenstellt.</p>



<p>Der <strong>Cheschwan</strong> ist da, und mit ihm betreten wir die eigentliche Zeit der stillen, emsigen Tätigkeit. Kopf und Hände rühren sich im Berufe, um etwas Tüchtiges auf der Bahn zu dem angewiesenen, oder vielmehr zu dem selbstgesteckten Ziel vorwärtszubringen, und je weiter und glänzender die Zeit fortschreitet, umso mehr müssen Kopf und Hände sich rühren, umso mehr nimmt der „Beruf&#8220; immer mehr und mehr den ganzen Menschen in Anspruch. Der Philanthrop<a href="#_ftn3" id="_ftnref3"><sup>[3]</sup></a>, der von dem Jahrhundert der Maschinen, dieser Surrogat<a href="#_ftn4" id="_ftnref4"><sup>[4]</sup></a> menschlicher Tätigkeiten, eine Befreiung des Menschen von der Arbeit hofft, dürfte bis jetzt wenigstens noch immer sich in seiner Voraussetzung bitter getäuscht sehen. Nur umso mehr gesteigert sieht er die von jedem zu erreichenden Ziele und nicht vermindert, verdreifacht sieht er die Anstrengungen und Mühen des „Berufs&#8220;. Diese gesteigerten Mühen und Anstrengungen wären nun nicht so sehr zu beklagen, da sie doch immerhin zugleich eine gesteigerte Entwicklung des Talents und der geistigen Fähigkeiten voraussetzen und fordern, wenn sie nicht die natürliche Folge gehabt, dass, um sich wenigstens nach einer Seite hin Erleichterung zu verschaffen, man sich den Begriff des Berufs möglichst vereinfacht, ihn vornehmlich, meist fast ausschließlich, auf die Erschwin- gung selbstständiger Existenz zurückgeführt, und sich ganz beruhigt in dem Gedanken fühlt, vollkommen seine Pflicht zu tun, wenn man seine ganze Tätigkeit ausschließlich dieser Erschwingung der Existenz, mit anderen Worten, dem Geschäft zuwendet, alles aber, was darüber hinaus liegt, oder doch nicht mittelbar oder unmittelbar damit in Berührung steht, von sich als Beruf störend, oder als solche Bestrebungen von sich weist, die Zeit und Kraft in Anspruch nehmen würden, welche den gebieterischen Pflichten des „Berufs&#8220; heilig bleiben müssen.</p>



<p>Unter diesen Zwecken, deren man sich als Beruf störend entschlagen zu dürfen und darum auch zu müssen glaubt, steht die Sorge für das religiöse Allgemeine, die Sorge für die religiösen Gemeindeangelegenheiten obenan. Sie stehen ja mit dem Existenz-Beruf nicht im Entferntesten in Beziehung. Sie kosten nur und bringen nichts ein. Ihrer entschlägt man sich zuallererst. Es ist genug, meint man, wenn man auf dem Weg zur Selbstexistenz zugleich Geldmittel für die Bestreitung der Gemeindezwecke erwirbt. Diesen aber nun auch noch Zeit und Gedanken, oder gar Sorge und Bemühung zuzuwenden, läge jenseits der von heutiger Zeit gestatteten Möglichkeit. Versorgt müssen dieselben allerdings werden. Allein nach dem System der Teilung der Arbeit, hat man auch ein System der Teilung der Pflichten geschaffen, hat auch die Sorge für das religiöse Allgemeine zu einem besonderen Beruf umgeschaffen, der nun zur Erleichterung und Befreiung aller Übrigen, nur von den Wenigen, dazu „Berufenen&#8220; getragen wird. Die Lehrkundigen und Lehrmeister der Gottesgemeinde, die Chachamim<a href="#_ftn5" id="_ftnref5">[5]</a> und Rabbanim sind zu einer Geistlichkeit promoviert worden, zu deren Stand das Religiöse als Privilegium des Rechts sowohl als der Pflicht gehört. Insbesondere aber sind die Gemeindeältesten, Versorger und Führer der Gemeinden, Sikne Haedah, Parnassim und Manhigim<a href="#_ftn6" id="_ftnref6">[6]</a>, zu einer meist in sich geschlossenen Behörde erwachsen, auf deren Schultern die ganze religiöse Gemeindesorge ruht, die kaum noch zu irgend einer Maßnahme der Mitberatung der Gemeinde bedarf, ja häufig nicht einmal ihre Wahl der Mitwirkung der Gemeinde verdankt, vielmehr polypenartig durch Kooption<a href="#_ftn7" id="_ftnref7"><sup>[7]</sup></a> sich selber ergänzt und somit das ganze religiöse Gemeindewesen in ihrem Schoße beginnen und enden lässt. Hat ja dieses Berufsteilungssystem schon hie und da ein solches Gebühren erzeugt, dass man wahrlich glauben müsste, man bekenne sich dort zu der Vorstellung, das jüdische Religionsgesetz müsse allerdings unangetastet in einer jüdischen Gemeinde zur Verwirklichung kommen, allein es sei genug, wenn die jüdische „Klerisei&#8220;, Rabbiner und sonstige „Kultusbeamte&#8220; es erfüllen. Deren Religiosität sei Dispens und Sühne für den Abfall der Gemeinde. Der Geistliche und sein Bereich, der Tempel, seien „fromm&#8220;, damit der Laie und sein Bereich, das „weltliche&#8220; Leben, mit ruhigem Gewissen sündigen könne! Wie anders als aus einer solchen oder ähnlichen Vorstellung ließe sich&#8217;s erklären, wenn Eiferer für Bame Madlikin<a href="#_ftn8" id="_ftnref8">[8]</a> aufstehen, die in ihrem eigenen Hause den Sabbath verletzen und Polterer für die Religiosität der Rabbinen und Kultusbeamten lärmen, die sich selbst im eigenen Leben jeder religiösen Gewissenhaftigkeit entschlagen!</p>



<p>Doch nicht von diesen lächerlichen Abnormitäten wollten wir hier reden. Das sind wahrlich die Wackeren nicht, deren Interesse wir für unsere heilige, jüdische Sache wecken möchten. Das sind die „Gottesfürchtigen&#8220; nicht, deren Gedanken und Wünsche selbst Gott in das Buch seines Gedächtnisses verzeichnet. Wer nicht selbst im Gesetz lebt, lasse das Reden und Eifern fürs Gesetz — <strong>עוֹבְרֵי עֲבֵרָה יָשׁוּבוּ מֵעוֹרְכֵי הַמִּלְחָמָה<a href="#_ftn9" id="_ftnref9"><sup><strong><sup>[9]</sup></strong></sup></a> , וְלָ֤רָשָׁ֨ע אָ֘מַ֤ר אֱלֹקים מַה־לְּ֭ךָ לְסַפֵּ֣ר חֻקָּ֑י וַתִּשָּׂ֖א בְרִיתִ֣י עֲלֵי־פִֽיךָ<a href="#_ftn10" id="_ftnref10"><sup><strong><sup>[10]</sup></strong></sup></a>׃</strong> — Vielmehr an diejenigen möchten wir uns wenden, die keine Stellvertretung in Erfüllung ihrer heiligsten Gewissenspflichten kennen, die ihren Beruf nicht in den engen Begriff der Existenz-Erschwingung begrenzen, denen die Erfüllung des göttlichen Gesetzes erster, heiligster, ja einziger Beruf ist, aus dem ihnen erst der Beruf für die Existenz selber entspringt, und in dem erst diese Existenz selbst für sie Wert und Bedeutung gewinnt. An diejenigen, denen es Ernst um die Erfüllung heiliger Pflichten ist, die aber in der Erhaltung ihrer einzelnen Persönlichkeit und ihres einzelnen Hauses bei der Gewissenhaftigkeit und Treue der heiligen Pflicht genügt zu haben glauben, den Gang der allgemeinen religiösen Angelegenheit sich selber überlassen, höchstens Kopfschütteln, Seufzer und augenblicklich verhallende Klagen — am Sabbath — aber keine Zeit und tätige Sorge, nicht einmal ein männliches Wort und eine Minute der Besprechung für die religiöse Sache des Allgemeinen haben, die sie denn doch ihrem Einzelberufe ferne liegend betrachten — und für welche tätig einzugreifen sie sich doch die Hände gebunden sehen.</p>



<p><strong>Diese</strong> möchten wir mahnen, möchten dazu beitragen, dass sie sich von einer Täuschung befreien, die sie selber ihre Einzel-Pflicht nur halb erfüllen lässt und zugleich die letzte Hoffnung für das allgemeine Besserwerden — soweit Menschenaugen reichen — begräbt.</p>



<p>Wahrlich zuerst, sie täuschen sich, indem sie glauben, die Sorge für das allgemeine Religiöse ihrer Gemeinde liege ihrer Einzelpflicht fern. Nicht den Rabbinen und Vorständen, der Gemeinde, der Kehillat Jaakob hat Gott seine Thora zum Erbgut, oder wie die Weisen sich ausdrücken, zur angetrauten Braut übergeben. Die Gemeinde hat sie zu versorgen, die Gemeinde sie zu schützen, die Gemeinde mit ihrem Herzblut sie zu verteidigen, die Gemeinde sie zu Heil und Freude und zur segensreichen Entfaltung zu bringen. Und wer ist die Gemeinde anders, als die „Jechidim&#8220;, die Gesammtheit der Israelssöhne, als die <a href="#_ftn11" id="_ftnref11"><sup>[11]</sup></a> <strong>רִבְבוֹת אַלְפֵי יִשְׂרָאֵל</strong> , in deren Mitte Gott seine Schechina und das Heiligtum seines Gesetzes wohnen lassen will? Auf jedem Einzelnen ruht die Verantwortung fürs Ganze! Und was hätte denn auch ferner der Einzelne für die Lösung seiner Einzelpflicht getan, wenn er nicht zugleich für das Ganze mitgesorgt? Die jüdische Erziehung seiner Sohne und Töchter, die Vererbung der Thora in Erkenntnis und Leben auf seine Kinder und Enkel, das rechnet doch gewiss jeder Jude mit zu seiner Einzelpflicht. Ja, verdient er auch nur halbwegs den hohen Namen „Jude&#8220;, so wird diese Sorge ihm zuallererst am Herzen liegen, so wird er diese Sorge als die erste seiner Sorgen zählen, und alle anderen Errungenschaften seiner Bestrebungen für null und nichtig erkennen, so ihn <strong>diese</strong> Sorge drückt. Wie kann aber ein jüdischer Vater glauben, <strong>er</strong> habe die jüdische Erziehung, die jüdische Zukunft seiner <strong>Kinder</strong> und <strong>Enkel</strong> versorgt, wenn er nicht zugleich für die jüdische Gestaltung seiner <strong>Gemeinde </strong>Sorge trägt? Er kann doch nicht ewig bei seinen Kindern bleiben, und er kann doch seine Kinder und Enkel nicht auf sein Haus und seine Familie beschränken. Es ist die Gemeinde, die ihn überlebt, und die Gemeinde ist es, der wir alle unsere Kinder und Enkel anvertrauen, wenn uns Gott zu sich ruft. Selbst bei unserem Leben, ja, während unserer Erziehung, vermögen wir ja nicht, unsere Kinder auf uns selbst und innerhalb unseres Hauses und unserer Familie zu isolieren. Ja vermochten wir&#8217;s, die Isolierung wäre ihr sicherstes Verderb. Wer sein Kind nicht von vornherein gewohnt und übt, inmitten und in Gegenwart aller Abirrungen und zwiespältigen Gegensätze, seine jüdische Gesetzestreue zu bewahren und zu üben, der setzt es am allermeisten der Gefahr aus, bei dem ersten Schritt aus dem väterlichen Hause die Gesetzestreue abzuschütteln. So wie denjenigen mit dem ersten Schritt außer dem Hause am zuverlässigsten der Schnupfen anwehen wird, den man am ängstlichsten vor jeder Berührung mit der Luft abgesperrt. Schon also während ihrer Erziehungsjahre bewegen sich unsere Kinder inmitten der Gemeinde, noch mehr aber umfängt eben die Gemeinde sie, wenn ihre Erziehung vollendet und wir sie dem selbstständigen Leben übergeben. Unsere Kinder werden sich mehr und länger inmitten der Gemeinde, als in unserem Hause und unserem Kreis bewegen — und da hätten wir für die jüdische Zukunft unserer Kinder gesorgt, wenn wir eben den Boden ihrer jüdischen Zukunft unbekümmert dem Ungefähr überließen, wenn wir nicht vor Gott das Unsrige täten, jüdischen Geist in diesen künftigen Boden unserer Kinder zu pflanzen und diesen künftigen Boden, unserer Kinder dem jüdischen Leben befreundeter zu gestalten?</p>



<p>Aber täuschen wir uns doch nicht! Selbst die ganz einzelne, persönliche Pflichttreue jedes einzelnen Juden ist ja in hohem Grade gefährdet, wenn sich das Ganze, wenn sich die Gemeinde der jüdischen Pflichttreue entfremdet. Es bedarf ja der Einzelne der nur aus Gesamtkräften herzustellenden Anstalten für die Erfüllung seiner Pflichten, ja, jedem Einzelnen die Erfüllung seiner religiösen Pflichten möglich zu machen, steht ja unter dem Zweck eines jeden jüdischen Gemeindewesens in oberster Reihe, und da dürfte selbst der sich aus die Erfüllung seiner Einzelpflicht ganz beschränkende Einzelne sich der Sorge für die religiöse Richtung seines Gemeindewesens enthoben glauben? Sollen wir die Gemeinde erst nennen, in welcher vor Jahr und Tag einmal ein durch das Sichselbstergänzungs-System ganz unabhängiger Vorstand zusammen getreten und, das Prinzip: <a href="#_ftn12" id="_ftnref12"><sup>[12]</sup></a> <strong>יִרְעֶה עַד שֶׁיִּסְתָּאֵב</strong> zur Devise erkiesend, die systematische Verkümmerung aller religiösen Anstalten sich und allen ihren Nachfolgern als das mit aller Rücksichtslosigkeit eines fanatischen Eifers anzustrebende Ziel setzte, zu diesem Ende es offen bekannte, dass „an den Tisch der Gemeindeverwaltung keiner mehr kommen sollte, der noch Thefillin lege&#8220;, es auch glücklich dahin brachte, dass nach dreißig Jahren nicht eine einzige religiöse Anstalt mehr in der Gemeinde in einem solchen Zustand vorhanden war, dass sie der gewissenhafte Einzelne zur Erfüllung seiner religiösen Gewissenspflichten hätte benutzen können, bis endlich elf andere Einzelne zusammentraten und erst in Mitte des dem Judentum abgestorbenen Gemeindewesens eine ganz neue jüdische Gemeinde und mit ihr eine völlig neue Schöpfung aller religiösen Anstalten ins Leben rufen mussten, damit es nur, in Mitte einer jüdischen Bevölkerung von drei bis vier Tausend Seelen, dem Einzelnen wieder möglich wurde, „nach den Anforderungen des Gewissens seine religiösen Pflichten zu erfüllen? Sollen wir die Gemeinde nennen, in welcher Vorstände den Unterricht in Thora und Talmud polizeilich verboten, oder Regierungen, die auf Antrieb von Vorständen und Rabbinen den hebräischen Unterricht in den Schulen förmlich untersagten? Die Gemeinden nennen, wo Eltern durch Rabbinen gezwungen werden, ihre Kinder einen Religionsunterricht genießen zu lassen, der nach den Überzeugungen ihres Gewissens ihren Kindern den Abfall von den heiligsten Lebenspflichten predigt? Die Gemeinden nennen, wo reformsüchtige Rabbiner ihren gesetzestreuen Gemeindeangehörigen Synagogen schließen, Sifre Thora entführen, die am Rosch Haschana-Abend zum Gottesdienste versammelte Gemeinde mit Polizeigewalt auseinandertreiben ließen, oder einen solchen Terrorismus übten, dass sich die Einzelnen zu einem Gottesdienste nach ihrem gesetzestreuen Gewissen in Keller flüchten oder auf freiem Felde in Gesellschaft der Raben sich versammeln mussten?</p>



<p>Dies und Ähnliches sind keine Reminiszenzen von Palästina her aus altersgrauer Vorzeit eines Jerobeams und Antiochus. Es sind das Tatsachen aus der lebensfrischen Gegenwart unseres deutschen Vaterlandes unter der Ägide eines die Gewissensfreiheit proklamierenden Jahrhunderts, es sind dies „Zeichen <strong>unserer</strong> Zeit&#8220;, zu deren Wiederholung die Prämissen überall gegeben sind — und es dürfte irgendwo und irgend je einmal der Einzelne das Auge zudrücken und sagen, wenn ich nur mein Haus jüdisch führe und meine Kinder jüdisch erziehe, für die Angelegenheiten der <strong>Kehillah</strong> kann ich nicht sorgen, und habe ich nicht zu sorgen? Da dürfte vor allem in unserer Zeit bei solchen Wahr- und Warnzeichen nicht jeder Einzelne sich aufgerufen fühlen, stets das Auge wach und offen zu halten, auf dass die Angelegenheiten seiner Gemeinde nicht in das Geleis einer solchen Verirrung geraten, auf dass wenigstens in seiner Gemeinde die Verhältnisse so geleitet und gesichert bleiben, dass wer Jude sein wolle, auch Jude sein könne, und er seinen Kindern und Enkeln wenigstens die <strong>Möglichkeit rette, Juden und Jüdinnen zu sein?</strong></p>



<p><strong>Denn wahrlich, um nichts Geringeres als das handelt es sich. Es handelt sich nicht mehr darum, wie bringen wir die vom göttlichen Gesetz abgefallenen Bruder wieder zur Gesetzestreue zurück, sondern darum handelt es sich, wie schaffen und erhalten wir dem gesetzestreuen Juden die Möglichkeit, seinem Gesetz treu zu leben</strong>. Denn, geht dies so fort, erwachen die gesetzestreuen Einzelnen nicht aus ihrer Lethargie, gehen sie nicht zusammen, sich gemeinsam zu beraten, was zu tun sei, um das Heiligtum des Gesetzes aus den Gefahren, die ihm drohen, zu retten, so werden sie einmal nicht mit ruhigem Gewissen ihr Haupt niederlegen können, werden aus dem Leben scheiden und haben ihren Kindern und Enkeln nicht einmal die Möglichkeit mehr hinterlassen, gesetzestreue Juden und Jüdinnen zu sein.</p>



<p>Seitdem Israel ein Volk geworden und die Erhaltung und Erfüllung des göttlichen Gesetzes zu seinem Lebensberuf bekommen, war vielleicht die Erhaltung und Erfüllung dieses Gesetzes nicht in so drohender Gefahr, wie heute. Schon sehen wir, fast in ganz Europa wenigstens, die Leitung der jüdischen Geimeindeangelegenheiten Männern in die Hand gegeben, die dem jüdischen Religionsgesetz die Treue gekündigt, und „philanthropische&#8220; Bestrebungen tragen die Propaganda dieses Abfalls auch zu unseren Brüdern in Asien und Afrika hinüber. In beklagenswerter Verkennung ihrer Rechte und Pflichten haben sich die gesetzestreuen Juden fast überall den Einfluss auf die Gestaltung der allgemeinen jüdischen Angelegenheiten entreißen, oder aus den Händen kommen lassen. Kaum ist noch ein Vorstand zu finden, dessen Mehrzahl nicht der Untreue gegen das göttliche Gesetz huldige. In einem großen Reich sehen wir die höchste Leitung der jüdischen Angelegenheiten einer jüdischen Zentralbehörde in die Hände gelegt, deren Prädikat „jüdisch&#8220; die größte Ironie ist, deren Mitglieder acht gegen einen vom Judentum — wir sind noch so kühn, unter dem Judentum nichts als die Erfüllung der Thora und Mizwot zu verstehen — nun denn, deren Mitglieder acht gegen einen vom Judentum kaum mehr als den Namen haben, die seit Jahren planmäßig daran gearbeitet, die Gemeinden, und insbesondere die gesetzestreuen Einzelnen mundtot zu machen und eben jetzt ganz offen — nicht an die Gemeinden, nicht an die Hunderte und Tausende der „Gläubigen&#8220;, wie man sie dort nennt, und von denen allein ihnen eine Vollmacht erteilt werden konnte, wenn sie ihnen erteilt werden dürfte — sondern an die Regierung den Antrag gestellt, ihnen alles in die Hände zu geben, sie zu ermächtigen, alle Rabbinen allein anzustellen, sie nach Belieben zu versetzen und jede Gemeindeverwaltungsmaßregel ohne alle weitere Kontrolle und Verantwortung erlassen zu dürfen! Was wird die Zukunft des Judentums, des gesetzestreuen jüdischen Lebens in diesem Reiche sein, wenn es einer solchen Behörde, die leider bis jetzt schon so sehr mit Unrecht als die <strong>höchste</strong> Leiterin der jüdischen Angelegenheiten dasteht, gelänge, sich zu der <strong>einzigen</strong> Leiterin zu machen? Was haben die gesetzestreuen Juden zu hoffen, wenn ein gnädiger Gott nicht diese offen angekündigte Gefahr von ihren Häuptern abwendet, wenn nicht endlich eine solche Tatsache ihnen die Binde, von den Augen und die Sorglosigkeit aus dem Herzen reißt und sie aus ihrer Lethargie aufrüttelt, für ihr Recht und ihre Pflicht um das göttliche Heiligtum mit männlichem Wort und männlicher Tat einzustehen?</p>



<p>Was dort in einem der größten europäischen Reiche geschieht, das begibt sich mehr und minder seit dreißig Jahren fast in allen kleinen und kleinsten Regierungsgebieten unseres parzellierten deutschen Vaterlandes. Was dort erst angestrebt wird, ist hier bereits mehr und minder zum Gesetz erwachsen. Durch Verlästerung des alten Judentums und der alten Juden hat man es dahin gebracht, dass Regierungen einen Akt pädagogischer Menschenfreundlichkeit gegen ihre Juden und einen Akt der Selbsterhaltung gegen ihren Staat zu begehen vermeinten, indem sie — in völliger Anomalie gegen alle sonst zu Recht bestehenden Kompetenzbegriffe — das Judentum, eine, seinen inneren Beziehungen nach, ihnen ganz fremde Kirche, in den Bereich ihrer obervormundschaftlichen Verwaltung zogen, eine Reform des Judentums als das anzustrebende Ziel staatsgesetzlich sanktionierten, zu diesem Ende die urwüchsige Autonomie der jüdischen Religionsgemeinden brachen, reformfreundliche Vorstände zu ihren Vormündern, reformfreundliche Geistliche zu ihren Rabbinen bestellten, also, dass diese Letzteren sich nun als die staatsseitig bestellten, mit polizeilicher Gewalt ausgerüsteten Wächter und Wärter des noch „unerzogenen&#8220; Judentums, und der noch „unerzogenen&#8220; Juden gerieren, unter deren Zuchtrute der rechtschaffene Jude seufzt und das göttliche Heiligtum des jüdischen Gesetzes verkümmert.</p>



<p>Das sind Zustände der Gegenwart in vielen Kreisen des deutschen Vaterlandes, das sind Zustände der Zukunft, zu deren Eintritt fast in allen Kreisen bereits die Vorbedingungen vorhanden sind, und da dürfte in irgendeinem Kreise irgendein rechtschaffener Jude noch sich mit seinem religiösen Interesse auf seine Person, sein Haus, seine Familie beschränken, dürfte sich nicht aufgerufen fühlen mit dem ernstesten Ernst seine Sorge auch dem religiösen Allgemeinen zuzuwenden?</p>



<p>Wir haben aus den religiösen Beziehungen der jüdischen Gegenwart hier nur eine Seite, die religiöse Gemeinde-Organisation, hervorgehoben, weil dort uns in der Tat das Grundübel unserer Zustände zu wurzeln scheint und so lange es dort faul ist, die Aussicht auf Besserung in hohem Grade verkümmert bleibt — allein auch die meisten anderen Momente unserer jüdisch religiösen Gegen- wart, die meisten Institutionen und Bestrebungen, die in einem guten jüdischen Gemeindeleben blühen sollten, alles, was für die Erkenntnis und die Erfüllung des göttlichen Gesetzes zu geschehen wäre, wie wenig Erfreuliches bietet es dar, wie zu ernster Besorgnis ladet das Meiste — außer Zedaka<a href="#_ftn13" id="_ftnref13">[13]</a> und Gemilut Chassidim<a href="#_ftn14" id="_ftnref14">[14]</a> liegt fast alles unter dem Frost kalter Gleichgültigkeit begraben da, oder ist von Dornen und Disteln unjüdischer Pflanzung überwuchert, kaum hie und da wagt ein besserer Keim aus der Eisdecke oder der Unkrautfülle schüchtern hervorzublicken — und es dürfte der rechtschaffene Jude solchen Zuständen gegenüber gleichgültig bleiben, dürfte sich nicht aufgerufen fühlen, mit dem ernstesten Ernst seine Sorge diesem „Bruch seines Volkes&#8220; zuzuwenden?</p>



<p><strong>Der Cheschwan ist da</strong>, mit ihm die langen Winter-Abende; da sollten in jeder Stadt, in jedem Dorf die gesetzestreuen Juden alle, alle, denen der Bruch der Zeiten zu Herzen geht, alle, die einen Seufzer für unser Heiligtum übrig haben, diesem Heiligtum einen Abend, eine Abendstunde in der Woche, eine Abendstunde jeden Monat schenken, und zusammengehen, ihre Wünsche und Befürchtungen, ihre Sorgen und Hoffnungen, ihre Ansichten und Aussichten gegenseitig austauschen, sich in gegenseitiger Besprechung über die Frage klar zu machen suchen, wo es fehle, und was zu tun wäre, auf dass es besser werde! Und wenn solche Besprechungen vor der Hand auch nichts weiter als eben die Besprechungen zu erzielen vermögen, auch die bloßen Besprechungen Wohlgesinnter sind für das Gute Gewinnst. Besprechungen wecken die Tat, das Zusammenfinden der Wackeren ist ein Keim der besseren Zukunft, und wo immer in rat- und tatlosen Zeiten Gottesfürchtige zur Besprechung des Guten und Wünschenswerten zusammentreten</p>



<p>                                 da merkt Gott auf und hört&#8217;s<br>                                 und schreibt es ein in Sein Buch des Gedächtnisses<br>                                 der Gottesfürchtigen<br>                                 und Derer, die seines Namens gedenken.<br>                                 Und das werden die Meinen, spricht Gott,<br>                                 für die Zeit, da ich mir wieder einen Kern bilde!</p>



<p class="has-text-align-right">&#8218;<strong>וְהָ֣יוּ לִ֗י אָמַר֙ ה<br>לַיּ֕וֹם אֲשֶׁ֥ר אֲנִ֖י עֹשֶׂ֣ה סְגֻלָּ֑ה!<a href="#_ftn15" id="_ftnref15"><sup><strong><sup>[15]</sup></strong></sup></a></strong></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Kiddushin 40a</p>



<p><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Malachi 3:17; Und <strong><em>die</em></strong> bleiben <strong><em>Mein</em></strong>,&nbsp; …. , für den Tag, da Ich ein ausschließlich Mir Angehöriges bilde, (Übersetzung Dr. Mendel Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Weltverbesserer durch Einsatz von Geld, Fähigkeiten oder Talent</p>



<p><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> Nicht vollwertiger Ersatz</p>



<p><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> Die Gelehrten</p>



<p><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Gemeindeältesten, Versorger und Führer der Gemeinden</p>



<p><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> nachträgliche Hinzuwahl neuer Mitglieder in eine Körperschaft durch die dieser Körperschaft bereits angehörenden Mitglieder</p>



<p><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> Bame Madlikin ist ein Gebet am Schabbat, dass u.a. davon handelt, auf welche Gebote man am Schabbat zu achten hat.</p>



<p><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> Die Sünder kommen von den Kriegsschauplätzen zurück</p>



<p><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> Psalm 50:16; „Aber zum Frevler spricht Gott: Was hast du von meinen Satzungen zu erzählen? Du führst meinen Bund im Munde?” (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>



<p><a href="#_ftnref11" id="_ftn11">[11]</a> „Abertausende Israels“, Bezeichnung in der Thora für die Kinder Israels</p>



<p><a href="#_ftnref12" id="_ftn12">[12]</a> Wörtlich: es (das Tier, dass zur Opferung ausgesucht wurde, aber wegen eines Leibesfehlers nicht geopfert werden darf) so lange weiden zu lassen, bis es untauglich wird; hier übertragen: bis sich die Angelegenheit von selbst erledigt hat</p>



<p><a href="#_ftnref13" id="_ftn13">[13]</a> Wohltätigkeit</p>



<p><a href="#_ftnref14" id="_ftn14">[14]</a> Hilfsbereitschaft</p>



<p><a href="#_ftnref15" id="_ftn15">[15]</a> Malachi 3:17</p>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/cheschwan-5786/">Cheschwan 5786</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Tischri 5786</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/tischri-5785-2/</link>
					<comments>https://hirschinitiative.de/tischri-5785-2/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Sep 2025 17:17:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Monatsblatt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hirschinitiative.de/?p=5250</guid>

					<description><![CDATA[<p>Schofar Dieser hier wiedergegebene Artikel von Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l aus der Zeitschrift „Jeschurun“ vom Oktober 1857 eröffnete den 4. Jahrgang seines Magazins. Wenn man ihn liest, scheint die Zeit seitdem stillgestanden zu haben, denn es hat sich seit ehedem nichts geändert. Eigentlich hat sich sogar vieles verschlechtert, denn heute gibt es keine orthodoxen [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/tischri-5785-2/">Tischri 5786</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center has-large-font-size"><strong>Schofar</strong></p>



<p class="has-small-font-size">Dieser hier wiedergegebene Artikel von Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l aus der Zeitschrift „Jeschurun“ vom Oktober 1857 eröffnete den 4. Jahrgang seines Magazins. Wenn man ihn liest, scheint die Zeit seitdem stillgestanden zu haben, denn es hat sich seit ehedem nichts geändert. Eigentlich hat sich sogar vieles verschlechtert, denn heute gibt es keine orthodoxen Gemeinden mehr in Deutschland. Eine Ausnahme stellt vielleicht die Gemeinde „Kahal Adass Jisroel“ in der Brunnenstr. in Berlin dar. Selbst in Gemeinden, die sich einen orthodoxen Rabbiner anstellen, leben ihre Mitglieder nicht nach den orthodoxen Vorschriften des Judentums, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Unsere Gemeindevorsteher gehören allesamt den liberalen Strömungen der Judenheit an. Es wurde in Deutschland versäumt, nach dem Krieg, orthodoxe Lehranstalten für die jüdischen Jugendlichen zu gründen. Das mag durchaus daran gelegen haben, dass sich die Generation unserer Eltern es sich nicht vorstellen konnten, dass es überhaupt möglich sein wird, als Jude in Deutschland zu leben — und schon gar nicht nach orthodoxem Ritus.</p>



<p class="has-small-font-size">Jetzt kommt Rosch Haschana und das Schofar wird geblasen und alles, was noch irgendeine Beziehung zum „Jüdischsein“ hat, strömt in die Synagogen. Juden, lest die Worte von Rabbiner Hirschs, nehmt sie euch zu Herzen, kehrt um von dem falschen Weg den ihr beschreitet, kehrt zurück zum Judentum.</p>



<p class="has-small-font-size"><strong>Ich habe von KI eine Inhaltsangabe des nachstehenden Artikels anfertigen lassen:</strong></p>



<p class="has-small-font-size"><em>Der Artikel setzt sich kritisch mit dem religiösen und gesellschaftlichen Zustand des jüdischen Lebens auseinander und thematisiert den Bedeutungsverlust und das Vergessen zentraler religiöser Begriffe wie Mizwa und Tora. Er beklagt, dass mit dem Rückzug der Tora und Mizwot aus dem Alltag auch die Freude, Sinnhaftigkeit und der innere Reichtum des Lebens verloren gehen. Stattdessen seien Arbeit und Sorge zum Selbstzweck geworden, und Menschen suchten Sinn und Glück außerhalb ihres Hauses und Glaubens.</em></p>



<p class="has-small-font-size"><em>Der Text fordert dazu auf, die geistige und religiöse Armut zu erkennen und sich zur Rückkehr zur Treue gegenüber Gott und dem jüdischen Gesetz zu entschließen. Er thematisiert die Halbherzigkeit und Unentschlossenheit vieler, die nur noch formal am Judentum festhalten, während sie in ihrem Alltag und ihren Entscheidungen den Glauben vernachlässigen. Besonders hebt der Autor die Verantwortung der Eltern hervor, ihre Kinder in jüdischem Geist und mit Überzeugung zu erziehen, warnt aber vor dem Trend, religiöse Grundsätze dem Komfort oder gesellschaftlichen Zwängen zu opfern.</em></p>



<p class="has-small-font-size"><em>Im weiteren Verlauf kritisiert der Artikel auch die Entwicklung innerhalb der jüdischen Gemeinden, die sich unter dem Einfluss säkularer Kräfte von der Leitung durch religiöse Prinzipien entfernt haben. Der Verfasser ruft dazu auf, diese Entwicklung nicht tatenlos hinzunehmen, sondern aktiv für die Rückgewinnung der religiösen Selbstbestimmung und den Schutz des jüdischen Heiligtums einzutreten.</em></p>



<p class="has-small-font-size"><em>Abschließend appelliert der Text an die Beter, sich vom Schofar-Ruf (symbolisch für den Ruf zur Umkehr und Erneuerung) wachrütteln zu lassen, zur Ganzheitlichkeit und Ernsthaftigkeit im Glauben zurückzufinden und mutig für das eigene religiöse Erbe einzustehen – zum Segen für die Gegenwart und die Zukunft des Judentums.</em></p>



<p class="has-small-font-size">Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter:</p>



<p class="has-text-align-center"><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pagetext/2941587">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pagetext/2941587</a></p>



<p class="has-text-align-right"><a href="#_ftn1" id="_ftnref1"><strong><sup><strong><sup>[1]</sup></strong></sup></strong></a><strong> וְתָקְע֖וּ בָּהֵ֑ן וְנֽוֹעֲד֤וּ אֵלֶ֙יךָ֙ כׇּל־הָ֣עֵדָ֔ה –</strong></p>



<p class="has-text-align-right"><strong>וּתְקַעְתֶּ֖ם תְּרוּעָ֑ה וְנָֽסְעוּ֙ הַֽמַּחֲנ֔וֹת –<a href="#_ftn2" id="_ftnref2"><sup><strong><sup>[2]</sup></strong></sup></a></strong></p>



<p class="has-text-align-right"><strong>וּתְקַעְתֶּ֤ם תְּרוּעָה֙ &#8230;. לְמַסְעֵיהֶֽם.<a href="#_ftn3" id="_ftnref3"><sup><strong><sup>[3]</sup></strong></sup></a></strong></p>



<p><strong>.</strong></p>



<p>Bläst man <strong>Thekiah</strong>, so <strong>versammele</strong> sich zu dir die ganze Gemeinde —<br><strong>Theruah</strong>, so <strong>breche</strong> das Lager auf —<br>Dann aber <strong>Thekiah</strong> zu ihren <strong>Weiterzügen</strong>.</p>



<p><strong>Komm&#8216;! Brech auf, und folge! — Kommt! Brechet auf, und folget!</strong> Das ist der Ruf, den das Gottessignal mit dem Dreiklang des Schofars an jeden Einzelnen und die Gesamtheit in Israel zum Jahres-Anfang bringt. Komm&#8216;! Brech auf! Folge! — Kommt! Brechet auf! Folget! Wer ermisst die Umwandelung, die diese Töne bringen müssten, wenn sie den Einzelnen, wenn sie die Gesamtheit in ihrem Herzen, in ihrem Kern ergriffen!</p>



<p>Soweit die Erde reicht, in den starrenden Nord, in den glühenden Süd, wo Eilande das Meer umschließt, wo Wüsteneien Oasen fassen, wo Gebirge Hütten bergen, auf weitem, weitem Erdenrund, zu den Hochmärkten des Weltverkehrs, in die Weiler ländlicher Stille, wo nur jüdische Seelen atmen, wo nur jüdische Herzen schlagen, überall dringt der Schofar hin und macht sich Bahn mitten durch das Gewühl der Städte, mitten durch den Schwarm der Märkte, in die Hütten, in die Häuser, in die Paläste, in die Kerker, und weiß in jede Brust zu dringen und weiß ein jedes Herz zu finden und ruft: <strong>Kommt! Brecht auf!</strong> und <strong>folget! — — </strong>Und es ist Gott, der also ruft, Gott, der mit diesem Ruf die Seinen sucht, <strong>הִנְנִי אֲנִי ״</strong>, siehe ich bin da!&#8220; spricht der Herr, und „suche meine Schafe und mustere sie. Wie der Hirt seine Herde mustert, wenn er einmal eintritt mitten unter seine zerstreuten Schafe, so mustere ich meine Schafe und rette sie von überall her, wohin sie sich verirrt am Tage des Gewölkes und des Nebels.&#8220; „Das Verlorene suche ich, das Verirrte bringe ich zurück, das Gebrochene verbinde ich, das Kranke stärke ich — aber das Feiste und Störrische vernichte ich, das weide ich nach dem Recht — &#8220; (Ezech. 34).</p>



<p>So ist es Gott, der mit dem Schofar seine Herde sucht, der mit dem Schofar in seine Herde eintritt — und wie findet er seine Schafe zerstreut! Wie haben sie seine Weide verlassen, wie sind sie führerlos, hirtenlos in die Irre gegangen am Tage des Gewölkes und des Nebels, „wie irrt die Gottesherde umher auf allen Bergen, allen hohen Hügeln! Über die ganze Erde sind sie hingestreut und niemand fragt nach ihnen und niemand sucht sie!&#8220;</p>



<p>Eine einheitliche Gottesherde sollten wir sein. Wie verschieden auch an Geist und Fähigkeit, an Stand und Schicksalslage, in der Höhe, in der Tiefe, mit dem Adlerblick des Forschergeistes, mit der Beschränktheit der Kindeseinfalt, in den Höhenschichten der Gesellschaft, in den Niederungen des kärglichsten Elends, in der Jugend und im Alter, im Reichtum und in der Armut, in blühender Gesundheit wie im welkenden Reichtum, in aufblühendem Familienleben und in der Verkümmerung gebrochener Herzen, in Tagen der lachenden Freude wie in Gewitterschwüle und nächtlichem Nebel — an einen Hirten sollten wir uns alle halten, auf einer Weide in allem und mit allem bleiben, sollten an jeder Stelle, aus jedem gewonnenen Plätzchen uns unter Seiner Obhut fühlen, uns Seiner Leitung überlassen, uns in Seinem Dienste wissen, und damit an jeder Stelle, auf jedem gewonnenen Plätzchen, in allem und mit allem den Frieden und die Freude und die ungetrübte Seelenheiterkeit gewinnen, die Er allen den seinen blühen lassen will und in denen wir alle, alle, uns um den einen Einzigen einheitlich zusammen finden sollen, — um den einen Hirten, die eine allverbrüderte Herde!</p>



<p>Und was sind wir geworden? Den Einen haben wir verlassen und haben damit auch einer den andern verloren! Die Entferntesten sollten sich nahe sein und die Nächsten sind sich ferne geworden. Es versteht der Vater den Sohn nicht mehr, der Bruder kennt den Bruder nicht. Denn es geht jeder auf andere Weide, hat jeder einen anderen Hirten und sucht jeder an anderer Stelle und in anderer Weise das Kleeblatt der Freude und des Glücks und des Friedens. <strong>כֻּלָּם֙ לְדַרְכָּ֣ם פָּנ֔וּ אִ֥ישׁ לְ<a>בִצְע֖וֹ מִקָּצֵֽהוּ </a>״</strong> , jeder hat sich seines Weges gewendet, jeder seinem Interesse zu von seinem vereinzelten Standpunkt!&#8220;<a href="#_ftn4" id="_ftnref4"><sup>[4]</sup></a></p>



<p>Wir haben die Tage der Prüfung nicht bestanden. Jahrhunderte, Jahrtausende lang hat uns der Eine geführt, hat Sein Ruf uns auf der einen Weide Seines Geistes und Seiner Lehre zusammengehalten. Da kam ein Tag, eine kurze Zeit des „Gewölkes und des Nebels&#8220;, eine kurze Zeit der Versuchung und Prüfung, eine kurze Zeit Welt erschütternden Wetters. Alle sollte es erschüttern, wir sollten die Ruhe bewahren. Alle Hürden sollte es niederwerfen, unsere Hürde aufrecht bleiben. Alle sollte es zu einem anderen Hirten und zu einer anderen Weide führen, wir allein bei unserem Hirten, auf unserer Weide harren; denn es war eben unser Hirte, der das Unwetter sandte, und es war ja eben unser Hirte und unsere Weide, zu denen sie alle am Tage des Gewölks und des Nebels sich flüchten sollten. Es war ja eben unser Hirte, der sein Unwetter als seinen Herold sandte, sie alle zu sich — und uns zu rufen.</p>



<p>Wir haben aber sein Werk nicht begriffen und haben sein Walten nicht verstanden. Weil wir sie alle bestürzt von ihren Hirten eilen sahen, haben auch wir unseren Hirten verlassen. Weil sie alle aus ihren Hürden flüchteten, haben auch wir unserer Hürde nicht mehr getraut. Weil wir sie alle einen neuen Hirten und eine neue Weide suchen sehen, meinen wir auch einen neuem Hirten und eine neue Weide suchen zu müssen, und irren nun mit ihnen umher, freudelos, friedlos, haltungslos — mit aller gewonnenen Lust ohne Freude, mit aller gewonnenen Ruhe, ohne Frieden, mit allen gerühmten Prinzipien ohne Halt und ohne Band — und wissen den Hirten nicht zu suchen — und wissen die Weide nicht zu finden —</p>



<p>Da tritt unser Hirte selber in unseren Kreis und sucht uns mit dem Ruf seines Schofars, und geht uns nach auf die erträumten Höhen, und in die wirklichen Täler und Gründe, geht jedem nach, wohin er sich verirrt an der Hand seines vermeintlichen, selbstsüchtigen Interesses — <a href="#_ftn5" id="_ftnref5"><sup>[5]</sup></a><strong>בִצְע֖וֹ מִקָּצֵֽהוּ</strong> — und ruft jedem zu: <strong>Komm&#8216;! Reiße dich los! Folge!</strong></p>



<p>Er findet unsere <strong>Jünglinge </strong>— Es sind nicht mehr die <a href="#_ftn6" id="_ftnref6"><sup>[6]</sup></a> <strong>נַעֲרֵי֙ בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֔ל</strong> , die jüdischen Jünglinge, die Hoffnung unserer geistigen Zukunft, die Moses gesendet, die „Opfer der Weihe und des heiteren Gottbewusstseins“ zu bringen — es sind nicht mehr die Jünglinge, die zu den Füßen der Propheten und Weisen gesessen um aus ihren Händen das geistige Erbe unserer Vergangenheit zu empfangen und sich, für das Forttragen und die Fortpflege dieses geistigen Erbes zu begeistern — den ganzen Geist dieser Weihe und die ganze Freude am Gottbewusstsein hat man ihnen gestohlen, hat ihnen diese Weihe als Überspannung und diese Freude als Torheit lächerlich gemacht, hat ihnen ganz andere Ziele aufgesteckt und sie ganz andere Freuden haschen gelehrt, hat ihnen <a href="#_ftn7" id="_ftnref7"><sup>[7]</sup></a> <strong>בִּצְעָם מִקְצֵיהֶם</strong> , hat ihnen das von jedem nach seiner Individualität und mit der ganzen Ausbeutung seiner individuellen Verhältnisse zu suchende Selbstinteresse als den allmächtigen Gott der Zeit zur Verehrung hingestellt, hat diesen Gott mit dem täuschenden Namen „Beruf&#8220;<a href="#_ftn8" id="_ftnref8"><sup>[8]</sup></a> ihnen getauft und sie damit die Hingebung an dieses Selbstinteresse als ihren ganzen ihnen angewiesenen Beruf erkennen und lieben gelehrt — und hat sie darum weggerissen von den Füßen der Propheten und Weisen, die ihnen <strong>מִצְוָה</strong> , die ihnen Pflicht, die Pflicht, die gottgebotene Pflicht als den einzigen Hebel alles Lebens und Strebens darreichen, die keinen anderen Beruf kennen, als die Erfüllung dieser Pflicht und keine andere Freude lehren, als das Bewusstsein dieser Erfüllung, die aus diesem Berufe alles andere hervorgehen, in diesen Beruf alles andere aufgehen, und erst in diesem Berufe den Menschen und Juden sich selber finden lassen, und die sie eben mit diesem Mizwa-Geist und dieser Mizwa-Gesinnung unfähig gemacht hatten zur rücksichtslosen und skrupellosen Hingebung an das Selbstinteresse, zur rücksichtslosen und skrupellosen Vergötterung des Vorteils und des Genusses!</p>



<p>Und da wandern sie nun umher, unsere Jünglinge. Der Weg zum Sinai hinan, der oft durch die Wüste führt, ist ihnen zu öde und dürr. Sie suchen die Weiden, wo die Prozente wuchern und die wilden Blumen unheiliger Genüsse blühen, wo die Schmetterlinge der Menschenehren flattern und — die Tautropfen der Menschentränen fallen. Sie sehen die Abgründe nicht, an denen sie wandeln, sehen die Gräber nicht, die sie sich selber graben, ahnen es nicht, dass sie mit allen Bauten ihrer Zukunft sich nur goldene Särge zimmern und sich immer mehr und mehr von dem gelobten Land der Milch und des Honigs, des wahren Lebens und der wahren Freude entfernen. Sie meinen die Höhe hinanzusteigen und sinken immer tiefer und tiefer in den Abgrund.</p>



<p>Da trifft sie der Schofar-Ruf — es ist der alte Ruf ihres Hirten vom Sinai her, er ruft, und wenn er ruft, <a href="#_ftn9" id="_ftnref9"><sup>[9]</sup></a> <strong>וְנֽוֹעֲד֤וּ אֵלֶ֙יךָ֙ כׇּל־הָ֣עֵדָ֔ה</strong> so soll die <strong>ganze</strong> Herde in diesem Ruf ihr Ziel und ihre Bestimmung finden, — er ruft, — aus fernen Höhen hören sie den Ruf; nicht vorwärts aus der Tiefe, rückwärts aus der Höhe vernimmt ihn ihr Ohr; es ist nicht der Ruf des lachenden Vorteils, dem sie bis jetzt gefolgt, es ist nicht der Ruf rauschender Lust, der sie bis jetzt gelockt; es ist der Ruf ihres ernsten, alten Gottes; er tönt so fern und doch so liebend nah, so fremd und ihren Seelen doch so innig verwandt; so fern und fremd — und sie fühlen es doch, dass auch sie zu diesem Ruf gemeint sind, fühlen gerade an dem Fernen und Fremden dieses Rufes, wie weit ab und fremd sie bereits ihrer Bestimmung geworden — und sie halten inne, und sie suchen ihren Hirten, den sie vergessen, der ihrer aber nicht vergaß, den sie verlassen und der sie nun selber sucht, der zu ihnen spricht: <strong>Kommt, kommt, kommet!</strong> Nicht dort, wo täuschende Vorteile lachen und ewige Verluste weinen, wo berauschende Lüste jauchzen und ernüchterte Schmerzen seufzen, wo der Moder triumphiert und der Geist und die Einigkeit trauern, bei mir winkt euer Ziel, bei mir eure Bestimmung und euer Beruf. <strong>הוּעֲדוּ אֵלַי</strong> <a href="#_ftn10" id="_ftnref10"><sup>[10]</sup></a>, <strong>kommet zu mir</strong>, wo die Wahrheit leuchtet und die Täuschung flieht, wo für die Ewigkeit gewonnen ist, was einmal errungen, wo in alle Ewigkeit lächelt, was einmal selig umfangen. Kommet zu mir, <strong>rüttelt euch auf, reißt euch los, brecht auf</strong>, — <a href="#_ftn11" id="_ftnref11"><sup>[11]</sup></a> <strong>תְּרוּעָ֑ה וְנָֽסְעוּ֙</strong> — so schwer es auch wird, — so lieb euch der Wahn, so süß euch die Täuschung, so teuer euch die Gegenwart, — brecht auf, reißt euch los, auf aus der Erschlaffung, los aus den Banden der Lust, aus den Fesseln des Irrtums! Rüttelt euch wach aus dem verderblichen Traum der Sicherheit und des Glücks, hört nicht auf die, die euch in mir den Störer eurer Ruhe, den Feind eures Glückes, den Verderber eurer Freuden, den Verkümmerer eures Berufes zeigen! Eure Ruhe ist Täuschung, euer Glück ist Wahn, eure Freude Trauer, euer Beruf ist verscherzt, und wenn ihr die glänzendsten Ziele erjagt, verscherzt, so ihr euren ersten, einzigen, ewigen, alten Beruf vom Horeb her verleugnet. <strong>Reißt euch los</strong>, solange es noch Zeit ist, <strong>rüttelt euch auf</strong>, solang ihr noch Kraft habt, <strong>brecht auf</strong>, solange die Gegenwart euch noch nicht ganz in ihre Bande geschlagen, solange euer Irrtum euch noch nicht in die Tiefe des Abgrunds geführt. Reißt euch los, kurz ist der Kampf, ewig der Sieg, kurz der Schmerz, ewig die Freude. Brecht auf und <strong>folgt mir</strong>! — <a href="#_ftn12" id="_ftnref12"><sup>[12]</sup></a> <strong>יִתְקְע֖וּ לְמַסְעֵיהֶֽם</strong> — mir, mir, — immer weiter, immer ferner, ewig <strong>mir</strong>, hinauf, hinan, <strong>mir</strong> nach, ewig <strong>dahin</strong>, wo <strong>mein</strong> Ruf euch vorangeht, wohin <strong>meine</strong> Stimme euch führt! Folgt meinem Ruf! Ich hebe euch über Abgründe und Klippen, ich führe euch durch Wüsteneien und Stürme dahin, wo die Freude ewig wohnt, wo die Seligkeit immer lächelt, wo jeder Augenblick Gewinn ist und jeder Atemzug Entzücken, Seligkeit und Freude eines in mir sich treu vollendenden Lebens! — — — —</p>



<p>Er findet die <strong>Jungfrauen </strong>der Zeit — das sind „unsere Töchter&#8220; nicht mehr, die Davids begeistert Lied: <a href="#_ftn13" id="_ftnref13"><sup>[13]</sup></a> <strong>בְּנוֹתֵ֥ינוּ כְזָוִיֹּ֑ת מְ֝חֻטָּב֗וֹת תַּבְנִ֥ית הֵיכָֽל</strong>, „die für das verjüngte Heiligtum der jüdischen Häuslichkeit vollendeten Ecksäulen&#8220; nennt! Ihr Heiligtum, vor allem <strong>ihr</strong> Heiligtum ist ja hin! Ist ja kein Tempel in verjüngtem Maßstab, kein <strong>תַּבְנִ֥ית הֵיכָֽל</strong>, kein verjüngtes Heiligtum das jüdische Haus, die jüdische Häuslichkeit mehr! Keinem heiligen Priestertum blühen unsere Jungfrauen mehr entgegen, es ist das Haus kein Tempel und der Tisch kein Altar mehr. Der Geist der Reinheit ist aus den Ehen, der Geist der Weihe aus den Häusern gewichen, das häusliche Familienleben ist kein priesterlicher Gottesdienst mehr, das Priestertum jüdischer Weiblichkeit ist begraben. Für andere Zwecke entfaltet sich der Geist unserer Jungfrauen, andere Gefühle werden ihrem Herzen nahegelegt, — trivial gähnt sie die gemeine, vom Gottes Geist entseelte Häuslichkeit an, in den Pflichten der Tochter und der Schwester, der Gattin und Mutter findet ihr für „Höheres&#8220; empfängliches Gemüt keine Befriedigung mehr, sie zürnen dem einfältigen Geist der Väter, der sie freilich für das Haus, aber in dem Haus wie heilighoch und priesterlich dahingestellt! Nicht das Gott geweihte Haus, nicht der Gott geheiligte Herd, der Salon und die Gesellschaft ist das Ideal, für welches man die weibliche Bildung vollendet, die Gebote des Tons und der Mode sind das Gesetz, das unsere Töchter verehren lernen und, wenn überall, höchstens in zweiter Linie stellt man ihnen Gottes Gebot. Da blühen sie nun auf, die einstigen Frauen und Mütter unseres Geschlechtes, unbekannt mit dem Geist, der einst eine Jochebed<a href="#_ftn14" id="_ftnref14"><sup>[14]</sup></a> und Mirjam<a href="#_ftn15" id="_ftnref15"><sup>[15]</sup></a>, eine Debora<a href="#_ftn16" id="_ftnref16"><sup>[16]</sup></a> und Channah<a href="#_ftn17" id="_ftnref17"><sup>[17]</sup></a> beseelte, unberührt von jenem Gott und seinem heiligen Dienst auf Erden zugewandten Zuge, der das jüdische Weib von jeher zu der festesten Stütze des göttlichen Heiligtums befähigte, der es beflügelte und begeisterte, in Zeiten des Abfalls und der Gefahr die letzte Rettung unserer geistigen Zukunft zu werden. Und dafür vollgenährt mit jenem Geist des Abfalls und der Irre, der wohl gewusst, welche Burg des göttlichen Reiches er in der Brust des jüdischen Weibes zerstört, und der darum gerade sie sich erkor, sie mit feinen Täuschungen zu umgaukeln, sie mit Verachtung gegen unsere jüdische Vergangenheit zu erfüllen, sie ihre Mütter, ihre großen jüdischen Mütter, die Trägerinnen und Retterinnen unserer jüdischen Vergangenheit als das vom Judentum und im Judentum geknechtete Weib betrachten zu lassen, und sie in eine Ansicht von Welt, Leben und Judentum hinüberzulocken, die sie für alles begeistert, die sie zu allem befähigt, nur nicht ihre heiligen Pflichten als einstige jüdische Gattinnen und Mütter zu erfüllen. Da wandeln sie nun an denselben blumenverdeckten Abgründen hin, wie die Jünglinge der Zeit, gehen mit ihnen unbewusst immer tiefer und tiefer hinab, wo die Täuschung säet und die Träne erntet, und nähren in ihrem Schoß den Keim, der, einst in die Häuser und die Erziehung unserer Zukunft verpflanzt, diese Zukunft selber in immer trostlosere Gottentfremdung begräbt —</p>



<p>Da trifft sie der Schofar-Ruf — es ist derselbe Ruf, der einst ihre Mütter um den Sinai zusammenrief, und ihren Händen <strong>zuerst</strong> das Heiligtum seines Gesetzes anvertraute, der für sein Gesetz <strong>zuerst </strong>das Haus Jakobs<a href="#_ftn18" id="_ftnref18">[18]</a> und dann erst die Gemeinde Israels verlangte, und in diesem Haus vor allem auf das Weib, das <strong>jüdische</strong> Weib gerechnet! Es ist noch derselbe Gott, noch derselbe Hirte unserer Häuser und Familien, dem noch jedes Haus Jakobs gebaut und jedes Kind in Israel geboren und erzogen wer- den soll, es ist noch derselbe Hirte, unter dessen Obhut jede Mutter ihren Säugling stellt, der noch alle unsere Hütten kennt und alle unsere Häupter zählt, ihnen das Manna des Lebens und der Erhaltung zu spenden; es ist noch derselbe Gott, dem alle unsere Geister und Herzen angehören, der auf allen unseren Gedanken und Empfindungen, allen unseren Worten und Handlungen ein Familienleben erbaut wissen will, in welchem vor allem seine Gegenwart beseligend wohnt und sein heiliges Gesetz zur Verwirklichung kommt und der für diese beseligende Weihe unserer Häuser und Familien <strong>noch</strong> vor allem auf das <strong>Weib</strong>, das <strong>jüdische Weib </strong>rechnet. Und tritt er nun mitten unter seine in der Nacht des Wahns und in dem Nebel der Verblendung verirrte Herde, so sucht vor allem sein Hirtenruf die Jungfrauen unseres Volkes, die künftigen Gattinnen und Mütter <strong>seiner</strong> Häuser. „Kommt, kommt, kommt ihr vor allem, ihr zuerst zu mir zurück! Wenn eure Brüder und Väter, wenn eure künftigen Männer mich verleugnen, sie keinen Sinn mehr haben für das, was sie mir schulden und für das, was sie in mir verscherzen, werdet ihr eure und ihre Retterinnen, bewahrt ihr den Sinn für das, was ich für euch und sie getan, für die Allmacht und Gnade, die euch und sie auf Adlersflügeln trug und für die Freude und Seligkeit, die nur mit meinem Bund zu finden sind. Seid mein, wiederum mein, ganz mein und werdet die Retterinnen meines Bundes! O, <strong>ihr</strong> verliert am meisten dabei, wenn ihr die Häuser nicht wieder meiner Weihe zurückbringt. Das Haus wird euer Reich, das Haus euer Paradies, das Haus der Tempel, zu dessen Priesterinnen ich euch bestellt, wenn — ihr <strong>mein</strong> seid, meinen Dienst im Hause verwaltet, meine Weihe im Hause vollbringt, meine Sitte im Hause pflegt, mein Licht im Hause wartet, meinen Geist im Hause wahrt. Das Haus ist <strong>euer</strong> und mit ihm alle Seligkeit und alle Freude, die dieser kleine, enge Raum umschließt, <strong>euer</strong>, wenn ihr das Haus mein sein lasst und ihr die Meinen seid. Dann geht der Geist nicht unter, bleibt wenigstens im jüdischen Kreis lebendig, der auch den Mann das Haus als die erste Bedingung seiner Lebensvollendung und seiner Lebensfreuden begrüßen lässt, der nicht in dem, was er hauslos und außer dem Hause erringt und genießt, sondern in dem, was er im Hause Hand in Hand mit seinem Weib zu einem Gottesheiligtum umwandelt, ihn seinen Lebensberuf und seine Seligkeit auf Erden finden lehrt, der nur zu Mann und Weib zusammen spricht, sei Mensch, seid mein Ebenbild auf Erden, und den haus- und weiblosen Mann als verkümmert betrauert.</p>



<p>Seht, das alles geht euch verloren mit meiner Weihe, die von den Häusern weicht, und mit meinem Geist, dem man euch entfremdet! O, darum kommt, kommt, rettet euch, <strong>reißt euch los</strong> aus dem Wahn, mit dem man eure Sinne gefangen hält, aus den Reizen, mit denen man euch lockt. Die Welt hält nicht Wort in dem, was sie verspricht — die Kränze verblühen — der Glanz erlischt — der Liebreiz schwindet und nur „das gottesfürchtige Weib steht in ewig hell erleuchtendem Glanze da!&#8220;<strong> Darum reißt euch los</strong>, nicht von der Pflege eurer Anmut, nicht von der Bildung eures Geistes, nicht von der Kunstübung eurer Hände, nicht von der Veredlung eurer Empfindungen — aber von den Zwecken und Zielen, für die man euch dies alles erstreben lehrt. Pflegt eure Anmut, bildet euren Geist, übt eure Hände, veredelt eure Empfindungen, aber folget mit diesem allen Mir, legt das alles auf den Weihaltar meines Wohlgefallens, windet aus diesem allem den Kranz meiner Verherrlichung, rüstet, vollendet euch mit diesem allem zu „Säulen meines Heiligtums&#8220;, einst diese Anmut, diese Bildung, diese Kunst, diesen Adel der Empfindung an der Hand eines gleich euch mir zugewandten Gatten in dem Heiligtum des Hauses und der Familie, als Gattin und Mutter zum Aufbau eines stillhäuslichen Paradieses zu verwerten, in welchem noch heute „meine Stimme wandelt&#8220; und die verlorenen Seelen und Herzen der Menschen „sucht&#8220; — — — —</p>



<p>Und nun die <strong>Männer</strong> und <strong>Frauen</strong>, die nicht mehr der Vorbereitung, die bereits der Erfüllung des heiligen Gotteswillens auf Erden leben sollen, die bereits auf dem zwiespältigen, schwankenden Boden der Zeitrichtung ihre Häuser gebaut, Güter erworben, Genüsse erstreben, Kinder erziehen, Familien bilden und mit Gütern und Genüssen, mit Kinder- und Familienleben den Willen des allmächtigen Gottes zur Verwirklichung bringen, und das heilig große Ziel der ganzen Menschenschöpfung, die Erhebung und Dahingebung alles Irdischen an Gott, zur Wahrheit machen sollten — wie weit, weit ab von diesem großen, heiligen Ziel findet Er sie, und wie um alle jene Freudseligkeit gebracht und betrogen, die ihnen aus der Verwirklichung dieses Zieles schon auf Erden blühen sollte!</p>



<p><strong>תַּבְנִ֥ית הֵיכָֽל</strong> , Nachbild des Gottesheiligtums, ein verjüngter Tempel sollte ein jedes jüdisches Haus sein! Der <strong>תּוֹרָה</strong> , der Gotteslehre, dem Gottesgesetz, sein Allerheiligstes erbaut, von <strong>ihrer</strong> Rechten das Licht, von <strong>ihrer</strong> Linken das Brot gereicht, von ihr alles Licht und Leben, von ihr alle Nahrung und alle Genüsse gereicht und ihr wiederum alles Licht und Leben, alle Nahrung und alle Genüsse geweiht, in dieser Weihe das ganze Leben zum göttlichen Wohlgefallen vollendet aufsteigend und dafür Gottes Cherubim niedersteigend, das Paradies des häuslichen Lebens umschließend und deckend, Gottes Schutz und Segen unsichtbar die vier Wände des Hauses umgebend, freundlich aus den Höhen auf das zu seinem Wohlgefallen vollendete Menschenstreben hernieder lächelnd! Dies das Ideal:</p>



<p class="has-text-align-right"><strong>— כְּרוּבִים נִסְתָּרִים אֲחוֹרֵי הַקְּרָשִׁים וּגְלוּיָה בְּגַג הַמִּשְׁכָּן מִלְּמַעְלָה<a href="#_ftn19" id="_ftnref19"><sup><strong><sup>[19]</sup></strong></sup></a> , מִזְבַּח קְטֹורֶת<a href="#_ftn20" id="_ftnref20"><sup><strong><sup>[20]</sup></strong></sup></a>, שֻׁולְחָן<a href="#_ftn21" id="_ftnref21"><sup><strong><sup>[21]</sup></strong></sup></a>, מְנוֹרָה<a href="#_ftn22" id="_ftnref22"><sup><strong><sup>[22]</sup></strong></sup></a> , תּוֹרָה<a href="#_ftn23" id="_ftnref23"><sup><strong><sup>[23]</sup></strong></sup></a> — הִנֵּה־זֶ֤ה עוֹמֵד֙ אַחַ֣ר כׇּתְלֵ֔נוּ מַשְׁגִּ֙יחַ֙ מִן־הַֽחַלֹּנ֔וֹת מֵצִ֖יץ מִן־הַחֲרַכִּֽים!!<a href="#_ftn24" id="_ftnref24"><sup><strong><sup>[24]</sup></strong></sup></a></strong></p>



<p>Und diesem Ideal der Altar des häuslichen Strebens und Wirkens gebaut, Tag für Tag an seiner Verwirklichung gearbeitet, Tag für Tag das Altarfeuer des göttlichen Gesetzes gepflegt, ihm jeder Pulsschlag des Herzens zugewandt, ihm alle Sinne und alle Fülle hingegeben, ihm alle inneren und äußeren Tätigkeiten rein erhalten und das ganze Menschen-Wesen mit allem Leben und Streben also ganz der Nahrung des göttlichen Feuers auf Erden zum göttlichen Wohlgefallen in der Höhe hingegeben, dass auch das Brot der Nahrung, das Mark der Gesundheit und der Wein der Freude in diese göttliche Weihe mit aufgenommen wird.</p>



<p class="has-text-align-right"><strong>רְחִיצַת קֶרֶב וּכְרָעִים, רֹאשׁ וּפָדֶר, זְרִיקַת דָּם, אֵשׁ תָּמִיד, מִזְבֵּחַ הָעוֹלָה, מִנְחַת סֹלֶת וְשֶׁמֶן וְיַיִן לְנֶסֶךְ , הַקְּטֹרֶת הַכֹּל אִשֶּׁה רֵיחַ נִיחוֹחַ לה׳!</strong> <a href="#_ftn25" id="_ftnref25"><sup>[25]</sup></a><strong></strong></p>



<p>Dies das jüdische Haus, dies das jüdische häusliche Leben! Und nun für diese gottesdienstliche Verklärung des ganzen irdischen Daseins durch das häusliche Leben Mann und Weib priesterlich berufen, ihnen <a href="#_ftn26" id="_ftnref26"><sup>[26]</sup></a> <strong>כִּיּוֹר לְקִדּוּשׁ יָדַיִם וְרַגְלַיִם</strong> , ihnen die Reinheit des „Handelns und Wandelns&#8220; als unerlässliche <strong>Vorbedingung</strong> für die priesterliche Vollendung des häuslichen Lebens gestellt, nicht aber in die „Redlichkeit und Ehrlichkeit des Erwerbs&#8220; fast die ganze Summe der Lebenspflichten aufgeben lassend —</p>



<p>So erwartet unser Hirte die Männer und Frauen seiner Herde — und wie findet er sie? Welche Stelle nimmt seine <strong>תּוֹרָה</strong> in ihrem Haus ein? Ist das Allerheiligste ihr angewiesen, also angewiesen, dass das ganze Haus nur ihr erbaut, nur ihrer Verwirklichung Stätte zu sein erscheint? Ach, mit irgendeinem Winkel muss sie sich begnügen, wenn ihr überall noch Einlass gewährt wird, irgendeinem Winkel, einem Feiertags- oder Trauertagswinkel, wo sie das tägliche Leben nicht stört, im täglichen Verkehr nicht auffällt und — der Gesellschaft von heute keinen Anstoß gibt! Sie ist nicht mehr Beherrscherin des Hauses, Licht und Leben, Genuss und Freude stammt nicht mehr von ihr, führt nicht mehr zu ihr; ihr wird nicht der Tisch mehr gedeckt, ihr nicht mehr die Kinder geboren und erzogen, ihr nicht mehr alle Sinne und Kräfte, alle Güter und Bestrebungen zugewendet. Als ein — leider noch — unvermeidliches Zubehör, meist noch aus Rücksicht für irgendein älteres Glied des Hauses, aus Schonung für irgendeinen Alten, irgendeine Alte der Familie wird sie geduldet; aber sie sieht es den Mienen der Jüngeren an, ihr Stündlein sei ihr bestimmt und wie man den letzten Alten einsargt, muss auch sie ihr letztes Plätzchen räumen. Oder sie hat sich zu einem Konkordat<a href="#_ftn27" id="_ftnref27"><sup>[27]</sup></a>, zu einem Abfinden bequemen müssen, hat ihre eigene Absetzung, ihre eigene Vernichtung, die Verzichtleistung auf ihre heiligsten Anforderungen unterzeichnen müssen — nein! nein! Das hat sie nicht getan! — konnivierende<a href="#_ftn28" id="_ftnref28"><sup>[28]</sup></a>, weltkluge Abbés<a href="#_ftn29" id="_ftnref29"><sup>[29]</sup></a> haben in ihrem Namen unterzeichnet, haben in ihrem Namen Verzicht geleistet, haben in ihrem Namen Schweigen gelobt, Schweigen zu den schreiendsten Verletzungen ihrer Gebote, zu den empörendsten Höhnungen ihrer Diktate, haben ihre Priester- und Propheten-Mummerei missbraucht, in ihren Namen aufzutreten, in ihrem Namen zu erklären, sie sei gar die grämliche Alte nicht mehr, sie habe sich mit den Jüngeren verjüngt, halte mit jedermann Schritt, sei so bescheiden und demütig, so artig und anständig, so weltklug und fein geworden — man solle sie nur zulassen! — Niemanden zu stören, niemandem lästig zu fallen und zu allem und jedem ihr lächelndes Ja zu sagen. Und die Thora, das welterobernde Sinai-Wort, hat zürnend seine Stätte verlassen, und statt seiner geht ein zierlich feines Thora-Sprüchlein von Mund zu Mund und segnet die Kinder und lullt sie in Schlaf und sagt Amen und Ja zu Leichtsinn und Sünde —</p>



<p>Ist aber die Thora himmelwärts geflohen, so steigen auch Gottes Cherubim nicht erdwärts nieder, sind die Paradieseswächter des häuslichen Lebens nicht mehr, hat den Paradieseshauch das Leben verloren. Keuchend an dem selbstgedrehten Seil des künstlichen Lebensberufs zieht der Mann und das Weib und werden des Lebens nicht froh und haben keine Ahnung von der Heiterkeit und dem Seelenfrieden und der Seelenfreude mehr, die dem jüdischen Mann und dem jüdischen Weib <strong>bei</strong> jedem Schritt <strong>aus</strong> jeden Schritt durchs irdische Dasein aufsprießen sollten, und die die jüdischen Männer und jüdischen Frauen unter den drückendsten äußeren Verhältnissen, in den ärmlichsten häuslichen Lagen zu gewinnen verstanden. Mizwa, Mizwa, Mizwa, das ist das Zauberwort, das die Erde zum Paradiese umwandelt, das den Dornen- und Distel-Fluch überwindet, jeden Atemzug zum Gewinn, und jeden Schweißtropfen zum Segen gestaltet. Mizwa, Mizwa, Mizwa der Wunderstab, der dem dürrsten Fels den lebendigsten Quell entlockt, der uns überall unsere Ernten halten lässt, in jeden Augenblick die heiterste Seligkeit legt, nicht erst aufs „dann&#8220;, nicht erst aufs „einst&#8220;, nicht erst aufs „Jenseits&#8220; vertröstet, sondern hier, ins „Heute&#8220;, ins „Jetzt&#8220;, in den verschwindendsten Augenblick des flüchtigsten Daseins den Tau der ewigen Seligkeit träufelt. <strong>רָצָה הַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא לְזַכּוֹת אֶת יִשְׂרָאֵל, לְפִיכָךְ הִרְבָּה לָהֶם תּוֹרָה וּמִצְוֹת</strong>&nbsp; <a href="#_ftn30" id="_ftnref30"><sup>[30]</sup></a> , beglücken wollte Gott sein Volk, als er ihm die Fülle der Lehren und Mizwot gab, als er <a href="#_ftn31" id="_ftnref31"><sup>[31]</sup></a> <strong>תּוֹרָה וּמִצְוֹת</strong> in das ganze irdische Dasein flocht, nichts gleichgültig, nichts ungeweiht, nichts seinem Geist und seinem Wohlgefallen entfremdet ließ, <a href="#_ftn32" id="_ftnref32"><sup>[32]</sup></a> <strong>א֭וֹר זָרֻ֣עַ לַצַּדִּ֑יק</strong>, damit hat er seinen Treuen Licht auf alle Wege, in alle Lebensfugen gesät und jeden Schritt und jede Handlung zu einem Paradiesbeet gefügt, aus dem die Freude sprießen soll, <a href="#_ftn33" id="_ftnref33"><sup>[33]</sup></a> <strong>וּֽלְיִשְׁרֵי־לֵ֥ב שִׂמְחָֽה</strong> —</p>



<p>Und eben <strong>dieses</strong> Zauberwort haben sie verlernt, <strong>diesen</strong> Wunderstab verworfen, haben <strong>תּוֹרָה וּמִצְוֹת</strong> , die das Glück und die Freude in jeden Augenblick des Daseins zu pflanzen wissen, als die Störerinnen der Freude, als die Verderberinnen des Glücks aus dem Leben verwiesen, haben ihre Lampe erlöschen und ihren Tisch verwaisen lassen, haben ihre Altäre umgestürzt und ihr Feuer nicht angezündet, weihen ihnen nicht mehr jeden Pulsschlag des Herzens und jede Regung und jede Bewegung des inneren und äußeren Lebens, haben von dem ganzen großen Bau des Heiligtums kaum mehr, als das &nbsp;<strong>&#8220; כִּיּוֹר &#8222;</strong> , das Läuterungsbecken für Hand und Fuß, die Redlichkeit des Handelns und Wandelns — im Gottesheiligtum nur eine Vorhofbedingung <strong>zum</strong> Heiligtum! — und von allen Mizwot, die, zahlreich wie die Tage des Jahres und wie die Glieder des Menschen, die ganze Zeit und den ganzen Menschen beseligend umspannen, kaum mehr als die eine „Zedaka&#8220;, als die zum menschenfreundlichen Mitleid herabgesunkene Mildtätigkeit gerettet — ja, sind so weit gekommen, dass, während den Juden das Leben und die Freude mit Gott verbindet, sie fast nur noch vom Tod und der Trauer zu Gott geführt werden — und da wollen wir uns wundern, dass das Leben arm geworden ist an der Zuversicht, die nur Gott und der Freude, die nur Mizwot bereiten, wollen uns wundern, dass Dorn und Distel der Sorge und der Trauer, des Überdrusses und Unmuts die Auen des Lebens überwuchern und das arme Geschlecht nur mit künstlichen Blumen der Täuschung und des augenblicklichen Wahns die Blöße seiner wirklichen Armut zu decken sich bemüht? An dem selbstgedrehten Seil des selbstgeschaffenen Berufs keucht der Mann und das Weib, und kommen aus der Arbeit nicht heraus, und aus der Sorge nicht heraus, und finden den Augenblick nicht mehr, wo sie einander und ihren Kindern angehören, weil sie den Augenblick nicht finden, wo sie Gott angehören. Sie haben den Zweck ihres Lebens und damit sich selber verloren. Sie haben den Zweck ihres Lebens und damit die Bedeutung ihres Lebens und die Freude am Leben eingebüßt. Sie arbeiten und wissen nicht wozu, sie sorgen und wissen nicht wofür Arbeit und Sorge ist ihnen ja nicht Mizwa mehr, und tragen nicht mehr in sich selber die süße Seligkeit des Gottesbewusstseins. Sich selber und dem Hause entfliehen sie, wenn ihnen eine Minute lächeln soll, und es soll ihnen die Welt gewähren, was ihnen das Haus und die Familie versagt — —</p>



<p>O, wenn sie ihre Armut fühlten, und den seligen, unverlierbaren Reichtum ahnten, den ein treues Leben im göttlichen Gesetz gewährt, wie würden sie der Stimme ihres Hirten zujauchzen, der sie mit seinem Ruf: <strong>„Kommt! Reißt euch los! und folget!&#8220;</strong> aufsucht. Sie wandelt ja umher, die Stimme ihres Hirten, und will das Verlorene suchen und das Verirrte zurückbringen, das Gebrochene verbinden, das Kranke stärken — wer ist so krank wie unser Geschlecht, wer so gebrochen wie unsere Zeit! Wer ist so verwirrt wie unsere Klugen, wer so verloren wie unsere — Glücklichen! Sie sind krank und wissen es nicht, sind gebrochen und dünken sich stark. Sie irren umher und rühmen ihre Weisheit, sie sind verloren — und wähnen sich am Vorabend des Heils! — „Kommt! Reißt euch los und folgt!&#8220; Ist&#8217;s euer Hirte nicht vom Sinai her, der euch einst mit seiner Stimme zusammenrief, dem ihr mit eurem <strong>נַעֲשֶׂה וְנִשְׁמַע </strong>&#8220; , wir wollen erfüllen und horchen!“<a href="#_ftn34" id="_ftnref34"><sup>[34]</sup></a> den Welteneid der Treue und des Gehorsams gelobt? Kommt! Reißt euch los und folgt, und erntet das Glück und das Heil, die Seligkeit und Freude, die ihr vergebens auf andern Wegen sucht — — — —</p>



<p>Ist aber so der Schofar-Ruf an Jahres-Wende ein Aufruf zur Umkehr und Aufkehr und treuer Wiederhingebung an die Leitung ihres Lebenshirten, an alle, die sich dieser Leitung längst entzogen, geht dieser Ruf den Fernsten nach, sucht er sie alle aus an den tiefsten Abgründen gottvergessenen Lebens — mit welcher doppelten Mahnung, mit welchem doppelten Ernst trifft er die, die noch nicht ganz ihn verleugnet, die noch die <strong>Seinen</strong> sind, die den ganzen Inhalt seiner Forderung kennen, und unter seiner Leitung und Führung diesen Inhalt verwirklichen möchten! Mit welcher doppelten Mahnung und doppeltem Ernst in einer Zeit, wo mit doppeltem Gewicht jede Treue, mit dreifachem jede Verirrung, jede Halbheit, jedes Schwanken des Treuen in die Waagschale der jüdischen Zukunft fällt, wo der Ernst der Treuen den Abfall zu sühnen, dem Abfall das Gegengewicht zu halten hat und wo mehr noch als der Abfall der Gefallenen ein jeder Leichtsinn der noch Treugebliebenen die heilige Gottessache verrät. Welch ernste Mahnung an jeden, innezuhalten und sich zu prüfen, wo er und sein Haus, wo er mit den seinen stehe!</p>



<p>Wo ist der Jüngling und die Jungfrau, wo ist der Mann und das Weib in Israel, die je, wo sind sie, die vor allem heute sprechen könnten, mich trifft die Theruah nicht, mir gilt die Thekiah nur, die mich aufmuntert fortzufahren auf dem Weg, den ich bis jetzt gegangen, weiter zu folgen der Stimme, wie ich ihr bis jetzt gefolgt! Wo ist der, der sich keines Augenblicks seines Lebens zu schämen, sich keiner Schwäche, keiner Verirrung, keiner Leidenschaftlichkeit anzuklagen hätte, wo ist der, den kein Reiz, kein Vorteil, keine Rücksicht aus der angewiesenen Gottesbahn gerissen, der sich in keiner Beziehung von Gott missfälligen Banden der Verhältnisse, der Gewohnheit, der Leidenschaft und der Sinnlichkeit gefesselt fühlte und den nicht die Theruah aufzurütteln hätte, sich aus dem Gott Missfälligen los zu reißen und fortan treuer seine Treue zu bewähren? Wo ist der, zu dem Gott sprechen könnte:<strong> &#8222;עַבְדִּי־אָ֑תָּה יִשְׂרָאֵ֕ל אֲשֶׁר־בְּךָ֖ אֶתְפָּאָֽר </strong>&nbsp;, Du bist mein Diener, bist ein Jude, dessen ich mich rühmen kann!&#8220;<a href="#_ftn35" id="_ftnref35"><sup>[35]</sup></a></p>



<p>Aber vor allem, wo ist der Ernst, die Entschiedenheit, die Stärke und der Mut, die frohe Zuversicht und die Hingebung, die eine Zeit wie die unsrige von jedem zu fordern hat, der noch sich Jude nennt und Gottes Diener sein will, ja, wo ist die Einsicht, die auch nur begriffe, welchen Ernst und Mut, welche Entschiedenheit und zuversichtliche Hingebung diese Zeit von uns allen fordert, die begriffe, wie wir alle heute zum <strong>קִדּוּשׁ הַשֵּׁם</strong> berufen, alle berufen sind mit unserem Leben einzustehen für Gottes heilige Sache, <strong>יוצאי צְבָא בְּיִשְׂרָאֵל</strong> uns um Gottes Heiligtum in Israel zu scharen, es mit unserem ganzen Leben zu verteidigen und es siegreich für die Überlieferung an das kommende Geschlecht zu retten. O, die Halbheit, die Unentschiedenheit, der Kleinmut schlägt uns alle nieder! Der Abfall hat uns geschreckt und uns die Zuversicht in Gott und seine Heilige Sache geraubt. Wir wähnen das Heiligtum von seinen Feinden erobert, wähnen den Tempel in Flammen und auf den Zinnen des vermeintlich brennenden Daches reichen wir, wie die verzweifelnden Priester, Gott die Schlüssel hin und haben den Mut nicht mehr, sie dem kommenden Geschlecht zu überantworten. Die Zukunft geben wir preis und meinen genug getan zu haben die Gegenwart, oder vielmehr uns in der Gegenwart zu retten. Ganze Juden, ganz Jude zu sein, sein ganzes Dasein und Leben in den Namen Jude aufgehen und seine ganze Zukunft von dem Namen Jude und seiner Aufgabe tragen zu lassen, wagen wenige. Halbheit, Unentschiedenheit überall. Das Haus gehört dem Gesetz, das Geschäft der Sünde. Zu Hause führt man ein jüdisches, auf Reisen ein unjüdisches Leben. Die Söhne werden für das Gesetz, die Töchter für den Abfall unterrichtet und erzogen. Väter und Mütter, die die Kraft nicht hatten die Gesetzestreue in die Brust ihrer Kinder zu pflanzen und sich nun in Gram über den Gottes Gesetz entfremdeten Sinn und Wandel ihrer Söhne und Töchter verzehren, haben nicht einmal den Mut, auch nur ihren Gram — laut werden zu lassen! Väter und Mütter haben ihre Söhne und Töchter „fromm&#8220; erzogen, bis — das Leben mit einem Opfer, den Beweis für den Ernst dieser Erziehung forderte! „Fromme&#8220; Väter und Mütter übergeben ihre Söhne einem „Beruf&#8220;, einem Geschäft, in welchem Gottes Gesetz für Null zählt, „fromme&#8220; Väter und Mütter geben ihre Töchter Schwiegersöhnen, die alles, nur nicht den religiösen Sinn und den religiösen Wandel für das künftige Heil ihres Kindes bieten. Halbheit, Unentschiedenheit überall! — Aber es wird so schwer, inmitten aller der schwankenden Gegensätze ein ganzer Jude zu bleiben, inmitten aller der herüber und hinüber ziehenden Verhältnisse Geschäft und Haus jüdisch zu erhalten, vor allem so schwer, inmitten aller der dem gesetzestreuen Judentum feindlichen Einflüsse des Beispiels, der Verwandtschaft, des Umgangs, die Jugend für jüdischen Geist und jüdisches Leben zu erziehen und dann endlich so schwer, sie auf jüdischer Bahn&nbsp; einem Beruf und einer häuslichen Selbstständigkeit zuzuführen. Freilich wird es schwer, aber eben das Schwere wartet auf uns, das Leichte macht sich von selbst und nur im Schweren bewährt sich die Treue und der Ernst. Leicht war es nie, Jude zu sein und seine Kinder dem Judentum zu erhalten. Unsere Väter hatten ganz andere Opfer zu bringen, in ganz anderen Versuchungen ihre Standhaftigkeit zu erproben. Uns hat Gott diese Prüfungen beschieden und wartet auf unseren Ernst. O, dass der Schofar-Ruf uns alle erfasste und uns zu der ganzen Entschiedenheit wachrüttelte, dass wir Gott, dem wir noch halbangehören, fortan ganz anzugehören wagten, uns los rissen von allen, unsere Gesetzestreue erschütternden Einflüssen, los von allen Verhältnissen, Rücksichten, Bedenken und Berechnungen, die uns in die jenseitige Richtung verlocken, und wir uns einmal entschlössen, ganze Juden zu sein! Siehe es ruft uns die Thekiah zu Gott, es mahnt uns Theruah zum Aufbruch, und es ermuntert uns die Thekiah, <strong>Gott</strong> zu folgen mit all unserer Habe, mit Weib und Kind, mit Geschäft und Haus, Gott zu folgen, dahin zu ziehen, wo die Bundeslade seines Gesetzes voranzieht, sein Heiligtum mitwandelt und seine Wolken- und Feuersäule Schutz und Segen am Tag und Licht und Leben in den dunkelsten Nächten unseres Daseins verheißt. Nur dort, dort, dort wohnt unser Heil, dort unser Segen, dort unsere Zukunft allein — — —</p>



<p>Und unser <strong>Gemeindeleben</strong>, wo ist es hingekommen, wo haben wir es hinkommen lassen während der Tage des „Gewölkes und des Nebels&#8220;, während der Jahre der Verirrung und Schwankung? Während die Häuser schwankten und die einzelnen sich besannen, haben fast überall Feinde des göttlichen Gesetzes, Gegner des jüdischen Heiligtums sich des Heftes der Leitung bemächtigt, haben Regierungen, die bis dahin die Judenheit wohl, nicht aber das Judentum knechteten, die Obervormundschaft des jüdischen Gottesheiligtums überliefert, sich aus ihren Händen die Bevormundung Gottes und seiner Gemeinde übertragen lassen und leiten nun das Heiligtum und die Gemeinde nicht dahin, wo die Gesetzesbundeslade zieht und wohin die Wolken- und die Feuersäule weisen. In großen Kaiserreichen wie in kleinen Landgemeinden sieht sich schon der gesetzestreue Jude in seinen heiligsten Angelegenheiten geknechtet, von den eigenen Brüdern geknechtet, kann nicht seinem Gott nach seinem Gewissen dienen, kann nicht seine Kinder nach seinem Gewissen erziehen, <strong>muss</strong> sie jerobeamischen<a href="#_ftn36" id="_ftnref36"><sup>[36]</sup></a> Geistlichen in die Hände geben, <strong>muss</strong> sie jerobeamischen Abfall beschwören lassen, <strong>darf</strong> sich keine gesetzestreuen Anstalten gründen, <strong>muss</strong> gesetzhöhnende Anstalten mit erhalten — solcher Zwang wird schon geübt, jahrelang geübt, teilweise offen angestrebt, und als ob das alles so sein müsse, als ob dieselbe Gefahr nicht überall drohte, kümmert uns das alles nicht, lassen wir uns dies alles gefallen, schütteln höchstens den Kopf, wenn wir davon hören, aber haben den Mut nicht aufzustehen, im Namen Gottes die Bevormundung abzuschütteln, im Namen Gottes unser Heiligtum zurückzufordern, im Namen Gottes uns und unseren Kindern die Gewissensfreiheit aus den Händen der uns knechtenden, vom göttlichen Gesetz abgefallenen Brüder wieder zu erkämpfen, haben den Mut nicht — aber o, dass der Schofarruf den Mut uns gäbe, uns aus unserer schlaftrunkenen Gleichgültigkeit aufrüttelte, die Gesetzestreuen überall zu Gottes-Gemeinden zusammen scharte! Es ist ja nicht nur der Einzelne, den er ruft, <a href="#_ftn37" id="_ftnref37"><sup>[37]</sup></a> <strong>וְתָקְע֖וּ בָּהֵ֑ן וְנֽוֹעֲד֤וּ אֵלֶ֙יךָ֙ כׇּל־הָ֣עֵדָ֔ה</strong> : Thekiah ruft die Gesamt-Gemeinde; <a href="#_ftn38" id="_ftnref38"><sup>[38]</sup></a> <strong>תְּרוּעָ֑ה וְנָֽסְעוּ֙ הַֽמַּחֲנ֔וֹת</strong> : Theruah weckt die Gemeinden zum Aufbruch; <a href="#_ftn39" id="_ftnref39"><sup>[39]</sup></a> <strong>תְּרוּעָ֥ה יִתְקְע֖וּ לְמַסְעֵיהֶֽם</strong> : und es werden die Gemeinden durch die schließende Thekiah geladen, der Bundeslade des Gesetzes und der das Gottesheiligtum schützenden Wolken- und Feuersäule in begeisterten Zügen zu folgen —</p>



<p class="has-text-align-center"><strong>אַשְׁרֵ֣י הָ֭עָם יֹדְעֵ֣י תְרוּעָ֑ה יְ֝הֹוָ֗ה בְּֽאוֹר־פָּנֶ֥יךָ יְהַלֵּכֽוּן׃<a href="#_ftn40" id="_ftnref40"><sup><strong><sup>[40]</sup></strong></sup></a></strong></p>



<p class="has-text-align-center">Heil allen, die den Theruah-Ruf verstehen</p>



<p class="has-text-align-center">Und, Gott, im Lichte Deines Antlitzes wandeln!</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Numeri 10:3</p>



<p><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Numeri 10:5</p>



<p><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Numeri 10:6</p>



<p><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> Jesaja 56:11</p>



<p><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> Siehe Fußnote 4</p>



<p><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Exodus 24:5</p>



<p><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> in einem Wutanfall</p>



<p><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> zu lösende Aufgabe</p>



<p><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> Numeri 10:3; “so wird die ganze Gemeinde zu dir hin beschieden“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> Versammelt euch bei mir</p>



<p><a href="#_ftnref11" id="_ftn11">[11]</a> Siehe Fußnote 2</p>



<p><a href="#_ftnref12" id="_ftn12">[12]</a> Numeri 10:6; „Terua bläst man zu ihren Aufbrüchen“(Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref13" id="_ftn13">[13]</a> Psalm 144:12; “unsere Töchter wie geschnitzte Ecksäulen nach der Bauart eines Tempels“ (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>



<p><a href="#_ftnref14" id="_ftn14">[14]</a> Mutter Mosches</p>



<p><a href="#_ftnref15" id="_ftn15">[15]</a> Mosches Schwester</p>



<p><a href="#_ftnref16" id="_ftn16">[16]</a> Richterin</p>



<p><a href="#_ftnref17" id="_ftn17">[17]</a> Mutter des Propheten Samuel</p>



<p><a href="#_ftnref18" id="_ftn18">[18]</a> Ein Synonym für die „Jüdischen Frauen“</p>



<p><a href="#_ftnref19" id="_ftn19">[19]</a> ????????</p>



<p><a href="#_ftnref20" id="_ftn20">[20]</a> Räucheraltar</p>



<p><a href="#_ftnref21" id="_ftn21">[21]</a> Schaubrottisch</p>



<p><a href="#_ftnref22" id="_ftn22">[22]</a> Leuchter</p>



<p><a href="#_ftnref23" id="_ftn23">[23]</a> Thora</p>



<p><a href="#_ftnref24" id="_ftn24">[24]</a> Hohelied 2:9; „Da steht er hinter unserer Wand, schauend durch die Fenster, lugend durch die Gitter.“ (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>



<p><a href="#_ftnref25" id="_ftn25">[25]</a> Rituale, die im Zusammenhang mit den Opferungen im Tempel stehen</p>



<p><a href="#_ftnref26" id="_ftn26">[26]</a> Rituelles Gefäß zum Reinigen der Hände und Füße</p>



<p><a href="#_ftnref27" id="_ftn27">[27]</a> Staats-Kirchenvertrag</p>



<p><a href="#_ftnref28" id="_ftn28">[28]</a> dulden, Nachsicht üben</p>



<p><a href="#_ftnref29" id="_ftn29">[29]</a> Pfarrer, Pastor, Abt</p>



<p><a href="#_ftnref30" id="_ftn30">[30]</a> Pirke Avot 1:19</p>



<p><a href="#_ftnref31" id="_ftn31">[31]</a> Thora und Gebote</p>



<p><a href="#_ftnref32" id="_ftn32">[32]</a> Psalm 97:11; „Ein Licht wird den Gerechten gesät“</p>



<p><a href="#_ftnref33" id="_ftn33">[33]</a> Ebenda: „und die redlichen Herzens sind, Freude.“ (das sind die einleitenden Worte zum Kol Nidre)</p>



<p><a href="#_ftnref34" id="_ftn34">[34]</a> Exodus 24:7</p>



<p><a href="#_ftnref35" id="_ftn35">[35]</a> Jesaja 49:3</p>



<p><a href="#_ftnref36" id="_ftn36">[36]</a> Jerobeam war der erste König des Nordreiches Israel und führte den Götzendienst in seinem Reich ein.</p>



<p><a href="#_ftnref37" id="_ftn37">[37]</a> Numeri 10:3</p>



<p><a href="#_ftnref38" id="_ftn38">[38]</a> Numeri 10:5</p>



<p><a href="#_ftnref39" id="_ftn39">[39]</a> Numeri 10:6</p>



<p><a href="#_ftnref40" id="_ftn40"></a>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/tischri-5785-2/">Tischri 5786</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://hirschinitiative.de/tischri-5785-2/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Elul 5785</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/elul-5785/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Aug 2025 10:07:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Monatsblatt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hirschinitiative.de/?p=5231</guid>

					<description><![CDATA[<p>Am Sonntag (der mindestens 1 Woche) &#160;vor Rosch Haschana nach aschkenasischem Brauch, mit dem 1. Elul nach sefardischen Brauch, werden die Selichot-Gebete, Gebete um Verzeihung der begangenen Verfehlungen gegenüber den Geboten Gottes, vor dem Morgengottesdienst gesagt. Sie werden täglich außer am Schabbat und zu Rosch Haschana, bis Erew Jom Kippur rezitiert. Die einzelnen Gebetsabschnitte werden [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/elul-5785/">Elul 5785</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-small-font-size">Am Sonntag (der mindestens 1 Woche) &nbsp;vor Rosch Haschana nach aschkenasischem Brauch, mit dem 1. Elul nach sefardischen Brauch, werden die Selichot-Gebete, Gebete um Verzeihung der begangenen Verfehlungen gegenüber den Geboten Gottes, vor dem Morgengottesdienst gesagt. Sie werden täglich außer am Schabbat und zu Rosch Haschana, bis Erew Jom Kippur rezitiert. Die einzelnen Gebetsabschnitte werden durch eine Art „Refrain“ voneinander getrennt. Dieser „Refrain“ beginnt mit den Worten <a href="#_ftn1" id="_ftnref1"><sup>[1]</sup></a> <strong>א&#8216; מֶֽלֶךְ יוֹשֵׁב עַל כִּסֵּא רַחֲמִים</strong>. Im weiteren Verlauf dieses „Refrains“ wird die Bibelstelle Exodus 34:6-7 gebetet: „Es zog <em>Gott</em> seinem Angesicht<a href="#_ftn2" id="_ftnref2">[2]</a> vorüber und verkündete: <em>Gott</em> bleibt immer <em>Gott</em>, kraftübend, sein Werk liebend und gewährungsbereit; lange geduldend und liebereich und wahrheitsreich; pflegend Liebe für die Tausendsten, hinweghebend Krümme und Empörung und Leichtsinn; und erlässt doch nichts, denkt Elternkrümme an Kindern und Kindeskindern, an drittem und viertem Geschlecht.“ (Übersetzung Rabbiner Hirsch s“l).</p>



<p class="has-small-font-size">Diese Worte sprach Moses zu Gott, als er darum bat, Er möge dem Volk den „Tanz um das goldene Kalb“ verzeihen.</p>



<p class="has-small-font-size">Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter:</p>



<p class="has-text-align-center has-small-font-size"><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2946158">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2946158</a></p>



<p class="has-text-align-center has-large-font-size"><strong>Die Selichoth.</strong></p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size"><strong>א&#8216; מֶֽלֶךְ יוֹשֵׁב עַל כִּסֵּא רַחֲמִים<a href="#_ftn3" id="_ftnref3"><sup><strong><sup>[3]</sup></strong></sup></a></strong></p>



<p>Zwei neue, völlig unbeschriebene Tafeln in der Hand, bestieg Moses am frühen Morgen den Sinai, wie Gott ihn geheißen, und harrte.</p>



<p>Es war dies am 1. Elul, 40 Tage nachdem er das goldene Kalb, um das sich sein Volk im Abfall von dem einen Einzigen geschart hatte, verbrannt, 40 Tage vor dem zehnten Tischri, dem großen Tag der Wiederkehr des göttlichen Gesetzes, jenes Unterpfandes der göttlichen Gnade, der damit zu Israels <a href="#_ftn4" id="_ftnref4"><sup>[4]</sup></a><strong>יוֹם הַכִּפּוּרִים</strong> geweiht werden sollte für alle Zeit.</p>



<p><em>Der jetzt folgende Absatz schwer verständlich, deshalb habe ich ihn mit KI überarbeitet!!</em></p>



<p class="has-small-font-size">Führe das Volk seiner Bestimmung zu, hatte in dieser Zeit der mit den zerbrochenen Gesetzestafeln verscherzten Gnade Gott zu ihm gesprochen; hatte ihm aber nicht enthüllt „wen er mit ihm senden würde&#8220;, dieses große Werk zu vollbringen. Das Band war ja zerrissen, durch die Schuld des Volkes zerrissen, das dieses Volk unmittelbar mit dem einen Einzigen verbunden, der es auf Adlersflügeln seiner Allmacht hineintragen wollte in das Land der Verheißung; war zerrissen und noch nicht wieder geknüpft. Sollte das fernere Geschick dieses Volkes nach den Ergebnissen der die Natur und die Schwächeren überwältigenden Menschenklugheit und Tapferkeit der Menschen, wie die Geschicke der übrigen Völker, sich vollziehen? Israel war kein Kriegervolk, Moses war kein Feldherr — und die Zukunft dieses Volkes war ja völlig gleichgültig, die mit seiner ganzen Vergangenheit angebahnte Bestimmung völlig aufgegeben, wenn diese Zukunft nur den Konstellationen äußerer Einflüsse und Zustände überantwortet sein sollte; diese ganze Bestimmung: Priester und Gottes Herold in der Mitte der Menschheit zu sein, rein dadurch bedingt, dass es auch seinem Geschicke nach als das „Gottes-Volk&#8220; dastehe, und in jeder Fuge seiner Geschichte nicht Natur-Gewalt und Menschen-Macht, sondern Gottes Finger offenbar würde — und <strong>Moses</strong> sollte dieses Volk weiter führen, ohne, dass Gott „mit ihnen wandelte&#8220;?!</p>



<p>Hier die „Übersetzung“ mit KI:</p>



<p><strong>„Führe das Volk seiner Bestimmung zu“ – dieser Auftrag stand im Raum. Doch in jener Zeit, als die Gnade Gottes durch die zerbrochenen Gesetzestafeln aufs Spiel gesetzt war, hatte Gott zwar zu Mose gesprochen – aber nicht offenbart, <em>wen</em> er mit ihm senden würde, um dieses große Werk zu vollbringen.</strong></p>



<p>Das enge Band zwischen Gott und dem Volk war zerrissen – durch die Schuld des Volkes selbst. Es war dieses Band, das sie direkt mit dem Einen verband, der sie auf Adlersflügeln, getragen von seiner Allmacht, in das verheißene Land führen wollte. Nun aber war dieses Band zerstört – und noch nicht wiederhergestellt.</p>



<p>Sollte das Schicksal Israels sich jetzt etwa einfach so entwickeln wie das aller anderen Völker? Nur abhängig von menschlicher Klugheit, militärischer Stärke und äußeren Umständen? Israel war doch kein Kriegervolk. Und Mose war kein Heerführer.</p>



<p>Wenn die Zukunft dieses Volkes allein dem Lauf der Geschichte überlassen wäre, dann wäre seine ganze göttliche Berufung – die sich durch seine gesamte Vergangenheit zog – bedeutungslos geworden. Diese Berufung, Gottes Priester und Bote inmitten der Menschheit zu sein, war ja nur dann erfüllt, wenn auch das Schicksal des Volkes klar erkennen ließ, dass es das „Volk Gottes“ war. Dass in jeder Phase seiner Geschichte nicht menschliche Macht oder Naturgesetze den Ausschlag gaben – sondern der Finger Gottes sichtbar wurde.</p>



<p>Und Mose sollte dieses Volk führen, obwohl Gott nicht mehr „mit ihnen gehen“ wollte?</p>



<p>Ab hier wieder das Original:</p>



<p>Was war denn Moses ohne diesen mit ihm und seinem Volk wandelnden Gott? Sende durch einen zu deiner Sendung Befähigten — <a href="#_ftn5" id="_ftnref5"><sup>[5]</sup></a> <strong>שְׁלַח נָא בְּיַד תִּשְׁלָח</strong> — hatte der Größte und Bescheidenste ja gesprochen, selbst <strong>nachdem</strong> bereits durch das: <a href="#_ftn6" id="_ftnref6"><sup>[6]</sup></a><strong> </strong>&nbsp;<strong>כִּי אֶהְיֶה עִמְּךָ</strong> der unmittelbare Beistand des Allerhöchsten mit seiner alles überwältigenden und umgestaltenden Schöpfer-Macht zugesagt war — und er sollte jetzt <strong>ohne</strong> diesen unmittelbaren Beistand diesen Auftrag vollbringen?</p>



<p>Und <strong>Moses</strong> hatte doch die göttliche Gnade noch nicht verscherzt, und jene endliche Bestimmung seines Volkes für jenes große Menschheitsziel war doch noch nicht aufgegeben — der erneute Auftrag selber: <a href="#_ftn7" id="_ftnref7"><sup>[7]</sup></a> <strong>הַעַל אֶת הָעָם הַזֶּה</strong> war ihm ja Bürge für beides — — er konnte somit in tiefster Wahrheit beten:<strong> </strong><a href="#_ftn8" id="_ftnref8"><sup>[8]</sup></a><strong> וְעַתָּה אִם נָא מָצָאתִי חֵן בְּעֵינֶיךָ הוֹדִעֵנִי נָא אֶת דְּרָכֶךָ וְאֵדָעֲךָ לְמַעַן אֶמְצָא חֵן בְּעֵינֶיךָ ־ וּרְאֵה כִּי עַמְּךָ הַגּוֹי הַזֶּה</strong>, lasse mich doch deine „Wege&#8220;, dein Walten und Wandeln mit den Menschen erkennen, so dass ich dich „kennen&#8220; und auch ferner „Gnade in deinen Augen zu finden&#8220; vermöge, d.h., dass ich deines „vertrauten Umgangs&#8220; und der „Erwählung und Ausrüstung für deinen Dienst&#8220; würdig bleiben möge, damit ich somit die Anforderungen zu lösen wisse, die <strong>deinen</strong> ferneren „Wandel mit uns&#8220; bedingen.</p>



<p>Und Gott hatte ihm die Erfüllung seiner Bitte verheißen, er sollte schauen, was nur dem sterblichen Auge zu schauen vergönnt ist, und es wollte Gott selber „vor ihm aussprechen, was die Menschen von dem Wesen und den Wegen Gottes zu erkennen und auszusprechen vermögen&#8220; — <a href="#_ftn9" id="_ftnref9"><sup>[9]</sup></a><strong> </strong>&nbsp;<strong>וְקָרָאתִי בְשֵׁם ה׳ לְפָנֶיךָ</strong> (Vgl. <strong>קרא בשם ה&#8216;</strong> überall, im Einklang damit auch jenes<a href="#_ftn10" id="_ftnref10">[10]</a>: <strong>מְלַמֵּד שֶׁנִּתְעַטֵּף הַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא כִּשְׁלִיחַ צִבּוּר וכו&#8216;</strong>) „Haue dir zwei Steintafeln wie die früheren damit ich auf die Tafeln wieder die Worte schreibe welche auf den Tafeln gewesen, die du zerbrochen. Und sei bereit zum Morgen, und steige am Morgen den Berg Sinai hinan, und warte mein dort stehend auf dem Gipfel des Berges.&#8220;<a href="#_ftn11" id="_ftnref11"><sup>[11]</sup></a></p>



<p>Und früh am Morgen, die zwei neuen Tafeln in der Hand, bestieg Moses den Sinai und harrte dort aus —</p>



<p>Da stieg Gott nieder in der Wolke und stellte sich neben ihn dort und verkündete den Namen Gottes, <strong>&nbsp;<a href="#_ftn12" id="_ftnref12"><sup><strong><sup>[12]</sup></strong></sup></a></strong> <strong>עַל פָּנָיו</strong> <strong>וְיַעֲבֹר ה&#8216;</strong> und rief:</p>



<p><strong>&nbsp;ה&#8216; :<a href="#_ftn13" id="_ftnref13"><sup><strong><sup>[13]</sup></strong></sup></a>&#8222;ה&#8216; ה&#8216;!&#8220;</strong>ist immer <strong>ה׳</strong>! Wie auch der Mensch in seinen Gesinnungen und Handlungen wechsle und wandle und darum auch das, was Gott ihm sendet, wechselt und wandelt, und wie der Mensch die ganze Skala durchmacht von sittlicher Vollendung und Verworfenheit Gott ihn die ganze Skala durchmachen lässt von Entzücken der Seligkeit bis zur Verzweiflung, <strong>&nbsp;ה&#8216; ה&#8216;</strong>Gott bleibt ewig derselbe, ist nicht nur, <a href="#_ftn14" id="_ftnref14"><sup>[14]</sup></a> <strong>אֶהְיֶה אֲשֶׁר אֶהְיֶה</strong>, seinem innersten Sein nach, wie seine erste Offenbarung an Moses lautete, der unveränderlich ewig <strong>Seiende</strong>, sondern <strong>ה&#8216; ה&#8216;</strong>, dem Menschen zugewandt der zur neuen <strong>Daseins-Spende</strong> ewig bereite, immer da, die neueste, frischeste, unverkürzte Zukunft zu <strong>gewähren, „der ewig Dasein spendende&#8220;</strong> (Vgl. die Form <strong>ולי יהושיע</strong>), selbst mit dem herbsten Leid, mit der trübsten Grabeslegung nur die Wiedergeburt verjüngter Auferstehung bereitend;</p>



<p><strong>,<a href="#_ftn15" id="_ftnref15"><sup><strong><sup>[15]</sup></strong></sup></a>א&#8216;</strong> der Urborn aller Kräfte und aller Kraft, der Hebel aller Bewegung und alles Strebens, selbst mit allmächtigster Energie seinen Zielen zuschreitend, alles unwiderstehlich in diese Bewegung zu seinem Ziele hinan und fortführend und allem für diese Bewegung Kraft und Bewegung und Spielraum für Bewegung und Kraft erteilend;</p>



<p><strong>רַחוּם<a href="#_ftn16" id="_ftnref16"><sup><strong><sup>[16]</sup></strong></sup></a></strong> (von <strong>רחם</strong> ), mit „Vaterliebe&#8220; jedes von ihm Geschaffene umfassend, diese, die Liebe des Vaters zum Kind, die Liebe des Meisters zum Werk, die Liebe des Erzeugers zum Gezeugten, die Liebe des Schöpfers zum Geschöpf, <strong>jedem</strong>, als das <strong>unverlierbarste</strong> Angebinde mit dem Moment seines Werdens für die ganze Zeit seines Seins zusichernd;</p>



<p><a href="#_ftn17" id="_ftnref17"><strong><sup><strong><sup>[17]</sup></strong></sup></strong></a><strong>חָנוּן</strong>, diese Liebe selbst da gewährend, wo der erteilte Anspruch darauf längst verscherzt;</p>



<p><strong>אֶרֶךְ אַפַּיִם</strong> <a href="#_ftn18" id="_ftnref18"><sup>[18]</sup></a>, selbst wo diese Liebe zürnen muss, lange wartend mit diesem Zorn, dem Sterblichen Zeit zur Besinnung und Umkehr schenkend;</p>



<p><a href="#_ftn19" id="_ftnref19"><strong><sup><strong><sup>[19]</sup></strong></sup></strong></a><strong>וְרַב חֶסֶד וֶאֱמֶת</strong>, und reich an Liebe und Treue, in unendlicher Fülle von Liebe und Treue, nicht knickernd mit seiner Liebe und keinen unerschwinglichen Preis auf seine Liebe setzend, immer ent-gegenkommend mit der Liebe, immer sich entscheidend für die Liebe, immer bereit zu überschütten mit Liebesfülle, in unwandelbarer Wahrheit sich ewig in derselben Liebe zu bewähren und sein Geschöpf mit unwandelbarer Treue auf allen Gestalten seines Seins und allen Stufen seines Werdens zu begleiten —</p>



<p>Das sind einzelne Laute aus dem tiefen Liebesborn des göttlichen <strong>Wesens</strong>!</p>



<p>Und seine <strong>Wege</strong>?</p>



<p>Nicht in der beschränkten, wurzel- und fruchtlosen Erscheinung des gegenwärtigen Momentes, als Kind einer Vergangenheit, als Vater einer Zukunft stehen Taten und Menschen in jedem gegenwärtigen Augenblick vor ihm und empfangen, durch die Vergangenheit getragen und bedingt, die Zukunft bedingend und tragend, in jedem Augenblick <strong>die</strong> Spende gegenwärtigen Seins, die <strong>jeden</strong> Augenblick ergänzende und sühnende Vollendung der Vergangenheit und sühne- und ergänzungsbedürftige Wurzel der Zukunft sein lässt und jedes Einzelne in dem großen Zusammenhang der Zeiten erfasst. Keine Generation steht durch sich allein und für sich allein. Als Kinder ihrer Eltern und zugleich als Eltern ihrer Kinder stehen die Menschen und Völker vor Gott. Er fordert von den Kindern Vollendung oder Sühne des Wirkens der Väter, er lohnt oder straft die Väter im Wohl oder Weh bei Kinder — der Väter Taten, eigenes Leben und das von den Kindern zu Erwartende, das sind die Momente, die seinen „Weg&#8220; mit dem Menschen bestimmen, wie er diese seine Wege verkündet, <strong>:<em>פוקד, נושא, נוצר</em></strong> <strong><em>נֹצֵר</em></strong><strong> חֶֽסֶד לָאֲלָפִים <em>נֹשֵׂא</em> עָו‍ֹן וָפֶֽשַׁע וְחַטָּאָה וְנַקֵּה <em>פּוֹקֵד</em> עֲוֹן אָבוֹת עַל בָּנִים וְעַל בְּנֵי בָנִים עַל שִׁלֵּשִׁים וְעַל רִבֵּעִים.<a href="#_ftn20" id="_ftnref20"><strong>[20]</strong></a> </strong>, er <strong>bewahrt</strong> die Liebeshingebung der Väter als Heilsknospe für tausend Geschlechter, er <strong>erträgt</strong>, übernimmt, hebt hinweg Sünde, Verbrechen und Leichtsinn, und wo er nicht ganz frei sprechen kann, <strong>überträgt</strong> er noch die Sünde der Väter auf Kinder und auf Kindeskinder, auf dritte und auf vierte Ge- schlechter —.</p>



<p><a href="#_ftn21" id="_ftnref21"><strong><sup><strong><sup>[21]</sup></strong></sup></strong></a><strong>וַיְמַהֵר מֹשֶׁה</strong>, da warf sich Moses eilig zur Erde und sprach: Wenn ich denn, mein Gott, Gnade in deinen Augen gefunden, o, so wandle doch Gott mitten unter uns; ist es denn ein hartnäckiges Volk, so wirst du unsere Sünde und unseren Leichtsinn verzeihen bis wir dir ganz als Erbe zufallen! <strong>וְסָלַחְתָּ לַעֲוֹנֵנוּ וּלְחַטָּאתֵנוּ וּנְחַלְתָּנוּ!<a href="#_ftn22" id="_ftnref22"><sup><strong><sup>[22]</sup></strong></sup></a></strong> <strong>&nbsp;</strong><strong>וסלחת) </strong>vgl. <strong>צלח, שלח</strong> , den Fortgang gestatten, den Weg zur Besserung, zur Sühne, zum Heile durch die Sünde nicht gehemmt sein lassen, die Sünde der Zukunft zur Sühne überantworten?)</p>



<p>Und so oft seitdem die Elul-Tage wiederkehren geht ein Zug der Sühnebedürftigkeit durch die jüdischen Gemüter und wie Moses einst in der Frühe fühlen sie sich hinangezogen zur Horeb-Höhe<a href="#_ftn23" id="_ftnref23">[23]</a>, die durch Leichtsinn und Schwäche, durch Sünde und Abfall zerbrochenen Gesetzestafeln wieder zu erneuern, für die erneuten Gesetztafeln ihres Herzens sich das alte unverbrüchliche Gesetz ihres Gottes aufs Neue, zu künftig besserer Erfüllung zu erbitten, und so im Morgenrot auf Sinai´s Höhen der Gnade ihres Gottes zu harren.</p>



<p>Und sie harren nicht umsonst.</p>



<p>Es zieht Gott wieder an ihnen vorüber und verkündet sich noch immer <strong>ה&#8216;, ה&#8216;</strong> , bietet neues Dasein und neues Leben, neue Kraft und neues Heil allen morsch und schwach, siech und krank an Leib, Gemüt und Geist gewordenen, ist noch immer bereit die erdrückende Bürde der Sünde, des Abfalls und des Leichtsinns uns abzunehmen und uns, getragen von <a href="#_ftn24" id="_ftnref24"><sup>[24]</sup></a> <strong>זְכוּת אָבוֹת</strong> , aus dem sich uns öffnenden Weg der <a href="#_ftn25" id="_ftnref25"><sup>[25]</sup></a> <strong>תְּשׁוּבָה</strong> und <strong>כַּפָּרָה</strong> wieder eine Gegenwart gewinnen zu lassen, reich an gegenwärtigen Segensblüten und noch reicher an Hoffnungssaaten für eine Zukunft des Heiles und Gedeihens.</p>



<p class="has-text-align-center">Und sind auch</p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size"><strong>אַנְשֵׁי אֱמוּנָה אָבָדוּ<a href="#_ftn26" id="_ftnref26"><sup><strong><sup>[26]</sup></strong></sup></a></strong></p>



<p>Sind auch die Männer der Treue dahin,<strong><br></strong>Die kraft ihrer Taten hintreten konnten,<strong><br></strong>Mit Heldenmacht in dem Bruch der Zeiten standen,<br>Jegliches Verhängnis mildernd abzuwenden;<br>Die uns Mauer und Schutz in trüben Tagen waren,<br>Zorn mit ihrem Gebete und Unwillen mit ihrem Flehen abwandten;<br>Die Gott erhörte ehe sie riefen,<br>Die es verstanden flehend göttliches Wohlwollen zu erringen,<br>Denen Gott väterlich Erbarmen gewährt,<br>Und sie nie ganz leer zurückwies;<br>Haben wir sie in unseren Sünden verloren,<br>Sind sie uns in unserem Leichtsinn geschwunden,<br>Sind heimgegangen zur Ruhe<br>Und haben uns dem Seufzer gelassen;<br>Sind sie hin, die Bruch-Umzäuner,<br>Hin die Zornes-Sühner,<br>Und haben wir keinen, der für uns in die Breche tritt,<br>Keinen, fähig fürbittend Heil zu gewinnen,<br>Und durchstreifen wir die vier Enden der Erde<br>Und finden keine Heilung —<br>So wenden wir uns schamvoll zu <strong>Dir</strong>,<br><strong>Dich</strong>, Gott, zu suchen in allen unseren Nöten —</p>



<p class="has-text-align-center"><strong>שַׁבְנוּ אֵלֶיךָ בְּבֹשֶׁת פָּנִינוּ<br><a href="#_ftn27" id="_ftnref27"><sup><strong><sup>[27]</sup></strong></sup></a> לְשַׁחֲרֵךְ ה׳ בְּעֵת צָרוֹתֵינוּ</strong></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Der Allmächtige König, sitzt auf dem Thron der Barmherzigkeit</p>



<p><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Dem Angesicht von Moses</p>



<p><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> s. Vorbemerkung</p>



<p><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> Jom Kippur</p>



<p><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> Exodus 4:13; „Schicke doch durch den, den du doch wirst schicken müssen.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Exodus 3:12; „Weil ich mit dir sein werde!“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> Exodus 33:12; „führe dieses Volk weiter!“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> Exodus 33:13; „Und nun, wenn ich denn in deinen Augen Gewährungswürdigkeit erreicht habe, lasse mich doch die Einheit in der Mannigfaltigkeit deiner Wege erkennen, so daß ich dich erkenne, damit ich ferner Gewährungswürdigkeit in deinen Augen erreiche; und siehe ferner, daß ja doch dein Volk diese Nation ist.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> Exodus 33:19; „werde Gott mit Namen vor dir verkünden“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> Rosch Haschana 17b</p>



<p><a href="#_ftnref11" id="_ftn11">[11]</a> Exodus 34:1-2</p>



<p><a href="#_ftnref12" id="_ftn12">[12]</a> Exodus 34:5; „Es zog Gott seinem Angesicht vorüber und verkündete:“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref13" id="_ftn13">[13]</a> Gott, o Gott; s. hierzu auch die Einleitung</p>



<p><a href="#_ftnref14" id="_ftn14">[14]</a> Exodus 3:14; „Da sprach Gott zu Mose: Ich werde sein, der Ich bin.“ (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>



<p><a href="#_ftnref15" id="_ftn15">[15]</a> Gott in der Kurzform von אלוקים</p>



<p><a href="#_ftnref16" id="_ftn16">[16]</a> Der Barmherzige</p>



<p><a href="#_ftnref17" id="_ftn17">[17]</a> Der Gnadenreiche</p>



<p><a href="#_ftnref18" id="_ftn18">[18]</a> Der Langmütige</p>



<p><a href="#_ftnref19" id="_ftn19">[19]</a> Der in Wahrheit Liebende</p>



<p><a href="#_ftnref20" id="_ftn20">[20]</a> Exodus 34:7</p>



<p><a href="#_ftnref21" id="_ftn21">[21]</a> Exodus 34:8</p>



<p><a href="#_ftnref22" id="_ftn22">[22]</a> Exodus 34:9</p>



<p><a href="#_ftnref23" id="_ftn23">[23]</a> Berg Sinai</p>



<p><a href="#_ftnref24" id="_ftn24">[24]</a> den Verdienst der Väter (Abraham, Isaak und Jaakov )</p>



<p><a href="#_ftnref25" id="_ftn25">[25]</a> Rückbesinnung und Sühne</p>



<p><a href="#_ftnref26" id="_ftn26">[26]</a> Männer der Treue sind dahin; dieses Gebet ist die erste Slicha für den ersten Tag nach deutschem Ritus</p>



<p><a href="#_ftnref27" id="_ftn27">[27]</a> Wir sind mit beschämtem Gesicht zu dir zurückgekehrt, oh Herr, in der Zeit unserer Not. — das sind die letzten beiden Zeilen des Gebetes</p>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/elul-5785/">Elul 5785</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Aw 5785</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/aw-5785/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Jul 2025 09:15:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Monatsblatt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hirschinitiative.de/?p=5211</guid>

					<description><![CDATA[<p>Am 9. Aw beweinen wir die zweimalige Zerstörung des Tempels und den Verlust des von Gott uns zugewiesenen Landes. Wie konnte das passieren? Dieser Frage geht Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l in dieser Betrachtung nach. Diesen Artikel habe ich dem Monatsblatt „Jeschurun“ 4. Jahrgang, Heft 11, aus dem Jahre 1858 entnommen. Der Text wurde dem [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/aw-5785/">Aw 5785</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-small-font-size">Am 9. Aw beweinen wir die zweimalige Zerstörung des Tempels und den Verlust des von Gott uns zugewiesenen Landes. Wie konnte das passieren? Dieser Frage geht Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l in dieser Betrachtung nach.</p>



<p class="has-small-font-size">Diesen Artikel habe ich dem Monatsblatt „Jeschurun“ 4. Jahrgang, Heft 11, aus dem Jahre 1858 entnommen.</p>



<p class="has-small-font-size">Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter:</p>



<p class="has-text-align-center has-small-font-size"><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pagetext/2942614">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pagetext/2942614</a></p>



<p class="has-text-align-center has-large-font-size"> <strong>וְנוֹשַׁנְתֶּם</strong> &#8220; <a href="#_ftn1" id="_ftnref1"><sup>[1]</sup></a>&#8222;</p>



<p>Wenn sich am 9. Aw Israels Gemeinden in ihren &nbsp;„kleinen Heiligtümern&#8220; sammeln um sich gemeinschaftlich vor Gott mit dem Gedächtnis Jeruschalaim-Zions, mit der Trauer um ihren Fall und mit der Erinnerung an das ganze tragische Galuth-Geschick zu erfüllen, das seitdem den Blättern der jüdischen Geschichte Stoff und Inhalt bildet, dann nehmen sie das Buch des Bundes<a href="#_ftn2" id="_ftnref2"><sup>[2]</sup></a> und lesen sich daraus die Worte vor, in welchen bereits neunhundert Jahre vor der ersten, und fast vierzehnhundert Jahre vor der zweiten, endlichen Katastrophe der ganze Gang ihres künftigen Geschickes im Voraus verkündet worden. Und in der Tat, wenn etwas geeignet ist, uns immer aufs Neue der Göttlichkeit bewusst werden zu lassen, die unseren heiligen Urkunden als Siegel der Wahrhaftigkeit aufgedrückt ist; wenn etwas geeignet ist, uns mit tiefbegründeter Verachtung zu erfüllen gegen alles, was eine blasphemierende „Theologie&#8220; von dem Nichtvorhandensein einer wirklichen und wahrhaftigen Prophetie in dem ganzen schlichten Verstand, in welchem dieser Begriff eine der wesentlichsten Grundlagen des ganzen Judentums bildet, zu faseln sich erlaubt: so ist es ein Blick auf diese Verkündigungen, in welchem Jahrtausend zuvor uns das ganze Geschick unserer Zerstreuung gezeichnet war, ehe wir noch den ersten Fuß auf den Boden unserer Selbstständigkeit gesetzt, und die selbst die kühnste kritische Taschenspielerkunst nicht so tief hinab zu versetzen vermag, dass sie nicht selbst nach ihren, soi disant<a href="#_ftn3" id="_ftnref3"><sup>[3]</sup></a> wissenschaftlichen, Halluzinationen lange zuvor dem israelitischen Volk in Händen gegeben war, ehe noch der römische Riese aus seinen historischen Kindheitswindeln sich zu wickeln begonnen, der später unter seinen gigantischen Erobererschritten unseren Staat zu Boden trat und die captiva Judaea<a href="#_ftn4" id="_ftnref4"><sup>[4]</sup></a> in die Zerstreuung führte.<a href="#_ftn5" id="_ftnref5"><sup>[5]</sup></a> Nichts ist zugleich so geeignet einen jeden Juden mit tiefer, anbetender Hingebung gegen die höhere Hand zu erfüllen, die sein historisches Geschick inmitten der Völker leitet, die ihm von vornherein Rechenschaft gegeben hat von den Schicksalen, die sie über ihn verhängen, von der Erniedrigung und zugleich von der wundervollen Erhaltung inmitten dieser Erniedrigung bis zu den herrlichen Zeiten <a href="#_ftn6" id="_ftnref6"><sup>[6]</sup></a> <strong>בְּאַחֲרִית הַיָּמִים</strong> hin, die sie ihn finden lassen werde, und deren Waltung er mit diesem Buch in der Hand noch heute verehren lernt in jeder Scholle, die ein germanischer Gassenbube zum Steinwurf auf den Juden erhebt, und in jedem Wort der Wahrheit und des Rechts, mit welchem ein germanischer Mann für das Menschenrecht und die Menschenwürde des Juden in die Schranken tritt. Nichts endlich ist so geeignet uns mit dem Bewusstsein unserer eigenen Aufgabe zu erfüllen und uns zu sagen, wie es nie und nimmer geschehen werde, dass wir in die Masse der Völker uns verlierend aufgehen werden, dass nie und nimmer die Hand die uns zerstreute ein solches Aufgehen als Ziel unserer Zerstreuung gesetzt, dass vielmehr Rückkehr zu Gott und zu treuem Gehorsam gegen seinen uns geoffenbarten Willen das einzige Ziel sei, das wir erreichen sollen, und, wäre es auch erst spät, <strong>בְּאַחֲרִית הַיָּמִים</strong> , erreichen werden.</p>



<p>Sollten wir uns diese Worte nicht noch einmal hier vergegenwärtigen, die wir am Trauertage Jeruschalaim-Zions aus dem Buch des Bundes gelesen?</p>



<p>„Wenn du Kind und Kindeskinder zeugen wirst und ihr werdet alt werden im Lande, dann werdet ihr entarten und Götterbilder machen jeglicher Gestalt und werdet was in den Augen deines Gottes böse ist üben, ihn zu erzürnen. Ich aber habe euch dann heute Himmel und Erde zu Zeugen bestellt, dass ihr rasch von dem Lande verloren gehen werdet, das in Besitz zu nehmen ihr jetzt den Jordan überschreitet. Nicht lange werdet ihr darin bleiben, sondern vernichtet werdet ihr werden. Und es zerstreut euch Gott unter die Nationen, so dass ihr in geringer Anzahl unter den Völkern bleibet, wohin Gott euch führt. Dort werdet ihr Göttern untertan, menschlicher Hände Werk, Holz und Stein, die nicht sehen und nicht hören, nicht essen und nicht riechen. Von dort werdet ihr <strong>ה&#8216;</strong> deinen Gott suchen und du wirst ihn finden, denn du wirst ihn suchen mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele. In deiner Bedrängnis, wenn dich alle diese Worte getroffen haben werden, am Ende der Tage, wirst du zu <strong>ה&#8216;</strong> deinem Gotte zurückkehren und seiner Stimme gehorchen. Denn <strong>ה&#8216;</strong> dein Gott ist ein erbarmungsvoller Gott, er lässt dich nicht fahren und vernichtet dich nicht und vergisst den Bund deiner Väter nicht, den er ihnen geschworen.&#8220;<a href="#_ftn7" id="_ftnref7"><sup>[7]</sup></a></p>



<p>Wir möchten aber aus diesem Geleitbrief unseres Volkes heute einmal einen Gedanken zur näheren Erwägung hervorheben, in welchem uns die Verirrungen alle, die uns den zeitlichen Untergang brachten, in ihrer Wurzel zusammengefasst scheinen, und der somit Wahrheiten enthalten dürfte, deren Erkenntnis und Anerkenntnis jederzeit zum Heil gereichen könnten.</p>



<p>Dieser Gedanke ist uns in dem Worte <strong>&#8220; וְנוֹשַׁנְתֶּם &#8222;</strong> „ihr werdet <strong>alt</strong> werden&#8220;, gegeben, ein Wort, das schon von alters her als Chronogramm zur Bezeichnung des Zeitraums von 852 Jahren diente, den Gottes Barmherzigkeit, um das Verderbnis nicht zum vollen Maße erwachsen zu lassen, Israels erstes Staatenleben nicht voll im Lande erreichen ließ, (von Josua bis zur Zerstörung des ersten Tempels verliefen nur 850 Jahre). Uns scheint aber dieses Wort nicht nur dieses äußere Zeitmaß unseres Untergangs, es scheint uns die innere Ursache desselben zu enthalten, scheint uns die Klippe anzudeuten, an welcher Israels Staatsglück gescheitert, und die sicherlich ein jedes andere Beginnen auf Erden zu fürchten haben muss, wenn sie selbst stark genug gewesen, ein so sichtlich von Gottes Gnade geschirmtes und getragenes Werk, wie Israels Glück, zu zertrümmern.</p>



<p><strong>וְנוֹשַׁנְתֶּם</strong>! <strong>Ihr wer</strong><strong>de</strong><strong>t alt werden im Lande! </strong>Je älter man in einem Verhältnis wird, je mehr man sich von dessen Anfang entfernt, <strong>umso mehr vergisst</strong> man dessen Ursprung, umso mehr treten immer die Verhältnisse aus denen man in dies Verhältnis übergegangen, und das Andenken derer in den Hintergrund, denen man diesen Übergang verdankt. Je älter man in einem Verhältnis wird, umso mehr vergisst man seines Anfangs und Ursprungs, und diese Vergessenheit tut keinem Verhältnis gut, Israel kann sie am wenigsten ertragen. Es gibt wohl kaum ein Verhältnis, das nicht eben aus seiner Vergangenheit besondere Pflichten, besondere Aufgaben trüge. Es gibt wohl kaum ein Verhältnis, für welches nicht eben aus seiner Vergangenheit das Geheimnis seiner Gegenwart, die Bedingungen seiner Dauer, die Hoffnungen und Befürchtungen für seine Zukunft zu schöpfen wären; kaum ein Verhältnis, dessen Untergang nicht nahe wäre, so man seines Anfanges und Ursprungs vergisst. Israel aber ist verloren, Israels Untergang ist schon vollzogen, sobald ihm sein Anfang und Ursprung aus dem Bewusstsein tritt; denn eben in diesem Anfang und Ursprung liegt der Grund für seinen ganz besonderen geschichtlichen Gang in der Mitte der Völker, und seine ganz besondere Mission im Kreis der Menschheit. Sobald Israel die Knechtschaft vergisst, aus welcher es zur Freiheit, das Elend, aus welchem es zur Fülle gelangt, sobald es den vergisst, der es aus Knechtschaft und Elend zur Freiheit und Fülle geführt, so wird ihm seine eigene Existenz in der Gegenwart zum Rätsel, so hat es den Schlüssel zur Erkenntnis des eigenen Wesens verloren: es kennt den Boden nicht mehr, auf welchem seine Existenz und sein Glück beruht — und seine Existenz und sein Glück gehen in Trümmer auf. Es scheint ihm seine Sonne, es reift ihm sein Korn, es blühen ihm seine Äcker, es fühlt seine Kraft, sein Ansehen, seine Macht, es sieht sich Volk inmitten der Völker, gleich ihnen wähnt es die Bedingungen seiner Blüte und seiner Macht in der eigenen Kraft und der eigenen Macht und in der eigenen Klugheit zu finden, die „alles Sichtbare um sich zu Göttern seines Gedeihens und seines Heiles&#8220; gestaltet und es vergisst, dass es nur von den Adlersflügeln der Allmacht des unsichtbaren Einen getragen sei, dass, so dieser es verlässt, es in die Tiefe seiner eigenen Ohnmacht hinabstürzt, in welcher alle Wogen der Zeitgewalten über es zusammenschlagen, und aus welcher keine „Klugheit, und keine Politik und kein Scharfsinn&#8220; es zu retten vermag. Wehe ihm, wenn es Kind und Kindeskinder zeugt und <strong>alt</strong> wird in seinem Lande!</p>



<p><strong>וְנוֹשַׁנְתֶּם</strong>!&nbsp; <strong>Ihr werdet alt werden im Lande!</strong> Je älter man wird in einem Verhältnis, je mehr tritt die Möglichkeit eines Wechsels in den Hintergrund; man vergisst, dass es einmal anders gewesen, man vergisst noch mehr, dass es je einmal wieder anders werden könne. Man fühlt sich so mit den Verhältnissen und diese Verhältnisse so mit sich verwachsen, dass man immer sorgloser sich den Plänen der Zukunft überlässt, ohne zu denken, dass vielleicht schon der nächste Augenblick nicht mehr unser sein mag. Sind erst in einem Verhältnis „Großvater und Sohn und Enkel&#8220; ergraut, dann meint man immer mehr und mehr das Verhältnis trage sich von selbst und es bedürfe immer weniger Anstrengung und Hingebung zur Erhaltung eines Zustandes, je länger bereits derselbe gedauert. Man vergisst, — <strong>und das ist die gefährlichste Vergessenheit</strong>, das ist die Vergessenheit, die unter tausend in neunhundert neunundneunzig Fällen das glänzendste Glück von Menschen und Familien und Völkern begräbt — <strong>dass kein Verhältnis zu seiner Erhaltung der Mittel entbehren kann, die zu seiner Gründung notwendig waren</strong>, dass vor allem kein Volk sich auf der Höhe seines Glückes ohne die Bedingungen erhalten kann, die es zu dieser Höhe geführt und dass noch jede Nation in das Grab der Vernichtung geschritten, die sich von den Tugenden entfernt, deren sie zu ihrem Aufblühen bedurft. Und Israel? „Gehe, gehe und rufe es Jeruschalajim ins Ohr&#8220;, sprach Gott zum Jirmijahu, „Ich gedenke dir die Hingebung deiner Jugend, die Liebe deiner bräutlichen Zeit, wie du nur nachwandeltest durch die Wüste, durch ungesätes Land.“<a href="#_ftn8" id="_ftnref8"><sup>[8]</sup></a> Gott angehöriges Heiligtum sollte so Israel bleiben, bleiben der Erstling seiner Weltenernte, wer sich daran vergriffe, verschuldete sich, Unglück bräche über ihn ein!— Wenn aber diese Hingebung mit der Jugend, die Liebe mit dem Brautstand endet, Israel nur so lange Gott nachwandelt als seine Umgebung es noch als Wüste anstarrt, es nur so lange Gott nachwandelt als seine Umgebung es zurückstößt, es nur so lange Gott nachwandelt als seine Umgebung ihm alles versagt, es nur so lange Gott nachwandelt als es von Gott und nur von Gott alles zu <strong>erwarten</strong> hat; — aber ins Land der Freiheit und der Selbstständigkeit, des Besitzes und des Überflusses gelangt, es immer weniger Gottes zu bedürfen vermeint, je mehr ihm seine Gegenwart bietet; es vergisst, dass es nur durch dieselbe Hingebung und Liebe, durch dasselbe treue Nachwandeln sich das Glück zu <strong>erhalten</strong> vermag, durch welche es sich desselben würdig gemacht: so wird es zu aller Zeit sich immer mehr und mehr von Gott entfernen, statt Gott dem Nichtigen nachwandeln — und der Nichtigkeit verfallen, wie die Nichtigkeiten, die seine Ziele, seine Götter geworden — Wehe uns, wenn wir Kinder und Kindeskinder zeugen und <strong>alt </strong>werden im Land der Freiheit und des Wohlstandes!</p>



<p><strong>וְנוֹשַׁנְתֶּם</strong> ! <strong>Ihr werdet alt werden im Lande!</strong> <strong>! יָשָׁן</strong>, nicht ; <strong>&nbsp;&#8211; זָקֵן זֶה שֶׁקָּנָה חָכְמָה<a href="#_ftn9" id="_ftnref9"><sup><strong><sup>[9]</sup></strong></sup></a> &#8211; זָקֵן ! זָקֵן</strong> ist das geistig Gereifte, ist das was durch die Länge der Zeit nur gewonnen. <strong>יָשָׁן</strong> aber ist das, was durch die Länge der Zeit an Frische und Kraft, an Lebendigkeit und Schärfe eingebüßt, ist das, was — „schlafen gegangen&#8220;, wie das Wort in so tief inniger Sprachverwandtschaft bedeutet, und das ist das am meisten zu fürchtende mit jeglichem unserem „Altwerden&#8220; im Lande.</p>



<p>Wie viel versprechen wir uns nicht oft von einem Kind in seiner Bildung, von einem Mann in seinem Beruf, und sehen wir das Kind als Jüngling, den Mann nach Jahren bei seinem Werk, wie oft sehen wir uns da bitter in unserer Erwartungen getäuscht! Wie viel versprechen sich nicht der Jüngling, der Mann sich selbst von sich selber bei dem Antritt ihres Lebenslaufs und ihres Berufs, und welch ein bitteres Gefühl der Täuschung erfüllt nach Jahren ihre Brust, wenn sie vergleichen was sie geworden und geleistet, mit dem, was zu werden und zu leisten sie gehofft! Mit welchen begeisternden Hoffnungen werden Werke begonnen, Ehen geschlossen, Anstalten gebaut, Vereine gegründet, Gesellschaften, Gemeinden, Völkerverbindungen gestiftet, und wie oft bewährt sich da der alte Spruch in umgekehrtem Verhältnis: mit Jubel und Festlichkeitsprogrammen hat man die Saat der Hoffnung gestreut, schamrot und seufzend schleicht man nach Jahren mit der kärglichen Ernte nach Hause. Und warum? Weil man es nicht verstanden die Lust und Begeisterung frisch und wach zu halten, mit denen der Anfang begonnen, weil die Lust und die Begeisterung nicht die rechte und die wahre gewesen, die der Sache und nur der Sache und ihrem innersten Wesen galt und darum dauert und wächst, solange die Sache und ihre Wesenheit dauert, und mit den Jahren an immer größerer, innigerer Bedeutung zunimmt, sondern ihren Ursprung nur dem Reiz der Neuheit und der hervorspringenden Beziehung verdankte, die der Anfang des Werkes für unsere Persönlichkeit gehabt, und daher schwindet wie jener Reiz abnimmt und die Beziehung unserer Persönlichkeit sich in der Alltäglichkeit verliert. — Und Israel? Wehe ihm, wenn die Begeisterung für seinen Beruf und die Freudigkeit für dessen Erfüllung nicht <strong>לְשֵׁם שָׁמַיִם</strong> <a href="#_ftn10" id="_ftnref10"><sup>[10]</sup></a>, nicht in dem einen einzigen Quell ihren Ursprung nehmen, der ewig ist, wie der Born aus dem er quillt, nicht in Gott und unseren Beziehungen <strong>zu ihm</strong>, und in dem Ursprung unseres Berufes <strong>aus ihm</strong>, und in der Bedeutung unserer Tätigkeit <strong>für ihn</strong> wurzeln, und dann ewig bleiben wie Gott und frisch wie alles Leben, das aus ihm springt, und ewig jung, wie jede Kraft, die er spendet. Wehe ihm, wenn seine Begeisterung und seine Freudigkeit <a href="#_ftn11" id="_ftnref11"><sup>[11]</sup></a> <strong>שֶׁלֹּא לִשְׁמָהּ</strong>, an äußeren Zufälligkeiten, an wesenlosen Vergänglichkeiten ihren Ursprung nehmen, und darum vergehen wie diese schwinden, wie diese den Reiz der Neuheit verlieren, wie diese sich in ihrer Blöße und Unzulänglichkeit erweisen! Wehe uns — wenn unser ganzes Verhältnis zu Gott und seinem heiligen Gesetz uns nur ein Schauspiel ist, das durch Veränderung spannen und durch Wechsel steigern und durch immer neue Erfindungen unser Interesse fesseln muss, wehe uns, wenn <a href="#_ftn12" id="_ftnref12"><sup>[12]</sup></a> <strong>וְנוֹשַׁנְתֶּם בָּאָרֶץ</strong> , wenn wir stumpf, träg, gleichgültig, mechanisch, wenn wir „alt&#8220; werden in unserem Beruf!</p>



<p>Nicht umsonst tritt das göttliche Gesetz durch so viele seiner Institutionen immer wieder und wieder dieser dreifachen Gefahr des &#8222;<strong>וְנוֹשַׁנְתֶּם</strong>&#8220; entgegen, hat nicht umsonst durch so viele Gesetze dafür gesorgt, dass Israel nie seines Ursprungs, nie seines wahren Verhältnisses in Gegenwart und Zukunft vergesse, und zu immer frischer Begeisterung für seinen Beruf geweckt werde. Wie sein tägliches, ja täglich zweimaliges Opfer Israel immer wieder und wieder das alte, erste Opfer wiederholen lässt, in welchem es als das <a href="#_ftn13" id="_ftnref13"><sup>[13]</sup></a> <strong>שָׁנָה&#8220;</strong> <strong>&#8222;שֶׂה&#8220;&nbsp; &#8222;תָּמִים&#8220;&nbsp; &#8222;זָכָר&#8220;&nbsp; &#8222;בֵּן</strong> als das &nbsp;„frische“ „männliche&#8220; „junge&#8220; &nbsp;„Glied der Gottesherde“ zuerst sich seinem „Hirten&#8220; in der Stunde der Erlösung darbot: so soll es seine frische männliche Jugend sich ewig bewahren, soll ewig seinem Gott gegenüber „jung&#8220; bleiben und mit immer frischer, männlicher Begeisterung seiner Leitung folgen. <a href="#_ftn14" id="_ftnref14"><sup>[14]</sup></a> <strong>יְצִיאַת מִצְרַיִם</strong> , dieses älteste Faktum der jüdischen Geschichte, in welchem unser Ursprung und unser Beruf wurzelt, wird nie alt in unserem Bewusstsein. Nicht nur bei jährlicher Gedächtnisfeier, wie die Sonne steigt, wie die Sonne fällt, erheben wir uns zur Tat, gehen wir zur Ruh, lebt das Wort in unserem Mund; mit jedem Tag gehen wir im Geiste mit unseren Vätern und Müttern aus Mizrajim, stehen wir im Geiste mit den Vätern und Müttern am Meer und jede Bitte in jeder Gegenwart knüpft, <a href="#_ftn15" id="_ftnref15"><sup>[15]</sup></a> <strong>סוֹמֵךְ גְּאֻלָּה לִתְפִלָּה</strong> , an das Gedächtnis dieser alten Erlösung an. An dem Tag, da Gott Israel erlöste, bestimmte er, dass diese Erlösung als Zeichen und Gedächtnis an Hand und Haupt<a href="#_ftn16" id="_ftnref16"><sup>[16]</sup></a> uns durchs Leben begleite, und wie die Priester die Bundeslade für die Gesamtheit, so jeder Jude in verjüngter Bundeslade das Dokument dieser Erlösung und des daraus gegründeten Bundes mit sich durchs Leben führe.</p>



<p>Und wie nie Jahrtausende zwischen uns und unserem Ursprung liegen, wir nie „alt&#8220; hinsichtlich unseres Ursprungs werden sollten, so sollen auch die Jahre und Jahrhunderte uns nie die Erkenntnis unserer wahren Stellung zu unserem Geschick verhüllen, so sollen wir nie „alt&#8220; werden in unserem Besitz. Nicht nur werden wir bei jedem Erstling unserer Familien und unserer Güter jener Stunde ein- gedenk, in welcher wir unter dem Klageschrei der in ihren Erstgeborenen getroffenen Ägypterfamilien schauernd gelernt, da nur das in treuem Gottesgehorsam Gott Geweihte zum heiteren Leben erblüht, alle Klugheit, alle Macht, alle Kunst und Erfindung, alle Hoheit und Größe — das aber nicht vom Untergang zu retten vermag, über welches gottvergessener Trotz sein hochmütiges „Mein!&#8220; ausspricht; nicht nur werden wir durch die Dahingebung sofort des ersten unserer Früchte, unserer Teige, immer aufs Neue daran erinnert, wem wir alles unsrige verdanken: faktisch soll Israel nie ununterbrochen im Gebrauch seiner Welt, im Besitz seines Landes sein, soll periodisch seine Welt und sein Land dem Einen zu Füßen legen, als dessen Lehnsträger es sich als Mensch der Welt und als Volk des Bodens erfreut, auf dass es nie „alt&#8220; werde im Besitz, dass es das nie als sein Eigentum zu betrachten beginne, was nur ein zu bestimmten Zwecken anvertrautes Heiligtum ist. Keine sieben Tage ununterbrochenen Gebrauch der Welt, keine sieben Jahre ununterbrochenen Besitz des Bodens, nicht über siebenmal sieben Jahre hinausreichende Disposition über Personen und Güter —<strong>יוֹבֵל, שְׁמִטָּה ,שַׁבָּת </strong>&nbsp;<a href="#_ftn17" id="_ftnref17"><sup>[17]</sup></a>—&nbsp; „denn mein ist das Land; denn Fremdlinge und Beisassen seid ihr bei mir!&#8220; <strong>כִּי לִי הָאָרֶץ ,כִּי גֵרִים וְתוֹשָׁבִים אַתֶּם עִמָּדִי</strong>!<a href="#_ftn18" id="_ftnref18"><sup>[18]</sup></a></p>



<p>Eins aber ist es, das das Judentum seinen Bekennern nie alt werden lässt, das es zu einem ewig unerschöpflichen Born immer neuer Freuden und neuer Seligkeiten gestaltet, das immer neue Begeisterung spendet und jeden Tag, jede Stunde als eine neue Gelegenheit zur Erfüllung der jüdischen Aufgabe mit einer Freudigkeit ergreifen lässt, als ob so eben das <a href="#_ftn19" id="_ftnref19"><sup>[19]</sup></a> &#8222;<strong>אָנֹכִי</strong>&#8220; vom Sinai getönt. Eins vor allem ist es, dem Israel seine ewige Jugend verdankt und das auch jeden einzelnen mit ewiger Jugendfrische zu lohnen weiß, der sich ihm mit Hingebung vermählt, und dieses eine ist — <a href="#_ftn20" id="_ftnref20"><sup>[20]</sup></a> <strong>תּוֹרָה</strong>, ist die Wissenschaft der göttlichen Lehre, zu welcher alle geladen sind. Schon die Art der Mitteilung, die Gott für die Erhaltung und Pflege seiner Lehre gewählt, die Beschränkung auf das Mündliche, wodurch die Wissenschaft nicht dem toten Buchstaben, sondern dem lebendigen Worte abgelauscht, nicht dem toten Buchstaben, sondern der lebendigen Jüngerbrust anvertraut werden musste<a href="#_ftn21" id="_ftnref21"><sup>[21]</sup></a>, und die diese Wissenschaft so sehr auf den lebendigen, persönlichen Verkehr des Lehrenden und Lernenden hingewiesen, dass selbst nachdem im Drang der Zeiten das Mündliche in Schrift fixiert worden, sie doch nicht ganz in den Buchstaben aufgeht, fort und fort in beständigem Wechselwirken zwischen Lehrer und Schüler geschöpft und entwickelt werden will, Lehrer und Schüler noch heute zu den Füßen der lehrenden Altmeister lädt gemeinsam ihre Überlieferungen zu „lernen&#8220;,— schon diese ganze Art der Mitteilung rief das regeste Geistesleben wach, setzte ewige Jugendfrische zur ersten Bedingung, und erzeugte sie indem sie sie forderte. Nur dem Gedächtnis zur Bewahrung und der Denkkraft zur Reproduzierung und Entwicklung überwiesen, forderte sie von Lehrern und Jüngern in jedem Augenblick das regeste Interesse und die frischeste Hingebung; sie war verloren, wenn sie in einem Moment aufhörte in lebenswarmer Menschenbrust lebendig zu werden, und sie lud das ganze Volk zu ihren Trägern, damit sie umso sicherer erhalten blieb. Und nun ihr Inhalt, dem an Unerschöpflichkeit nur das zweite Gotteswerk, die Natur fast gleichkommt, der gleich ihr dem Forscher immer neue Wahrheiten, immer neue Schönheiten, immer neue Tiefen, immer neue Fragen bietet, der nun bereits während mehr als dreitausend Jahren so vielen dahingegangenen Geschlechtern der Entwicklungsboden eines reichen Geisteslebens gewesen und noch immer bereit ist die Forschung der Enkel und Urenkel mit neuen frischen Blüten, mit neuen leuchtenden Schätzen zu lohnen ; — ihr Inhalt, für dessen Umfang <a href="#_ftn22" id="_ftnref22"><sup>[22]</sup></a> <strong>אֲרֻכָּה מֵאֶרֶץ מִדָּה</strong> keine Hyperbel ist, der in Wahrheit Himmel und Erde umspannt und insbesondere das Menschenleben mit all den Mannigfaltigkeiten seiner individuellen und gesellschaftlichen Entwicklungen würdigend und gestaltend umfasst, dessen Kommentar Natur und Geschichte bildet und dem jede Erscheinung der Natur und jeder Pendelschlag an der Uhr der Zeiten neuen Reiz und neues Licht abgewinnt; ihr Inhalt, der ihre Jünger nicht zu leben- und wirklichkeitsberaubten Abstraktionen und Nebelgedanken lädt dessen Objekt die vollste, frischste, lebendigste Wirklichkeit ist, dessen vollste Erforschung jene einzige, höchste Stufe wahrhaftiger Erkenntnis verspricht, die sich wohl nicht treffender als mit den Worten bezeichnen ließe, die von unseren um den Sinai versammelten Vätern einst galten <strong>&nbsp;</strong><strong>רוֹאִים אֶת הַקּוֹלוֹת <a href="#_ftn23" id="_ftnref23"><sup><strong><sup>[23]</sup></strong></sup></a>: <a href="#_ftn24" id="_ftnref24"><sup><strong><sup>[24]</sup></strong></sup></a> רוֹאִים אֶת הַנִּשְׁמָע וְשׁוֹמְעִים אֶת הַנִּרְאֶה</strong> alles Begriffene zu sehen und alles Sichtbare zu begreifen — : wie ist dieser Inhalt, auch bloß als Lehre, als Theorie, als Wissenschaft, der Talisman einer ewig frischen, geistigen Jugend! Und er ist ja mehr, er ist ja in Wahrheit eine Theorie, die in jedem Augenblick die Praxis fordert, eine Lehre die in jedem Augenblick das Leben gestalten will, die in jedem Augenblick uns aufs Neue mit dem ganzen Ideal unserer Vollkommenheit im Einzel- und Gesamtheitsleben erfüllt, uns damit einen Maßstab in Händen gibt, dem noch keine Vergangenheit, keine Gegenwart genügt, der uns ewig vorwärts lädt, fortzuschreiten in Selbstveredelung, Lebensläuterung, Pflichterfüllung, und jeden neuen Tag, jeden neuen Augenblick als einen von Gottes Gnade gewährten Moment mit Begeisterung ergreifen lässt, zu lernen, als ob wir noch nie gelernt, zu üben, als ob wir noch nie geübt, und unseren „Hirten&#8220; in ewig „frischer, männlicher Jugend&#8220; nachzufolgen! —</p>



<p><strong>תּוֹרָה וּמִצְווֹת<a href="#_ftn25" id="_ftnref25"><sup><strong><sup>[25]</sup></strong></sup></a></strong> hatten Israel vor dem <strong>וְנוֹשַׁנְתֶּם</strong>, vor dem Fluche des „Alterns&#8220; schützen sollen, hatten es als das unsterbliche Volk in ewigem Jugendglanz in der Mitte der, der geschichtlichen Vergänglichkeit hinfallende Nationen erhalten sollen. Wir verschmähten die <strong>מִצְווֹת</strong>, wir verließen die <strong>תּוֹרָה</strong> da sank unser Staatenglück in Trümmer, in dem wir verblendet den Boden unseres ewigen Lebens zu&nbsp; finden vermeinten, — und unser irdisches Paradies schloss seine Pforten hinter uns zu. Da ergriffen wir, was wir im Glück verkannt und verschmäht, da ergriffen wir <strong>תּוֹרָה וּמִצְווֹת</strong> wieder — und mit verjüngender Kraft hoben sie uns aus dem Grab unseres nationalen Untergangs und zeigten sich allein genügend, ohne Macht, ohne Land, ohne Freundschaftsband mit den Völkern der Erde, uns, allein vor dem Schicksal des <strong>וְנוֹשַׁנְתֶּם</strong> zu bewahren, dem Volk nach Volk auf der Bühne der Geschichte unrettbar entgegeneilt. Sie sind das Geheimnis unserer jugendfrischen Erhaltung bis auf den heutigen Tag. Wollen wir zum zweiten Mal diesen Talisman verschmähen? Wollen wir an Jeruschalaim-Zions Grab die Warnung vor der Verirrung überhören, die der Väter Glück begrub? Wollen wir „Kind und Kindeskinder zeugen und „<strong>alt</strong>&#8220; geworden sein auf Erden? — —</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Deuteronomium 4:25; „und ihr werdet alt geworden sein“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Die Thora</p>



<p><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> angeblich</p>



<p><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> Erobertes Judäa</p>



<p><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> Hier greift Rabbiner Hirsch die in seiner Zeit aufgekommene „wissenschaftliche Bibelkritik“ an, die die göttliche Abstammung der Thora verneint. Er hält Ihnen hier den Wochenabschnitt „Bechokotai“ (Levitikus 26:3-46) entgegen, in der die Prophezeiung der Zerstreuung bereits angekündigt wird und auf diese Prophezeiung seitens der „Bibelkritik“ noch keine Antwort gefunden wurde. S. auch Fußnote 7.</p>



<p><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Genesis 49:1, “in der Hinterlassenschaft der Tage“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> Deuteronomium 4:25-31</p>



<p><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> Jeremia 2:2</p>



<p><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> Mishne Thora 6:1; „Ein Alter heißt der, welcher Weisheit besitzt“(Übersetzung Leon Mandelstamm)</p>



<p><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> Im Namen Gottes</p>



<p><a href="#_ftnref11" id="_ftn11">[11]</a> Nicht in Gottes Namen</p>



<p><a href="#_ftnref12" id="_ftn12">[12]</a> Deuteronomium 4:25;</p>



<p><a href="#_ftnref13" id="_ftn13">[13]</a> Exodus 12:5; „Ein vollständiges Lamm, männlich, jährig, soll es euch sein;“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref14" id="_ftn14">[14]</a> Der Auszug aus Ägypten</p>



<p><a href="#_ftnref15" id="_ftn15">[15]</a> Berachot 4b:6; Wer ist ein Kind der zukünftigen Welt? – <strong>der den Erlösungssegen an das Abendgebet anschließt.</strong> (Übersetzung L. Goldschmidt)</p>



<p><a href="#_ftnref16" id="_ftn16">[16]</a> Mit Teffilin</p>



<p><a href="#_ftnref17" id="_ftn17">[17]</a> Schabbat (alle 7 Tage), Schmitta (alle 7 Jahre), Jovel (das 50. Jahr nach 7&#215;7 Schmittajahre)</p>



<p><a href="#_ftnref18" id="_ftn18">[18]</a> Levitikus 25:23</p>



<p><a href="#_ftnref19" id="_ftn19">[19]</a> Das erste Gebot (der 10 Gebote)</p>



<p><a href="#_ftnref20" id="_ftn20">[20]</a> Thora (hier das Lernen)</p>



<p><a href="#_ftnref21" id="_ftn21">[21]</a> Nach Rabbiner S.R. Hirsch s“l geht die mündliche Lehre der schriftlichen voraus</p>



<p><a href="#_ftnref22" id="_ftn22">[22]</a> Hiob 11:9; „Länger als die Erde ist ihr Maß“ (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>



<p><a href="#_ftnref23" id="_ftn23">[23]</a> Exodus 20:15; “Und das ganze Volk sah die Stimmen“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref24" id="_ftn24">[24]</a> Malbim zu Exodus 20:15; „sah die Stimmen“ bedeutet: sie sahen das Gehörte und hörten das Gesehene</p>



<p><a href="#_ftnref25" id="_ftn25">[25]</a> Lehre und Gebote</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/aw-5785/">Aw 5785</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Thamus 5785</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/thamus-5785/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Jun 2025 08:51:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Monatsblatt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hirschinitiative.de/?p=5172</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wieder jährt sich am 17. Thamus ein Tag, an dem wir der Zerstörung Jerusalems und des Tempels gedenken. Wie konnte es dazu kommen. Rabbiner Samson Raphael Hirsch beantwortet die Frage mit dem hier wiedergegebenen Artikel. Der Artikel wurde in der Zeitschrift „Jeschurun“, 4. Jahrgang, Heft 10, im Jahre 1858 veröffentlicht. Der Text wurde dem heutigen [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/thamus-5785/">Thamus 5785</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-small-font-size">Wieder jährt sich am 17. Thamus ein Tag, an dem wir der Zerstörung Jerusalems und des Tempels gedenken. Wie konnte es dazu kommen. Rabbiner Samson Raphael Hirsch beantwortet die Frage mit dem hier wiedergegebenen Artikel.</p>



<p class="has-small-font-size">Der Artikel wurde in der Zeitschrift „Jeschurun“, 4. Jahrgang, Heft 10, im Jahre 1858 veröffentlicht.</p>



<p class="has-small-font-size">Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter:</p>



<p class="has-text-align-center has-small-font-size"><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2942493">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2942493</a></p>



<p class="has-text-align-center has-large-font-size"><strong>Israels Verfall.</strong></p>



<p>Die drei Wochen, welche nach der Hälfte dieses Monats bei uns eintreten, laden uns zu einem ernsten Geschäft<a href="#_ftn1" id="_ftnref1"><sup>[1]</sup></a>.&nbsp; Sie bringen uns das Gedächtnis jener Zeit, in welcher zweimal Israels Staat und Tempel welterobernden Mächten zur Beute fielen, weil Gott von ihnen gewichen war. Nicht aber als bloße Kalendernotiz kehren sie bei uns ein; nicht ein gedankenloses, folgeloses Erinnern ist es, was sie erwarten; mitten in die lebendige Gegenwart der einst werdenden Katastrophe rufen sie uns hin, laden den Geist der Propheten in unsere Mitte, ein Jeremias ruft sein <strong>שִׁמְע֥וּ דְבַר ה&#8216; בֵּ֣ית יַעֲקֹ֑ב״</strong> , höret das Wort Gottes, Haus Jakobs!<a href="#_ftn2" id="_ftnref2"><sup>[2]</sup></a>&#8220; durch unsere Reihen hin, ein Jesaias ruft Himmel und Erde zu Zeugen wider Juda auf, und wir — wir lauschen ihren Worten, wir meinen „Stadt und Tempel&#8220;, in welcher schattenähnlichen Abschwächung auch immer, ein äußeres Band und ein geistiges Heiligtum sei doch auch in der Zerstreuung uns geblieben, bilde auch in der Zerstreuung die Seele unseres jüdischen Daseins, — und als ob Stadt und Tempel erst in Trümmer gehen sollten, so hören wir das zürnende Wort Gottes von ihren Lippen, es wird uns zum Maßstab für unsere Gegenwart, — und unwillkürlich fragen wir uns, was würde ein Jeremias, was würde ein Jesaias sagen, wenn er heute in unsere Mitte träte!</p>



<p class="has-text-align-center">! <strong>שִׁמְע֥וּ דְבַר ה&#8216; בֵּ֣ית יַעֲקֹ֑ב</strong></p>



<p class="has-text-align-center">„<strong>Höret</strong> das Wort Gottes, Haus Jakobs!&#8220;</p>



<p>Mit dieser Aufforderung trat Jeremias in Jeruschalajims letzten Tagen in unseren Kreis, „<strong>höret</strong> das Wort Gottes!&#8220; und R. Lewi in der Peßikta<a href="#_ftn3" id="_ftnref3"><sup>[3]</sup></a> steht bei diesen Worten still und meint, es wäre schon viel gewonnen, wenn in Zeiten eines praktischen Abfalls von Gott und seinem heiligen Gesetz, das Wort Gottes auch nur erst wieder <strong>gehört</strong>, mit Ernst <strong>gehört</strong> werde. Es sei ja das Ohr die Pforte zum Geist, die Pforte zum Herzen, und auch nur dem Gedanken Gottes und seines heiligen Gesetzes wieder Raum gegeben, sei der Boden für alle Hoffnung der Zukunft gelegt. „Höret das Wort Gottes!&#8220; so leitet R. Lewi darum die Betrachtung dieses Gottesaufrufs ein, „höret es! Ihr werdet es doch einmal hören müssen, es schafft sich doch einmal Gehör, doch einmal Zugang zu eurem Geist und eurem Herzen: „Höret es als Thora-Wort, damit ihr nicht das Wort der Zurechtweisung, höret das Wort der Zurechtweisung, damit ihr nicht das Wort des Vorwurfs, höret das Wort des Vorwurfs, damit ihr nicht den Donner der Kriegstrompeten zu hören bekommt, höret es im Lande, damit ihr es nicht außerhalb des Landes, höret es im Leben, damit ihr es nicht als Tote zu hören bekommt, lasset es eure Ohren hören, damit es nicht eure Leiber, lasset es eure Leiber hören, damit nicht einst eure dürren Gebeine hören müssen: „dürre Gebeine, — höret das Wort Gottes!&#8220;&#8220; <strong>Höret</strong> es! Denn einmal müsst ihr es doch ja hören —</p>



<div class="wp-block-group"><div class="wp-block-group__inner-container is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<p>Höret das Wort Gottes, Haus Jakobs,<br>Und alle Familien des Hauses Israel!<br>So hat Gott gesprochen:<br>Was haben eure Väter für Unrecht an mir gefunden,<br>Dass sie sich von mir entfernt?<br>Und gingen dem Nichtigen nach, und wurden nichtig!<br>Und fragten nicht: wo ist Gott? Der uns aus Mizrajim gehoben,<br>Der uns durch die Wüste geführt, durch ein Land der Öde und der Gebeugtheit, durch ein Land des Durstes und des Todesschattens,<br>Durch ein Land, durch welches sonst noch kein Mann gezogen, und wo nimmer noch Menschen geweilt?<br>Und da ich euch zum Lande der Flur gebracht, darin die Frucht und die Fülle zu genießen,<br>Da kämet ihr und verunreinigtet mein Land und machtet mein Erbe zum Abscheu!</p>



<p><strong>Die Priester fragten nicht: wo ist Gott?<br>Die Handhaber der Thora kannten mich nicht,<br>Die Führer waren von mir abgefallen,<br>Und die Propheten, waren Propheten für den Baal<br>Und waren dem Heillosen zugewendet.<br>Darum streite ich noch lange mit euch, spricht Gott,<br>Und werde noch mit euren Kindeskindern streiten!“ <a href="#_ftn4" id="_ftnref4"><sup><strong><sup>[4]</sup></strong></sup></a></strong></p>
</div></div>



<p>&nbsp;<strong>וְאֶת־בְּנֵ֥י בְנֵיכֶ֖ם אָרִֽיב</strong> — mit euren Kindeskindern streiten&#8220; — also vielleicht noch mit uns? Also gilt vielleicht auch uns dieses zürnende, mahnende Gotteswort, also hätten vielleicht auch wir uns umzusehen, dass uns einst nicht der Gottesspruch in das Buch der Geschichte einzeichne: <strong>&#8222;וַיֵּ֥לְכ֛וּ אַחֲרֵ֥י הַהֶ֖בֶל וַיֶּהְבָּֽלוּ&#8220;</strong> „sie gingen dem Nichtigen nach und wurden darum nichtig!<a href="#_ftn5" id="_ftnref5"><sup>[5]</sup></a>&#8220; Also hätten vielleicht auch wir noch Umschau zu halten, wie es um unsere Priester, unsere Träger der Thora, unsere Führer und begeisterten Redner stehe — und, indem uns das Prophetenwort einen Einblick in die Ursache des einstigen Verfalls eröffnet, sind wir zugleich von Jahr zu Jahr zu der ernsten Prüfung geladen: wie viel oder wenig von den Ursachen dieses Verfalls noch bei uns wuchere, wie viel bereits von diesem Verfall bei uns gesühnt und wie nahe oder fern wir bereits der Zeit näher gerückt, in welcher Gott einst sprechen wird: „ <strong>הִֽתְעוֹרְרִ֗י ק֚וּמִי יְר֣וּשָׁלַ֔͏ִים</strong>, ermann dich, stehe auf, gefallenes Jeruschalaim.<a href="#_ftn6" id="_ftnref6"><sup>[6]</sup></a>“</p>



<p>„<strong>Die Priester</strong> — fragten nicht, wo ist Gott?<br><strong>Die Handhaber der Thora</strong> — kannten mich nicht,<br><strong>Die Führer</strong> — waren von mir abgefallen,<br><strong>Die Propheten</strong> — waren Propheten für den Baal und waren dem Heillosen zugewandt —&#8220;</p>



<p>so war es einst dahin gekommen, dass unsere Väter, von Gott abgewandt, dem Nichtigen nachwandelten und nichtig wurden, und selbst als sie der Nichtigkeit ihrer Bestrebungen inne geworden, als ihnen die Täuschung aller ihrer Erwartungen, der Untergang aller ihrer Hoffnungen vor Augen lagen, sie sich auch nicht zu dem zurückwandten, der sie einst aus einem noch trostloseren Anfang zum heiteren Gedeihen, aus Mizrajim durch die Wüste zum Land der Fülle und des Segens geführt! Zu der Verirrung der <a href="#_ftn7" id="_ftnref7"><sup>[7]</sup></a> <strong>כֹּהֲנִים</strong>, der <a href="#_ftn8" id="_ftnref8"><sup>[8]</sup></a> <strong>תּוֹפְשֵׂי הַתּוֹרָה</strong>, der <a href="#_ftn9" id="_ftnref9"><sup>[9]</sup></a> <strong>רוֹעִים</strong> und <a href="#_ftn10" id="_ftnref10"><sup>[10]</sup></a> <strong>נְבִיאִים</strong> lag die Verirrung des Volkes, dort haben wir zu aller Zeit die Wurzel jeglichen Verfalles zu suchen.</p>



<p><strong>נְבִיאִים ,רוֹעִים ,תּוֹפְשֵׂי הַתּוֹרָה ,כֹּהֲנִים</strong>, da haben wir alle die geistigen Stützen und Hebel, die Gott für Erhaltung und Blüte <strong>seines </strong>Lebens in Israel gesetzt: Gottesdienst — Wissenschaft — Gemein- wesen — das öffentliche Wort — das sind die geistigen Güter, als deren Träger die Priester, die Gelehrten, die Führer und Propheten hier genannt sind. Jeden trifft ein besonderer Vorwurf und aus der besonderen Verirrung, die von jedem gezeichnet, vermögen wir die rechte Aufgabe eines jeden zu erkennen.</p>



<p><strong>הַכֹּהֲנִים</strong> , die <strong>Priester</strong>, die Diener und Verwalter des Gottesdienstes, <a href="#_ftn11" id="_ftnref11"><sup>[11]</sup></a> <strong>&#8218;לֹ֤א אָֽמְרוּ֙ אַיֵּ֣ה ה</strong>, sie fragten nicht: <strong>wo ist denn Gott</strong>?</p>



<p><strong>&#8218;אַיֵּ֣ה ה</strong> ? Das ist die Frage nach der <strong>Frucht</strong> des Gottesdienstes, und das ist somit die Frage nach Wert und Bedeutung des Gottesdienstes, das ist die Frage, deren Beantwortung entscheidet, ob der Gottesdienst der echte und rechte, oder ob alles nur unnützer Firlefanz ist, der weder Gott noch dem Volk dient und nur dem Priester, dem Geistlichen — frommt. Wenn dein Gottesdienst der rechte ist, <strong>בְּכׇל־הַמָּקוֹם֙ אֲשֶׁ֣ר אַזְכִּ֣יר אֶת־שְׁמִ֔י</strong> <a href="#_ftn12" id="_ftnref12"><sup>[12]</sup></a>, wenn er ein solcher ist, dass ich meinen Namen darüber nennen, dass ich ihn den Meinen nennen kann, <strong>dann komme ich zu dir und segne dich</strong>, hatte Gott gesprochen, <strong>אָב֥וֹא אֵלֶ֖יךָ וּבֵרַכְתִּֽיךָ</strong> <a href="#_ftn13" id="_ftnref13"><sup>[13]</sup></a>, — und die Frage, ob denn nun in Folge unseres Gottesdienstes Gott zu uns komme und uns segne, ob er nun bei uns sei und uns segne, ob er nun unter uns sei und uns segne, ob er nun in unsere Häuser, unsere Familien, unser Einzel- und Gesamtleben eingezogen sei und dieses alles segne, das ist die Frage, deren Ja oder Nein unserem Gottesdienst, dem Wirken unserer Priester, den Kranz aufsetzt oder unerbittlich den Stab darüber bricht, und danach soll der Priester fragen: <strong>&#8218;אַיֵּ֣ה ה</strong>, wo ist, wo bleibt nun Gott?</p>



<p>Ob der Priester das Lebensblut des Opfertiers an den Altar, Fett und Nieren, Haupt und Glieder auf den Altar bringt, Brot und Licht im Heiligtum ordnet und den Räucherduft vor der Lade emporsteigen lässt — oder ob dies alles durch ihn, oder unter seiner Leitung in Worten des Gebets und des Gesangs vollbracht wird, das gilt für diese Betrachtung völlig gleich. Hier wie dort, wenn ihm der Gottesdienst des Opfers oder des Gebets die Summe und das All der „jüdischen Religion&#8220; bedeutet, ja wenn er auch nur in ihm deren vorzüglichste Manifestation erblickt, wenn er befriedigt ist, so nur dem „Tisch des Herrn&#8220; die reichlichen und pünktlichen Opfer nicht fehlen, so er nur die Räume des Gotteshauses mit der Menge der „Andächtigen&#8220; sich füllen sieht, wenn er in seinem Gott sich selig fühlt wenn nur Opfer und Weihrauch, Jozer und Mussaf<a href="#_ftn14" id="_ftnref14"><sup>[14]</sup></a>, Predigt und Gesang, dem Gesetz, dem Schulchan Aruch<a href="#_ftn15" id="_ftnref15"><sup>[15]</sup></a>, dem allerneuesten Programm der Synagogenordnung gemäß, ohne Störung, in andächtiger Weise „vorgegangen&#8220; und allem und jedem Zuschauer und Schauerinnen, Zuhörer und Hörerinnen, Mitbetende und Mitsingende nicht gefehlt — aber er nicht draußen sich umsieht, nicht mit seiner Frage: <strong>&#8218;אַיֵּ֣ה ה</strong> ? „Wo ist denn nun Gott? Gott, mit seiner Läuterung und Weihe, Gott mit seiner Gnade und seinem Segen?&#8220; das Leben außer dem Tempel, der Synagoge, dem Gotteshaus durchdringt, dort nach der Frucht des Gottesdienstes forscht, dort den Segen des Gottesdienstes sucht, und Tempel und Altar, Opfer und Weihrauch, Gebet und Predigt nicht völlig vergebens achtet, so nicht durch alles dies das göttliche Gesetz, die Erfüllung des göttlichen Willens und mit ihr die Gewinnung des göttlichen Wohlgefallens und Segens, in das Leben der „Andächtigen&#8220; eingeführt wird, — wenn er diese Frage nicht kennt, wenn ihm diese Frage nicht am Herzen liegt, wenn er sogar durch den ordnungsmäßigen Bestand des Gottesdienstes sich dieser ganzen Frage überhoben wähnt, und er in dem Tempelgottesdienst einen Ersatz für die Gegenwart Gottes im Leben, für den Dienst Gottes im Leben erkennt —: dann ist sein Gott ein toter Götze, eitler Fetisch-Weihrauch ist sein Opfer und sein Gebet, und trotz Talar und Tiara, trotz Firmelung<a href="#_ftn16" id="_ftnref16"><sup>[16]</sup></a> und Weihe ist er der <strong>&#8218;כֹּהֵן ה</strong> , der Priester des Herrn mitnichten!</p>



<p class="has-text-align-center">________________________________________________________________</p>



<p>Aber im Gottesdienst liegt nicht der Schwerpunkt des Judentums; Tempel und Priester, Opfer und Gebet sind nicht die vornehmsten Träger des jüdischen Lebens; Israels Seele wohnt in der <strong>Thora</strong>, in der <strong>Wissenschaft</strong> der göttlichen Lehre und des göttlichen Gesetzes. Es kann der Tempel darniederliegen, es kann der Altar entweiht, das Priestertum entartet sein, wenn nur die Thora, Israels Wissenschaft gesund ist, so ist Israel nicht verloren, so baut sich von dort aus alles rein und heilig wieder auf; denn auch Tempel und Priester, Opfer und Gebet ziehen ihr geistiges Leben nur aus diesem Quell. Allein dieser Quell selbst, klagt Jeremias Wort, war krank:<strong> תֹפְשֵׂ֤י הַתּוֹרָה֙ לֹ֣א יְדָע֔וּנִי <a href="#_ftn17" id="_ftnref17"><sup><strong><sup>[17]</sup></strong></sup></a> </strong>„<strong>die Handhaber der Thora kannten mich nicht!</strong>&#8222;</p>



<p>Welch eine ernste Mahnung liegt in diesen wenigen Worten: <strong>Die Handhaber der Thora kannten mich nicht!</strong> Wir können also die ganze Thora-Wissenschaft in Händen, können sie inne haben, können sie zu traktieren wissen und doch den eigentlichen Inhalt nicht erfasst haben, doch für die einzige Erkenntnis blind geblieben sein, die ihre ganze Blüte bildet, und die Gott als das Ihn erkennen bezeichnet. <strong>תֹפְשֵׂ֤י הַתּוֹרָה֙ לֹ֣א יְדָע֔וּנִי</strong>! Baumeister und Baugehilfen können Pläne und Risse eines großartigen Gebäudes bis in die einzelnen Details vollkommen inne haben, können aus dem Schlaf das ganze Gebäude hinzeichnen, an den Fingern alles Zubehör herrechnen, können ganz genau die Verteilung aller Räume und Winkel, aller Säulen und Kapitäle demonstrieren, ganz genau von Maß und Form, von Stoff und Herrichtung jedes Steines, jedes Sparren, jedes Nagels Bescheid tun — alles dies nach den gegebenen Mustern und eingeprägter Anweisung wenn es sein muss herrichten — und doch keine Ahnung haben von der Bestimmung dieses ganzen Gebäudes, keine Ahnung von der einen Idee, die dem ganzen Entwurf zu Grunde liegt und die den ganzen Bau bis zum letzten Speis-Anwurf<a href="#_ftn18" id="_ftnref18"><sup>[18]</sup></a> beherrscht, noch viel weniger eine Ahnung von dem, der sich nun durch ihr Handwerk die Wohnung bereiten und sodann durch sein Wesen und Walten diese Wohnung erfüllen will. So können wir auch die ganze Thora, diesen Plan und Grundriss eines von uns auszuführenden Baues des Einzel- und Familien-des Gemeinde- und Staatslebens inne haben, können alle ihre Babas und Schearim, alle ihre Tore und Pforten auswendig wissen, bis in das kleinste Detail von allen ihren Anforderungen Rechenschaft geben, können ihr ganzes Schrifttum erschöpft, alle ihre linguistischen, historischen, archäologischen und physikalischen Hilfswissenschaften durchstudiert haben, können Bescheid zu geben wissen ebenso von der Gestalt des Jod im Samaritanischen und Koptischen und allen andern verwandten Dialekten wie von den zahlreichen Schithoth<a href="#_ftn19" id="_ftnref19"><sup>[19]</sup></a> ritueller Kasuistik<a href="#_ftn20" id="_ftnref20"><sup>[20]</sup></a>, können den ganzen Talmud im Kopf und zugleich die historisch-kritisch genaue Auskunft über das Geburtsjahr der Amme des letzten der Paitanin<a href="#_ftn21" id="_ftnref21"><sup>[21]</sup></a> zur Hand haben — kurz wir können die ganze jüdische Gelehrsamkeit erschöpft haben, können der „jüdische Theologe&#8220; par excellence genannt werden, und es kann uns doch in allem und mit alledem und aus alledem das einzige, wahre, rechte jüdische Wissen fehlen. Wir können uns mit all unserer Gelehrsamkeit in lauter Einzelheiten bewegen und es kann uns doch, wie der Prophet es nennt, die Anschauung des Ganzen ein mit sieben Siegeln verschlossenes Buch geblieben sein —<strong> וַתְּהִ֨י לָכֶ֜ם חָז֣וּת הַכֹּ֗ל כְּדִבְרֵי֮ הַסֵּ֣פֶר הֶחָתוּם֒</strong> <a href="#_ftn22" id="_ftnref22"><sup>[22]</sup></a>— es kann uns nicht einmal eine Ahnung davon aufdämmern, was denn nun dieses ganze große, mehr denn dreitausendjährige Gotteswerk auf Erden bedeute, was denn nun dieser ganze Bau sei, zu welchem uns Gott, der große Baumeister der Welt, vor dreitausend Jahren seinen Riss<a href="#_ftn23" id="_ftnref23"><sup>[23]</sup></a> in Händen gegeben und gesprochen: sinnet darüber bei Tag und bei Nacht! Es kann uns nicht einmal eine Ahnung davon aufgegangen sein, dass <a href="#_ftn24" id="_ftnref24"><sup>[24]</sup></a> <strong>כָל הַתּוֹרָה כֻּלָּהּ שְׁמוֹתָיו שֶׁל הקב&#8220;ה</strong>, &nbsp;dass die ganze Thora nichts als Gottesnamen enthalte, nichts anderes sei, als die Aufprägung und Ausprägung des Gottesnamens auf das ganze Menschen-Dasein in Natur und Geschichte, als die Entwicklung und Gestaltung des ganzen Menschendaseins unter der Segnung und Herrschaft des göttlichen Namens, als die Erfüllung des großen Spruches: „Bereitet mir das Heiligtum, so wohne ich unter euch!&#8220; oder des noch kürzeren und größeren Spruches: <a href="#_ftn25" id="_ftnref25"><sup>[25]</sup></a>! <strong>וִהְיִ֨יתֶם לִ֤י</strong> „Seid mein!&#8220; —</p>



<p>Und doch ist selbst alles Wissen um dies alles noch nicht das Höchste, ist noch nicht das, dessen Abwesenheit der Vorwurf <strong>&#8222;לֹ֣א יְדָע֔וּנִי&#8220;</strong> beklagt. <a href="#_ftn26" id="_ftnref26"><sup>[26]</sup></a> <strong>&#8218;דַּעַת ה</strong> ist kein bloßes Wissen von Gott, kein bloßes Wissen von Gott und den göttlichen Dingen, <strong>ידע</strong> ist mehr als ein Wissen, <strong>ידע</strong> ist ein Kennen, ist die innigste, nur in persönlichem Umgang zu erwerbende Vertrautheit mit einer Person oder Sache, ja ist dieser Umgang selbst und bezeichnet somit das naheste und innigste Verhältnis, in welchen wir nur zu einem Wesen zu stehen vermögen. Wir können<strong> </strong>Großes und Kleines, Wesentliches und Unwesentliches von einer Persönlichkeit <strong>wissen</strong>; aber sie geht an uns vorüber und wir <strong>kennen</strong> sie nicht, sie steht vor uns und sie ist uns fremd. So können wir die ganze Wissenschaft von Gott und den göttlichen Dingen erschöpft haben, es kann uns seine Offenbarung in der Thora, in der Natur, in der Geschichte klar geworden sein und wir sind doch mit alldem nur <strong>תֹפְשֵׂ֤י הַתּוֹרָה֙</strong>, haben die göttliche Wissenschaft nur mit Händen ergriffen, sie ist uns gleichwohl nur ein Äußeres geblieben, eine Disziplin, eine Wissenschaft, ein System, denen unsere Denkkraft und unser Gedächtnis angehören, von denen aber unser Herz und somit unser Leben nichts weiß. Wir können das alles erforscht und studiert haben und haben alles darin, nur nicht uns selber gefunden, wissen von Gott in seinem Gesetz, in der Natur und Geschichte Bescheid, aber er ist nicht unser Gott, und wir sind nicht sein Kind und Diener geworden, sein Gesetz ist nicht <strong>unser</strong> Gesetz, der kleine Punkt, den <strong>wir</strong> in Natur und Geschichte ausfüllen, ist nicht <strong>Sein</strong>, und während wir von seiner Herrlichkeit in Natur und Geschichte zu predigen wissen, vergessen wir unser eigenes Leben in Natur und Geschichte zu einem Tempel seiner Herrlichkeit zu weihen. Kurz, wir können die ganze Wissenschaft des Judentums ergründet haben, — wie wir ja auch die Religionssysteme der Griechen und Römer, der Pescherähs<a href="#_ftn27" id="_ftnref27"><sup>[27]</sup></a> und Huronen<a href="#_ftn28" id="_ftnref28"><sup>[28]</sup></a> ergründen, — aber es ist dies alles nicht <strong>unsere</strong> Wissenschaft, die Wissenschaft von uns und unseren Beziehungen zu Gott und Gottes Beziehungen zu uns geworden, es hat uns dies alles nicht zu dem einzigen Schritt erhoben, der die Frucht dieses ganzen Studiums, all dieses Wissens und all dieser Gelehrsamkeit sein soll: auf Grund alles dessen und mit allem diesem uns selbst in die innigste Gottesnähe emporzuschwingen, ihn in allen unseren Wegen zu schauen und auf ihn in allen unseren Wegen hinzublicken, mit Gott und vor Gott zu wandeln und all unser Tun und Lassen, unser Denken und Fühlen, Genießen und Handeln von ihm tragen, von ihm leiten und durchdringen zu lassen und jeden Atemzug in seinem Umgang zu verleben. <strong>Wir wissen von Gott; aber wir kennen ihn nicht</strong>. Gott kennen ist keine Abstraktion. <strong>Gott kennen ist der praktische Umgang mit ihm in Verwirklichung seines heiligen Willens durch unser ganzes konkretes, sinnlich geistiges Leben auf Erden und in diesem <u>Umgang</u> unsere ganze Freude finden</strong>. „Du willst König sein?&#8220; sprach Gott zum entarteten Sohn Joschijahus, „du willst König sein weil du im Zedernprunk exzellierst? Siehe deinen Vater! Der aß und trank, übte das Recht und die Milde, und dann <strong>war ihm wohl</strong>; wenn er des Armen und Unglücklichen Recht ausgeführt, <strong>dann fühlte er sich wohl! Das heißt mich kennen</strong>!&#8220; spricht Gott.</p>



<p>&nbsp;<strong>הֲתִֽמְלֹ֔ךְ כִּ֥י אַתָּ֖ה מְתַחֲרֶ֣ה בָאָ֑רֶז אָבִ֜יךָ הֲל֧וֹא אָכַ֣ל וְשָׁתָ֗ה וְעָשָׂ֤ה מִשְׁפָּט֙ וּצְדָקָ֔ה אָ֖ז ט֥וֹב לֽוֹ׃ דָּ֛ן דִּין־עָנִ֥י וְאֶבְי֖וֹן אָ֣ז ט֑וֹב הֲלוֹא־הִ֛יא הַדַּ֥עַת אֹתִ֖י נְאֻם־ה&#8217;׃<a href="#_ftn29" id="_ftnref29"><sup><strong><sup>[29]</sup></strong></sup></a></strong></p>



<p>Wenn aber die Wissenschaft der Thora Israels Lebensseele, und die Träger dieser Wissenschaft die Verbreiter dieses Lebens werden sollen, dann muss erst bei ihnen selbst diese Wissenschaft die Seele ihres Lebens geworden sein, dann muss ihr Leben das Muster, eines von der Thora beherrschten und aus ihrem Boden vollendeten Lebens, bieten, dann muss aus ihrem Leben ein nur im Umgang mit Gott zu gewinnender Abglanz der göttlichen Herrlichkeit dem Volk entgegenstrahlen, wie Moschehs Angesicht im Umgang mit Gott zu strahlen begonnen hatte.</p>



<p class="has-text-align-right"><strong>כְּשֵׁם שֶׁהֶחָכָם נִכָּר בְּחָכְמָתוֹ וּבְדֵעוֹתָיו וְהוּא מֻבְדָּל בָּהֶם מִשְּׁאָר הָעָם. כָּךְ צָרִיךְ שֶׁיִּהְיֶה נִכָּר בְּמַעֲשָׂיו בְּמַאֲכָלוֹ וּבְמַשְׁקֵהוּ וּבִבְעִילָתוֹ וּבַעֲשִׂיַּת צְרָכָיו וּבְדִבּוּרוֹ וּבְהִלּוּכוֹ וּבְמַלְבּוּשׁוֹ וּבְכִלְכּוּל דְּבָרָיו וּבְמַשָּׂאוֹ וּבְמַתָּנוֹ. וְיִהְיוּ כָּל הַמַּעֲשִׂים הָאֵלּוּ נָאִים וּמְתֻקָּנִים בְּיוֹתֵר<a href="#_ftn30" id="_ftnref30"><sup><strong><sup>[30]</sup></strong></sup></a></strong></p>



<p>lautet die Einleitung der Charakterschilderung eines jüdischen Weisen: „Wie der Weise an seinen Wissenschaften und seinen Ansichten erkannt wird und er sich hierin von den übrigen Menschen unterscheidet, so muss er auch an seinen Handlungen zu erkennen sein, an seinem Essen und Trinken, an seinem geschlechtlichen und leiblichsten Leben, an seiner Sprache, seinem Gang und seiner Kleidung, an der Art seiner Reden und seinem Handel und Wandel: alle diese Tätigkeiten müssen bei ihm in höherem Grade schön sein und gut.&#8220; „Liebe&#8220;, heißt es in der Quelle dieser Sätze, „liebe den Herrn deinen Gott also, dass durch dich der Name Gottes bei Menschen beliebt werde. Dass, wer gelesen und gelernt und die Lehre aus dem Mund der Weisen geschöpft, also schön im Umgang mit den Menschen sei, dass die Menschen von ihm sagen: Heil dem Vater, der ihn die Thora gelehrt, heil dem Lehrer, der ihn Thora gelehrt! Wie bedauernswert sind die, die keine Thora gelernt! Seht diesen Thoragelehrten, wie schön sind seine Sitten, wie gut seine Handlungen! Von ihm heißt es: Er sprach zu mir, mein Diener bist du, Israel, durch den ich mich verherrliche! Wer aber gelesen und gelernt und aus dem Mund der Weisen die Lehre geschöpft, aber sein Handel und Wandel ist nicht redlich und sein Umgang mit Menschen nicht schön, wie lautet dann das Urteil der Menschen über ihn? Weh diesem der Thora gelernt, weh dem Vater, weh dem Lehrer, der ihn Thora gelehrt, glücklich die Menschen, die keine Thora gelernt, seht diesen Thoragelehrten, wie hässlich sind seine Handlungen, wie verderbt seine Sitten! Von ihm heißt es: „Gottes Volk sind sie und haben seinen Boden verlassen!&#8220; (Joma 86 u. Jalkut Deuter. 6.) Nicht an seinem Wissen wird der jüdische Weise der Thora erkannt, und nicht durch sein Wissen gewinnt er die Herzen für die Thora. In seinem Wandel liegt das Kreditiv für sein Wissen, und nur ein göttlicher Wandel gibt ihm den Heroldsstab für das göttliche Wort. Hat ihn seine Wissenschaft Gott nicht lieben gelehrt, wie sollen es andere von ihm und durch ihn lernen! Hat das göttliche Wort seine Macht nicht an seinem Gemüt, seinem Herzen geübt, wie soll es in seinem Mund die Herzen anderer gewinnen! Bringt er nicht seine Leidenschaft, seine Sinnlichkeit dem Gott seiner Spekulation und dem Gesetz seiner Gelehrsamkeit zum Opfer; macht sein Wandel und seine Tat nicht wahr, was seine Wissenschaft als Wahrheit und Recht, als Pflicht und Menschenbestimmung preist; verleugnet sein Leben den Gott, für den seine Wissenschaft schwärmt: wer wird aus seinen Händen die Thora hinnehmen, die er selber im Ernst des Lebens verlässt! — Warum die Wissenschaft der Thora Israel nicht gerettet? „Weil die Handhaber der Thora mich nicht gekannt!&#8220; zürnt Gott durch Jeremias Mund, weil sie wohl das Wissen von Gott und dem göttlichen Gesetz, aber den Umgang mit Gott nicht gehabt; sie wussten von mir, aber sie kannten mich nicht — sie waren <strong>תֹפְשֵׂ֤י הַתּוֹרָה֙</strong> aber <strong>לֹ֣א יְדָע֔וּנִי</strong>.</p>



<p class="has-text-align-center">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; ________________________________________________________________</p>



<p>Es kann aber der Tempel darnieder und die Thora im Winkel liegen, Gottesdienst und Wissenschaft können Israel verlassen haben, Priester und Gelehrte entartet und Israel für Gott und Gottes Sache in Israel doch nicht verloren sein, wenn nur der Kern des Volkes gesund geblieben und seine Führer, die Vertreter der jüdischen Volksgemeinde, nur noch für Gott und sein heiliges Gesetz einstehen. Hat ja nicht die Priester und die Gelehrten, hat ja Gott sein ganzes Volk am Sinai um sich versammelt und ihm, der jüdischen Gesamtheit, sein Feuer-Gesetz<a href="#_ftn31" id="_ftnref31">[31]</a> überantwortet. In jeder Hütte vererbt sich das Gottesgesetz, jeder Sohn wird zum Streiter Gottes, zum Vollstrecker und Anwalt des göttlichen Gesetzes geboren. Wo zehn von ihnen zusammen sind da weilt die Schechina unter ihnen und der jüngste Sohn des letzten Geschlechts tritt priesterlich in ihre Mitte hin<a href="#_ftn32" id="_ftnref32"><sup>[32]</sup></a>, als Repräsentant der Gesamtheit und Namens der Gemeinde das heiligste jüdische Bekenntnis, die heiligste Verheißung auszusprechen, ja im Namen Gottes die Gemeinde aufzufordern mit ihm Gott zu heiligen und sich mit ihm dem Dienst Gottes zu weihen<a href="#_ftn33" id="_ftnref33"><sup>[33]</sup></a>. Das jüdische Volk ist kein Tierorganismus, der Leben und Bewegung nur in einzelnen Kernorganen trägt und dessen Glieder der Verwesung verfallen, so das Herz dem Leben abgestorben. Das jüdische Volk ist ein lebensvoller Baum, in jedem seiner Teile wiederholt sich das Leben des Ganzen. Entblättert ihn, zersplittert ihn, der letzte Zweig, das letzte Blatt, die letzte Wurzelfaser genügt darin wieder das Ganze zu retten und in lebensfrischer Verjüngung den alten Baum in noch reicherer Blüte wiederherzustellen. Darin liegt ja eben das Geheimnis der Unsterblichkeit dieses Volkes, und darum eben ist es so unverwüstlich gewappnet gegen alle Zerstreuung und Zersplitterung, in welche die Stürme der Zeit es auseinanderreißen mögen. Eben darum sollte es aber auch gegen die Verirrung seiner Priester und Gelehrten gerüstet sein. Es hat ja nicht das göttliche Gesetz aus ihren Händen hinzunehmen; vielmehr haben sie es aus seinen, aus den Händen der jüdischen Gesamtheit hingenommen, diesen heiligen unantastbaren Gottesschatz mit aller Hingebung zu warten, in seine Tiefen sich zu versenken, seine Herrlichkeiten in Beispiel und Wort zur Anschauung zu bringen. „So des Priesters Lippe die offenbarte Gotteserkenntnis <strong>wahrt</strong>, nicht schafft, nicht mit anderem vertauscht, — so wird man das Gottesgesetz von seinem Mund suchen, so er als Gottesherold engelgleich in Lehre und Leben dasteht.&#8220; Wo aber nicht — da ist das Volk selbst Richter seiner Priester und Gelehrten. Es misst seiner Priester, seiner Gelehrten Lehre und Leben an dem ewig gültigen, allen bekannten, allen zugänglichen Maßstab des göttlichen Gesetzes. So die Priester, die Gelehrten nicht mehr Gottes, nicht mehr seines heiligen Gesetzes Priester und Gelehrte sind, sind sie auch seine Gelehrte, seine Priester nicht mehr. Es lässt Priester und Gelehrte bei ihren Altären, bei ihren Büchern, und flüchtet sich zu dem Urquell alles jüdischen Lebens, zu Gott und seinem heiligen Gesetz.</p>



<p>Insbesondere hat Gott auf die Anführer dieses Volkes, auf seine „Hirten&#8220;, auf seine Ältesten und Vorsteher, auf seine Fürsten und Könige, auf alle die gerechnet, die durch ihr Ansehen und ihre Macht als die einflussreichsten im Volk hervorragen, denen das Volk die Leitung seiner Angelegenheiten anvertraut und deren Fußstapfen es gerne folgt. Sie, die in Ägypten willig die Streiche auffingen, die ihren armen Brüdern galten, und damit den adelndsten Ritterschlag für alle Zeit erhielten, sie, die in den nächtigsten Jahrhunderten überall in der Bresche standen, wo dem leiblichen oder geistigen Gut der jüdischen Gesamtheit Gefahren drohten, sie, die Parnassim und Manhigim, die Versorger und Führer unserer Gesamtheit, <strong>sie</strong> sollten auch überall voranstehen, wo es gilt, entarteten Priestern und irreführenden Gelehrten gegenüber, den anvertrauten Gottesschatz, das Heiligtum ihres Volkes zu vertreten. In ihnen sollte der Geist Israels lebendig werden, aus ihrem Mund und ihrem Leben das Muster eines jüdischen Mannes hervorleuchten, in ihrem Ernst der Genius des jüdischen Volkes also entschieden gerüstet dastehen, dass vor seiner Hoheit gottvergessene Priester und gottverkennende Gelehrte vernichtet zurückweichen und ihrem siegreichen Vorangehen willig und freudig das Volk sich anschließe. —</p>



<p>Doch <strong>הָרֹעִ֖ים פָּ֣שְׁעוּ בִ֑י</strong>, klagt der Gottesvorwurf durch Jeremias Mund. Die Hirten selbst, die Führer des Volkes, die voranwandelnd dem Volk den rechten Weg hätten zeigen sollen, waren von mir abgefallen, hatten mir den Gehorsam gekündigt, und wenn <strong>ihnen</strong> das Volk nachwandelte, ging es erst vollends ins Verderben. Weh wo die mit Ansehen und Macht Bekleideten in ihrer bevorzugten Stellung nur einen Freibrief erblicken sich von den allen gemeinsamen Pflichten des jüdischen Gottesheiligtums zu entbinden, wo die Größten nicht auch die Besten, und die Höchsten nicht auch die dem Allerhöchsten Gehorsamsten sind. Weh wo in dem Beispiel der Begüterten dem Volk nur Wege voranleuchten, die es nicht gehen, und Grundsätze die es nicht befolgen sollte, und es sie doch als seine Hirten begrüßt, ihnen doch die Leitung seiner Angelegenheiten in Händen lässt und nicht bedenkt, dass wer Führer in Israel sein will sich zuerst als der erste Jude bewährt haben müsse, und wer Gott und seinem heiligen Gesetz den Gehorsam gekündigt, eben darin auch die einzige Macht selber gebrochen, in deren Namen er auf Anerkennung und Willensfolge seiner Brüder rechnen darf. Wehe, wo die Priester Gott vergessen, die Gelehrten Gott nicht kennen und des Volkes Führer — Gott den Gehorsam gekündigt, <strong>הָרֹעִ֖ים פָּ֣שְׁעוּ בִ֑י</strong> —</p>



<p class="has-text-align-center">___________________________________________________________________</p>



<p>Wenn aber auch alles in Israel morsch geworden, wenn auch alles, was die Herzen des Volkes zu Gott, die Lehre Gottes dem Volk bringen und ihm in Gott treuem Handel und Wandel vorangehen sollte, wenn Priester, Gelehrte und Führer Gott und seinem heiligen Gesetz den Rücken gewandt, wenn Gottesdienst, Wissenschaft und Volksgemeindewesen faul geworden, wenn die Gottessache in Israel verloren zu sein scheint — eine Macht gibt es dann noch, von der Rettung zu hoffen, eine Macht, die eben dann erwacht, wenn alles verloren scheint, die eben aus dem Schmerz über den Verfall Dasein und Kraft gewinnt — das ist die Macht des gottbegeisterten öffentlichen Wortes, das zu seinem Auftreten nicht des Standes und der Herkunft, nicht des Kreditivs eines überwiesenen Berufs bedarf, zu dessen Organ Gott sich seine Männer sucht, gleichviel ob Jesaias gleich ihre Wiege am königlichen Hofe gestanden, oder sie wie Jeremias und Ezechiel dem Priesterstande angehören, oder sie wie Amos der Thekoite<a href="#_ftn34" id="_ftnref34"><sup>[34]</sup></a> als Rinderhirte die Begeisterung gefunden. Gott sendet sie, und sie entreißen dem falschen Gottesdienst seine Schminke, der trunkenen Wissenschaft ihre Kränze, brechen der von Gott abgefallenen Macht den Stab und rütteln das Volk wach, sich und ihre Kinder ihrem Gott zu retten — —</p>



<p>Aber ach, lautet die Gottesklage, <a href="#_ftn35" id="_ftnref35"><sup>[35]</sup></a><strong> </strong>&nbsp;<strong>&nbsp;וְהַנְּבִאִים֙ נִבְּא֣וּ בַבַּ֔עַל</strong>, für Gott und sein heiliges Gesetz war das Wort der Begeisterung verstummt, und was die Kraft des öffentlichen Wortes handhabte, das war für den Baal begeistert, <strong>וְאַחֲרֵ֥י לֹֽא־יוֹעִ֖לוּ הָלָֽכוּ <a href="#_ftn36" id="_ftnref36"><sup><strong><sup>[36]</sup></strong></sup></a></strong> <strong>&nbsp;</strong>oder hatte sich Zwecken und Zielen zugewandt, aus denen das Heil des Volkes nicht erblühen konnte.</p>



<p>Wen Gott als seinen Propheten senden sollte, der musste &#8220; <strong>חָכָם</strong> &#8220; sein, er musste „weise&#8220; sein, <strong>הָרוֹאֶה אֶת הַנּוֹלָד</strong> <a href="#_ftn37" id="_ftnref37"><sup>[37]</sup></a>, der sich von der trüben oder glänzenden Erscheinung der Dinge in der Gegenwart nicht täuschen lässt, der ein Auge für die Zukunft, für das „Werdende&#8220; hat, der den Menschen und Dingen ins Herz, in die Geburtsstätte der Zukunft schaut und Personen und Zustände nach ihren „Folgen&#8220; würdigt.</p>



<p>Er musste<strong>&#8222;עָשִׁיר&#8220; </strong>&nbsp;, „reich&#8220; sein,<a href="#_ftn38" id="_ftnref38"><sup>[38]</sup></a><strong> שָׂמֵחַ בְּחֶלְקוֹ</strong> , für <strong>sich</strong> nichts wollen, über <strong>sein</strong> Geschick, <strong>seine</strong> Persönlichkeit ganz unbekümmert sein, somit einen unbestochenen und unbestechbaren Blick haben, der Menschen und Dinge nicht nach dem beurteilt, was sie ihm sind oder nicht sind, was sie ihm sein können oder nicht sein können, der von Menschen und Dingen für sich weder etwas hat noch erwartet, und für sie nur den einen Maßstab hat, was sie Gott und seiner heiligen Sache sind oder nicht sind.<strong></strong></p>



<p>Er musste,<strong> &#8222;גִּבּוֹר&#8220; </strong>&nbsp;„stark&#8220; sein, <a href="#_ftn39" id="_ftnref39"><sup>[39]</sup></a> <strong>&nbsp;הַכּוֹבֵשׁ אֶת יִצְרוֹ</strong>, musste an sich selbst erst die siegende Kraft des Gott zugewandten Willens erprobt haben, musste in sich selber niedergekämpft haben alle Begierde und Leidenschaft, alles Gelüste unlauterer Sinnlichkeit, so dass er rein dastand, aus seiner Persönlichkeit das Beispiel der Kämpfe und Siege, aus seinem Leben das Muster der Lauterkeit und Hingebung leuchtete, für die er der Herold des göttlichen Wortes werden sollte.</p>



<p>Die erwählte Gott zu Herolden in seinem Reich und legte seinen Geist auf sie und sein Wort in ihren Mund und seinen Mut in ihre Brust und seine Begeisterung in ihre Seele, und sendete sie aus als Boten seines Wortes und als die Ärzte seines armen, kranken Volkes.</p>



<p>Wenn aber das, was den Geist hatte zu schauen und das Wort hatte zu reden, selber von den Täuschungen der Gegenwart, von den Bestechungen der Selbstsucht, von den Fesseln der Sinnlichkeit befangen war; wenn die Gang- und Gebe-Idole der Völker ihnen das Ideal geworden, für das sie sich begeistern und in deren Huldigung sie auch das alleinige Heil ihres Volkes erblickten; wenn auch die Macht des Geistes und des Wortes dem Baal verkauft war, das Heil da erblickte, wo es nicht zu finden, und sich Zwecken dienstbar machte, die nichts fördern konnten — dann war Israels letzte Hoffnung begraben, dann rief vergebens Gottes Stimme: wen soll ich schicken, wer will für uns gehen, <strong>אֶת־מִ֥י אֶשְׁלַ֖ח וּמִ֣י יֵֽלֶךְ־לָ֑נוּ</strong> <a href="#_ftn40" id="_ftnref40"><sup>[40]</sup></a>? Er fand keinen für die Sendung, keinen für die Botschaft seines Wortes, und fand er einen, so standen zehn Propheten des Baal gegen einen Propheten des Herrn, — Begeisterung hier, Begeisterung dort, — und das arme, verratene Volk stand mitten inne und kam erst dann zur Besinnung, als die einbrechende Katastrophe, deren Gedächtnis uns der 17. Thamus bringt, die Wahrhaftigkeit der Propheten des Herrn besiegelte und die Täuschungen der Baalspropheten unter Schutt und Trümmer begrub — — —</p>



<p>Darum klagte Jeremias:</p>



<p class="has-text-align-center"><strong>&#8218;הַכֹּהֲנִ֗ים לֹ֤א אָֽמְרוּ֙ אַיֵּ֣ה ה</strong></p>



<p class="has-text-align-center"><strong>וְתֹפְשֵׂ֤י הַתּוֹרָה֙ לֹ֣א יְדָע֔וּנִי</strong></p>



<p class="has-text-align-center"><strong>וְהָרֹעִ֖ים פָּ֣שְׁעוּ בִ֑י</strong></p>



<p class="has-text-align-center"><strong>וְהַנְּבִאִים֙ נִבְּא֣וּ בַבַּ֔עַל</strong></p>



<p class="has-text-align-center"><strong>&nbsp;וְאַחֲרֵ֥י לֹֽא־יוֹעִ֖לוּ הָלָֽכוּ׃</strong></p>



<p class="has-text-align-center"><strong>לָכֵ֗ן עֹ֛ד אָרִ֥יב אִתְּכֶ֖ם נְאֻם־ה&#8216;</strong></p>



<p class="has-text-align-center"><strong>וְאֶת־בְּנֵ֥י בְנֵיכֶ֖ם אָרִֽיב׃<a href="#_ftn41" id="_ftnref41"><sup><strong><sup>[41]</sup></strong></sup></a></strong></p>



<p>So Jeremias — und wir? Wir, auf die vielleicht auch das göttliche Wort hinschaute, als es der Kindes Kinder gedachte, wir?? —</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Drei Wochen: vom 17. Thamus bis zum 9. Av</p>



<p><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Jeremia 2:4</p>



<p><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> www.sefaria.org: Pesikta Rabbati („Große Abschnitte“) ist ein mittelalterliches Midraschbuch über wöchentliche Tora-Lesungen und solche, die zu besonderen Anlässen gelesen werden. Der Begriff „Rabbati“ (groß) soll das Werk von der früheren und kleineren Pesikta d&#8217;Rav Kahana unterscheiden. Pesikta Rabbati enthält Midraschim aus der Pesikta d&#8217;Rav Kahana und anderen früheren Quellen. Zusammengesetzt: Talmudisches Israel (ca. 600 – ca. 900 n. Chr.)</p>



<p><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> Jeremia 2:4-9</p>



<p><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> Jeremia 2:5</p>



<p><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Jesaja 51:17</p>



<p><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> Priester</p>



<p><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> Handhaber der Thora</p>



<p><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> Führer</p>



<p><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> Propheten</p>



<p><a href="#_ftnref11" id="_ftn11">[11]</a> Jeremia 2:8</p>



<p><a href="#_ftnref12" id="_ftn12">[12]</a> Exodus 20:21; “an jedem Orte, wo ich meines Namens gedacht wissen will“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref13" id="_ftn13">[13]</a> ebenda</p>



<p><a href="#_ftnref14" id="_ftn14">[14]</a> Gebetseinschaltungen an Feiertagen</p>



<p><a href="#_ftnref15" id="_ftn15">[15]</a> Wikipedia: Als Schulchan Aruch (hebräisch <strong>שולחן</strong> <strong>ערוך</strong> „gedeckter Tisch“) wird die im 16. Jahrhundert von Josef Karo verfasste und im Folgenden von mehreren Rabbinergenerationen überarbeitete autoritative Zusammenfassung religiöser Vorschriften (Halachot) des Judentums bezeichnet.</p>



<p><a href="#_ftnref16" id="_ftn16">[16]</a> Firmelung = Firmung, hier in der Bedeutung der Bestärkung und Bekräftigung der Glaubenslehre</p>



<p><a href="#_ftnref17" id="_ftn17">[17]</a> Jesaja 2:8</p>



<p><a href="#_ftnref18" id="_ftn18">[18]</a> Mörtel, zum Verputzen der Wände</p>



<p><a href="#_ftnref19" id="_ftn19">[19]</a> Art und Weise Dinge zu tun, Methode</p>



<p><a href="#_ftnref20" id="_ftn20">[20]</a> Teil der Sittenlehre, der für mögliche Fälle des praktischen Lebens anhand eines Systems von Geboten das rechte Verhalten bestimmt</p>



<p><a href="#_ftnref21" id="_ftn21">[21]</a> Die Paitanin waren eine Gruppe von jüdischen Gelehrten in der Tannaiten-Periode, also vor etwa 1.800 Jahren.</p>



<p><a href="#_ftnref22" id="_ftn22">[22]</a> Jesaja 29:11; „Dass die Schau jeglichen Dinges euch geworden ist wie die Worte eines versiegelten Buches,“ (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>



<p><a href="#_ftnref23" id="_ftn23">[23]</a> Im Ingenieurwesen: die zeichnerische Planung oder Erfassung eines dreidimensionalen Gegenstandes oder eines Gebäudes auf einer horizontalen oder vertikalen Bildebene. Hier die „Tafeln“ mit den 10 Geboten</p>



<p><a href="#_ftnref24" id="_ftn24">[24]</a> Vorwort von Ramban zu Genesis</p>



<p><a href="#_ftnref25" id="_ftn25">[25]</a> Exodus 19:5</p>



<p><a href="#_ftnref26" id="_ftn26">[26]</a> Das Wissen von Gott</p>



<p><a href="#_ftnref27" id="_ftn27">[27]</a> Pescheräh, früherer Name der Eingeborenen des Feuerlandes</p>



<p><a href="#_ftnref28" id="_ftn28">[28]</a> Die Huronen, auch Wyandot genannt, sind ein nordamerikanisches Indianervolk</p>



<p><a href="#_ftnref29" id="_ftn29">[29]</a> Jeremia 22: 15-16; „Glaubst du wirklich zu herrschen, wenn du in Zedern weiteiferst? Dein Vater hat gegessen und getrunken, aber nur wenn er Recht und Milde geübt hat, war ihm wohl! Er sprach Recht dem Armen, dem Wehrlosen — und besaß damit das Gute: das heißt eben Mich kennen, spricht Gott!“ (Übersetzung Rabbiner Dr. Joseph Breuer)</p>



<p><a href="#_ftnref30" id="_ftn30">[30]</a> Mishneh Thora, Kapitel 5; So wie der Weise an seiner Weisheit und Einsicht erkannt wird, und sich dadurch vor dem übrigen Volke auszeichnet, so sollen ihn auch seine Handlungen: Essen, Trinken, Verrichtung der Notdurft, Sprache, Gang, Kleidung, Unterhaltung und Geschäfte als solchen auszeichnen. Alle diese Handlungen sollen geordnet und geregelt verrichtet werden. (Übersetzung Leon Mandelstamm)</p>



<p><a href="#_ftnref31" id="_ftn31">[31]</a> Deuteronomium 33:2: אש דת</p>



<p><a href="#_ftnref32" id="_ftn32">[32]</a> Am Tag seiner Bar-Mitzwa</p>



<p><a href="#_ftnref33" id="_ftn33">[33]</a> Beim Aufruf zur Thora sagt der Bar-Mitza erstmalig: <strong>ברכו את ה&#8216; המבורך</strong> und die Gemeinde antwortet: <strong>ברוך ה&#8216; המבורך לעולם ועד</strong></p>



<p><a href="#_ftnref34" id="_ftn34">[34]</a> Aus der Stadt Tekoa</p>



<p><a href="#_ftnref35" id="_ftn35">[35]</a> Jeremia 2:8; “die Propheten prophezeiten dem Baal“</p>



<p><a href="#_ftnref36" id="_ftn36">[36]</a> Ebenda; „da gingen sie dann dem nach, was nichts nützt.“</p>



<p><a href="#_ftnref37" id="_ftn37">[37]</a> Pirke Avot 2:9; „der die Folgen voraussieht“</p>



<p><a href="#_ftnref38" id="_ftn38">[38]</a> Pirke Avot 4:1: “Ben Soma spricht: Wer ist weise? Wer von jedem Menschen lernt, denn es heißt (Ps. 119,99) : „Von Allen, die mich belehrten, bin ich weise geworden (denn deine Zeugnisse sind meine Unterhaltung).“ Wer ist stark? Wer seine Leidenschaft bezwingt, denn es heißt (Spr. 16,32): „Besser ist der Langmütige, als ein Held, und wer sein Gemüt beherrscht, als ein Städtebezwinger.“ Wer ist reich? Wer mit seinem Teile sich freut, denn es heißt (Ps. 128,2): „Wenn du deiner Hände Mühen genießest, Heil dir und wohl dir!“ — „Heil dir“ in dieser Welt, „und wohl dir“ in der zukünftigen Welt. Wer ist geehrt? Wer die Menschen ehrt, denn es heißt (1. Sam. 2,30): „Denn meine Verehrer bringe ich zu Ehren, und meine Verächter werden entwürdigt.“” (Übersetzung Mischnajot mit deutscher Übersetzung und Erklärung. Berlin 1887-1933)</p>



<p><a href="#_ftnref39" id="_ftn39">[39]</a> Pirke Avot 4:1</p>



<p><a href="#_ftnref40" id="_ftn40">[40]</a> Jesaja 6:8</p>



<p><a href="#_ftnref41" id="_ftn41">[41]</a> Jeremia 2:8-9</p>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/thamus-5785/">Thamus 5785</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Siwan 5785</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/siwan-5785/</link>
					<comments>https://hirschinitiative.de/siwan-5785/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 May 2025 13:31:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Monatsblatt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hirschinitiative.de/?p=5150</guid>

					<description><![CDATA[<p>Artikel von Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l wird nicht nur das Schawuothfest ausführlich besprochen, sondern auch begründet, warum das Judentum keine Religion ist. Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift „Jeschurun“, Heft 9, 1. Jahrgang, im Juni 1855. Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/siwan-5785/">Siwan 5785</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-small-font-size">Artikel von Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l wird nicht nur das Schawuothfest ausführlich besprochen, sondern auch begründet,<strong> warum das Judentum keine Religion ist.</strong></p>



<p class="has-small-font-size">Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift „Jeschurun“, Heft 9, 1. Jahrgang, im Juni 1855.</p>



<p class="has-small-font-size">Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter:</p>



<p class="has-text-align-center has-small-font-size"><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2938721">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2938721</a></p>



<p class="has-text-align-center has-x-large-font-size"><strong>זְמַן מַתַּן תּוֹרָתֵנוּ, שָׁבוּעוֹת</strong></p>



<p><strong>Am 6</strong><strong>.</strong><strong> und 7. Siwan ist</strong><strong> זְמַן מַתַּן תּוֹרָתֵנוּ</strong><strong>, ist das Fest unserer Gesetzgebung.</strong> Wo sind die Symbole dieses Festes? Wo ist die Bestimmung dieser Feier? Warum so kurz und flüchtig dieses Fest?</p>



<p>Pessach hat seine Mazzoth, Sukkoth Hütte und Lulaw, Rosch Haschanah seinen Schofar, Jom Kippur sein Fasten; <strong>wo hat Schawuoth seine Symbole</strong>?</p>



<p>Wie klar, bestimmt und deutlich die Schrift über Begriff und Bedeutung aller übrigen Feste; aber die Bestimmung des Schawuoth zum Fest der Gesetzgebung suchst du vergebens im schriftlichen Gotteswort.</p>



<p>Der <strong>Erlösung</strong> aus Ägypten eine ganze Festwoche, die in ihrer Vorbereitung und Ausführung fast einen ganzen Monat beschäftigt und das ganze häusliche Leben umwandelt — den<strong> Erhaltungs</strong>wundern in der Wüste wiederum eine ganze Festwoche, deren Hüttenleben jedem Augenblick ihrer siebentägigen Dauer ihr äußeres Gepräge aufdrückt und die einst ein ganzes Volk mit den lautesten Kundgebungen des gottinnigsten Nationalgefühls durchdrang — und der <strong>Gesetzgebung</strong>, der Offenbarung der <strong>תּוֹרָה</strong>, diesem ersten, heiligsten, höchsten, alle anderen Heilswunder weit überragenden Grundmoment des jüdischen Nationaldaseins, diesem, Grund und Zweck und Ziel unseres ganzen Wesens in sich tragenden Faktum, diesem Fest aller Feste, dieser Feier aller Feiern, für welche wir die lauteste, feierlichste, prägnanteste, dauerndste Kundgebung aller Gefühle des freudigsten Bekenntnisses und der Hingebung und der Weihe hätten erwarten sollen — dieses Fest: Ein flüchtiger, lautlos und still vorübergehender Tag!</p>



<p><strong>Woher gerade der </strong><strong>תּוֹרָה</strong><strong> diese Kürze, diese Stille, dieses Schweigen, diese Kargheit der Feier, diese Armut an Symbolen?</strong></p>



<p class="has-text-align-center"><strong>1. Einzigkeit der Thora</strong></p>



<p>Warum kein Symbol der Thora? Aus demselben Grund, warum kein Symbol für Gott! <strong>כִּ֣י לֹ֤א רְאִיתֶם֙ כׇּל־תְּמוּנָ֔ה <a href="#_ftn1" id="_ftnref1"><sup><strong><sup>[1]</sup></strong></sup></a> „</strong>Ihr habt keine Gestalt gesehen, als Gott zu euch am Horeb aus dem Feuer sprach!&#8220; erinnert wiederholt und wiederholt Gottes Wort und warnt, warnt <strong>לְנַפְשׁוֹתֵיכֶם</strong> um des Heiles unserer Seele willen, Gott, diesen höchsten Gedanken des höchsten einzigen Wesens in keinerlei Bild, Symbol und Zeichen zu fassen. Bild, Symbol, jedes Zeichen umschränkt, begrenzt den Begriff des zu Bezeichnenden. Was Bild, Symbol, Zeichen soll ausdrücken können, muss mit irgend anderen Wesen in irgendeiner Gemeinschaft stehen, muss mit irgend anderen Wesen einem gemeinschaftlichen höheren Begriff unterliegen und von ihnen nur durch das Merkmal einer besonderen Eigentümlichkeit sich unterscheiden. Es muss dasselbe sein, was ein anderes ist; nur in einem höheren, geringeren Grad; in einer so und so verschiedenen, anderen Weise. Du nimmst das Merkzeichen jenes Allgemeinen, fügst das Merkmal dieses Besonderen hinzu, und sprichst: siehe, Das ist&#8217;s!</p>



<p>Gott aber, Gott, das Wesen, das Du, Jude, bei diesem Namen denkst, und dessen Gedanke dich mit dem Schauer der Seligkeit erfüllt, ist einzig, hat keine Gemeinschaft mit irgend anderen Wesen, ist von keiner Art, ist nicht auch ein Gott, etwa nur der höchste, mächtigste Gott unter Göttern, dass du das Zeichen eines sonst auch Hohen nehmen, und das Merkmal der besonderen Hoheit und Größe deines Gottes hinzufügen und dann etwa sprechen könntest: seht, das ist unser Gott!</p>



<p>So nicht! Gott ist <strong>einzig</strong>, ist <strong>nur</strong> Gott, ist <strong>ausschließlich</strong> Gott, ist <strong>so</strong> Gott, dass, wenn du bei diesem Namen <strong>Ihn</strong>, den Einzigen, denkst, du mit diesem Namen fortan nichts anderes bezeichnen kannst — und darum kannst du Gott mit keinem Bild, mit keinem Symbol bezeichnen, und darum verleugnest du Gott, wie du Zeichen und Symbol für Ihn aufstellen wolltest, und darum kannst du Ihn nur denken und sprichst nicht einmal in Gedanken seinen unaussprechlichen, unnahbaren Namen aus.</p>



<p><strong>Also aber auch Seine Thora. Auch sie ist <u>einzig</u></strong> wie Gott, ihr Schöpfer. <strong>Sie hat keine Gemeinschaft mit anderen Gesetzen, Lehren, Veranstaltungen, Institutionen</strong>, unterliegt nicht mit anderen einem höheren Begriff und unterscheidet sich von ihnen etwa nur durch die besondere Art ihres Seins, dass du nun etwa das Zeichen jenes gemeinschaftlichen Höheren nehmen, und das Merkmal dieses Besonderen hinzufügen und sodann sprechen könnest: siehe, das ist unsere Thora, das ist jüdische Thora!</p>



<p><strong>So nicht. Die Thora hat keine Art, gehört zu keiner Gattung, sie ist einzig und, wie Gott, nur sich selbst vergleichbar</strong>. <strong>Sie ist einzig</strong>, ist nicht <strong>auch</strong> eine Thora, <strong>auch</strong> eine Religion, <strong>auch</strong> ein Gotteswort oder welch anderen Gattungsbegriff du wählen möchtest; sie ist nur sich selbst zu vergleichen, so einzig nur in ihrer Art, dass jedem Namen, bei welchem du sie, die Einzige, denken möchtest, du sofort zur Bezeichnung keines anderen Begriffes gebrauchen könntest. Für die Thora gibt es kein Symbol, kein Zeichen, fast kein Wort, — jedes Symbol, jedes Zeichen risse sie aus ihrer Einzigkeit, unterwürfe sie einer Gemeinschaft, die ihre Wesenheit bis zur Vernichtung verleugnete — und darum hat ihr Fest, hat Schawuoth, hat das Fest der Thora — <strong>kein Symbol!</strong></p>



<p>Siehe da den Reichtum dieser Symbol-Armut! Siehe da das unerschöpflich Bedeutsame der Zeichenlosigkeit dieses Festes! — und siehe da den ersten Gedanken, mit welchem dieses Fest dich grüßt: <strong>Gedenke der Einzigkeit der Thora!</strong></p>



<p>O, es hat nicht gutgetan, seitdem man diese Einzigkeit der Thora vergaß und sie in Symbol und Wortzeichen fasste. Seitdem <strong>בְּכָל יוֹם וָיוֹם בַּת קוֹל יוֹצֵאת מֵהַר חוֹרֵב &#8230;. אוֹי לָהֶם לַבְּרִיּוֹת מֵעֶלְבּוֹנָהּ שֶׁל תּוֹרָה</strong> <a href="#_ftn2" id="_ftnref2"><sup>[2]</sup></a>, seitdem tönt die Klage täglich am Berge Horeb: weh den Menschen ob der Schmach und Verkennung der Thora!</p>



<p>Die Weisheit des Menschen besteht so sehr fast nur im Generalisieren, im Verallgemeinern, im Auffinden des allgemeinen Begriffs, dem sich&nbsp; das Besondere, als Art, als Spezies, als Individuum unterordnet — er ist <strong>so</strong> sehr gewohnt, sein Bewusstsein von einem Gegenstand oder einer Erscheinung nur dann als eine Kenntnis desselben zu bezeichnen, wenn es ihm gelungen ist, den allgemeinen Begriff, welchem er den Gegenstand, oder das allgemeine Gesetz anzufinden, welchem er die Erscheinung einzureihen vermochte, — es ist ihm die Individualität eines jeden Wesens überhaupt ein so mit sieben Siegeln verschlossenes Rätsel — denn der Mensch kennt und begreift auch von jedem Individuum nur das Allgemeine — und nun gar ein Einziges, ein jeder Analogie sich Entziehendes, ein Wesen, eine Erscheinung, die <strong>nur</strong> individuell wäre, die sich mit nichts anderem einem gemeinschaftlichen höheren Begriff unterordnen, und auf welche daher keine der anderweitig erkannten Gesetze und Vorstellungen sich anwenden ließen, widerstrebt so sehr allen seinen in anderen Bereichen gemachten Erfahrungen — dass, als ihm nun im Judentum, — im Gott dieses Judentums, in der Thora dieses Judentums und in dem Juden, dem geschichtlichen Träger dieses Judentums, — ein solches <strong>Einzige,</strong> ein solches <strong>rein Individuelle</strong> entgegentrat, er nun nicht dieses Einzige in seiner reinen Besonderheit zu erkennen und zu würdigen sich bemühte, sondern mit rascher Gedankenlosigkeit auch diesem Einzigen das Netz seines anderweitigen Schematismus über den Kopf warf, auch dieses Einzige seinen anderweitig geltenden Gattungsbegriffen und Bezeichnungen unterwarf, damit aber sich für immer die Kenntnis und Erkenntnis dieses Einzigen vernichtete. Denn sofort nahm er nun diese Bezeichnung, diesen Namen, dieses Wort für das wirkliche Gepräge, für das wirkliche Wesen dieses Einzigen, wendete alle Schlüsse, alle Folgerungen aus diesem Namen nun auch auf dieses Einzige an, dem er doch nur gedankenlos diesen Namen ausgeprägt, und kam nie zu der Erkenntnis, dass ja die ganze Anwendung dieser Schlüsse und Folgerungen auf dieses Einzige eine Lüge — weil die Namengebung, die Bezeichnung unwahr.</p>



<p class="has-text-align-center"><strong>2. Religion</strong></p>



<p>„<strong>R</strong><strong>eligion</strong>&#8220; nennt man die Thora, <strong>jüdische Religion</strong>; bezeichnet doch dieser Name in allen übrigen Kreisen die Beziehung des Menschen zu seinem Gott oder seinen Göttern, ist doch dieser Name in allen übrigen Kreisen mit Würde und Heiligkeit bekleidet; konnte man einen ehrwürdigeren, heiligeren Namen für die Thora finden? <strong>Und doch hat man mit diesem Namen das Wesen der Thora getötet</strong>. So lange Menschen auf Erden atmen, hatten sie Religion. Der Heide, der seinen Fetisch anbetet, der Wilde, der sich seinen Gott aus Honigteig knetet und mit Menschenblut bemalt, der Grieche, der ihn aus Gold und Elfenbein meißelt und ihm die Erfindung seiner Künste und die Übung seiner galanten Laster andichtet, bis hinan zu den Bekennern der beiden Institutionen, die aus der Vermählung einiger Thoragedanken mit vorgefundenen Vorstellungen und Begriffen im Kreis der Menschen sich erzeugt — alle diese hatten und haben Religion. Selbst der Gottesleugner, der Religionsverächter hat noch vielleicht Religion; denn er leugnet vielleicht nur die Vorstellungen, die die übrigen Menschen von Gott haben, verachtet vielleicht nur die Religion, die er bei den übrigen Menschen vorhanden findet, oder vorhanden glaubt. Denn „Religion&#8220; nennt man ja jede Vorstellung, die Menschen sich von der Gottheit und von ihren Beziehungen zu dieser Gottheit gebildet haben und bilden. Die „<strong>Religionen</strong>&#8220; der Menschen sind daher menschliche Produkte, Erzeugnisse des menschlichen Geistes und Gemütes, und darum gibt es eine Genesis, eine Entwicklungsgeschichte der Religion und Religionen, wie es eine Geschichte der Sprachen, der Künste und Wissenschaften gibt. Die Religion eines Volkes steigt und fällt mit den übrigen Kulturstufen desselben. Die „<strong>Religion</strong>&#8220; bildet selbst nur einen Teil dieser Kultur, ja ist ganz eigentlich bedingt durch dieselbe. Je vernünftiger, je veredelter die Menschen, um so vernünftiger und edler wird ihre Vorstellung von der Gottheit und ihren Beziehungen zu derselben sein. Keine „<strong>Religion</strong>&#8220; kann daher bei ihrem Entstehen das Kulturmaß des Volkes überragen, unter welchem sie entsteht, keine „<strong>Religion</strong>&#8220; in ihrem Beginn im vollendeten Widerspruch mit den Vorstellungen, Neigungen und Lebensansichten dieses Volkes stehen, keine „Religion&#8220; die Geister und Gemüter dieses Volkes erst zu sich erziehen; denn sie ist ja eben nur Gewächs aus dem Boden seines Geistes und Gemütes; sie ist ja von der Kulturstufe des Volkes bedingt, und wird mit dessen Fort- und Rückschritten <strong>Schritt zu halten haben</strong>.</p>



<p>Und die Thora, die nicht aus der Brust der Sterblichen entsprungen, die das Wort des Gottes des Himmels und der Erde <strong>an</strong> den Menschen ist, die von vornherein so sehr die Kulturstufe ihres Volkes überragte, dass sie seit den mehr als dreitausend Jahren ihres Daseins noch nie eine Zeit dieses Volkes gehabt, die ihr ganz adäquat gewesen, in welcher sie bereits ihre volle Vollendung und Wirklichkeit gefunden, die vielmehr das über Jahrtausende hinaus hochaufgesteckte <strong>Höheziel </strong>ist, zu welchem dieses Volk durch alle Gänge seines Geschickes inmitten aller Volker erzogen werden soll, — die diese Mangelhaftigkeit und Erziehungsbedürftigkeit ihres Volkes von vornherein vorausgesetzt, ausgesprochen und voraus verkündet, — für deren Göttlichkeit und „Einzigkeit&#8220; nichts daher also ewig zeugt, als eben der fortgesetzte, wiederholte <strong>Abfall</strong>, die fortgesetzten, wiederholten <strong>Kämpfe</strong>, in welchen diese Thora die ganze erste Generation ihres Volkes den Untergang finden lassen, sich erst&nbsp; das jüngere Geschlecht zu ihrem Fortträger erwählen konnte und so auch noch heute fort und fort alle Geschlechter ihres Volkes überdauert und des künftigen Geschlechtes <strong>noch</strong> ausharrt, das einst am Ziel der Tage für sie vollends reif dastehen wird, — <strong>diese Thora</strong>, die daher von vornherein ihren <strong>außermenschlichen Ursprung dokumentiert</strong>, die daher keine Entwicklung und keine Geschichte hat, deren Volk vielmehr allein eine Geschichte hat und dessen Geschichte eben nichts anderes ist, als die fortgesetzte Erziehung zu der unwandelbar ewigen Höhe dieser Thora, — <strong><u>diese Thora,</u> die daher nichts gemein hat mit allem was im Kreis der Menschen sonst mit dem Namen </strong><strong>„</strong><strong>Religion&#8220; bezeichnet wird, diese Thora sollen wir gleichwohl ,,Religion&#8220; nennen, und sie mit diesem Namen in den Kreis menschengeschichtlicher Erscheinungen, in die sie <u>nicht</u> gehört, einreihen, und in deren Kreis man dann auch <u>ihr</u> mit der Frage begegnet: und du willst ewig dieselbe bleiben? alle Religionen verjüngen sich und schreiten fort mit dem Fortschritt der Völker, und nur die jüdische Religion will starr und immer die alte bleiben und sich den Ansichten einer erleuchteteren Zeit nicht fügen? usw. usw.</strong></p>



<p>Alle diese Fragen hätten Wert und Bedeutung, <strong>wenn</strong> die Thora <strong>„</strong><strong>Religion der Juden&#8220;</strong>, d. h. die Vorstellung wäre, welche die <strong>Juden</strong> einer gewissen Zeit von Gott und von den Beziehungen der Menschen zu Gott gehabt. <strong>Alle diese Fragen sind aber gedankenlos und nichtig, weil die Thora einziges, ewiges Wort des einzigen, ewigen Gottes des Himmels und der Erde ist und nicht die Vorstellung enthält, die die Juden einmal von Gott und ihren Beziehungen zu ihm gehabt <u>haben</u>, sondern die sie nach dem Willen eben dieses einzig ewigen Gottes zu allen Zeiten haben <u>sollen</u>.</strong></p>



<p class="has-text-align-center"><strong>3. Religion</strong></p>



<p><strong>„</strong><strong>Religion&#8220;</strong> nennt man die Thora, „jüdische Religion&#8220; — aber was man in allen Kreisen sonst „Religion&#8220; nennt,&nbsp; das ist vorzugsweise ein <strong>Inneres</strong>, Gedanken sind es, wie wir gesehen haben, Vorstellungen, Empfindungen, Gefühle, <strong>die der Mensch</strong> von der Gottheit und von seinen Beziehungen zu dieser Gottheit in seinem Innern trägt, — und was sich an äußeren Handlungen mit diesem Inneren verbindet, das ist dort nur Form, kann <strong>dort </strong>nur Form, und somit nur&nbsp; das Unwesentliche, ja&nbsp; das Gleichgültige sein; muss es ja auch in der Tat gleich gelten, in welcher Form — zu seiner eigenen Befriedigung — dieses Innere sich äußert; ist nur der Gedanke wahr, die Vorstellung richtig, die Empfindung rein,&nbsp; das Gefühl edel, so ist jede Form die beste, in welcher dieses Innere sich am klarsten und befriedigendsten ausgedrückt findet, und so muss auch diese Form mit dem Wechsel und Wandel dieses Inneren wech- seln und wandeln —, und weil dies nun in allen <strong>anderen</strong> Gebieten so ist, und naturgemäß gar nicht anders sein kann, und weil man nun auch der Thora <strong>fälschlich</strong> den Namen „Religion&#8220; gegeben und sie eben mit diesem falschen Namen mit in den Kreis jener Gebiete — in die sie <strong>nicht</strong> gehört — hinübergezogen, will man nun auch die Thora,&nbsp; das einzige, ewige Wort des einzigen, ewigen Gottes in den Schmelztiegel eines solchen Scheidungsprozesses werfen, will man auch dort Wesentliches, Ewiges, von Vergänglichem, Gleichgültigem scheiden, will man auch dort ein paar Gedanken, Vorstellungen, Empfindungen, Gefühle heraussondern und sprechen: seht, das ist der Kern, darauf allein kommt es an; alles andere ist nur Form, und somit gleichgültig, und muss wechseln und wandeln, wie wir im Wechsel der Zeiten uns wandeln und wechseln — —&nbsp; Das ganze einzige Wesen dieser Thora und jedes Wort dieser Thora straft aber diesen ganzen Prozess gedankenlosester Vermessenheit Lügen!</p>



<p><strong>Mitnichten</strong> zuerst hat diese Thora es <strong>vorzugsweise</strong> mit unserem <strong>Inneren</strong> zu tun, <strong>mitnichten</strong> ist ihr unser <strong>Inneres </strong>mit seinen Gedanken und Vorstellungen, Empfindungen und Gefühlen das Wesentliche, der <strong>eigentliche Kernpunkt</strong> ihrer Institutionen, um das sie alles andere nur als unwesentliche Form, als Rahmen, Schale oder Hülle füge! Was <strong>sie regeln will, ist nichts weniger als der ganze Mensch, der <u>ganze</u> Mensch</strong> mit seinen Gedanken und Gefühlen, aber auch mit seinen sinnlichen Trieben und Begierden, mit seinen sinnlichen Bedürfnissen und Genüssen, mit seinem seelisch-leiblichen Einzelleben, so wie mit den Beziehungen seines ehelichen, häuslichen Familienlebens und mit seinem menschengesellschaftlichen Gemeinde- und Staatenleben! Es ist das <strong>einzige</strong> Wort Gottes an den <strong>ganzen</strong> Menschen, <strong>für den ganzen</strong> Menschen!</p>



<p>Die speziellen Aussprüche dieser Thora für unser Gedanken- und Gefühlsleben ließen sich bequem auf die eine Seite eines mäßigen Quartblattes<a href="#_ftn3" id="_ftnref3">[3]</a> verzeichnen und 99/100 ihrer 613 Sätze<a href="#_ftn4" id="_ftnref4">[4]</a> wären nichts als vergängliche, gleichgültige Form!</p>



<p>Der hat ferner nie mit Ernst in diese Thora geblickt, der nicht wüsste, <strong>mit welchem Ernst</strong>, mit welch ernstestem Ernst — <strong>im Gegensatz zu allem, was sonst Religion heißt, und eben <u>weil </u>sie <u>nicht </u>Religion ist </strong>— sie gerade die Beachtung ihrer Vorschriften in Betreff äußerer Handlungen fordert, und <strong>ganz besonders</strong> in Beziehungen <strong>des leiblichsten, sinnlichsten Lebens</strong>, Beziehungen, die am weitesten fern ab von dem Gebiet liegen, in welchem das, was man sonst Religion nennt, seine Stätte findet, wie z.B. die Speisegesetze, die Gesetze über den leiblichen Umgang der Geschlechter usw., usw. Wahrlich, wahrlich, es müsste erst unserer Zeit gelingen, dem Volk Gottes das Buch seiner Thora in Wahrheit zu einem <strong>סֵפֶר חֲתוֹם</strong>, zu einem „dem Laien&#8220; „verschlossenen&#8220; Buch zu machen, ehe es ihr gelingen wird, ihm seine Thora zu entreißen und sie in dem Tiegel ihres scheidekünstlerischen Prozesses zu einer „Religion&#8220; von ihrer Mache zu verflüchtigen!</p>



<p>Und endlich <strong>gerade diejenigen</strong> Gesetze dieser Thora, die sich selbst als Ausdruck eines Gedankens, somit als Symbol, oder, mit der Zeit zu sprechen, als „Form&#8220; ankündigen, wie z.B. <strong>Sabbath, Feste, Opfer usw. wie ist gerade ihnen der offenste, klarste Gegensatz zu allem aufgedrückt, was der Name Religion bezeichnet, wie steht gerade da die Anwendung dieses Namens auf die Thora in ihrer vollen Nichtigkeit da? Wie steht gerade da die </strong><strong>„</strong><strong>Form&#8220; in ihrer Wesenheit, Ursprünglichkeit, Ewigkeit!</strong></p>



<p>Weil „Religion&#8220; der Gedanke des <strong>Menschen</strong> ist, der in symbolischer Handlung seinen Ausdruck findet, <strong>darum</strong> ist in der „Religion&#8220; dieser <strong>Gedanke das Erste</strong>, Ursprüngliche, Wesentlichste und die äußere symbolische Handlung das Spätere, Erzeugte, Untergeordnete, Gleichgültige. Weil aber die <strong>Thora</strong> in diesen Gesetzen der Gedanke <strong>Gottes</strong> ist, den <strong>Gott dem Menschen</strong> in der von Ihm angeordneten symbolischen Handlung zur innigsten Aneignung <strong>darreicht</strong>, der also durch die symbolische Handlung <strong>in dem Menschen erst erzeugt</strong> werden soll, <strong>darum</strong> ist in der <strong>Thora</strong> diese <strong>symbolische Handlung</strong> das Erste, Ursprünglichste, Wichtigste, ist eine Gottessprache an den Menschen, <strong>ist ein Gottesdokument, das mit diplomatischer Genauigkeit und Authentizität zu erhalten und zu vergegenwärtigen ist, damit der Mensch es studieren und daraus die von Gott darin niedergelegten Gedanken schöpfen und sich aneignen könne.</strong></p>



<p>Wer daher z.B. im jüdischen Kreis die Schöpfung der Welt von Gott mit Worten geleugnet, wurde noch nicht von dem Strahl der Strafgerechtigkeit der Thora getroffen; denn auch wenn er sie mit Worten bekannt, in Predigten verkündet und in lyrischen Gedichten gefeiert, hätte er noch seiner Thorapflicht nicht genügt. <strong>Beides erschiene nur eben als </strong><strong>„</strong><strong>Religion&#8220;, als Gedanken und Vorstellung, als </strong><strong>„</strong><strong>Glaube&#8220; wie die Welt spricht, als momentanes Dafürhalten eines Menschengeistes.</strong> Der Geist des Menschen und sein Dafürhalten aber wechselt und wandelt. Der Gottesleugner von heute kann sich morgen zur Gotteshymne begeistern. Der Hymnendichter von gestern kann heute durch die indes fortgeschrittene „Naturkenntnis&#8220; zu der „Überzeugung&#8220; kommen, seine Hymne von gestern sei kindische Torheit gewesen. <strong>Wer aber den Sabbath in der symbolischen Gottessprache</strong> des <a href="#_ftn5" id="_ftnref5"><sup>[5]</sup></a> <strong>אִסּוּר מְלָאכָה</strong> gefeiert, hat eben diese Wahrheit der Weltschöpfung nicht <strong>als ein Dafürhalten der Menschen</strong>, sondern als <strong>eine Offenbarung dieses Weltschöpfers <u>an</u> </strong>den Menschen dokumentiert, und somit sich und der Menschheit eine Denksäule erhalten, auf welche noch die Söhne und Enkel sich zur freudigsten Gottinnigkeit empor zu retten vermögen, wenn ringsum der Irrtum und der Wahn einer die Grenzen ihres eigentümlichen Gebietes verkennende Forschung in trostlose Versunkenheit ihre Opfer begraben. <strong>Und hinwieder, wer diese symbolische Sabbathfeier verletzt</strong>, hat sich und anderen das Gottesdenkmal zertrümmert, das Gottesdokument zerrissen, das den Gottesgedanken nicht als „Religion&#8220;, nicht als ein menschlich Dafürhalten, <strong>sondern als</strong><strong> „</strong><strong>Thora&#8220;, als fetische Gottesoffenbarung an den Menschen</strong> zu verewigen bestimmt ist.</p>



<p><strong>Gerade diese „Formen&#8220; der Thora sind es daher, die ihre Wahrheiten als Gottesoffenbarungen, als „Thora&#8220;, bewahren und sie vor ihrem Umschlagen in ihr gerades Gegenteil, vor ihrem Verflüchtigen in </strong><strong>„Religion</strong><strong>&#8220; schützen</strong>; und da sie nicht die Zeichen sind, in welchen der Mensch seine wandelnden Gedanken und Gefühle ausdrückt, sondern die Zeichenschrift sind, in welche Gott <strong>Seine</strong> weiterlösenden und weltbauenden Wahrheiten <strong>für den Menschen</strong> niedergelegt, darum ist nichts so gerechtfertigt als die <strong>treueste, gewissenhafteste Erhaltung und Vergegenwärtigung dieser </strong><strong>„F</strong><strong>ormen&#8220;</strong>, damit Geschlecht nach Geschlecht deren noch niemals ganz erschöpfte Inhaltsfülle sich zu immer vollerem Bewusstsein bringe — und <strong>darum ist nirgends die Willkür verderblicher, als&nbsp; eben dort, da ein Nichtbeachten des </strong><strong>בַּל תּוֹסִיף</strong><strong> </strong><strong>und</strong><strong> בַּל תִּגְרַע <a href="#_ftn6" id="_ftnref6"><strong>[6]</strong></a> </strong><strong>hinsichtlich der Bestandteile dieser Formen</strong><strong> (האומר אין תפלין וכו&#8216; פטור, חמשה טוטפות וכו&#8216; חייב; סנהדרין כח&#8216; ב&#8216;<a href="#_ftn7" id="_ftnref7"><sup><strong><sup>[7]</sup></strong></sup></a>) &nbsp;</strong><strong>al</strong><strong>s</strong><strong> Fälschung des heiligsten Gottesvermächtnisses an den Menschen dastehen würde.</strong></p>



<p class="has-text-align-center"><strong>4. Theologie</strong></p>



<p>Wie aber der Name Religion der Thora verderblich wurde, weil man ihn derselben beilegte, ohne zu bedenken, dass ihren innersten Wesen nach sie im geraden Gegensatz zu dem ganzen Kreis von Erscheinungen steht die der Name Religion gemeinsam umschließt, und man sodann in gleicher Gedankenlosigkeit für sie aus diesem Namen Konsequenzen zog, als ob dieser Name in Wirklichkeit ihr Wesen enthielte, ebenso wird sie auch durch andere Bezeichnungen gefährdet, die man aus ganz anderen, ihr fremdartigen Gebieten auf sie oder ihre Institutionen überträgt, und ihr damit zugleich eine Charakteristik und Verhältnisse andichtet, die ihr, ihrem ganzen Wesen nach, auf ewig fremd sind.</p>



<p>Man nennt die Thora „<strong>Theologie</strong>&#8222;, „jüdische Theologie&#8220;, — Theologie bezeichnet aber die Lehre von „Gott&#8220;, das System dessen, was die Menschen von Gott wissen. Und weil nun „Gott&#8220; der <strong>höchste</strong> Begriff ist, zu dem sich der denkende Menschengeist zu erheben vermag, und weil das, was die Menschen von den „<strong>göttlichen Dingen</strong>&#8220; wissen, oder zu wissen vermeinen, dem gewöhnlichen Gedankenkreis so <strong>fern</strong>, dem gewöhnlichen Fassungsvermögen so <strong>hoch</strong> erschien, dass „der gewöhnliche&#8220; Mensch diesem Wissen von den göttlichen Dingen, dieser „Theologie&#8220; sich nicht zu nahen — wagte — brauchte — durfte, bildete sich ein <strong>eigener</strong> Kreis von Trägern dieses Wissens, die in diesem Wissen ihren „<strong>Beruf</strong>&#8220; ihren „<strong>Stand</strong>&#8220; und ihren — Nimbus fanden, <strong>der sie</strong> wie mit elektrischer Wolkenatmosphäre vom <strong>Volke schied</strong>, das von dem Wissen um die göttlichen Dinge nur die Brosamen aufzulesen hatte, die sie ihm von ihrer Höhe herab zu spenden — für gut und dienlich und heilsam erachteten. Kurz, die <strong>Theologie</strong> erzeugte und erzeugt überall <strong>Theologen</strong>, denen das Volk als Laien, als die Nichtwissenden, als die nicht zum Wissen um die göttlichen Dinge — Berechtigten? — Verpflichteten? — gegenüberstand — und steht.</p>



<p><strong>Nun gibt es aber wiederum keine größere Gedankenlosigkeit als die Thora: </strong><strong>„</strong><strong>Theologie,&#8220; sei es auch </strong><strong>„</strong><strong>jüdische Theologie&#8220; zu nennen. <u>Theologie</u> enthält die Gedanken des <u>Menschen</u> von Gott und den göttlichen Dingen. Die <u>Thora</u> aber enthält die Gedanken <u>Gottes</u> von den <u>Menschen</u> und den <u>menschlichen</u> Dingen.</strong> Von „Gott und den göttlichen Dingen&#8220; enthält die Thora nur wenig, von der <strong>Wesenheit</strong> Gottes an sich und von den <strong>überirdischen </strong>göttlichen Dingen an sich aber gar nichts; <strong>nur was Gott <u>uns</u> sei,</strong> was Er dem Weltall im Ganzen und jedem Wurm und jeder Menschenhütte und jedem Menschengeist und Gemüt insbesondere sei, <strong>aber vor allem was nun dieses Weltall Ihm, und in diesem Weltall die Erde, und auf Erden die Menschheit und im Kreis der Menschheit Israel, und was in Israel ein jeder von uns Ihm, Gott</strong>, dem, Weltall und Erde und Menschheit und Israel regierenden Einzigen, <strong>sei</strong> und <strong>sein solle</strong>, wie ein jeder von uns und wir alle zusammen alle unsere „<strong>menschlichen Dinge</strong>&#8222;, unsere geistigen, seelischen, leiblichen, häuslichen, gesellschaftlichen Verhältnisse auf Erden zu ordnen, zu entwickeln und zu vollenden haben, auf dass alle unsere <strong>„</strong><strong>menschlichen Dinge&#8220;, unser ganzes irdisches Sein und Streben ein gottgeweihtes Heiligtum werde und Gottes Herrlichkeit in unsere irdische Mitte einziehe und unsere Seligkeit nicht erst jenseits beginne, sondern schon hier auf Erden wir der Paradiesesseligkeit teilhaftig werden — <a href="#_ftn8" id="_ftnref8"><sup><strong><sup>[8]</sup></strong></sup></a></strong><strong> וְעָ֥שׂוּ לִ֖י מִקְדָּ֑שׁ וְשָׁכַנְתִּ֖י בְּתוֹכָֽם</strong><strong> — diese Lehre von dem Menschen und den menschlichen Dingen offenbart die Thora, und ist daher für jeden da, spricht mit jedem von seinen eigenen, eigensten Verhältnissen, will ihm nicht zeigen, wie es im Himmel aussieht, sondern will ihm sagen, wie es in seinem Haus und seinem Herzen aussehen soll, und rechnet daher auf jeden und verpflichtet daher einen jeden zu ihr zu kommen und aus ihr zu schöpfen bei Tag und Nacht und kennt daher keine Geistlichen und Laien, kennt nur ein heilig Volk und ein ganzes Reich von Priestern und spricht zu <u>jedem</u>:</strong></p>



<p class="has-text-align-right"><strong>כִּ֚י הַמִּצְוָ֣ה הַזֹּ֔את אֲשֶׁ֛ר אָנֹכִ֥י מְצַוְּךָ֖ הַיּ֑וֹם לֹא־נִפְלֵ֥את הִוא֙ מִמְּךָ֔ וְלֹ֥א רְחֹקָ֖ה הִֽוא׃</strong><strong> </strong><strong>לֹ֥א בַשָּׁמַ֖יִם הִ֑וא לֵאמֹ֗ר מִ֣י יַעֲלֶה־לָּ֤נוּ הַשָּׁמַ֙יְמָה֙ וְיִקָּחֶ֣הָ לָּ֔נוּ וְיַשְׁמִעֵ֥נוּ אֹתָ֖הּ וְנַעֲשֶֽׂנָּה׃</strong><strong> </strong><strong>וְלֹא־מֵעֵ֥בֶר לַיָּ֖ם הִ֑וא לֵאמֹ֗ר מִ֣י יַעֲבׇר־לָ֜נוּ אֶל־עֵ֤בֶר הַיָּם֙ וְיִקָּחֶ֣הָ לָּ֔נוּ וְיַשְׁמִעֵ֥נוּ אֹתָ֖הּ וְנַעֲשֶֽׂנָּה׃</strong><strong> </strong><strong>כִּֽי־קָר֥וֹב אֵלֶ֛יךָ הַדָּבָ֖ר מְאֹ֑ד בְּפִ֥יךָ וּבִֽלְבָבְךָ֖ לַעֲשֹׂתֽוֹ׃ <a href="#_ftn9" id="_ftnref9"><sup><strong><sup>[9]</sup></strong></sup></a></strong></p>



<p>„Was ich dir heute gebiete, liegt dir nicht zu hoch und zu fern, spricht nicht von himmlischen Dingen, dass du sprächest, wer erhübe sich für uns zum Himmel und &nbsp;erfasste es für uns und gebe es uns zu verstehen, dass &nbsp;wir es übten; spricht auch nicht von überseeischen Dingen, dass du sprächest, wer durchschiffte für uns das Weltmeer und erfasste es für uns und gäbe es uns zu verstehen, dass wir es übten; vielmehr dir selbst unendlich nahe ist mein Wort, mit deinem Munde und deinem Herzen, es zu erfüllen.&#8220; —</p>



<p><strong>Und also hat es gegolten in Israel, solange man die Thora <u>nicht</u> — </strong><strong><u>„</u></strong><strong><u>Theologie&#8220;</u></strong><strong> nannte</strong>. Seitdem sie „Theologie&#8220; geworden, haben auch wir Theologen und Laien bekommen, und die Thora, die früher Hausschatz einer jeden Hütte und eines jeden Palastes in Israel gewesen und dadurch die Seele des ganzen Volkes war, hat sich aus den Hütten und Häusern und Herzen des Volkes — in die Studierstube und den Talar eines Theologenstandes geflüchtet und hat ihre Bedeutung fürs Leben verloren.</p>



<p><strong>„</strong><strong>Warum lernt dein Kind nicht Chumasch?“ </strong><strong>„</strong><strong>Es soll kein Theologe werden!&#8220; Darin liegt der ganze Jammer der Zeit.</strong></p>



<p class="has-text-align-center"><strong>5. Kultus</strong></p>



<p>„<strong>Kultus</strong>&#8220; nennt man die Institutionen der Thora, „<strong>israelitischen Kultus</strong>&#8222;. „Kultus&#8220; aber bezeichnet überall gewisse Handlungen, wodurch Menschen zu gewissen Zeiten an gewissen Orten der Gottheit ihre Verehrung bezeugen. Und weil nun in diesen anderen Kreisen diese Handlungen, Zeiten und Orte fast die einzigen, oder doch die vorzüglichsten, höchsten Momente bilden, durch welche und in welchen die Menschen sich in Beziehung zu ihrer Gottheit setzen, weil somit diese Handlungen jedenfalls den Gipfel, die Blüte der Gottesverehrung bilden, stehen naturgemäß diese Handlungen als die <strong>heiligsten</strong> da, und diese Beziehung zur Gottheit prägte den Zeiten und Orten denselben Charakter der Heiligkeit auf. Gotteshäuser und Gottesdienst sind das Denkmal und der Ausdruck der „Frömmigkeit&#8220;, d.h. der gottverehrenden Gesinnungen der Menschen; die Pracht der Gotteshäuser, die Herrlichkeit des Gottesdienstes werden die Gradmesser dieser Gesinnung, denn sie dokumentieren ja, mit welchen Opfern und mit welcher Hingebung die Menschen der Gottheit ihre Verehrung bezeigen und welchen Wert sie auf diese Verehrungsbezeugungen legen.</p>



<p>Im jüdischen Kreis aber, in dem Kreis, der von den Institutionen der Thora getragen ist, bilden die Gotteshäuser und der Gottesdienst, bildet der „<strong>Kultus</strong>&#8220; nur ein <strong>untergeordnetes </strong>Moment, ja hat <strong>gar nicht</strong> die Bedeutung, die anderweitig „Kultus&#8220; bezeichnet und erfüllt hier gar nicht die Zwecke, deren Verwirklichung er anderweitig dient. <strong>Den Gottesdienst der Thora</strong> bildet <strong>das Leben, und Gott verehren heißt — Gott gehorchen</strong>. Nicht daran, wie du ihm <strong>Sein</strong> Haus erbaust, wie du ihm <strong>Seinen</strong> Tempel schmückst, wie du Ihm da Lieder singst, wie du Ihm da Hymnen betest — sondern daran will Er dich erkennen, ob du der Seine bist, daran: ob und wie du Ihm Dein Haus erbaust, ob und wie du Ihm dein Haus weihst, ob und wie du ihm da, im Leben, in deinem Haus, deiner Ehe, deiner Kindererziehung, deiner Familie, deinem ganzen menschengesellschaftlichen Verkehr, ob und wie du Ihm da mit deinem Denken und Fühlen, deinem Reden und Handeln, deinem Erwerben und Genießen, ob und wie du Ihm da mit diesem allen mit ganzer, freudigster Hingebung <strong>dienst</strong>, da Seinen dir geoffenbarten Willen erfüllst, <strong>ob, und wie du Ihm da gehorchst, <u>daran</u> will Er dich erkennen</strong>. Das Zeichen der Verehrung, das Er von dir erwartet, heißt <strong><u>Gehorsam</u></strong>, wie der Herr vom Diener, wie der Meister vom Schüler, wie der Vater vom Sohn. Tempel, Gotteshaus, Gottesdienst, Ihm <strong>bezeugen sie nichts</strong>, <strong><u>dir</u></strong> zu <strong><u>zeugen</u></strong> <strong>sind sie da</strong>, dich zu mahnen an deinen Gott, dir zu bezeugen deine Aufgabe, dich zu retten aus den Schwankungen des Lebens, dich zu sammeln vor deinem Gott, <strong>להת</strong><strong> </strong><strong>פלל</strong> , dich — zu — besinnen, dir das von Wahn und Irrtum ungetrübte, reine Bewusstsein von deinem Wesen und deiner Bestimmung und deiner ganzen Beziehung zu Gott immer neu zu schaffen, dich dort <strong>zu rüsten <u>für</u> die Verehrung deines Gottes <u>im Leben</u></strong>, dazu sind die jüdischen Gotteshäuser. <strong><u>Nicht für Gott, für dich</u> sind sie da</strong>. Denn Gott ist nur da und ist überall da, wo man ihn Gott, d.h. wo man Ihn Herrn und Meister und Vater sein lässt, wo man sich mit freudiger Seele Seiner Herrschaft und Leitung hingibt, wo man sich mit freudiger Hingebung von Ihm beherrschen und belehren und leiten lässt, wo man Ihm Diener ist und Schüler und Kind. Freilich aber darum auch, wenn dein Gotteshaus für dich da ist, dann ist es auch für Gott da, wenn du dort nicht Ihm Hymnen und Lieder und den verduftenden Weihrauch deiner Verehrungsandacht streuen willst, sondern, wie der jüdische Ausdruck ist, <a href="#_ftn10" id="_ftnref10"><sup>[10]</sup></a> <strong>מְשַׁעְבֵּד לִבְּךָ לְאָבִיךָ שֶׁבַּשָּׁמַיִם </strong>du dort dich ihm erneut hingibst, dort dein Herz, dein ganzes Wesen wieder erneut in den Dienst deines Gottes fürs Leben bringst, dann, wenn du dich dort wieder findest, und dort Gott dich wieder finden lässt, findest du auch Gott dort wieder. <strong>„Wenn Ich dort bin&#8220;</strong> mahnte sich Hillel, <strong>„</strong><strong>dann ist auch alles da! Aber wenn Ich nicht dort bin, was und wer wäre denn da?!&#8220;</strong></p>



<p>Hat doch die Thora nicht unsere Gotteshäuser und unseren Gottesdienst angeordnet, fordert doch die Thora nur <strong>einen </strong>Nationaltempel und ein <strong>drei</strong>maliges Dorterscheinen<a href="#_ftn11" id="_ftnref11">[11]</a> im Jahr, und war dieser Tempel und was dort geschah ja so durch und durch nur Gottes Zeugnis an uns, <a href="#_ftn12" id="_ftnref12"><sup>[12]</sup></a> , <strong>עֵדוּת</strong> so durch und durch nur symbolische Ansprache Gottes an die Nation und durch die Nation an jedes Glied derselben, war so durch und durch nur ewige offene Bezeugung dessen, was wir zu tun haben, auf dass unser ganzes Leben <a href="#_ftn13" id="_ftnref13"><sup>[13]</sup></a> <strong>לֶחֶם אִשֶּׁה</strong> „Nahrung des Göttlichen auf Erden werde&#8220;, und unser ganzes Wesen sich <a href="#_ftn14" id="_ftnref14"><sup>[14]</sup></a> <strong>לְרֵיחַ נִיחוֹחַ</strong> zum höchsten Wohlgefallen Gottes vollende, war so wenig geeignet Gott unsere Verehrung zu bezeugen, <strong>dass ja dem Ausdruck dieser Gesinnung gar kein Spielraum gelassen war, alles vielmehr bis auf das kleinste Gerät und die kleinste Handlung in festen Normen sich bewegte und </strong><strong>„</strong><strong><u>Gehorsam</u></strong><strong>“ der Grundtypus jenes Tempels und seines Dienstes ausmachte!</strong></p>



<p>Synagogen, <strong>בָּתֵּי כְּנֵסִיּוֹת</strong> „Versammlungshäuser&#8220;, sind aus dem Bedürfnis der Nation hervorgegangen, in ihren einzelnen Kreisen sich täglich vor Gott — um die Thora — zusammen zu finden, sich durch gemeinsame <a href="#_ftn15" id="_ftnref15"><sup>[15]</sup></a> <strong>קְרִיאָת הַתּוֹרָה</strong> und <a href="#_ftn16" id="_ftnref16"><sup>[16]</sup></a> <strong>תְּפִלָּה</strong> täglich wiederholt an ihre gemeinsame große Aufgabe zu mahnen und sich gemeinsam für diese große Aufgabe zu rüsten, fern vom „Tempel&#8220; sich das im Worte zum Bewusstsein zu bringen, was der Tempel und sein „Kultus&#8220; symbolisch lehrte. Und eben weil unsere Gotteshäuser und unser Gottesdienst nicht unsere eigentliche Gottesverehrung ausmachen, sondern nur die Rüsthäuser und Rüstzeiten und Rüsthandlungen für die Verehrung Gottes durch das Leben bilden, <strong>darum sind auch Israels Gotteshäuser nicht Israels heiligste Räume, stehen vielmehr</strong> an Heiligkeit den <a href="#_ftn17" id="_ftnref17"><sup>[17]</sup></a> <strong>בָּתֵּי מִדְרָשׁ,</strong> <strong>jenen</strong> Räumen nach, die dem Lehren und Lernen der Thora, die dem Erforschen und Erkennen des göttlichen Willens für ein Gott verehrendes Leben geweiht sind.</p>



<p>So lange daher man in Israel noch eine höhere Gottesverehrung als die durch Gottesdienst im Gotteshaus kannte, so lange die Gottesverehrung nicht zu Ende war wenn man das Gotteshaus verließ, sondern die Gottesverehrung erst wahrhaft begann wenn man vom Gotteshause ins Leben zurücktrat, so lange die Thora nicht in den Aron Hakodesch gebannt, sondern in den Herzen und Hütten und im Leben Israels lebte, so lange verkannten und überschätzten unsere Väter nicht die Bedeutung und den Wert der Gotteshäuser, so lange legten sie nicht einen so unendlichen Wert auf den Eindruck, den&nbsp; das Gotteshaus und der Gottesdienst auf <strong>andere</strong> machte, sondern freuten sich der Frucht, die <strong>ihnen</strong> im Gotteshaus reifte, so lange schmückten sie nicht Gotteshaus und Gottesdienst wie ein Opfer heraus, das sie Gott darbrachten und dessen äußeres kostbares Gepränge den frommen Sinn des Darbringenden zu bezeugen hätte — sie kannten ganz andere Opfer, die sie in den heißen Kämpfen des Lebens und in dem stillen, Gott dienenden Wirken und Schaffen des ganzen leiblich geistigen Strebens des Einzel-, Familien- und Volkslebens zu vollbringen hatten, und an denen allein Gott sie erkennen wollte, dass sie die Seinen seien. Sie gingen nicht ins Gotteshaus um zu singen, um — Gott ein Lied vorzusingen; <strong>sie</strong> gingen ins Gotteshaus um mit Gott zu <strong>sprechen</strong>, oder vielmehr um Gott mit sich sprechen zu lassen, Gottes Worte, Gottes Menschenleben gestaltende Gedanken in sich neu zu beleben; es war eine Arbeit, die jeder an sich zu vollenden hatte, was ihn ins Gotteshaus rief, sich neu in den Quell des Lebens zu tauchen, <strong>sein</strong> geistiges inneres Leben neu zu erfrischen, sein inneres geistiges Wachstum neu zu fördern — <a href="#_ftn18" id="_ftnref18"><sup>[18]</sup></a> <strong>שִׂיחָה</strong> geistiges Wachstum nannten die Alten <strong>תְּפִלָּה</strong> das Gebet, <a href="#_ftn19" id="_ftnref19"><sup>[19]</sup></a> <strong>שְׁתוּלִים</strong><strong> </strong>&nbsp;„<strong>pflanzen</strong>&#8220; wollten sie sich, ihre Wurzeln befestigen im Gotteshaus, aber die Blüte und Frucht sollte „draußen in den Vorhöfen&#8220;, in der Umgebung, in dem Leben reifen,&nbsp; das in dem Umkreis des Gotteshauses zu leben war. — Da hatte freilich ein jeder zunächst mit sich zu tun, diese geistige Arbeit an sich zu vollenden. Da hatten sie freilich nicht immer Zeit an den Nachbar zu denken, zu denken daran, dass sie nun auch das Wort, dass sie zunächst an sich zu richten hatten, es geistig in sich aufzunehmen, bei Leibe um keine Tonhöhe lauter als der Nachbar sprächen, hatten nicht Zeit darauf zu achten, dass jeder mit dieser geistigen Selbstbearbeitung auch im Takt mit dem Nachbar bliebe, noch viel weniger Zeit daran zu denken, <strong>was nun diese lebendig erregte Selbstbearbeitung einer Menge für einen Eindruck aus den kalten, fremden, nicht mitbetenden Zuschauer machen würde. — Wohl mochte mancher die seltsam laute Judenschule belächeln; aber er kannte nur die Dissonanz die seine Ohren traf, ohne die geistige Harmonie zu gewahren</strong>, die dieses gleichzeitige lebendige streben so vieler Geister und Herzen auf jeder Skale des Lebens und des Geschickes sich mit einem Gedanken, einem Gefühl zu durchdringen und zu einem einheitlichen Leben in Gott und vor Gott sich emporzuringen dem lauschenden Ohr, dem schauenden Auge ihres Gottes darbieten musste; <strong>aber er sah nicht die Läuterung</strong>, die Kräftigung, den Lebensmut und die Weihe der Kraft, die die Juden aus ihrer Judenschule mit <strong>ins Leben</strong> hinüber nahmen, in welchem sie es bewahrten, dass sie wahrlich nicht vergebens „in Schul&#8220; gewesen; aber er vergaß, dass die „<strong>Judenschule</strong>&#8220; eben nichts anders sein wollte, sein solle als „<strong>Schule</strong>,&#8220; in welcher <strong>ein jeder sich selbst vor Gott in die Lehre zu nehmen hatte, und eben als Schule eine andere Aufgabe zu lösen hat, als Theater und Schauspiel — und auch als Tempel und Kirchen anderer Kreise.</strong></p>



<p>Das ist freilich nunmehr anders geworden. Seitdem wir eine Religion und eine Theologie und auch einen „<strong>Kultus</strong>&#8220; bekommen haben, seitdem die einzige wahre jüdische Gottesverehrung, die Erfüllung Seiner Thora, immer mehr und mehr aus dem Leben zu weichen begann, <strong>seitdem drängte man diejenigen unserer Institutionen in den Vordergrund, die mit denjenigen anderer Kreise eine Ähnlichkeit darboten, welche dort, in diesen anderen Kreisen, fast die Summe der ganzen Gottesverehrung ausmachen; man nannte sie Kultus, und gab ihnen die überwiegende Bedeutung, die der nichtjüdische Kultus in nichtjüdischen Kreisen genießt.</strong></p>



<p>Je weniger man Gott die einzige von Ihm geforderte Verehrung, die Erfüllung seiner Thora im Leben, zollte, umso mehr fühlte man das Bedürfnis, doch irgendwie zu bekunden, dass das alte, durch den Wechsel so vieler Jahrtausende erhaltene Band noch nicht ganz gerissen, umso mehr konzentrierte man alles noch übrig gebliebene jüdische Streben in „Gotteshaus und Gottesdienst.&#8220; Je weniger man aber selbst gesonnen war diesem Gotteshaus und diesem Gottesdienst den einzigen wahren Schmuck, die Anhänglichkeit eines steten, sabbathlichen, oder gar täglichen Besuches zu zollen, umso mehr konzentrierte man wiederum selbst die <strong>letzte</strong> Beurkundung eines vermeintlichen jüdischen Sinnes in <strong>reine Äußerlichkeiten</strong>, in die architektonische Form des Gotteshauses und die ästhetische Form des Gottesdienstes, meinte Wunder welch eine Verehrung man Gott und welch ein Denkmal frommer Gesinnung man sich gestiftet, wenn man Gott ein prächtiges Haus erbaut, und Ihm in diesem prächtigen Hause einen so prächtigen Kultus eingerichtet, — dass der feine elegante Sohn und die feine elegante Tochter, wenn sie einmal das Bedürfnis fühlen sich für&nbsp; das unjüdische Leben eines ganzen Jahres in einer andächtigen Jomkippurstunde mit Gott zu versöhnen, sich von den Formen in ihrem Gotteshaus nicht abgestoßen fühlen, und selbst der nichtjüdische Besucher den israelitischen Kultus — voller Bewunderung — fast schon so schön wie den seinigen findet!</p>



<p><strong>Aber man vergaß</strong>, dass, wenn die Verehrung Gottes in die gottesdienstliche Gottesverehrung im Gotteshaus aufgehen, wenn die gottesdienstliche Gottesverehrung im Gotteshaus nicht zu der einzigen von Gott anerkannten Verehrung, zur Erfüllung seiner Thora im Leben, führen soll, wenn man mit dieser Gottesverehrung im Gotteshaus die Verehrung Gottes im eigenen Haus zu ersetzen meint, und man darum Gott ein Haus, darum seiner Verehrung eine Stätte, eine prächtige, reiche, erhabene, entzückende Stätte bereitet, damit man Ihn und seine Verehrung <strong>dorthin</strong> verweisen, alle übrigen Räume und alle übrigen Zeiten aber anderen Bestrebungen geweiht erhalten könne, damit man mit beruhigten Gewissen&nbsp; das ganze übrige Leben für sich hinnehmen könne, nachdem man ja auch Gott das Seine in so prächtigem Haus, auf so prächtige Weise bereitet habe — wenn man so Gott und Seine Verehrung in den Feiertagswinkel des Gotteshauses wirft und mit dem Eifer für „Sein Haus&#8220; den verlorenen Eifer „für Sein Wort&#8220;, für die emsige gewissenhafte Erfüllung Seiner Thora, vergüten zu können glaubt — man vergaß, dass dann noch heute wie in alter Zeit das Prophetenwort gilt:</p>



<p>„Der Himmel ist mein Thron, die Erde meiner Füße Schemel — und ein Haus wollt Ihr mir bauen? und einen Ort mir anweisen zu meiner Ruh? Von meiner Hand ward ja geschaffen, was nur geworden ist im ganzen All! Und nur auf den schau ich nieder, der — selbst wenn auch arm, wenn auch gemütsgedrückt, doch nur eine Sorge kennt: <strong><u>Die Sorge um mein Wort!</u></strong>&#8222;<a href="#_ftn20" id="_ftnref20"><sup>[20]</sup></a></p>



<p><strong>Man vergaß</strong>, dass selbst der Gottestempel zu Zion in Trümmer ging, sobald man ihn zu überschätzen angefangen und sich an den Tempel, wie an das Ein und Alles der Gottesverehrung anklammerte, immer nur vom Tempel, vom Tempel <strong>&#8218;</strong> <strong>הֵיכַל ה</strong><strong> הֵיכַל ה&#8216;,</strong> sprach und, wie der Prophet es ausdrückt, vergessen hatte, dass im Kreis der Thora, nicht der Tempel der Gottestempel<strong>, sondern der wahre Gottestempel, </strong><strong>&nbsp;<a href="#_ftn21" id="_ftnref21"><sup><strong><sup>[21]</sup></strong></sup></a></strong><strong> הֵיכַל ה&#8216; הֲמֹחַ </strong><strong>jeder Jude mit seinem ganzen Gott verehrenden Leben sein sollte.</strong></p>



<p>Man vergaß, dass die Thora entweder gar keinen Kultus kennt oder der Kultus der Thora das <strong>ganze</strong> Leben umfasst.</p>



<p class="has-text-align-center"><strong>6. Israel</strong></p>



<p>Wenn aber die Thora keine Religion und keine Theologie und kein Kultus ist, <strong>was ist sie dann?</strong> — Was sie ist? „<strong>Thora</strong>&#8220; ist sie, (<strong>הורה</strong><strong> </strong>rad.<strong> הרה </strong>wie<strong> ,(הלך </strong><strong>&nbsp;תּוֹרַת ה&#8216;</strong> von Gott in den Schoß eines Volkes gelegte Saat ist sie, aus welcher&nbsp; das <strong>ganze</strong> Leben dieses Volkes in <strong>allen</strong> seinen einzelnen und Gesamtgestaltungen erblühen soll, eine <strong>Gottessaat</strong> ist sie, deren Produkt „<strong>Israel</strong>&#8220; heißt, &#8222;״<strong>יִשְׂרָאֵל</strong>, ein Indivi-duum, das als Einzelwesen wie als Volksgesamtheit in allen seinen Lebensäußerungen die <strong>Herrschaft Gottes,</strong> wie in allen seinen Schicksalsgängen die Waltung Gottes bekunden soll, und das daher ebenso <strong>einzig</strong> in seiner geschichtlichen Erscheinung dasteht, wie die Thora <strong>einzig </strong>ist, die es belebt und die einzige Bedingung seiner geschichtlichen Erscheinung ist, und wie Gott einzig ist, der beide, die Thora und Israel, als die Offenbarung Seines Willens und Seines Waltens in die Mitte der Menschheit gesetzt <strong>יִשְׂרָאֵל גּוֹי אֶחָד בָּאָרֶץ, תּוֹרָה אַחַת, ה&#8216; אֶחָד.<a href="#_ftn22" id="_ftnref22"><sup><strong><sup>[22]</sup></strong></sup></a></strong></p>



<p>Je mehr aber das <strong>Wesen</strong> der Thora sich jedem Vergleich, sich jeder eingrenzenden Bezeichnung in Wort, wie jedem Ausdruck, durch Zeichen und Symbol, wegen ihrer doppelten Einzigkeit entzieht, weil sie, wie wir gesehen, einzig ist nach außen, und im ganzen Gedankenkreis der Menschheit sich keine Gestaltung findet, deren Art sie wäre und mit welcher sie einem gemeinsamen Gattungsbegriff untergeordnet werden könnte, und ebenso einzig ist nach innen, Israels einzige, sein Wesen durch und durch erfüllende und ausfüllende Lebensseele ist, und Israel nicht die Thora und noch anderes hat, dass man sagen könne: hier ist Kreis und Bereich der Thora, in dem anderen haben andere Prinzipien maßgebend zu walten — umso unerschöpflicher ist aber eben dieses Israel im Symbolausdruck der Heilsmacht und Segensfülle, in Lob und Preis der <strong>Wirkungen</strong> seiner Thora.</p>



<p>Sie ist ihm das erquickende <strong>Wasser</strong> und das läuternde <strong>Feuer</strong>, sie ist ihm die nährende <strong>Milch</strong> und der erfreuende <strong>Wein</strong>, sie ist ihm der Felsen sprengende <strong>Hammer</strong>, das Welten erobernde <strong>Schwert </strong>&nbsp;und&nbsp; das Haupt krönende <strong>Diadem</strong> und das Hals zierende <strong>Geschmeide</strong>. Sie ist ihm der Fuß stützende Stab und die wegweisende <strong>Leuchte</strong>, sie ist ihm der <strong>Genosse</strong> im Glück und der <strong>Ratgeber</strong> in Nöten, sie ist ihm der <strong>Gesang </strong>in der Nacht, das <strong>Wanderlied </strong>auf der Reise, das <strong>Licht</strong> am Scheidewege, der <strong>Wächter</strong> im Schlaf, der <strong>erste Gruß</strong> am jenseitigen Morgen. Sie ist ihm die unschätzbare <strong>Perle</strong>, der unaufwiegbare <strong>Reichtum</strong>, der unergründliche <strong>Schatz</strong>, das nicht zu durchwandernde <strong>Feld</strong>, das aus Schachtentiefe zu hebende <strong>Gold</strong>. Sie ist ihm die Quelle der <strong>Einsicht</strong> und des <strong>Verstandes</strong>, die Quelle des <strong>Lebens</strong> und des <strong>Friedens</strong>, die Quelle der <strong>Heilung</strong> und der <strong>Kraft</strong>, sie ist ihm das an sich <strong>Gute</strong> und der Baum des <strong>Lebens</strong>, der, wo er mit Ernst gepflanzt wird und gepflegt, das Paradies wiederbringt auf Erden — — —</p>



<p class="has-text-align-center"><strong>7. Tradition</strong></p>



<p>Und nun siehe! die <strong>Gedächtnisfeier dieser Thora</strong>, dieser Seele unserer Seele, dieses Lebens unseres Lebens, dieses Guts unserer Güter, dieses Grundes und Bodens, dieser einzigen Bedingung unserer ganzen Existenz, ohne welche alle die Güter, denen die übrigen Feste geweiht sind: Freiheit und Boden, Erhaltung und Blüte, Reinheit und Sühne, Dasein und Bedeutung verlören, <strong>gerade ihrer ist mit keinem Wörtchen in dem schriftlichen Gotteswort erwähnt</strong>, nur der <strong>mündlichen</strong> Überlieferung, nur der <strong>תּוֹרָה שֶׁבְּעָל פֶּה</strong> verdanken wir&nbsp; das Offenbarungsfest der &nbsp;<a href="#_ftn23" id="_ftnref23"><sup>[23]</sup></a> <strong>תּוֹרָה שֶׁבִּכְתָב</strong> , <strong>und sind sofort mit dem ersten Andenken der schriftlichen Lehre auf </strong><strong>&nbsp;תשבע&#8220;פ</strong>, auf die mündliche Lehre, <strong>auf die Tradition hingewiesen. Si</strong><strong>e</strong><strong>he da wiederum die tiefe Bedeutsamkeit des Schweigens der Thora von ihrem eigenen Feste!</strong> Die schriftliche Lehre selbst gibt sich preis, so wir die mündliche verleugnen möchten, die schriftliche Lehre selbst leistet Verzicht auf ihre Existenz, so ihr die Existenz der mündlichen nicht vorangegangen, die schriftliche Lehre überlässt das ganze Bewusstsein von ihrer Feier dem lebendigen Fortleben des mündlich von Gott überkommenen Wortes. <strong>So will die schriftliche Lehre nur gefeiert werden in einem Kreis, den der lebendige Hauch des gleich ihr göttlichen Wortes der mündlichen Lehre durchweht, und setzt das Dasein dieser mündlichen Überlieferung als Vorbedingung ihrer eigenen Existenz in Israel. So kündet sich die schriftliche Lehre selbst an als getragen und verbürgt durch die mündliche Lehre.&nbsp; Das ist der zweite Gedanke, mit welchem das Schweigen der Thora vom</strong><strong> זְמַן מַתַּן תּוֹרָתֵנוּ <a href="#_ftn24" id="_ftnref24"><sup><strong><sup>[24]</sup></strong></sup></a> &nbsp;</strong><strong>uns grüßt.</strong></p>



<p>Ist&#8217;s ja auch überall nicht die mündliche Lehre, die Garantie und Bürgschaft in der schriftlichen zu suchen und zu finden hat; sondern es ist die schriftliche Lehre ganz allein uns nur durch die mündliche Überlieferung verbürgt.</p>



<p>Wenn wir diese Thora, deren Offenbarung wir an Schawuoth feiern, hoch aufheben, und ihr jauchzend zurufen: <a href="#_ftn25" id="_ftnref25"><sup>[25]</sup></a> <strong>זֹאת הַתּוֹרָה אֲשֶׁר שָׂם מֹשֶׁה לִפְנֵי בְּנֵי יִשְׂרָאֵל</strong> , dass dies noch die Thora, dieselbe unverfälschte, reine und echte Thora sei, die Mosche Israel gebracht, „von Gottes Mund durch Mosches Hand&#8220;, — wenn wir in der Zuversicht leben und sterben, dass dieses Kleinod uns rein und echt, unverkürzt und unverfälscht in allen Wechseln und Stürmen eines mehr als dreitausendjährigen Geschickes bewahrt und erhalten worden, wenn wir unser und unserer Kinder ganzes, zeitliches und ewiges Heil der Wahrhaftigkeit dieser Thora überlassen <strong>— welche andere Bürgschaft haben wir dafür, als die Wahrhaftigkeit der Überlieferung der Väter? als die Wahrhaftigkeit der Überlieferung derselben Väter, die uns zugleich mit dem schriftlichen auch&nbsp; das mündliche Wort Gottes überliefert?</strong> Haben uns die Väter mit dem einen getäuscht, wie sollen sie uns als Bürgen in dem anderen dienen?! Und siehe, für die Wahrhaftigkeit und Wirklichkeit eines geschichtlichen Faktums, eines in der Vergangenheit <strong>Geschehenen,</strong> gibt es ja überall keinen <strong>anderen </strong>Beweis, keine letzte Bürgschaft und Gewähr als die <strong>Zuversicht in treue Überlieferung.</strong> Du kannst alle Urkunden und Denkmäler, alle inneren und äußeren Umstände kombinieren und sprechen: es verhält sich alles so, dass man es für wahrscheinlich, für notwendig und gewiss halten müsse, dass dies oder jenes geschehen. Dass aber nun das, was dir als wahrscheinlich, als notwendig, als gewiss erscheint, auch nun wirklich geschehen, ja, dass selbst die Urkunden und Denkmäler, aus denen du solches erschlossen,&nbsp; echt, dass das, was du aus ihnen geschlossen, nun eine Tatsache der <strong>Wirklichkeit</strong>, eine so wirkliche Tatsache sei, dass du für sie nun die volle Wirklichkeit deiner Gegenwart und die zu erhoffende Wirklichkeit deiner Zukunft einsetzen sollst, <strong>dafür</strong> kann dir einzig und allein die Zuversicht in <strong>treue Überlieferung</strong> bürgen. Dass nun aber die jüdische Überlieferung, <strong>diese auch in ihrer Art einzige, unvergleichliche Erscheinung</strong>, uns einzig und allein auf sich <strong>selbst</strong> anweist, und jede <strong>direkte</strong> Beurkundung aus der ebenfalls uns von ihr, und nur von ihr übergebenen Schrift verschmäht — obgleich für den Tieferblickenden fast jedes Wort dieser Schrift die mündliche Überlieferung <strong>voraussetzt</strong> — das ist wiederum das <strong>höchste</strong> und <strong>zuverlässigste</strong> Siegel ihrer Wahrhaftigkeit und Wirklichkeit, hoher und zuverlässiger als irgendeine mit sieben Siegeln verbriefte und besiegelte Urkunde. Denn dass in der Schrift keine <strong>direkte </strong>Verbriefung der mündlichen Überlieferung enthalten, und dennoch <strong>ein ganzes Volk, eine ganze Nation</strong> ihre ganze geschichtliche Existenz von mehr als drei Jahrtausenden der Erhaltung und Befolgung dieser Überlieferung freudig geopfert, das ist <strong>das glänzendste Zeugnis</strong>, wie tief alle diese Geschlechter herab von der Wahrhaftigkeit dieser Überlieferung durchdrungen gewesen, wie überzeugt die Väter von der Wahrhaftigkeit dessen gewesen, was ihnen von den Vätern geworden, was sie den Söhnen überliefert, und was sie selbst mit ihrem ganzen Leben und Sterben besiegelt. Das ist zugleich der Beweis, wie <strong>tief und ruhig</strong> diese Überlieferung dem <strong>Bewusstsein dieses Volkes</strong> vertraute und vertrauen <strong>konnte</strong>, dass sie jede andere Legitimierung ihrer eigenen Wahrhaftigkeit verschmähte und verschmähen <strong>durfte.</strong> Was hätte es ihr auch genützt, ja, wie <strong>sehr hätte es sie gefährdet, wenn die Schrift</strong>, deren Authentizität selbst in ihrem letzten Grund nur auf der Treue der Überlieferung beruhen kann, <strong>nun auch ein direktes Zeugnis für die Autorität eben dieser Überlieferung enthielte!</strong> Hei, wie würden die gedankenlosen Leugner der jüdischen Überlieferung, die jetzt des Argumentes sich freuen: in der Schrift kein direktes Zeugnis für diese mündliche Überlieferung zu finden, wie würden die erst jubeln, <strong>wenn</strong> sich ein solches direktes Zeugnis in der Schrift vorfände! Wie würde man da von den Schicksalen dieser Schrift reden, von den Priesterhänden, durch welche sie gegangen, von Priesterlist und Pfaffentrug und falschen Dekretalen<a href="#_ftn26" id="_ftnref26"><sup>[26]</sup></a> munkeln, wie würde man aus einem solchen Zeugnis selbst gegen die Echtheit der Schrift argumentieren, und würde schon für die Schriftfälschung, mit der man die eigenen Ahnen brandmarkte, ein euphemistisches Mantelwort finden, <strong>und von </strong><strong>„</strong><strong>frommer Schriftfälschung&#8220; sprechen, wie man jetzt von </strong><strong>„</strong><strong>frommem Traditionstrug&#8220; sich zu sprechen nicht entblödet!</strong></p>



<p>Der mündlich überlieferte Teil der Thora teilt das Schicksal der Thora im Ganzen. Wie <strong>sie </strong>leidet er durch <strong>Namengebung</strong> und unbedachtsame Schlussfolgerungen aus diesen Namen <strong>ohne Beachtung des unvergleichlich einzigen Wesens auch dieses Teils der Thora.</strong> Weil man in <strong>anderen</strong> Kreisen mit <strong>„</strong><strong>Tradition&#8220;, „Überlieferung&#8220;</strong>,&nbsp; das <strong>Vage, Unzuverlässige, im Gegensatz zu dem schriftlich Bekundeten, </strong>zu bezeichnen pflegt, weil man in anderen Kreisen Traditionen verdächtigt, als deren Träger und Inhaber sich Einzelne gerieten, Einzelne, die diese Tradition als ihr Monopol verkündeten, Einzelne, zu deren Vorteil und Nutzen die von ihnen überlieferten Traditionen lauteten , Einzelne, die sodann zum Schutz des von ihnen mündlich Überlieferten, sogar <strong>das Schriftliche aus dem Bewusstsein des ihrem Gehorsam hingegebenen Volkes zu tilgen suchten, dem Volk sogar das Lesen der schriftlichen Urkunden untersagten — weil dies Alles also in anderen Kreisen sich verhalten soll</strong>, weil alle diese verdächtigen Erscheinungen der „Tradition&#8220; in anderen Kreisen anhängen, schleuderte man mit demselben Namen <strong>auch dieselben Verdächtigungen auf die jüdische Thoraüberlieferung, <u>ohne zu bedenken</u>, dass hier nicht nur von allen diesen Umständen keiner vorhanden sei, sofern <u>auch hier</u> wiederum alles <u>im geraden Gegensatz sich verhalte</u>.</strong></p>



<p>Kein Stand, keine Kaste, das ganze jüdische Volk war Träger und Inhaber der Thoraüberlieferung, — <a href="#_ftn27" id="_ftnref27"><sup>[27]</sup></a> <strong>תַּעֲמִידוּ תַּלְמִידִים הַרְבֵּה</strong> , die Kenntnis dieser überlieferten Thora bis in die letzte Schicht der Nation überall zu verbreiten, war die erste und heiligste <strong>von dieser Überlieferung gelehrte Pflicht</strong>,— <strong>jeder rechtschaffene Jude</strong>, und wäre er ein „Rinderhirt<a href="#_ftn28" id="_ftnref28">[28]</a>&#8220; oder ein „Weber vom Schuttor in Jerusalem<a href="#_ftn29" id="_ftnref29">[29]</a>&#8222;, wurden als <strong>Träger und Inhaber der Tradition</strong> vor dem höchsten jüdischen Gesetzesforum angehört und beachtet, — <strong>keinerlei Vorteil</strong> war mit der traditionellen Gesetzeskunde verknüpft, bis in das dritte Jahrtausend ihres Bestehens ward erweislich kein Wort ihrer Lehre ums <strong>Geld</strong> gelehrt, kein Gesetz ihrer Lehre <strong>gegen Sold</strong> gehandhabt, und die eminentesten Träger derselben waren überall die Ersten alle Opfer zu bringen, die sie lehrten, alle Enthaltung zu üben, die sie heischten, und mit <strong>der Wahrhaftigkeit ihres Lebens die Wahrhaftigkeit dieser Lehre zu besiegeln</strong>; — Hand in Hand endlich mit der mündlichen Lehre reichte diese selbst jedem Juden nicht nur die Pflicht, den dreimaligen öffentlichen Vorlesungen der schriftlichen Thora in jeder Woche beizuwohnen, nicht nur die Pflicht sich in Besitz einer Abschrift dieser Thora zu setzen, sondern sogar die ernste, mit allen Segensverheißungen besonders anempfohlener Verpflichtung, <strong>die ganze schriftliche Thora jedes Jahr mindestens zweimal im Texte und einmal in der wörtlichen Übersetzung des Onkelos im Volksdialekt<a href="#_ftn30" id="_ftnref30"><sup><strong><sup>[30]</sup></strong></sup></a> durchzulesen!</strong></p>



<p>Und diese, von der <strong>öffentlichsten Öffentlichkeit</strong>, von dem Gesamt-Volk selbst, dem sie galt, und nur um ihrer selbst willen getragene Tradition, wagt man mit irgendeiner anderen Erscheinung zu vergleichen, <strong>mit der sie nichts gemein hat als den Namen, und der sie in allen übrigen Beziehungen aufs vollendeste entgegengesetzt ist?!</strong></p>



<p>Es ist ja auch eben die <strong>תשבע&#8220;פ</strong>, eben der der Mündlichkeit vorbehaltene Teil der Thora, und gerade wegen dieser Mündlichkeit, durch welchen die Thora jene unerschöpflich zu preisenden Wunder ihrer Wirkungen bewirkte! Wenn die Thora, deren Fest Schawuoth feiert, wenn sie die „allumfassende&#8220;, „Seelen erquickende&#8220;, „Herz erfreuende&#8220;, „Augen erleuchtende&#8220;, „reine&#8220;, „sich ewig bewährende&#8220;, „treue Lehrerin der Weisheit&#8220; ist und der „Wahrheit&#8220; und des „Rechts“ , — wenn sie sich als die Trägerin eines mehr denn dreitausendjährigen Nationallebens eines ganzen Volkes bewähren konnte, — wenn sie diesem Volk Ersatz bieten konnte für alles, was sonst das Leben verschönert und erhebt und beglückt und beseligt, — wenn sie dieses Volk mit einer Klarheit des Geistes, mit einer Reinheit der Sitten, mit einer Weichheit des Herzens, mit einem Familienleben sondergleichen, mit einem Wohltätigkeitssinn ohne Beispiel, mit einer Begeisterung für alles menschlich Reine, Gute und Edle, und zugleich mit einem Mut, einer Ausdauer, einer Standhaftigkeit und einer Opferfreudigkeit ausgestattet, die selbst seine <strong>Feinde</strong> ihm zuerkennen und um die es selbst seine <strong>Feinde</strong> beneiden, — wenn Ihr am Schawuothfest die Thora um aller dieser Segnungen willen preist, <strong>o, so täuscht euch doch nicht, so ist es ja gerade die</strong><strong> תשבע&#8220;פ</strong><strong> </strong><strong>der der Mündlichkeit anvertraute Teil der Thora, dem wir diese Segnungen verdanken.</strong></p>



<p>Nur die von Gott der Mündlichkeit überlieferte Offenbarung gibt erst den Geboten seiner Thora jenen Leben gestaltenden, Leben erfüllenden, Leben umspannenden <strong>Inhalt</strong>, der den Geist des Gottbewusstseins in alle Fugen des irdischen Daseins trägt, und dadurch die ärmste Hütte des Juden zu einem Gottestempel und seinen Tisch zu einem Gottesaltar und ihn selbst zu einem Gottespriester und seinen ganzen Wandel zu einem Gottesdienst und sein ganzes Leben und Streben zu einer Hymne der Gottverherrlichung umwandelt, und ihn mit jeder kleinsten Regung seiner Gedanken und Gefühle, seiner Worte und Taten, seiner Bestrebungen und Genüsse in die Bundesnähe seines Gottes setzt, in welcher er den Geist und die Kraft und den Mut und die Heiterkeit und den Frieden und die Freude und die Seligkeit findet, die ihm aller Wechsel und Wandel des Geschickes nicht zu rauben und zu trüben vermag.</p>



<p>Nur die von Gott der <strong>Mündlichkeit</strong> übergebene Offenbarung mit ihrem, das ganze Leben in allen seinen allgemeinen und besonderen Beziehungen umfassenden Inhalt, hat das Geistesauge des Juden geweckt und geübt, die kleinsten Seiten der menschlichen Verhältnisse unter dem Gesichtspunkt der Wahrheit und des Rechts und der Pflicht, der Billigkeit und der Liebe, der Schuld und der Unschuld, des Erlaubten und Unerlaubten zu würdigen und zu ermessen, zu verbinden und zu scheiden, und hat eben durch den Charakter ihrer Mündlichkeit, Allgemeinheit und Öffentlichkeit so sehr die ganze Nation und in der Nation so sehr den ganzen Menschen in jedem Einzelnen erfasst, dass sie dem fast viereinhalbtausendjährigen Geistesleben einer ganzen Nation Nahrung gespendet, alle Geister derselben zur gemeinsamen Arbeit an einem großen geistigen Nationalbau wach gerufen, in dieses eine gemeinsame geistige Streben, alle Sonderungen, Verschiedenheiten und Abstufungen der Alters-, Standes,- Ranges-, und Geschicks-Unterschiede aufgehen ließ und alle, alle Juden zu einem einzigen geistigen Adel, in einen einzigen geistigen Orden vereinigte, in welchem jeder, auch der Ärmste, auch der „Rinderhirt&#8220; und der „Schuttorweber&#8220;, seinen Wert und seine Geltung und somit das aufrechthaltende Bewusstsein seiner Bedeutung im Kreis seiner Nation zu finden wusste, und durch welchen der Baum der jüdischen Geistesentfaltung so heiter kräftig, so gesund und frisch gepflegt wurde, dass von dessen Mark noch unbewusst die heutigen Enkel zehren, die in ihrer stolzen Unwissenheit rüstig das ihrige tun, dass sich ihre Enkel einst <strong>nicht gleicher geistigen Erbschaft erfreuen mögen</strong>. —</p>



<p>Die von Gott der <strong>Mündlichkeit</strong> anvertraute Thora-Offenbarung ist es endlich, die die eminentesten Träger derselben zu einer solchen Höhe der Weisheit hob, dass sie jene bewundernswürdigen Institutionen, jene <strong>גְּזֵרוֹת</strong> und <strong>תַּקָּנוֹת</strong> im Geiste der Thora zu schaffen vermochten, die sich als Bollwerk und Schutz, die sich als Förderung und Hebel der Thora in unserer großen jüdischen Vergangenheit so glänzend bewährten, — die das jüdische Gemeindewesen also gründeten und regelten, dass, wo nur auf weiter Erde zehn Juden sich zusammen fanden, dort in lebenskräftiger Verjüngung das Bild die Gesamtnation sich wiederholte und ein gottgetragener Kreis sich schloss, in welchem die herrlichsten Keime der <strong>תּוֹרָה עֲבוֹדָה וגמ״ח</strong> der Gotteslehre, des Gottesdienstes, der Wohltätigkeit und Menschenliebe die hingebendste Pflege und Entfaltung genossen, — die endlich das Haus und die Ehe und die Familie mit solchen Formen regelten und mit einem solchen Geist der Zartheit und der Rücksicht, des Pflichtgefühls und der Sittsamkeit, der Liebe und der Treue, des Friedens und der Freude durchwebten, dass sich eben dort jenes herrliche jüdische Familienleben gestalten konnte, welches die jüdischen Hütten mit einer Paradiesesseligkeit erfüllte, um welche selbst ihre Verächter sie beneideten.</p>



<p><strong>Oder meint Ihr etwa nicht?</strong> Ist es etwa doch nur das schriftlich Geoffenbarte, welches alle diese Wunder erzeugte? Seht, Christ und Muselmann haben seit Jahrhunderten das „schriftlich Geoffenbarte&#8220; aus unseren Händen hingenommen; aber die geistig sittliche <strong>jüdische </strong>Höhe haben sie doch nicht erreicht, <strong>weil ihnen eben der Schlüssel und die Vollendung der mündlichen Offenbarung gefehlt.</strong></p>



<p>Darum will die schriftliche Offenbarung nur an der Hand der mündlichen ins Leben geführt werden, darum kündigt sich die schriftliche Lehre selbst als nur von der mündlichen getragen an, und <strong>darum — hat sie selbst das bloße Gedächtnis ihrer Feier der mündlichen Lehre überlassen.</strong></p>



<p class="has-text-align-center"><strong>8. Schawuothfest</strong></p>



<p>Aber diese Feier selbst so beschränkt, so still, auf die flüchtige Dauer eines einzigen, schnellvorrübergehenden Tages angewiesen! Und an diesem Tag selbst dieser Feier kaum ein sichtbarer Festausdruck verliehen, die ganze Feier fast nur negativ im Unterlassen der Werktätigkeit betätigt!</p>



<p><strong>Nur einen Tag? Nur einen stillen Tag? Nur einen stillen Tag der Thora?</strong> — O, es haben die Feier und die Feste nicht nur Segen im Kreis der Thora gebracht! In ihrer Bestimmung nicht begriffen, in ihrer Bedeutung verkannt, in ihrer Übung missbraucht, wurde <strong>sie in Zeiten des Abfalls von den abgefallenen Söhnen selbst als Krücke ihres Abfalls missbraucht</strong>. Je schwächer das Geschlecht, je weniger es gewillt ist, den Ideen deren Größe und Wahrheit es doch nicht ganz zu verleugnen wagt, mit der Wirklichkeit seiner Tatkraft zu dienen, mit der Weihe seines Lebens zu huldigen und mit dem Opfer der Güter und Genüsse seines Daseins den Altar der Verherrlichung zu bauen, umso gieriger hascht es nach — leichteren — stellvertretenden — Gelegenheiten, sich mit der Anerkennung dieser Ideen zu schmücken, und baut Denkmäler, stiftet Feste, isst Zweck-Essen, — und berauscht sich, und beruhigt sich mit dem Duft solcher symbolischen Verehrung für den Verrat und die Verleugnung, deren es sich gegen eben diese Ideen, Gesinnungen und Zwecke im Leben der Wirklichkeit bewusst ist. Also auch im Dienst der großen Ideen, Gesinnungen, Zwecke und Wahrheiten der Thora. Verraten, verleugnen wir diese im Leben, haben wir gar nicht den Willen ihnen unser ganzes Leben zu weihen, ihnen mit all unseren Kräften und Bestrebungen, unseren Gedanken und Handlungen, all unserem Streben und Genießen im häuslichen und öffentlichen Leben das Denkmal und den Altar zu bauen und das Opfer zu vollbringen, — wollen wir gar nicht die Wahrheit der Thora im Leben, wollen uns gar nicht mit der Symbolik der Feste <strong>für</strong> diese Wahrheit rüsten, <strong>sondern feiern nur Feste, um doch noch wenigstens symbolisch uns zur <u>Existenz</u> von Wahrheiten zu bekennen, denen wir die Leben gestaltende Geltung längst abgesprochen, und denen unser thoraentfremdetes Leben den kecksten Hohn ins Angesicht schleudert — <u>dann</u> zürnt uns der Geist der Thora entgegen:&nbsp; <a href="#_ftn31" id="_ftnref31"><sup><strong><sup>[31]</sup></strong></sup></a></strong><strong> </strong><strong>&nbsp;לֹא־אוּכַ֥ל אָ֖וֶן וַעֲצָרָֽה </strong><strong>fort mit eurem Lebenstrotz und Festtagsfeier zusammenkuppelnden Treiben, <a href="#_ftn32" id="_ftnref32"><sup><strong><sup>[32]</sup></strong></sup></a></strong><strong> חׇדְשֵׁיכֶ֤ם וּמֽוֹעֲדֵיכֶם֙ שָֽׂנְאָ֣ה נַפְשִׁ֔י</strong><strong>, <u>eure </u>Neumonde und eure Feste hasst meine Seele!</strong></p>



<p>Siehe, darum ist die Thora eifersüchtig auf jede Regung der Verehrung und Huldigung, die der Gedanke ihrer Offenbarung in dir wecken dürfte, darum gestattet sie jeder solchen verehrenden Regung kaum einen Raum in Festtagsfeier und symbolischem Festausdruck, auf dass, wenn Schawuoth dir den Gedanken des Guts aller Güter, dieser Seele aller Seelen, dieses Lebens alles Lebens, dieser Thora deines Gottes bringt, und mit diesem Gedanken&nbsp; das Gefühl der Verehrung und Huldigung erregt, die du dieser Thora schuldest, <strong>du diesem Gedanken und Gefühl durch kein Festbegängnis, durch keine Festesfeier Genüge schaffen könnest, und dir das Fest der Thora gleich an der Schwelle den Grundgedanken entgegentrage: Nicht das <u>Fest</u> genüge dieser Thora, sondern das <u>Leben</u>, und nicht mit der Weihe eines Tages, einer Woche, eines Monats werde ihr gedient, sondern mit der Weihe des ganzen Jahres und mit der Weihe aller Tage, Stunden und Augenblicke in diesem ganzen Jahre.</strong></p>



<p>Seele unseres ganzen Lebens zu sein, <a href="#_ftn33" id="_ftnref33"><sup>[33]</sup></a> <strong>אשדת</strong> wie die unsichtbare Lebensglut unser ganzes Wesen zu beseelen, alle unsere Räume zu erfüllen, alle unsere Zeiten zu gestalten, hat Gott sie gesendet. Wie du aber für alle Sinne und Lebensfunktionen bestimmte, räumlich begrenzte Träger und Organe nachweisen kannst, vergebens aber nach dem Organ und Träger der Seele forschst, eben weil kein Teilchen des ganzen Organismus sie zu entbehren vermag, der ganze Organismus ihr Träger und Diener zu sein, sie in dem ganzen Organismus zu thronen und ihn beherrschend zu erfüllen bestimmt ist, ebenso ist der <strong>Seele</strong> Israels, der <strong>Thora</strong>, keine Woche, kein Monat in Israels Leben zugewiesen, weil ihr das <strong>ganze</strong> Leben angehören, sie das <strong>ganze</strong> Leben beherrschend erfüllen soll und jede Raumgebung <strong>innerhalb</strong> dieses Lebens ihre Herrschaft nur <strong>beschränken</strong> würde.</p>



<p>Warum keine Woche, kein Monat der Thora, und warum keine symbolische Feier der Thora? Weil nicht die Woche, nicht der Monat, sondern das Jahr der Thora gehört und weil sie nicht das Symbol, sondern das <strong>Leben, die Wirklichkeit heischt!</strong></p>



<p class="has-text-align-center"><strong>9. Schawuoth-Opfer</strong></p>



<p>Wenn aber im Kreis der Einzelnen der Feier des Thorafestes kaum ein bemerkbar hervortretender Ausdruck verliehen war, so war ihr dennoch im Herzen Israels, im Nationalmittelpunkt des Tempels, ein tiefcharakterisierender Ausdruck durch <strong>שְׁתֵּי לֶחֶם</strong> und <strong>כִּבְשֵׂי עֲצֶרֶת <a href="#_ftn34" id="_ftnref34"><sup><strong><sup>[34]</sup></strong></sup></a></strong> gegeben. Im Tempelkreis der Thora dürfte der neue Jahresertrag des Bodens nicht als Israels Eigentum in dem Huldigungsopfer der <strong>מְנָחוֹת <a href="#_ftn35" id="_ftnref35"><sup><strong><sup>[35]</sup></strong></sup></a></strong> erscheinen, bevor nicht der Tag der Thoraoffenbarung gekommen und diese Thora ihre Huldigung in diesen charakteristischen Opfergaben gefunden. Denn Besitz und Selbstständigkeit und der Boden, der beides gewährt, sind für Israel nur durch die Thora bedingt, finden in Israel nur in der Thora ihren Boden, werden Israel nur von der Thora gereicht und gewährleistet durch die Thora.</p>



<p><strong>שְׁתֵּי לֶחֶם</strong> zwei gesäuerte Brote und <a href="#_ftn36" id="_ftnref36"><sup>[36]</sup></a> <strong>שְׁנֵי כְבָשִׂים בְּנֵי שָׁנָה לְזֶבַח שְׁלָמִים</strong> zwei einjährige Schafe zum Friedensopfer sind aber der Huldigungsausdruck dessen, was Israel der Thora verdankt, was die Thora Israel bringen will, <strong>und enthält dieses charakteristische Opfer am Fest der Thora wiederum das Wesen derselben nach einer Seite hin, in deren Beziehung sie am meisten verkannt worden — und wird.</strong></p>



<p>Hingebung und Sühne: <a href="#_ftn37" id="_ftnref37"><sup>[37]</sup></a> <strong>עוֹלָה</strong> und <strong>חַטָּאת</strong> — huldigendes Bekenntnis der ureigenen Unselbstständigkeit: <a href="#_ftn38" id="_ftnref38"><sup>[38]</sup></a> <strong>&nbsp;,</strong> <strong>מִנְחַת מַצָּה</strong><strong> </strong>— undfreudige Begeisterung in dieser Huldigung: <a href="#_ftn39" id="_ftnref39"><sup>[39]</sup></a> <strong>נְסָכִים</strong><strong> </strong>das waren die Gedanken, die die <strong>קָרְבָּנוֹת צִבּוּר</strong>, die die Nationalopfer des ganzen Jahres durchwehten. Denn sie hatten Israel die Wege zu zeigen, die aus dem weihelosen <strong>חוּלִין</strong>-Zustand zur heiligen Thorahöhe führen, auf deren Gipfel dann das ganze Dasein, das Göttliche auf Erden nährend: <a href="#_ftn40" id="_ftnref40"><sup>[40]</sup></a> &nbsp;<strong>לֶחֶם אִשֶּׁה</strong> zum Wohlgefallen Gottes in der Höhe sich vollende: <strong>לְרֵיחַ נִיחוֹחַ לָה&#8216;</strong></p>



<p>Aber diese Höhe ist keine schwindelnde, der Wirklichkeit entrückende Ekstase, auf welcher das irdische Dasein mit all seinen Beziehungen Wert und Bedeutung verlöre, diese Höhe heißt nicht „<strong>Askese</strong>&#8222;, welcher die Erde mit ihren Blumen und Blüten, mit ihren Reizen und Freuden, Tand und Sünde bedeutet, jene Hingebung heißt nicht <strong>Vernichtung</strong>, jene Sühne heißt nicht <strong>Kasteiung</strong>, jenes Bekenntnis heißt nicht <strong>Schwäche</strong>, jene Huldigung nicht <strong>Selbstverachtung</strong>, die ganze Summe der Thorahöhe heißt nicht <strong>verächtlicher Fußstoß</strong> der Erde um den Himmel zu erschwingen, sondern auf dem Gipfel ihrer Höhe reicht dir die Thora: <a href="#_ftn41" id="_ftnref41">[41]</a> <strong>לֶחֶם חָמֵץ</strong> , <strong>das Brot der <u>Selbstständigkeit</u></strong> und: <a href="#_ftn42" id="_ftnref42"><sup>[42]</sup></a> <strong>שְׁלָמִים</strong> <strong>jenen</strong> Zustand der vollendeten <strong><u>irdischen Seligkeit</u></strong>, der <strong>שָׁלוֹם</strong> „<strong>Friede</strong>&#8220; heißt, in welchem jeder Kampf und jeder Gegensatz und jeder Zwiespalt geschwunden, in welchem es keine Kluft mehr gibt zwischen Himmel und Erde, zwischen Ewigkeit und Zeitlichkeit, zwischen Tempel und Haus, zwischen Altar und Tisch, in welchem der Himmel und die Ewigkeit und die Seligkeit eingekehrt ist in alle deine irdischen, zeitlichen Beziehungen, dein ganzes leiblich-geistiges, seelisch-irdisches Dasein in die himmlische Ewigkeit hinübergerettet ist, und du mit Weib und Kindern, im frohen Bewusstsein eures in Gott gewonnenen, ewigen, göttlichen Wertes, dich um den Tisch deines Gottes sammelst und heiter und froh und selig und glücklich die flüchtigste Minute deines Hierseins als einen ewigen Moment deines ewigen Daseins <strong>vor dem Angesicht deines Gottes <u>genießt</u></strong>.</p>



<p><strong>Siehe da wiederum die allen Vergleiches spottende Einzigkeit deiner Thora!</strong> In allen anderen Kulten, Religionen, Theologien, oder wie man die von Menschen erträumten Beziehungen zu ihren erträumten Göttern nennen möge, im Anblick aller jener Götter, <a></a><a href="#_ftn43" id="_ftnref43"><sup>[43]</sup></a> <strong>דִּי שְׁמַיָּא וְאַרְקָא לָא עֲבַדוּ</strong>, die nach dem Ausdruck des Propheten die Himmel und Erde nicht erschaffen haben, verkriecht sich die Erde mit ihren Gütern und Reizen, mit ihren Freuden und Genüssen; Feinde der Selbstständigkeit sind die Götter, Feinde der Freude und der Heiterkeit ihre Lehren, und darum: 43 <strong>כִּדְנָה֙ תֵּאמְר֣וּן לְה֔וֹם אֱלָ֣הַיָּ֔א דִּֽי־שְׁמַיָּ֥א וְאַרְקָ֖א לָ֣א עֲבַ֑דוּ יֵאבַ֧דוּ מֵאַרְעָ֛א וּמִן־תְּח֥וֹת שְׁמַיָּ֖א אֵֽלֶּה</strong>, darum sagt ihnen: die Götter, die Himmel und Erde nicht gemacht, werden von der Erde schwinden und aus den von diesen Himmeln überspannten Räumen, — an der Wirklichkeit und Berechtigung der Erde wird ihre Lüge zu Schanden. Aber Er, der nicht nur die Himmel geschaffen, sondern mit gleicher Sorgfalt die Erde, Er, dem jeder in seinem Dienst verlebte irdische Moment ganz gleich wiegt mit jedem anderen Moment der einstigen himmlischen Seligkeit, Er, <a href="#_ftn44" id="_ftnref44"><sup>[44]</sup></a> <strong>עֹשֵׂ֥ה אֶ֙רֶץ֙ בְּכֹח֔וֹ מֵכִ֥ין תֵּבֵ֖ל בְּחׇכְמָת֑וֹ וּבִתְבוּנָת֖וֹ נָטָ֥ה שָׁמָֽיִם</strong> der mit seiner Schöpferkraft die Erde gebildet, mit seiner Weisheit die <strong>Menschenwelt</strong> auf Erden begründet und mit seiner Fürsicht die Unermesslichkeit der Himmelsräume um diese kleine Erde hüllend geneigt — <strong>Seine</strong> Thora, Seine Leben erzeugende Offenbarung, ist eine Lehre für diese <strong>himmelumspannte Erde</strong>, nimmt diese Seine Erde mit allen ihren von Ihm geschaffenen Beziehungen in&nbsp; das Reich Seiner Seligkeit auf, will das Leben des Menschengeschlechtes auf Erden mit Seiner Weisheit regeln und die Erde für dieses Ihm dienende Menschengeschlecht zu einem Paradies des Heiles und des Friedens, der Heiterkeit und der Freudenseligkeit vollenden; <strong><u>auf der Höhe Seiner Lehre erhält erst der Mensch seine Selbstständigkeit, und die Erde ihre Bedeutung, </u><a href="#_ftn45" id="_ftnref45"><sup><strong><sup>[45]</sup></strong></sup></a></strong><strong> </strong><strong>&nbsp;<u>ל</u>ֹֽא־כְאֵ֜לֶּה חֵ֣לֶק יַעֲקֹ֗ב כִּֽי־יוֹצֵ֤ר הַכֹּל֙ ה֔וּא </strong><strong>, unvergleichlich ist Jakobs Los; denn Schöpfer des Himmels und der Erde, Schöpfer des <u>Weltganzen</u> ist <u>Er!</u></strong></p>



<p>Nicht daher <strong>עוֹלָה</strong> und <strong>חַטָּאת</strong> , Ganzopfer der Hingebung und Opfer der Sühne; <strong>שְׁלָמִים</strong>, Genusopfer heiterer Friedensseligkeit bezeichnen die charakteristische Gipfelhöhe der Thora <strong>עוֹלוֹת .</strong><strong>, </strong><strong>Ganzopfer, bei welchen die Erde in „mitternächtiges&#8220; Dunkel zurücktritt, hatte auch die Menschheit einst schon vor der Offenbarung der Thora gekannt.</strong><strong> שְׁלָמִים</strong><strong> aber, heitere Friedensmahle vor Gottes Angesicht, bei welchen die Erde im „hellen Sonnenstrahl&#8220; fröhlich glänzt brachte nur das Judentum der Thora.</strong></p>



<p class="has-text-align-right"><strong>עורי צפון ובאי תימן, מסייע ליה לרבי יוסי בר חנינא דאמר עולות הקריבו בני נח, עורי צפון זה העולה שהיתה נשחטת בצפון, ומהו עורי דבר שהיה ישן ונתעורר, ובואי תימן אלו שלמים שהיו נשחטים בדרום, ומהו בואי דבר של חדוש. </strong>(ב״ר)<a href="#_ftn46" id="_ftnref46"><sup>[46]</sup></a></p>



<p>Und <strong>שְׁנֵי כִּבְשֵׁי עֲצֶרֶת ,שְׁתֵּי לֶחֶם</strong> <strong>gepaart</strong> war der Ausdruck der Selbstständigkeit, gepaart das Opfer des Friedensmahls am Thorafest. Denn nicht etwa Nationalselbstständigkeit der <strong>Gesamtheit</strong>, Gesamtwohlfahrt der <strong>Nation</strong> heißt die Gipfelblüte der Thora, — etwa eine Selbstständigkeit der Nation nach außen, die mit Knechtung der eigenen Glieder im Innern erkauft wäre, oder ein Nationalwohlstand im Gesamterscheinen, bei welchem der Einzelne zerknickt verkümmern möge. Gelte es hier nur solchen Gesamtheitsgütern, solchen Nationalbeziehungen, so würden die Zeichen dafür die Zahl <strong>Eins,</strong> oder <strong>Sieben</strong>, den Ausdruck der Gesamtheit als geschlossener Einheit, tragen. Wo im Opfersymbol die Zahl zwei, das Paar, erscheint, da tritt Israel nicht als<strong>גּוֹי</strong> &nbsp;<a href="#_ftn47" id="_ftnref47"><sup>[47]</sup></a> nicht als Körpereinheit, sondern als <a href="#_ftn48" id="_ftnref48"><sup>[48]</sup></a> <strong>עַם</strong> , als Gesellschaft <strong>in allen ihren Gliedern</strong> auf, — und <strong>שְׁתֵּי לֶחֶם</strong> , Selbstständigkeit für <strong>jedes Glied</strong> ihres Volkes, <strong>שְׁנֵי כְּבָשִׂים לְזֶבַח שְׁלָמִים</strong> , selige Friedensfreude für <strong>jede </strong>jüdische Hütte reift auf dem sonnigen Gipfel der Thorahöhe; denn die Thora die von Zion ausgeht und das Gotteswort aus Jerusalem soll nicht nur Frieden zwischen „Nation und Nation“ nach außen bringen, sondern im Inneren der Nation soll jeder <strong>וְיָשְׁב֗וּ אִ֣ישׁ תַּ֧חַת גַּפְנ֛וֹ וְתַ֥חַת תְּאֵנָת֖וֹ וְאֵ֣ין מַחֲרִ֑יד <a></a><a href="#_ftn49" id="_ftnref49"><sup><strong><sup>[49]</sup></strong></sup></a></strong> &nbsp;soll jeder ungestört unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum sitzen; 49 <strong>כִּי־פִ֛י ה&#8216; צְבָאקוֹת דִּבֵּֽר</strong> denn es ist eben der Mund Gottes, der es gesprochen.</p>



<p>Dieser Zustand der Selbstständigkeit und der Glückseligkeit, den das Wort Gottes jedem Einzelnen bringen will, ist aber dann zugleich ein solcher, in welchem das Wohlwollen und die Liebe alle die beglückten Einzelnen dann brüderlich paart und eint, die sonst nur durch die Not und Bedrängnis zusammengeführt werden. Vielmehr fühlt jeder seine Selbstständigkeit nur voll in der gleichen Selbstständigkeit des Bruders, genießt jeder des eigenen Glückes nur im Bewusstsein der gleichen Segensblüte des Bruders, <strong>keine Selbstständigkeit des einen ohne des anderen, kein Wohlstand des einen ohne des anderen:<a href="#_ftn50" id="_ftnref50"><sup><strong><sup>[50]</sup></strong></sup></a></strong><strong> </strong><strong>&nbsp;שתי לחם מעכבין זה את זה </strong>und<strong> שתי כבשי עצרת מעכבין זה אח זה </strong><strong></strong></p>



<p class="has-text-align-center"><strong>10. Erstlingsfrüchte</strong></p>



<p>Hatte aber am Thorafest die Gesamtheit für jeden Einzelnen ihrer Glieder im symbolischen Weihausdruck das Bekenntnis der am Baum der Thora zu reifenden Selbstständigkeit und Glückseligkeit auf Erden in des Tempel Stille dargebracht, dann zogen nun &nbsp;<strong>בֵּין עֲצֶרֶת לְחַג</strong>,&nbsp; von diesem Thorafest an bis zum Hüttenfest, an welchem die Nationalfreude in ihrer seligsten Begeisterung gipfelt, diese Einzelnen selbst mit den Zeichen ihres von der Thora verliehenen selbstständigen Wohlstandes zu den Toren Jerusalems ein, und legten diese Zeichen am Altar der Thora nieder und bekannten <strong>ihren unselbstständigen Urzustand und die Selbstständigkeit und den Segen, den ihnen die Thora gebracht.</strong></p>



<p>Die erste Feige, die ihm reifte, die erste Traube, die ihm reifte, den ersten Granatapfel, der ihm reifte, merkte sich ein jeder und weihte jeden „Fruchterstling&#8220; zum Ausdruck des ihm von Gott für die Thora verliehenen Bodens und Segens. Das ganze Land war in Kreise geteilt, und wenn die Zeit gekommen, versammelten sich die Bewohner jedes Kreises in der Kreisstadt, und blieben auch nachts auf dem freien Markt; denn unter keines Hauses Dach gingen sie ein, ehe sie die Hallen des Tempels erreicht. Und zum Aufbruch am Morgen erhob sich der Führer und sprach: „Auf, ziehen wir hinauf nach Zion zum Hause unseres Gottes!&#8220;</p>



<p>Die Nahen trugen die Feigen und Trauben frisch, die Fernen getrocknet, und der Stier des Friedenopfermahles ging voran, die Hörner vergoldet und mit Ölzweigen bekränzt, und voraus blies die Flöte, bis sie in Jerusalems Nähe gelangten.</p>



<p>In Jerusalems Nähe machten sie Halt, sendeten die Botschaft ihrer Ankunft nach Jerusalem, und schmückten inzwischen ihre Fruchterstlinge. Meister und Herren und Amtleute der Priesterschaft und des Tempels zogen ihnen, je nach der Anzahl der Kommenden, in entsprechender Anzahl entgegen. Selbst alle Lohnarbeiter in Jerusalem standen vor ihnen auf, wenn sie an ihnen vorüberzogen und grüßten sie: „Brüder aus dem und dem Orte, Friedensgruß eurem Kommen!&#8220; Sie aber zogen vorüber mit der Flöte an der Spitze bis sie den Tempelberg erreichten. Am Tempelberg nahm jeder, und wäre es der König, seinen Korb auf die Schulter und trug ihn zur Vorhalle des Tempels, wo sie der Levitenchor mit dem Psalm empfing: „Dich erhebe ich, Gott, denn aus tiefster Niedrigkeit hast du mich gehoben!&#8220;<a href="#_ftn51" id="_ftnref51"><sup>[51]</sup></a> — Mit dem Korb aber auf der Schulter beginnt jeder das Nationalbekenntnis der jüdischen Geschichte, wie er mit diesen Früchten Zeugnis ablegen wolle, dass ihm der Landbesitz geworden, den Gott den Vätern verheißen; wie einst aber im Herrnhaus zu Aram die Knechteswiege seines Ahns gestanden, wie immer tiefer bis ins ägyptische Elend das Geschick der Väter dann gesunken, dort in Sklaverei und Elend, in Leid und Druck Israel zum Volk erwachsen und endlich Gottes Allmacht sie erlöst, zur Heiligtumsstätte seiner Thora sie geführt und ihnen das Land der Milch- und Honigfülle gegeben. — Dann legt er die Früchte am Altar seines Gottes, an der Stätte seiner Thora nieder, verbeugt sich und geht —— — <strong>(ביכורים,ג)</strong></p>



<p class="has-text-align-center"><strong>וְשָׂמַחְתָּ֣ בְכׇל־הַטּ֗וֹב אֲשֶׁ֧ר נָֽתַן־לְךָ֛ ה&#8216; אֱלֹקיךָ וּלְבֵיתֶ֑ךָ אַתָּה֙ וְהַלֵּוִ֔י וְהַגֵּ֖ר אֲשֶׁ֥ר בְּקִרְבֶּֽךָ</strong><strong></strong></p>



<p>„Und freust dich dann all des Guten, welches Gott, dein Gott dir und deinem Hause gegeben, du, der Levite und der Fremde in deiner Mitte&#8220; (5. B. M. 26.); denn <strong>שִׂמְחָה</strong>״&#8220; Freude, ist die letzte ewige Heilsfrucht, die die Thora für dich zeitigen will — — —</p>



<p class="has-text-align-center"><strong>11. Schawuoth</strong></p>



<p>Siehe, so tritt dieser stille, schweigende, schmuck- und zeichenlose Tag der Thora in deinen Kreis und ist eben in seiner Stille so laut, in seinem Schweigen so beredt, in seiner Symbolarmut so bedeutungsvoll, und lädt dich zur <strong>ernsten</strong> Würdigung der Einzigkeit der Thora, die dieser Tag dir gebracht, zur Erwägung der ganzen Fülle von Leben und Heil, die diese Thora dir bringen will.</p>



<p><strong>Dir — bringen <u>will</u></strong>! Denn ach, die Flöte ist längst verklungen aus Israels Gefilden, nicht reift mehr die Feige, nicht glüht mehr die Beere, nicht füllt sich mehr die Granatfrucht, nicht lebt und webt mehr die Freude im Land der Milch- und Honig-Fülle. War ja überall nur kurz und spärlich die Zeit der Selbstständigkeit und der heiteren Lebensseligkeit, die Israel im Land der Thora genoss. Wohl streben noch die Berge, wohl rieseln noch die Flüsse, wohl dehnen sich noch die Ebenen, wohl wölbt sich noch derselbe Himmel über denselben Boden. Aber solange dorthin nicht Israel wiederkehrt, Israel als <strong>Israel</strong>, als Volk <strong>Gottes</strong> und Seines Wortes, solange die <strong>Thora </strong>dort nicht endlich zu ihrer vollen Wahrheit und Wirklichkeit gelangt, so mögt ihr vergebens dort Industrieschulen und Ackerbaukolonien stiften, so lange bleibt selbst der Boden des Paradieses — eine Wüste.</p>



<p>Und diese Thora, diesen gottgesandten Keim aller Heilszukunft, diese einzige Bedingung einer Selbstständigkeit und irdischen Seligkeit, die im Ganzen und Einzelnen vergebens auf irgend anderem Weg, vergebens durch irgend andere Mittel angestrebt werden, diese Thora, die noch kaum eine Vergangenheit gehabt und die die Zukunft aller Ewigkeit in ihrem Schoß trägt, diese „<strong>Thora</strong>&#8220; wollt Ihr als antiquiert beiseiteschieben, wollt sie zu den abgelebten Dingen werfen, die ihre Zeit gehabt, die für ihre Zeit einmal gut gewesen, <strong>die aber von <u>unserer</u> Zeit</strong> — deren Paradieseszustände freilich zeigen, welche herrliche Selbstständigkeit und heitere Glückseligkeit auf Erden die internationalen Beziehungen und die Verhältnisse der Einzelnen den Völkern und Menschen auch ohne ״Thora&#8220; zu bereiten vermögen! — <strong>längst überflügelt worden</strong>?!</p>



<p>Seht! Ein Symbol hatte das Fest der Thora euch nicht in die Hand zu geben, mit einer absonderlichen Feier nicht sein Andenken euren Seelen einzuprägen, aber mit zweien Namen tritt es euch entgegen, unter zweien Namen will es von euch gedacht werden, deren einer jene Seligkeitsblüten zeigt, deren Paradiesespflege die Thora bringen soll, deren anderer <strong>aber jeden solchen Gedanken einer Antiquierung mit zürnendem Ernst in die Nichtigkeit vermessener Lüge zurückschleudert.</strong></p>



<p><strong>יוֹם הַבִּכּוּרִים</strong><strong> </strong>Tag der Fruchterstlinge, das ist der eine dieser Namen, dessen heiteren Inhalt wir uns bereits zu vergegenwärtigen gesucht.</p>



<p><strong>חַג הַשָּׁבוּעוֹת,</strong> <strong>שָׁבוּעוֹת</strong> Wochen, Fest der Wochen, Wochenfest, so lautet der andere, dessen ernstestem Ernst wir die ernsteste Beherzigung schenken sollten.</p>



<p>Wie <strong>יוֹם הַבִּכּוּרִים </strong>das Fest der Thora nach der heiteren Zeit benennt, die mit ihm beginnt, so weist der Name <strong>שָׁבוּעוֹת</strong>&nbsp; Schawuoth, Wochenfest, auf die Zeit der Vorbereitung hin, die ihm <strong>vorangeht</strong>.</p>



<p>Die Thora antiquiert? Unsere Zeit, irgendeine Zeit, schon über die Thora hinaus, schon das Ideal der Thora im Rücken, schon den Institutionen entwachsen? „<strong>Schawuoth</strong>&#8222;, „<strong>Wochen</strong>!&#8220; ruft die Thora an ihrem Fest jedem Geschlecht, jederzeit Israels zu,<strong>שִׁבְעָ֥ה שָׁבֻעֹ֖ת תִּסְפׇּר־לָ֑ךְ<a href="#_ftn52" id="_ftnref52"><strong>[52]</strong></a>&#8220; </strong><strong>&nbsp;</strong><strong>sieben Wochen, siebenmal sieben Tage musstest du zählen, ehe du den Tag meines Festes begehen konntest; <u>sieben mal sieben Prüfun</u></strong><strong><u>gen, </u></strong><strong><u>sieben mal sieben Leuterungen musst du</u></strong><strong> noch erst <u>durchgehen, ehe du die Höhe meiner Institutionen erreichst</u>! Nicht die Vergangenheit, die ganze Zukunft ist mein, das hoch ausgestellte Ideal bin ich, zu dem alle eure Geschlechter emporzuringen haben, — auf Bergeshöhen leuchtet mein Feuer — —</strong><strong> ,</strong> <strong>בְּתַחְתִּית הָהָר</strong><strong>&nbsp; </strong><strong>&nbsp;</strong><strong>unten am Berg standet ihr — und steht ihr — <u>und seid nie tiefer gesunken, als wenn ihr meine Höhen schon überflügelt zu haben vermeint</u>&#8222;. — — —</strong></p>



<p>Kennt ihr „das Geschlecht, das seinen Vater geringschätzt und seine Mutter nicht segnet, — das Geschlecht, das in seinen Augen so rein, und noch vom Unflat der Kindheit nicht gewaschen, — das Geschlecht, dessen Augen so stolz und dessen Blick so hochmütig&#8220;? <a href="#_ftn53" id="_ftnref53"><sup>[53]</sup></a><strong>(</strong><strong>משלי</strong> <strong>ל׳</strong><strong>)</strong> Das ist das Geschlecht, das die Thora seines Gottes und die Institutionen seiner Ahnen geringschätzt, und doch erst noch sieben mal sieben Umwandlungen und Leuterungen durchzumachen hätte, ehe es die Höhe zu erstreben vermag, auf welche diese Thora und diese Institutionen es rufen — — —</p>



<p>Wo im Kreis der Thora der Übergang aus einer Vorstufe zur höheren: aus der Gebundenheit zur Freiheit, aus der Weihelosigkeit zur Weihe, aus dem Naturstand zur menschlich göttlichen jüdischen Höhe also bezeichnet werden soll, das, diese Vorstufe erst als ganz überwunden erscheinen soll ehe in die höhere eingegangen werden durfte, da wird dieser Vorstufe der Unfähigkeit immer ein siebenzeitiger Zyklus eingeräumt, der erst durchgemacht sein muss, bevor die Zeit der Fähigkeit, der Freiheit, der Reinheit und der Weihe beginnt.</p>



<p>Erst nach sieben Tagen wird das Tier der Opferweihe fähig, erst nach sieben Tagen kann das Kind das Zeichen des Abrahambundes empfangen, erst nach sieben Tagen können Unreingewordene wieder in den Kreis der Reinheit des Heiligtums und der Ehe treten. Aber sieben mal sieben Tage hatte das befreite Israel zurückzulegen ehe es zur Thorahöhe emporblicken konnte, sieben mal sieben Tage das bodengetragene Israel von der ersten Sichelschwingung zu zählen ehe es das Fest der Thora feiern durfte, siebenmal sieben, siebenfältige Phasen der Prüfung und Läuterung hat Israel erst zu bestehen ehe es für die volle Wirklichkeit und Wahrheit der Thora gereift sein wird.</p>



<p>Denn nicht, wie die Kurzsichtigkeit spricht, für das damalige Geschlecht war die Thora berechnet, dass etwa ein späteres, etwa ein fortgeschrittenes, veredelteres Geschlecht derselben einst entwachsen sein könnte; <a href="#_ftn54" id="_ftnref54"><sup>[54]</sup></a> <strong>אֶת אֲשֶׁר יֶשְׁנוֹ פֹּה &#8230; וַאֲשֶׁר אֵינֶנּוּ פֹּה</strong><strong> </strong>für das fernste Geschlecht ward der Bund der Thora geschlossen, für das fernste Geschlecht ward sie bestimmt, <strong>nicht der Ausgangspunkt, sondern der Höhe- und Zielpunkt für Israels weltgeschichtliche Entwicklung ist die Thora, und die ganze, mehr denn 3000jährige Geschichte Israels ist nichts anderes, als die große Phase seiner siebenfältigen Läuterung und Erziehung für die einst volle Erfüllung, für die einst volle Verwirklichung des Thoraideals.</strong></p>



<p>Und diese Phase wird durchgemacht. In welche Knechtschaft geistiger Unfreiheit wir auch versinken, wie entfremdet wir dem heiligen Vatererbe auch werden mögen, mit welchen Reizen uns auch die in unjüdischer Unfreiheit erworbenen und genossenen Güter umstricken mögen, dass endlich das Ohr, das am Sinai das: „Du sollst keinen anderen Göttern dienen!&#8220; vernommen, sich willig wie zur ewigen Knechtschaft an Tür und Pfosten unjüdischer Unfreiheit nageln ließe — nach sieben mal sieben Jahren erschien einst in Israels Kreisen das Jobeljahr, das mit Schofarruf alle Fesseln der Knechtschaft brach, alle Entfremdeten zur ureigenen Heimat rief und jeden wieder zu seiner Väter Erbe und zu seinen angestammten Familienbanden zurückführte,<a href="#_ftn55" id="_ftnref55"><sup>[55]</sup></a> &nbsp;<strong>וְשַׁבְתֶּ֗ם אִ֚ישׁ אֶל־אֲחֻזָּת֔וֹ וְאִ֥ישׁ אֶל־מִשְׁפַּחְתּ֖וֹ תָּשֻֽׁבוּ</strong> <strong>nach sieben mal sieben Läuterungs- und Erziehungsphasen kommt das große Thorajobel einst, und es fallen die Bande unjüdischer Unfreiheit, es fallen die Fesseln unjüdischer Reize, alle, alle, die Entferntesten, die Entfremdetsten, vernehmen mit Schofargewalt den alten Gottesruf, und zurück, zurück, <u>zurück</u> kehren sie alle zum heiligen Väter-Erbe und zu dem unverlierbaren, heiligen Stammesberuf.</strong></p>



<p>Nicht darum als ein bereits Erreichtes, als ein hochaufgestecktes, ewig anzustrebendes Ziel zeigt uns „<strong>Schawuoth</strong>&#8220; die Thora und spricht:<a href="#_ftn56" id="_ftnref56"><sup>[56]</sup></a> <strong>שִׁבְעָ֥ה שָׁבֻעֹ֖ת תִּסְפׇּר־לָ֑ךְ</strong>, sieben Wochen zähle dir, siebenfältig reinige und läutere dich für dieses Ziel, für die lautere Höhe der Thora, — und hättest du alle anderen Ziele erreicht, wären alle Fesseln dir gefallen, wärst emanzipiert, hättest Bürgerrecht, und Bürgerboden, eigene Felder blühten dir wieder, eigene Äcker harrten deiner Sichel, damit, <strong>mit diesem allen&nbsp; stündest du nicht am <u>Ziel</u>, ständest du erst am <u>Anfang</u> deines ewigen Berufes, <u>dann</u> erst <u>recht</u> hättest du dich neuerdings für die Erfüllung deiner Thora zu läutern, zu heben, zu weihen, <u>dann</u> erst, dann erst <u>recht</u> die Zählung deiner Thorawochen zu beginnen:</strong></p>



<p class="has-text-align-center has-large-font-size"><strong>מֵהָחֵ֤ל חֶרְמֵשׁ֙ בַּקָּמָ֔ה תָּחֵ֣ל לִסְפֹּ֔ר שִׁבְעָ֖ה שָׁבֻעֽוֹת <a href="#_ftn57" id="_ftnref57"><sup><strong><sup>[57]</sup></strong></sup></a></strong></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Deuteronomium 4:15</p>



<p><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Pirkei Avot 6:2</p>



<p><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Kleines quadratisches Stück Papier</p>



<p><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> Mitzvot</p>



<p><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> Arbeits- und Werkverbots</p>



<p><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Du sollst nichts hinzufügen und nichts weglassen</p>



<p><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> חֹמֶר בְּדִבְרֵי סוֹפְרִים מִבְּדִבְרֵי תוֹרָה, הָאוֹמֵר אֵין תְּפִלִּין, כְּדֵי לַעֲבֹר עַל דִּבְרֵי תוֹרָה, פָּטוּר. חֲמִשָּׁה טוֹטָפוֹת, לְהוֹסִיף עַל דִּבְרֵי סוֹפְרִים, חַיָּב: Die Auflehnung gegen die Worte der Schriftgelehrten ist eine schwerere Sünde als die gegen die Worte der Thora. Wer sagt: „es gibt keine Tephilinpflicht,“ um die Vorschriften der Thora zu übertreten, ist nicht strafbar; wer aber sagt: „es sind fünf Gehäuse nötig,“ umso zu den Worten der Schriftgelehrten etwas hinzuzufügen, ist schuldig. Sanhedrin 28 b (Übersetzung L. Goldschmidt)</p>



<p><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> Exodus 25:8; „Sie sollen mir ein Heiligtum schaffen, so werde ich unter ihnen wohnen.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> Deuteronomium 30:11-14</p>



<p><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> Wenn dein Herz deinem Vater im Himmel gewidmet ist</p>



<p><a href="#_ftnref11" id="_ftn11">[11]</a> Zu den Wahlfahrtsfesten Pessach, Schawuoth, Sukkot</p>



<p><a href="#_ftnref12" id="_ftn12">[12]</a> Zeugnis</p>



<p><a href="#_ftnref13" id="_ftn13">[13]</a> Numeri 28:24</p>



<p><a href="#_ftnref14" id="_ftn14">[14]</a> ebenda</p>



<p><a href="#_ftnref15" id="_ftn15">[15]</a> Thoravorlesungen</p>



<p><a href="#_ftnref16" id="_ftn16">[16]</a> Gebete</p>



<p><a href="#_ftnref17" id="_ftn17">[17]</a> Lehrhäusern</p>



<p><a href="#_ftnref18" id="_ftn18">[18]</a> Anruf, Gespräch</p>



<p><a href="#_ftnref19" id="_ftn19">[19]</a> Pflanzungen</p>



<p><a href="#_ftnref20" id="_ftn20">[20]</a> Jesaja 66:1</p>



<p><a href="#_ftnref21" id="_ftn21">[21]</a> Der „geistige“ Tempel</p>



<p><a href="#_ftnref22" id="_ftn22">[22]</a> Das Volk Israel ist einzig auf der Welt, die Thora ist einzig, Gott ist einzig</p>



<p><a href="#_ftnref23" id="_ftn23">[23]</a> Schriftlichen Überlieferung (Thora)</p>



<p><a href="#_ftnref24" id="_ftn24">[24]</a> “Die Zeit, an der uns die Thora übergeben wurde”, ein Pseudonym für das Wochenfest</p>



<p><a href="#_ftnref25" id="_ftn25">[25]</a> Deuteronomium 4:44; “&#8230;dies ist das Gesetz, welches Mosche niedergelegt hat vor Jisraels Söhne.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref26" id="_ftn26">[26]</a> Wikipedia: „Eine Dekretale ist eine in Urkundenform (epistula decretalis oder litterae decretales) veröffentlichte Antwort des Papstes auf eine Rechtsanfrage oder eine Entscheidung im Rahmen der päpstlichen Jurisdiktionsgewalt, die in Kanones-Sammlungen aufgenommen und dadurch als allgemeine Norm rezipiert wurde.“ Hier: eine Rechtssammlung</p>



<p><a href="#_ftnref27" id="_ftn27">[27]</a> Sie stellten viele Schüler auf</p>



<p><a href="#_ftnref28" id="_ftn28">[28]</a> Anspielung auf den Propheten Amos und Rabbi Akiba, die beide von sich behaupteten Rinderhirten zu sein.</p>



<p><a href="#_ftnref29" id="_ftn29">[29]</a> Schabbath 15a: “Als darauf zwei Weber vom Misttor zu Jerušalem kamen und im Namen von Šema͑ja und Ptollion bekundeten, dass drei Log geschöpftes Wasser das Tauchbad unbrauchbar mache, bestätigten die Weisen die Halakha nach ihrer Aussage.” (Übersetzung L. Goldschmidt)</p>



<p><a href="#_ftnref30" id="_ftn30">[30]</a> aramäisch</p>



<p><a href="#_ftnref31" id="_ftn31">[31]</a> Jesaja 1:13; „ich mag nicht Sünde und festliche Weihe zusammen.“ (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>



<p><a href="#_ftnref32" id="_ftn32">[32]</a> Jesaja 1:14</p>



<p><a href="#_ftnref33" id="_ftn33">[33]</a> Siehe hierzu Deuteronomium 33:2; das Feuergesetz</p>



<p><a href="#_ftnref34" id="_ftn34">[34]</a> Siehe hierzu Sukka 37b</p>



<p><a href="#_ftnref35" id="_ftn35">[35]</a> Brot- (Mehl-) opfer</p>



<p><a href="#_ftnref36" id="_ftn36">[36]</a> Levitikus 23:19</p>



<p><a href="#_ftnref37" id="_ftn37">[37]</a> Emporopfer (Ganzopfer) und Sündopfer</p>



<p><a href="#_ftnref38" id="_ftn38">[38]</a> Brotopfer aus Mazzen, Brot der Armut</p>



<p><a href="#_ftnref39" id="_ftn39">[39]</a> Gußopfer (Wein)</p>



<p><a href="#_ftnref40" id="_ftn40">[40]</a> S.R. Hirsch: „ein durch Feuerhingebung zu gestaltendes Opfer zum Willfahrungsausdruck“</p>



<p><a href="#_ftnref41" id="_ftn41">[41]</a> Gesäuerte Brotopfer, Brot der Freiheit</p>



<p><a href="#_ftnref42" id="_ftn42">[42]</a> Friedensopfer</p>



<p><a href="#_ftnref43" id="_ftn43">[43]</a> Jeremia 10:11</p>



<p><a href="#_ftnref44" id="_ftn44">[44]</a> Jeremia 10:12</p>



<p><a href="#_ftnref45" id="_ftn45">[45]</a> Jeremia 10:16</p>



<p><a href="#_ftnref46" id="_ftn46">[46]</a> Yalkut Shimoni zu Noach 988:50</p>



<p><a href="#_ftnref47" id="_ftn47">[47]</a> Volkskörper</p>



<p><a href="#_ftnref48" id="_ftn48">[48]</a> Volk als Gesellschaft</p>



<p><a href="#_ftnref49" id="_ftn49">[49]</a> Micha 4:4</p>



<p><a href="#_ftnref50" id="_ftn50">[50]</a> Menachot 27a; DIE ZWEI LÄMMER DES WOCHENFESTES SIND VON EINANDER ABHÄNGIG; DIE BEIDEN BROTE SIND VON EINANDER ABHÄNGIG; (Übersetzung L. Goldschmidt)</p>



<p><a href="#_ftnref51" id="_ftn51">[51]</a> Psalm 30:2</p>



<p><a href="#_ftnref52" id="_ftn52">[52]</a> Deuteronomium 16:9</p>



<p><a href="#_ftnref53" id="_ftn53">[53]</a> Sprüche 30</p>



<p><a href="#_ftnref54" id="_ftn54">[54]</a> Deuteronomium 29:14; „… der hier mit uns heute steht…. der nicht hier mit uns heute ist.“(Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref55" id="_ftn55">[55]</a> Leviticus 25:10; „… und ihr kehret jeder zurück zu seinem Grundbesitze und jeder kehrt ihr zu seiner Familie zurück.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref56" id="_ftn56">[56]</a> Deuteronomium 16:9; „Sieben Wochen zählst du dir;“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref57" id="_ftn57">[57]</a> w.v.: „vom Beginn der Sichel am Getreide beginnst du zu zählen sieben Wochen“</p>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/siwan-5785/">Siwan 5785</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://hirschinitiative.de/siwan-5785/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ijar 5785</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/ijar-5785/</link>
					<comments>https://hirschinitiative.de/ijar-5785/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Apr 2025 09:24:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Monatsblatt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hirschinitiative.de/?p=5128</guid>

					<description><![CDATA[<p>Die Zeit zwischen Pessach und Schawuoth ist eine Trauerzeit. Viele tragische Ereignisse fanden während dieser Zeit statt. Vor allem wird den tragischen Ereignissen während der Zeit der Kreuzritter, die die jüdischen Gemeinden in Worms, Speyer, Mainz u.a. auslöschten, gedacht. Am Schabbat vor dem Schawuothfest wird ein Gebet in den Synagogen gesprochen, das an diese schlimmen [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/ijar-5785/">Ijar 5785</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-small-font-size">Die Zeit zwischen Pessach und Schawuoth ist eine Trauerzeit. Viele tragische Ereignisse fanden während dieser Zeit statt. Vor allem wird den tragischen Ereignissen während der Zeit der Kreuzritter, die die jüdischen Gemeinden in Worms, Speyer, Mainz u.a. auslöschten, gedacht. Am Schabbat vor dem Schawuothfest wird ein Gebet in den Synagogen gesprochen, das an diese schlimmen Ereignisse erinnert. Dieses Gebet finden Sie <a href="https://hirschinitiative.de/av-hachamim/" data-type="link" data-id="https://hirschinitiative.de/av-hachamim/">hier.</a></p>



<p class="has-small-font-size">Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l hat dieses Gebet für den nachfolgenden Artikel als Grundlage genommen. Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift „Jeschurun“, 3. Jahrgang, Heft 8, im Jahre 1857.</p>



<p class="has-small-font-size">Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter:&nbsp;</p>



<p class="has-text-align-center has-small-font-size"><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2941043">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2941043</a></p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size"><strong>„Leichter waren sie als Adler und stärker als Löwen, den Willen ihres Eigners zu vollführen und das Verlangen ihres Horts!“</strong></p>



<p><em>Der Vater der Barmherzigkeit in den Höhen,<br>In der Tiefe seiner Barmherzigkeit,<br>Gedenke mit Erbarmen<br>Der Hingebungsreichen, Geraden und Schuldlosen,<br>Der heiligen Gemeinden, die ihr Leben hingaben für die Heiligung seines Namens,<br>Die, im Leben von ihm geliebt und ihm hold,<br>Auch im Tode von ihm sich nicht trennten.<br>Die leichter waren als Adler<br>Und stärker waren als Löwen,<br>Den Willen ihres Eigners zu erfüllen<br>Und das Verlangen ihres Horts —</em></p>



<p>Eine dunkel-lichte Zeit, mit ihrem Schrecken und ihrem Erhabenen, mit ihrer Verzweiflung und ihrer Seligkeit, mit ihrem todumflorten Leben und ihren lebendurchdrungenen Toden — steigt alljährlich mit diesen Worten aus dem Grabe der Vergangenheit in die frisch pulsierende Gegenwart. — Was wollen die Toten unter den Lebendigen? Sie wollen sie zu ihrem Tode und ihrem Leben begeistern.</p>



<p>&nbsp;Weil wir es sonst schon für heilsam erachtet, die Söhne und Töchter unserer Tage an die Gräber unserer Vorzeit zu führen, und wir namentlich auch in dem Leben unseres jüdischen Mittelalters, in dem Leben unserer Großväter und Urgroßväter Momente erkannt, die uns mit Stolz und Begeisterung erfüllten, und die wir mit Schmerz in unserer Gegenwart vermissten, weil wir es gewagt, auf die Heiterkeit und den Ernst, auf die Selbstbeherrschung und die Mizwatätigkeit<a href="#_ftn1" id="_ftnref1"><sup>[1]</sup></a>, auf die Hingebung und die Gottestreue, auf die Geistesfrische und die Freudigkeit hinzuweisen, die das Volk, auf die Besonnenheit und Umsicht, auf den Gemeinsinn und die Aufopferung, auf die Weisheit und den Mut, die die Führer erfüllten, weil wir dieses lebendigste Leben, welches das jüdische Volk in einer Zeit, die es zu tausendfältigem körperlichen Tode verurteilte, in so urkräftiger Weise entfaltete, als die herrlichsten Triumphe gefeiert, die unsere Thora errungen und womit sie eben ihre göttliche Sendung bekundet — darum hat man uns vielfach eine verblendete Vorliebe für die Vergangenheit und eine ebenso verblendete Geringschätzung der Gegenwart vorgeworfen, und als ob wir Altes nur priesen, weil es alt, nicht weil es auch das Bessere gewesen, fragte man vorwerfend, ob denn nicht auch die Alten ihre Gebrechen gehabt, ob denn nicht auch die Gegenwart ihre Vorzüge habe? Ob wir denn die alten Ghettomauern wieder aufrichten möchten, ob wir uns denn zurückwünschten in die düstere Abgeschiedenheit der engen Judengassen, wo der Gesichtskreis des Juden nicht über die Gasse hinausreichte, wo er keine Kunde hatte von der geistigen Bewegung seiner Zeit, keinen Teil nahm an der Entwicklung der Völker, nichts erntete von Blüten und Früchten der allgemeinen Bildung, der Literatur und Kunst, der Wissenschaft und der Erfindung. Ob wir uns zurückwünschten in die Zeit, wo die Manhigim und die Tuwim, die Führer und Besten der Gemeinde, selbst das Privatleben bis auf Putz und Kleidung der Frauen, bis auf Gästezahl und Bewirtung bei Familienfesten kontrollierten, und wo — die in jeder Gemeinde vorhandenen „Schlafstätten“ der Hunderte von herumwandernden heimatlosen Juden nicht eben eine Pflanzstätte der Unschuld und Sittlichkeit waren, auf die wir eben Ursache hätten stolz zu sein? —</p>



<p>Handelte es sich um eine Apologie unserer Alten und um eine Würdigung ihrer Zeit, wir würden erwidern, waren sie es denn, die sich die Ghettimauern erbauten, waren sie es, die sich freiwillig in die Kerker ihrer Gassen sperrten, sie, die sich von der ganzen Welt draußen isolierten, oder war es nicht eben die Barbarei dieser anderen Welt, die sie in ihre engen Bezirke pferchte, die sie von aller Teilnahme gemeinsamer Öffentlichkeit gewaltsam zurückstieß und eben damit jene Beschränktheit und Gedrücktheit mit allen ihren beklagenswerten Folgen erzeugte, und selbst jene Kontrolle hervorrief, die der Schutz und die Erhaltung des Ganzen notwendig machten? Und war denn das Leben, das außerhalb der Judengassen gelebt wurde, ein solches, trat darin die Menschlichkeit und die Milde, das Rechtsbewusstsein und die Menschenachtung, die Erkenntnis und der freie Geistesblick so hervor, ﻿dass es den Ghettibewohnern Achtung und Bewunderung hätte abnötigen, dass es sie ihre Beteiligung schmerzlich hätte vermissen lassen und sie hätte hinüber locken sollen in die Bahnen, deren Eintritt man ihnen verschloss? War es denn nicht meist ein Reich der Barbarei und der Unwissenheit, des Unrechts und der Gewalt, der Rohheit und Unsitte, das in dem Leben draußen sich vollzog? Zählt denn die Geschichte der Jahrhunderte, in denen man den Juden gewaltsam von der großen Schaubühne der Welt isolierte, viele Blätter, über die der Genius der Menschheit sich zu freuen hat? Darf denn der Jude sein Geschick nicht sogar noch segnen, dass er keinen Teil hat an den Fesseln, die da geschmiedet, an den Kerkern, die da gebaut, an den Scheiterhaufen, die da errichtet, an den Gesetzen, die da gegeben, an den Urteilen, die da gefällt, an den Schlachten, die da geschlagen, an den Herzen, die da gebrochen und an den Gräbern, in die sie da eingesargt wurden? War es eine zürnende oder gütige Hand, die sie von diesem allen isolierte, die sie lieber zu den Gedrückten, als zu den Drängern, zu den Schlachtopfern, als zu den Henkern gesellte, die ihren Erwählten das noch lange nicht in seiner ganzen Größe geschätzte beneidenswerte Los bereiten wollte, einst am Völkermorgen als der einzige Menschenstamm dastehen zu können, der priesterlich seine Hände zum Segen sollte erheben können, die Jahrtausende lang sich nicht gerötet hatten vom Völkerblut und auf die nicht gekommen der Seufzer und der Fluch der Nationen? —</p>



<p>Gelte es ein Zeitengericht, wir wären vielleicht berechtigt zu sagen, alle Gebrechen <strong>unseres</strong> Mittelalters lagen in der Zeit, alle seine Vorzüge in den Menschen; alle Vorzüge <strong>unserer</strong> Gegenwart liegen in der Zeit, alle ihre Gebrechen in den Menschen. Unsere Väter waren groß und selbst glücklich <strong>trotz</strong> aller Ungunst der Zeiten. Uns lächelt das günstigste Geschick, wir könnten unter dem hellsten Sonnenschein des Jahrhunderts Juden sein, könnten im Reich der Geister und des Lebens das Judentum, das volle, reiche, unverstümmelte, unverkümmerte Judentum zur Verwirklichung und zur Verherrlichung bringen, ohne die Kerker der Inquisition, ohne die Dolche der Geißler, ohne die Schwerter der Kreuzpilger, ja was noch mehr ist, ohne die Nadelstiche eines verkennenden, verhöhnenden Spottes fürchten zu müssen und wie haben wir diese Gunst des Geschickes belohnt? Welche Tugenden haben wir verdoppelt, welche Frömmigkeit verdreifacht, welche Geistesbestrebung zur Reife und Vollendung gebracht, in denen uns die Väter in den dunkelsten Zeiten des Volkswahns und der Völkermisshandlung vorangewandelt? Unsere Väter hatten ihre Gebrechen? Gewiss! Aber sie hatten auch ihre Tugenden, die, wenn der Enkel an ihrem Grabe ihre Gebrechen vergisst, ihn zu einem Gott verherrlichenden Leben begeistern können. Sorgen wir dafür, dass, wenn einst das Grab auch unsere Fehler bedecken wird, noch so viel von uns übrigbleibe, dass unser Andenken unsere Enkel einst zu einem großen Gedanken begeistern könne. —</p>



<p>Doch wir wollten ja keine Apologie unserer Väter, wir wollten nur eine Apologie für uns, für diese winzigen Zeilen schreiben, dass wir bei dem Gedanken der Sefira<a href="#_ftn2" id="_ftnref2"><sup>[2]</sup></a> es wieder einmal wagen, das Andenken der Ahnen uns näher zu bringen, dass uns das Licht der Gegenwart nicht also blende, ein solches Andenken für „unzeitgemäß“ oder gar überflüssig zu halten, dass wir überall nur an den Fortschritt der Zeit glauben, wenn er die Errungenschaften der Vergangenheit nicht in den Kauf darein gibt.</p>



<p>Wer könnte aber auch Wochen und Tage zum Fest der Thora vom Fest der Freiheit und des Lebens zählen, ohne derer zu gedenken, die das, was diese Zählung lehrt, mit dem Opfer von Jahrhunderten auf dem Hochaltar der Geschichte betätigt, die jeden Augenblick bereit waren, Freiheit und Leben hinzuwerfen, um nur nicht die Thora preiszugeben, die glücklich waren für die Thora zu sterben, so ihnen nicht vergönnt war für die Thora zu leben, die, wie unsere Worte des Gedächtnisses lauten,</p>



<p><em>Leichter waren als Adler<br>Und stärker waren als Löwen,<br>Den Willen ihres Eigners zu vollführen<br>Und das Verlangen ihres Horts!</em></p>



<p><strong>„Leichter waren sie als Adler!“</strong> Eine ganze Welt hatte sich vereinigt, ihre Sinne hinabzuziehen in den Schmutz der Sinnlichkeit und Gemeinheit. Selbst die Möglichkeit des kahlsten Daseins hatte man ihnen an die unerschwinglichsten Bedingungen also geknüpft, dass das, was jedem andern Sterblichen als Naturangebinde von der Wiege an mitgegeben ist, das Recht zu sein, sich zu nähren und sein häusliches Nest zu bauen, dem Juden als das höchste Glückslos dahin gestellt war, das von der Gnade der Gewaltigen zu erbetteln, auf Umwegen zu erschleichen oder mit der angestrengtesten Sorge Tag und Nacht zu erkämpfen sein sollte, bis der frische Mut dahin, und die Jugendkraft gebrochen und das Alter mit seinen Schwächen und Gebrechen dämmernd über das Gemüt des Mannes eingezogen. Man ﻿hatte Gesetze gegeben, die die Existenz des Sohnes an den Tod des Vaters, die des Bruders an den Tod des Bruders knüpften, die das bloße Dasein zu einem Majoratsgut stempelten, das nur einer in der Familie erben konnte, während die anderen zum Verkommen und Verkümmern verurteilt waren. Gesetze, die, wenngleich nicht berechnet, doch ganz und gar geeignet waren, alle Bande der Familie zu zerreißen, Neid und Hass und Zwietracht da zu säen, wo die Freundschaft und die Liebe und die Zärtlichkeit blühen sollte, die den Vater dem Sohne, den Bruder dem Bruder als den Stein des Anstoßes und des Hindernisses in den Weg schleuderten, und das Gebet für langes Leben der Eltern und Geschwister zu einem Gebet um ewige Verkümmerung des eigenen Selbsts in dem Mund des Kindes und des Geschwisters umwandelten. Die meisten erlaubten Wege der Nahrung hatte man ihnen verboten und das Verbotene erlaubt, und das Erlaubte so verparagraphiert und verklausuliert, dass die Geschicklichkeit eines Äquilibristen<a href="#_ftn3" id="_ftnref3"><sup>[3]</sup></a> dazu gehörte, auf dem schmalen, schwankenden Seil der „Gesetzlichkeit“ dahin zu schreiten, ohne das Gleichgewicht zu verlieren und rechts und links in geöffnete Arme der strafenden „Gerechtigkeit“ zu stürzen, also, dass der Jude das Gesetz nicht als segnenden Schutz, sondern als eifersüchtigen Feind seines Daseins hätte begrüßen müssen und jeder Atemzug ihn daran mahnte, dass nach dem Wortlaut und der Absicht des Gesetzes er eigentlich — gar nicht hätte geboren sein sollen. Keine Kunstfertigkeit der Hand, kein Genius der Fantasie, keine Kenntnis und Erkenntnis des Geistes galt der Gesellschaft an dem Juden etwas. Nicht das kleinste Steinchen seines mit Felsenblöcken verhauenen Lebensweges konnte der Jude mit allem dem sich aus dem Wege räumen. Alle Gesetze, die die Gesellschaft für den Juden gemacht, und mit denen sie sich gegen ihn wie gegen ein wildes Raubtier abhegte<a href="#_ftn4" id="_ftnref4"><sup>[4]</sup></a>, sagten dem Juden: suche Geld, das ist das einzige, was wir an dir schätzen. Sei Künstler, sei Dichter, sei Philosoph, du bleibst ein Jud; aber werde reich — und du fängst an etwas zu bedeuten. Geld ist der einzige Zauberstab, mit dem du uns zu rühren vermöchtest. Geld ebnet die Straßen, öffnet die Häuser und Herzen, macht die Strenge des Gesetzes milde, löscht das Tütelchen über dem ü der Jüden, gibt dem Jud seine Endung und lehrt das orientalische Wort Jud in seiner deutschen Endung als Jude deklinieren. Schaffe dir Geld, Jud, sprach die Gesellschaft zum Juden, wir wissen, du schaffst es für uns, darum dulden wir dich, darum erlauben wir dir Wege zum Gelde, die wir uns verbieten, und überweisen dir die Lumpen, den Abhub, den Kehricht, aus dem wir nichts weiterzumachen verstehen, auf dass du daraus — für uns — Geld zu machen versuchest. Also gab man den von Sorgen und Bekümmernissen schweren Quersack auf den Rücken des Juden, gab ihm den Bettelstab in die Hände, und als ob das alles ihn nicht schon genug kennzeichnete, stülpte man den Banditenhut auf sein Haupt, heftete man das gelbe Kainszeichen an seine Brust und stellte ihn so zum Hohn und Gelächter der großen und kleinen Gassenbuben hin. Seht da den Schacherer, mit dem dem irdischen zugekrümmten Rücken, mit dem nur Geld suchenden Blick — seht da das auserwählte Volk auf Erden!</p>



<p>Ja wohl das auserwählte Volk auf Erden! Das nie mehr als eben da, als eben in dieser Erniedrigung, mit der Bürde auf dem Rücken und dem Wanderstab in den Händen seine göttliche Erwählung dokumentierte.</p>



<p>Was hätte es werden müssen unter allen diesen Erniedrigungen, wäre es eben nicht dieses erwählte Volk gewesen! Wagt ihr die Probe mit einem anderen Menschenstamm, mit einer andern Lehre im Busen? Was hätte der Jude werden müssen unter euren Händen? Was hätte dein Großvater unter solchen Erniedrigungen werden müssen, freier, glücklicher, dein Glück nicht kennender jüdischer Jüngling der Gegenwart? Nicht ein Mensch, in dessen Brust jeder höhere Gedanke erstorben, in dessen Gemüt nur der Neid und die Bosheit und die Gier ihr Reich aufgeschlagen, dessen Geist für nichts empfänglich als für die Frage: wie schafft man Geld? Dessen Herz für keine menschliche Regung mehr zugänglich, dem die Not und das Elend und der Riesenkampf um das nackte Dasein nur das Gefühl für das eigne Ich und seine schreiendsten Bedürfnisse, und keinen Raum mehr gelassen für Familienbande, Geschwisterzärtlichkeit, Menschenliebe — bei dem die Wahrheit und das Recht und die Sittlichkeit und Menschlichkeit zu Grabe gegangen, bei dem die Tierheit in ihrer nackten Blöße zu Tage getreten, und in dessen Kreis sich hätte ein Proletariat entfalten müssen, dessen Schrecknisse und sittliche Verkommenheit alles hinter sich hätte lassen müssen, was nur die düsterste Phantasie moderner Schriftsteller aus den Nachtspelunken der glänzenden Zentralpunkte der heutigen Zivilisation schaudernd abzulesen pflegt —?</p>



<p>Und siehe, von diesem allen ward der Jude <strong>nichts</strong>, <strong>nichts</strong> dein Großvater, glücklicher Jüngling, mitten in der Erniedrigung <strong>nichts</strong>; mitten in der Erniedrigung hielt er Kopf und Herz an rechter Stelle, fand die Wahrheit und das Recht und die Liebe und die Sittlichkeit ihre reichste Pflege in seinem Kreise, entfaltete er ein Familienleben, um das ihn die Menschheit beneidet, entfaltete er eine Sittlichkeit, um die ihn die Menschheit beneidet, entfaltete er eine Menschenliebe, um die ihn die Menschheit beneidet, wusste er seine ärmsten Brüder hoch über den Pfuhl des Elends und der Verkommenheit empor zu halten, wusste sich einen klaren Geist und ein warmes Herz, ein stolzes Selbstbewusstsein und eine Freudigkeit und Heiterkeit des Lebens zu bewahren, die du außer den Ghetti vergebens gesucht, und wusste vor allem nicht nur in seinen auserlesenen Persönlichkeiten, wusste in allen Schichten seiner Kreise ein Geistesleben wach zu rufen, das, hoch über das Interesse sogenannter Brotstudien hinaus, sich der Erkenntnis des Wahren und Rechten, des Göttlichen und Heiligen zuwandte und das ärmste seiner Kinder zuerst für den Gedanken und dann für das Leben erzog. — Eine ganze Welt hatte sich verschworen, ihren Sinn hinabzuziehen in den Schmutz der Sinnlichkeit und Gemeinheit, sie zu dem selbstsüchtigsten, grundsatz- und sittenlosesten, in Not und Jammer verkommensten Abhub der Menschheit zu machen, und sie sind das für alles menschlich und göttlich reine Ideale empfänglichste Volk, die für alles menschlich und göttlich reine Ideale opferungsfreudigsten Menschen geblieben, sie haben es verstanden, sich über all den Schmutz und Jammer der Erde adlerleicht zum Göttlichen emporzuschwingen und von ihrem geistigen Felsenhorst aus alle die ihrer Sittlichkeit, Geistigkeit und Heiterkeit feindlichen Elemente tief unter sich zu lassen und die reine Kraft ihres Geistes und Gemütes ungetrübt und ungebrochen für das idealste Leben zu erhalten, das nur den Sterblichen auf Erden zu leben beschieden ist.</p>



<p><strong>„Und sie waren stärker als Löwen!“</strong> Sie hatten den Mut um der Wahrheit willen, die in ihnen lebte, der ganzen Welt Trotz zu bieten, hatten den Mut, sie, das zerstreute, winzigste, waffen- und wehrloseste Häuflein, hatten den Mut, ein fortgesetzter lebendiger Protest gegen die Überzeugungen der ganzen übrigen Welt zu sein, hatten den Mut, die Zorneswut einer ganzen wahngestachelten Bevölkerung auf sich zu laden, und was noch mehr ist, sie hatten den Mut und die Kraft, sie hatten die Löwenstärke all den Drohungen der Gewalt und all den Verlockungen der Verführung gegenüber <strong>ihren</strong> Überzeugungen <strong>treu</strong> zu bleiben. Wahrlich, unsere Zeit weiß es gar nicht mehr, welcher Mut und welche selbstbeherrschende Kraft, welche Löwenstärke in den Zeiten unserer Väter dazu gehörte, Jude zu sein. Sie weiß es gar nicht mehr, wie jeden Augenblick über den Häuptern ihrer Väter das Schwert, über ihren Hütten die Brennfackel schwebte und bei jedem Schritte durch die Welt ihnen der Spott und die Drohung begegnete. Sie weiß es gar nicht mehr, mit welchen Opfern ihre Väter die Möglichkeit erkauften, Jude zu sein und um welchen Preis, möchten wir sagen, sie eine jede Mizwa erkauften, die sie übten, und jede Awera<a href="#_ftn5" id="_ftnref5"><sup>[5]</sup></a> beseitigten, von der sie ferne blieben. In den Archiven der Völker ruhen die sogenannten Judenrechte, in deren buntscheckigen Erfindungen ein Wahn den anderen überbot. Es sind das ebenso viele Zeugen des jüdischen Mutes, ebenso viele Trophäen der jüdischen Triumphe, es sind das ebenso viele Dokumente der Verherrlichung einer Ausdauer, einer Kraft und Stärke, einer löwenmutigen Pflichttreue, wie kein anderes Volk sonst auf Erden sie aufzuweisen hat. Es war unter solchen Umständen nichts Kleines, Jude zu sein, es war noch weniger ein Kleines, seine Kinder zu Juden zu erziehen, sie für ein Leben vorzubereiten, das in jedem Augenblick bereit sein musste, die geübte Pflicht mit dem Tod zu bezahlen. Und wenn nun die bangen Stunden der Prüfung kamen, die Satelliten des Hasses oder eines traurigen, geblendeten Wahns, in der einen Hand das Kreuz und alle Ehren und alles Glück irdischer Paradiese, und in der anderen Hand den Tod und die Marter, den Scheiterhaufen und den Dolch und da die Männer und die Frauen, die Greise und die Kinder keinen Augenblick zauderten, keinen Augenblick sich besannen, den Schmerz und dem Tod sich in die Arme stürzten, um als Juden zu sterben waren das nicht die löwenmutigen Braven, die sich hinschlachten ließen, um der Heiligung des göttlichen Namens willen, die die Liebe und die Treue, die sie im Leben bewährten, auch nicht vom Tod sich entreißen ließen, die den Tod überwanden, die zugleich</p>



<p><em>leichter waren als Adler<br>&nbsp;und stärker als Löwen,<br>den Willen ihres Eigners zu erfüllen<br>und das Verlangen ihres Horts!</em></p>



<p><strong>Aber eben darin lag ihre Kraft!</strong> Sie hatten einen Eigner und kannten seinen Willen, sie hatten einen Hort und kannten sein Verlangen, das, das allein gab ihnen die Schwungkraft des Adlers und die Mutesstärke des Löwen.</p>



<p><strong>Sie hatten einen Eigner und kannten seinen Willen</strong>, die Gottesverehrung war ihnen keine Phrase geworden und die Thora nichts Antiquiertes, das gab ihnen die Schwungkraft des Adlers, das machte es ihnen leicht, sich über alle Niederungen des irdischen Jammers zum Göttlichen aufzuschwingen, ja mitten durch diese Niederungen mit einer Brust voll beseligender Gefühle zu wandeln.</p>



<p>Sie hatten einen Eigner, sie gehörten nicht sich selber an, sie waren noch die aus Mizrajim Erlösten, sie waren noch die, die Gott der Herr mit dem <a href="#_ftn6" id="_ftnref6"><sup>[6]</sup></a> <strong>עֲבָדַי הֵם</strong> zu seinem Dienst geweiht, sie gehörten noch ihm an mit jedem Blutstropfen ihres Herzens, mit jeder Nervenschwingung ihres Kopfes, mit jeder Muskelkraft ihres Armes, mit jedem Gut das ihnen reifte, mit jeder Seele die ihnen heranblühte, sie waren noch <strong>sein</strong>, es war ihnen der ernsteste Ernst, wenn sie Gott ihren Herrn nannten, und es war ihnen der ernsteste Ernst, wenn sie sich in seinem Dienst vor ihm beugten. Der Gottesdienst gehörte ihnen nicht zu dem Luxus und den Feierstunden des Lebens, Gott sah sie täglich und stündlich zu seinen Füßen. Wenn sie erwachten, erwachten sie ihm, wenn sie sich wuschen, wuschen sie sich ihm, wenn sie sich ankleideten, kleideten sie sich ihm, und ehe sie zu dem mühe- und prüfungsvollen Werk des Tages schritten, weihten sie Hand, Herz und Kopf seinem Dienst und rüsteten sich im Gebet für das Werk, das ihrer wartete, und in welchem sie erst den rechten Gottesdienst erblickten. Denn ob sie auch täglich, wie die Sonne stieg und wie die Sonne sank, wenn sie aufstanden und sich niederlegten, und wie das Leben in seinem bunten Wechsel an ihnen vorüberzog, aus dem Leben hinaus und zu Gott hinan traten und betend seinen Namen nannten, so war ihnen das alles nur der Anfang, nur die immer wiederholt erneute Stärkung und Weihe zum eigentlichen Dienst ihres Herrn, dessen Willen sie ja kannten, dessen Willen sie ja schriftlich dokumentiert und mündlich kommentiert in Händen hatten und der nicht Beten und Altaropfer, der die Hingebung und Weihe des ganzen Lebens mit all seinen Regungen und Bestrebungen gefordert, der sie alle, alle mit ihrem ganzen Dasein zur Arbeit an seinem Werk, zum Dienst in seinem Reich berufen und ihnen jeden Atemzug und jeden Schritt, jeden Genuss und jede Freude, jeden Schmerz und jede Tat zu Zeichen ihrer Liebe, zu Beweisen ihrer Hingebung, zu tätigen Dienstleistungen an seinem großen Heilesbau der Menschheit umgewandelt, und sie auf diese große Jammerwanderung durch die Wüste der Völker, durch die <strong>מִדְבַּר הָעַמִּים</strong> <a href="#_ftn7" id="_ftnref7"><sup>[7]</sup></a>, wie seiner Propheten Wort sie nennt, eben durch dieses Prophetenwort längst und wiederholt vorbereitet. Es war ihnen Gottesheimsuchung und gottgesandte Prüfung, wenn der Boden unter ihnen bebte, der Aufruhr der Nationen ihnen entgegen wetterte und der zackige Blitz des Hasses sich auf ihre Häupter entlud, denn es war ihnen verkündet, dass sie von Gott ihrem Herrn heimgesucht werden würden im Völkerdonner und Sturm und im flammenden Wetterleuchten der kreisenden Zeiten —&nbsp; <strong>מֵעִ֨ם ה&#8216; צְבָאוֹת֙ תִּפָּקֵ֔ד בְּרַ֥עַם וּבְרַ֖עַשׁ וְק֣וֹל גָּד֑וֹל סוּפָה֙ וּסְעָרָ֔ה וְלַ֖הַב אֵ֥שׁ אוֹכֵלָֽה</strong>. (Jesaias K. 29. V. 6.)<a href="#_ftn8" id="_ftnref8"><sup>[8]</sup></a> — und weil sie mitten in diesen Prüfungen nicht nur zum ergebenen Dulden, sondern zur frischen, frohen, freudigen, lebensvollen Tat sich berufen wussten, <strong>לִשְׁמֹר וְלַעֲשׂוֹת</strong>, „Lernen und Üben“ ihr ganzes Leben ausfüllte, hatten sie gar keine Zeit, sich dem kleinmütigen Schmerz und der jammernden Verzagtheit hinzugeben, arbeiteten sie sich durch das böseste, dunkelste Wetter der Ereignisse zur lichten Höhe des Gottesgedankens und zu der Paradiesesheiterkeit der Gott dienenden Tat hindurch, und indem sie das ganze düstere Geschick mit in die Summe ihrer von Gott gesetzten Lebensaufgabe begriffen, darin nur den dunkeln Boden erkannten, auf welchem der Wille ihres Herrn und Meisters die lichthelle Erfüllung seines Willens von ihnen erwartete, lernten sie die Wahrheit jenes alten Weisheitsspruches kennen: &nbsp;<a href="#_ftn9" id="_ftnref9"><sup>[9]</sup></a><strong>שֹׁומֵ֣ר מִצְוָ֔ה לֹ֥א יֵדַ֖ע דָּבָ֣ר רָ֑ע</strong>, den Blick auf die Pflicht, auf Mizwa gerichtet, kennt man nichts Böses und Trübes!</p>



<p>Und der Gedanke machte sie mutig und stark, „<strong>sie kannten ihren Hort und wussten sein Verlangen</strong>“. Wohl waren sie dies schwache zerstreute Häuflein, das der blinden Gewalt einer ganzen, wutentbrannten Welt sich wehrlos gegenübersah. Allein sie kannten ihren Hort, sie wussten, wer sie dort hinaus gestreut, sie wussten, wer für sie den Kampf auskämpft, sie wussten, dass sie nicht auf ihr Schwert zu bauen und auf ihren Bogen zu trauen hatten, sie kannten ihren Hort, ja sie <strong>sahen</strong> ihn, sahen ihn in ihrer Schwäche, sahen ihn in dem Wunder ihrer Rettung und Erhaltung alle die Jahrhunderte der tausendfältigsten Kämpfe hindurch, sahen<a href="#_ftn10" id="_ftnref10"><sup>[10]</sup></a> &nbsp;<strong>הֵן הֵן גְּבוּרוֹתָיו הֵן הֵן נוֹרְאוֹתָיו</strong> darin seine Allmacht, darin seine von allen zu fürchtende Wundergröße, und mit jeder neuen Prüfung und neuen Rettung wuchs nur diese Erkenntnis.</p>



<p>Sie kannten ihren Hort, sie wussten, dass es nicht ihre Sache war, um die sie litten, dass sie nicht ihre Sache zum Siege zu bringen hatten, sie wussten, dass sie nur schwaches, vergängliches Werkzeug in den Händen des ewigen, starken Horts der Zeiten waren, der durch sie sein ewiges Ziel erreichen und das ewige Reich seiner Verherrlichung im Kreis der Menschheit erbauen wollte. Darum zitterten sie nicht, darum verzagten sie nicht, darum waren sie mutig und stark, mitten im Sturm der Zeiten, mutig und stark alles um seines Namens willen zu dulden. Sie wussten, wer gegen sie ankämpfte, kämpfte gegen Gott und sein Reich auf Erden an, und darum wussten sie, sie konnten nicht unterliegen, der Sieg ihrer Sache war ihnen sicher. Was lag ihnen daran, dass man sie niedermetzelte, auf Scheiterhaufen verbrannte, ihre Häuser anzündete, ihre Weiber und Kinder mordete, oder sie mit Weib und Kind beraubt und geplündert in die heimatlose Fremde trieb. Sie waren dennoch die Sieger, der Scheiterhaufen war ihre Trophäe, das Marterbett ihre Glorie, aus ihrem Tod stieg immer glänzender das „Kiddusch Haschem“, immer glänzender und leuchtender die Verherrlichung Gottes und seines heiligen Wortes empor, sie starben — und hatten gesiegt.</p>



<p>Sie kannten ihren Hort und wussten <strong>sein </strong>Verlangen, darum kümmerte sie das Urteil der ganzen Welt nicht. Sie hatten nur einen, dem sie zu gefallen strebten, und sie <strong>wussten</strong>, was ihm gefiel. Sie ließen durch nichts ihren Glauben an Gott erschüttern, darum waren sie selber unerschütterlich in ihrer Treue und kein Spott konnte sie von ihrem Gott und seinem Willen fortspotten, und keine Gewalt sie diesem entreißen. Mochte die Welt sie „die blinden, törichten Juden“ schelten, „besser unser Leben lang in den Augen der ganzen Welt Toren, nur nicht einen Augenblick schuldbeladen vor unserem Vater und Herrn im Himmel“ war ihr Wahlspruch und diese Maxime war ihr Leitstern im Leben und machte sie fest und unerschütterlich im Tode.</p>



<p>So waren die Väter, und da hätten wir, ihre Söhne und Enkel, nichts zu lernen? Nichts in einer Zeit, deren Weisheit dem Menschen seinen Gott und Israel seinen Hort und sein Wort zu entreißen bemüht ist? Nichts in einer Zeit, die Israel bereits irre gemacht hat an seinem ewigen Beruf, an seinem Herrn und Meister, an seinem Fels und Hort, und vor allem irre gemacht hat an dessen Willen und Verlangen? Die Israel die Schwungkraft seiner Väter und die Siegesstärke seiner Ahnen gebrochen und damit seine Zukunft dem trostlosesten Ungefähr alles Schwankens und Wankens überliefert? Da sollten wir nicht an die Gräber der Verstorbenen hingehen,</p>



<p><em>Die im Leben seiner Liebe und seinem Wohlgefallen gelebt<br>Und auch im Tode von ihm sich nicht trennten,<br>Die leichter waren als Adler<br>Und stärker waren als Löwen,<br>Den Willen ihres Eigners zu erfüllen<br>Und das Verlangen ihres Horts,</em></p>



<p>und sollten an ihren Gräbern nicht lernen, Juden zu sein? — — —</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Mildtätigkeit</p>



<p><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Dem Zählen der Omertage zwischen Pessach und Schawuoth</p>



<p><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Äquilibristik = Kunst des Gleichgewichthaltens</p>



<p><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> abhegen = ein-, umzäunen</p>



<p><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> Sünde</p>



<p><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Meine Knechte sind sie</p>



<p><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> Wüste der Völker</p>



<p><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> Vom Herrn Zebaot kommt es, durch Donner und Erdbeben und mächtiges Getöse, Sturm und Wetter und verzehrende Feuerflammen. (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>



<p><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> Sprüche 8:5; „Wer das Gebot beobachtet, erfährt nichts Böses, der Sinn des Weisen kennt Zeit und Schicklichkeit.“ (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>



<p><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> Bartenura zu „Sprüche der Väter“ 1:1</p>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/ijar-5785/">Ijar 5785</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://hirschinitiative.de/ijar-5785/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Nissan 5785</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/nissan-5785/</link>
					<comments>https://hirschinitiative.de/nissan-5785/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Mar 2025 15:58:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Monatsblatt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hirschinitiative.de/?p=5074</guid>

					<description><![CDATA[<p>Der nachfolgende Artikel beschreibt die 4 Söhne der Pessach Hagada, die ziemlich am Anfang der Erzählung vorgestellt werden. Da gibt es einen Klugen, einen Bösewicht, einen Einfachen oder Einfältigen und einen der nicht einmal in der Lage ist eine Frage zu stellen. Die Erzählung lässt sich auf die Fragen der Kinder ein und gibt jeden [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/nissan-5785/">Nissan 5785</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[		<div data-elementor-type="wp-post" data-elementor-id="5074" class="elementor elementor-5074">
						<section class="elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-ee7ff4c elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default" data-id="ee7ff4c" data-element_type="section" data-e-type="section">
						<div class="elementor-container elementor-column-gap-default">
					<div class="elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-2f9f104f" data-id="2f9f104f" data-element_type="column" data-e-type="column">
			<div class="elementor-widget-wrap elementor-element-populated">
						<div class="elementor-element elementor-element-22117e06 elementor-widget elementor-widget-text-editor" data-id="22117e06" data-element_type="widget" data-e-type="widget" data-widget_type="text-editor.default">
				<div class="elementor-widget-container">
									
<h6>Der nachfolgende Artikel beschreibt die 4 Söhne der Pessach Hagada, die ziemlich am Anfang der Erzählung vorgestellt werden. Da gibt es einen Klugen, einen Bösewicht, einen Einfachen oder Einfältigen und einen der nicht einmal in der Lage ist eine Frage zu stellen. Die Erzählung lässt sich auf die Fragen der Kinder ein und gibt jeden von ihnen exemplarisch eine Antwort. So auch Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l in diesem Aufsatz, wobei er sich nicht an die Reihenfolge wie in der Pessacherzählung hält. Wer sich mit der Hagada nicht gut auskennt, empfehle ich, die ersten Seiten der Erzählung bis hin zu den Fragen und Antworten an die Kinder vorab zu lesen.</h6>

<h6>Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift „Jeschurun“, 3. Jahrgang, Heft 7 im April 1857. Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter:</h6>
<h6></h6>
<h6 class="has-text-align-center"><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2940947">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2940947</a></h6>

<h1 class="has-text-align-center">Die אַרְבָּעָה בָּנִים<a id="_ftnref1" href="#_ftn1"><sup><sup>[1]</sup></sup></a></h1>

<p>Der Frühling ist da. Jubelnd begrüßt ihn die Lerche in den Lüften und im Gras der Wurm. Hinaus drängt sich alles, um teilzunehmen an dem neuen Leben, um zu genießen und zu vermehren die Herrlichkeit der Schöpfung. Und ob es der sechstausendste Frühling wäre, der die Erde grüßt, immer ist er neu, immer bringt er neues Entzücken, als ob er zum ersten Mal uns grüßte. Dem Säugling auf der Wärterin Arm, der zum ersten Mal dem Strahl der Frühlingssonne entgegengetragen wird, überwältigt die Augen schließt und doch durch alle Poren das Wonnenbad der lauen Frühlingsluft trinkt; — dem Knaben, der Schmetterling gleich von Blümchen zu Blümchen fliegt, bei jedem Käfer stille steht, aber nicht Zeit hat, stille zu stehen, weil ihn alles anzieht, er alles sehen, alles betasten, alles kosten und erproben möchte, und ein Herz voll Fragen hat über die bunte Welt, die sich lebendig um ihn erschließt; — dem Jüngling, der ahnend durch die glanzbekleideten Auen wandelt, der von dem Anblick des Ganzen den Eindruck der Harmonie in der Seele empfängt, dem dort sich der hohe Eine offenbart, dessen Gedanke in diesem tausendfältigen Leben zu Tage tritt, dessen Allmacht dieses alles schafft, dessen Güte für dieses alles sorgt, dessen Gesetz dieses alles ordnet und regelt, dem Jüngling, der es fasst, wie paradiesisch schön die Gottes-Erde sein sollte, und den die Sehnsucht fasst, sich zur gleichen Schönheit harmonisch zu vollenden, keinen Missklang zu bilden in diesem Konzert der Wesen, und sich verlangend nach dem Mund umsieht, der ihm das Gesetz auch seines Lebens deute, und nach der Hand, die auch ihn den Weg des Lebens und der heiteren Vollendung führe; — dem Manne, der denkend die erwachte Welt betrachtet, und in dieser Welt voller Ordnung, voller Schöne nur den Wiederklang jener noch höheren Welt, jener noch höheren Ordnung und harmonischen Schönheit erblickt, deren Verwirklichung ihn das Gesetz seines Lebens in lebendiger freier Tätigkeit rastlos anzustreben lehrt, dem dies Gesetz den ewigen Frühling in die Brust gepflanzt, der das Gesetz hat, welches der Jüngling in seinem Lebensfrühling ahnend sucht; dem Greis, der an seinem Stabe wankend der Frühlingssonne entgegenlächelt, und in der aus dem Wintergrab verjüngt erwachten Natur den Gruß auch seiner baldigen Verjüngung empfängt, der auch er froh und heiter durch die dunkle Pforte des engen Grabes ahnungsvoll entgegenwandelt; — allen ist der Frühling ein stets ersehnter Gottesbote, seine Gegenwart ist immer neu. Immer neue Kraft und neues Leben, neuen Mut und neuen Trost hat er zu bringen, hat immer neue Fragen anzuregen, trägt immer neue Lösungen für die alten Fragen in seinem Schoß. Nur der Menschen Werk veraltet, nur der Menschen Herz bedarf des Reizes der Neuheit, um anzuregen und Teilnahme zu gewinnen. „Schon wieder?“ gähnt die gesättigte Menschenbrust, oft schon bei seinem zweiten Erscheinen, einem Menschenwerk entgegen, das sie bei seinem ersten mit entzücktem Jubeln begrüßte. Was aber Gottes Wort dahingestellt, glänzt in ewiger Jugendfrische dem harrenden Menschen entgegen, wird mit immer steigender Freude bei jeder Wiederkehr begrüßt, hat immer neue Wonnen in seinem unerschöpflichen Schoß und weiß Greis und Enkel mit gleich seligem Entzücken immer neu zu fesseln.</p>

<p>So die ewig neue, ewig junge Gottes-Natur.</p>

<p>So auch das ewig neue, ewig junge, nie alternde Gottes-Gesetz. Noch wie vor Jahrtausenden ist es das „Seelen erquickende“, „Weisheit spendende&#8220;, „Herz erfreuende&#8220;, „Augen erleuchtende“, „Beständigkeit gebende&#8220;, ist noch den Enkeln wie den Ahnen der „Schatz köstlicher als Gold“, die „Geisteskost süßer als Honig&#8220;; und ob du zum hundertsten Mal an die Erfassung seiner Worte, an die Betrachtung seiner Institutionen gehst, es will nicht nur immer neu sein, es ist dir immer neu. Immer neue Seiten bieten sich deiner Betrachtung, immer neue Schönheiten erschließen sich deinen Gedanken, und je vertrauter du mit ihm wirst, je weniger satt wirst du, aus seinem Born zu schöpfen.</p>

<p>So vor allem die Feste, die dieses Gottes-Gesetz uns gebracht. Jeder Festtag, jeder Schabbat leuchtet dir in neuem „bräutlichen Glanze“ und lädt dich zur neuen Vermählung deines ganzen Daseins mit dem Geist göttlicher Weihe, den er bringt. Siehe diese Immortellen<a id="_ftnref2" href="#_ftn2"><sup>[2]</sup></a> im bräutlichen Siegeskranz der ewig jungfräulichen Tochter Zions! Sie haben ihre belebende verjüngende Kraft bewährt in all den dahingegangenen sturmreichen Jahrhunderten. Sie haben sie bewährt in der heiter kräftigen Aufrechthaltung eines ganzen Volkes auf dem tränenbesäten Prüfungsgang eines weltgeschichtlichen Berufs (Aufgabe), wie ihn kein zweites auf Erden zu bestehen hatte. Wie auch die Woche, das Jahr sich gestaltet haben mochte, der Schabbat, die Festtage kamen und von ihrem göttlichen Zauber berührt, erstand das jüdische Volk immer neu, wie eine Königin unter den Nationen. Vergleicht diese Feste mit allem Festlichen, was seit Jahrtausenden der Wahn und der Dünkel oder der gute Wille dem Sterblichen zum „ewigen“ Andenken und zur „beglückenden“ Feier im Kreis der Menschen gestiftet, und zweifelt an ihrem göttlichen Ursprung!</p>

<p>Und nun erst dieses Fest aller Feste, dieses Geburtsfest des jüdischen Volkes, Pessach, die Frühlingsfeier der unsterblichen Gottesgemeinde! So wird kein neugekrönter König zum ersten Mal in seinem Reich empfangen, wie nun schon zu mehr als dem dreitausend einhundertsten Mal<a id="_ftnref3" href="#_ftn3"><sup>[3]</sup></a> Israel diesem Feste seinen Empfang bereitet! Wo ist der Fürst, dem entgegen so ein ganzes Volk in allen seinen Gliedern jede Hütte, jedes Haus in wochenlanger Vorbereitung zu Huldigungsstätten umwandelte, und emsig bemüht wäre, aus dem unscheinbarsten Winkel jede Spur zu entfernen, die nicht das Gepräge seiner Huldigung trüge! Wo ist der Fürst, dem aus Millionen Herzen auf allweiter Erde ein solcher Huldigungsgruß entgegentönte wie in der Seder-Nacht der Hallelujajubel diesem Fest!</p>

<p>Es hat gerechnet auf diese Teilnahme. Von dem Kind und dem Knaben, von dem Jüngling, dem Mann und dem Greis, von jedem erwartet es den Händedruck des freundlichsten Empfanges. Von dem Kind angestaunt, von dem Knaben erfragt, von dem Jüngling geahnt, von dem Mann begriffen, will die ganze Tiefe seines Inhalts jeder Alters- und Entwicklungsstufe stets erneut den Begründungsboden des jüdischen Berufes legen und führt wie kein anderes Fest das Kind, den Knaben und den Jüngling dem Mann und dem Greise zu, dass sie das kindliche Staunen zum Bewusstsein erheben, den Fragen des Knaben, dem Forschen des Jünglings Befriedigung bringen und an dem Altar dieses Frühlingsfestes das Knospen und Keimen des jüdischen Geistes zur Entfaltung laden.</p>

<p>Sollten wir nicht einmal hinhorchen, wie Gott die Erziehung unserer Jugend für sein heiliges Werk erwartet, sollten wir von Ihm nichts lernen können für unsere der Erziehung so bedürftige und im Werk jüdischer Erziehung so vielfach ratlose Zeit?</p>

<p class="has-text-align-center"><strong>1.</strong></p>

<p><a id="_ftnref4" href="#_ftn4"><sup>[4]</sup></a> <strong>וְהִגַּדְתָּ֣ לְבִנְךָ֔ בַּיּ֥וֹם הַה֖וּא לֵאמֹ֑ר בַּעֲב֣וּר זֶ֗ה עָשָׂ֤ה ה&#8216; לִ֔י בְּצֵאתִ֖י מִמִּצְרָֽיִם</strong>  <strong>„</strong><strong>Sage deinem Sohn an jenem Tage: um dieser Willen hat Gott für mich gehandelt, als ich aus Mizrajim zog!“</strong> An den mit Mazza und Bitterkraut gedeckten Tisch führe dein Kind,</p>

<p class="has-text-align-center"><strong>יָכוֹל מֵרֹאשׁ חֹדֶשׁ. תַּלְמוּד לוֹמַר בַּיּוֹם הַהוּא אִי בַּיּוֹם הַהוּא. יָכוֹל מִבְּעוֹד יוֹם. תַּלְמוּד לוֹמַר בַּעֲבוּר זֶה<a id="_ftnref5" href="#_ftn5"><sup><strong><sup>[5]</sup></strong></sup></a></strong></p>

<p>nicht mit Reden und Predigen von der Religion beginne deine Erziehung, nicht durch Reden und Predigen gewinnst du dein Kind, in freudig ernster <strong>Erfüllung</strong> der göttlichen Gebote <strong>sehe</strong> dich dein Kind und während dein Kind noch  <strong>שֶׁאֵינוֹ יוֹדֵעַ לִשְׁאוֹל</strong> , noch nicht zu fragen versteht, noch mit unklarem Staunen deinen Ernst und deine Frömmigkeit begleitet, <strong>אַתְּ פְּתַח לוֹ</strong> , öffne du ihm den Mund und lehre es den Grund deiner Freudigkeit, und die Bedeutung deines Ernstes, lehre es den ganzen Wert der Handlungen, die es dich üben sieht.</p>

<p><strong>בַּעֲבוּר זֶה</strong>, — <strong>nicht meines Mutes und meiner kriegerischen Tapferkeit willen</strong>; ich hatte mir Geschlechter herab geduldig den Nacken beugen, die Schultern belasten, hatte mit untätiger Hand meine Säuglinge von ihrer Mutterbrust reißen und in den Wellentod schleppen lassen; viel mehr glänzte das Volk, das mich beherrschte, an Mut und kriegerischer Tapferkeit, und seine Könige trugen die siegreichen Waffen weithin über die Länder angrenzender Erdteile; — <strong>nicht meiner Schätze und meines Reichtums willen</strong>; ich war Jahrhunderte lang Fremdling geblieben auf dem Boden, der mich trug, war bis zum Sklaven hinabgesunken, der nicht das Hemd sein nennt, das seine Blöße deckt, und musste mir Gewänder und Geräte von meinen Herren erbitten, als sie mich in die Freiheit trieben; viel mehr war das Volk, dem ich diente, begütert und reich, blühte in Ackerbau, Handwerk und Handel und führte ein in Überfluss genießendes Leben; — <strong>nicht meiner Wissenschaft und Künste willen</strong>; Stroh suchen, Ziegel brennen, Lasten tragen mussten meine Söhne und Töchter früh und spät unter der Peitsche der Häscher, hatten nicht Zeit, an Bildung des Geistes zu denken, hatten nicht Muße, Geist und Gemüt einem Gedanken der Wissenschaft und Kunst zuzuwenden, ach, nicht einmal auf ein Wort der Erlösung vermochten sie hinzuhorchen, weil „gebrochen ihr Geist, und die Arbeit so schwer“; weit mehr glänzte das Volk, dem ich sklavisch handlangerte, in Kunst und Erfindung, in Gelehrsamkeit und Wissenschaft; — noch stehen am Niles Rand die Denkmäler ihres Ruhms<a id="_ftnref6" href="#_ftn6"><sup>[6]</sup></a>, ihres Reichtums, ihrer Kunst und zugleich meiner Erniedrigung und meines unsäglichen Elendes; — <strong>בַּעֲבוּר זֶה</strong>, <strong>nur um dieser Gebote willen</strong>, die ich den Mut hatte, zu erfüllen, die ich den Geist hatte, zu begreifen, die ich das Herz hatte, als das Panier meiner Freiheit und meiner Erlösung im Angesicht meiner Dränger zu erheben, — <strong>um dieser Gebote willen</strong>, mit welchen ich mich zu dem Einzigen erhob, den die Weisheit ihrer Weisen nicht kannte, mit welchen ich mich dem Einzigen in die Arme warf, den meine Dränger verleugneten, mit welchen ich mich dem Einzigen zu eigen gab, dem sich meine Dränger widersetzten, <strong>um dieser Gebote willen</strong>, mit welchen ich in den Dienst dieses Einzigen trat, <strong>בַּעֲבוּר זֶה</strong>, um <strong>ihret</strong>willen</p>

<p><strong>עָשָׂה ה&#8216; לִי</strong> hat Gott für mich gehandelt, war er stark für meine Ohnmacht, war er reich für mein Elend, war er weise für meine Einfalt, sie waren das Zeichen meiner Huldigung, der Ausdruck meiner Hingebung, das Wort meines Gehorsams und was ich auf Erden seinem Gebote treu vollbrachte, darauf schaute er herab, das erkannte und vernahm <strong>er</strong>, und stieg herab und stand mir bei.</p>

<p>Das <strong>waren</strong> mir diese Gebote, als solche <strong>haben</strong> sie sich mir bewährt in der ernstesten Stunde meines geschichtlichen Daseins <a id="_ftnref7" href="#_ftn7"><sup>[7]</sup></a> <strong>בְּצֵאתִי מִמִּצְרַיִם</strong>, als der Tod über mir und meinen Kindern schwebte, mein und meiner Kinder Leben noch der Sklaverei verfallen war und Gott mich zum Leben und zur Freiheit rief. Der Todesengel schritt über meine Hütte hinweg in den Palast des Herrschers, in Todesängsten klopfte der Herrscher selbst an meine Hütte und wies mich in die Freiheit, weil — diese Gebote meine Hütte zu einem Gottestempel umgewandelt hatten, weil ich meine Kinder um diese Gottesgebote gesammelt hatte, weil Gott das Zeichen unserer vereinigten Hingebung an seine Gebote geschaut hatte, und darum Tod und Sklaverei über meine Hütte hinüberführte.</p>

<p>Das waren mir die Gebote und das <strong>sind</strong> sie mir noch; sind noch die Sprache zwischen mir und meinem Gott, sind noch die Zeichen meiner Huldigung, die Worte meiner Hingebung, der Ausdruck meines Gehorsams, mit ihnen weihe ich mich noch und alles Meine Ihm, und er schaut meine Zeichen und er versteht meine Sprache und erkennt meinen Gehorsam und nimmt mich und meine Hütte auf in seinen Segen und seinen Schutz.</p>

<p><strong>Daher meine Freudigkeit und daher mein Ernst</strong>. Ich weiß, was diese Gebote mir sind, sie sind das ewige Band, das mich mit meinem Gott verknüpft, durch sie ist <strong>ה&#8216; לִי</strong> , ist Gott mein, gehören meine Taten Ihm, und wird mein Geschick von Ihm getragen. Und das ist keine bloße Verheißung, keine unbestimmte Hoffnung, kein bloß zusichernder Trost, <strong>בַּעֲבוּר זֶה עָשָׂה ה&#8216; לִי</strong>, meine ganze Vergangenheit ist mir Bürge, meine ganze Vergangenheit ist mir Zeuge für die Kraft und den Wert dieser Gebote, als mir Gott zuerst sein Gebot gab, setzte er meine ganze Errettung und Erlösung, setzte er Leben und Freiheit als Preis dieser Gebote, „um ihretwillen handelte Er für mich, als ich aus Mizrajim zog“, ich habe <strong>erfahren</strong>, was diese Gebote mir sind.</p>

<p>Und endlich <strong>בְּצֵאתִי מִמִּצְרַיִם</strong> , „als ich aus Mizrajim zog!“ <strong>בְּכָל דּוֹר וָדוֹר חַיָּב אָדָם לִרְאוֹת אֶת עַצְמוֹ </strong><strong> כְאִלּוּ </strong><strong>הוּא</strong><strong> יָצָא מִמִּצְרַיִם!</strong> <a id="_ftnref8" href="#_ftn8"><sup>[8]</sup></a> Das ist die große Grundbedingung deiner Erziehung. Du sprichst nicht, um ihretwillen hat Gott für unser Volk gehandelt, du sprichst auch nicht, um ihretwillen hat Gott für unsere Väter gehandelt, sondern du sprichst, um ihretwillen hat Gott für mich gehandelt als ich aus Mizrajim zog! Nicht als Vater zu seinem Kind, als Priester und Vertreter deiner Nation ihrem Sprössling gegenüber tritt zu deinem Kind hinan, im Namen deines Volkes sprich mit ihm, dass der Name „Jude“ es in den Gottesbund führe. Und frisch, niemals alternd sei deine Begeisterung für Gott, in frischer, niemals alternder Begeisterung erblicke dich dein Kind. Nicht das Andenken einer alten Geschichte vergangener Zeiten feiere mit ihm. Was die Väter erlebt, habe du erlebt. Was die Väter überliefert, sei dir so gewiss, als hättest du es empfangen. Über deinem Haupt habe der Todesengel geschwebt, deine Hand habe die Sklavenfessel getragen, du habe die große Gotteserlösung erfahren; nicht als Ereignis unserer vergangenen Geschichte, als Grund und Boden deiner eigenen Gegenwart, als Heilsbedingung deiner eigenen Zukunft feiere deine Erlösung und übe deine Gebote, dann wird dein Kind in gleicher Frische aus deiner Hand das Vermächtnis der Erlösung und der Lebensweihe empfangen, wird mit dir aus Mizrajim gegangen, mit dir Gottes Gebote empfangen zu haben sich fühlen, und in nie alternder Jugendfrische wird mit jedem Pessach sich die Erlösung und die Weihe wiederholen und alle jüdischen Geschlechter hinab werden in ewigem Frühling vor Gott das unsterbliche Band seiner Gebote tragen.</p>

<p>So ist die Basis aller jüdischen Erziehung: <strong>חִנּוּךְ</strong>, Weihe. Wie aber <strong>חִנּוּךְ</strong>, die Weihe unserer Heiligtümer nicht durch Predigt und Weihegebete, sondern durch Benutzung, Erfüllung, Tat vollendet wird, <strong>חִנּוּךְ</strong> des Altars durch <strong>קָרְבָּן</strong>, <strong>חִנּוּךְ</strong> des Priesters durch <strong>עֲבוֹדָה</strong>, <strong>חִנּוּךְ</strong> unserer Gotteshäuser durch den — wirklichen darin gehaltenen Gottesdienst, also fordert <strong>חִנּוּךְ</strong> unserer Kinder tätige Erfüllung der Gottesgebote. Überall, und darum auch in der Erziehung, geht im Judentum das <a id="_ftnref9" href="#_ftn9"><sup>[9]</sup></a><strong>נַעֲשֶׂה</strong> dem <a id="_ftnref10" href="#_ftn10"><sup>[10]</sup></a><strong>נִשְׁמָע</strong> voran. Und dieses <strong>חִנּוּךְ</strong>, diese Einführung unserer Jugend in das Judentum erwartet Gott vom Vater; jeder Vater vermags, und wo der Vater es verabsäumt, da ist es kaum durch irgendetwas anderes zu ersetzen. Alle Lehrbücher, alle Katechismen der „mosaischen Religion&#8220;, alle Konfirmationen und wie sonst die künstlichen Hilfsmittel alle heißen mögen, die unsere Zeit als Surrogat<a id="_ftnref11" href="#_ftn11"><sup>[11]</sup></a> für die häusliche Weihe unserer Jugend ersonnen, ja selbst die besten Lehrer und Schulen ersetzen den Tisch nicht, an welchem dein Kind dich die Gebote deines Gottes mit freudigem Ernst erfüllen sieht, an welchem du auch ihm die Gebote deines Gottes zur tätigen Erfüllung in die Hände gibst und zu ihm sprichst: Siehe, <strong>בַּעֲב֣וּר זֶ֗ה עָשָׂ֤ה ה&#8216; לִ֔י בְּצֵאתִ֖י מִמִּצְרָֽיִם!</strong></p>

<p>Willst du im Ernst das Glück haben, deine Kinder als Juden zu erblicken, so vollende dich erst selbst zum vollen wahren Juden. Nicht Gelehrsamkeit, das ernste, treue, aufrichtige Beispiel gewinnt deine Kinder für Gott. Erfülle deines Gottes Gebote in der reinen, allen zugänglichen Gesinnung, damit deines Gottes Willen zu erfüllen, ihm damit deine Huldigung, deine Hingebung, deinen Gehorsam zu bestätigen, und lasse dir immer der Gedanke gegenwärtig sein, was diese Huldigung, diese Hingebung, dieser Gehorsam dir in deiner ganzen Vergangenheit gewesen, wie sie, sie allein es gewesen, die dir die beseligende, schützende und segnende Gottesweihe alle Zeiten hindurch gewonnen und erhalten, wie nur <strong>בַּעֲבוּר </strong><strong>זֶה</strong><strong> עָשָׂה ה&#8216; לְךָ</strong>, wie nur diese Gebote Gott zu deinem Gott gemacht, so wirst du durch diese Gesinnung und diese Gedanken jenen Ernst und jene Freudigkeit gewinnen, die jeden Juden zum Gottespriester weihen und ihn fähig machen, rein durch sein lebendiges Vorangehen diese Weihe auf Geist und Gemüt unserer Jugend zu übertragen. —</p>

<p class="has-text-align-center"><strong>2.</strong></p>

<p><strong>וְהָיָ֞ה כִּֽי־יִשְׁאָלְךָ֥ בִנְךָ֛ מָחָ֖ר לֵאמֹ֣ר מַה־זֹּ֑את?</strong> <a id="_ftnref12" href="#_ftn12"><strong><sup><strong><sup>[12]</sup></strong></sup></strong></a>, und nun, nachdem du die breite Basis des freudig ernsten, tätigen Gehorsams gelegt, dein Kind schon mit dir auf dem Boden des lebendigen Gottesdienstes steht und von dir gelernt hat, alle Gebote eures Gottes ernst und freudig in dem Bewusstsein zu erfüllen, dass mit allen Geboten Gott das Zeichen eurer Huldigung, der Anblick eurer Hingebung, der Beweis eures Gehorsams dargebracht wird und Gott jede solche Erfüllung mit seiner beseligenden, segnenden und schützenden Weihe lohnt, — wenn nun dein Kind, reifer geworden, näher eingehend an dich die Frage richtet: <a id="_ftnref13" href="#_ftn13"><sup>[13]</sup></a><strong>מָה זֹאת?</strong>  Was denn der Sinn dieser von Gott gebotenen Handlungen sei, warum denn gerade diese Gott als Zeichen unserer Huldigung, unserer Hingebung und unseres Gehorsams bestimmt, <strong>וְאָמַרְתָּ אֵלָיו<a id="_ftnref14" href="#_ftn14"><sup><strong><sup>[14]</sup></strong></sup></a></strong>, so hat Gott sofort bei Erteilung seiner ersten Gebote <strong>תְּפִלִּין, בְּכוֹרוֹת, פֶּסַח מַצָּה מָרוֹר,</strong>,<a id="_ftnref15" href="#_ftn15"><sup>[15]</sup></a> gezeigt, dass wir solchen Fragen nicht nur nicht aus dem Wege gehen sollen, sondern, dass Gott ganz eigentlich solche Fragen erwarte, und ein forschendes Eingehen in den Sinn der von Ihm uns gebotenen Handlungen wesentlich von Ihm beabsichtigt sei. Sind nämlich auch alle diese Handlungen zunächst Zeichen unseres huldigenden, hingebenden Gehorsams gegen Gott, und soll gleich dieser Gehorsam wesentliches und einziges Motiv ihrer Erfüllung für uns alle in jedem Alter und auf jeder Stufe der Erkenntnis und Einsicht bleiben, so wesentlich, so einzig, dass die von uns durch deren Erfüllung zu erhoffende Gottesnähe wesentlich nur durch diese darin betätigte gehorchende Huldigung bedingt ist; so hat sie Gott doch auch zugleich zu einer Ansprache an uns, zu <strong>uns </strong>anregenden Zeichen bestimmt, zu Mitteln, unser Nachdenken zu wecken und ewige, unser ganzes Heil bedingende Wahrheiten uns immer erneut in die Seele zu prägen. In der Ausübung der göttlichen Gebote soll uns ganz der Gedanke des damit Ihm, dem Einzigen, unserem Meister und Herrn huldigenden Gehorsams erfüllen; aber die Ausübung selbst soll uns und unsere Kinder zu der forschenden Frage <strong>מָה זֹאת?</strong>  leiten und das Nachdenken über die göttlichen Gebote und das Eindringen in ihren inneren Sinn und Zusammenhang unserem Geist und Gemüt eine ewig frische Nahrung bieten.</p>

<p><strong>וְכִי יִשְׁאָלְךָ בִנְךָ מָחָר לֵאמֹור מַה זֹּאת?</strong> <a id="_ftnref16" href="#_ftn16"><strong><sup><strong><sup>[16]</sup></strong></sup></strong></a> und wenn nun die Ausübung der durch die Erlösung aus Mizrajim veranlassten Gebote dein Kind zu der Frage veranlaßt: <strong>מַה זֹּאת?</strong> so sollst du ihm antworten: <a id="_ftnref17" href="#_ftn17"><sup>[17]</sup></a> <strong>בְּחֹ֣זֶק יָ֗ד </strong><strong>הוֹצִיאָ֧נוּ יְהֹוָ֛ה מִמִּצְרַ֖יִם מִבֵּ֥ית עֲבָדִֽים</strong>. „Mit Gewalt hat uns Gott aus Mizrajim geführt, aus dem Sklavenhause!“</p>

<p>Siehe da den Grundgedanken, den alle die durch die Erlösung aus Mizrajim veranlassten Gebote in den verschiedensten Beziehungen vergegenwärtigen sollen: „Mit Gewalt hat uns Gott aus Mizrajim geführt, aus dem Sklavenhause!“</p>

<p><strong>Es war nicht der Lauf der Dinge, der uns die Freiheit gebracht</strong>. Wohl waltet auch in ihnen das ewig wache Vaterauge und die ewig regierende allmächtige Hand. Aber nur der von Gott erleuchtete Geist sucht ihn auch dort, und nur das durch Gottes Offenbarung bereits gehobene Gemüt verehrt ihn auch da. An dem unerleuchteten Geist und dem von Gottes Offenbarung unberührten Gemüt geht der gewöhnliche Lauf der Dinge, in welchem der Mensch alles berechnen, alles auf in der Natur der Dinge begründete Ursachen zurückführen zu können vermeint, so spurlos vorüber, dass er mit Ägyptens Anbeter der Natur achselzuckend spricht: <a id="_ftnref18" href="#_ftn18"><sup>[18]</sup></a> <strong>מִ֤י ה&#8216; אֲשֶׁ֣ר אֶשְׁמַ֣ע בְּקֹלֹ֔ו</strong>, wer ist Gott, dessen Stimme ich gehorchen sollte,  <strong>לְשַׁלַּ֖ח אֶת־יִשְׂרָאֵ֑ל</strong>, um das fahren zu lassen, was nach den Gesetzen der Natur und nach dem natürlichen Recht des Stärkeren das Meine ist? Er sieht die Gesetze der Natur heute so wirken wie gestern, und vergisst eben darum, sich nach Dem umzusehen, der diese Gesetze gesetzt und als dessen größtes Wunder eben die Stetigkeit seiner Gesetze und die unerschöpfliche Tiefe seiner Berechnungen dastehen. Er kann ihm einiges nachrechnen und drückt darum das Auge über das viele zu, das sich als ewiges Rätsel seiner Berechnung entzieht. Das Wort „Zufall“ im Mund der Sterblichen ist vielleicht die größte Huldigung, die wir unbewusst der allgegenwärtigen Waltung des lebendigen Gottes darbringen; denn eben mit dem Wort Zufall bekennen wir die Kürze unserer Einsicht, die Unzulänglichkeit der von uns erkannten Gesetze der Natur zur Erklärung aller Erscheinungen und Ereignisse. Dass der Stein den Mann getötet, dessen Hirn er im Hinunterfallen gespalten, ist eine „natürliche&#8220; Wirkung einer „natürlichen“ Ursache. Dass aber der zur Vollbringung eines Mordplans ausgegangene Mann gerade in dem Augenblick vorüberging, in welchem der Stein sich ablöste und er beim Weggehen gerade seine gewöhnlich stärkere Kopfbedeckung vermisst hatte, die ihm sonst vor der tödlichen Zerschmetterung Schutz gewährt haben würde, darin hat der „Zufall“ gewaltet, oder — Gott.</p>

<p>Dass aber die Gesetze der Natur keine „ewigen“ Gesetze sind, dass sie ihren Herrn und Meister haben, der sie gesetzt und auch noch nachdem er sie gesetzt ihr Herr und Meister ist, dass sie auch nicht deshalb bestehen weil er sie einmal gesetzt, sondern weil er noch und so lange er ihr Bestehen für gut erkennt, dass überall keine blinde Notwendigkeit und kein blinder Zufall über unsere Häupter waltet, dass wir vielmehr auch in dem „gewöhnlichen Lauf der Dinge“ Ihn und nur Ihn zu verehren haben: um das dem Auge der Sterblichen entgegen zu halten, ihnen dafür einen ewigen Anhaltspunkt zu geben, ist Gott aus dem Ihn und seine Waltung dem blöden Auge verhüllenden Lauf der Dinge hervorgetreten und hat mitten in den Lauf der Dinge ein <a id="_ftnref19" href="#_ftn19"><sup>[19]</sup></a> <strong>נֵס</strong>, eine geschichtliche Erscheinung hineingeschoben, die in ihrem Entstehen, ihrem Verlauf, ihrer alle Zeiten und Wechselverhältnisse überdauernden Erhaltung so sehr dem ganzen gewöhnlichen Lauf der Dinge zuwider ist, so sehr alle „Gesetze der Natur“ und allen Kalkül des berechnenden Verstandes zu Schanden macht, dass sie in ihrer Einzigkeit als hoch über alles hervorragendes „Panier“ dasteht, das allen Geschlechtern der Menschen zuruft: <strong>Erkennt an mir, <a id="_ftnref20" href="#_ftn20"><sup><strong><sup>[20]</sup></strong></sup></a> </strong><strong>כִּ֥י ה&#8216; הָאָֽרֶץ</strong><strong>, dass Gottes die Erde und dass <a id="_ftnref21" href="#_ftn21"><sup><strong><sup>[21]</sup></strong></sup></a> </strong><strong>אֲנִ֥י ה&#8216; בְּקֶ֥רֶב הָאָֽרֶץ</strong><strong> mitten, in allen Erscheinungen und Ereignissen der Erde Er, der Persönliche, Lebendige, Gott ist!</strong></p>

<p>Dieses <strong>נֵס</strong>, dieses weltgeschichtliche Wunder, dieses Gott verkündende Panier ist aber nichts anderes, als das jüdische Volk, sind eben wir in unserer ganzen göttlichen Erscheinung, von dem ersten Augenblick da Gott uns ersterbend am Boden sah und sein: <a id="_ftnref22" href="#_ftn22"><sup>[22]</sup></a> <strong>חַיַּי!</strong> stehe auf und lebe! uns zurief bis zu dieser Stunde, die uns noch lebendig erblickt, nachdem wir tausendfältige Tod überwunden.</p>

<p>Nicht der natürliche Lauf der Dinge, Gott mit seiner <a id="_ftnref23" href="#_ftn23"><sup>[23]</sup></a><strong>חֹוזֶק יָד</strong>, mit seiner überwältigenden Macht hat uns die Freiheit und das Leben gegeben. Der natürliche Lauf der Dinge hätte uns in Mizrajim, — wo das Bewusstsein von der gottebenbildlichen Freiheit des Menschen in Naturvergötterung und Kastenwahn begraben lag und wo man uns zum <a id="_ftnref24" href="#_ftn24"><sup>[24]</sup></a><strong>בֵּית עֲבָדִים</strong> zur Pariakaste machen wollte, dass das Sklaventum an unsere Wiege geknüpft wäre, — in Sklaverei und Elend verkommen lassen. Als wir zur Freiheit erstanden, war nach dem natürlichen Lauf der Dinge alles gegen uns. Der gottverleugnende Trotz des allgewaltigen Herrschers, — der bis zum Hohn gesteigerte Druck der Sklaverei, — und in uns selbst das Selbstvertrauen und der Mut zur Selbsthilfe so sehr bis auf den letzten Funken erloschen, dass selbst, als wir frei geworden waren, der bloße Anblick unserer früheren Herren genügte uns zur Rückkehr in das Sklavenjoch zu stimmen, — und selbst Mosche, dieses Werkzeug unserer Rettung, als dessen Werk man so gerne unsere Freiheit erscheinen lassen möchte, wie war er nach der göttlichen Urkunde so der ungeeignetste Mann zu solchem Werk! Wie fehlte dem Schüchternen, Bescheidenen, alles zum Volksbefreier? „Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehen und dass ich Israel aus Ägypten führen könnte?“ „Weil ich mit dir sein werde!“ „Und eben dies — (dass du in dir allen Mut und alle Kraft zu solchem Werk vermissest) eben dies ist das für dich zeugende Zeichen, dass Ich dich gesendet!“</p>

<p>Diese Tatsache, dass unsere Freiheit und unser ganzes weltgeschichtliches Dasein reines Werk der <strong>חֹוזֶק יָד</strong>, der unmittelbar eingreifenden Hand Gottes ist, die alle unsern Untergang bedingenden Konsequenzen der natürlichen Verhältnisse der Dinge zu Boden warf und uns „auf ihre Adlerflügel“ hob, diese Tatsache, dass, wie das Wort es ausdrückt, unsere Freiheit und unser Leben den Verhältnissen abgekämpft werden mussten, mit Gewalt uns Gott aus Mizrajim, das uns die Sklavenwiege stellen wollte, führte, diese Tatsache ist der Granitboden unseres <strong>Daseins</strong> und unseres <strong>Berufs </strong>(Aufgabe), mit ihr steht und fällt unsere ganze Bedeutung.</p>

<p>Dass uns Gott <strong>בְּחֹוזֶק יָד</strong> in die Freiheit hob, das macht eben <a id="_ftnref25" href="#_ftn25"><sup>[25]</sup></a> <strong>יְצִיאַת מִצְרַיִם</strong> und unser ganzes darauffolgendes Dasein zu jenem <strong>נֵס</strong>, zu jenem hoch aufgesteckten Gotteswahrzeichen, das Gott nicht nur als Schöpfer, sondern auch als Regenten des Weltalls und Richter, als Vater und Retter inmitten der Menschengeschichte verkündet. Dies allein macht <strong>יְצִיאַת מִצְרַיִם</strong> zum <a id="_ftnref26" href="#_ftn26"><sup>[26]</sup></a> <strong>אֶצְבַּע אֱלֹקִים</strong>, zum Fingerzeig Gottes, der über die Natur auf Gott, über die blind nötigenden Naturgesetze auf den sie <strong>noch </strong>frei meisternden Gesetzgeber, über die durch Menschenwillkür verschlungenen Potenzen der Menschengeschichte auf den in Gerechtigkeit und Liebe waltenden Allmächtigen hinweist, und der Menschheit über die Vielheit der Kräfte und Mächte in Natur und Geschichte den Einen, Einzigen, persönlichen, freien, lebendigen Gott gewährleistet.</p>

<p>Dass uns Gott <strong>בְּחֹוזֶק יָד</strong> in die Freiheit hob, das macht zugleich <strong>יְצִיאַת מִצְרַיִם</strong> zu dem Boden unseres eigentümlichen Berufs (Aufgabe). Dadurch hat Gott uns, wie der Ausdruck lautet, „sich erkauft“, gehören wir durch und durch Gott an für jeden Gang, den Er uns sendet, für jedes Werk, das Er uns aufträgt. Da schlägt kein Blutstropfen in unseren Adern, da schwingt keine Saite in unsern Nerven, da zuckt keine Faser in unsern Muskeln, da webt keine Empfindung in unseren Herzen, da leuchtet kein Gedanke in unserem Hirn, da trägt uns kein Boden, da fächelt uns keine Luft, da leuchtet uns kein Strahl, da reift uns keine Frucht, da lebt uns kein Tier, da gedeiht uns kein Kind, mit denen wir nicht durch und durch Ihm angehörten. Nichts haben wir eigen. Wir hatten alles eingebüßt, und Er gab uns alles wieder, auf dass wir alles in seinem Dienst verbrauchen. Wir waren Menschenknechte. Er hat unsere Fesseln gesprengt, damit wir seine Diener seien. Für uns gibts keine Wahl. Wir verharren entweder in seinem Dienst und sind dann die freiesten Menschen auf Erden; oder wir kündigen ihm seinen Dienst und werden dann wieder der Spielball unter den Fußtritten der Menschengewalt. „Wenn du — in deiner Ohnmacht — das Volk aus Mizrajim führst&#8220;, fährt die oben begonnene Gottesantwort fort, „so werdet ihr — du und das Volk — an diesem Berge in den Dienst Gottes treten!“ —</p>

<p>Indem daher Gott von uns Handlungen forderte, mit welchen wir in der Stunde der Erlösung unsere Huldigung, Hingebung und unseren Gehorsam Ihm bestätigen, und alle Zeiten hindurch diesen Gehorsam, diese Hingebung und Huldigung immer frisch erneuen sollten, gebot er uns solche Handlungen, die uns nicht nur die Erlösung aus Ägypten überhaupt, sondern die uns den Charakter dieser Erlösung, die uns das <strong>חֹוזֶק יָד</strong> das durchaus überwältigende Göttliche dieser Errettung auf das Entschiedenste ins Bewusstsein rufen. Überall bei <strong>חָמֵץ וּמַצָּה</strong>, bei <strong>תְּפִלִּין</strong> und <strong>בְּכוֹרוֹת</strong> wird auf dies <strong>חֹוזֶק יָד</strong>, auf die <a id="_ftnref27" href="#_ftn27"><sup>[27]</sup></a> <strong>יָד חֲזָקָה</strong> mit Nachdruck hingewiesen und alle die Gebote vergegenwärtigen das durch und durch Göttliche unseres geschichtlichen Ursprungs und die daraus hervorgehende Gotteshörigkeit unseres ganzen Wesens und Daseins.</p>

<p>„Gedenket dieses Tages, an welchem ihr aus Mizrajim, aus der Sklavenheimat gezogen, dass <strong>בְּחֹוזֶק יָד</strong> Gott euch von hier geführt; und darum werde kein <strong>חָמֵץ</strong> genossen!&#8220;</p>

<p>Das <strong>חָמֵץ</strong>-Verbot und der <strong>מַצָּה</strong>-Genuss am Fest der Erlösung vergegenwärtigt eben die vollendete Ohnmacht unserer Väter in der Stunde der Erlösung. Sie aßen noch Sklavenbrot, als die Rettung da war, ja die Peitsche ihrer Herren war noch hinter ihrem Rücken geschwungen, als sie in die Freiheit zogen, sie <strong>gingen</strong> nicht in die Freiheit, sie wurden in die Freiheit <strong>getrieben</strong>, und ihre Dränger ließen ihnen nicht einmal Zeit, sich mit gehörigem Brot für die Wanderung zu versehen — <a id="_ftnref28" href="#_ftn28"><sup>[28]</sup></a> <strong>כִּֽי־גֹרְשׁ֣וּ מִמִּצְרַ֗יִם וְלֹ֤א יָֽכְלוּ֙ לְהִתְמַהְמֵ֔הַּ וְגַם־צֵדָ֖ה לֹא־עָשׂ֥וּ לָהֶֽם!</strong> —  Sie waren ohnmächtig wie zuvor, nur Gottes Hand war stark für sie, <strong>seine</strong> Hand fürchteten die Dränger, <strong>seine</strong> Gewalt hatte den Trotz der Mächtigen gebrochen und in Angst vor <strong>Ihm</strong> <strong>trieben sie ihre Sklaven in die Freiheit!</strong> Das erzählt die <strong>מַצָּה</strong>, und ist daher eine Besiegelung der Tatsache: <a id="_ftnref29" href="#_ftn29"><sup>[29]</sup></a> <strong>בְּחֹ֣זֶק יָ֔ד הֹוצִ֧יא ה&#8216; אֶתְכֶ֖ם מִזֶּ֑ה</strong>, ist ein Denkzeichen des durchaus Göttlichen unseres geschichtlichen Ursprungs.</p>

<p>„Und es sei das zum Zeichen an deiner Hand und zur steten Erinnerung zwischen deinen Augen, damit dir Gottes Gesetz im Munde sei, dass <strong>בְּיָד חֲזָקָה</strong>, dass mit einer überwältigenden Allmacht dich Gott aus Mizrajim geführt!“</p>

<p>Mit <strong>חָמֵץ</strong> und <strong>מַצָּה</strong> bestätigst du <strong>jährlich</strong> das durchaus <strong>Göttliche</strong> deines <strong>Ursprungs</strong>; damit begehst du aber nicht das bloße Gedächtnis eines der Vergangenheit angehörenden Ereignisses; in dieser Göttlichkeit deines göttlichen Ursprungs wurzelt die Gottes<strong>hörigkeit</strong> deines ganzen gegenwärtigen Daseins, deines ganzen gegenwärtigen Wesens mit allen seinen Kräften in jedem Augenblick seines Lebens. Weil deine Freiheit durch und durch Gottes Werk ist, darum gehört auch dein frei gewordener Geist, dein frei gewordener Leib Gott an. Er hat dich erkauft, als Er dich erlöste. Sein eigen ist jeder Gedanke deines Hauses, jeder Pulsschlag deines Herzens, jede Tatkraft deiner Hand. Darum „sei es zum Zeichen an deiner Hand und zur steten Erinnerung zwischen deinen Augen“, dass mit überwältigender Allmacht Gott dich aus Mizrajim geführt, damit sein Wort, seine Lehre, sein Gesetz dir im Munde „lebendig bleibe“, du nur seinen Willen deiner Tat vorzeichnest und nur auf seinen Willen deine Augen richtest!</p>

<p>Aus <strong>חָמֵץ</strong> und <strong>מַצָּה</strong> gehen <a id="_ftnref30" href="#_ftn30"><sup>[30]</sup></a><strong>תְּפִלִּין</strong> hervor.</p>

<p>Während aber <strong>חָמֵץ</strong> und <strong>מַצָּה</strong> unsere vollendete Ohnmacht in der Stunde der Erlösung und damit den einen Faktor bezeugt, in welchem sich das durchaus Göttliche dieser Erlösung bekundet, erinnert <a id="_ftnref31" href="#_ftn31"><sup>[31]</sup></a><strong>קִדּוּשָׁהּ בְּכוֹרוֹת</strong>, die Weihe der Erstgeburten an den anderen Faktor, den gottverleugnenden Trotz unserer Dränger, der erst gebrochen werden konnte, als Gott ihre teuersten Leben mit dem Finger des Todes berührte.</p>

<p>„Wenn daher dein Sohn,&#8220; beim Anblick dieser Weihe, „dich einst fragen wird: <strong>מַה זֹּאת?</strong> so sage ihm: <strong>בְּחֹוזֶק יָד</strong>, mit Gewalt hat uns Gott aus Mizrajim, aus der Sklavenheimat geführt. Da war es, als Pharao sich im Starrsinn weigerte, uns ziehen zu lassen, da erschlug Gott alle Erstgeburt im Lande Mizrajim von Erstgeburt des Menschen bis zur Erstgeburt des Tieres. Darum opfere ich Gott alle männlichen Erstlinge des Mutterschoßes und alle Erstgeborne meiner Söhne löse ich aus. Dir darum sei es zum Zeichen an deiner Hand und zum Diadem zwischen deinen Augen, dass <strong>בְּחֹוזֶק יָד</strong> Gott uns aus Mizrajim geführt.&#8220;</p>

<p>Die Mitternachtsstunde, die dich zur Freiheit und Selbstständigkeit rief, in welcher die siegende Gottesrechte dir Haus und Eigentum wiedergab und dein teuerstes Gut, deine Kinder wieder als dein eigen an die treue Vaterbrust dir legte, die Mitternacht, die dich zum ersten Mal wieder selig im Familienkreis vor deinem Gott schaute, die Mitternacht zeigte dir Paläste und Hütten deiner Dränger in ihren edelsten Blüten tödlich getroffen. Nicht seinen letzten, verachtetsten Sklaven wollte Pharao dem Gottesgeheiße bewilligen, und musste diesen Gott verleugnenden Trotz mit dem Tode seines teuersten Sohnes büßen. Die Erfahrung geleitet dich durch das ganze Leben deiner von Gott wieder erhaltenen Selbstständigkeit. Ihm gegenüber nennst du nichts dein. Du stellst ihm dein Teuerstes zu Gebote. In deinen Erstgeburten weihest du ihm alles Lebendige deines Kreises. Alles, was dir atmet, atmet Ihm und indem du deine erstgeborenen Söhne auslöst, sagst du dir und ihnen: nur indem wir unsere Kinder dem Gesetzesheiligtum unseres Gottes weihen, erkaufen wir uns Segen und Blüte für sie. Über alle unsere Habe ruft aber die Erstgeburtsweihe aus Ägyptens Todesnacht die ernste Warnung hin: <a id="_ftnref32" href="#_ftn32"><sup>[32]</sup></a> <strong>וְאִם־לֹ֥א תִפְדֶּ֖ה וַעֲרַפְתּ֑וֹ!</strong> Was du nicht durch Anerkennung der Gotteshörigkeit auslösest, dem gräbst du selber das Grab!</p>

<p>Und wiederum, nicht nur, wenn du im seligtrunkenen Vatergefühl deinen Erstgebornen zu Gott emporhebst, dein Leben lang sei dir diese Gotteshörigkeit aller jüdisch Lebendigen gegenwärtig. Was einem Pharao erst in Todesangst die Gottesallgewalt abringen musste, das sei nicht nur das verhüllte Zeichen an deiner Hand, der stille Hebel deiner Taten, das sei dein Schmuck und deine Zier, das sei dein Stolz und Diadem, es sei der Adel deiner Stirn, dass Gottes Hand dich aus Mizrajim erkauft, du sein eigen seiest und keine höhere Würde und keine höhere Seligkeit und keine höhere Freiheit kennst, als Ihm eigen zu bleiben, und alle deine Gedanken in seinen Dienst aufgehen zu lassen:</p>

<p class="has-text-align-center"><strong>וְהָיָ֤ה לְאֹות֙ עַל־יָ֣דְכָ֔ה וּלְטֹוטָפֹ֖ת בֵּ֣ין עֵינֶ֑יךָ כִּ֚י בְּחֹ֣זֶק יָ֔ד הֹוצִיאָ֥נוּ ה&#8216; מִמִּצְרָֽיִם!<a id="_ftnref33" href="#_ftn33"><sup><strong><sup>[33]</sup></strong></sup></a></strong></p>

<p class="has-text-align-center"><strong>3.</strong></p>

<p>Siehe, so ist es Gottes Wille, dass du durch lebendiges Beispiel dein Kind in die Erfüllung seiner Gebote einführst, dass aber zugleich dein Mund die Fragen deines Knaben befriedige und du ihm den Sinn und die Bedeutung der Gebote eröffnest, die dir Gottes Wort selber enthüllt, auf dass die Gebote, in deren Erfüllung dein Kind Gott seine Huldigung, seine Hingebung und seinen Gehorsam bezeugt, zugleich eine bedeutungsvolle Ansprache an seinen Geist und sein Gemüt werden, und sein Inneres mit den Wahrheiten der göttlichen Lehre erfüllen. Es ist dies deine Aufgabe, zunächst bei jenen Geboten, die Gottes Wort ausdrücklich zu <a id="_ftnref34" href="#_ftn34"><sup>[34]</sup></a><strong>אוֹת</strong> und <a id="_ftnref35" href="#_ftn35"><sup>[35]</sup></a> <strong>עֵדוּת</strong> bestimmt, deren Erfüllung uns durchs Leben begleitende Zeichen und Zeugen sein soll, durch welche Gott zu uns spricht und uns fort und fort an sich und an die Lösung unserer Aufgabe erinnert. Die meisten dieser „zeigenden und zeugenden“ Gebote wurzeln in <a id="_ftnref36" href="#_ftn36"><sup>[36]</sup></a> <strong>יְצִיאַת מִצְרַיִם</strong> und sollen diese Tatsache unseres Ursprungs in allen ihren Konsequenzen für die verschiedenen Seiten unseres Daseins und unserer Bestimmung zu immer reiferem und vollendeterem Bewusstsein bringen. Denn diese Tatsache unseres Ursprungs, <strong>יְצִיאַת מִצְרַיִם</strong> , ist so sehr der von Gott gelegte Grund unseres ganzen jüdischen Wesens, dass der Gedanke daran nicht nur alljährlich einmal mit der Wiederkehr ihrer Gedächtnistage belebt, durch Zeichen an Hand und Haupt festgehalten, früh und spät bei unserem täglichen Aufstehen und Niederlegen in Worten ausgesprochen werden soll, sondern in der Tat nie uns aus den Gedanken kommen sollte, weil er die Wurzel und die Basis aller unserer Gedanken, Empfindungen und Handlungen zu bilden hat, und Gottes Gesetz die Erinnerung daran in Zeichen, Wort und Tat nur deshalb so durch unser ganzes Leben zerstreut hat, <strong>לְמַ֣עַן תִּזְכֹּ֗ר אֶת־יֹ֤ום צֵֽאתְךָ֙ מֵאֶ֣רֶץ מִצְרַ֔יִם כֹּ֖ל יְמֵ֥י חַיֶּֽיךָ</strong> „damit du an den Tag deines Auszugs aus Mizrajim alle Tage deines Lebens denkest.“<a id="_ftnref37" href="#_ftn37"><sup>[37]</sup></a></p>

<p>In der Tat ist auch dieser Gedanke wie kein anderer sonst geeignet und hat die Kraft, uns rein und stark den Weg unserer so einzig eigentümlichen jüdischen Aufgabe in Mitte einer Welt vollbringen zu lassen, die von ganz andern Anschauungen erfüllt ist, ganz andere Begriffe für wahr hält, von ganz anderen Grundsätzen sich leiten lässt, und ganz andere Ziele als Lebenszweck anstrebt. Der Gedanke:   <a id="_ftnref38" href="#_ftn38"><sup>[38]</sup></a><strong>בְּחֹ֣זֶק יָ֗ד הֹוצִיאָ֧נוּ ה&#8216; מִמִּצְרַ֖יִם</strong> hat Antwort auf alle Fragen, gibt Beruhigung gegen alle Zweifel, gewährt Schutz vor allen Irrtümern und erhält uns wach, frisch, froh und stark im Dienste Gottes. <strong>יְצִיאַת מִצְרַיִם</strong>  ist daher kein bloßes Geschichtchen für unsere Kinder-Erzählungen, kein bloßer Glaubenssatz in unseren Knaben-Katechismen, es ist der Talisman für unsere Jünglinge und Männer, es ist der Ausgangspunkt, auf den wir immer wieder zurückzuweisen sind, und gerade umso ernster und entschiedener, je reifer wir werden, je mehr sich unser Geistes- und Gemütsleben entfaltet, je mehr wir in Berührung mit der anderen Welt kommen und je mehr wir denkend an die Betrachtung der Welt und unserer Bestimmung in ihr schreiten. Selbst unser Studium des göttlichen Gesetzes hält dieses Gesetz nur für gesichert, wenn wir das Gebiet dieser göttlichen Gesetzgebung nur an der Hand der in <strong>יְצִיאַת מִצְרַיִם</strong>    wurzelnden Gedanken betreten. Wir lesen im göttlichen Gesetz:</p>

<p>„Wenn dein Sohn dich einst fragen wird: Welches sind denn nun die Zeugnisse, Rechtsvorschriften, die Gott, unser Gott, euch geboten? So sage deinem Sohne: Sklaven waren wir dem Pharao in Mizrajim, da führte uns Gott mit überwältigender Macht aus Mizrajim. Zeichen und große und schmerzliche Wunder sendete Gott an Mizrajim, an Pharao und sein ganzes Haus vor unsern Augen; uns aber führte Er von dort, um uns hierher zu bringen, uns das Land, das Er unsern Vätern zugeschworen hatte, zu geben. Da gebot uns Gott, alle diese Gesetze zu üben, darin die Ehrfurcht vor Gott, unserem Gott zu betätigen, zu unserem allzeitigen Heile, uns lebendig zu erhalten, wie heute. Unsere Pflichtreue wird es nur sein, wenn wir dieses ganze Gesetz vor Gottes, unseres Gottes Angesicht sorgfältig erfüllen, wie er es uns geboten hat.&#8220; (V. B. M. 6, 20.)</p>

<p>Es ist unser gereifter Sohn, es ist der jüdische Jüngling, der uns hier fragend zugeführt wird. Er hat Gott als seinen Gott erkannt, er hat ihn in seinem Zusammenhang mit der jüdischen Gesamtheit begriffen, er nennt ihn „unseren Gott“ er ist bereits aus dem Leben vertraut mit den göttlichen Gesetzen; er kennt <strong>עֵדוּת</strong>, mit ihrem Zeugnis, ihrer Warnung, Mahnung und Belehrung uns begleitende Übungen; er kennt <a id="_ftnref39" href="#_ftn39"><sup>[39]</sup></a> <strong>חוּקִּים</strong>, unser strebendes und genießendes Leben in die Grenzen der Reinheit und Heiligkeit einschränkende Gesetze; er kennt <a id="_ftnref40" href="#_ftn40"><sup>[40]</sup></a> <strong>מִשְׁפָּטִים</strong>, unser tätiges Leben nach den Anforderungen des Rechts regelnde Bestimmungen; — er kennt auch die Quelle, aus welcher er die vollständige Kunde dieser Gesetze seines Lebens zu schöpfen hat, es ist nicht die Schrift, das Buch, es ist die Überlieferung der Väter, an die er sich wendet, er fragt die Väter nach den Gesetzen, die sein und ihr Gott ihnen auch für ihn und alle späteren Geschlechter geboten, <a id="_ftnref41" href="#_ftn41"><sup>[41]</sup></a> <strong>אֲשֶׁ֥ר צִוָּ֛ה ה&#8216; אֱלֹהֵ֖ינוּ אֶתְכֶֽם</strong> . Und nun siehe, seine Frage bezieht sich durchaus nicht auf das Pessach-Fest und seine Gesetze. Weder in seiner Frage, noch in allen vorangehenden Sätzen<a id="_ftnref42" href="#_ftn42"><sup>[42]</sup></a> wird des Pessach-Festes auch nur mit einer Silbe gedacht. Er wünscht zu „lernen“. Wünscht die Zeugnisse, Gesetze und Rechtsordnungen kennen zu lernen, die Gott den Vätern zur Überlieferung an die Söhne übergeben. Sein Wunsch ist das Studium des Gesetzes im Allgemeinen. Und wie lautet die Antwort? <a id="_ftnref43" href="#_ftn43"><sup>[43]</sup></a> <strong>וְאָמַרְתָּ֣ לְבִנְךָ֔ עֲבָדִ֛ים הָיִ֥ינוּ לְפַרְעֹ֖ה בְּמִצְרָ֑יִם וכו&#8216;!</strong> Siehe da, die einzige wahrhaftige „Einleitung in das Studium der Mischna und des Talmuds“!</p>

<p>Setze dich nicht nieder zu den Füßen der lehrenden Väter, solange du nicht mit ihnen auf einem und demselben Boden des mit <strong>יְצִיאַת מִצְרַיִם</strong> gelegten Grundes stehst. Lasse die Folianten unaufgeschlagen, so du nicht von vornherein den Sinn mitbringst, in welchem ihr Inhalt allein erforscht sein will und erfasst werden kann. <a id="_ftnref44" href="#_ftn44"><sup>[44]</sup></a> <strong>יִרְאָה קוֹדֶמֶת לַחָכְמָה</strong> steht über die Pforte geschrieben, die zum Allerheiligsten der Gesetzeskunde führt, Gottesfurcht gibt den Pass zur Wissenschaft! Bist du ein Jude, fühlst dich als Sohn derer die Gott mit starker Hand sich in Mizrajim zu seinen Dienern erkauft und ihnen zugleich die Augen geöffnet hat, seine Waltung auf Erden zu schauen, — sind dir daher seine Gebote in all ihrer Mannigfaltigkeit, seine <strong>עֵדוּת</strong>, seine <strong>חוּקִּים</strong>, seine <strong>מִשְׁפָּטִים</strong> , allesamt wesentlich <strong>חוּקִּים</strong>, wie sie allein diese Antwort nennt, „Gesetze,&#8220; an denen du nichts zu rütteln hast, als deren letztes, sie über alle Antastung hinaus sicherndes Motiv der Wille deines Herr und Meisters da steht, — steht es dir von vorn herein fest, dass deine „Zedaka“<a id="_ftnref45" href="#_ftn45"><sup>[45]</sup></a>, <strong>deine</strong> Lebensgerechtigkeit, die pflichtreue Lösung deiner Aufgabe nur sein kann, mit sorgsamer Gewissenhaftigkeit alle Gebote deines Gottes, und alle nur ganz so, wie er sie geboten, zu erfüllen— <a id="_ftnref46" href="#_ftn46"><sup>[46]</sup></a> <strong>כִּֽי־נִשְׁמֹ֨ר לַעֲשֹׂ֜ות אֶת־כׇּל־הַמִּצְוָ֣ה הַזֹּ֗את לִפְנֵ֛י ה&#8216; אֱלֹקינוּ </strong><strong>כַּאֲשֶׁ֥ר</strong><strong> צִוָּֽנוּ</strong> —  dann gehe nur hinein in die Pforte zu seinem Heiligtum, lerne, studiere, denke, forsche, bete zu Ihm, er möge dich „die Wunder seines Gesetzes schauen“ lehren, — all dein Lernen, Studieren, Denken, Forschen, Eindringen in die Geheimnisse seines Gesetzes wird die Treue deiner Erfüllung nur vollendeter machen, die Seligkeit deines Dienstes nur höher steigern, das Band deines Gehorsams nur fester kitten — je weiter du eindringst, je höher wird dir das Ziel; je mehr du erforschst, je bescheidener wirst du werden, je tiefer wirst du dich vor der Hoheit des göttlichen Gesetzes beugen, und ob du das eine begreifst, oder zu begreifen meinst, und das andere dir als Rätsel gegenüber steht, du wirst das eine wie das andere mit gleichem Ernst, mit gleich selig freudiger Hingebung erfüllen</p>

<p class="has-text-align-center"><strong>וּצְדָקָ֖ה תִּֽהְיֶה־לָּ֑נוּ כִּֽי־נִשְׁמֹ֨ר לַעֲשֹׂ֜ות אֶת־כׇּל־הַמִּצְוָ֣ה הַזֹּ֗את לִפְנֵ֛י ה&#8216; אֱלֹקינוּ </strong><strong>כַּאֲשֶׁ֥ר</strong><strong> צִוָּֽנוּ׃<a id="_ftnref47" href="#_ftn47"><sup><strong><sup>[47]</sup></strong></sup></a> —</strong></p>

<p>So ist   <strong>יְצִיאַת מִצְרַיִם</strong> mit all seinen Konsequenzen Vorbedingung zum <a id="_ftnref48" href="#_ftn48"><sup>[48]</sup></a> <strong>לִימּוּד הַתּוֹרָה</strong>, es ist das alte <a id="_ftnref49" href="#_ftn49"><sup>[49]</sup></a> <strong>נַעֲשֶׂה וְנִשְׁמַע</strong>, die alte jüdische Hingebung, die uns schon vor Jahrhunderten (Schabbat 68 a) in den Augen des <a id="_ftnref50" href="#_ftn50"><sup>[50]</sup></a> <strong>אֶפִּיקוֹרוֹס</strong> zu dem <a id="_ftnref51" href="#_ftn51"><sup>[51]</sup></a> <strong>עַמָּא פְּזִיזָא</strong>, zu dem leichtsinnigen Volke stempelte, „dessen Mund dem Ohr zuvorgeeilt“, <a id="_ftnref52" href="#_ftn52"><sup>[52]</sup></a> <strong>דְּקַדְּמִיתוּ פּוּמַּיְיכוּ לְאוּדְנַיְיכוּ</strong>. Seien wir immerhin diese „Leichtsinnigen&#8220;! Sie wissen nicht, auf welchem Felsengrund diese bedingungslose Hingebung ruht; sie bedenken nicht, dass wenn dem <strong>נַעֲשֶׂה</strong> das <strong>נִשְׁמַע</strong> voranging, dieses <strong>נַעֲשֶׂה</strong>, diese prüfungslose Übernahme <strong>aller</strong> Gebote, <strong>יְצִיאַת מִצְרַיִם</strong> vor sich hatte, jene einzig große weltgeschichtliche Erfahrung, die in der Tat unser ganzes Wesen umwandelt und uns „auf den Adlerflügeln Gottes&#8220; zu einem ganz andern Standpunkt erhebt. —</p>

<p>In diesem Sinne scheint auch das Wort unserer Weisen diese Frage und Antwort gefasst zu haben. Wir lesen in der <a id="_ftnref53" href="#_ftn53"><sup>[53]</sup></a> <strong>מְכִילְתָּא</strong>: <strong>חָכָם מַה הוּא אוֹמֵר? מָה הָעֵדֹת הַחֻקִּים וְהַמִּשְׁפָּטִים אֲשֶׁר צִוָּה ה&#8216; אַלְקֶנּוּ אוֹתָנוּ? אַף אַתָּה, פָּתַח לוֹ בַּהֲלָכוֹת (ס&#8220;א בְּהִלְכוֹת) הַפֶּסַח,</strong> <strong>אֱמֹר לוֹ: אֵין מַפְטִירִין אַחַר הַפֶּסַח אֲפִיקוֹמָן.<a id="_ftnref54" href="#_ftn54"><sup><strong><sup>[54]</sup></strong></sup></a></strong> Obgleich also die Frage durchaus nicht auf <strong>פֶּסַח<a id="_ftnref55" href="#_ftn55"><sup><strong><sup>[55]</sup></strong></sup></a></strong> hinblickt, so <strong>beginne du</strong> ihm mit <strong>הִלְכוֹת הַפֶּסַח</strong>, leite du sein <strong>לִמּוּד הַתּוֹרָה</strong>  mit <a id="_ftnref56" href="#_ftn56"><sup>[56]</sup></a> <strong>הִלְכוֹת פֶּסַח</strong> ein, (oder nach der anderen Lesart: beginne du ihm wie am Seder-Abend: <strong>עבדים היינו וכו&#8216;</strong>) und sage ihm: <strong>אֵין מַפְטִירִין אַחַר הַפֶּסַח אֲפִיקוֹמָן</strong> dass der letzte Satz der <strong>הִלְכוֹת פֶּסַח</strong> die Lehre gibt: „keine Nachkost nach dem Pessach!&#8220; Pessach sollen wir zur Sättigung genießen, im Pessach sollen wir unser Alles, unser Genüge finden, und nachdem wir uns am Pessach gesättigt, sollen wir den Genuss durch nichts anderes verwischen, sollen den Pessach-Gedanken mit hinaus durchs ganze Leben nehmen und von ihm bei jedem Schritt näheren Ausgang nehmen,</p>

<p class="has-text-align-center"> <strong>אֵין מַפְטִירִין אַחַר הַפֶּסַח אֲפִיקוֹמָן — אֵין מַעֲבִירִין טַעַם פֶּסַח מִפִּיו — פֶּסַח נֶאֱכָל עַל הַשֹּׂובַע!</strong></p>

<p class="has-text-align-center"><strong>4.</strong></p>

<p>Aber nicht nur auf das unschuldig staunende Kind, den fragenden Knaben, den forschenden Jüngling hat Gottes Wort gerechnet, hat nicht nur Zeiten erwartet, in denen einheitlich zur Seite der Eltern die jüdische Jugend emporblüht und von dem Beispiel und der Belehrung am Vatertisch allmählig heranreift zum Eintritt in die Hallen forschender Thorawissenschaft; es hat auch Zeiten vorausgesehen, in welchen das Band zerrissen ist zwischen dem jüngeren Geschlecht und dem alten, in welchen das jüngere Geschlecht nicht nur sich nicht mehr beteiligt an der Feier und den Gesetzerfüllungen der Alten, nicht nur nichts Heiliges mehr aus den Händen der Alten empfangen zu müssen, sondern vielmehr sich berufen glaubt, das Gesetzesleben der Alten kritisch zu meistern und mit vernichtender Ironie die Alten von ihrer Gesetzestreue fortzustören, Zeiten, in denen der Vater mit freudigem Ernst sich an den Seder(tisch) setzt, der „fortgeschrittene“ Sohn aber mit verlachendem Hohn an dem Tisch vorübergeht und das herzschneidende Wort hineinwirft: <strong>מָה הָעֲבֹודָה הַזֹּאת לָכֶם?!</strong> „Was soll euch dieser Dienst?!“  <strong>מַה הַטּוֹרַח הַזֶּה שֶׁאַתֶּם מַטְרִיחִין עָלֵינוּ בְּכָל שָׁנָה וְשָׁנָה </strong>(ירושלמי)<strong>!?</strong> „Was soll dies Stück Arbeit, mit der ihr uns alle Jahr bemüht?!“ <a id="_ftnref57" href="#_ftn57"><sup>[57]</sup></a></p>

<p><strong>בְּשׂוֹרָה רָעָה נִתְבַּשְּׂרוּ יִשְׂרָאֵל בְּאוֹתָהּ שָׁעָה, שֶׁסּוֹף הַתּוֹרָה עֲתִידָה לְהִשְׁתַּכֵּחַ. וְיֵשׁ אוֹמְרִים, בְּשׂוֹרָה טוֹבָה נִתְבַּשְּׂרוּ יִשְׂרָאֵל בְּאוֹתָהּ שָׁעָה, שֶׁהֵן עֲתִידִים לִרְאוֹת לָהֶן בָּנִים וּבְנֵי בָנִים.<a id="_ftnref58" href="#_ftn58"><sup><strong><sup>[58]</sup></strong></sup></a></strong></p>

<p>„Eine traurige Verkündigung&#8220;, ruft ein Wort der Weisen bei dieser Stelle aus, „eine traurige Verkündigung erhielt Israel da, dass am Ende noch die Thora in Vergessenheit geraten werde! „Eine fröhliche Verkündigung erhielten sie da&#8220;, entgegnet ein anderes, „denn es wird ihnen verkündet, dass sie Söhne und Enkel haben würden!“ Ist das heiter blickende fröhlich, weil es über die abgefallenen Söhne auf die wieder zurückgekehrten Enkel hinschaut, und des Gedankens froh ist, dass selbst Zeiten des Abfalls uns nicht verzweifelnd niederschlagen dürfen, da selbst solche Zeiten die Thora von vorn herein vorausgeschaut und indem sie uns auf sie vorbereitet eben damit zugleich die Versicherung erteilt, dass sie vorübergehen, und trotz ihrer die ewige Fortleitung des göttlichen Gesetzes in ungetrübter Frische ihr Ziel erreicht??</p>

<p>„Was soll aber der Thora zufolge zu diesem abgefallenen, in seinem Abfall sich die Fortgeschrittenen dünkenden, und die treuen Alten als die Zurückgebliebenen höhnenden Geschlecht gesagt werden?“ <strong>Zu ihnen? Gar nichts!</strong> Dem staunenden Kind, dem fragenden Knaben, dem forschenden Jüngling gegenüber, lehrt das Gotteswort: <a id="_ftnref59" href="#_ftn59"><sup>[59]</sup></a> <strong>וְאָמַרְתָּ לְבִנְךָ, וְאָמַרְתָּ אֵלָיו, וְהִגַּדְתָּ לְבִנְךָ</strong> , erzähle deinem Sohne, sage ihm, sage deinem Sohne; dem höhnenden Geschlecht gegenüber heißt es aber nicht <a id="_ftnref60" href="#_ftn60"><sup>[60]</sup></a><strong>וַאֲמַרְתֶּם אֲלֵיהֶם</strong>, sondern einfach <strong>וַאֲמַרְתֶּם</strong><strong>;</strong> denn ihm hast du nichts zu sagen; es erwartet keine Belehrung von dir, ist ja schon so weit über dich hin geschritten, dass es dich belehren, dich aus deinem „alten&#8220;, „beschränkten“, ihm nur als Last und Bürde erscheinenden Standpunkt zu sich hinauf, zu der lichten, leichten Ungebundenheit seines Fortschrittes durch seinen vornehmen Spott fortbewegen möchte. Was hättest du ihm zu sagen? Es spricht ja nicht, um Belehrung zu empfangen, sondern um dich zu belehren, mit dir. Ist nicht tolerant genug, um deine „andere Richtung“ schweigend zu dulden, ist noch nicht so ganz über seinen Abfall beruhigt, dass es in deiner Treue nicht einen es genierenden Vorwurf erblickte, hat dich doch zu lieb, als dass es ruhigen Auges dich in „der Torheit des Vorteils&#8220; befangen sehen könnte — Was hättest du ihm zu sagen! Nicht von deinem Worte, nicht von der glänzendsten Apologie deines alten göttlichen Gesetzes erwarte die Umkehr seines Herzens, der ganze Glaube an die Göttlichkeit des Gesetzes, dem du dein Leben hingibst, und in dem du die Glückseligkeit deines Lebens findest, ist ja im Grunde <strong>seines</strong> Herzens längst zu Grabe getragen; der Schlüssel zu <strong>diesem</strong> ruht in Gottes Händen. Nur die Erfahrung bringt es zurück. Die Erfahrung von der Hohlheit, der Nichtigkeit, der trostlosen Täuschung und Leere alles jenen Gaukelspiels, dem es sich leichtsinnig in die Arme geworfen. Sie wird es einst wieder mit der Sehnsucht nach dem verscherzten Glück der alten Wahrheit füllen, wird ihm einst die Worte in den Mund legen:</p>

<p><strong>אֵלְכָ֤ה וְאָשׁ֙וּבָה֙ אֶל־אִישִׁ֣י הָרִאשׁ֔וֹן כִּ֣י ט֥וֹב לִ֛י אָ֖ז מֵעָֽתָּה</strong> <a id="_ftnref61" href="#_ftn61"><sup>[61]</sup></a>, „ich möchte doch zurück zum Gotte meiner alten Treue; denn ich war doch damals glücklicher als jetzt!“ Diese Zeit hast du abzuwarten. Bis dahin hast du <strong>ihm — nichts</strong> zu sagen, hast ihm nicht einmal auf seinen Spott etwas zu erwidern.</p>

<p><strong>Aber umso weniger darfst du schweigen</strong>. Je weniger Gottes Wort dich <strong>וַאֲמַרְתֶּם אֲלֵיהֶם</strong> lehrt, umso entschiedener fordert es <a><strong>וַאֲמַרְתֶּם</strong></a><strong>!</strong> Je weniger du ihm zu sagen hast, umso entschiedener und lauter sprich es im Allgemeinen aus, was dir die göttlichen Gebote sind, umso entschiedener und lauter bezeuge die beseligende Freudigkeit, die du in der Erfüllung findest, umso entschiedener und lauter stelle deine Überzeugung seinem Zweifel, deine Treue seinem Abfall, deine Entschiedenheit seinem Schwanken, deine Lebensfrische seiner Verkommenheit, die Freudigkeit deines Ernstes der Schalheit der lautesten Freuden seines Leichtsinnes entgegen und je zudringlich höhnender das Geschlecht spricht: <strong>מָה הָעֲבֹודָה הַזֹּאת לָכֶם</strong> was soll euch dieser Dienst!? <strong>וַאֲמַרְתֶּם</strong>, umso lauter, umso entschiedener sprecht es aus: <strong>זֶֽבַח־פֶּ֨סַח ה֜וּא לַֽה&#8216; אֲשֶׁ֣ר פָּ֠סַ֠ח עַל־בָּתֵּ֤י בְנֵֽי־יִשְׂרָאֵל֙ בְּמִצְרַ֔יִם בְּנׇגְפּ֥וֹ אֶת־מִצְרַ֖יִם וְאֶת־בָּתֵּ֣ינוּ הִצִּ֑יל </strong> <a id="_ftnref62" href="#_ftn62"><sup>[62]</sup></a> „ein Peßach-Opfer der Hingebung an Gott ist es, der über die Häuser der Söhne Israels in Ägypten hingeschritten, als er die Ägypter schlug und unsere Häuser rettete!“ umso lauter und entschiedener weist auf den unerschütterlichen geschichtlichen Felsengrund hin, auf dem euer ganzes jüdisches Dasein und eure ganze freudige Hingebung in den Dienst Gottes beruht, den kein Zweifel zu erschüttern, kein Sophisma<a id="_ftnref63" href="#_ftn63"><sup>[63]</sup></a> wegzuwischen im Stande ist, und für welchen noch heute das geschichtliche Dasein eines jeden Juden und eines jeden <strong>jüdischen</strong> Hauses zeugt.</p>

<p><strong>וַאֲמַרְתֶּם</strong>! Wenn man rings um euch schweigt, wenn man rings um euch zu verstehen gibt, als ob man sich zu schämen habe, Jude zu sein, als dürfe man mit Gottes Gebot nicht in die Helle des Tages treten, als wage man nicht mehr, den Mund für die Gebote Gottes zu öffnen, <strong>וַאֲמַרְתֶּם</strong>!  so öffnet den Mund, so schweigt nicht, so zeigt, so bekennt es laut, dass die Gebote, die ihr erfüllt, euch das Höchste seien, dass sie das Band seien, das euch mit Gott verknüpft, dass ihr noch jetzt, wie die Väter in Ägypten einst, mit ihnen euch und eure Häuser Gott weiht, in ihrer Erfüllung und mit ihrer Erfüllung vor <strong>Gott</strong> steht und darum der Menschen Lob und Tadel an euch spurlos vorübergehe. Bekennt es laut, dass ihr <strong>euch</strong> als die Fortgeschrittenen achtet, dass ihr die Erfüllung der göttlichen Gebote als den einzigen Fortschritt anerkennt, dass Gott selber die Erfüllung seiner Gebote als die einzige Bedingung seiner Erwählung in Ägypten gesetzt, nur diese Erfüllung, dieser Gehorsam den Juden von dem Ägypter, das jüdische Haus von dem ägyptischen Haus schied und um dieser Erfüllung willen Gott über die jüdischen Häuser hinschritt, als er den Tod in die Häuser der Ägypter brachte. Bekennt es laut, dass Gottes Gebot erfüllen, sich auf Gottes „Adlerflügeln“ tragen lassen heiße, und Nichterfüllung seiner Gebote hinabsinken heiße in die ägyptische Tiefe, Zurückschreiten sei in die ägyptische Nacht, aus der uns Gottes Erbarmen gehoben.</p>

<p>Mit solchem lauten, entschiedenen Bekenntnis rettet ihr euch und euere Kinder aus dem Verderben des irre gegangenen Geschlechtes und stellt diesem Geschlecht selbst das leuchtende Wahrzeichen hin, wohin sie sich zurückzufinden haben werden, wenn einst die Zeit ihrer Rückkehr gekommen. — —</p>

<p>So hat auch wohl das Wort der Weisen in der <strong>מְכִילְתָּא</strong> und in der <a id="_ftnref64" href="#_ftn64"><sup>[64]</sup></a><strong>הַגָּדָה</strong> dieses  <strong>וַאֲמַרְתֶּ֡ם זֶֽבַח־פֶּ֨סַח וכו&#8216;<a id="_ftnref65" href="#_ftn65"><sup><strong><sup>[65]</sup></strong></sup></a></strong> nicht als eine an die Söhne gerichtete Erwiderung, die mit der wegwerfenden Rede: <strong>מָה הָעֲבֹודָה הַזֹּאת לָכֶם</strong> herangetreten, sondern als ein allgemeines Bekenntnis betrachtet und haben es daher nicht als Antwort an den abgefallenen Sohn aufgenommen. Sie haben diese vielmehr in dieselben Worte gekleidet, mit welchen zuerst dem staunenden, kindlichen Gemüt die geschichtlich bekundete hohe Bedeutung dieser Gebote eröffnet werden sollten: <a id="_ftnref66" href="#_ftn66"><sup>[66]</sup></a><strong>בַּעֲב֣וּר זֶ֗ה עָשָׂ֤ה ה&#8216; לִ֔י בְּצֵאתִ֖י מִמִּצְרָֽיִם</strong>, um dieses Dienstes willen, — der dir als nutzlose Mühe, als bürdendes Joch erscheint — hat Gott für mich gehandelt, als ich aus Mizrajim zog! Sie haben eben damit gezeigt, dass dem Abgefallenen gegenüber nur auf die allererste Tatsache zurückzugehen sei, mit welcher schon beim jüdischen Kind der erste Grund und Boden des jüdischen Bewusstseins gelegt werden muss, auf das jüdische ABC zurückzugehen sei, welches die Basis alles Folgenden ist, und mit dessen Verleugnung ein jeder eben dem Abfall sich hingibt. So lange dieses jüdische ABC nicht anerkannt wird, so lange nicht mit einfacher Wahrhaftigkeit, ohne Winkelzüge und umdeutendes: „d. h.&#8220; als geschichtliche Tatsache erkannt wird, dass <strong>בַּעֲב֣וּר זֶ֗ה עָשָׂ֤ה ה&#8216; לִ֔י בְּצֵאתִ֖י מִמִּצְרָֽיִם</strong>, dass <strong>יְצִיאַת מִצְרַיִם</strong> das göttliche Siegel an alle unsere <a id="_ftnref67" href="#_ftn67"><sup>[67]</sup></a><strong>מִצְווֹת</strong> lege und die <strong>Erfüllung</strong> dieser <strong>מִצְווֹת</strong> die einzige Bedingung unserer Erwählung aus Mizrajim bildet, so lange ist alles Weitere unnütz, so lange ist nicht weiter mit ihm zu reden. Nur bei dem, der die <strong>מִצְווֹת</strong> noch erfüllt, hat das die <strong>מִצְווֹת</strong> erläuternde Wort einen Zweck. Wer aber die Mizwot bereits nicht erfüllt und nur höhnend an den Kreis der Erfüllung hinantritt, der hat eben mit dieser Nichterfüllung bereits seinen Abfall von Gott und der jüdischen Gesamtheit vollzogen <a id="_ftnref68" href="#_ftn68"><sup>[68]</sup></a>  <strong>כָּפַר בָּעִקָּר, הוֹצִיא עַצְמוֹ מִן הַכְּלָל</strong> ; bei ihm bleibt nichts übrig, als ihm nur diesen Abfall entschieden und klar zum Bewusstsein zu bringen, ihm zu sagen, dass er, indem er sich von der Erfüllung der Mizwot emanzipiert, er damit bereits das einzige Band zerrissen, das uns alle mit Gott und der jüdischen Gesamtheit verbindet, er die Grundbedingung vernichtet, die unsere Erlösung und Erwählung bedingt hat, — mit solchen Grundsätzen wäre Israel nie erlöst worden <a id="_ftnref69" href="#_ftn69"><sup>[69]</sup></a><strong>אִלּוּ הָיָה שָׁם, לֹא הָיָה נִגְאָל</strong> —</p>

<p>Dieses entschiedene Bewusstsein ist vielleicht noch das einzige, das ihn zur Besinnung bringen kann — — —</p>

<p class="has-text-align-center">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p>

<p><strong>בָּרוּךְ הַמָּקוֹם בָּרוּךְ הוּא</strong>, Preis Ihm, dem Träger aller Zeiten, in dem alle Entwicklungen ihren letzten Stützpunkt und ihre Begrenzung finden, Preis Ihm! <strong>בָּרוּךְ שֶׁנָּתַן תּוֹרָה לְעַמּוֹ יִשְׂרָאֵל בָּרוּךְ הוּא</strong> Preis Ihm! der seinem Volk Israel sein Gesetz gegeben, Preis Ihm, <a id="_ftnref70" href="#_ftn70"><sup>[70]</sup></a><strong>כְּנֶגֶד אַרְבָּעָה בָּנִים דִּבְּרָה תּוֹרָה</strong> dessen Gesetz alle Entwicklungen vorausgesehen und vorausgesetzt, <strong>אֶחָד חָכָם וְאֶחָד רָשָׁע אֶחָד תָּם וְאֶחָד שֶׁאֵינוֹ יוֹדֵעַ לִשְׁאֹול</strong> , den weise Forschenden, wie den in Abfall Höhnenden, den in Unschuld Fragenden, wie den gedankenlos Anstaunenden, den weisen wie den missratenen Jüngling, den Knaben wie das Kind, Preis Ihm, Er hat alles vorausgesehen und sein Gesetz auf alles vorbereitet. Und eben darum ist sein Gesetz ewig wie sein Volk. Er folgt seinem Volk auf allen Stadien seiner Entwicklungen. Und kommen auch Zeiten, wo das heranwachsende Geschlecht wegwerfend zu dem alten spricht: <strong>מָה הָעֲבֹודָה הַזֹּאת לָכֶם</strong>, so kommen doch die Zeiten wieder, wo die Jugend freudig „nach den Zeugnissen, Gesetzen und Rechtsordnungen fragt, die Gott jedem abgehenden Geschlecht zur Überlieferung an das kommende übergeben&#8220;, und wo ganz Israel, jung und alt sich um den einen Grundsatz sammelt, dass</p>

<p class="has-text-align-center"><strong>וּצְדָקָ֖ה תִּֽהְיֶה־לָּ֑נוּ כִּֽי־נִשְׁמֹ֨ר לַעֲשׂ֜וֹת אֶת־כׇּל־הַמִּצְוָ֣ה הַזֹּ֗את לִפְנֵ֛י ה&#8216; אֱלֹקינוּ כַּאֲשֶׁ֥ר צִוָּֽנוּ<a id="_ftnref71" href="#_ftn71"><sup><strong><sup>[71]</sup></strong></sup></a></strong></p>

<p> „wir nur dann unserer Pflicht gerecht werden, wenn wir mit gewissenhafter Sorgfalt dieses ganze Gesetz vor dem Angesichte unseres Gottes erfüllen, wie Er es uns geboten hat.&#8220; —</p>
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity" />
<p><a id="_ftn1" href="#_ftnref1">[1]</a> Die vier Söhne</p>

<p><a id="_ftn2" href="#_ftnref2">[2]</a> Wikipedia: Die italienische Strohblume (Helichrysum italicum), auch italienische Immortelle oder Currykraut genannt, ist eine Pflanzenart in der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie ist im Mittelmeerraum beheimatet. Genutzt wird sie als Gewürzpflanze.</p>

<p><a id="_ftn3" href="#_ftnref3">[3]</a> Nach dem Auszug aus Ägypten</p>

<p><a id="_ftn4" href="#_ftnref4">[4]</a> Exodus 13:8</p>

<p><a id="_ftn5" href="#_ftnref5">[5]</a> Aus der Pessach-Hagada</p>

<p><a id="_ftn6" href="#_ftnref6">[6]</a> Die Pyramiden</p>

<p><a id="_ftn7" href="#_ftnref7">[7]</a> Als ich aus Mizrajim auszog</p>

<p><a id="_ftn8" href="#_ftnref8">[8]</a> In jeglichem Zeitalter ist der Mensch verpflichtet, sich vorzustellen, als sei er selbst aus Ägypten gezogen.</p>

<p><a id="_ftn9" href="#_ftnref9">[9]</a> Das Tun (das Praktizieren der Gebote)</p>

<p><a id="_ftn10" href="#_ftnref10">[10]</a> Dem Zuhören (dem Erlernen der Gebote)</p>

<p><a id="_ftn11" href="#_ftnref11">[11]</a> Hilfsmittel, Ersatz</p>

<p><a id="_ftn12" href="#_ftnref12">[12]</a> Exodus 13:14</p>

<p><a id="_ftn13" href="#_ftnref13">[13]</a> Was bedeutet das?</p>

<p><a id="_ftn14" href="#_ftnref14">[14]</a> So antworte ihm</p>

<p><a id="_ftn15" href="#_ftnref15">[15]</a> Gebote über: die Sonderstellung der Erstgeborenen, das Anlegen der Gebetsriemen, das Pessachopfer, der Herstellung der Mazza, das Essen der Bitterkräuter zu Pessach</p>

<p><a id="_ftn16" href="#_ftnref16">[16]</a> In Anlehnung an Exodus 13:14</p>

<p><a id="_ftn17" href="#_ftnref17">[17]</a> Exodus 13:14</p>

<p><a id="_ftn18" href="#_ftnref18">[18]</a> Exodus 5:2</p>

<p><a id="_ftn19" href="#_ftnref19">[19]</a> Wunder</p>

<p><a id="_ftn20" href="#_ftnref20">[20]</a> Exodus 9:29</p>

<p><a id="_ftn21" href="#_ftnref21">[21]</a> Exodus 8:18</p>

<p><a id="_ftn22" href="#_ftnref22">[22]</a> Lebe!</p>

<p><a id="_ftn23" href="#_ftnref23">[23]</a> starker Hand</p>

<p><a id="_ftn24" href="#_ftnref24">[24]</a> Sklavenhaus</p>

<p><a id="_ftn25" href="#_ftnref25">[25]</a> Auszug aus Ägypten</p>

<p><a id="_ftn26" href="#_ftnref26">[26]</a> Fingerzeig Gottes</p>

<p><a id="_ftn27" href="#_ftnref27">[27]</a> starke Hand</p>

<p><a id="_ftn28" href="#_ftnref28">[28]</a> Exodus 12:39; „denn getrieben wurden sie aus Mizrajim und konnten sich nicht aufhalten und selbst Mundvorrat hatten sie sich nicht bereitet.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>

<p><a id="_ftn29" href="#_ftnref29">[29]</a> Exodus 13:3; „denn mit gewaltiger Hand hat euch der Herr von dannen geführt“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>

<p><a id="_ftn30" href="#_ftnref30">[30]</a> Die Gebetsriemen</p>

<p><a id="_ftn31" href="#_ftnref31">[31]</a> die Weihe der Erstgeburten</p>

<p><a id="_ftn32" href="#_ftnref32">[32]</a> Exodus 34:20; „lösest du sie nicht aus, so tötest du sie durch Nackenschlag“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>

<p><a id="_ftn33" href="#_ftnref33">[33]</a> Exodus 13:16; „Und auch an deiner Hand soll es zum Zeichen sein und zum Stirnschmucke zwischen deinen Augen, dass mit Stärke der Hand Gott uns aus Mizrajim hinausgeführt.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>

<p><a id="_ftn34" href="#_ftnref34">[34]</a> Zeichen</p>

<p><a id="_ftn35" href="#_ftnref35">[35]</a> Zeugnis</p>

<p><a id="_ftn36" href="#_ftnref36">[36]</a> Auszug aus Ägypten</p>

<p><a id="_ftn37" href="#_ftnref37">[37]</a> Deuteronomium 16:3</p>

<p><a id="_ftn38" href="#_ftnref38">[38]</a> Exodus 13:14; „Mit Stärke der Hand hat uns Gott aus Mizrajim … geführt“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>

<p><a id="_ftn39" href="#_ftnref39">[39]</a> Gebote, die nicht erklärbar sind, aber der Logik nicht widersprechen (z.B. Gesetze der „Roten Kuh“)</p>

<p><a id="_ftn40" href="#_ftnref40">[40]</a> Gebote, die sich erklären lassen, (z. B. „Du sollst nicht Stehlen“) </p>

<p><a id="_ftn41" href="#_ftnref41">[41]</a> Deuteronomium 6:20; „(Gebote) die Gott, unser Gott, euch geboten hat“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>

<p><a id="_ftn42" href="#_ftnref42">[42]</a> der Pessach-Hagada</p>

<p><a id="_ftn43" href="#_ftnref43">[43]</a> Deuteronomium 6:21; „Sklaven waren wir dem Pharao in Mizrajim“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>

<p><a id="_ftn44" href="#_ftnref44">[44]</a> Gottesfurcht kommt vor der Klugheit</p>

<p><a id="_ftn45" href="#_ftnref45">[45]</a> Gerechtigkeit</p>

<p><a id="_ftn46" href="#_ftnref46">[46]</a> Deuteronomium 6:25; „daß wir gewissenhaft dieses ganze Gebot vor Gott, unserm Gott, erfüllen, wie er es uns geboten.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>

<p><a id="_ftn47" href="#_ftnref47">[47]</a> Deuteronomium 6:25; „Und Pflichttreue bleibt es uns, daß wir gewissenhaft dieses ganze Gebot vor Gott, unserm Gott, erfüllen, wie er es uns geboten.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>

<p><a id="_ftn48" href="#_ftnref48">[48]</a> Erlernen der Lehre (Tora)</p>

<p><a id="_ftn49" href="#_ftnref49">[49]</a> Exodus 24:7; „(Alles, was <em>Gott</em> gesprochen,) wollen wir tun und hören.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>

<p><a id="_ftn50" href="#_ftnref50">[50]</a> Abtrünnigen, Götzendiener</p>

<p><a id="_ftn51" href="#_ftnref51">[51]</a> Schabbat 88a: Gedankenloses Volk (Übersetzung L. Goldschmidt)</p>

<p><a id="_ftn52" href="#_ftnref52">[52]</a> ebenda</p>

<p><a id="_ftn53" href="#_ftnref53">[53]</a> Wikipedia: Die Mechilta oder Mekhilta (aram. מכילתא) ist ein halachischer Midrasch zum 2. Buch Mose (hebr. Sefer Schemot).</p>

<p><a id="_ftn54" href="#_ftnref54">[54]</a> Mechilta de Rabbi Jishmael, Traktat Pischa,18<strong>; </strong>Was sind die Zeugnisse, Gesetze und Urteile, die uns der Herr, unser Gott, geboten hat?“ – Sie „öffnen“ sich ihm ebenfalls in den Halachoth von Pessach – „ein maftirin achar hapesach afikoman.“</p>

<p><a id="_ftn55" href="#_ftnref55">[55]</a> Pessach</p>

<p><a id="_ftn56" href="#_ftnref56">[56]</a> Gesetzesvorschriften für das Pessachfest</p>

<p><a id="_ftn57" href="#_ftnref57">[57]</a> Jerushalmi Pesachim 10:4</p>

<p><a id="_ftn58" href="#_ftnref58">[58]</a> Mechilta de Rabbi Jishmael, Traktat Pischa,12:31 (im Folgenden übersetzt)</p>

<p><a id="_ftn59" href="#_ftnref59">[59]</a> Und sage deinem Sohn, und spreche zu ihm, und erzähle deinem Sohn: diese Verpflichtung hat der Vater gegenüber den vorher beschriebenen Kindern. Dem aber hier jetzt beschriebenen Sohn …..</p>

<p><a id="_ftn60" href="#_ftnref60">[60]</a> Und ihnen sollt ihr sagen</p>

<p><a id="_ftn61" href="#_ftnref61">[61]</a> Hosea 2:9</p>

<p><a id="_ftn62" href="#_ftnref62">[62]</a> Exodus 12:27</p>

<p><a id="_ftn63" href="#_ftnref63">[63]</a> ausgeklügelter Trugschluss</p>

<p><a id="_ftn64" href="#_ftnref64">[64]</a> Pessach-Erzählung</p>

<p><a id="_ftn65" href="#_ftnref65">[65]</a> Exodus 12:27; „So sollt ihr sagen: Ein Mahl zögernd hinüber schreitender Rettung ist es.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>

<p><a id="_ftn66" href="#_ftnref66">[66]</a> Exodus 13:8; „Um dieses willen hat <em>Gott</em> für mich gehandelt, als ich aus Mizrajim zog,“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>

<p><a id="_ftn67" href="#_ftnref67">[67]</a> Geh- und Verbote</p>

<p><a id="_ftn68" href="#_ftnref68">[68]</a> In Anlehnung an die Pessach Hagada, Antwort an den Rasha: Der die Grundwahrheit des Judentums verleugnet, schließt sich somit selbst von der Gesamtheit (dem Judentum) aus</p>

<p><a id="_ftn69" href="#_ftnref69">[69]</a> Pessach Hagada: Wäre er (der Rasha) dort gewesen, wäre er nicht erlöst worden</p>

<p><a id="_ftn70" href="#_ftnref70">[70]</a> Pessach Hagada: Gegenüber vier verschieden veranlagten Kindern drückt sich die Thora aus</p>

<p><a id="_ftn71" href="#_ftnref71">[71]</a> Deuteronomium 6:25</p>

<p> </p>
								</div>
				</div>
					</div>
		</div>
					</div>
		</section>
				</div>
		<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/nissan-5785/">Nissan 5785</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://hirschinitiative.de/nissan-5785/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Adar 5785</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/adar-5785/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Feb 2025 18:28:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Monatsblatt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hirschinitiative.de/?p=5033</guid>

					<description><![CDATA[<p>Diesen Artikel hat Rabbiner Samson Raphael Hirsch für seine Zeitschrift „Jeschurun“, Jahrgang 6, Heft6 im März 1860 geschrieben. Das in diesem Artikel immer wiederkehrende וְאַף־גַּם־זֹ֠את, das er mit „und gleichwohl“ übersetzt, aber auch mit dennoch oder mit trotzdem übersetzt werden kann, führt uns durch die Leidensgeschichte unseres Volkes, dass nach menschlichem Ermessen längst hätte untergehen [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/adar-5785/">Adar 5785</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h6 style="text-align: justify;">Diesen Artikel hat Rabbiner Samson Raphael Hirsch für seine Zeitschrift „Jeschurun“, Jahrgang 6, Heft6 im März 1860 geschrieben. Das in diesem Artikel immer wiederkehrende <strong>וְאַף־גַּם־זֹ֠את</strong><strong>, </strong>das er mit <strong>„und gleichwohl“ </strong>übersetzt, aber auch mit <strong>dennoch</strong> oder mit <strong>trotzdem</strong> übersetzt werden kann, führt uns durch die Leidensgeschichte unseres Volkes, dass nach menschlichem Ermessen längst hätte untergehen müssen, wäre da nicht dass Band, das uns mit Gott in Ewigkeit verbindet. Allen Unkenrufen zum Trotz, und allen Versuchen zum Trotz uns auszulöschen verpuffen — werden zu Seifenblasen, die zerplatzen.</h6>
<h6 style="text-align: justify;">Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter:</h6>
<h6 style="text-align: center;"><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/titleinfo/2932884">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/titleinfo/2932884</a></h6>
<h2 style="text-align: center;"><strong>Und gleichwohl!</strong></h2>
<h1 style="text-align: right;"><strong>וְאַף גַּם זֹאת —</strong></h1>
<p style="text-align: justify;">„Und gleichwohl!“ lautet die alte Verheißung, auf welche eine Mathnitha<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a> beim Anblick der Gefahren und Rettungen hinwies, die Israel seit Anbeginn seines Galuth erfahren, und zu deren Zyklus auch die Gefahr und die Rettung gehört, deren Gedächtnisfeier mit jedem Adar wiederkehrt.</p>
<p style="direction: ltr; text-align: justify;">„Und gleichwohl!“ lautet sie: <a href="#_ftn2" name="_ftnref2"><sup>[2]</sup></a><strong>וְאַף־גַּם־זֹ֠את בִּֽהְיוֹתָ֞ם בְּאֶ֣רֶץ אֹֽיְבֵיהֶ֗ם לֹֽא־מְאַסְתִּ֤ים וְלֹֽא־גְעַלְתִּים֙ לְכַלֹּתָ֔ם לְהָפֵ֥ר בְּרִיתִ֖י אִתָּ֑ם כִּ֛י אֲנִ֥י ה&#8216; אֱלֹקֵיהֶֽם׃</strong> und <strong>gleichwohl</strong>, selbst während sie in Feindesland sind, habe „ich sie nicht <strong>verachtet</strong> und habe ich sie nicht <strong>verworfen</strong>, sie zu <strong>vernichten</strong>, meinen Bund mit ihnen <strong>aufzuheben</strong>; und ich <strong>ה&#8216;</strong>, <strong>bleibe ihr Gott</strong>!“</p>
<p style="text-align: justify;">Und diese Verheißung sie ist die eine Hälfte des Schlusssatzes einer Verkündigung, die die ganze jüdische Geschichte mit allem Herrlichen und allem Traurigen schrieb ehe noch ein Tag derselben in die Wirklichkeit getreten, einer Verkündigung, die an der Wiege des jüdischen Volkes ihm die ganze Zukunft schauervoller Jahrhunderte vormahlte, die es zu durchleben haben würde, wenn es seiner Aufgabe untreu werden würde, und die es durchlebt hat, weil es seiner Aufgabe untreu geworden.</p>
<p style="text-align: justify;">In diesem Bild fehlt nichts: die Angst und der Schrecken, der Kummer und die Krankheit, der Mangel und der Hunger, das Raubtier und das Schwert, die Zerstreuung und die Verzagtheit und das Fürchterlichste, das über einen Menschen, eine Volksklasse, ein Volk ausgesprochen werden könnte: <strong>“</strong><strong>קֶרִי</strong><strong>,,</strong> ,dass sie das <strong>„Zufällige&#8220;</strong>, das Nirgendsberechtigte, das Überallnichthingehörige sein würden, dessen Ansprüche und Bedürfnisse nirgends mit in Berechnung gezogen werden, das überall nur so lange und so weit sein geduldetes Dasein zu fristen hat, als es dem anderen, dem Berechtigten, lohnt und frommt, frohnt und wuchert — alles das malt das Bild dieser vorausgeschauten Zukunft, und es sieht sie in <strong>„Feindesland“</strong>: der Boden unter ihren Füßen, die Luft in ihr Angesicht ihnen als Raub angerechnet, das Land, das alle sonst als ihr Vater-, als ihr Mutterland begrüßen, das auch die Wiege ihrer Kinder, die Gräber ihrer Eltern trägt, dessen Tau auch ihnen fällt, dessen Sonne auch ihnen glänzt, das Land ihres Lebens und Strebens, alle seine Blüte, all seine Früchte, all sein Gedeihen, all seinen Verkehr, seine Bestrebungen und Einrichtungen ihnen nur <strong>feindlich</strong> zugekehrt; es sieht sie <strong>„verachtet“</strong>: das, was „ihre Weisheit und ihre Einsicht in den Augen der Völker“ hätte sein sollen, das, was „den Nationen der Erde den Namen Gottes über ihnen leuchtend“ hätte zeigen, und ihnen „Ehrfurcht&#8220; hätte abgewinnen sollen, das haben sie verscherzt, haben sie <strong>“</strong><strong>קֶרִי</strong><strong>,,</strong>, haben sie als das Zufällige, das Unwesentliche in ihrer Lebensstellung geachtet, und wollten einen Wettlauf mit eingehen mit der Rossesmacht der Völker, mit der Heeresgewalt der Fürsten, mit der Politik und Menschenklugheit der Staaten, wollten wetteifern in einer Größe, die ihnen versagt und deren Entbehrlichkeit, Unzulänglichkeit und Nichtigkeit, vielmehr durch ihr Leben und ihr Geschick den Völkern zu lehren, der eigenste Gehalt ihrer Sendung gewesen. Jenes haben sie verscherzt, und dieses war ihnen von vornherein versagt. Und nun, da sie den Kern ihres Daseins als das Zufällige behandelt und nun „Maß für Maß“ mit ihrem ganzen Dasein das Zufällige inmitten der machtstolzen, gewaltgegürteten Menschheit geworden, einer Menschheit, die bei diesen zufällig unter sie Gestreuten alles vermisst, auf welches sie die eigene Würde und Größe erbaut, und kein Auge hat bei ihnen und in ihnen die stille Größe, die ewige Macht, die in den Nächten des Lebens nur umso heller leuchtenden Lichtstrahlen <strong>jenes</strong> Gutes zu würdigen, das, wenn diese Zerstreuten es als ihr Einziges begriffen, sie als die einzige Nation an den Horizont leuchtend emporgehoben hätte, aber jetzt noch in seinen geretteten Resten sie — dem Denkenden, sinnigen Beschauer — als das anzustaunende Wundervolk darstellen müsste, — nun, da die Menschheit jenes vermisst und dieses nicht begreift, sieht das Bild jener verkündeten Zukunft sie in Feindesland „<strong>verachtet</strong>“, als Mensch entwürdigt, als Bürger ehrlos, als Geschöpf — einen Wurm! Ja, es sieht sie als die „<strong>Verworfenen</strong>“ in Feindesland. Sie sind das Fremde, Störende, Widerwärtige, sind das nirgends sich assimilierende, die Einheit des Staates hindernde Element überall, das der Staat <strong>&#8222;לִגְעֹול&#8220;</strong> ausscheiden, auswerfen muss, wenn er gesunden will. Sie sind die Einzigen, die in den Staat nicht aufgehen, für die die Staatsweisheit keine Formel zu erfinden und die Staatsgewalt keine Form festzustellen weiß, die sie erschöpfend deckten. Sie sind jeder Hamans-Politik das <a href="#_ftn3" name="_ftnref3"><sup>[3]</sup></a> <strong>עַם־אֶחָ֗ד מְפֻזָּ֤ר וּמְפֹרָד֙ בֵּ֣ין הָֽעַמִּ֔ים</strong>, das trotz seiner Zerstreuung unter allen Völkern in hartnäckiger Sonderung verharrende Volk, das mit <a href="#_ftn4" name="_ftnref4"><sup>[4]</sup></a><strong>דָתֵיהֶ֞ם שֹׁנ֣וֹת מִכׇּל־עָ֗ם</strong>, mit seinen absonderlichen Gesetzen und Sitten ein fremdes Element in den einheitlichen Gang der nationalen Entwicklungen bringt, ja, die, indem sie <a href="#_ftn5" name="_ftnref5"><sup>[5]</sup></a> <strong>וְאֶת־דָּתֵ֤י הַמֶּ֙לֶךְ֙ אֵינָ֣ם עֹשִׂ֔ים</strong>  sich den Königsgesetzen nicht mit <strong>allem</strong> unterwerfen, allerdings darauf hinweisen, dass es ein Gebiet gebe, das von Staatsdekreten nicht zu erreichen, das sich Regierungsmaßregeln entziehe, das selbst, wenn es sein muss, der Königsgewalt Trotz biete, der Fesseln und der Kerker, der Marter und der Scheiterhaufen spotte — die allerdings auf eine Majestät hinweisen, vor der selbst die Majestät eines Königs erbleiche, auf eine Autorität und eine Macht, vor der selbst die Autorität der königlichen Staatenmacht schwinde, — die somit allerdings der lauteste Protest gegen den Wahn des Absolutismus sind, als ob in die absolute Staatsmacht alles, auch der Mensch mit seinem Gott und seinem Gewissen aufgehe, und erst von ihr seinen Ausgang und seine Berechtigung zu nehmen habe, — die somit allerdings, <a href="#_ftn6" name="_ftnref6"><sup>[6]</sup></a> <strong>וְלַמֶּ֥לֶךְ אֵין־שֹׁוֶ֖ה </strong><strong>    לְהַנִּיחָֽם</strong>, jedem Haman ein leichtes wird als solche zu schildern, <strong>die der absoluten Königsgewalt nicht frommen könne zu dulden</strong>.</p>
<p style="text-align: justify;">Es sieht daher, wie Jahrhunderte hindurch alles Verlangen der Völker und alles Sinnen der Staatsmänner nicht darauf gerichtet ist, auch diesen Zerstreuten unter ihnen human und gerecht zu werden, ihr Gedeihen zu fördern, ihr Fortkommen zu unterstützen, ihrer Blüte und ihrem Lebensglück Vorschub zu leisten; wie vielmehr Jahrhunderte hindurch alles Verlangen der Völker und alles Sinnen der Staatslenker darauf gerichtet ist:</p>
<p style="text-align: justify;">&#8222;<strong>לְכַלֹּתָם</strong>,, sie <strong>zu vernichten</strong>! Sie zu verringern, zu verkümmern, sie bis zur Vernichtung verschwinden zu machen. <a href="#_ftn7" name="_ftnref7"><sup>[7]</sup></a> &#8222;<strong>יִכָּתֵ֖ב לְאַבְּדָ֑ם</strong>&#8220; , ein Dekret zu ihrer Ausrottung fordert die schmalstirnige Hamanspolitik. Mit dem Schwert in seiner Rechten und mit allen Künsten sinneschmeichelnder, Interessen lockender, Geister verwirrender Verführung in seiner Linken geht ein Antiochus zu Werke. Was der Gewalt physisch zu töten, materiell zu vernichten nicht gelingt, mag der diabolischen Milde der Verführung moralisch zu töten gelingen; und die Politik gelangt gewiss zum Ziel, die beides, Gewalt und Verführung gleichzeitig mit zähestem Ausharren anwendet. Und das war ja die Politik, die Jahrhunderte, ja Jahrtausende hindurch die Lebensluft dieser armen Zerstreuten mischte. Hamans Beispiel wird nur von Zeit zu Zeit wiederholt, je nachdem einmal die Geduld riss, je nachdem einmal einem Haman ein Mordechei in den Weg getreten und es die Befriedigung niedrigster Rachegelüste, oder noch niedrigerer Habsucht unter dem Deckmantel staatswohlfahrtlicher Maßregeln zu befriedigen gelten mochte. Die geschichtliche Atmosphäre dieser Zerstreuten wird nach antiochäischem Zuschnitt gebildet. Zwischen den Druck und Hohn der rohesten Gewalt und das satanische Lächeln einer verlockenden Verführung stellte man die Ärmsten hin, und spekulierte auf ihre physische und sittliche Verkümmerung zugleich. Und als nun gar eine ganze römisch-christliche Welt gerade aus den Händen dieser der Verachtung, der Verwerfung, der Vernichtung preisgegebenen Zerstreuten ein Buch hingenommen hatte, in welchem sie die Erlösung der Welt und die eigene Errettung von der Verwesung des Heidentums begrüßten, ja als sie gerade einen Sohn dieser Zerstreuten, als vergötterten Heiland anbeteten, dieses Buch und dieser Sohn als die Grundlage aller ferneren Gesittung und Heilsförderung auf Erden verehrt wurden und man sich der Anerkennung eines „besonders Göttlichen“ in dem Ursprung der Bestimmung, der Geschichte und der Lehre dieser „Verachteten“ — wenigstens in ihrer Vergangenheit — doch nicht entschlagen zu können fühlte, da wusste sich der Vernichtungswahn hinter die Auskunfttheorie zu flüchten: dieses „Göttliche“ dieser Zerstreuten eben als gewesen, als vergangen, als verscherzt, darzustellen, — eben seit ihrer Zerstreuung verscherzt — es habe sie eben Gott zerstreut:</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="#_ftn8" name="_ftnref8"><strong><sup>[8]</sup></strong></a><strong>&#8222;לְהָפֵ֥ר בְּרִיתִ֖י אִתָּ֑ם&#8220;</strong>, damit <strong>seinen Bund mit ihnen aufzuheben</strong>. Sie waren einst die Erwählten, die Gottesgesegneten, die gewürdigt wurden das Heil der Welt in ihrem Geist und ihrem Schoß zu tragen. Allein sie sind jetzt die von Gott selbst Verachteten, Verworfenen; Er hat seinen Bund mit ihnen aufgehoben und sie selber der Vernichtung geweiht. Gottes Wille, ein heiliges, gottgefälliges Werk vollbringen ihre Verfolger und Feinde, ihre Dränger und Bedrücker — <a href="#_ftn9" name="_ftnref9"><sup>[9]</sup></a>  <strong>מֹשְׁלָ֤ו יְהֵילִ֙ילוּ֙ נְאֻם ה&#8216;</strong> (Jes. K.52V.5) — „Seine Gewalthaber bringen ihm Jammer im Namen Gottes!“ — und das, was noch die letzte Rettung hätte sein müssen, macht Judenverfolgungen und Judenhass zur Religion — und schneidet der Hoffnung dieser Zerstreuten das letzte Ende ab.</p>
<p style="text-align: justify;">Alles dieses sieht die Verheißung, und <strong>וְאַף גַּם זֹאת</strong>, <strong>und gleichwohl</strong>, <strong>וְאַף־גַּם־זֹ֠את בִּֽהְיוֹתָ֞ם בְּאֶ֣רֶץ אֹֽיְבֵיהֶ֗ם לֹֽא־מְאַסְתִּ֤ים וְלֹֽא־גְעַלְתִּים֙ לְכַלֹּתָ֔ם לְהָפֵ֥ר בְּרִיתִ֖י אִתָּ֑ם כִּ֛י אֲנִ֥י ה&#8216; אֱלֹקֵיהֶֽם</strong> „und gleichwohl“ spricht die Verheißung, „<strong>und gleichwohl, selbst indem sie im Lande ihrer Feinde sind habe ich sie nicht verachtet, ich sie nicht verworfen sie zu vernichten meinen Bund mit ihnen aufzuheben, denn Ich </strong><strong>ה&#8216;</strong><strong>, bleibe ihr Gott!</strong>“ habe sie nicht verachtet in den Tagen der Chaldäer, wie die Mathnitha erläutert, habe sie nicht verworfen in den Tagen Hamans, sie zu vernichten in den Tagen der Syro-Griechen, meinen Bund mit ihnen aufzuheben in den Tagen der Römer, denn Ich <strong>ה&#8216;</strong>, bleibe ihr Gott für die kommende Zukunft, wo kein Staat und keine Nation mehr Macht über sie hat, <strong>לֹא מְאַסְתִּים בִּימֵי כַּשְׂדִּים וְלֹא גְּעַלְתִּים בִּימֵי הָמָן לְכַלּוֹתָם בִּימֵי יְוָנִים לְהָפֵר בְּרִיתִי אִתָּם בְּמֵי רוֹמִיִּים אֲנִי ה&#8216; אֱלֹקֵיכֶם לֶעָתִיד לָבוֹא שֶׁאֵין כָּל אוּמָה וְלָשׁוֹן יְכוֹלָה לִשְׁלוֹט בָּהֶם</strong>  (Jalkut). Und wenn sie auch ihr ureigen Land verloren, wenn sie auch in der Fremde in Feindesland sich befinden und der Boden unter ihren Füßen, und die Menschen, die sie umgeben, ihnen feind sind, Ich bin ihnen nicht feind geworden, mich haben sie nicht verloren, Ich bin ihnen geblieben. Und wenn alle Weisheit der Chaldäer und alle Kunst der Griechen, und alle Majestät der Perser, und alle staatliche und geistliche Politik und Kriegskunst Roms sich zusammentut dieses Volk als das verächtlichste, das verworfenste, das von Gottesfluch getroffene darzustellen und es zu vernichten; es gelingt ihnen dennoch nicht, gelingt ihnen nicht es zu vernichten, ja, gelingt ihnen nicht einmal es geistig zu vernichten, seine geistige, göttliche Bedeutung aus dem Bewusstsein der Menschen, ja, aus ihrem eigenen Bewusstsein zu tilgen. Wider ihren Willen, und wenn sie Jahrhunderte durchgerast, und wenn sie Quartanten<a href="#_ftn10" name="_ftnref10">[10]</a> und Folianten durchgeschmäht, sie bleiben zuletzt doch mit dem Hut in der Hand vor der geschichtlichen Erscheinung dieses Volkes stehen, die wundervolle Erhaltung dieses Volkes mitten in allem Wüten seiner Feinde, die wundervolle Elastizität, geistige und sittliche Lebensfrische dieses Volkes mitten in all dem Jammer und Elend, ringt ihnen, widerwillen das Bekenntnis ab: und doch <strong>אֶצְבַּע אֱלוֹקִים הִיא</strong>, und doch ist&#8217;s ein Gottesfinger, und doch — nicht nur in biblischer palästinensischer Vergangenheit — in unmittelbarster Gegenwart Not und Jammer bringender europäischer Verkehrtheit ist Gott mit ihnen, ist Gott in ihnen, <strong>&#8222;כִּי אֲנִי ה&#8216; אֱלֹקֵיכֶם&#8220;</strong> hat Er gesprochen und hat&#8217;s erfüllt.</p>
<p style="text-align: justify;">Und dieses „gleichwohl“ der Gottesverheißung, und dieses „und doch&#8220; des Völkergeständnisses hat diese ganze große Galuthgeschichte des jüdischen Volkes zu dem herrlichsten, leuchtendsten Gottesdenkmal gemacht, hat dieses Volk in seiner Zerstreuung zum großen weltgeschichtlichen Rätsel dahin gestellt, das sich aller Berechnung entzieht, das alle apriorischen Geschichtskonstruktionen zu Schanden macht und aller statistischen Geschichtspragmatik spottet, das unwiderstehlich den <strong>einen Einzigen</strong> <a href="#_ftn11" name="_ftnref11"><sup>[11]</sup></a><strong>קֹרֵ֥א הַדֹּר֖וֹת מֵרֹ֑אשׁ</strong> als den einzigen Lenker der Geschicke und das <strong>Sittliche </strong>als die einzige unüberwindliche Macht und die einzige unzerstörbare Kraft für das Leben der Menschen und Völkern verkündet.</p>
<p style="text-align: justify;">Allein nicht nur nach außen schaut die Mathnitha indem sie an der Hand dieser Verheißung die Phasen der jüdischen Galuthgeschichte mustert, nicht nur darin, dass weder der Chaldäer Macht, noch der Perser Stolz, noch der Griechen Geist, noch der Römer Schwert das zerstreute Israel erlegen, nicht nur darin, in diesem äußeren Geschick weist sie die Fortdauer des Gottesbundes mit ihm nach, nicht nur darin, meint sie, zeigt sich, wie ein anderes Wort der Weisen sagt: <a href="#_ftn12" name="_ftnref12"><sup>[12]</sup></a>  <strong>הֵן הֵן גְּבוּרוֹתָיו הֵן הֵן נוֹרְאוֹתָיו</strong>, die Gottes Allmacht und die Furchtbarkeit seines Schutzes vor den Augen der Völker; in die innere Geschichte der jüdischen Galuthjahrhunderte blickt sie hinein, und zeigt uns dort, in jeder Gegenwart der jüdischen Geschlechter die Zeichen der Gottesnähe trotz der Entfernung die Beweise des fortdauernden Gottesbündnisses trotz der Zerstreuung, die Beweise: dass wie sehr auch der Untergang des jüdischen Staates für die sittliche Verirrung und den geistigen Fall des jüdischen Volkes zeuge, dennoch, trotz dieser Verirrung und dieses Falles, das jüdische Volk noch sittlich und geistig hochstehend und also in der weckenden, erleuchtenden und belebenden Gottesnähe blieb, dass diese Verirrung und dieser geistige Fall doch nie den tiefen, der Gottesbestrahlung harrenden Lebenskern gottschauender Erkenntnis und gottdienender Treue also zerstörte, dass nicht in jeder Zeit von jüdischem Geist und jüdischer Treue erfüllte Männer aufblühten, die das Volk durch ihre Lehre und ihr Beispiel, durch Wort und Tat mit fortrissen zur Erkenntnis und Treue, über Verirrung und Fall hinaufretteten zur Erkenntnis und Treue und selbst nach außen, indem sie selbst der feindlichen Welt Achtung abgewannen, selbst dieser staunenden feindlichen Welt die Überzeugung aufnötigten, dass nicht nur Gott noch mit Israel, sondern, dass er auch noch in Israel sei und auch noch der zum Fluch geöffnete Mund segnend bekennen müsse: <strong>ה&#8216;</strong>, sein Gott ist mit ihm und die Überwältigung durch seines Königs Hauch ist <strong>in</strong> ihm <strong>ה&#8216; עִמּ֔וֹ וּתְרוּעַ֥ת מֶ֖לֶךְ בּֽוֹ</strong> !<a href="#_ftn13" name="_ftnref13"><sup>[13]</sup></a> —</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>״לֹא מְאַסְתִּים״ — בִּימֵי כַּשְׂדִּים, שֶׁהֶעֱמַדְתִּי לָהֶם דָּנִיֵּאל חֲנַנְיָה מִישָׁאֵל וַעֲזַרְיָה. ״וְלֹא גְעַלְתִּים״ — בִּימֵי יְווֹנִים, שֶׁהֶעֱמַדְתִּי לָהֶם שִׁמְעוֹן הַצַּדִּיק, וְחַשְׁמוֹנַאי וּבָנָיו, וּמַתִּתְיָה כֹּהֵן גָּדוֹל. ״לְכַלּוֹתָם״ — בִּימֵי הָמָן, שֶׁהֶעֱמַדְתִּי לָהֶם מׇרְדֳּכַי וְאֶסְתֵּר. ״לְהָפֵר בְּרִיתִי אִתָּם״ — בִּימֵי רוֹמִיִּים, שֶׁהֶעֱמַדְתִּי לָהֶם שֶׁל בֵּית רַבִּי וְחַכְמֵי דוֹרוֹת</strong><strong>.</strong><strong> (מגילה י&#8220;א)</strong></p>
<p style="text-align: justify;">„Nicht verachtet habe ich sie in den Tagen der Chaldäer; denn ich stellte ihnen Daniel, Chananjah, Mischael und Asarja. Nicht verworfen in Hamans Tagen: denn ich stellte ihnen Mardochai und Esther. Ließ sie nicht vernichten in den Tagen der Griechen; denn ich stellte ihnen Simeon den Gerechten, den Hasmonäer und seine Söhne und den Hohepriester Mathithjahu. Habe meinen Bund mit ihnen nicht aufgehoben in den Tagen der Römer, denn ich stellte ihnen Rabbi und die Weisen der späteren Zeiten.“</p>
<p style="text-align: justify;">So erläutert die Mathnitha ihren Satz und weist darauf hin wie nicht nur Gott in allen diesen prüfungsvollen Phasen der jüdischen Galuthgeschichte mit uns gewesen und uns vor Untergang gerettet, sondern wie vor allem darin es sich zeigt, dass er uns nie verachtet und verworfen, nie uns dem Untergang geweiht noch seinen Bund mit uns aufgehoben, dass in den schlimmsten Zeiten er immer in unserer eigenen Mitte Werkzeuge zu unserer Rettung geweckt, Männer, die auf der Höhe des jüdischen Geistes standen und ihr Volk in den Zeiten der Prüfung durch Lehre und Beispiel zu dieser Höhe zu erheben und auf der Höhe des göttlichen Bundes zu erhalten wussten.</p>
<p style="text-align: justify;">Wo gabs eine Zeit, die also zu dem Ausspruch zu berechtigen schien: <a href="#_ftn14" name="_ftnref14">[14]</a> <strong>כִּֽי־מָאַ֥ס ה&#8216; בָּהֶֽם</strong>, „Gott hat sie verachtet!“ als die Zeit, wo Juda dem Chaldäer erlegen und Judas Fürsten und Völker nach Babel vertrieben wurden. Das Heiligtum, das Gott selber gestiftet, lag zerstört, der Thron den Gott selber gebaut war umgestürzt, des Bodens, den Gott selber Israel gegeben, war es beraubt, in Feindesland lebten die Trümmer des Volkes, das wie ein Gottesheiligtum unter allen Völkern stehen sollte. Und das alles durch eigenes Verschulden, das alles nach ausdrücklichem Gottesurteil in Folge der eigenen Versündigung, weil es dem Götzentum und dem Abfall von göttlichem Gesetz Tür und Tor geöffnet. Lesen wir die Ermahnungen und Strafreden der Propheten, die fast zwei Jahrhunderte lang vor diesem bevorstehenden Zusammensturz zu warnen gesendet waren, lesen wir die Königsgeschichten, die sich trotz dieser Ermahnungen und Warnungen vollzogen, wir dürften glauben, es sei bis auf den letzten Funken das Sinaifeuer in der Brust des Volkes, und vor allem in der Brust seiner Führer und Fürsten erloschen gewesen. Denn gerade in den höheren Schichten, im Kreis der Großen und der Königsgeschlechter sahen wir die Gottessache ertöten, und den Gesetzesdienst und den Gottesbund gegen den Götzenkultus und die Bundesfreundschaft der Völker verkauft.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Und gleichwohl</strong>! <a href="#_ftn15" name="_ftnref15"><sup>[15]</sup></a> <strong>מִזֶּ֥רַע הַמְּלוּכָ֖ה וּמִן־הַֽפַּרְתְּמִֽים</strong>, gerade aus dem königlichen Geschlecht und den jüdischen Großen sucht Nebukadnezar Jünglinge um sie für seinen Hofdienst in chaldäischer Kenntnis und Bildung erziehen zu lassen, und unter diesen Jünglingen königlichen Geblütes war ein Daniel, ein Chananjah, Mischael und Asarja, die, gleich beim Eintritt Israels in die verführerische Galuthberührung mit den Sitten und Gebräuchen seiner Herren, in dem verlockendsten Kreis mildschmeichelnder Hofluft, wie vier leuchtende Feuersäulen dastehen und allen Galuthgeschlechtern zeigen, wie jüdische Jünglinge und Männer eine solche Prüfung zu bestehen haben. Die Hofküche, deren Mitgenuss die jüdischen Hofalumnen<a href="#_ftn16" name="_ftnref16"><sup>[16]</sup></a> verweigerten, die Königssäule, vor welcher die jüdischen Männer aufrecht blieben, der Glutofen der Chananjah, Mischael und Asarja von ihrer Pflicht nicht schreckte, der Löwenrachen, dem Daniel kein Minchahgebet opferte, das wurden die strahlenden Vorbilder, die Jahrhunderte herab tausenden und abertausenden jüdischen Seelen den Weg voranleuchteten, der sie zur Umarmung des Todes in allen furchtbaren Gestalten um der ihrem Gott und seinem Gesetz zu zollenden Treue willen geleitete. Ein Daniel beim Nachtgelage Balsazars ist noch heute Israel und der staunenden Welt ein Lichtbild jüdischer Geisteshoheit, vor welcher die Majestät der Herrscher und die Wissenschaft der Weisen erbleicht, und die den Söhnen selbst der „Captiva Judäa&#8220; auf fremdem Boden und in neidvollster Umgebung Achtung und Anerkennung sichert. Wenn aber selbst das Geschlecht, über  welches das Strafgericht des Churban und Galuth hereinbrach, solche Männer in seinem Schoße zeitigte, so war Israel selbst in seiner tiefsten Gesunkenheit nicht ein von Gott „verachtetes“ Geschlecht; so war es gesunken, tief gesunken in Verhältnis zur Höhe, die seine Gottessendung von ihm forderte; aber selbst in seiner tiefsten Gesunkenheit leuchtete es hell empor über die Nacht, die die Geister und Gemüter der heidnischen Welt begrub.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>יְמֵי הַמָּן</strong>, die Zeiten Hamans kamen — schon an Babels Strömen hatten nicht alle den Sängerschwur <a href="#_ftn17" name="_ftnref17"><sup>[17]</sup></a> <strong>„</strong><strong>אִם אֶשְׁכָּחֵךְ יְרוּשָׁלַיִם</strong><strong>“ </strong>geschworen, waren nicht alle wie Chananja, Mischael und Asarja aufrecht geblieben vor der Königssäule in der Ebene Dura —<strong>דּוּרָא</strong> <strong>הִשְׁתַּחֲווּ לַצֶּלֶם בִּבְקַעַת</strong> — Und als nun gar auf den Trümmern des babylonischen Reiches sich die wilde Perserherrschaft erhob, die stolz darauf war so viele verschiedene Völker und Zungen unter ihrem Zepter zu vereinigen und auch mit freundlicher Herablassung die Exilierten Judäas in den Strahl der königlichen Hofsonne lud, da konnten Judas Söhne so vieler Freundlichkeit nicht widerstehen, für ein gnädiges Lächeln gekrönter Sterblichen fingen sie an das Wohlgefallen Gottes hintan zu setzen — <a href="#_ftn18" name="_ftnref18"><sup>[18]</sup></a>  <strong>נֶּהֱנוּ</strong> <strong>מִסְּעוּדָתוֹ</strong>— glaubten so vieler Milde gegenüber nicht mehr die „starr isolierende Gesetzestreue&#8220; bewahren zu müssen — eine Toleranz ist der anderen wert — und was der Gottesbund verlor mochte der sich vorbereitende neue Bund mit Fürsten und Völkern ersetzen zu können scheinen bis sie Haman aus ihrem, dem Tod entgegenschlummernden Taumel weckte und sie mit Schrecken gewahrten: Mit der Untreue gegen Gott sei für Israel keine dauernde Freundschaft unter den Menschen zu erkaufen. Der Judenhass lässt sich nichts abhandeln. Ob du als ganzer, halber, viertel oder achtel Jude ihm gegenüberstehst, wenn du auch mit ihm trinkst und an seinen Tafeln speist gleichviel, so lange du nicht ganz einer von den Seinen bist, so lange bleibst du ihm das   <strong>עַם מְפֻזָּר וּמְפֹרָד וגו&#8216;</strong>, das isolierte Volk, das sich durch seine religiösen Gesetze von den andern absondert und das zu dulden der allgemeinen Wohlfahrt nicht frommt. Und hat er denn nicht recht der Judenhass, allen halben, viertel und achtel Juden gegenüber? Bist du ein <strong>ganzer Jude</strong>, stellst du das göttliche Gesetz unantastbar gegen dich selber, so kannst du in allem, was dich von ihm dem Nichtjuden, sondert, dich auf deines <strong>Gottes </strong>Willen beziehen. Nicht etwa dein Hochmut, nicht etwa eine unfreundliche alles nichtjüdische verachtende Gesinnung, überhaupt nicht dein Wille und dein Vorsatz, sondern dein <strong>Gott</strong> ist es, der dir dies sondernde Lebensregime gebietet. Du kannst es ihm aus deinen heiligen Büchern nachweisen, die vielleicht er selber als göttliche Satzung achtet, und jedenfalls — wenn Hass überhaupt nur <strong>dächte</strong>, wenn Hass überhaupt nur Vernunft annehmen <strong>wollte</strong> — du könntest ihn leicht der Unvernunft, ja der Lächerlichkeit seiner Gehässigkeit überführen, die er dir angeblich wegen deiner absonderlichen und sondernden Lebensweise zuwendet. Bist du aber kein ganzer Jude mehr, ist dir selber das göttliche Gesetz nicht mehr göttlich, nicht mehr unantastbar heilig, was willst dem Judenhass entgegnen, wenn er in allem was du noch hältst von diesem Gesetz, in allem, was dich noch vom Nichtjuden sondert, nichts als Starrsinn, Hochmut, Eigensinn und Gott weiß welches sonst gesamtheitsfeindliche separatistische Gelüste erkennen will? Womit willst du es entschuldigen, wenn du dem Teil, den du bereits vom göttlichen Gesetz gebrochen, nicht auch noch den Rest, den du noch hältst, nachwirfst und statt halber Jude zu sein ganzer Nichtjude wirst? Auf deinen Gott kannst du dich nicht berufen; dem hast du mit deinem Abfall den Gehorsam gekündigt; fortan ist´s nicht <strong>sein</strong> Wille, sondern <strong>dein</strong> Belieben, das deinen Lebenswandel gestaltet, nicht Er, sondern <strong>du </strong>hast ihn zu vertreten und eben wenn du als Jude dich „mit ihm zur Tafel setzt“ hat Haman ein Recht dir sein  <a href="#_ftn19" name="_ftnref19"><sup>[19]</sup></a> <strong>יֶשְׁנוֹ עַם אֶחָד וגו&#8216;</strong> verlästernd vorzuwerfen.</p>
<p style="text-align: justify;">Solche Hamanzeiten jüdischer Halbheit und vollendeten Judenhasses sind es aber, in welchen das jüdische Volk wahrhaft als &#8222;<strong>מגועל&#8220;</strong>, wahrhaft, wie man spricht, hier und dort verloren erscheint. Es hat die Gottesfreundschaft aufgekündigt, und die Menschenfreundschaft nicht gewonnen. Die Völker, an deren Türen es um Einlass bettelt, finden es noch nicht „reif“ für die Aufnahme und schließen es aus. Aus dem Gottesbund, in welchem es ewig seinen Stand und seinen Halt finden sollte, hat es sich selbst ausgeschlossen. In solchen Zeiten scheint es haltlos zwischen Himmel und Erde verloren zu schweben, und „<strong>gleichwohl</strong>“ spricht Gott.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="#_ftn20" name="_ftnref20"><strong><sup>[20]</sup></strong></a><strong>לֹא גְעַלְתִּים בִּימֵי הָמָן, שֶׁהֶעֱמַדְתִּי לָהֶם מׇרְדֳּכַי וְאֶסְתֵּר</strong>, selbst in Hamans Zeit hatte ich sie nicht verworfen, denn ich stellte ihnen Mardochai und Esther, Mardochai, den <strong>אִישׁ יְהוּדִי</strong>, den „jüdischen Mann“, der, nach dem Ausdruck der Weisen <a href="#_ftn21" name="_ftnref21"><sup>[21]</sup></a> <strong>מוּכְתָּר בְּנִימוּסוֹ</strong>, seine Krone in seinem Gesetz fand, seinen Stolz in seinem Gesetz, seine Männerwürde in seinem Gesetz, der sein Judentum unbeugsam in allen Verhältnissen bewahrte, Jude war als Exilierter, Jude und nichts als Jude als Onkel der Königin, Jude blieb als Minister und wie Werkzeug der leiblichen Rettung des jüdischen Volkes, so einer der ersten Mitarbeiter an seinem geistigen Aufbau für die Jahrtausende des Exils — und Esther, die holdselige Judas Tochter, die auf dem Weg zum Thron den jüdischen Geist und das jüdische Leben nicht vergaß, für welches sie im Haus ihres Erziehers erzogen, die als Königin Jüdin blieb und zur Rettung ihres Stammes ihre Krone und ihr Leben wagte — das Geschlecht, das in Mardochai und Esther seine Blüte verehrte, war auch in seinen Wurzeln und Zweigen noch gesund, nicht so tief wie es schien war der Geist des Schwankens und des Abfalls gedrungen —<a href="#_ftn22" name="_ftnref22"><sup>[22]</sup></a> <strong>הֵם לֹא עָשׂוּ אֶלָּא לִפְנִים</strong> — das Beispiel eines Mordochai und einer Esther, die erschütternde Katastrophe eines Haman genügte, um die Juden unter persischem Zepter so gründlich zur Besinnung zu bringen, dass <a href="#_ftn23" name="_ftnref23"><sup>[23]</sup></a> <strong>לַיְּהוּדִ֕ים הָֽיְתָ֥ה אוֹרָ֖ה וְשִׂמְחָ֑ה וְשָׂשֹׂ֖ן וִיקָֽר</strong>  dass sie ihr Licht wieder in ihrer <strong>תּוֹרָה</strong>, ihre Freude, ihre Wonne, ihre Ehre in ihren <strong>מִצְוֹת</strong> begrüßten und <strong>תּוֹרָה וּמִצְוֹת</strong> fortan auf persisch-babylonischem Exilsboden eine so treue Pflege fanden, dass, als im jüdischen Lande, wohl in Folge der syrogriechischen Kämpfe und der hasmonäischen dynastischen Verirrungen der Baum der Thora-Wissenschaft zu welken drohte „Hillel der Babylonier“ kommen, und neues Leben und neue Blüte der Wissenschaft des göttlichen Gesetzes auf jüdischen Boden aus dem Lande des Exils bringen konnte.</p>
<p style="text-align: justify;">Denn es kamen die „Zeiten der Griechen“, <strong>יְמֵי יְוָנִים</strong>, wo mehr noch als zu Hamans Zeit „<strong>לְכַלֹּתָם</strong>“, <strong>Vernichtung</strong>, Israels unvermeidliches Geschick zu sein drohte. Haman verzweifelte daran Israel sittlich töten zu können und eben wegen dieser seiner „starren Unverbesserlichkeit!“ hatte er seinen materiellen Untergang beschlossen. Der Grieche glaubte an die selbst Israel gegenüber unwiderstehlich Geister und Sinnlichkeit bezwingende Kraft seiner Götter und wollte Israel durch materielle Marter und Köder geistig-sittlich vernichten. Seitdem die imposantesten Heeresmächte der Perserkönige vor dem kleinen Häuflein griechischer Begeisterung den Rücken gewandt, war der Glaube an den Sieg des europäischen Geistes über die orientalische Macht und an die Mission des europäischen Geistes zur Bezwingung und Europäisierung der Nationen des Orients in die Brust der Völker gedrungen. Der makedonische Held zog das Schwert in dem Glauben an eine solche Sendung, und die Unterjochung der Völker bis zum Indus<a href="#_ftn24" name="_ftnref24">[24]</a> hin hatte diesem Glauben bereits eine tatsächliche Verwirklichung gebracht, die selbst durch seinen frühen Tod keinen völligen Rückgang fand. Seine Feldherrn teilten sein Reich und über die reichsten und gebildetsten Länder des Orients führten griechische Dynasten das Zepter. Vor allem war nach wenigen Geschlechtern ein Fürst von dem blinden Glauben an einen solchen Sieg des hellenischen Geistes erfüllt und von einer fanatischen Wut gestachelt, diesen Sieg schonungslos und rücksichtslos zur Geltung zu bringen, und das war gerade der Fürst, dessen Herrschaft auch Judäa als untertänige Provinz einverleibt war. Antiochus Epiphanes sah in dem jüdischen Geist und dem jüdischen Leben, die in Judäa ihr gesondertes Reich hatten, eine beschimpfende Verhöhnung des zur Weltherrschaft bestimmten hellenischen Geistes, und er beschloss mit allen Verlockungen der Verführung und allen Schrecken der Gewalt Israel zu seinen Göttern zu bekehren, oder zu vernichten. Und wohl mochte er sich mit der Hoffnung auf diesen Bekehrungssieg schmeicheln. Sah er doch bereits die Spitzen der jüdischen Staatsgesellschaft dem Hellenismus geneigt. Waren doch schon Priester und Große der Sinne schmeichelnden griechischen Bildung und der Interessen schmeichelnden Aussicht auf antiochisches Bürgerrecht nicht widerstanden. Hatten ihn doch Männer aus jüdischem Priesterstand selbst zur Unternehmung dieses Bekehrungskrieges ermuntert, und wohl mochte er in der Gesetzestreue des Volkes nichts als — nötigenfalls mit Gewalt zu brechenden — „Pöbeltrotz“ und „Pöbelunverstand“ erblicken, da ja bereits die Leiter des Volkes, die „Gebildeten&#8220;, die „Intelligenten“, die Reichen der „Reform zum Hellenismus“ in ihrem Leben und in der Erziehung ihrer Kinder mit Begeisterung huldigten!</p>
<p style="text-align: justify;">Da allerdings schien <strong>לְכַלֹּתָם</strong>, schien Israels Untergang Israel nahe — und <strong>gleichwohl</strong> <strong>לֹא מְאַסְתִּים וְלֹא גְעַלְתִּים לְכַלּוֹתָם בִּימֵי יְוָנִים שֶׁהֶעֱמַדְתִּי לָהֶם שִׁמְעוֹן הַצַּדִּיק, וְחַשְׁמוֹנַאי וּבָנָיו, וּמַתִּתְיָה כֹּהֵן גָּדוֹל!</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Schon als der hellenische Held seinen Siegerfuß auf Palästina gesetzt und von politischen Rachegefühlen und von judenfeindlichen Einflüsterungen zum besonderen Zorn gegen Judäa angestachelt, an der Spitze seiner Heere gen Jerusalem zog, war ihm Simeon der Gerechte<a href="#_ftn25" name="_ftnref25"><sup>[25]</sup></a> — einer der letzten jener „großen Versammlung“ unter deren frühsten Gliedern bereits Mordechai geglänzt — in seinem hohepriesterlichen Gewande entgegen getreten, und zum Staunen seiner Fürsten und Heere hatte Alexander beim Anblick Simeons seinen königlichen Siegeswagen verlassen und sich vor Simeon, dem jüdischen Hohepriester — gebeugt. Er erblickte da, hatte er seiner staunenden Umgebung geantwortet, das Ideal, das ihm auf seinen Heereszügen voranschwebe — <a href="#_ftn26" name="_ftnref26"><sup>[26]</sup></a> <strong>דְּיוֹקָנוֹ שֶׁל זֶה אֲנִי רוֹאֶה כְּשֶׁאֲנִי יוֹרֵד בַּמִּלְחָמָה וְנוֹצֵחַ</strong> — So war es dem griechischen Genius gleich bei seiner ersten Berührung mit Juda gezeigt, wäre er gleich gesendet den Orient zu überwinden, so schaue doch im Orient selbst von Asiens Vorhut am Mittelmeere ein noch höherer Genius nach Europa hinüber, in welchem selbst der alle anderen überwindende griechische Genius seinen Meister und Überwinder anzuerkennen haben werde. Selbst Japhet wird vor Schem sich beugen und der hellenische Sieger ist nur ein Vorherold für den jüdischen Geist. Alexanders unwürdigster Nachfolger, Antiochus Epiphanes hatte in seiner fanatischen Verblendung dies vergessen. Schon vermeinte er über den jüdischen Gott zu triumphieren, hatte ihm bereits Tempel, Priester und Fürsten entrissen und sandte nun seine Schergen aus um die Erfüllung seines Gesetzes auch in den Kreisen des Volkes mit Feuer und Schwert zu vertilgen, da — als bereits <strong>לְכַלֹּתָם</strong> die Stunde des jüdischen Untergangs geschlagen zu haben, und kaum noch das Licht des jüdischen Genius irgendwo eine Zufluchtsstätte zu haben schien — da lockerte plötzlich mitten in der Geistesnacht die Flamme der reinsten Gottesbegeisterung in dem Schoß einer Familie, in der Brust eines Priestergreises auf, der fern von dem Getriebe der Hauptstadt in ländlicher Zurückgezogenheit im Gebirge sich und die Seinen bei Gott und seinem Gesetz zu erhalten und in der Stunde der Versuchung mit einem solchen Gottesmut, mit einer solches Gottesbegeisterung für Gott und sein heiliges Gesetz den Schergen des griechischen Gottes gegenüber aufzutreten wusste, dass sich an seinem Licht und seinem Feuer wieder das Bewusstsein und der Mut des Volkes zu einer solchen Kraft und einem solchen Feuer entzündete, dass der griechische Gott und sein gekrönter Satellit samt seinen Schergen vom jüdischen Boden verjagt, das Gebiet des göttlichen Gesetzes und der jüdische Genius von der letzten Spur hellenischen Unwesens gesäubert und der staunenden Mitwelt und der bewundernden Nachwelt zum Trost und zur Belehrung gezeigt wurde: dass selbst in so drohendster Gefahr hereinbrechender Geistesnacht und Vernichtung <strong>לֹא מְאַסְתִּים וְלֹא גְעַלְתִּים לְכַלּוֹתָם</strong> , die jüdische Treue und der jüdische Geist aus den Kreisen des Gottesvolkes nie ganz verschwindet und zur mitternächtlichsten Stunde Gott seine Hasmonäerfamilie in seinem Volk zu finden weiß, die genügen um sein Gesetz und sein Heiligtum aus der tiefsten, an Vernichtung grenzenden Erniedrigung wieder zur Höhe des siegreichsten Lichtglanzes zu erheben.</p>
<p style="text-align: justify;">Und als nun der letzte, schwerste Akt der jüdischen Galuthgeschichte, das römische Galuth mit seiner in alle Länder streuenden Zersplitterung und seinem in uferlose Zukunftsferne weisenden Verhängnis sich eingeleitet hatte, — als die Sprossen der Hasmonäerfamilie selbst nur zu bald dem Geist ihrer Ahnen untreu wurden und, während sie dem hellenischen Geist so siegreich widerstanden, doch der Versuchung der Selbstsucht und der Ruhmsucht, dem Beispiel römischer Cäsaren-Politik nicht gewachsen waren, und selber die gigantische Macht zum Schutzherrn und Schiedsrichter geladen hatten, die sehr bald mit ihrem eisernen Fuß das hohlgewordene judäische Staatsgebäude zu Trümmern trat, und die Söhne dieses Volkes nun hinaus mussten, bodenlos, haltlos, — sehr bald rechtlos und ehrlos — immer weiter und weiter sich in die Brandung einer, in Fäulnis des Todes und in Gebären einer sich vorbereitenden verjüngten Lebens gährenden Völkerwelt verloren, und diese Welt immer judenfeindlicher wurde, bei allen ihren Gegensätzen, im Judenhohn und Judenhass sich einträchtig begegnete, ja gar bald dahin kam Judenhohn und Judenhass zum dämonischen Religionsprinzip zu weihen und den Hass und Verachtung säenden Glaubensartikel von den „verfluchten und verworfenen Juden“ in die frühesten Anschauungen und Gefühle aller ihrer aufkeimenden Kinderseelen zu pflanzen — als unter Zepter und Krummstab — des römischen Reichs und der römischen Kirche, Katechismus und Kodex und das äußere Geschick sich vereinigten, die armen Juden als die von Gottes Gnade und <strong>daher</strong> von jeglichem Anspruch auf Menschen-Recht und Menschen-Milde Ausgeschlossenen darzustellen — und <strong>gleichwohl</strong> Gottes Gnade sie nicht verließ, <strong>gleichwohl </strong>Gottes Allmacht sie schirmte, <strong>gleichwohl</strong> Gottes Waltung sie nicht untergehen ließ und sie trotz Zepter und Krummstab, trotz Stein- und Speichelwurf, trotz Ghettis und Kerkernacht, trotz Vertreibungen und Feuertode, Gott <strong>gleichwohl</strong> zum angestaunten Weltenwunder aufrecht hielt und sie alle ihre Verfolger überleben ließ — war es da bloß dieser allmächtige Schutz nach <strong>außen</strong>, in welchem sich das <strong>אַף גַּם זֹאת</strong> dieses gewaltige <strong>„gleichwohl“</strong> der göttlichen Verheißung bewährte, oder war es nicht selbst in diesen nächtlichsten Jahrhunderten, und gerade in ihnen, in welchen das mitten in all dem Jammer sich entfaltende innere Leben des jüdischen Volkes die leuchtendsten Beweis lieferte und jedem denkenden Juden — und Nichtjuden — das Bewusstsein zur unerschütterlichen Gewissheit bewahrheiten muss, dass: <a href="#_ftn27" name="_ftnref27"><sup>[27]</sup></a> <strong>וְאַף־גַּם־זֹ֠את בִּֽהְיֹותָ֞ם בְּאֶ֣רֶץ אֹֽיְבֵיהֶ֗ם לֹֽא־מְאַסְתִּ֤ים וְלֹֽא־גְעַלְתִּים֙ לְכַלֹּתָ֔ם </strong><strong>לְהָפֵ֥ר בְּרִיתִ֖י אִתָּ֑ם</strong>, dass gleichwohl selbst im Land ihrer Feinde Gott sie nicht verachtet und nicht verworfen sie zu vernichten <strong>seinen Bund mit ihnen aufzuheben</strong>! <a href="#_ftn28" name="_ftnref28"><sup>[28]</sup></a><strong>״לְהָפֵר בְּרִיתִי אִתָּם״ — בִּימֵי רוֹמִיִּים, שֶׁהֶעֱמַדְתִּי לָהֶם שֶׁל בֵּית רַבִּי וְחַכְמֵי דוֹרוֹת!</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Welche blind zutappende Dummheit möchte im Ernst behaupten, seitdem die Juden im römischen Reich zerstreut wurden habe Gott seinen Bund mit ihnen aufgehoben, wenn sie das Geistesleben sieht, das gerade in den Jahrhunderten des römischen Galuth aufgeblüht, wenn sie die Kraft und die Beseligung erwägt, die dieses Geistesleben in Erleuchtung und Veredlung unserer Geister und Herzen, unseres Familien- und Gemeindelebens bewährte, wie eben dieses Geistesleben und die Kraft und Beseligung, die es unseren inneren Verhältnissen brachte, die Quelle des Mutes und der Stärke gewesen, mit welchen wir alle äußeren Schläge ausdauernd und heiter ertrugen, und wenn sie die glänzende Reihe jener Männer des Geistes an dem inneren Auge vorüber gehen lässt, die Gott wie voranleuchtende Feuersäulen jedem Geschlecht unserer nächtlichsten Galuthzeiten in seiner Barmherzigkeit und Gnade geweckt hat!</p>
<p style="text-align: justify;">Seht die Zerstreuten im römischen Reich und das römische Reich, das sie zerstreute! Wohl mochte Rom sich stolz, „die Ewige“ nennen und mit Verachtung auf das zu seinen Füßen sich verblutende Israel blicken, das ihm die Bestimmung des Weltensieges und der Welterlösung streitig zu machen wagt. Als es Judäa bezwang stand es auf dem Gipfel seiner Weltherrschaft. Jerusalems Fall war eine der letzten Eroberungen, die es seinem Reich gewann und als es seine Adler auf Zions Hügel pflanzte gehorchte von Britannien im Norden und von Hispanien im Westen bis zum südöstlichen Judäa eine zitternde Welt Rom. Wohl hatte es damit bereits den Höhepunkt seines Glanzes überschritten. Es brach unter der eigenen Wucht durch die innere Fäulnis seines Kolosses zusammen. Allein, indem es fiel ward gleichwohl sein Genius zum Sieger seiner Besieger und warf gar bald ein doppeltes Band bezwingender Herrschaft um den Nacken der Völker. Das römische Recht und die römische Kirche, die von der Siebenhügelstadt ausgingen, diktierten Jahrhunderte herab der europäischen Menschheit das unantastbare Schema, in welchem sie sich mit ihrem Verhalten zueinander auf Erden und ihren Beziehungen zu ihrem Gott im Himmel zu bewegen hatte, und noch bis auf den heutigen Tag dominiert der Adlergriff des römischen Genius mit diesem Doppelblitz des Himmels und der Erde bis tief hinein in das Herz aller bürgerlichen und kirchlichen Lebensgestaltungen der Kulturvölker auf Erden. Und es hätte dieser römische Esau-Genius nicht Recht sich als den gottgesandten Meister dieser Erde zu begreifen, hätte nicht Recht sich als den Erben des einst dem Jakobsvolk erteilten Gottessegens und Gottesbundes zu betrachten, dessen Söhne er von ihrem Boden vertrieben und sie sodann Jahrhunderte herab durch sein Recht und seine Kirche von allem Recht auf Erden und aller Gnade im Himmel ausgeschlossen, es hätte dieser römische Genius nicht Recht mit höhnendem Hochmut zu verkünden, Gott habe die Juden ihm überantwortet <strong>לְהָפֵר בְּרִיתוֹ אִתָּם</strong>, um damit <strong>s</strong><strong>einen</strong> Bund mit ihnen zu vernichten??!</p>
<p style="text-align: justify;">Und <strong>gleichwohl </strong>— selbst vom Staub auf, selbst den römischen Esau-Fuß auf seinem Nacken könnte Jakob festen Auges Roms Genius ins Auge schauen, könnte, ehe er sich als den Überwundenen, Vernichteten und seinen Unterdrücker als den siegreichen Erben seiner welterlösenden Bestimmung bekennt, könnte ihn fragen nach dem Heil und dem Frieden, nach dem Glück und der Wohlfahrt, die seine Weltherrschaft gebracht, fragen nach der Summe der Freiheit und des Rechts, nach der Summe der Erleuchtung und Veredlung, die seine Kirche gebracht, könnte ihn hinweisen auf zertrümmerte Städte, auf eingeäscherte Hütten, auf gemordete Leiber, auf gebrochene Herzen, auf geknechtete Völker, auf vernichtete Nationen, auf verzweifelte Gemüter, auf geblendete Geister, auf geheiligten Fanatismus, auf gepredigten Wahn, auf sanktionierte Gewalt, auf verleugnete Wahrheit, auf verlachte Menschlichkeit, auf verhöhnte Menschenwürde, auf Verbrechen und Elend, auf Jammer und Laster, auf den ganzen Schrei aller bis auf den heutigen Tag dahingegangenen Zeiten, die alle den lautesten Protest gegen den Wahnwitz erheben, als hätte Romas Esau-Genius bereits das Heil und die Erlösung der Welt gebracht, könnte bei den Särgen und Gräbern der Menschheit und der Menschlichkeit erst Rechenschaft fordern — wenn es überhaupt Jakobs Beruf wäre mit Esau über den Ruhmeskranz zu rechten, den dieser sich selbst um das lockige Haar zu flechten für gut findet. Auch auf kein wohlverdientes Blättchen in diesem Kranz braucht Jakob etwa mit Neid oder Scheelsucht<a href="#_ftn29" name="_ftnref29">[29]</a> zu blicken, kann mit voller Gerechtigkeit, mit innigster Genugtuung alles würdigen, was unter dem vielen Beklagenswerten und Tränenreichen Esaus Genius doch auch als das Heil und die Erleuchtung und die Erlösung <strong>vorbereitend </strong>der Menschheit nicht minder gebracht. Denn das Wahrste und Beste — alles, was wirklich und wahrhaftig von Schuld und Elend erlösend die Menschheit aus Esaus Händen erhalten, das war ja selbst — mittelbar oder unmittelbar — aus dem reichen Blütengarten des Jakobsgeistes gepflückt, und eben nur auf diesen Paradiesesgarten des Geistes, den Jakob mit hinausgerettet aus dem Zusammensturz aller seiner übrigen Habe, und auf die Männer, die Gott der Herr zu jeder Zeit rettend in allem unserem Jammer zu treuen Gärtnern und Pflegern dieses Geistesgartens ihm „bestellt&#8220;, darauf, auf die Träger und Pfleger des jüdischen Geistes und der jüdischen Wissenschaft und des jüdischen Volkes durch den jüdischen Geist und die jüdische Wissenschaft mitten in allem Galuth die Esaus Herrschaft dem Volk und seinem Geist bereitete, auf sie hätte Jakob nur ruhig und ernstlächelnd mit der Frage hinzuweisen: wo der Geist und die Wissenschaft solche Triumphe wie nirgends sonst auf Erden feiern konnte, da willst du den Kreis einen verworfenen, und das Volk ein von Gott verfluchtes nennen, da willst du es verkennen, dass mitten durch deine Nacht die Bundeslade der Gotteslehre mit ihnen gewandert und mit der Bundeslade die Gottesherrlichkeit und die Gottesgnade, und der Gottessegen und der Gottesgeist, der auf den Höhe-Gipfeln seiner Geschlechter geleuchtet und noch den letzten seiner Söhne belebend und beseligend durchdrungen — wo Gott Seinen Geist und die Wissenschaft Seines Wortes eine solche Blüte und ein solches Leben <strong>wie nirgends sonst auf Erden</strong> finden ließ, da — willst du lästernd sprechen — habe er längst seinen alten Bund aufgehoben?!</p>
<p style="text-align: justify;">Wie nirgends sonst auf Erden? Ja wohl, wie <strong>nirgends sonst auf Erden!</strong> Siehe, nicht etwa die Geistesheroen der ältesten Zeiten Israels, siehe nur <a href="#_ftn30" name="_ftnref30"><sup>[30]</sup></a> <strong>שֶׁל בֵּית רַבִּי וְחַכְמֵי הַדּוֹרוֹת</strong>, seit Rabbi<a href="#_ftn31" name="_ftnref31"><sup>[31]</sup></a>, dem Freunde des Antoninen, in welchem zum ersten und vielleicht für lange Zeit zum letzten Male Esaus Genius dem Jakobsgeiste Verständnis und Achtung gezeigt, alle Zeiten hindurch, die immer dunkler und dunkler wurden, die ununterbrochene Reihe der Weisen Israels, siehe was sie gewesen und was sie gewirkt, und dann suche dir eine Parallele zu ihrem Sein und Wirken, suche wo du willst auf Erden nach einem Volkeskreis, in welchem der Geist und der Gedanke und die Wissenschaft nicht die bewegende Seele einzelner Denker, wo sie ganz eigentlich die Lebensseele eines <strong>ganzen Volkes</strong> geworden, wo die Gedankenrichtung eines ganzen Volkes an dem Ausbau <strong>einer Wissenschaft</strong> mit ununterbrochener Begeisterung anderthalb Jahrtausende gearbeitet, wo die Wissenschaft, wo irgend eine Wissenschaft, die Wissenschaft irgend eines menschlichen Gedankenzweiges den Triumph gefeiert, nicht die erheiternde Freundin nächtlich zurückgezogener Denker, die freundliche Trösterin des Philosophen im Kerker, nein, der Trost und der Reichtum, die Begeisterung und die Kraft eines ganzen Volkes zu werden, und sich in der Gestaltung eines ganzen Volkslebens in allen Phasen des Lebens und des Todes, des Geistes und Gemütes der Familie und der Gesellschaft mit einer Kraft, einer Erziehungsstärke, einer Begeisterungsfrische und einem Bildungserfolg also zu bewähren, wie dies die Wissenschaft der Thora getan, für welche die  <strong>חַכְמֵי יִשְׂרָאֵל</strong> seit Rabbi alle Galuthgeschlechter hindurch gelebt und gewirkt?</p>
<p style="text-align: justify;">Fast gleichzeitig haben Jakob und Esau — äußerlich — an dem gleichen Werk gearbeitet. Fast in denselben Jahrhunderten, in welchen das römische Kaiserhaus an Kodifizierung des römischen Rechts und am Ausbau der römischen Kirche arbeitete und damit die beiden Faktoren schuf, die bis in unsere Tage hinein die Gestaltung der zivilisierten und zivilisierenden Welt beherrschten, hat <strong>שֶׁל בֵּית רַבִּי</strong>, hat das Haus Rabbis und die sein Werk fortsetzende Reihe <strong>חַכְמֵי הַדּוֹרוֹת</strong> an Kodifizierung und Entwicklung des Gottes-Rechts und der Gottes-„Kirche“ gearbeitet und damit die einheitliche Lebensgestaltung des zerstreuten Judas inmitten der römischen Welt auf dem Boden des Gotteswortes gerettet. Jenes das Menschenwerk, Esau würdig von der Gewalt des „Schwerts“ und der „Macht“ getragen. Dieses, das Gotteswerk, schwertlos, machtlos, ja alle Schwerter feindlich gegen es gezückt und alle Mächte gewaltig es bekämpfend, nur in dem Geiste und dem Leben eines Volkes gerettet, und dieser Geist mitten in der Nacht hell aufleuchtend, und dieses Leben mitten unter den Gräbern ringsum aufblühend. Das ist die Geschichte des Ringkampfes Jakobs und Esaus während des Galuth der römischen Nacht. Es kommt die Zeit, wo die Menschen einsehen, was ihnen das glorifizierte, von den Gewalten der Jahrhunderte überlieferte Menschenwerk gewesen und geworden. Das ist die Zeit, von welcher der Prophet verkündet, dass von aller Erden Ende zu <strong>Gott</strong> die Völker kommen werden und sprechen: <a href="#_ftn32" name="_ftnref32"><sup>[32]</sup></a> <strong>אַךְ־שֶׁ֙קֶר֙ נָחֲל֣וּ אֲבוֹתֵ֔ינוּ  הֶ֖בֶל וְאֵֽין־בָּ֥ם מוֹעִֽיל</strong> „ist doch Täuschung, was unseren Vätern überliefert, Tand, worin nichts Heilbringendes ist&#8220;. Das ist aber auch die Zeit, in welcher sie inne werden, wie eben nur das aus den Überlieferungen ihrer Väter sich wahrhaft erlösend und heilbringend an ihnen erwiesen, was sie als Blütenstaub von dem von Jakob still und duldend gepflegten Lebensbaum ihnen gebracht, und wofür die „Überlieferungen ihrer Väter“ nur das zeitliche hinfällige Gefäß gebildet, und dann schauen sie hinüber in das Lager Jakobs, sehen dort die Früchte, die dieser von dem „Haus Rabbis und den Weisen der Geschlechter“ gepflegte Baum unter allen Erschütterungen der Jahrhunderten, Volk erleuchtend, Volk veredelnd, Volk beglückend und beseligend getragen, und was sie dort sehen, — was sie freilich bereits Jahrhunderte herab <strong>gesehen</strong> nun aber erst <strong>begreifen</strong> und <strong>würdigen</strong>, — das hebt „den Gottesberg über alle Berge, das macht ihn getragen von allen sich ihm unterordnenden Hügeln und ihm strömen alle Völker dann zu. Zum Gottesberge wallen sie, zum Hause des Gottes Jakobs, dass es sie lehre von <strong>seinen</strong> Wegen, dass auch sie in <strong>seinen</strong> Pfaden wandeln&#8220; und endlich, endlich ein Recht und eine Lehre lernen, die das Schwert und den Speer überwinden, und den Frieden auf Erden gründen lehren, das Recht und die Lehre, für welche <strong>שֶׁל בֵּית רַבִּי וְחַכְמֵי הַדּוֹרוֹת</strong> , alle Zeiten der Galuth hindurch gelebt und gewirkt. Dann wird man rückschauend erst recht begreifen wie: <strong>וְאַף־גַּם־זֹ֠את</strong><strong> בִּֽהְיוֹתָ֞ם בְּאֶ֣רֶץ אֹֽיְבֵיהֶ֗ם לֹֽא־מְאַסְתִּ֤ים וְלֹֽא־גְעַלְתִּים֙ לְכַלֹּתָ֔ם לְהָפֵ֥ר בְּרִיתִ֖י אִתָּ֑ם כִּ֛י אֲנִ֥י יְהֹוָ֖ה אֱלֹהֵיהֶֽם!</strong></p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Wird oft mit Baraita übersetzt. Wikipedia: Baraita (aramäisch <strong>ברייתא</strong> ‚etwas, das außerhalb ist‘; pl. Baraitot) bezeichnet eine Lehrmeinung aus tannaitischer Zeit, die jedoch keinen Eingang in die Mischna gefunden hat.</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Leviticus 26:24</p>
<p><a href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> Ester 3:8; “ein Volk, zerstreut und versprengt unter die Völker,“ (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>
<p><a href="#_ftnref4" name="_ftn4">[4]</a> Ester 3:8; „deren Gesetze unterschieden sind von denen der anderen Völker“ (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>
<p><a href="#_ftnref5" name="_ftn5">[5]</a> Ester 3:8; „das Gesetz des Königs halten sie nicht“ (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>
<p><a href="#_ftnref6" name="_ftn6">[6]</a> Ester 3:8; „und dem König bringt es nichts ein, wenn er sie läßt“ (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>
<p><a href="#_ftnref7" name="_ftn7">[7]</a> Ester 3:9</p>
<p><a href="#_ftnref8" name="_ftn8">[8]</a> Leviticus 26:44</p>
<p><a href="#_ftnref9" name="_ftn9">[9]</a> „Seine Zwingherren prahlen, spricht der Herr“ (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>
<p><a href="#_ftnref10" name="_ftn10">[10]</a> Altes Buchformat</p>
<p><a href="#_ftnref11" name="_ftn11">[11]</a> Jesaja 41:4; „die Geschlechter berufend von Anbeginn “(Übersetzung Rabbiner Julius Hirsch)</p>
<p><a href="#_ftnref12" name="_ftn12">[12]</a> Bartenura zu Pirke Avot 1:1</p>
<p><a href="#_ftnref13" name="_ftn13">[13]</a> Numeri 23:21; „Der Herr, sein Gott, ist bei ihm und Trompetenschall des Königs unter ihm.“(Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>
<p><a href="#_ftnref14" name="_ftn14">[14]</a> Jeremiah 6:30</p>
<p><a href="#_ftnref15" name="_ftn15">[15]</a> Daniel 1:3; „… von den Kindern Israel, von dem Königshause und von den Edlen.“ (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>
<p><a href="#_ftnref16" name="_ftn16">[16]</a> Universität Wien: Die Bezeichnung Alumne (alumnus) leitet sich vom lateinischen Wort alere her, das „ernähren“ oder „erziehen“ bedeutet. Dementsprechend wurden Schüler oder sonstige Zöglinge als Alumnen bezeichnet. Im engeren Sinn wurde das Wort für Bezieher eines Stipendiums verwendet, die dadurch auch ernährt wurden.</p>
<p><a href="#_ftnref17" name="_ftn17">[17]</a> Psalm 137:5 „Wenn ich je deiner vergesse Jerusalem“</p>
<p><a href="#_ftnref18" name="_ftn18">[18]</a> Megilla 12a</p>
<p><a href="#_ftnref19" name="_ftn19">[19]</a> Ester 3:8;</p>
<p><a href="#_ftnref20" name="_ftn20">[20]</a> Megilla 11a</p>
<p><a href="#_ftnref21" name="_ftn21">[21]</a> Megilla 12b</p>
<p><a href="#_ftnref22" name="_ftn22">[22]</a> Megilla 12a; „Sie taten es nur zum Scheine“ (Übersetzung L. Goldschmidt)</p>
<p><a href="#_ftnref23" name="_ftn23">[23]</a> Ester 8:16</p>
<p><a href="#_ftnref24" name="_ftn24">[24]</a> Wikipedia: Der Indus  ist mit 3180 km der längste Fluss auf dem indischen Subkontinent und wichtigster Strom Pakistans.</p>
<p><a href="#_ftnref25" name="_ftn25">[25]</a> Über diese Person gibt es verschiedene Meinungen. Hirsch, Grätz, Josephus beziehen diesen Namen auf Simon I. (etwa 310-291 v. Chr.), während andere ihn als Simon II. (etwa 219-199 v. Chr.) identifizieren.</p>
<p><a href="#_ftnref26" name="_ftn26">[26]</a> Megillat Ta´anit, Kislev</p>
<p><a href="#_ftnref27" name="_ftn27">[27]</a> Leviticus 26:44; „Auch dann <em>(und gleichwohl)</em>, wenn sie im Lande ihrer Feinde sind, habe ich sie nicht so verworfen und nicht so verstoßen, dass ich sie völlig aufriebe und meinen Bund mit ihnen bräche…“ (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>
<p><a href="#_ftnref28" name="_ftn28">[28]</a> Megilla 12a</p>
<p><a href="#_ftnref29" name="_ftn29">[29]</a> Neid, Missgunst</p>
<p><a href="#_ftnref30" name="_ftn30">[30]</a> Megillah 11a</p>
<p><a href="#_ftnref31" name="_ftn31">[31]</a> Wikipedia: J&#8217;hudåh ha-Nassï (hebräisch יהודה הנשיא), J&#8217;hudåh I. oder Rabbenu ha Qadosch (רבנו הקדוש, „unser heiliger Rabbi“), im Talmud meist nur Rabbi genannt (geb. ca. 135; gest. 15. Kislew 217 in Sepphoris), war ein wichtiger Patriarch und jüdischer Gelehrter des Altertums. Sein großes Verdienst ist die abschließende Redaktion der Mischna. Er schließt damit das Zeitalter der Tannaiten ab.</p>
<p>Nach dem Tod seines Vaters zog Jehuda nach Bet Sche’arim, wo er eine Synagoge und eine Schule leitete. Dank guter Verhältnisse zur römischen Administration wurde er um 190 zum Nasi bestimmt. Sein gutes Verhältnis zu Rom wird auch durch die Legenden (Antoninus und Rabbi) über seine Beziehungen zum römischen Kaiser gestützt, vermutlich Caracalla.</p>
<p><a href="#_ftnref32" name="_ftn32">[32]</a> Jeremia 16:19; „Nur Lüge haben unsere Väter ererbt, Nichtiges, nichts Förderndes ist daran.“ (Übersetzung Rabbiner Dr. Joseph Breuer)</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/adar-5785/">Adar 5785</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Schwat 5785</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/schwat-5785/</link>
					<comments>https://hirschinitiative.de/schwat-5785/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jan 2025 10:47:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Monatsblatt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hirschinitiative.de/?p=4988</guid>

					<description><![CDATA[<p>Normalerweise fällt Paraschat Schekalim auf einen Schabbat im Monat Schwat. In diesem Jahr fällt Parascha Schekalim auf Schabbat Rosch Chodesch Adar. Aber nur am Anfang und am Ende dieses Artikels nimmt Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l auf diesen Schabbat Bezug. Der ganze Artikel dreht sich um die Frage: „Warum in unserer Zeit so wenig für“ [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/schwat-5785/">Schwat 5785</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-small-font-size">Normalerweise fällt Paraschat Schekalim auf einen Schabbat im Monat Schwat. In diesem Jahr fällt Parascha Schekalim auf Schabbat Rosch Chodesch Adar. Aber nur am Anfang und am Ende dieses Artikels nimmt Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l auf diesen Schabbat Bezug. Der ganze Artikel dreht sich um die Frage: „Warum in unserer Zeit so wenig für“ das Lernen der „Thora geschieht,“ und „was in früherer Zeit dafür geschah“ um sodann zu fragen, „was in unserer Zeit dafür geschehen könnte.“</p>



<p class="has-small-font-size">Dieser Artikel wurde in der Zeitschrift Jeschurun, 4. Jhrg., Heft 5, im Februar 1858 veröffentlicht. Dr. Mendel Hirsch hat diesen Artikel auch in den Sammelband mit Schriften seines Vaters „Gesammelte Schriften“ Band 4 aufgenommen und die weiter unten aufgeführten Überschriften hinzugefügt.</p>



<p class="has-small-font-size">Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter:</p>



<p class="has-text-align-center"><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/titleinfo/2932855">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/titleinfo/2932855</a></p>



<p class="has-text-align-center"><strong>Warum geschieht in unserer Zeit so wenig für die Thora? Was geschah in früherer Zeit für sie? — Was könnte in unserer Zeit für sie geschehen?</strong></p>



<p class="has-text-align-right">&#8230;.<strong>כִּי תִשָּׂא אֶת רֹאשׁ בְּנֵי יִשְׂרָאֵל</strong></p>



<p class="has-text-align-right">      &#8230;.<strong>וְנָתְנוּ אִישׁ</strong></p>



<p>                                                                                          Willst du das Haupt der Söhne Israels erheben….</p>



<p>                                                                                         So gebe jeder &#8230;. <a href="#_ftn1" id="_ftnref1"><sup>[1]</sup></a></p>



<p>Der Ausdruck „das Haupt erheben“, <strong>נֹשֵׂא רֹאשׁ</strong>, mit welchem das göttliche Wort das Häupterzählen in Israel bezeichnet, behielt im Mund unserer Weisen einen Anklang der ursprünglichen Bedeutung des Haupterhebens; sie meinen, diese Zählung ward Israels Haupterhebung. Wer also in Israel mitgezählt wird, darf sein Haupt erheben und mitgezählt wird in Israel nur, wer gibt, nicht wer hat und besitzt, — und zu geben und zu spenden, tätig mitzuwirken, auf dass das Heiligtum begründet und erhalten, gepflegt und benützt werde, dazu ist jeder in Israel berufen, jeder mit der verliehenen Kraft, mit den verliehenen Mitteln, und wenn jeder nach der verliehenen Kraft, nach den verliehenen Mitteln, der Reiche und Reichbegabte mit seines Hauses und seines Geistes Reichtum, der Arme und Minderbedachte mit seiner geringen Habe und in seiner Beschränktheit, wenn sie so jeder das Seinige getan, dann haben sie alle gleich gewirkt, dann wiegen sie alle gleich auf der heiligen Gotteswaage, dann hat jeder freilich nur einen Teil, nur einen halben Schekel zum großen, heiligen Werk gespendet, aber der Teil ist voll, wiegt voll auf der Waage des Heiligtums, ist das volle Maß der dem Einzelnen verliehenen Kraft, und in dieser Spende, in dieser vollen Dahingebung seiner besten Kraft an Gottes heilige Sache findet jeder die „Sühne für seine Person&#8220; und das „unsterbliche Angedenken vor seinem Gott“ — da haben wir wieder die Aufforderung und Mahnung, die an uns Jahr für Jahr im Schewat vor dem Anfang des Adars ergeht und die wir in ihren verschiedenen, das jüdische Bewusstsein so recht eigentlich weckenden Beziehungen bereits in früheren Jahrgängen<a href="#_ftn2" id="_ftnref2"><sup>[2]</sup></a> betrachtet.</p>



<p>Wenn es aber eine Aufforderung gibt, die in Israel nie ganz überhört wurde, so ist es die, und wenn es ein Bewusstsein gibt, das Israel dreist sein Haupt erheben lässt, so ist es eben das Bewusstsein, in der allgemeinen Erfüllung <strong>dieser</strong> Anforderungen nicht ganz und gar zu kurz geblieben zu sein. Seit Israels Männer und Frauen zuerst ihr Gold und Silber, ihr Kupfer und ihre Wolle, ihr Holz und ihre Edelsteine in der Wüste zum ersten Bau des Heiligtums mit so wetteifernder Freigiebigkeit herbeigebracht, dass in zwei Tagen alles Erforderliche zum Werk in Übermaß vorhanden war und der weiteren Spende Einhalt getan werden musste, seitdem hat Israel nie aufgehört, für sein Heiligtum zu spenden. Zu geben, zu spenden, wohlzutun. Um Gottes Willen gute Werke stiften, das ward dem Juden zur zweiten Natur und darin hat sich Israel niemals verleugnet. <a href="#_ftn3" id="_ftnref3"><sup>[3]</sup></a> <strong>אַלּוּפֵינוּ מְסֻבָּלִים</strong> Israels Adel, Israels Große waren zu allen Zeiten die, die am meisten „trugen“ die am meisten die Lasten des Heiligtums und die Bürden des Allgemeinen auf ihre Schultern nahmen. Das: <a href="#_ftn4" id="_ftnref4"><sup>[4]</sup></a> „<strong>וְיוֹדֻךָ כִּי תֵיטִיב לָךְ</strong>, man wird dir huldigen, weil <strong>du dir</strong> gütlich tust“, ward von jeher in Israel mit Verachtung gegeißelt, und bis zum Ärmsten hinab sagte sich jeder:</p>



<p class="has-text-align-right"><strong>אָח לֹא פָדֹה יִפְדֶּה אִישׁ</strong><strong></strong></p>



<p class="has-text-align-right"><strong>לֹא יִתֵּן לֵאלֹקִים כָּפְרוֹ</strong></p>



<p class="has-text-align-right"><strong>וְיֵקַר פִּדְיוֹן נַפְשָׁם</strong></p>



<p class="has-text-align-right"><strong>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; וְחָדַל לְעוֹלָם<a href="#_ftn5" id="_ftnref5"><sup><strong><sup>[5]</sup></strong></sup></a></strong></p>



<p>                Wer der Bruder nicht erlösen mag,<br>                Der will Gott das eigene Lösegeld nicht geben<br>                Denen ist die Erlösung der eigenen Seele zu teuer<br>                Und der fällt der Vergänglichkeit anheim in Ewigkeit</p>



<p>Nicht durch Erwerb und Besitz, <a href="#_ftn6" id="_ftnref6"><sup>[6]</sup></a> <strong>וְנָתְנוּ אִישׁ כֹּפֶר נַפְשׁוֹ לַה&#8216;</strong>, im Geben und Spenden zahlt jeder Gott das Lösegeld der eigenen Seele. Gott gibt, wer dem Armen gibt, <a href="#_ftn7" id="_ftnref7"><sup>[7]</sup></a> <strong>מ</strong><strong>ַ</strong><strong>לְוֵה ה&#8216; חֹנֵן דַּל</strong>, sich gibt, wer andern gibt, und erst im Spenden wird das Erworbene recht eigen, das ward die Grundgesinnung der jüdischen Wohltätigkeit und hat die Juden zu dem Volk der Menschenfreundlichkeit und des Wohltuns gemacht, das bis auf den heutigen Tag auf diesem Feld der Humanität allen Völkern glänzend voranleuchtet.</p>



<p>Wahrlich auch unsere Zeit steht hierin unserer ganzen Vergangenheit nicht nach. Sie darf „ihr Haupt erheben“ und freudigen Bewusstseins auf die Ernte hinweisen, die unablässig der Genius der Menschenliebe, der Wohltätigkeit und der guten Werke in ihrer Mitte hält. Die Berichte, die von Zeit zu Zeit öffentliche Blätter über Akte der Wohltätigkeit, Stiftungen und sonstige gute Werke aus den Gemeinden der verschiedensten Gegenden bringen, zeigen, wie rege dieser Geist noch in Israel und wahrlich ist hier der Punkt, in welchem „sich Jakob seiner Kinder nicht zu schämen braucht“.</p>



<p>Eine Seite des spendenden Wirkens für Gottes Heiligtum ist es jedoch, die in unserer Mitte fast leer ausgeht, und für welche, eben weil sie vernachlässigt zu sein scheint, wir uns ein Wort erlauben möchten. Wo es gilt, der leidenden Menschheit beizuspringen, den von Krankheit oder Missgeschick Niedergebeugten aufzuhelfen, ebenso wo es den öffentlichen Gottesdienst zu verherrlichen gilt, Synagogen zu bauen, zu restaurieren, Chöre einzurichten und zu besolden usw. dafür finden sich auch heute noch offene Herzen und Hände. Aboda und Gmiluth Chaßadim<a href="#_ftn8" id="_ftnref8"><sup>[8]</sup></a>, diese <strong>zweite</strong> und <strong>dritte </strong>Aufgabe des jüdischen Zusammenwirkens haben sich in unseren Gemeinden nicht zu beklagen. Aber gerade die mit Recht in <strong>erster</strong> Linie gestellte Aufgabe, das Zusammenwirken für Thora, für die Pflanzung, Pflege und Verbreitung der Kenntnis des jüdischen Gottesgesetzes sehen wir fast leer ausgehen. Und doch war eben diese Aufgabe in früherer Zeit diejenige, die vor allem die Sorge des Allgemeinen und die Hingebung des Einzelnen in Anspruch nahm, und doch ist diese Aufgabe diejenige, durch deren Lösung erst auch in der Gegenwart alles sonst Geleistete seinen rechten Wert, seinen wahren Geist und Boden gewinnen kann und deren Lösung auch in der Gegenwart die Erfüllung aller guten Hoffnungen für die Zukunft bedingt.</p>



<p>Wir wollen hier nicht den hohen Wert des Thorastudiums des „Lernens&#8220;, wie es die herkömmliche Ausdrucksweise nennt, des Näheren nachweisen. Wir haben schon oft zu besprechen Gelegenheit gehabt, in welch hohem Grad alles geistige und sittliche Gedeihen des jüdischen Einzel- und Gesamtlebens von der größeren oder geringeren Pflege abhängt, die das Thoralernen in unserer Mitte findet; fühlt ja ohnehin jeder Jude, dass das „Lernen“ die Seele aller Verwirklichung des Judentums sei.</p>



<p>Wir wollen vielmehr uns nur klarzumachen suchen, warum in unserer Zeit so wenig für die Thora geschieht, wollen uns vergegenwärtigen, was in früherer Zeit dafür geschah und uns sodann fragen, was in unserer Zeit dafür geschehen könnte.</p>



<p>Fragen wir, warum in unserer Zeit so wenig für die Thora geschieht, warum eine Aufforderung zu einem gemeinsamen Zusammenwirken für jeden andern Zweck auf eine willfährigere und erfolgreichere Beachtung rechnen kann als die Aufforderung zu irgendeinem Werk für die Pflege und Förderung der Thora, so müssen wir, scheint uns, unsere Zeit zuerst entschuldigen. <strong>Ein allgemeines Zusammenwirken für diesen Zweck ist in unserer Zeit nicht möglich</strong>. Als vor mehreren Jahren die Aufforderung zur Gründung einer <strong>allgemeinen </strong>jüdisch-theologischen Fakultät<a href="#_ftn9" id="_ftnref9"><sup>[9]</sup></a> durch alle Zeitorgane ging, da sahen wir von vornherein in diesem sicherlich gutgemeinten Projekt ein totgeborenes Vorhaben. Wo über Wert und Bedeutung des mosaischen und rabbinischen Schrifttums der Thora die Richtungen so weit wie gegenwärtig auseinanderklaffen, da ist ein allgemeines Zusammenwirken für solchen Zweck durchaus unmöglich. Wer es aufrichtig mit seiner „Richtung“ meint, kann hier der gegenüberstehenden, ohne seinen heiligsten Überzeugungen untreu zu werden, nicht die Hände reichen. Ein allgemeines jüdisch-theologisches Institut, das den beiden entgegenstehenden Richtungen der Zeit<a href="#_ftn10" id="_ftnref10"><sup>[10]</sup></a> zugleich genüge, ist ein Unding. Nur die gedankenloseste Gleichgültigkeit in beiden Lagern kann sich daran beteiligen. Man sehe doch nur die jüdische Literatur der Neuzeit und frage sich, ob die dort zum Teil von Rabbinern und Seminarlehrern vertretenen Ansichten auch nur halbwegs der Möglichkeit Raum geben, in einem und demselben Institut gelehrt zu werden, in welchem das jüdische Gottesgesetz als Gottesgesetz im Sinne des mosaisch-rabbinischen Judentums gelehrt werden soll, wie es seit Jahrhunderten begriffen worden und noch von allen denen begriffen wird, die derjenigen Richtung mit Aufrichtigkeit anhangen, welche die Gegenwart mit dem Parteinamen Orthodoxie zu kennzeichnen pflegt! Wenn uns ein Seminarlehrer belehrt, was uns als göttliche Überlieferung vom Sinai dastehe, sei nichts als eine aus politischen und hierarchischen Parteikämpfen hervorgegangene Ausgeburt der Zeit, und Entscheidungen, Lehren und Anordnungen der größten Meister und Tribunale unserer Lehre hätten nur subjektive Temperaments- und Interessensympathien und Antipathien zur Grundlage; wenn ein Rabbiner uns versichert, das<strong>וְהָגִיתָ בּוֹ יוֹם וָלַיְלָה<a href="#_ftn11" id="_ftnref11"><sup><strong><sup>[11]</sup></strong></sup></a> </strong>&nbsp;weise notwendig darauf hin, dass die Abfassung des Buches Josua nicht früher als zur Zeit des zweiten Tempels anzunehmen sei, oder doch mindestens diese Stelle eine so späte Interpolation sein müsse, da zu Moses und Josuas Zeiten ja die Lehre noch gar nicht einen so bedeutenden gesetzlichen Inhalt gehabt hätte, dass man sich mit ihr tags und nachts beschäftigen konnte; — oder wenn ein anderer Rabbiner in einem allerneuesten Erzeugnis den Text der heiligen Schriften überhaupt erst durch die verschiedenen <strong>allmählichen </strong>Entwickelungen des Judentums modifiziert hervorgehen lässt und beispielsweise überall, wo der heilige Gott <strong>עֶלְיוֹן</strong> genannt wird, folglich also auch 1. B. M. K. 14. ein Erzeugnis oder eine Interpolation aus den Zeiten des zweiten Tempels wittert, weil — ja die Hohenpriester des zweiten Tempels <a href="#_ftn12" id="_ftnref12"><sup>[12]</sup></a> <strong>כֹּהֵן לָא&#8216; עֶלְיוֹן</strong> in den öffentlichen Urkunden genannt wurden; — wenn er den Bau seiner kritischen Forschungen auf den Fels jenes unerschütterlichen historischen Faktums von dem freilich leider bis 1857 kein Sterblicher etwas geahnt aufführt, dass bei der Rückkehr aus Babel die Hegemonie in den Händen der von Zadok abstammenden Priesterfamilie war, die sich daher die „Zadokiter“ nannten, welches die Puppe des künftigen Zadducäer-Nachtfalters waren, die aber auch „Zadikim“ genannt worden sind, das bei Leibe nicht jenen herrlichen allgemeinen Begriff der Gerechten bedeutet, und nach der Lehre unserer alten Weisen alle Herrlichkeit und allen Segen ausdrücklich selbst weit über die jüdische Nationalität hinaus zum Anteil aller gerechten Menschen macht — <strong>כֹּהֲנִים לְוִיִּים וְיִשְׂרְאֵלִים לֹא נֶאֱמַר אֶלָּא צַדִּיקִים</strong> — sondern nach der Gelehrsamkeit dieses jüngsten Weisen zum beschränktesten Parteinamen einer Hierarchenzunft zusammenschrumpft und von dieser dazu ihrer Verherrlichung eingeschmuggelt ist, wo wir Ärmsten bis jetzt immer an die Gerechten in weitester Ausdehnung gedacht, — der, wie er uns die Zadikim in Saducäer, so auch Nediwim in Tyrannen, und Chaßidim in „gnädige Herren“ umwandelt und als Belege unter anderem auf Jesaias K. 57, V. 1. hinweist, wo angeblich die inzwischen entartete Zadokiten-Aristokratie von den Patrioten, den Propheten, mit Spott gegeißelt wird, wo mit edler Entrüstung, meint er, der Prophet die Volksführer schmäht, und der Herrschername des Zaddik dem Dichter zum grausamen Spott wird:</p>



<p><kbd>               </kbd>Der „Gerechte“ geht zu Grunde, und keiner nimmt&#8217;s zu Herzen,<br>                                        Die „gnäd&#8217;gen Herren“ schwinden hin, und keiner merkt,<br>                                        Dass ob der Bosheit schwindet der „Gerechte“! <a href="#_ftn13" id="_ftnref13">[13]</a></p>



<p>— — — wenn uns so diese soi disant<a href="#_ftn14" id="_ftnref14"><sup>[14]</sup></a> historisch-kritische Schule, die sich eine Historie zusammenträumt und danach das Judentum kritisiert, wenn sie uns so Bibel und Tradition in ihr gerades Gegenteil umwandelt und mit Texten und Quellen wie mit Seifenblasen spielt, können da mit dieser „Schule“ diejenigen sich zu einem gemeinschaftlichen Wirken für „Thora“ vereinigen, denen diese Thora, denen Bibel und Tradition nicht bloß Gegenstand gelehrter Forschung, denen sie noch das lebendige Gottesgesetz für ihre lebendigste Gegenwart ist, denen mit all diesem kritischen Spielwerk nicht bloß eine alte Hypothese zertrümmert und eine neue Hypothese gebaut, denen mit jeder Konjektur <strong>pro</strong> und <strong>contra</strong> Text und Quelle eines <strong>Gesetzes</strong> erschüttert wird, für dessen göttliche Echtheit sie noch in jedem Augenblick die lebendigste Gegenwart mit allen ihren Interessen einzusetzen haben? Für Zwecke der Humanität, für Werke der Zedaka und Gemiluth Cheßed<a href="#_ftn15" id="_ftnref15"><sup>[15]</sup></a> können sich noch heutzutage Juden aller Farbe, wie man spricht, die Hände reichen. Vorausgesetzt, dass die eine Richtung nicht so fanatisch ist, zu fordern, dass selbst die Anstalten der Armen-, Kranken-, Waisenpflege usw. den Stempel der Reform tragen und in ihren Einrichtungen und Wirksamkeiten das Gesetz verletzen müssen. Vorausgesetzt, dass sie sich noch nicht in ihrem Gewissen verletzt fühlt, wenn in den von ihr mitbegründeten Anstalten der Sabbath noch gehalten und die Speisegesetze noch beachtet werden. Wo aber der Thora, dem Studium des jüdischen Gesetzes, Pflege und Förderung werden soll, da ist heutzutage ein allgemeines Zusammenwirken unmöglich.</p>



<p>Umso mehr jedoch, sollten wir meinen, müsste eine jede Richtung für sich, müsste vor allem die sogenannte orthodoxe Richtung für die Pflege der Thora in ihrem Geiste und nach ihren Grundsätzen alle ihre Kräfte vereinigen. Ihr, dieser orthodoxen Richtung, steht die Thora noch in ihrem ganzen alten, heiligen Ernste da, sie muss es doch fühlen, dass nur durch eine möglichst gründliche und möglichst verbreitete Thorakenntnis sie das göttliche Gesetz zur lebendigen Wahrheit in ihrer Mitte und zum Sieg über ihre Gegner bringen könne. Dass sie nichts, dass sie im Vergleich zur Aufgabe so wenig für die Pflanzung und Pflege der Thora in ihrem Kreise tut, ist wohl sicherlich der schwerste Vorwurf, der sie in unseren verantwortungsschweren Tagen trifft.</p>



<p>Wohl hören wir auch hier Entschuldigungen. Die zum Teil eitle, zum Teil destruktive Richtung, die alles das genommen, was sich heutzutage unter dem Namen „jüdischer Wissenschaft“<a href="#_ftn16" id="_ftnref16"><sup>[16]</sup></a> geriert, schreckt zurück! Sollen wir Anstalten gründen, aus denen vielleicht ein N. oder ein N. hervorgehen wird<a href="#_ftn17" id="_ftnref17"><sup>[17]</sup></a>? Sollen wir junge Leute im Studium der „jüdischen Theologie“ unterstützen, die vielleicht auf Abwege geraten und die Kenntnisse, die sie sich durch unsere Mitwirkung erworben, sodann zur Verbreitung von Irrlehren und zur Untergrabung des göttlichen Heiligtums benutzen werden? Wir glauben, dass, wenn selbst diese und ähnliche Befürchtung unvermeidlich, gleichwohl nichts in der Welt uns von der Erfüllung dessen zurückhalten dürfte, was uns als klar ausgesprochene Pflicht, und zwar als die erste Pflicht unter allen unseren Pflichten dasteht: <a href="#_ftn18" id="_ftnref18"><sup>[18]</sup></a> <strong>תַּלְמוּד תּוֹרָה כְּנֶגֶד כֻּלָּם</strong>.</p>



<p>Wir glauben, dass, wenn irgendwo, hier dasselbe gilt, was unsere Weisen als Ausspruch Jesaias an Hiskija berichtet: <a href="#_ftn19" id="_ftnref19"><sup>[19]</sup></a><strong>בַּהֲדֵי כַּבְשֵׁי דְרַחֲמָנָא לְמָה לָךְ? מַאי דְּמִפַּקְּדַתְּ אִיבְּעִי לָךְ לְמֶעְבַּד, וּמָה דְנִיחָא קַמֵּיהּ קוּדְשָׁא בְּרִיךְ הוּא — לַעֲבֵיד</strong><strong>.</strong> „Was hast du Gottes verhüllten Bestimmungen vorzugreifen? Was dir geboten ist, müsstest du erfüllen und was Gott gefällt, mag er vollbringen.“</p>



<p>Wir glauben, dass da, wo ohnehin die ganze Strömung der Zeit der Unkenntnis und dem Abfall in die Hände eilt, zehn Jünglinge, die einmal als Männer vielleicht die erworbene Kenntnis auf der Seite des Abfalls missbrauchen, und für die allerdings erwünschter gewesen wäre, sie hätten nie in Bibel und Talmud geblickt, nicht halb soviel wiegen, als <strong>ein </strong>Jüngling aus dieser Strömung gerettet, als <strong>ein</strong> Jüngling durch gründliche Kenntnis zum Bewusstsein der Wahrheit und zur tat- und opferfreudigen Begeisterung für dieselbe gebracht.</p>



<p>Wir glauben, dass, wenn selbst bei einer tüchtigen und möglichst verbreiteten Pflege der Thorakenntnis die Befürchtung eines immer wachsenden Abfalls nicht ganz beseitigt werden kann, diese Gefahr doppelt und dreifach droht, wenn durch noch fernere Vernachlässigung der Thora die Unwissenheit noch im Zunehmen gelassen und damit der Verführung und Täuschung ein immer freieres Feld geöffnet wird. Wird ja bald im Volk keiner mehr sein, der den Spiegelfechtereien eitler und oberflächlicher Gelehrten auf den Grund zu schauen vermag und wird ja bald alles geglaubt, was die Propaganda des Abfalls von ihrem kritischen Dreifuß herab unter Zujauchzen unwissender Zunftgenossen als neuentdeckte „historische“ Wahrheit verkündet. Wir sagen mit R. Akiba:</p>



<p class="has-text-align-right"> <a href="#_ftn20" id="_ftnref20"><sup>[20]</sup></a><strong>וּמָה בִּמְקוֹם חִיּוּתֵנוּ, אָנוּ מִתְיָרְאִין, בִּמְקוֹם מִיתָתֵנוּ — עַל אַחַת כַּמָּה וְכַמָּה. אַף אֲנַחְנוּ עַכְשָׁיו שֶׁאָנוּ יוֹשְׁבִים וְעוֹסְקִים בַּתּוֹרָה, שֶׁכָּתוּב בָּהּ: ״כִּי הוּא    חַיֶּיךָ וְאֹרֶךְ יָמֶיךָ״, כָּךְ, אִם אָנוּ הוֹלְכִים וּמְבַטְּלִים מִמֶּנָּה — עַל אַחַת כַּמָּה וְכַמָּה</strong></p>



<p>Wir glauben, dass, wenn jene Befürchtungen wahr sind — und wer kann es leugnen — ihre Beseitigung selber ein Gegenstand unserer ernsten Sorge für die Pflege der Thorakenntnis sein müsste. Denn nicht dadurch begegnet man der Gefahr, wenn man ängstlich die Augen zudrückt und sich und das Gefährdete dem Ungefähr überlässt, sondern nur dann schwindet die Gefahr oder wird doch um ein bedeutendes geringer, wenn man die Gefahr recht fest ins Auge fasst und alles aufbietet, sie auf ihrem eigenen Boden zu bekämpfen.</p>



<p>Wir glauben endlich, dass das Nächste, was zuerst in unserer gegenwärtigen Sachlage nottut, der Art ist, dass von jenen Befürchtungen nur erst in zweiter Linie die Rede sein könne und wenn dies eine geschehe, recht geschehe, die Pflege der Thorakenntnis wieder einen neuen und zwar einen solchen Boden in unserer Mitte gewinnen und von innen heraus ein solches Thoraleben sich bei uns entwickeln würde, dass auf Grund eines solchen Bodens und inmitten eines solchen Lebens jene Befürchtungen von selbst auf mehr als die Hälfte zusammen schwänden.</p>



<p>Sehen wir jedoch zuerst, was in früherer Zeit für die Pflege der Thora geschah.</p>



<p>Nicht gerade eben vielen künstlichen Veranstaltungen begegnen wir in früherer Zeit für die Pflege der Thora. Eigentlich fundierte und festgeregelte Institute, wie wir sie uns heutzutage unter dem Begriff theologischer Seminarien und Akademien denken, gab es wenige, und die wenigen, die es gab, waren nicht eben die besonders hervorragenden Pflanzstätten der Lehre. Nicht auf Anstalten, auf Persönlichkeiten waren die lernbegierigen Jünglinge hingewiesen und nicht Fundationen<a href="#_ftn21" id="_ftnref21"><sup>[21]</sup></a> und Konvikte<a href="#_ftn22" id="_ftnref22"><sup>[22]</sup></a>, sondern unterstützende Vereine und Individuen schafften den Unterhalt der Lehrenden und Lernenden. Jeder „Gelehrte“, ob angestellt oder nicht, erkannte den Unterricht, die Mitteilung seines Wissens als erste Pflicht, und da die Wissenschaft der Thora, wie keine andere sonst, schon an sich auf stete, lebendige Mitteilung, auf Diskussion und Ideenaustausch angewiesen ist, so erzeugte schon ohnehin die Pflicht des unablässigen Weiterstudiums selbst für den Höchstbegabten das Bedürfnis, in steter Gemeinschaft mit Genossen oder Schülern weiter zu „lernen“; da ferner ebenso es für jeden Juden als heilige, an keinen Stand und kein Alter gebundene Pflicht erkannt wurde, sein Leben lang in der Kenntnis des göttlichen Gesetzes fortzuschreiten, somit nie aufzuhören zu lernen und selbst Geschäftsleute, wie nur immer sie konnten, sich „bestimmte Stunden“ fürs „Lernen“ reservierten, so war jeder Jude darauf hingewiesen, sich fürs „Lernen“ an irgend einen Genossen oder Lehrer anzuschließen; also dass man im großen Ganzen fast sagen konnte: die ganze jüdische Nation bestand aus Lehrern und Schülern.</p>



<p>Wie aber jeder Jude es als seine Pflicht erkannte, zu lernen und wenn er dazu befähigt war und dazu aufgefordert wurde — zu lehren, so erkannte es auch jeder als seine Pflicht, Lehrende und Lernende, die keinen anderen Unterhalt hatten, mit Existenzmitteln zu versehen, ja, es war für die möglichst vollkommene Blüte der Thorawissenschaft als notwendig und somit als höchst verdienstlich erkannt, dazu beizutragen, dass womöglich überall tüchtige Männer wären, die von anderen Beschäftigungen frei, sich ganz dem Studium des göttlichen Gesetzes lehrend und lernend hingeben konnten.</p>



<p>Insbesondere war das „Pflanzen und Pflegen“ der Thorakenntnis, das Lehren und Lernen der Thora die vorzüglichste Aufgabe der Rabbinen, es stand unter ihren amtlichen Pflichten obenan und gehörte dementsprechend die Unterhaltung einer Anzahl bei den Rabbinen lernender Schüler zu den ordentlichen Pflichten der Gemeinden; <a href="#_ftn23" id="_ftnref23"><sup>[23]</sup></a> <strong>ת&#8217;ת&#8216;</strong> bildete in allen Gemeindestatuten die erste Rubrik.</p>



<p>Am entwickelsten vielleicht — soweit unsere Kunde reicht — war dieses Verhältnis in Mähren. Dort war jede Gemeinde, je nach ihrer Größe, verpflichtet, entweder selbst einen Rabbiner zur Pflege der Thorakenntnis anzustellen und einer entsprechenden, und nach ihrer Größe normierten Anzahl von Schülern Unterhalt zu gewähren, oder, wenn sie ihrer beschränkten Mitgliederzahl nach zu klein war, selbst eine Jeschiwa<a href="#_ftn24" id="_ftnref24">[24]</a> zu unterhalten, so hatte sie der nächst größeren und zur Haltung einer solchen verpflichteten Gemeinde einen entsprechenden jährlichen Beitrag zum Unterhalt der Schüler zu zahlen. An der Spitze des Ganzen stand der Landrabbiner, der nicht nur selbst als Lehrer inmitten eines großen Schülerkreises zu wirken hatte, sondern auch die Studien des ganzen Landes leitete.</p>



<p>Alljährlich hatte der Landrabbiner zu bestimmen, mit welchem Traktat sich überall die Rabbiner und Schüler in diesem Jahr, oder Halbjahr zu beschäftigen hatten und musste er frühzeitig dafür sorgen, dass der zu lernende Traktat in hinreichender Anzahl einzelner Exemplare vorhanden war, respektive von der allgemeinen jüdischen Landeskasse angeschafft oder gedruckt wurde.</p>



<p>In größerem oder geringerem Maße wiederholten sich ähnliche Bestrebungen fast überall und waren daraus vorzüglich drei Arten von Veranstaltungen für die Pflege der Thora, außer den dem Unterricht der Jugend bestimmten Schulen, hervorgegangen: Jeschiwot, Chewrot und Bate Midrasch. Jeschiwot, wo sich erwachsene Jünglinge und junge Männer, die sich noch fast ausschließlich mit dem „Lernen“ beschäftigten, als Schüler um einen besonderen Meister versammelten. Chewrot, wo meistenteils Geschäftsleute zu bestimmten Zeiten zum gemeinschaftlichen „Lernen“ zusammen kamen, kollegialisch abwechselnd der Reihe nach vortrugen. Bate Midrasch, Lokale, die mit vollständigem Bücherapparat, nachts mit Licht, im Winter mit Heizung versehen, tags und nachts offenstanden und von jedem, ohne Unterschied und unentgeltlich, benutzt werden konnten, um dort dem Studium des göttlichen Gesetzes, dem „Lernen“, zu obliegen.</p>



<p>Alles das waren Veranstaltungen, die größtenteils von dem allgemeinsten Zusammenwirken und dem regen religiösen Interesse getragen wurden, das dem Allgemeinen für die Pflege der Thora innewohnte. Wohl gab es auch Stiftungen und Vermächtnisse in nicht geringer Zahl und von nicht geringer Bedeutung, und ein Umblick unter den noch vorhandenen zeigt, wie früher der religiöse Sinn und die Freigebigkeit für gute Werke einzelne solche Summen spenden und so bedeutende Stiftungen für die Pflege der Thora gründen ließ, wie jetzt zu <strong>solchem</strong> Zweck schwerlich durch den Aufruf an die allgemeinste Beteiligung zu erlangen sind. Allein alle diese Stiftungen und Vermächtnisse schlossen sich nur dem an, was bereits seinem Wesen nach durch das allgemeine Interesse getragen war, half dies nur leichter und besser erzielen, und vielleicht nur wenige Stiftungen und Vermächtnisse waren es, die als bedeutende Träger des Thorastudiums in einem Kreis hervorragten.</p>



<p>Was wäre nun in unserer Zeit unter unseren, inzwischen so ganz veränderten Zuständen für die Pflege der Thora zu tun? Das, was in früherer Zeit nur von untergeordneter Bedeutung und mehr eine Folge als eine Begründung weitverbreiteter Thorapflege war, die Pflege der Thora in besonderen, dafür gegründeten <strong>Anstalten</strong>, scheinen die Zustände unserer Zeit gebieterisch zu fordern. Das allgemeine Interesse ist geschwunden, das jüdische Volk trägt die Thorakunde nicht mehr; — die mit Meisterschaft zu lehren befähigten Persönlichkeiten sind spärlich gesät, noch spärlicher die, die zugleich die Zeit und ihre der Thora feindlichen Bestrebungen verstehen und die Thorajünger zur richtigen Würdigung derselben auszurüsten imstande sind, sie wollen gesucht, gesammelt, vereinigt sein; — es wollen Veranstaltungen getroffen sein, dass sich um die wenigen Meister von überallher die überall nur in geringer Anzahl vorhandenen lernbegierigen Jünglinge vereinigt sammeln können, — ja es wollen vor allem Veranstaltungen getroffen sein, dass die frühere Jugend die Elemente der Thorakunde gründlich überwinde, damit sie Lust am Gegenstand und Fähigkeit zum Fortschritt gewinne, denn, wie das rabbinische Wort lautet, „wenn keine Lämmer sind, wo sollen die Widder herkommen?“ — Alles dies spricht der Errichtung von Thora-Studien-Anstalten mit gebieterischer Notwendigkeit das Wort. Wollen wir aber warten, bis der religiöse Sinn für die Pflege der Kunde des göttlichen Gesetzes so allgemein rege sein wird, dass die notwendigen Anstalten durch eine allgemeine Beteiligung werde hergestellt werden können, dann werden wir solange gewartet haben, bis die Anstalten schon viel von ihrer Notwendigkeit verloren haben. Ist erst das Interesse für das „Lernen“ wieder in der Gesamtheit in aller Kraft erwacht, dann, ja, dann — würde das Studium des göttlichen Gesetzes wieder einen solchen Boden gewonnen haben, aus welchem sich naturwüchsig eine solche Pflege desselben entwickelte, dass besonders geregelte Anstalten dafür noch immer höchst heilsam sich erweisen, jedoch nicht mehr wie in der Gegenwart als unumgängliche Bedingung dastehen würden. So lange sollten wir daher nicht warten müssen, sollten die Errichtung der so dringend notwendigen Anstalten nicht von dem Zusammenwirken einer größeren und kleineren Gesamtheit abhängig zu machen haben. Hoffen wir, dass es noch einzelne, reichbegüterte, jüdisch gesinnte Männer unter uns gibt, denen der Bruch der Zeiten zu Herzen geht, die es begreifen, wozu Gott den Segen des Reichtums in ihre Hand gelegt, und es als ihre Pflicht erkennen, mit ihrem Reichtum den einzigen, heiligen, gottgefälligen Zweck zu versorgen, der, wenn nicht von dem Herzen begüterter Einzelner ergriffen, vergebens von Haus zu Haus betteln gehen wird. Welche Zwecke sie sonst mit ihrem Reichtum versorgen möchten, diese würden doch nicht in Israel unversorgt bleiben, wenn auch nicht reiche Fonds und große Kapitalien dafür von einzelnen Reichen bereit gesetzt würden. Was der eine Reiche nicht tut, werden hundert Bemittelte darum doch nicht ungeschehen lassen. Kein Werk der Humanität, keine Versorgung der Notleidenden, der Armen und Kranken, der Witwen und Waisen braucht im jüdischen Kreis erst auf Entschlüsse großherziger Reichen und auf die Begründung reichdotierter Anstalten zu warten. Wo die Not ruft, da treten Juden zusammen und helfen. Nur die Thora, diese geistige Mutter all unserer Humanität und all unserer noch zu erhoffenden Veredlung und Verherrlichung, liegt sackumhüllt, darbend im Winkel, wagt es gar nicht mehr, ihre bittenden Hände zu ihren Söhnen auszustrecken, ihren Söhnen, die sie gar nicht mehr zu kennen scheinen, die ihre Seufzer nicht hören, die ihre Schmerzen nicht begreifen. —</p>



<p>Und dieser geistigen Mutter Israels, dieser unserer einzigen Perle, dieses Gutes aller Güter, ohne das alle unsere anderen Errungenschaften Staub und Asche sind, dieses Quells all unseres künftigen Heiles, dieser einzigen, uns von Gott „angetrauten Braut“ soll sich kein Reicher erbarmen? Soll kein Reicher das als ein wahrhaftiges Werk der Rettung der Thora in unserer Zeit zu stiften sich bewogen fühlen, was in früherer Zeit so mancher rein nur als ein Werk der Verherrlichung der Thora zu vollbringen sich bewogen fühlte?</p>



<p>Hoffen wir.</p>



<p>Trete man gleichwohl im großen Allgemeinen mit der Frage an uns heran: was können wir tun für die Thora? Was tun, auf dass wir auch für dieses größte und heiligste Werk der jüdischen Aufgabe unseren Schekel voll und gewichtig zahlen, unsere Pflicht voll und wirksam lösen? So wäre gleichwohl unsere Antwort nicht zuerst: Anstalten gründen! Unsere erste Antwort wäre: <strong>Lernen!</strong> Erst selber wieder „lernen&#8220;, erst selbst wieder <a href="#_ftn25" id="_ftnref25"><sup>[25]</sup></a> <strong>קוֹבֵעַ עִתִּים לַתּוֹרָה</strong> sein, erst selbst wieder „Lernen“, Thoralernen, als einen nie ganz zu beseitigenden, integrierenden Teil des täglichen Tagewerkes aufnehmen, erst wieder, und wäre es ein kleines, verschwindendes, aber bestimmtes Zeitteilchen dem täglichen Geschäftsleben abbrechen und der Thora weihen, darin, in der Spende der eigenen Zeit erst den „Schekel“ betätigen, selbst lernen, Genossen anregen zum Lernen, dass der Sinn erst wieder lebendig werde, Tag für Tag aus dem Born der göttlichen Gesetzeskunde zu schöpfen, erst selbst wieder lernen, ehe man daran denkt, Anstalten zu gründen, damit andere lernen, — das wäre der Gedanke, den wir anregen, den wir zur Verwirklichung bringen möchten, wenn unserer schwachen Stimme eine Kraft der Geltung inne wohnen würde. Es nützt zuletzt doch alles nichts. Die besten Anstalten werden nicht aufblühen, Lehrer und Schüler werden verkümmern, werden auf Abwege geraten, so nicht die Atmosphäre, in welcher sie gedeihen und wachsen sollen, so nicht der allgemeine Sinn unseres Volkes wieder der Kenntnis der Thora sich zugewendet.</p>



<p>Fehlt dieser Sinn, so werden unsere Anstalten „Seminarien“ werden, nur von Jünglingen besucht, die der einstige Broterwerb zum „Studium der jüdischen Theologie“ und deshalb ins Seminar geführt, es werden geistliche Abrichtungsanstalten werden, aber keine „Tharbizoth“, keine Pflanz- und Pflegestätten des lebendigen Geistes der Thora für Israel, das Gottesvolk.</p>



<p>Fehlt dieser Sinn, so wird die frische Lebensluft fehlen, in welcher solche Anstalten allein gedeihen und vor Verkümmerung in einer künstlich erzeugten Treibhausatmosphäre geschützt werden. Es fehlt eine „jüdische öffentliche Meinung“, deren Beifall die Bestrebungen der Meister und Jünger zeitigt und deren Tadel Kontrolle übt und Wache hält, dass nicht Ausgeburten hirnverbrannter Gelehrsamkeit und Spielpuppen subjektiver Hypothesen statt Israels lebendige Gottesthora den Jüngern unserer Zukunft zur geistigen Nahrung gereicht werden.</p>



<p>Fehlt dieser Sinn, so fehlt auch jedes Band, das den Jünger der Thora mit der Gesellschaft verknüpft, er steht isoliert mit seinem Wissen, außer den Hörsälen des Seminars und dem Studierstübchen seiner bescheidenen Wohnung haben seine Studien keine Geltung, gibt es für die geistigen Errungenschaften seiner Arbeit kein Ohr und kein Bedürfnis, es fehlt die <a href="#_ftn26" id="_ftnref26"><sup>[26]</sup></a>&nbsp; <strong>כָּבֹוד הַתּוֹרָה</strong>, die Achtung und Wertschätzung der Thorakenntnis, die dem Jünger der Thora in früherer Zeit eine geachtete Stellung in der Gesellschaft und die <strong>Möglichkeit</strong> der Existenz während seiner Studienzeit bereitete.</p>



<p>Darum <strong>„lernen“</strong> wir! Lasst uns lernen, wenn wir wollen, dass andere lernen sollen, lasst uns, wie mit allem Guten, so auch in Erfüllung dieser ersten jüdischen Pflicht mit uns selber beginnen. Lasst uns durch unser eigenes Beispiel den Sinn für die Beschäftigung mit der göttlichen Gesetzeslehre bei anderen wecken. Gehe jeder, der es ernst mit der Thora meint, in gutem Beispiel voran! Denke jeder, wenn wir einst jenseits kommen, wird freilich die erste Frage sein: <strong>נָשָׂאתָ וְנָתַתָּ בֶּאֱמוּנָה?</strong> Warst du redlich im Handel und Wandel? Aber die zweite wird sogleich lauten: <strong>קָבַעְתָּ עִתִּים לַתּוֹרָה?</strong> &nbsp;Hast du bestimmte Stunden der Thora geweiht? Geben wir von dem, was in unseren Tagen noch wertvoller ist als Geld, geben wir von unserer „Zeit“ den der Thora gebührenden Schekel, gebe ihn jeder, so wird von <strong>innen heraus</strong> wieder unser „Baum des Lebens“ aufblühen. Das „Lernen“ wird das <strong>Bedürfnis </strong>nach Lehrern erzeugen, und dieses Bedürfnis wird, wie überall so auch hier, die Mittel zur Befriedigung, die gewünschte Abhilfe bringen. Das allgemeine Lernen wird Lehrer suchen, Lehrer schaffen, Lehrer erhalten, es werden wiederum Meister emportauchen, um die sich lernbegierige Jünger scharen, das Bedürfnis selber wird Meister und Jünger tragen, und jenen Wetteifer und jene Begeisterung in der Brust unseres Volkes wecken, die allein die geistige Atmosphäre bilden, in welcher unser „Baum des Lebens“ gedeiht.</p>



<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-</p>



<p>Anmerkung zu Fußnote 13</p>



<p><strong>הַצַּדִּ֣יק אָבָ֔ד וְאֵ֥ין אִ֖ישׁ שָׂ֣ם עַל־לֵ֑ב וְאַנְשֵׁי־חֶ֤סֶד נֶאֱסָפִים֙ בְּאֵ֣ין מֵבִ֔ין כִּֽי־מִפְּנֵ֥י הָרָעָ֖ה נֶאֱסַ֥ף הַצַּדִּֽיק׃</strong><strong></strong></p>



<p>Der Gerechte geht verloren, und keiner nimmt sich´s zu Herzen, und die Männer hingegebener Liebe werden eingetan (dahingerafft), ohne dass jemand zu der Einsicht kommt, dass wegen des hereinbrechenden Unglücks der Gerechte eingetan wurde.</p>



<p>Worauf Rabbiner S. R. Hirsch anspielt sind die Worte <strong>הַצַּדִּ֣יק</strong><strong> </strong>und <strong>אַנְשֵׁי־חֶ֤סֶד</strong>. Weder ist hier der Gerechte in Anführungszeichen zu setzen noch die „Männer hingebender Liebe“ als die „gnäd´gen Herren“ zu bezeichnen.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Exodus 30:12</p>



<p><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Der Zeitschrift „Jeschurun“</p>



<p><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Psalm 144:14; in der Übersetzung von Rabbiner Hirsch bedeutet אַלּוּפֵינוּ מְסֻבָּלִים<strong> </strong>„Unsere Führer (sind) meistbelastet;“&nbsp;</p>



<p><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> Psalm 49:19</p>



<p><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> Psalm 49:8-9</p>



<p><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Exodus 30:12; “so gebe jeder für sich ein Sühngeld dem Herrn,“ (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>



<p><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> Sprüche Salomons 19:17; „Es leiht dem Ewigen, wer gegen dem Armen mildtätig ist.“ (Übersetzung Leopold Zunz)</p>



<p><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> Gottes-Dienst und Wohltätigkeit</p>



<p><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> Wikipedia: “Das Jüdisch-Theologische Seminar in Breslau, eigentlich Jüdisch-Theologisches Seminar Fraenckel’sche Stiftung, war ein von 1854 bis 1938 bestehendes Rabbiner- und Lehrerseminar in Breslau. Das auf Grund einer testamentarischen Verfügung des Breslauer jüdischen Geschäftsmannes Jonas Fraenckel (1773–1846) errichtete Seminar wurde am 10. August 1854 eröffnet und entwickelte sich zu einer der wichtigsten jüdischen Bildungseinrichtungen in Europa bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland, die das Seminar 1938 schlossen.” Im Nachfolgenden geraten die Dozenten dieser Lehranstalt unter „Beschuß“. Es wird den Reformern vor allem zur Last gelegt, die Aussagen der Thora falsch zu interpretieren.</p>



<p><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> dem Reformjudentum und der Orthodoxie</p>



<p><a href="#_ftnref11" id="_ftn11">[11]</a> Jesua 1:8; „du sollst sinnen darüber Tag und Nacht“(Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>



<p><a href="#_ftnref12" id="_ftn12">[12]</a> Priester des Höchsten Gottes</p>



<p><a href="#_ftnref13" id="_ftn13">[13]</a> Am Ende dieses Artikel habe ich den hebräischen Text mit der Übersetzung von Julius Hirsch diese spöttischen Übersetzung gegenübergestellt</p>



<p><a href="#_ftnref14" id="_ftn14">[14]</a> angeblich, sogenannt</p>



<p><a href="#_ftnref15" id="_ftn15">[15]</a> der freiwilligen Abgaben in Betreff der Mildtätigkeit</p>



<p><a href="#_ftnref16" id="_ftn16">[16]</a> Wikipedia: Die Wissenschaft des Judentums war eine der einflussreichsten intellektuellen Strömungen des deutschsprachigen Judentums. Entstanden im Kontext der Emanzipation begründete sie das moderne wissenschaftliche Studium des Judentums und war wesentlicher Faktor der innerjüdischen Reformbewegungen im 19. Jahrhundert. Mit der Einführung der historischen Kritik übersetzte sie die traditionelle jüdische Gelehrsamkeit in die Denk- und Wahrnehmungskategorien moderner (Geistes)wissenschaften. Zu ihren Vertretern zählten Wilhelm Bacher, Leo Baeck, Abraham Berliner, Ismar Elbogen, Zacharias Frankel, Aron Freimann, Eduard Gans, Abraham Geiger, Heinrich Graetz, Heinrich Heine, David Hoffmann, Manuel Joël, Isaak Markus Jost, David Kaufmann, Moritz Steinschneider und Leopold Zunz. Zu den wenigen Wissenschaftlerinnen zählte die Historikerin Selma Stern.</p>



<p><a href="#_ftnref17" id="_ftn17">[17]</a> ein N. oder ein N.; ich weiß nicht was er meint: Vielleicht ein Niemand und ein Nichts.</p>



<p><a href="#_ftnref18" id="_ftn18">[18]</a> Mischna Pea 1:1; „Das Studium der Thora übertrifft alles.“ Denn nur durch das Studium der Thora kommt man zur Erfüllung der Gebote.</p>



<p><a href="#_ftnref19" id="_ftn19">[19]</a> Berachot 10a</p>



<p><a href="#_ftnref20" id="_ftn20">[20]</a> Berachot 61b: Ein Fuchs ging einst am Ufer eines Flusses, und als er Fische sich von Ort zu Ort versammeln sah, sprach er zu ihnen: Wovor flüchtet ihr euch? Sie erwiderten: Vor den Netzen, die die Menschenkinder nach uns auswerfen. Da sprach er zu ihnen: So möge es euch belieben aufs Land zu kommen, und wir, ich und ihr, wollen beisammen wohnen, wie einst meine Vorfahren mit euren Vorfahren beisammen gewohnt haben. Darauf erwiderten ihm jene: Bist du es, von dem man sagt, er sei der klügste unter den Tieren? Du bist nicht klug, sondern dumm; <strong>wenn wir schon in der Stätte unseres Lebens fürchten, um wieviel mehr in der Stätte unseres Todes! So auch wir; wenn es schon jetzt so ist, wo wir sitzen und uns mit der Tora befassen, von der es heißt: <em>denn sie ist dein Leben und die Verlängerung deiner Tage</em>, um wieviel mehr erst, wenn wir gehen und uns ihr entziehen!</strong></p>



<p><a href="#_ftnref21" id="_ftn21">[21]</a> Wikipedia: eine Einrichtung, welche mit Hilfe eines Vermögens einen vom Stifter festgelegten Zweck verfolgt</p>



<p><a href="#_ftnref22" id="_ftn22">[22]</a> Stiftung</p>



<p><a href="#_ftnref23" id="_ftn23">[23]</a> Talmud-Thora-lernen-und lehren</p>



<p><a href="#_ftnref24" id="_ftn24">[24]</a> religiöse Lehranstalt für junge Juden</p>



<p><a href="#_ftnref25" id="_ftn25">[25]</a> Jemand sein, der sich Zeiten für das Lernen der Thora festlegt</p>



<p><a href="#_ftnref26" id="_ftn26">[26]</a> Ehre vor der Thora</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/schwat-5785/">Schwat 5785</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://hirschinitiative.de/schwat-5785/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Tewet</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/tewet/</link>
					<comments>https://hirschinitiative.de/tewet/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Dec 2024 09:37:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Monatsblatt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hirschinitiative.de/?p=4965</guid>

					<description><![CDATA[<p>Wieder ein Artikel der mir persönlich sehr zu Herzen geht. Wie sich Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l aufreibt, die deutschen Juden wieder zurück auf den richtigen Pfad zu bringen. Dieser Artikel aus seiner Feder und aus seiner Zeitschrift „Jeschurun“ wurde im Januar 1859, in Heft Nr. IV des 5. Jahrgangs veröffentlicht.&#160; Ein Aufschrei, anders kann [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/tewet/">Tewet</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-small-font-size">Wieder ein Artikel der mir persönlich sehr zu Herzen geht. Wie sich Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l aufreibt, die deutschen Juden wieder zurück auf den richtigen Pfad zu bringen.</p>



<p class="has-small-font-size">Dieser Artikel aus seiner Feder und aus seiner Zeitschrift „Jeschurun“ wurde im Januar 1859, in Heft Nr. IV des 5. Jahrgangs veröffentlicht.&nbsp; Ein Aufschrei, anders kann ich das nicht bezeichnen. Interessanterweise hat Rabbiner Hirsch diesem Artikel eine kleine Inhaltsangabe vorangestellt. Vielleicht als Vorabwarnung, was den Leser hier erwartet.</p>



<p class="has-small-font-size">Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter:</p>



<p class="has-text-align-center has-small-font-size"><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2943144">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2943144</a></p>



<p class="has-text-align-center"><strong>Der zehnte Teweth.</strong></p>



<p class="has-small-font-size"><strong>Inhalt:</strong> Die jüdischen „Großen und Geistlichen&#8220; in den letzten Tagen Jerusalems. Die Namenjuden. Die jüdische Wahrheit und die heidnische Lüge. Die jüdischen „Großen und Geistlichen“ unserer Tage. Israel im Völkerleben. Verirrungen rechts und links.</p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;</p>



<p>Der zehnte Teweth hat uns wiederum fastend in die letzten Tage Jerusalems zurückgeführt<a href="#_ftn1" id="_ftnref1"><sup>[1]</sup></a>. Wir gedachten des Tages, an welchem im neunten Regierungsjahr des Königs Zidkijah<a href="#_ftn2" id="_ftnref2"><sup>[2]</sup></a> der babylonische König Nebukadnezar mit seinem Heer vor Jerusalem rückte und die Belagerung begann. Ein eigentümlich wehmütiges Gefühl überschleicht denjenigen, der die letzten Blätter jerusalemischer Annalen liest. Ein schwacher Fürst, der nicht den Mut hat, der besseren Regung, die in den letzten Tagen in ihm wach geworden, Folge zu leisten, der den Propheten Gottes<a href="#_ftn3" id="_ftnref3">[3]</a> heimlich um das Gotteswort befragt und sich vor den Fürsten fürchtet, dass sie eine solche „Inkonsequenz&#8220; nicht erfahren, der noch weniger den Mut hat, dem vernommenen Gotteswort zu folgen, weil er die Verhöhnungen der zu den Babyloniern übergegangenen Juden fürchtet! — Und nun diese Fürsten, die noch wenige Jahre zuvor so sehr von dem besseren Geist belebt waren, dass sie den „Priestern und Propheten“ gegenüber den Gottes-propheten in Schutz nahmen, der, den die menschliche Politik und den menschlichen Hochmut störenden Gottes-Ratschluss verkündete, und die jetzt in der Stunde der Katastrophe selbst so ganz und gar dieser von „Priestern und Sophisten“ geborenen Politik ergeben waren, dass sie die Mutlosigkeit ihrer Soldaten mehr als die Allmacht des Gottesratschlusses fürchteten, dass sie den Jirmijah<a href="#_ftn4" id="_ftnref4"><sup>[4]</sup></a> als Vaterlandsverräter behandelten und den Gottesgehorsam zur Männer entehrenden Feigheit stempelten! Es ist seltsam, auf keinem Blatt früherer Geschichte tritt uns der Gottesname fast in allen Namen der handelnden Personen also hervor, wie hier auf diesen letzten Blättern des jerusalemischen Dramas<a href="#_ftn5" id="_ftnref5"><sup>[5]</sup></a>. Zidkijah, Serajah<a href="#_ftn6" id="_ftnref6"><sup>[6]</sup></a>, Machsejah<a href="#_ftn7" id="_ftnref7"><sup>[7]</sup></a>, Asarjah<a href="#_ftn8" id="_ftnref8"><sup>[8]</sup></a>, Hoschajah<a href="#_ftn9" id="_ftnref9"><sup>[9]</sup></a>, Jochanan<a href="#_ftn10" id="_ftnref10"><sup>[10]</sup></a>, Schefatjah<a href="#_ftn11" id="_ftnref11"><sup>[11]</sup></a>, Gedaljah<a href="#_ftn12" id="_ftnref12"><sup>[12]</sup></a>, Schelemjah<a href="#_ftn13" id="_ftnref13"><sup>[13]</sup></a>, Malkijah<a href="#_ftn14" id="_ftnref14"><sup>[14]</sup></a>, Jirijah<a href="#_ftn15" id="_ftnref15"><sup>[15]</sup></a>, Chananjah<a href="#_ftn16" id="_ftnref16"><sup>[16]</sup></a> usw., so sehr ist: Gott im Munde und im Schilde führen eins, und ein ganz anderes: Gott im Leben und mit dem Leben dienen und angehören. Nannten sich jene Priester und Propheten, die den Jeremias verfolgten, nicht auch Priester und Propheten des Herrn, sprachen sie nicht auch im Namen Gottes? Und gerade sie waren es doch, die das letzte Band, welches den jüdischen Staat mit Gott verbündete, durchschnitten und den Staat, den sie zu retten vorgaben, unrettbar in die Tiefe stürzten. Wort und Name, gesprochen und geschrieben, Schälle<a href="#_ftn17" id="_ftnref17"><sup>[17]</sup></a> und Zeichen sind&#8217;s, denen nur der Gedanke, der sich mit ihnen verknüpft, Wert und Bedeutung verleiht; Hüllen sind&#8217;s, unter die sich die Lüge wie die Wahrheit zu bergen vermag. Selbst <a href="#_ftn18" id="_ftnref18"><sup>[18]</sup></a> <strong>סֵפֶר תּוֹרָה שֶׁכָּתְבָה מִין יִשָּׂרֵף</strong>, warum? <strong>מִפְּנֵי שֶׁלֹּא כָּתַב הָאַזְכָּרוֹת שֶׁבּוֹ לִשְׁמָם</strong>, weil er die Gottesnamen darin nicht zum Zeichen des einen einzigen Wahrhaftigen geschrieben und ihm selbst der allerheiligste Gottesname nur zur Wickel<a href="#_ftn19" id="_ftnref19"><sup>[19]</sup></a> seiner Gott leugnenden Wahngeburten gedient. So stürzten Staat und Tempel zusammen und begruben König und Fürsten, Priester und Propheten unter ihren Trümmern, weil Priester und Propheten, weil Könige und Fürsten Gott und den Tempel seines heiligen und heiligenden Gesetzes in den Gedanken eines heidnischen Götzen oder „Gottes der Götter&#8220; und eines heidnischen „Gottesdienstes&#8220; umwandelt hatten, die beide, Gott und Gottesdienst, dem Leben fremd, mit dem Gedanken des inneren und der Tat des äußeren Lebens nichts zu schaffen haben, mit denen das Leben sich nicht zu vermählen, in welche das Leben nicht aufzugehen und von denen es nicht auszugehen, sondern die das Leben nur zu fürchten und durch Hinopferung der Tempelminute<a href="#_ftn20" id="_ftnref20"><sup>[20]</sup></a> und der Tempelgabe<a href="#_ftn21" id="_ftnref21"><sup>[21]</sup></a> ihnen das ganze übrige Leben und alle übrigen Güter und Kräfte zur selbsteigenen Verwendung und Verwaltung abzukaufen habe. Eine Versicherungsanstalt ward ihnen Tempel und Gottesdienst, man zahlte die Prämie, um sich für die Fahrt nach eigenem Kompass auf dem stürmischen Meer der Zeiten gegen Unfälle und Schiffbruch sicher zu stellen. Darum zürnte schon 150 Jahre zuvor Gott durch Jesajas<a href="#_ftn22" id="_ftnref22"><sup>[22]</sup></a> Mund einer solchen sich vorbereitenden heidnischen Umwandlung des jüdischen Gottes- und Tempel-Gedankens, zürnte, weil man Gott in den Tempel bannte und das Leben vom Tempel klüftete<a href="#_ftn23" id="_ftnref23"><sup>[23]</sup></a>, und wies auf den Himmel und die Erde, als den Thron seiner Herrschaft und den Boden seiner Waltung hin, die sich nicht in ein Haus und in das Arkanum<a href="#_ftn24" id="_ftnref24"><sup>[24]</sup></a> eines Tempels einschränken lassen, die alles in allem und mit allem zu seinem Dienst fordern, was seine Hand geschaffen, und die ganz allein nur <strong>dem</strong> nahe sind, nicht der die reichsten Tempel baut, nicht der die reichsten Opfer bringt, nicht der die „schönsten“ „Andachts-stunden“ feiert, sondern <strong>der</strong>, unbekümmert um den großen oder geringen Anteil an Gütern und Freuden, der ihm wird, arm und leidend, <strong>nur die eine Sorge kennt: um die Erfüllung des göttlichen Worts</strong>! Wenn man jedoch <strong>im</strong> Tempel seine Tatkraft als Stier opfert, draußen aber mit seiner Kraft einen Schlag auf Menschen führt, <strong>im </strong>Tempelopfer als Lamm erscheint, draußen aber den Hund an Wildheit übertrifft, <strong>im</strong> Tempel sein Speisopfer weiht, draußen aber Schweineblut verspeist, <strong>im</strong> Tempel Gott Weihrauch streut, draußen aber dem Egoismus huldigt, — wenn auch sie, die Tempelbesuchenden und Opfernden, an dem Wandel ihrer Wahl festhalten und an allem sie und Gott Entwürdigenden ihr Gemüt hangen lassen: dann geht Gott in ihre Systeme ein, dann bringt er ihnen was sie gefürchtet und wovor sie im Tempel Rettung gesucht, „weil er gerufen und sie nicht geantwortet, weil er gesprochen und sie nicht gehört, weil sie das in seinen Augen Böse geübt und was nicht sein Wille gewesen gewählt!“ Dann bricht aus der Stadt, dann bricht aus dem Tempel das Unglück hervor, „es ist Gottes Stimme, der seinen Feinden Vergeltung zollt!&#8220; (Jes. 56). Dann bricht der Gott entstellende Tempel, dann bricht der Gott höhnende Staat zusammen und zeigt: dass Gott verehren, dass jüdische Gottes-Verehrung etwas anderes sei!</p>



<p>Und nun, wenn uns, nach mehr als zwei Tausend Jahren, die Gedächtnistage von Jerusalems Fall immer wiederkehren, wenn der Tempel noch immer nicht wieder erstanden, die Stadt noch immer in Trümmern liegt und die Fasttage des vierten<a href="#_ftn25" id="_ftnref25"><sup>[25]</sup></a> und fünften<a href="#_ftn26" id="_ftnref26"><sup>[26]</sup></a>, des siebenten<a href="#_ftn27" id="_ftnref27"><sup>[27]</sup></a> und zehnten<a href="#_ftn28" id="_ftnref28"><sup>[28]</sup></a> Monates noch immer nicht in Freudentage umgewandelt sind: müssen diese Gedächtnistage uns nicht immer Denktage des eigenen Besinnens werden, müssen sie uns nicht immer wieder und wieder zur Selbstprüfung an dem Maßstab laden, den Jerusalems Fall uns gebracht, müssen wir nicht immer wieder und wieder uns fragen: wie viel haben wir noch Teil an der alten Verirrung, wie weit haben wir bereits gesühnt den alten Wahn — oder stehen nur vielleicht deshalb Tempel und Staat<a href="#_ftn29" id="_ftnref29"><sup>[29]</sup></a> noch nicht wieder da, weil, ständen sie, wir sie wieder begrüben mit dem alten Wahn und der alten Verirrung??</p>



<p>Wahrlich, wer vermöchte einen Blick auf das heutige deutsche Israel<a href="#_ftn30" id="_ftnref30"><sup>[30]</sup></a> werfen, ohne eine frappante Ähnlichkeit mit Zuständen zu gewahren, die uns auf den letzten Blättern jerusalemischer Geschichten entgegentreten! Wer vermöchte sich darüber täuschen, dass wir wieder Gefahr laufen, den ganzen jüdischen Begriff der Gottesverehrung zu verlieren, dass wieder „Fürsten und Herren“, dass wieder die höheren Schichten unseres Volkes Hand in Hand mit nach Gott sich nennenden, und das „Wort des Herrn&#8220; predigenden „Priestern und Propheten&#8220; mit „Begeisterung&#8220; daran arbeiten, die jüdische Gottverehrung heidnisch zu gestalten, sein Gesetz aus dem Leben zu bannen, Judentum auf Tempeldienst und Andachtopfer zu beschränken und der Judenheit die gefährlichste Krankheit der Selbstvergessenheit einzuimpfen und uns das ganze Bewusstsein dessen zu rauben, was unsere Beziehung zu Gott bedeute!</p>



<p>Irren wir nicht, so ist dies das eigentliche <a href="#_ftn31" id="_ftnref31"><sup>[31]</sup></a> <strong>וְיִתְעָרְבוּ בַּגּוֹיִם וְיִלְמְדוּ מִמַּעֲשֵׂיהֶם</strong>, dessen Gegensatz bereits der fremde Seher<a href="#_ftn32" id="_ftnref32"><sup>[32]</sup></a> in dem <a href="#_ftn33" id="_ftnref33"><sup>[33]</sup></a> <strong>הֶן עָם לְבָדָד יִשְׁכֹּן וּבַגּוֹיִם לֹא יִתְחַשָּׁב</strong> ausgesprochen. Nicht in dem&nbsp; <strong>עָרוֹב בַּגּוֹיִם</strong>, nicht in dem gemischten Leben unter den Völkern liegt die Gefahr, <strong>הִתְעָרֵב</strong><strong> </strong>Sich-mischen, das Unterscheidende seiner Stellung und Pflicht vergessen und aufgeben, heißt das Verderben; und nicht in dem <strong>לֹא יֵחָשֵׁב בַּגּוֹיִם</strong>, nicht in der abstoßenden Betrachtungsweise abseits der Völker, sondern darin liegt die Rettung, dass <strong>בַּגּוֹיִם לֹא יִתְחַשָּׁב</strong>, dass Israel sich selber nicht unter die Völker rechne, dass es sich stets seines eigentümlichen Daseins und seines eigentümlichen Berufes (Aufgabe/Verantwortung) bewusst und inne bleibe. Wohl wirft es die brandende Völkerflut immer wieder und wieder wie die perlhaltende Muschel auf den Sand, und wohl mag die Verschmelzung suchende Gegenwart an den Symptomen der Zeit stutzend und als ernste Mahnung lernen, dass das alte, die Verquickung des abgefallenen Israel mit den Völkern für immer versagende Gottes-Wort, das uns Jecheskeel 20:32<a href="#_ftn34" id="_ftnref34"><sup>[34]</sup></a> aufbewahrt, noch immer nicht zur lächerlichen Lüge geworden; wohl mag eine jede schmerzhafte, ungerechte Zurückweisung abseiten der Menschen in der Hand Gottes eine heilsame Erinnerung an Israel werden, dass es nicht durch Pflichtvergessenheit sein Bürgerrecht auf der Gotteserde gewinnen und sichern werde, dass <strong>seine</strong> bleibende Anerkennung vielmehr von seiner und der Menschheit vollen Rückkehr zu dem einen Einzigen bedingt sei. Allein notwendig ist diese bürgerliche Isolierung des Juden für seinen eignen Beruf doch nicht, und Lüge und Täuschung reden die, die einerseits sprechen: nur für die Zeiten unnatürlicher Absonderung und Beschränkung gilt das göttliche Gesetz, und die andererseits dem Satz nur in seiner Umkehrung Amen zu sprechen und meinen nur Absonderung und Beschränkung vertrüge das göttliche Gesetz. Nicht das göttliche Gesetz, wir Juden scheinen noch immer nur Absonderung und Beschränkung vertragen zu können und bei jeder freieren Gestaltung, sobald die menschlichen Fesseln zu fallen beginnen, auch rasch die Bande göttlicher Verpflichtung abwerfen zu wollen. Für uns scheint noch immer der alte Satz seine Geltung zu haben:&nbsp; <a href="#_ftn35" id="_ftnref35">[35]</a> <strong>יָאֵי עַנְיוּתָא לְיִשְׂרָאֵל</strong>. Allein notwendig ist dies doch nicht, und so lange es notwendig erscheint, ist diese Notwendigkeit selbst nur der Beweis, wie weit, weit ab wir noch von der Höhe unseres Berufes (Aufgabe/Bestimmung) sind und wie wenig noch der rechte Geist in uns lebendig ist, der uns mitten in dem lebendigsten Völkerverkehr und in lebhaftester Beteiligung an allen rein menschlichen Völkerinteressen als treue, wahrhaftige Juden zu erhalten vermöchte. Ein Nehemia<a href="#_ftn36" id="_ftnref36"><sup>[36]</sup></a>, Daniel<a href="#_ftn37" id="_ftnref37"><sup>[37]</sup></a> und Mardochai<a href="#_ftn38" id="_ftnref38"><sup>[38]</sup></a> wären unsere Vorbilder, die eben beim Anbeginn unserer näheren Berührung mit den Völkern als hellleuchtende Sterne glänzen, und zeigen, wie in höchster sozialer Stellung in nicht jüdischen Kreisen und bei lebendigster, aufrichtigster Beteiligung an allen die Wohlfahrt der Staaten fördernden Werken man doch <strong>בַּגּוֹיִם לֹא יִתְחַשָּׁב</strong>, man doch sich das Bewusstsein der jüdischen Stellung und des jüdischen Berufs lebendig erhalten könne, eben nur in der jüdischen Pflicht die Grenze unserer Beteiligung am Völkerleben zu finden vermöge, und mitten auf der öffentlichsten Bühne des Völkerlebens nicht nur nicht aufzuhören habe Jude zu sein, sondern eben dort die ganz eigentliche Fülle der jüdischen Wahrheit zum Heile der Menschheit zu betätigen berufen sei.</p>



<p>Wie wir das dauernde Ende des Galuth herbeizuführen vermögen? Wie wir das Unsrige tun können, damit wenigstens unsere Kinder, unsere Enkel sich einer dauernden Freiheit und Gleichheit inmitten der Völker zu erfreuen haben mögen? Wenn wir sie für diese Freiheit und Gleichheit erziehen, wenn wir sie alles wahrhaft Menschenwürdige und Reine, das bereits unter dem jüdischen Strahl des Sinaifeuers im Völkerleben gereift, achten und schätzen lehren, wenn wir ihnen aber zugleich so klar, so tief und so warm das Bewusstsein der alle andere Menschengröße weit überstrahlenden Herrlichkeit ihres jüdischen Daseins und ihres jüdischen Berufes anerziehen, dass sie von keinem sonstigen Licht geblendet, von keinen sonstigen Reizen verlockt zu werden Gefahr laufen, dass sie in allen sonstigen Herrlichkeiten, in allen anderweitigen Siegen des Menschlichen und Wahren nur die Triumphzüge des jüdischen Geistes begreifen und darum auf der freiesten und glänzendsten Bühne des Lebens nicht nur einen Stolz darin setzen werden Juden zu heißen, nicht nur einmal die Phrase im Munde führen werden: la religion juive que j&#8217;ai l&#8217;honneur de nommer la mienne<a href="#_ftn39" id="_ftnref39"><sup>[39]</sup></a>, sondern auf der freiesten und glänzendsten Bühne des Lebens ihren Stolz und ihre Seligkeit darin finden werden, <strong>als Juden zu leben</strong>! <a href="#_ftn40" id="_ftnref40"><sup>[40]</sup></a></p>



<p>Nicht aber wenn wir nach Art der modernen Weisheit und des Pfaffentrugs heutiger „Priester und Propheten&#8220;, das künftige vermeintliche Völkerleben unserer Kinder als Maßstab ihrer Erziehung nehmen, jenes das Absolute sein lassen und das jüdische Dasein und den jüdischen Beruf das Bedingte, aus dem jüdischen Dasein und dem jüdischen Beruf alles als antiquiert hinausweisen, was nur irgendwie den Weg zu der ersehnten völkertümlichen Karriere erschweren könnte, und das Judentum unserer Kinder und Enkel, das ganze hehre geistige Erbe der Gemeinde Jakobs also verflüchtigen, dass Jude und Nichtjude fast in nichts anderem mehr sich unterscheiden, als, dass der Jude vielleicht als Kind unbewusst das nicht mehr zu beseitigende Abrahamszeichen am Leibe erhalten und — statt in die Kirche, — dann und wann in die nebenanstehende Synagoge gehe, „sein religiöses Bedürfnis zu befriedigen&#8220; Auf diesem Wege meinen wir freilich am gewissesten die Zukunft unserer Kinder und Enkel in Freiheit und Gleichheit zu gewinnen und zu sichern, und sehen nicht, dass wir eben dadurch — wir scheuen diese Behauptung nicht, so sehr man sie auch in gewissen Kreisen belächeln möge — dass wir eben dadurch dieser Zukunft nur um so gewisser allen Boden und alle Hoffnung entziehen. Denn wer wäre so töricht zu glauben, es habe Gott nur deshalb Israel unter so einzigen Waltungen und Führungen geschaffen und geleitet und für sein Gesetz erzogen und auf sein Gesetz verpflichtet — um es dann endlich samt seinem Gesetz unter die Völker spurlos verloren gehen zu lassen! Wer möchte an ein so lächerliches Ende so einzig großer durch Jahrtausende herab bewahrter Gottesveranstaltungen glauben! Wer beim Anblick solcher Verirrungen nicht der Verheißung gedenkt: <a href="#_ftn41" id="_ftnref41"><sup>[41]</sup></a> &nbsp;<strong>כִּי לֹא יִטֹּשׁ ה&#8216; עַמּוֹ וְנַחֲלָתוֹ לֹא יַעֲזֹב</strong><strong> </strong>, dass Gott sein Volk nicht fahren lassen und sein Erbe nicht verlassen werde!!</p>



<p>Aber auch dann nicht, wenn wir, von der Erfahrung solcher Verirrungen erschreckt, unsere Kinder nur für die Isolierung erziehen, sie vor jeder Berührung mit dem Völkertümlichen bewahren, sie das Völkerleben nur fürchten, nicht aber begreifen und würdigen lehren. Unsere Kinder werden ja doch auf die Weltbühne des Völkerverkehrs geschleudert, und werden umso sicherer zu Grunde gehen, je weniger wir sie für eine solche Prüfung vorbereitet, je unbegriffener dieses Völkerleben sie mit seinen glänzenden Wahrheiten und Irrtümern überrascht, je weniger sie geübt worden dort das Wahre vom Falschen, das an der jüdischen Wahrheit bereits Gezeitigte von dem noch im Kampf mit menschlichen Wahngeburten Begriffene zu scheiden, je weniger sie geübt worden ihr Judentum, und vor allem ihr wirkliches wahrhaftiges Leben im Judentum unter dem Anblick und der freien Berührung des europäischen Völkerlebens mit Begeisterung zu lieben und über alles hoch zu halten, und je mehr sie auf der Bühne des Völkerlebens jüdischen Zeit- und Altersgenossen begegnen, die sich auf dieser Bühne nur mit Verleugnung ihrer jüdischen Pflichten bewegen.</p>



<p>Die Zeit ist ernst, und in diesen Ernst der Zeiten ruft ein Gedächtnistag wie der zehnte Teweth: <strong>Jerusalem fiel, weil sie es nicht gelernt hatten, im Verkehr und in Berührung mit den Völkern die jüdische Wahrheit festzuhalten! Mögen wir rechts und links einen solchen Ruf vernehmen und beherzigen!</strong></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Im Jahr 1859 erschien die Ausgabe für den Monat xxxx nach dem 10. Tewet</p>



<p><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Wikipedia: Zedekia oder Zidkija (hebräisch צִדְקִיָּהוּ ṣidqîjāhû, deutsch ‚Gott ist (meine) Gerechtigkeit‘; * 618; † nach 586 v. Chr.) war der letzte König des Reiches Juda (Südreich) in der Königszeit Israels. Er hieß als dritter Sohn Josias ursprünglich Mattanja. Der babylonische König Nebukadnezar II. änderte Mattanjas Namen nach der Inthronisierung in Zedekia.</p>



<p><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Jirmiah</p>



<p><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> Wikipedia: Jeremia (auch Jeremias; hebräisch יִרְמְיָהוּ Jirməjā́hû, auch יִרְמְיָה Jirməjâ; oder יִרְמְיָהוּ בֶּן־חִלְקִיָּהוּ Jeremiah ben Hilkijahu, deutsch ‚Jeremia Sohn des Hilkijahu ist einer der großen Schriftpropheten des Tanach (hebräische Bibel) und damit des Alten Testaments. Seit dem Mittelalter wird das Buch in 52 Kapitel unterteilt. Traditionell gilt Jeremia auch als Verfasser der Klagelieder Jeremias.</p>



<p><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> Die Namensendung -jah bedeutet: Gott</p>



<p><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Wikipedia: …. ein Oberpriester während der babylonischen Eroberung Jerusalems</p>



<p><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> s. Jer. 32:12</p>



<p><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> s. Jer. 42:1</p>



<p><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> Vater Asarjas</p>



<p><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> s. Jer. 42:1</p>



<p><a href="#_ftnref11" id="_ftn11">[11]</a> s. Jer. 38:1</p>



<p><a href="#_ftnref12" id="_ftn12">[12]</a> s. Jer. 38:1</p>



<p><a href="#_ftnref13" id="_ftn13">[13]</a> s. Jer. 36:26</p>



<p><a href="#_ftnref14" id="_ftn14">[14]</a> s. Jer. 38:6</p>



<p><a href="#_ftnref15" id="_ftn15">[15]</a> s. Jer. 37:13</p>



<p><a href="#_ftnref16" id="_ftn16">[16]</a> s. Jer. 37:13</p>



<p><a href="#_ftnref17" id="_ftn17">[17]</a> Schall und Rauch</p>



<p><a href="#_ftnref18" id="_ftn18">[18]</a> Selbst eine Thorarolle die von einem Ketzer geschrieben wurde, ist zu verbrennen</p>



<p><a href="#_ftnref19" id="_ftn19">[19]</a> als Hülle</p>



<p><a href="#_ftnref20" id="_ftn20">[20]</a> der kurzweilige Aufenthalt im Tempel (Synagoge)</p>



<p><a href="#_ftnref21" id="_ftn21">[21]</a> Spende für den Tempel (Synagoge)</p>



<p><a href="#_ftnref22" id="_ftn22">[22]</a> Wikipedia: Jesaja (auch Isaias – hebräisch יְשַׁעְיָהוּ Jəšaʿjā́hû,– oder Jeschaiah ben Amoz, hebräisch ישעיהו בן אמוץ) war der erste große Schriftprophet der hebräischen Bibel. Er wirkte zwischen 740 und 701 v. Chr. im damaligen Südreich Juda und verkündete diesem wie auch dem Nordreich Israel und dem anrückenden Großreich Assyrien das Gericht Gottes</p>



<p><a href="#_ftnref23" id="_ftn23">[23]</a> abspaltete</p>



<p><a href="#_ftnref24" id="_ftn24">[24]</a> Geheimnis, geheimes Ritual</p>



<p><a href="#_ftnref25" id="_ftn25">[25]</a> 17. Tamus</p>



<p><a href="#_ftnref26" id="_ftn26">[26]</a> 9. Av</p>



<p><a href="#_ftnref27" id="_ftn27">[27]</a> 3. Tischri (Zom Gedalja)</p>



<p><a href="#_ftnref28" id="_ftn28">[28]</a> 10. Tewet</p>



<p><a href="#_ftnref29" id="_ftn29">[29]</a> Der Staat Israel ist nicht der Gottesstaat von dem hier die Rede ist</p>



<p><a href="#_ftnref30" id="_ftn30">[30]</a> Auf die Juden in Deutschland – damals so wie heute</p>



<p><a href="#_ftnref31" id="_ftn31">[31]</a> Psalm 106:35; Sie mischten sich unter die Völker und lernten ihr Treiben. (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>



<p><a href="#_ftnref32" id="_ftn32">[32]</a> Bileam</p>



<p><a href="#_ftnref33" id="_ftn33">[33]</a> Numeri 23:9; Es ist ein Volk, das abgesondert wohnt und unter die Völker sich nicht rechnen läßt. (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld) Ein Volk, das man nicht mit anderen Völkern vergleichen kann.</p>



<p><a href="#_ftnref34" id="_ftn34">[34]</a> Und was euch in den Sinn kommt, wird doch nicht geschehen, die ihr sprechet: wir wollen wie die Völker sein, wie die Familien der Länder, Holz und Stein zu dienen. (Übersetzung Rabbiner Dr. Joseph Breuer) Es ist leider doch geschehen. Die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung gerade im Heiligen Land vertritt die Auffassung „wir wollen wie die Völker sein“ und dienen Holz und Stein!</p>



<p><a href="#_ftnref35" id="_ftn35">[35]</a> Der Spruch leitet sich von <strong>יָאֵה עַנְיוּתָא לְיִהודאי</strong><strong> </strong>ab und kommt in Chagiga 9b vor. Dort heißt es: Elijahu sprach zu Bar He He, und wie manche sagen, zu R. Elea͑zar: Es heißt :<em>siehe, ich habe dich geschmolzen, aber nicht wie Silber, ich habe dich geprüft im Schmelzofen des Elends;</em> dies lehrt, dass der Heilige, gepriesen sei er, unter allen guten Eigenschaften herumsuchte, um sie Jisraél zu geben, doch fand er [für sie] nichts weiter als die Armut. Šemuél, nach anderen R. Joseph, sagte: Das ist es, was die Leute sagen: <strong>Armut ziemt den Juden</strong> wie ein roter Gurt einem weißen Pferde. (Übersetzung L. Goldschmidt); Dank für den Hinweis an Rabbiner Waitzmann.</p>



<p><a href="#_ftnref36" id="_ftn36">[36]</a> Wikipedia: Nehemia, auch Nehemia ben Hachalja, hebräisch נְחֶמְיָה בֶּן־חֲכַלְיָה, ist im Tanach ein persischer Wiederaufbaukommissar und späterer Statthalter der persischen Provinz Jehud. In modernen Bibelausgaben ist ein Buch nach ihm benannt, das ursprünglich ein Teil des Esra-Nehemia-Buches darstellte.</p>



<p><a href="#_ftnref37" id="_ftn37">[37]</a> Wikipedia: Daniel (hebräisch דָּנִיּאֵל) ist die Hauptfigur des nach ihm benannten Buchs im Tanach. Danach war er ein jüdischer Apokalyptiker, Traumdeuter und Seher im babylonischen Exil,</p>



<p><a href="#_ftnref38" id="_ftn38">[38]</a> Wikipedia: Mordechai (hebräisch מָרְדֳּכַי mårdåkhaj) ist die männliche Hauptperson im biblischen Buch Ester.</p>



<p><a href="#_ftnref39" id="_ftn39">[39]</a> die jüdische Religion, die ich die meine nennen darf</p>



<p><a href="#_ftnref40" id="_ftn40">[40]</a> Dazu braucht es Jeschiwoth!!! Nicht in einer einzigen jüdischen Gemeinde in Deutschland gibt es eine Jeschiwa! Wir sollten uns schämen!!</p>



<p><a href="#_ftnref41" id="_ftn41">[41]</a> Psalm 94:14; Denn der Herr wird sein Volk nicht verlassen und sein Erbe nicht aufgeben. (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/tewet/">Tewet</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://hirschinitiative.de/tewet/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zur Jahrzeit von Rabbiner Hirsch s&#8220;l</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/zur-jahrzeit-von-rabbiner-hirsch-sl/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Dec 2024 09:36:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Monatsblatt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hirschinitiative.de/?p=4967</guid>

					<description><![CDATA[<p>Am 27. Tewet jährt sich der Todestag von Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l. Über die Bedeutung dieses außergewöhnlichen Menschen für die deutsch-jüdische Orthodoxie ist viel gesprochen und bekannt geworden. Hier seine Verdienste nochmals aufzuzeigen wäre reine Zeitverschwendung, da sein Wirken, seine Schriften und seine Mahnungen weit über Deutschland hinaus fest mit der orthodoxen jüdischen Welt [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/zur-jahrzeit-von-rabbiner-hirsch-sl/">Zur Jahrzeit von Rabbiner Hirsch s&#8220;l</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Am 27. Tewet jährt sich der Todestag von Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l. Über die Bedeutung dieses außergewöhnlichen Menschen für die deutsch-jüdische Orthodoxie ist viel gesprochen und bekannt geworden. Hier seine Verdienste nochmals aufzuzeigen wäre reine Zeitverschwendung, da sein Wirken, seine Schriften und seine Mahnungen weit über Deutschland hinaus fest mit der orthodoxen jüdischen Welt verbunden sind.</p>



<p>Es ist vor allem dem Verlag Morascha in Basel, der sich 1980 gründete, und hier der Familie Selig, zu verdanken, dass nach dem Krieg die Schriften Rabbiner Hirsch s“l wieder neu aufgelegt werden. Das Problem, dass die Schriften Rabbiner Hirschs in der heute nicht mehr geläufigen Fraktur-Schrift<a href="#_ftn1" id="_ftnref1"><sup>[1]</sup></a> gedruckt wurden, machte es vielen interessierten Lesern, besonders den nicht deutschen Muttersprachlern, unmöglich seine Bücher und Schriften im Original zu lesen. Die Fraktur-Schrift wurde erst zu Beginn des 20. Jahrhundert durch das heutige lateinische Schriftsystem abgelöst.</p>



<p>1908, zum 100. Geburtstag Rabbiner Hirschs s“l wurde von der Zeitschrift „Der Israelit“ eine Jubiläumsausgabe herausgegeben. Der Verlag Morascha hat in dem Buch „Jeschurun, Samson Raphael Hirsch, Aufsätze zu seinem Leben und zu seinen Werken“ diesen Sonderdruck mit aufgenommen.</p>



<p>Am Ende dieser Jubiläumsschrift ist ein Gedicht von Hermann Schwab<a href="#_ftn2" id="_ftnref2"><sup>[2]</sup></a> veröffentlicht, der als Kind wohl Rabbiner Hirsch zu Jom Kippur in der Synagoge erleben durfte. Anlässlich der Herausgabe der Festschrift zum 100. Geburtstag wurde dann dieses Gedicht veröffentlicht. Das Gedicht erinnert an das letzte Jom Kippur Fest vor seinem Tode. In der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, die auch über eine riesige Judaika-Abteilung verfügt, habe ich diese Jubiläumsausgabe des „Israelit“ gefunden. Dem Gedicht wurde, wie Sie der Abbildung w. u. entnehmen können, eine handschriftliche Anmerkung hinzugefügt. Aus dieser Anmerkung geht hervor, dass der Drucker der Zeitschrift hier wohl einen Fehler gemacht hat und drei Zeilen des Gedichtes ausgelassen hat, die hier handschriftlich nachgetragen wurden. Auch in dem o. e. Buch des Morascha-Verlages fehlen diese Zeilen.</p>



<p>Ich gebe hier das Gedicht mit den ausgelassenen Zeilen, so gut ich sie entziffern konnte, wieder:</p>



<p class="has-text-align-left"><strong>Die letzte Predigt</strong></p>



<p class="has-text-align-left">Des Abends Dümmer zieh´n mit leisem Rauschen<br>Durch´s Gotteshaus zu der Nëilohzeit,<br>Rings tiefes Schweigen atemloses Lauschen<br>Dem Meister rückt die Kanzel nun bereit.<br>Jetzt steht er oben – seine Augen schauen<br>In milder Klarheit, wie in fernes Land,<br>Den Sternen gleich, die an dem Himmel blauen,<br>Der ew´gen Heimat, die uns unbekannt.<br>Es rührt sein Geist ihr Tor – Minuten schwinden<br>Jetzt wird besiegelt dort auch sein Geschick,<br>Durch Engelreihen geht ein froh verkünden:<br>„Nach achtzig Jahren kehrt er uns zurück.“</p>



<p class="has-text-align-left">Er ahnt es nicht &#8211; in seinen Augen sprühet<br>Der ew´gen Jugend ungebroch´ne Kraft,<br>In seinem Herzen heilig Feuer glühet<br>In seiner Rede ed´le Leidenschaft;<br>Die Arme streckt er aus und ruft es nieder<br>„….. dann sprechet <strong>אמן</strong> meine Brüder.<br>Das letzte <strong>אמן</strong> sprecht´s durch´s ganze Jahr.<br>O sprecht es aus, so wie es jetzt erklungen,<br>So dankerfüllt und freudevoll verschönt,<br>Sprecht´s immer aus, wenn ihr Euch selbst bezwungen<br>Und Eures Herzens Widerstreit versöhnt.</p>



<p class="has-text-align-left">Sprecht´s aus, Ihr Brüder, wenn auch längst entschwunden<br>Die Weihestimmung, die uns heut erfüllt,<br>wenn aus Jaum Kipurs hehren Feierstunden<br>Auch nicht mehr tiefer Friede uns entquillt;<br>Sprecht´s aus und sehet da, es wird erstehen<br>Der heil´ge Tag in hoher Majestät,<br>Sein Fittich wird um Eure Schläfen wehen,<br>Wie leise jetzt der Tag zu Ende geht.“&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; –<br>Dann wird es still&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; des Meisters Stimme schweiget,<br>Durch´s Gotteshaus die <strong>שמות </strong>Schauer zieh´n,<br>Der Klang des Schaufors sieghaft aufwärts steiget,<br>Gefolgt von trauten Alltags Melodien.<br>Und von dem Fuß der Kanzel, da zum Blicke<br>Des Meisters er voll Ehrfurcht aufgeseh´n,<br>Sieht einen kleinen Knaben man zurücke<br>Zu seinem Platze ernst und sinnend gehen.</p>



<p class="has-text-align-left">Die Jahre wandern und die Zeiten eilen,<br>Verklungen ist des Meisters letztes Wort,<br>Doch in des Knaben Herzen wird verweilen<br>Die wundersame Predigt fort und fort,<br>Und wenn alljährlich die Nëilostunde<br>Aus Himmels Höh´n zur Erde kehret wieder,<br>Glaubt er zu hören seines Meisters Kunde;<br><strong><em>Die Arme streckt er aus und ruft es nieder,<br>Und innig zu der großen Schar:</em></strong><br>„….. dann sprechet <strong>אמן </strong>meine Brüder.<br><strong><em>Das letzte אמן sprecht´s durch´s ganze Jahr.“</em></strong></p>



<p>Seine Urenkelin, Frau Chawa Kruskal, geb. Breuer, beschreibt in ihrem Buch „Im Kampf für Gott, Samson Raphael Hirsch, Sein Leben und Wirken“ dass Rabbiner Hirsch bereits zu Jom Kippur 1888 geschwächt &nbsp;war, dass er trotzdem aber die Kraft aufbrachte Mincha und Nëila vorzubeten. Da nach Nëila noch Zeit bis zum Feiertagsende war, nutze Rabbiner Hirsch die Zeit zu einer Predigt „über das letzte „Amen“ nach dem Kaddischgebet am Ende von Jom Kippur und seine Worte drangen tief in die Herzen seiner Gemeindemitglieder. ….“</p>



<p>„Einmal mehr nahm die „Adass Jeschurun“ das Joch der Herrschaft Gottes willig und reinen Herzens auf sich und mit dem Schofarton kam der hohe Feiertag zu seinem Ende.“ So beschreibt Frau           Kruskal den Ausklang des Jom Kippur Tages. Wie sehr diese Predigt die Anwesenden beeindruckt haben muss, beweist das Gedicht, dass fast 20 Jahre später in der Festschrift anlässlich des 100. Geburtstages des Rabbiners im „Israelit“ erschien.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="724" height="1024" src="https://hirschinitiative.de/wp-content/uploads/2024/12/Die-letzte-Predigt-724x1024.jpg" alt="" class="wp-image-4968" srcset="https://hirschinitiative.de/wp-content/uploads/2024/12/Die-letzte-Predigt-724x1024.jpg 724w, https://hirschinitiative.de/wp-content/uploads/2024/12/Die-letzte-Predigt-212x300.jpg 212w, https://hirschinitiative.de/wp-content/uploads/2024/12/Die-letzte-Predigt-768x1086.jpg 768w, https://hirschinitiative.de/wp-content/uploads/2024/12/Die-letzte-Predigt-1086x1536.jpg 1086w, https://hirschinitiative.de/wp-content/uploads/2024/12/Die-letzte-Predigt-1448x2048.jpg 1448w, https://hirschinitiative.de/wp-content/uploads/2024/12/Die-letzte-Predigt-scaled.jpg 1810w" sizes="(max-width: 724px) 100vw, 724px" /></figure>



<p>Die Hirschinitiative e.V. plant zur Jahrzeit von Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l am 27. Tewet 5785, 27. Januar 2025, eine Gedenkveranstaltung in Frankfurt am Main. Falls Sie Interesse haben teilzunehmen, melden Sie sich bitte an unter: 030 678 00 700</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Wikipedia: Die&nbsp;<strong>Fraktur</strong>&nbsp;(von&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Latein">lateinisch</a>&nbsp;<em>fractura</em>&nbsp;„Bruch“, seit Mitte des 15.&nbsp;Jahrhunderts auch „gebrochene Schrift“) ist eine&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schriftart">Schriftart</a>&nbsp;aus der Gruppe der&nbsp;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gebrochene_Schrift">gebrochenen Schriften</a>. Sie war von Mitte des 16. bis Anfang des 20.&nbsp;Jahrhunderts die meistbenutzte Druckschrift im deutschsprachigen Raum.</p>



<p><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Wikipedia: Hermann Schwab (geboren 7. April 1879 in Frankfurt am Main; gestorben 1. Juli 1962 in London) war ein deutscher Journalist und Begründer des Mitteldeutschen Presse- und Bilderdienstes. „Zweimal baute sich Schwab eine aussichtsreiche Pressekorrespondenz bzw. einen Bilderdienst aus kleinsten Anfängen auf, erst zerstörte ihm Hitlers Machtergreifung, dann Englands Eintritt in den Zweiten Weltkrieg das mühsam Aufgebaute.“</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/zur-jahrzeit-von-rabbiner-hirsch-sl/">Zur Jahrzeit von Rabbiner Hirsch s&#8220;l</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kislew 5785</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/kislew-5785/</link>
					<comments>https://hirschinitiative.de/kislew-5785/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Nov 2024 12:58:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Monatsblatt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hirschinitiative.de/?p=4940</guid>

					<description><![CDATA[<p>In der Monatsausgabe für den Monat Kislew der Zeitschrift „Jeschurun“ des Jahres 1857 befasst sich Herr Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l mit der Frage, ob wir, die wenigen orthodoxen Juden, die ja innerhalb der Judenheit nur eine Minderheit darstellen, überhaupt eine Daseinsberechtigung haben. Nach orthodoxer Auffassung hat sich die Minderheit der Mehrheit zu beugen. An [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/kislew-5785/">Kislew 5785</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-small-font-size">In der Monatsausgabe für den Monat Kislew der Zeitschrift „Jeschurun“ des Jahres 1857 befasst sich Herr Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l mit der Frage, ob wir, die wenigen orthodoxen Juden, die ja innerhalb der Judenheit nur eine Minderheit darstellen, überhaupt eine Daseinsberechtigung haben. Nach orthodoxer Auffassung hat sich die Minderheit der Mehrheit zu beugen.</p>



<p class="has-small-font-size">An der Länge dieses Artikel allein schon ist zu erkennen, dass es sich mit der Beantwortung dieser Frage Rabbiner Hirsch nicht einfach gemacht hat. Der betrachtet das Thema aus sehr vielen Blickrichtungen.</p>



<p class="has-small-font-size">Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter:</p>



<p class="has-text-align-center has-small-font-size"><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/titleinfo/2932853">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/titleinfo/2932853</a></p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size"><strong>Die Minorität.</strong></p>



<p class="has-text-align-center">&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;</p>



<p class="has-text-align-right">&nbsp;—Ihr seid die Minorität —</p>



<p class="has-text-align-right"><a href="#_ftn1" id="_ftnref1"><strong><sup><strong><sup>[1]</sup></strong></sup></strong></a><strong> —</strong><strong> אַתֶּם הַמְּעַט </strong><strong>—</strong></p>



<p>„Ihr seid die Minorität!“ hören wir nicht selten uns entgegenhalten, „Ihr seid die Minorität!“ — Ob wir es wirklich sind, ob in der großen Gemeinde der allzerstreuten jüdischen Gesamtheit die Bekenner des alten jüdischen Gesetzes in der Tat heutzutage die Minderzahl bilden, wir wissen es nicht, wir glauben es nicht einmal. Da man uns jedoch dafür hält — und in gewissen, bestimmten Kreisen sind wir ja unleugbar die Minorität, — da man unsere Sache damit in den Augen unserer jüngeren Zeitgenossen zu diskreditieren strebt, — hält sich doch der Gedankenlose am meisten geborgen, wenn er dem breitgetretenen Geleise der Menge folgt, — und da wir endlich, wie bemerkt, in bestimmten, einzelnen Kreisen unleugbar die Minderzahl bilden — so ist ja wohl Veranlassung genug, darauf einzugehen und einmal ernst und ruhig unsere Lage und unsere Aufgabe von dem Standpunkt einer Minorität aus zu würdigen, und zu ermitteln, wie viel Wohl oder Wehe, wie viel ﻿Niederschlagendes oder Ermutigendes in dem Bewusstsein liege: zur Minorität zu gehören, vor allem aber sodann uns klar zu machen, welche Gefahren wir zu vermeiden, welche Pflichten wir zu erfüllen haben, wenn wir denn von der Gegenwart irgendwo und irgendeinmal auf den Standpunkt einer Minorität uns zurückgedrängt erblicken. Bringt uns doch ohnedies dieser Monat das Makkabäerfest des Sieges der <strong>מְעַטִּים</strong> über die <strong>רַבִּים</strong><strong> </strong><a href="#_ftn2" id="_ftnref2"><strong><sup><strong><sup>[2]</sup></strong></sup></strong></a>, der Minorität über die Majorität, weil es &nbsp;<strong>טְהוֹרִים</strong>gegen<strong>טְמֵאִים </strong>&nbsp;<a href="#_ftn3" id="_ftnref3">[3]</a> waren, weil es der Sache der Gesetzestreue gegen den Abfall galt, und kann keine Stimmung geeigneter sein, die Vorteile, Gefahren und die eigentümliche Aufgabe einer Minorität in dem rechten Licht zu betrachten, als eben die, die der Geist eines solchen Erinnerungsfestes über uns verbreitet.</p>



<p class="has-text-align-center"><strong>1.</strong></p>



<p>Wir sind also die Minorität; wohl! Sollen wir darum unserer eigenen Sache misstrauen, an unserer eigenen Sache verzweifeln? Lasst uns sehen! Sind es die quantitativ größeren Massen, denen wir überall die edleren, wichtigeren, zukunftsreicheren Zwecke und Tätigkeiten überantwortet sehen? Ist es vorzugsweise das Unedlere, Bedeutungslosere, das der Verkümmerung und dem Vergehen Anheimfallende, für welches wir das massenhaft Geringere überall als Träger und Werkzeug erblicken? Und waren es die Majoritäten oder Minoritäten, die uns die Geschichte unserer Vergangenheit als die jedesmaligen Retter unserer Zukunft verkündet?</p>



<p>Welch eine verschwindende Größe ist die Masse der Knospen, der Blüten, des Samens, des Samenstaubes gegen die Masse der Zweige, der Äste und des Stammes; und wo haben wir die Zukunft des Baumes, wo die edleren, weiterreichenden, zweckschaffenden, zukunftbauenden Tätigkeiten zu suchen, im massigen Stamm, oder im Kreis der stoffarmen, schwachen, kleinen, zarten Blüte und ihrer verduftenden Genossen?</p>



<p>Welche Majoritäten und Minoritäten erscheinen uns im Wunderbau des menschlichen Organismus! Welche Majoritäten und Minoritäten, wenn wir die Träger des Empfindens, Wahrnehmens, Denkens, Wollens, Bewegens, Lebens, der Masse des übrigen Leibes gegenüber messen und wägen — etwa wie 7 zu 1 steht die Masse des Fleisch- und Knochenleibes zur Masse des Bluts, wie 30 zu 1 zur Masse des Gehirns, wie 200 zu 1 zur Masse des Herzens, und nun gar zur Masse eines einzelnen, das Hören, das Sehen bedingenden Nerven — hat der Schöpfer des Menschenorganismus Majoritäten oder Minoritäten zu Trägern des Lichtes und des Lebens bestellt, zu Werkzeugen der Erkenntnis und der Empfindung, zu Wahrern und Bildnern jedes göttlichen Gedankens und jeder Gott nachstrebenden Regung berufen, hat er Majoritäten oder Minoritäten die Wartung und Pflege, die Verwirklichung und Vollendung des Höchsten im Menschen anvertraut —?</p>



<p>Und nun gar die Geschichte! Unsere Geschichte! Mit welcher Minorität beginnt unsere Geschichte! Welch eine Minorität unter allen Minoritäten hatte sich der Hort Israels und der Menschheit herausgegriffen und auf sie, auf diese kleinste, winzigste aller Minoritäten, Israels und der Menschheit ganze Heilszukunft gelegt! Die Gesamtmenschheit und — Abram: Da habt ihr eine Majorität und Minorität! „Abram der Ibri“ — <a href="#_ftn4" id="_ftnref4"><sup>[4]</sup></a>&nbsp; <strong>כָּל הָעוֹלָם כֻּלּוֹ מֵעֵבֶר אֶחָד וְהוּא מֵעֵבֶר אֶחָד</strong>, wie R. Jehuda dieses Epitheton<a href="#_ftn5" id="_ftnref5"><sup>[5]</sup></a> deutet — Die ganze Welt auf der einen Seite, die ganze Welt auf der Seite polytheistischer Lüge und Entartung, und er allein auf der andern, er allein auf der Seite der Wahrheit und Reinheit bei seinem Gott! — und nach einem solchen Anfang wollt ihr von Majorität und Minorität im Judentum reden?</p>



<p>Und nun weiter nach Abraham, in welch kleine Kreise blieb Geschlechter hinab die Erkenntnis des Wahren und Guten geflüchtet (verborgen) , mit welchen kleinen Minoritäten muss sich noch Jahrhunderte hindurch die Wahrheit begnügen, deren endliche (eigentliche) Bestimmung der Bereich der Gesamtmenschheit ist und die, wie sie mit der kleinsten aller kleinen Minoritäten, mit der Überzeugung eines einzigen Mannes begonnen, ihr Ziel nicht erreicht hat, so lang sie nicht die größte aller großen Majoritäten, solange sie nicht das Herz aller Menschen für sich gewonnen!<a href="#_ftn6" id="_ftnref6"><sup>[6]</sup></a> Jahrhunderte hindurch sieht sie sich noch nur von einem einzelnen Haus, von einer einzelnen Familie — Isaak, Jakob — gekannt, anerkannt und vertreten, und als diese Bekenner der härtesten Probe in dem Schmelzofen der Knechtschaft, des Drucks und der Verhöhnung hingegeben werden sollten, zählte ihre Minorität nicht mehr als 70 Seelen! Ja, so sehr, scheint es fast, soll die Geschichte des Reichs der göttlichen Wahrheit auf Erden es von vornherein an der Stirn tragen, dass sie des materiellen Übergewichtes der Massen nicht bedarf, dass sie selbst innerhalb ihrer kleinen Minorität die materiell bevorzugten Persönlichkeiten — die Ältesten, Erstgeborenen — übergeht und ihre Träger, Vertreter und Verfechter in den Jüngeren, Nachgeborenen findet. Nicht Ismael: Isaak, nicht Esau: Jaakob wird Fortträger des göttlichen Bundes. Nicht Reubens, des Erstgeborenen, Josefs des Jüngeren, Scheitel schmückt der Kranz des göttlichen Wohlgefallens. Selbst Moses war der Jüngste unter den von Gottes Geist berührten Geschwistern, und David — „der Kleine“, Jüngste, Letzte unter den kraftstrotzenden Söhnen Ishais!</p>



<p><strong>אַתֶּם הַמְּעַט</strong>, ihr seid die Minorität, sprach Gott zu Israel, als er es als sein Volk in den Kreis der Völker einführte und auch in Israel waren es meist nur Minoritäten, die seine Sache in Israel und Israel für seine Sache retteten. Moses mit seinen Leviten beim goldenen Kalb, Josua und Kaleb bei den Kundschaftern, Pinchas mit seinem Feuereifer, die Richter und Retter alle, die Gott seinem Volk in Zeiten des Verfalls weckte, Jerubbaal<a href="#_ftn7" id="_ftnref7"><sup>[7]</sup></a>, der seines Vaters Baals-Altar umstürzte und dann mit den 300 Nichtknienden Israels Rettung vollbrachte, Obadja<a href="#_ftn8" id="_ftnref8"><sup>[8]</sup></a>, Achabs<a href="#_ftn9" id="_ftnref9"><sup>[9]</sup></a> Haushofmeister, der an Isabels Hof der Gottes-Sache lebte und der Propheten des Herrn Retter ward, Elijahu<a href="#_ftn10" id="_ftnref10"><sup>[10]</sup></a> am Karmel, Elischa<a href="#_ftn11" id="_ftnref11"><sup>[11]</sup></a> und die Dreitausend, deren Knie sich nicht dem Baal gebeugt und deren Mund nicht den Baal geküsst, alle Propheten, alle die Männer, die Gott „mit der Macht seines Geistes erfasste und sie zurückhielt, nicht in dem Weg der Masse zu gehen und zu ihnen sprach: Nennet nicht Verrat, was dieses Volk Verrat nennt, und was es fürchtet, fürchtet nicht und haltet nicht für stark! <strong>ה&#8216; צְבָאוֹת</strong><strong> </strong>Den heiliget, Er sei, was ihr fürchtet, Er, was euch Kraft und Stärke gibt!“, sie alle und Esra und Nechemia<a href="#_ftn12" id="_ftnref12"><sup>[12]</sup></a> und die Männer der großen Versammlung, die „der Gottes-Erkenntnis und der Gesetz-Verehrung die alte Krone wieder verschafften&#8220;, und Matisjahu<a href="#_ftn13" id="_ftnref13"><sup>[13]</sup></a> und sein Haus, die ihr Volk vor dem Untergehen ins hellenische Unwesen retteten, — was waren sie anders, als kleine, winzige Minoritäten, die den Mut hatten, der großen, bedeutenden Volksmajorität gegenüber Opposition zu machen und, Gott und der Wahrheit ihrer Sache vertrauend, in der Zuversicht lebten und starben, für diese Majoritäten selber, jedenfalls aber für deren Nachkommen die heilige Gottessache durch ihre Treue und Festigkeit siegreich hinüber zu retten?</p>



<p>Und für die Gegenwart, für die fernere Zukunft? Schlagt doch die Bücher der Propheten auf, sind es Majoritäten, auf die sie für die fernen und fernsten Zeiten die Hoffnungen ihres Volkes die Siegeszuversicht ihrer Gottessache bauen?</p>



<p>„Ein armes und erschöpftes Volk lasse ich in dir übrig, die werden ihre Zuversicht setzen in den Namen: Gott! Israels Rest wird kein Unrecht üben, und keine Täuschung reden, in ihrem Munde wird sich keine Sprache des Truges finden, denn sie, sie werden weiden und ruhen und keiner stört.&#8220;</p>



<p class="has-text-align-right">(Zephanja.)</p>



<p>„Ihr sagt, Torheit ist&#8217;s, Gott zu dienen, was kommt dabei heraus, wenn wir sein Gebot beachten und wenn wir trüb und ernst in Angst vor Gott wandeln, die Mutwilligen preisen wir glücklich, usw. Da sprachen sich Gottesfürchtige einer gegen den andern aus und Gott merkte auf und hört und es wird ins Gedächtnisbuch vor ihm verzeichnet, für die Gottesfürchtigen und Denker seines Namens. Und das werden die Meinen für die Zeit, da ich mir einen Kern bilde usw.&#8220;</p>



<p class="has-text-align-right">(Maleachi.)</p>



<p>— — — — — Die Schweinefleisch essen und verworfener Speisen Brühe in ihren Geräten haben und dabei sprechen: bleibe für dich, komme mir nicht nahe, denn ich bin heiliger als du, die sind Dampf in meinem Zorne, loderndes Feuer jeden Tag! — — — Wie man Most in der Traube findet und spricht: vernichte sie nicht, es ist noch Segen daran, so tue ich auch um meiner Diener willen, um nicht alles zu verderben, und entwickle noch aus Jaakob eine Saat und aus Jehuda einen Erben meiner Berge, meine Erwählten werden es erben und meine Diener dort wohnen — — — Ihr aber, die ihr Gott verlasset, meines heiligen Berges vergesset, die ihr dem Glücke den Tisch decket und der Bestimmung Trankopfer füllet, Euch usw. —&nbsp; — — Höret das Wort Gottes, die ihr ängstlich seinem Worte zustrebet! Eure Brüder, die euch hassen und verachten, sagen freilich: „wegen meines Ansehens wird Gott geehrt!“ In <strong>eurer</strong> Freude wird Er sich zeigen und sie werden beschämt. Hört ihr die Stimme des Aufruhrs aus der Stadt, die Stimme aus dem Tempel? Es ist Gottes Stimme, der seinen Feinden Vergeltung lohnt usw. Wie ein Mann, den seine Mutter tröstet, so tröste ich euch und in Jeruschalaim findet ihr Trost. Ihr sehet es, und es geht euch euer Herz auf usw. Denn siehe, in Feuer kommet Gott und wie Sturm seine Gespanne usw. usw. Die sich eine Heiligkeit, eine Reinheit erträumen, den Lustgefilden nach, der weiblichen, abhängigen zwischen Gott und Menschen gestellten (Welt=) Einheit nach, Schweinefleisch essend, Wurm und Nagetier, sie nehmen zusammen ein Ende, spricht Gott usw. — — — Meinen Leib gab ich den Schlägern, meine Wange den Raufern, hab&#8216; mein Angesicht nicht vor Schimpf und Speichel geborgen, und Gott, wird mir beistehen, darum scheute ich mich nicht, darum machte ich kieselfest mein Angesicht, wusste ich doch, ich würde nicht zu Schanden usw. usw. Wer darum unter euch, der gottesfürchtig und seines Dieners Stimme gehorsam, im Dunkel wandelt und ihm kein Lichtstrahl leuchtet, er vertraue auf den Namen: „Gott“, und stütze sich auf seinen Gott usw. usw. Schauet hin auf den Fels, aus dem ihr gehauen, und auf den Bornhammer, mit dem ihr gegraben, schauet auf Abraham hin, euren Vater, auf Sara, die euch gebären sollte: es war eben nur ein Einziger, den ich berief, auf dass Ich ihn segnen, Ich ihn wollte viel lassen werden! — — — Nur ein Rest wird zurückkehren, ein Rest Jaakobs zum allmächtigen Gott, — — — Noch ist ein Gott geweihtes Zehnt darin, werde es auch wieder und wieder der Vernichtung wie Eiche und Buche, die wie Blätter-Abwurf den Stamm doch bewahren, so bleibt Heiligtumssaat sein Stamm! (Jesaias) — — Einen aus der Stadt und zwei aus der Familie nehme ich euch und bringe euch nach Zion, und gebe euch Hirten nach meinem Herzen, die weiden euch mit Erkenntnis und Verstand!</p>



<p class="has-text-align-right">(Jeremias) — — — —</p>



<p>— — und die jüdische Sache, die Sache des jüdischen Gottesgesetzes wäre verloren, wenn nur noch eine Minorität ihm ihre Treue bewährte, es dürfte der letzte, vereinzelteste Jude verzweifeln und nicht auf Abraham hinschauen, der auch nur Einer war, als Gott ihn rief, auf Moses nicht, auf dessen Treue allein zuletzt Gott noch seinem Gesetz wieder das Volk der Verheißung erbauen wollte? Das Gottes-Gesetz zählt seine Anhänger nicht!</p>



<p>Nicht? Lehrt denn nicht eben dieses Gottes-Gesetz: <a></a><a href="#_ftn14" id="_ftnref14"><sup>[14]</sup></a> <strong>&nbsp;</strong><strong>אַחֲרֵי רַבִּים לְהַטּוֹת</strong>, „Entscheide nach der Mehrzahl!“ heiligt es nicht eben diesen Grundsatz des Majoritäts-Ausschlages als das wichtigste, unerschütterliche Prinzip des ganzen von ihm errichteten Gebäudes! Müssen wir nicht der Mehrheit folgen? Ist nicht <a href="#_ftn15" id="_ftnref15"><sup>[15]</sup></a> <strong>יָחִיד וְרַבִּים הֲלָכָה כְּרַבִּים</strong> schwindet nicht die Einzel-Ansicht in die Ansicht der Mehrheit und verdankt nicht eben diesem Prinzip das Judentum seine Einheit und Festigkeit, seine Reinheit und Dauer? Und würde nicht eine solche Minorität wie eben diese in demselben Moment den ersten Grundsatz des Gesetzes brechen, für dessen Unverletzlichkeit sie der Majorität gegenüber in die Schranken träte?</p>



<p>Gemach, gemach! Freilich lehrt dieses Gesetz: <strong>אַחֲרֵי רַבִּים לְהַטּוֹת</strong>; aber unmittelbar zuvor warnt es: <a href="#_ftn16" id="_ftnref16"><sup>[16]</sup></a> <strong>לֹא תִהְיֶה אַחֲרֵי רַבִּים לְרָעֹת</strong> „folge nicht der Majorität zum Bösen!“ und hat eben damit jenem Majoritätsprinzip die Grenze gezogen, über welche hinaus es aus einem Grundsatz des Heiles sich zu einem Prinzip des Bösen umwandelt und statt eines Werkzeugs der Erhaltung als ein Mittel der Zerstörung und des trostlosesten Untergangs sich darbieten würde. Ja wohl hat die Minorität der Majorität sich zu fügen. Wann? Wenn beide, Majorität und Minorität auf gleichem Boden der Gesetzlichkeit stehen, wenn beide mit gleich hingebender Treue das göttliche Gesetz als die einzige geltende Norm über sich anerkennen, wenn <a href="#_ftn17" id="_ftnref17"><sup>[17]</sup></a> <strong>אֵלּוּ וָאֵלּוּ דִּבְרֵי אֱלֹקִים חַיִּים</strong>, wenn es sich innerhalb des Gesetzes um Entscheidung aus dem Mund eines Tribunals, dessen Glieder durch Kenntnis und Charakter in gleich berechtigter Kompetenz dastehen und über Fragen handelt, hinsichtlich deren eben dieses Gesetz die Majoritätsentscheidung sanktioniert. Wenn es sich aber um Sein oder Nichtsein des Gesetzes selber handelt, wenn Dinge in Frage gestellt sind, die eben innerhalb dieses Gesetzes über alle Fragen erhaben sind, wenn der Majorität der Abfall vom göttlichen Gesetz beliebt, die Minorität auf dem Boden des göttlichen Gesetzes verharrt, da heißt es: <a href="#_ftn18" id="_ftnref18"><sup>[18]</sup></a> <strong>אֵין חָכְמָה וְאֵן עֵצָה וְאֵן תְּבוּנָה נֶגֶד ה&#8216;</strong>, <strong>gegen</strong> Gott gilt keine Weisheit und keine Klugheit und keine Einsicht, <strong>gegen</strong> Gottes Gesetz kein Lehrer und Priester, keine Majorität und keine Minorität, <strong>בִּמְקוֹם שֶׁיֵּשׁ חִלּוּל הַשֵּׁם אֵין חוֹלְקִים כָּבוֹד לָרֹב</strong><strong> </strong>und <strong>קֶשֶׁר שֶׁל רְשָׁעִים אֵינוֹ מִן הַמִּנְיָן</strong>, die größte Vereinigung von Gesetzesübertretern ist eine völlig verschwindende Größe auf der Waagschale der Gewissensentscheidung.</p>



<p>Aber wir tun euch Unrecht, wenn wir euch vom göttlichen Gesetz Abgefallene nennen, eure Orakel lehren euch aus dem Gesetz selber die Selbstentthronung dieses Gesetzes, lehren euch unter dem Banner der Thora den am Sinai geschworenen Fahneneid brechen, — wohl, mag darüber euch und eure Orakelspender Gott richten. Uns zeigt ihr eben mit diesem eurem „Prinzip“ die tiefe Kluft, die uns voneinander trennt, zeigt uns, wie wir längst schon nicht mehr auf gleichem Boden des Gesetzes zusammenstehen, zeigt uns, wie wir längst bereits an den Punkt gekommen sind, wo wir die Stimmen nicht mehr zählen dürfen, wo uns — verzeiht, wir können nicht anders — das alte Gesetz vom Sinai zuruft: „Folgt nicht der Majorität zum Bösen!“&nbsp;&nbsp; <strong>לֹא תִהְיֶה אַחֲרֵי רַבִּים לְרָעֹת</strong> — — —</p>



<p>So sehr verzweifelt stehts also wohl noch um keine Sache der Wahrheit und des Rechts, wenn sie auch zeitweilig nur eine Minorität zu ihren Trägern findet, wenigstens liegt in diesem Minoritätsverhältnis kein Grund zur Verzweiflung und am allerwenigsten dürfte so ohne weiteres eine jede Majorität zu einer jeden Minorität in jeder Sache auf ihre Mehrzahl pochend sprechen, ihr habt mit euren Überzeugungen und Ansichten kein Recht, keine Berechtigung, ihr seid die Minderzahl, ihr müsst euch fügen. Israels ganze, mehr als viereinhalbtausendjährige Geschichte ist hierfür Bürge, sie ist ja nichts, als die Geschichte der siegreichen Ausdauer einer winzigen, ohnmächtigen Minorität gegenüber der immensen Übermacht einer Majorität, die nicht weniger als die ganze übrige Gesamtmenschheit zu ihren Gliedern zählt.</p>



<p class="has-text-align-center"><strong>2.</strong></p>



<p>Allein eben die Tatsache, dass sich der Vater der Menschheit für das Kleinod seiner die Menschheit erlösenden Wahrheit eine so winzige Minorität zu Trägern erkoren, berechtigt zu der Annahme, es müsse die Sache der Wahrheit in dem Schoße einer Minorität sich in ihrer Existenz und in ihrem endlichen Sieg nicht nur nicht gefährdet sehen, vielmehr eben dort Bedingungen ihrer Pflege und Erhaltung finden, deren eine erst zum Kampf und Sieg berufene Wahrheit inmitten zahlreicher widerstrebender Elemente so sehr bedarf, die ihr aber im Schoß einer Majorität seltener und jedenfalls in geringerem Maße zu erwarten stünden. Kurz, wir glauben uns berechtigt, uns nach den <strong>günstigen</strong> Verhältnissen umzuschauen, die sich eben im Schoß einer Minorität für die sicherere Pflege der Wahrheit als vorhanden darstellen dürften, glauben uns fragen zu dürfen: was liegt in einer Minoritätsstellung <strong>Günstiges</strong> für die Sache der Wahrheit, die sie trägt?</p>



<p>Und da treten uns sogleich zwei der bedeutendsten Momente entgegen:</p>



<p>„In dem Schoße einer Minorität findet die Wahrheit immer 1) <strong>treuere Pflege</strong> und 2) <strong>reinere Träger</strong>!“</p>



<p>Eine siegreiche Majorität wird zuallererst ihrer eigenen Sache untreu. Sie hat gesiegt, sie ist die Mehrzahl, ihre Sache ist geborgen, sie ist ihr etwas Abgemachtes, Zurückgelegtes, — Zurückzulegendes; anderen Bestrebungen, anderen Erkenntnissen mögen fortan Geister und Gemüter sich zuwenden; die alte Wahrheit, für die so viel gekämpft, so viel gerungen, deren Steg so viel gekostet, steht nun sicher unter dem Palladium einer Majorität; von ihrer weiteren geistigen Pflege ist nichts mehr zu erwarten, sie ist über alle weitere Anfechtung erhaben, die Majorität steht ja für sie ein, und&nbsp; — gibt sie eben damit selber preis. Die Majorität vergisst, dass sie ihren Sieg nur der Sache verdankt, sie wähnt, die Sache habe nur ihr, nur der Mehrzahl ihren Sieg zu verdanken, es genügt ihr, fortan die Zahl ihrer Anhänger zu erhalten, zu vermehren; der geistige Gehalt der siegreichen Wahrheit wird nicht mehr angebaut, wird vergessen; als Wortschall, als Name steht sie noch auf dem Majoritätspanier gezeichnet, geht sie noch, als äußere Erkennungsparole, von Generation zu Generation; ihr Inneres ist aber hohl oder oft von missgestalteten Larven ihres Gegenteils erfüllt; für die Geister und Gemüter ist sie verloren, — ihr Sieg hat sie begraben.</p>



<p>Treten wir dagegen in den Kreis einer Minorität — dort ist die Sache alles, muss sie alles sein; denn, wenn ihnen die Sache entschwände, was bliebe ihnen übrig? Nur in dem geistigen Wert ihrer Sache vermag eine Minorität den gegenwiegenden Ersatz für das zu gewinnen, was ihr an materieller Zahlengröße abgeht; nur in dem lebendigsten Bewusstsein eben dieser ihrer geistigen Bedeutung mag sie jenes Selbstgefühl sich zu erringen, das zu jeder spezifischen Fortexistenz so notwendig ist. Das Dasein der Minorität ist daher wesentlich daran geknüpft, dass sie in allen ihren Gliedern stets den ganzen geistigen Fonds der von ihr vertretenen Sache wach halte, und wie der Leib zu seinem lebendigen Dasein des Atmens bedarf, so muss die Minorität in jedem Augenblick aufs Neue sich die frische Begeisterung, den frischen Mut, die ausdauernde Kraft und die im engen und engsten Kreis sich heiter auslebende Energie des Geistes und Herzens aus dem geistigen Born ihrer Sache schöpfen. Ja eben der Gegensatz zur Majorität treibt sie von selbst dazu, immer neu sich in den geistigen Gehalt ihrer Sache zu versenken, sie immer neuer Forschung zu unterziehen, ihren Inhalt nach allen Seiten hin immer aufs Neue zu verfolgen, sie immer neu in ihren Einzelheiten, wie in ihrer Gesamtbedeutung sich zum Bewusstsein zu bringen und sich immer neue Antwort auf die alte, sie seit ihrem Auftreten notwendig begleitende Frage zu schaffen: warum denn nicht auch zur Fahne der Majorität schwören, warum denn nicht auch dorthin übertreten, wo die Zahl und die Macht und das materielle Übergewicht glänzt? Nie wird eine Minorität ihre Sache nur zu dem geistigen Standesgut weniger Eingeweihten machen wollen, ohne ihre ganze Existenz aufs Spiel zu setzen. Wie sie den geistigen Strom der Erforschung und Erkenntnis bei ihren Gliedern hemmt, gibt sie dieselben dem Absterben und dem welken Hinüberfallen in den Schoß der zu jeder Aufnahme stets bereiten Majorität haltungslos preis. Zur geistig-wachen Selbsterkenntnis muss sie ihre Glieder erziehen wenn sie die ihrigen bleiben sollen, ein jeder muss sich selbst sagen können, wofür er einsteht und wofür er duldet. Und wie den Geist, so vor allem muss sie den Mannescharakter in Jung und Alt groß zu ziehen verstehen, der nicht nur Wahres zu erkennen, sondern die erkannte Wahrheit um jeden Preis zu erkaufen und um keinen Preis des Himmels und der Erde feil zu geben bereit ist. Und wenn nun erst eine solche Minorität für ihre Sache große Opfer, langjährige Opfer gebracht, wenn sie als Märtyrertum von Vater zum Enkel sich vererbt, wenn der Sohn seines Vaters, wenn der Enkel seines Ahns nicht zu gedenken vermag, ohne zugleich jener Sache in ihrem ganzen Glanz, in ihrem ein ganzes Mannesleben ausfüllenden Wert zu gedenken, wenn diese Sache sich erst bereits auch in Wahrheit in ihrer göttlichen, obsiegenden und alles andere mit seligstem Bewusstsein ersetzenden Kraft bewährt hat, wenn sie triumphierend ihre kleine Schar zum Kampf und zum Siege durch Jahrhunderte geführt, dann — ja dann wird sie also in Fleisch und Blut, in Geist und Seele ihrer kleinen Phalanx<a href="#_ftn19" id="_ftnref19"><sup>[19]</sup></a> hineingelebt sein, dass sich diese von ihr wie auf geistigen Adlersflügeln fortgetragen fühlt und — die materiellen Halte und Hebel einer größeren Majoritätszahl gar nicht mehr vermisst.</p>



<p>Diese Folgerungen ergeben sich so natürlich aus der eigentümlichen Natur einer jeden Minoritätsstellung, dass wir uns wahrlich nicht zu wundern brauchen, sie in der ganzen historischen Erscheinung der ältesten und „hartnäckigsten“ Minorität, wir meinen in der ganzen historischen Erscheinung der Judenheit bis auf die allerneuste Zeit herab verwirklicht zu sehen. Wir sagen mit Bedacht, bis auf die allerneuste Zeit. Denn, wenn unsere Vergangenheit die glänzendsten Belege von der erhaltenden Kraft des Geistes bietet, den eine Minorität durch Forschung und Erkenntnis in allen ihren Gliedern wach zu halten weiß, so bestätigt die Erschlaffung der Gegenwart dasselbe durch den Gegensatz, indem sie zeigt, wie verloren die Minorität ist, die, der Majorität nachahmend, noch den Namen ihrer Sache auf ihre Parteifahne schreibt, aber ihre Erkenntnis und ihren Geist einem Stand überantwortet und ihrer Gesamtheit entzieht. Indem Gott zu Israel: <strong>אַתֶּם הַמְּעַט</strong>, ihr seid eine Minorität sprach, sprach er zugleich: <a href="#_ftn20" id="_ftnref20"><sup>[20]</sup></a> <strong>לֹא יָמוּשׁ סֵפֶר הַתּוֹרָה הַזֶּה מִפִּיךָ וגו&#8216;</strong>, es weiche das Buch dieser Lehre nicht von deinem Munde, forsche darin Tag und Nacht, schärfe sie deinen Kindern ein und sprich davon, wenn du zu Hause sitzt und wenn du des Weges gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst.<a href="#_ftn21" id="_ftnref21"><sup>[21]</sup></a> Wohl hatte Gott auch in Israel, in dieser Minorität, noch eine engere Minorität, einen Stamm zur noch spezielleren Pflege seiner heiligen Sache im Kreise ﻿seiner Minorität erwählt, und entzog derselben noch den letzten übrigen materiellen Boden, auf dass er von ihr sagen konnte: <a href="#_ftn22" id="_ftnref22"><sup>[22]</sup></a> <strong>ה&#8216; הוּא נַחֲלָתוֹ</strong>, „Gott ist ihr Erbteil“. Allein nicht zum Standeseigentum machte er diesem Stamm seine heilige Sache, zu Herolden, Lehrern, Predigern seines Wortes an sein Volk rüstete er sie aus, ließ Israels Geistliche und Priester die Verbreitung der „Theologie“, der theologischen Erkenntnis und Wissenschaft bis in die niedrigsten Volksschichten als ihre höchste Aufgabe erkennen, ließ es dahin kommen, dass <strong>Israels </strong>Geistliche als ihren höchsten Triumph Gott erstrebten — durch allverbreitete Lehrerkenntnis — sich überflüssig zu machen, und gewiss hätte man keiner Majorität also wie der winzigen jüdischen Minorität vertrauen können, dass in ihr „das Studium ihrer Sache&#8220;, <strong>תַּלְמוּד תּוֹרָה</strong> , das Lernen, noch mehr das Lehren der Thora, als das höchste, glänzendste, alles überragende Verdienst für alle dastehen würde, <strong>תַלְמוּד<a href="#_ftn23" id="_ftnref23"><sup><strong><sup>[23]</sup></strong></sup></a> </strong><strong>&nbsp;תּוֹרָה כְּנֶגֶד כֻּלָּם</strong><strong></strong></p>



<p class="has-text-align-center"><strong>3.</strong></p>



<p>Ist Geist und Gemüt ihrer Bekenner in der Tat der einzige, wirkliche und wahrhaftige Lebensboden einer zum Sieg zu tragenden Wahrheit, ist das immer neue und frische Durchforschen und Durchdenken derselben die einzige, wirkliche und wahrhaftige Pflege, deren sie bedarf und deren sie fähig ist, so haben wir nach allem Obigen wohl nicht zu viel gesagt, indem wir meinten, in dem Schoß einer Minorität fände die Wahrheit immer eine treuere Pflege.</p>



<p>Allein siegende Erkenntnis einer Wahrheit ist nicht nur durch die <strong>geistige </strong>Hingebung ihrer Bekenner bedingt, die sittliche Reinheit ihrer Träger, insbesondere die Reinheit der Gesinnung, die zu ihrem Bekenntnis leitet und die ihre Forschung begleitet, ist ein zweites nicht minder wesentliches Moment, und auch in Betreff dieses Momentes erblicken wir die Sache der Wahrheit im Schoß einer Minorität in entschiedenem Vorteil. Sie kann im Schoß einer Minorität immer auf <strong>reinere Träger</strong> rechnen.</p>



<p>Freilich befinden wir uns mit der ganzen Hervorhebung dieses Moments in entschiedenem Gegensatz zu den genialen stimmführenden Leitern unserer Zeit. Freilich ist ihnen der kritische Lehrstuhl der Gelehrsamkeit so sehr etwas vom praktischen Leben abseitsliegendes, dass ihnen Charakter und Wissenschaft, Bekenntnis und Erkenntnis, praktischer Lebensgrundsatz und theoretisches Axiom, mit einem Wort Sittlichkeit und Wahrheit so sehr geschiedene Gebiete sind, dass sie wissenschaftliche Wahrheit von dem praktischen Verleugner derselben erwarten, dass sie das schmutzigste Gefäß für tauglich erachten, das reine Wasser der lebendigen Wahrheit zu wahren, und ihnen der nicht auf der Höhe der Zeit zu stehen scheint, dem die Rechtschaffenheit des Forschers nicht gleichgültig ist für die zu erwartende Richtigkeit des Ergebnisses der Forschung.</p>



<p>Trügt uns nicht alles, so sind sie selbst für rein theoretische Erkenntnis solcher Wahrheiten, deren Gegenstand vom praktischen sittlichen Leben durchaus fern liegt, völlig im Irrtum. Wer kann sagen, dass er Wahrheit, absolute Wahrheit gefunden! Aber Wahrheit suchen, Wahrheit wollen, Wahrheit um ihrer selbst willen wollen, um keines Vorteils willen, um keiner Ehre willen, sich dem Ergebnis der Wahrheit von vorn herein gefangen geben, mag dies Ergebnis zum Vorteil oder Nachteil, zum Ruhmeskranz oder zur Beschämung des Forschers ausfallen, mögen Bequemlichkeiten und Unbequemlichkeiten, Süßigkeit oder Bitterkeiten des Lebens sich an die Ferse des Ergebnisses knüpfen, das sind die Bedingungen, von welchem in hohem Grad die Ergebnisse einer jeden Forschung bedingt sind, und das sind Bedingungen, die zu allererst in dem sittlichen Charakter des Forschers wurzeln.</p>



<p>Und nun Wahrheiten, die so wenig von dem praktischen Leben getrennt sind, dass vielmehr dieses praktische Leben selbst ihr vornehmliches Objekt ist, dass in ihrem Gebiet kaum ein Ergebnis der Forschung sich herausstellen kann, das nicht mit der Erkenntnis sofort auch das praktische Bekenntnis, und meist durch opferfreudige Tat im Leben gebieterisch fordert — Wahrheiten, die eben durch das praktische Leben ihrer Bekenner zur Veranschaulichung und eben nur dadurch zur endlichen siegreichen Verbreitung gebracht werden wollen — die Erkenntnis und der Sieg solcher Wahrheiten ist vor allem nicht sowohl von der Zahl ihrer Träger, als von der Reinheit derselben bedingt, und auch für diese Bedingung ist der Schoß einer Minorität der entschieden günstigere.</p>



<p>Gebt einer Wahrheit eine siegreiche Majorität zur Seite, in 99 von hundert Fällen wird der Einfluss dieser Majorität ein nicht zu verschmähendes Gewicht in die Waagschale aller materiellen und mit den materiellen sich kordial<a href="#_ftn24" id="_ftnref24"><sup>[24]</sup></a> verbindenden Bestrebungen werfen; Glück und Fortkommen, Ehre und Ansehen, selbst literarischer Ruhm und Beifall wird meistens leichter im Gefolge der Majorität zu finden sein; die Wege des Lebens und das Urteil der Menge vermögen sich dem Einfluss einer Majorität nicht zu entziehen — sofort ist die von einer Majorität getragene Wahrheit eine reiche Braut, die ihren Freiern nicht zu verachtende Angebinde zur Mitgift beut<a href="#_ftn25" id="_ftnref25"><sup>[25]</sup></a> — wer will fortan die Huldigungen prüfen, die die unter ihre Fahne sich drängenden Massen ihr zujubeln, wie viel davon ihr, wie viel den Aussichten gelten, die ihr Dienst eröffnet? Es gehört nicht eben viel Märtyrertum dazu, sich zu der Ansicht einer Majorität zu bekennen.</p>



<p>Stellt aber die Wahrheit arm und einsam auf rauhen, unwirtsamen Fels, von dem nicht eben viele Wege zu den Gütern der Erde und zu den Ehren der Menschen gebahnt sind, — macht sie nur von Wenigen gekannt, von noch Wenigeren bekannt, von einer geringen, einflußarmen Minderzahl vertreten, deren Anerkennung und Beifall nicht eben schwer wiegt auf der Schale der öffentlichen Meinung, — macht sie zum Stich- und Witz-Blatt und ihre Bekenner zum Gelächter der triumphierenden gedankenlosen Masse, zum mitleidigen Achselzucken der tonangebenden Führer des Trosses, macht Entbehrung und Opfer, Vereinsamung und Selbstverleugnung zu ihrem Angebinde — so werden nur Wenige sich zu ihr gesellen, noch weniger bei ihr ausharren, aber diese Wenigen wird sie in Wahrheit die Ihrigen nennen können. Denn was hätten sie sonst bei ihr zu suchen?</p>



<p>Wer sind die Priester, die Gott an seinem Altar erwartet? Nicht die Leviten, <a href="#_ftn26" id="_ftnref26"><sup>[26]</sup></a> <strong>אֲשֶׁר רָחֲקוּ מֵעָלַי בִּתְעוֹת יִשְׂרָאֵל</strong> , die sich vom Volk ins Schlepptau nehmen und in die allgemeine Verirrung mit hineinreißen ließen; sondern <a href="#_ftn27" id="_ftnref27"><sup>[27]</sup></a> <strong>וְהַכֹּהֲנִים הַלְוִיִּם בְּנֵי צָדוֹק אֲשֶׁר שָׁמְרוּ אֶת מִשְׁמֶרֶת מִקְדָּשִׁי בִּתְעוֹת בְּנֵי יִשְׂרָאֵל מֵעָלַי</strong>, die mit echtem Levitengeist bei Gott ausharrten, wenn auch das Volk das goldene Kalb umtanzte, und als Zadokssöhne ihre Treue nicht dahin wandten, wohin das Glück und die Volksgunst sich neigten, die Wache hielten bei meinem Heiligtum als Israels Söhne von mir sich verirrten, <a href="#_ftn28" id="_ftnref28"><sup>[28]</sup></a> <strong>הֵמָּה יִקְרְבוּ אֵלַי לְשָׁרְתֵנִי וְעָמְדוּ לְפָנַי לְהַקְרִיב לִי חֵלֶב וָדָם נְאֻם ה&#8216; אֱלֹקִים!</strong></p>



<p><strong>Die erwartet Gott bei seinem Altar.</strong></p>



<p>Es gibt keine größere Prüfung und Läuterung, als mit seinen Überzeugungen einsam und allein zu bleiben, und es gibt für die im Sache der Wahrheit kein größeres Glück, als von Zeit zu Zeit ihre Bekenner dieser Minoritätserwähnung auszusetzen. Solche Zeiten sind freudlos, ernst und — reinigend wie der Sturm. Entastet und vereinsamt steht die Eiche da. Kinder weinen über die Verödung. Männer wissen, was den Sturm nicht aushält, was im Sturme abfällt, ist schon ohnehin dem Stamm entfremdet, ist schon ohnehin in seinem Mark nicht mehr mit dem Mark des Stammes verwachsen, ist welk und dürr. Es fällt? Es muss ja fallen, was soll dem Stamm das dürre Reisig! Was im Sturm bleibt, ist frisch und markig, rettet die Zukunft herrlicher als je, <strong>כָּאֵלָה וְכָאַלּוֹן אֲשֶׁר בְּשַׁלֶּכֶת מַצֶּבֶת בָּם זֶרַע קֹדֶשׁ&nbsp; <a href="#_ftn29" id="_ftnref29"><strong>[29]</strong></a>&nbsp;&nbsp; </strong><strong>&nbsp;&nbsp;מַצַּבְתָּהּ </strong>! — — —</p>



<p class="has-text-align-center"><strong>4.</strong></p>



<p>Wir haben einige Lichtseiten an der Minoritätsstellung betrachtet, wollen wir uns nicht auch nach den Schattenseiten umsehen, nicht auch die Gefahren uns vergegenwärtigen, die vielleicht der Sache der Wahrheit erwachsen könnten, wenn sie sich eine Zeit lang von einer Minorität getragen und vertreten sehen würde? Irren wir nicht, so sind auch diese Gefahren ernst genug, als dass eine Minorität, die es ernst mit ihrer Sache meint, vor ihnen ihre Augen schließen und sich sorgloser Ruhe überlassen dürfte.</p>



<p>Heben wir nur die eine und die andere hervor, wie sie sich uns aus der Natur der Sache von selbst ergeben und von der Erfahrung der Zeiten bestätigt erscheinen.</p>



<p>Jede Minoritätsstellung ist eine Prüfung, und in jeder Prüfung liegt Gefahr, wenn auch nicht unmittelbar für die Sache, so doch Gefahr für ihre Träger, die aber doch wieder indirekt ihre Sache gefährdet. Einer Wahrheit, deren Bestimmung die allgemeinste Verbreitung und Anerkennung ist, kann es doch nicht ganz gleich gelten, wie viel sie Anhänger und Bekenner zählt, und noch weniger ihr gleichgültig sein, welche Begriffe und Vorstellungen sich von ihr die Kreise ihrer Nichtbekenner bilden. Sie ist doch hinsichtlich ihres äußeren Bereichs noch umso ferner vom Ziel, je beschränkter annoch<a href="#_ftn30" id="_ftnref30"><sup>[30]</sup></a> der Kreis ihrer Anhänger ist, und je entstellter und getrübter die Vorstellungen sind, die ihre Nichtbekenner von ihr hegen, umso geringer und ferner ist noch ihre Hoffnung, sie dereinst alle durch die ihr innewohnende Macht zu gewinnen.</p>



<p>Es ist nun zuerst das freilich natürliche, aber doch eigentümliche Geschick einer jeden Minorität, dass mehr als irgendwo sonst in ihr von ihren Gegnern die Sache mit den Personen durchaus verselbert<a href="#_ftn31" id="_ftnref31"><sup>[31]</sup></a> wird. Natürlich! Die Majorität, die, wie wir bemerkt, sich sehr bald kaum noch mit dem geistigen Inhalt ihrer eigenen Sache durchdringt, gibt sich noch viel weniger Mühe, die Sache ihrer Gegner in Wahrheit und Wirklichkeit kennen zu lernen. Sie beurteilt die Sache der Minorität nur nach der Erscheinung, in welcher sie durch deren Träger zur Anschauung gebracht wird, und ist dann in der Regel so gedankenlos ungerecht, noch dazu ein jedes einzelne, beliebige, ihr zufällig zu Gesicht kommende Glied der Minorität als Repräsentant der kleinen Gesamtheit zu betrachten. Das ist das Geschick einer jeden Minorität. Das war z. B. das Geschick der jüdischen Minorität in Mitte der großen Völkermajorität seit Jahrtausenden. Man beurteilte das Judentum nach der Judenheit und die Judenheit nach dem ersten besten Juden, der in den Wurf kam. Und obgleich wir so viel unter dieser vorurteilsvollen Gedankenlosigkeit gelitten, wiederholt sie sich doch heutzutage unter uns selber in den Parteiungen, in welche die Judenheit selber im Innern auseinandergetreten.</p>



<p>Wir hätten dieses eigentümliche Geschick der Minorität eigentlich zu ihren Lichtseiten zählen dürfen. Es ist ein Glück, ein nicht zu berechnendes Glück für die Sache der Wahrheit, wenn nicht nur die Gesamtheit ihrer Träger, wenn jeder Einzelne derselben der schärfsten Kritik der Gegner ausgesetzt ist, wenn jeder es fühlt, wenn es jedem zum Bewusstsein gebracht wird, dass die Ehre der Gesamtheit, ja dass die Ehre der Gesamtheitssache von der Gediegenheit und Tadellosigkeit jedes Einzelnen bedingt ist. Es ist das ein unendlicher Sporn für jeden Einzelnen, sich nicht gedankenlos gehen zu lassen, sich vor jeder Geistes- und Charakter-Verirrung zu hüten, um nicht durch seinen Einzelfehl seine Gesamtheit und ihre Sache zu gefährden. Es ist das eben die Eigentümlichkeit, die der jüdischen Minorität jene hohen Begriffe vom <strong>קִדּוּשׁ הַשֵּׁם</strong> und <strong>חִלּוּל הַשֵּׁם</strong><strong> </strong><a href="#_ftn32" id="_ftnref32"><strong><sup><strong><sup>[32]</sup></strong></sup></strong></a> gebracht hat, die sich an das Geistes- und Tatenleben jedes Einzelnen knüpfen, die es jedem Juden tief in die Seele geschrieben hat, dass auch nach außen <strong>כָּל יִשְׂרָאֵל עֲרֵבִים זֶה לָזֶה</strong>, jeder Jude Bürge für den anderen sei und jeder Jude nicht nur für sich, sondern um seiner Gesamtheit und ihrer Sache, um der Judenheit und des Judentums willen untadelhaft und rein dazustehen habe.</p>



<p>Diese Höherschätzung eines jeden Einzelnen und in Folge davon eine schärfere Kritik seiner Denk- und Handlungsweise ist ein ganz natürliches Zubehör zur Minoritätsstellung. Gehöre der Majorität an und kein Mensch wird sich um dich kümmern, du müsstest denn ganz besonders im Guten oder Schlechten hervorragen, sonst fragt dich kein Mensch deinen Katechismus ab, du bedarfst keiner Rechtfertigung für deine Denk- und Lebensweise, es versteht sich ja von selbst, dass man der Mehrzahl folge, auf der beigetretenen Heerstraße der Menge wirst du nach keinem Pass gefragt. Aber wage es einmal, wenn auch noch so still bescheiden, einen Seitenweg für dich zu wandeln, gleich hast du die Augen aller von der Heerstraße auf dich gerichtet, dein Sonderwandel erscheint einem jeden als Anmaßung, als Protest und Vorwurf gegen ihn und seine Masse, der dümmste Majoritätengassenbube fühlt sich berechtigt, dich nach deinem Pass, nach deiner Berechtigung des Alleinwandels zu fragen. „Wenn du nicht besser bist als einer von uns, wenn du deine Schwächen und Gebrechen hast, so gut wie unser einer, warum denn so stolz dich absondern?“ Diese Frage liest Du in aller Blicken. Und was das Schlimmste ist, Dinge, die nicht im Entferntesten mit dem Prinzip, mit der Sache in Verbindung stehen, die dich von der Heerstraße der Menge trennt, Eigentümlichkeiten, Zufälligkeiten, die dir wie jedem ankleben, die dir ebenso eigen wären, wenn du auch mit der Menge wandeltest, die aber dann unbemerkt und ungerügt als menschliche Muttermäler dir verziehen werden würden, kurz der ganze Habitus deines Denkens und Lebens, auch wie du dich „räusperst und wie du spuckst“, setzt man auf Kosten deines Sonderprinzips, in allem und mit allem sieht man bei der Minorität ihre Sache repräsentiert und daher kommt es wohl, dass so selten die Majorität eine gerechte Anschauung von dem Prinzip und der Sache der Minorität sich bildet, dass ihr diese Anschauung sie vielmehr größtenteils zur Karikatur gestaltet. Sollen wir wieder auf das Geschick des Judentums im Kreise der nichtjüdischen Massen seit Jahrhunderten hinweisen? Dasselbe wiederholt sich aber heutzutage unter uns, wo wir zufällig die gesetzestreuen Juden als Minderzahl einer modernen Majorität gegenübersehen. Und das ist ein Malheur. Eine Minorität darf keinen Plebs und keinen Ausschuss, ja sie darf keine Schwächen und Gebrechen haben, es soll die Reinheit und Wahrheit ihrer Sache in dem Geistes- und Tatenleben eines jeden Einzelnen ihrer Glieder zur Erscheinung kommen, und man vergisst, dass <strong>jedes</strong> Prinzip, <strong>jede</strong> Lehre, <strong>jedes</strong> Gesetz ein Ideal sei, dessen Verwirklichung auch dem Ernstesten und Besten unablässig als ein zu erstrebendes, wohl aber niemals in seiner Vollkommenheit zu erreichendes Ziel vorzuschweben habe und zu dessen Reinheit und Vollkommenheit sich das wirkliche Lebensbild auch des Besten wohl stets nur wie der gebrochene, farbige Lichtstrahl zu dem blendenden, reinen Glanz des Sonnenlichtes verhalten werde.</p>



<p class="has-text-align-center"><strong>5.</strong></p>



<p>Allein eine Minoritätsstellung hat nicht nur Gefahren für die Vertretung ihrer Sache nach außen, sie hat auch ernste Gefahren für die Pflege derselben im eigenen inneren Kreis.</p>



<p>Sollen wir denn nicht des Kleinmuts gedenken, der dennoch nicht selten und gerade nicht immer die schlechtesten Glieder einer Minorität beschleicht, wenn ihre Begeisterung ihnen zeigt, zu welcher weitreichenden Herrschaft über die Gemüter die Wahrheit, der sie anhängen, gelangen müsste, und sie sich auf immer kleinere und kleinste Kreise beschränkt sehen, immer weniger die Wahrheit erkannt, immer mehr die Wahrheit verleugnet, und immer größer die Majorität der Abgefallenen? Werden sie sich immer des Kleinmuts erwehren, der, wenn er auch nicht an dem endlichen Sieg seiner Sache verzweifelt, doch zuletzt Misstrauen in die eigene Kraft, in die eigene Fähigkeit und Würdigkeit sie zu vertreten erhält, jenes Misstrauen in sich selber, das unsere Weisen uns schon in dem Gemüt der Würdigsten und Besten der vereinsamten Vertreter einer Minoritätssache mit dem Zweifel enthüllten: <a href="#_ftn33" id="_ftnref33"><sup>[33]</sup></a> <strong>שֶׁמָּא יִגְרוֹם הַחֵטְא</strong>, jenes Misstrauen, das aber mit dem Vertrauen zu uns selbst uns zugleich der freudigen Kraft rüstiger Tätigkeit für die Sache beraubt?</p>



<p>Und nun jener Kleinmut, der sich so leicht der ebenso treuen aber geistig minder begabten Genossen bemeistert, denen denn doch zuletzt die Majorität mit ihrer Masse und ihrem kecken, wegwerfenden Urteil imponiert, die die Fähigkeit und Tüchtigkeit nach dem Erfolg, und den Erfolg nicht nach eigener Einsicht, sondern nach dem Beifall der Menge und der eigenen ruhmredigen<a href="#_ftn34" id="_ftnref34"><sup>[34]</sup></a> Verkündung der Meister beurteilen, die mit unendlichem Respekt zur Majorität und ihren Meistern und Leitern aufblicken und so leicht, wenn gleich nicht die Treue, doch den Mut und die Zuversicht in die eigene Sache verlieren.</p>



<p>Jener Kleinmut endlich, hinter den sich so gerne die Schwäche, die Trägheit und die Kargheit verkriecht und die sträflichste Untätigkeit mit den frommen, Gott verleugnenden Seufzern beschönigt: es nützt ja leider doch nichts, die Zeit ist nicht zu ändern und mit der Majorität nicht zu streiten — —</p>



<p>O, es hat die Minorität keinen größeren Feind, als diesen Kleinmut und es gehört wahrlich nicht wenig dazu, in einer kleinen Schar, den immer frischen Mut und die Zuversicht der Begeisterung und jenes unzerstörbare, heitere Pflichtgefühl wach zu halten, dem eben in dem Kampf und in Schwierigkeiten die Kraft, und da, wo andere verzweifeln, die Hoffnung und die Zuversicht wächst, das sich immer vergegenwärtigt: gerade das Schwerste hat zu geschehen, für das Schwierigste ist die Tatkraft zu üben; das Leichte, das auf der Hand liegende macht sich von selbst, — das überhaupt an den Erfolg nicht denkt, den Erfolg in Gottes Hand stellt, das, selbst im Angesicht völliger Erfolglosigkeit ungeschwächt und voll seine Pflicht erfüllen würde und mit seinem ältesten Meister spräche: <strong>הַנִּסְתָּרוֹת לָה&#8216; אֱלֹקֵינוּ, וְהַנִּגְלֹת לָנוּ וּלְבָנֵינוּ עַד עוֹלָם לַעֲשׂוֹת אֶת כָּל דִּבְרֵי הַתּוֹרָה הֲזֹאת! <a href="#_ftn35" id="_ftnref35"><sup><strong><sup>[35]</sup></strong></sup></a></strong><strong></strong></p>



<p>Geht aber durch Kleinmut der Minorität die Tatkraft verloren, so büßt sie, wenn auch nicht die Kraft zur Tat, so doch den Willen und den Trieb zur Tat nicht selten auch durch die entgegengesetzte Richtung ein. Wir meinen jene ungerechtfertigte Sorglosigkeit, die aus zu großem Vertrauen in ihre Sache entspringt. Je tiefer eine Minorität von der Wahrheit und Heiligkeit ihrer Sache durchdrungen ist, je ernster sie von dem endlichen Sieg derselben überzeugt ist, je mehr sie sich berechtigt glaubt, ihre Sache für Gottes Sache zu halten, je schlagender ihr auch die Erfahrung vieler Jahrhunderte zur Seite steht, wie aus den schwierigsten Lagen, über die drohendsten Gefahren und fast ohne menschliches Zutun eine gütige Allmacht ihre Sache siegreich emporgetragen, umso leichter kommt eine solche Minorität zu der sträflichen Verirrung, die Hände in den Schoß zu legen, weder mit Wort noch Tat die Sache zu verfechten, Gott, dem sie doch ohnehin das Meiste überlassen muss, nun auch alles anheim zu geben und im gläubigsten Vertrauen — ihre heiligsten Pflichten zu verabsäumen. Freilich, ist ihre Sache Gottes Sache, wird auch Gott seine Sache sowie trotz des Abfalls der Menge, so auch trotz der untätigen Schlaffheit der treuen Minderzahl retten. Aber diese schlaffe Untätigkeit bleibt darum doch nicht minder verwerflich, ist darum doch nicht minder pflichtvergessene Versündigung gegen Den, der seine Wahrheit durch Menschen gelehrt und vertreten wissen will, der nicht nur zur Vergangenheit, der zu jeder Gegenwart spricht: <strong>״וּשְׁמַרְתֶּם אֶת מִשְׁמַרְתִּי״ — עֲשׂוּ מִשְׁמֶרֶת לְמִשְׁמַרְתִּי</strong> , „Bewacht, schützt, rettet mein euch anvertrautes Gut!“ und — <a href="#_ftn36" id="_ftnref36"><sup>[36]</sup></a> <strong>וּמִמִּקְדָּשִׁי תָּחֵלּוּ</strong> — der mit seinen Treuesten zuerst ins Gericht geht, wenn sie nur der eigenen Lebensreinheit gelebt und nicht bis zum letzten Ausmaß ihrer Kraft das ihrige getan, auch die Lebensreinheit der Gesamtheit zu retten —</p>



<p class="has-text-align-center"><strong>6.</strong></p>



<p>Untätigkeit hat eine Minorität zu fürchten, aber in noch höherem Grad eine aus bester Absicht fehlgeleitete Tätigkeit. Eine Minorität ist schwach und gar leicht meint der Schwache, er müsse durch — Klugheit, Gewandtheit, Diplomatie, List — ersetzen, was ihm an materieller Kraft des Masseneinflusses abgeht. Eine schwache Minorität kommt leicht in die Versuchung <strong>krumme</strong> Wege zum vermeintlichen Besten ihrer Sache zu versuchen, und vergisst, dass sie mit jedem krummen Wege selbst die Reinheit und Göttlichkeit ihrer Sache verleugnet. Ist ihre Sache rein, ist ihre Sache wahr, ist ihre Sache Gottes Sache, so bedarf sie der Krümme nicht, so verabscheut sie jede Ungeradheit, so sieht sie sich entweiht durch jede Abweichung vom Geraden und Wahren; denn sie ist die Tochter Des, der gesprochen: <a href="#_ftn37" id="_ftnref37"><sup>[37]</sup></a> ! <strong>כִּי תוֹעֲבַת ה&#8216; כָּל עֹשֵׂה אֵלֶּה כֹּל עֹשֵׂה עָוֶל</strong><strong> </strong>Aus diplomatischer Verschlagenheit und listiger Gewandtheit blüht nirgends Heil, der Sache des Reinen und Guten am allerwenigsten. Gemeines und Schlechtes lasset klug sein, lasset schlau seine wahren Absichten verbergen und gewandt auf Umwegen eine Lücke erschleichen, in welche es das Ei seiner Zukunft niste. Göttliches und Wahres hat das Licht nicht zu scheuen, darf das Licht nicht scheuen, braucht und darf sich niemals verleugnen, braucht und darf für seine Zukunft nur das Gerade und offen Daliegende erstreben und benützen; denn wofür wäre es sonst göttlich und wahr? Wir haben oben jene Sorglosigkeit getadelt, die, im Vertrauen auf die Göttlichkeit ihrer Sache, Gott deren Zukunft ganz überlässt und untätig die Hände in den Schoß legt. Hier ist dieses sorglose Vertrauen, hier diese vertrauensvolle Ruhe an ihrer Stelle, hier Untätigkeit Tugend und Ruhe Verdienst, <a href="#_ftn38" id="_ftnref38"><sup>[38]</sup></a> <strong>וְהָיְתָה מְנוּחָתוֹ כָּבוֹד!</strong> An der Grenze des Redlichen und Geraden angelangt, legen wir ruhig unsere Zukunft Gott in Händen, der seine Sache nicht mit unreinen Händen gehandhabt, nicht mit unreinen Waffen vertreten wissen will. „Nur durch Pflichttreue sollst du dich begründen! Halte dich fern von Unrecht, denn du hast nichts zu fürchten, und von Bestürzung, denn die soll dir nicht nahen. Siehe, nichts weilt auch nur im flüchtigsten Dasein ohne Mich, wer neben dir weilt, fällt einst dir zu! Siehe, ich habe den Meister geschaffen, der das Kohlenfeuer anbläst und der Gerät für sein Wirken herschafft und ich habe auch den Verderber geschaffen Kreißen<a href="#_ftn39" id="_ftnref39"><sup>[39]</sup></a> zu fördern. Jedes Gerät, das gegen dich geschmiedet wird, wird nicht gelingen, und jede Zunge, die mit dir zu Gericht aufsteht, wirst du des Unrechts zeihen. Das ist das Los der Diener Gottes und deren Pflichttreue von mir stammt, spricht Gott!“ (Jesaias. 54:14-17)</p>



<p class="has-text-align-center"><strong>7.</strong></p>



<p>Eine eigentümliche Gefahr hat eine Minorität zu fürchten, die wir theoretische und praktische Einseitigkeit nennen möchten, eine Gefahr, die gerade umso mehr nahe liegt, je inniger eine Minderzahl ihrer Sache anhängt und je ängstlicher sie um die Erhaltung derselben besorgt ist. Wir haben uns schon gesagt, wie eine Minderzahl schon durch ihre Minoritätsstellung darauf hingewiesen ist, in allen ihren Gliedern fort und fort den Geist der von ihr vertretenen Sache wach zu halten, sich ganz in die geistige Erfassung ihrer Wahrheit zu versenken und sie zu immer vollkommenerer und verbreiteterer Erkenntnis in ihrem Kreis zu bringen. Wir haben in dieser regen, geistigen Beschäftigung mit ihrer Sache die erste Bedingung ihrer Existenz erkannt und haben dieselbe als den bedeutendsten Vorteil begrüßt, den eine Wahrheit aus der Pflege einer Minorität zu erhoffen hat. Allein eben diese geistige gänzliche Hingebung an ihre Sache führt die Minorität leicht zu einer geistigen Einseitigkeit, die sich leicht in verkümmerter Entfaltung ihres eigentümlichen Geisteslebens in eigenem Kreis, mehr aber noch in untüchtigerer, erfolgloserer Vertretung ihrer Sache nach außen rächt, und somit jedenfalls der eigenen Sache selbst zu bedeutendem Nachteil gereicht. Je reicher an Licht und Wahrheit die Sache ist, die eine Minorität vertritt, je unerschöpflicher der Born ist, der sich ihr dort für ihre geistige Tätigkeit eröffnet, und je beglückender, Geist erleuchtend, Herz erwärmend, Leben gestaltend die Erkenntnis ist, die ihr dort blüht, umso höher wird sie diese Erkenntnis schätzen — umso leichter aber auch dazu kommen, jede andere Kenntnis als entbehrlich, als völlig wertlos zu achten, ja, jede auf eine andere Erkenntnis gerichtete geistige Tätigkeit schon als eine Versündigung an ihrer Sache, als eine Schmälerung der ihr gebührenden Hingebung, als eine Beeinträchtigung ihrer Gerechtsame<a href="#_ftn40" id="_ftnref40"><sup>[40]</sup></a> eifersüchtig zurückzuweisen.</p>



<p>Sie bleibt aber bei dieser bloßen Geringschätzung anderer geistiger Bestrebungen nicht stehen. Natürlich entgeht ihr die richtige Beurteilung und wahrheitsgetreue Würdigung aller jener geistigen Gebiete, die sie nicht anbaut, deren Pflege sie aber im Kreis der ihr gegenüberstehenden Majorität mit eifriger Hingebung betrieben zusieht, und kommt bald dazu das — aus Unkenntnis — zu fürchten, was sie zuerst aus bloßer Geringschätzung vernachlässigt. Weil sie diese geistigen Gebiete nicht kennt, weil sie ihrer Pflege vorzugsweise im Kreis ihrer Gegner begegnet, und weil sich ihre Gegner derselben in dem Kampf gegen sie zu wohlfeilem, leichtem Sieg bedienen, da es so leicht ist, sich einem Gegner in einem Gebiet überlegen zu zeigen, auf welchem dieser fremd ist, und aus Grundsatz fremd bleiben will, so ist nichts natürlicher, als dass die Minorität eine innere, enge Verwandtschaft dieser geistigen Erkenntnisse mit dem oppositionellen Gegensatz der Majorität vermutet, ja in ihnen die Wurzel der von ihr beklagten Verirrung der Mehrzahl erkennen zu müssen glaubt und dahin kommt, eine jede andere geistige Bestrebung als einen Feind ihrer eigenen Sache und als eine Gefahr für die Reinheit und Treue ihrer Anhänger mit sorgenvoller Angst zu fürchten. Sie bedenkt nicht, dass, wenn sie im Besitz der Wahrheit ist, sie das <strong>Wahre</strong> in allen andern geistigen Bestrebungen nicht zu fürchten, vielmehr in aller Wahrheit, wo immer sie gefunden werde, den entschiedensten Freund zu erwarten habe. Denn alle Wahrheit ist eins. Sie sieht nicht, dass es auch nicht das Wahre, dass es eben nur das in sich Unwahre, Falsche, von dem Aberwitz der Oberflächlichkeit ausstaffierte Hohle ist, das man ihr aus andern Gebieten zum schreckenden Popanz entgegen hält, dem sie nur darum die triumphierende Larve abzureißen nicht im Stande ist, weil sie sich aus Unkenntnis, aus unbegründeter Scheu, ängstlich in der Ferne hält. Sie sieht endlich nicht, dass selbst die, ihrer inneren Wahrheit halber, ihr befreundetsten Disziplinen ein ihr so feindliches Antlitz gewonnen haben und gewinnen mussten, weil sie deren Anbau eben nur ihren Gegnern überließ, die diesen Anbau nur mit von ihren Partei-Ansichten geblendetem Auge betrieben, und dessen Ernte nur im Interesse ihrer Parteibestrebungen ausgebeutet.</p>



<p>Indem sie sich aber geistig isoliert, büßt sie alle jene Vorteile ein, die ihrer eigenen geistigen Entwicklung befruchtend zugutekommen würden und verkürzt selber die Anerkennung ihrer eigenen Sache, die, wie jede Wahrheit, nicht durch ängstliche Scheu, sondern durch überwältigende Meisterschaft zum Siege gebracht werden kann.</p>



<p>Noch trübere Folgen trägt die Gefahr in ihrem Schoß, die wir die <strong>praktische</strong> Einseitigkeit genannt. Sie kann, gottlob, bei jeder Minorität nur vereinzelt vorkommen, indem sie, in größerer Ausdehnung sofort die ganze sittliche Existenz der Minorität aufheben würde, die wir aber gleichwohl, eben ihrer Verderblichkeit halber, mit Wenigem anzudeuten uns nicht erübrigen können. Ist die Sache, welche eine Minorität vertritt, nicht rein theoretischer Natur, greift sie tief ins praktische Leben ein, fordert sie gebieterisch die Dahingabe des praktischen Lebens an die Verwirklichung ihres Prinzips, ja, gewinnt sie eben in Gestaltung und Beherrschung der verschiedensten Seiten des praktischen Lebens ihr wirkliches, wahrhaftiges Dasein, so muss in natürlicher Folge eine solche Minorität auf diese praktische Verwirklichung ihrer Grundsätze das bedeutendste Gewicht legen, ja, sie wird eben an dieser entsprechenden Lebensgestaltung die Ihrigen erkennen und erkennen müssen. Sie wird, wenn das Prinzip, das sie durchdringt, ein wahres ist, mit der ihr gegenüberstehenden Majorität in Verwirklichung alles Guten und Wahren, das sie beide gemeinschaftlich anerkennen, wetteifern, ja in ihren Triumphen auf dieser beiderseitig anerkannten Arena wird sie der Gegnerin bewundernde Huldigung auch des von dieser verleugneten Prinzipes abnötigen. Allein sie wird doch, eben weil die Majorität dieses Prinzip verleugnet, auf dessen Verwirklichung in ihrem Kreis mit doppeltem Nachdruck bestehen, ja dessen Verwirklichung entschieden in die Öffentlichkeit tragen. Hier läuft sie nun Gefahr, allmählig Glieder in ihrem Kreis sich ansammeln zu sehen, die, die Reinheit ihrer Grundsätze verkennend, die Verwirklichung dieser <strong>streitigen</strong> Grundsätze als ihre alleinige Aufgabe begreifen, das Gute, das sich der beiderseitigen Huldigung erfreut, verachten und eben nur das schätzen zu dürfen vermeinen, was nach Außen als „Partei-Abzeichen“ erscheint und worin sich eben die Anhänger der Minorität als solche bekunden. Selbst wenn diese in praktischer Einseitigkeit Befangenen es aufrichtig meinen und nur aus Unwissenheit sündigen, sind sie ihr in höchstem Grade verderblich. Weist sie nicht entschieden die Gemeinschaft mit diesen Einseitigen von sich, so läuft sie die doppelte Gefahr, im eigenen Kreis das Bewusstsein von ihrer reinen, vollen Aufgabe allmählig getrübt zu sehen, nach außen aber allen möglichen Missdeutungen und Verdächtigungen anheim zu fallen.</p>



<p>Wir wollten nun noch die Gefahr der Zersplitterung einerseits und des Juste-Milieu<a href="#_ftn41" id="_ftnref41"><sup>[41]</sup></a>-Wahns andererseits betrachten, wollten noch eine und die andere Klippe beleuchten, die eine Minorität zu fürchten, Berge, die sie zu ersteigen, Schwierigkeiten, die sie zu überwinden, Prüfungen, die sie zu bestehen hat; allein das nahende Makkabäerfest mahnt mit seiner heiteren, immer steigenden Lichtfeier, diesen ernsten Gedanken nicht allzu sehr sich hinzugeben. Es tritt in unseren Kreis, und wie ernst und gefahrdrohend auch die Zeiten für unsere „Minorität“ sich gestalten, wie drohend die Klippen, wie ernst die Prüfungen, steil die Berge scheinen und wie sehr auch, was nur immer durch Zahl- und Macht-Übergewicht imponiert, auf die andere Seite tritt und seinen Einfluss in die entgegengesetzte Schale wirft — <strong>&#8222;</strong> <strong>לֹא בְחַיִל וְלֹא בְכֹחַ כִּי אִם בְּרוּחִי <a href="#_ftn42" id="_ftnref42"><sup><strong><sup>[42]</sup></strong></sup></a>&#8222;</strong> , „Nicht durch Massen, nicht durch Gewalt, sondern durch meinen Geist!“ rief Gott einst den Führern der winzigsten Minorität zu, mit welcher er den Wiederaufbau seines in Schutt liegenden Heiligtums beginnen ließ, — <strong>לֹא בְחַיִל וְלֹא בְכֹחַ כִּי אִם בְּרוּחִי</strong>, das wiederholt uns das Prophetenwort zur Würdigung der Bedeutung unseres Makkabäerfestes dieses Siegesfestes eines Minoritätenhäufleins über eine auf Bildung, Macht, Einfluss und Anhang trotzende Majorität, — <strong>לֹא בְחַיִל וְלֹא בְכֹחַ כִּי אִם בְּרוּחִי </strong><strong>&nbsp;</strong>ruft <a href="#_ftn43" id="_ftnref43"><sup>[43]</sup></a> <strong>ה&#8216; צְבָאוֹת</strong> auch dem Häuflein seiner heutigen Treuen zu, — und wenn sie im Geiste dieses Rufes leben, im Geiste dieses Rufes sterben, was sind da die Klippen, die sie zu fürchten, die Berge, die sie zu ersteigen hätten! Vor diesem Geist werden Klippen und Berge zur Ebene! <a href="#_ftn44" id="_ftnref44"><sup>[44]</sup></a> <strong>מִי אַתָּה הַר הַגָּדוֹל — לְמִישׁוֹר</strong> Und gelingt es ihnen, auch nur einen, einen Stein wiederum neu zu legen; auch Serubabel<a href="#_ftn45" id="_ftnref45"><sup>[45]</sup></a> hatte nur einen, den ersten, den Hauptgrundstein zu legen,&nbsp;&nbsp; <strong>וְהוֹצִיא אֶת הָאֶבֶן הָרֹאשָׁה</strong><strong> </strong><a href="#_ftn46" id="_ftnref46"><strong><sup><strong><sup>[46]</sup></strong></sup></strong></a> ; aber diesem einen, ersten, in solchem Geist gelegten Stein ward die Fülle der heilspendenden Gnade verheißen, <a href="#_ftn47" id="_ftnref47"><sup>[47]</sup></a> <strong>תְּשׁוּאוֹת חֵן חֵן לָהּ</strong> —</p>



<p class="has-text-align-center"><strong>תְּשׁוּאוֹת חֵן חֵן לָהּ!</strong></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Deuteronomium 7:8</p>



<p><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Der Wenigen über die Vielen</p>



<p><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Die Reinen gegen die Unreinen</p>



<p><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> Midrasch Bereschit Rabba 42</p>



<p><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> Beiwort, Beiname</p>



<p><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Nach Rabbiner Hirsch ist es Aufgabe der Juden, die Menschheit zu erlösen, indem eines Tages alle Menschen den Gott der Juden auch als ihren Gott anerkennen. Siehe Schlusssatz des Alenu-Gebetes: „Der Ewige wird König sein über die ganze Erde, an jenem Tag werden Er und sein Name einzig sein.“ Sprich, von allen seinen Geschöpfen als der einzige Gott anerkannt sein.</p>



<p><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> Das ist Giddeon; Richter 6:11 – 8:35</p>



<p><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> Wikipedia: Obadja (hebräisch עֹבַדְיָה ‘Ovadjāh) heißt ein biblischer Prophet und seine Schrift im Tanach.</p>



<p><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> Wikipedia: Ahab (אַחְאָב, „Bruder des Vaters“[1]) war von etwa 871 bis 852 v. Chr.,[2] seit dem Tod seines Vaters Omri, König des Nordreiches Israel. Ahab heiratete Isebel, die Tochter des phönizischen Königs Etbaal von Sidon, wohl aus politischen Gründen.</p>



<p><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> Wikipedia: Elija oder Elia (auch Elias; hebräisch אֵלִיָּהוּ ʾĒlijjā́hû, auch אֵלִיָּה ʾĒlijjâ;) war ein biblischer Prophet, der in der Zeit der Könige Ahab und Ahasja im zweiten Viertel des 9. Jahrhunderts v. Chr. im Nordreich Israel gewirkt haben soll.</p>



<p><a href="#_ftnref11" id="_ftn11">[11]</a> Wkipedia: Elischa oder Elisa (auch Elisha; hebräisch אֱלִישָׁע ʾĔlîšāʿ „Gott hilft“) war ein jüdischer Prophet im Nordreich Israel. Die Geschichten über ihn sind in der Bibel im 2. Buch der Könige enthalten, verstreut zwischen 2 Kön 2 EU und 2 Kön 14 EU. Somit wirkte Elischa während der Regierungszeit von drei Königen: Joram, Jehu und seinem Sohn Joahas</p>



<p><a href="#_ftnref12" id="_ftn12">[12]</a> Esra und Nehemia haben die Juden aus der babylonischen Gefangenschaft geführt</p>



<p><a href="#_ftnref13" id="_ftn13">[13]</a> Der erste Anführer der Makkabäer</p>



<p><a href="#_ftnref14" id="_ftn14">[14]</a> Exodus 23:2</p>



<p><a href="#_ftnref15" id="_ftn15">[15]</a> Jewamot 47a: bei [einem Streit zwischen] einem einzelnen und einer Mehrheit ist ja die Halakha nach der Mehrheit zu entscheiden (Übersetzung L. Goldschmidt)</p>



<p><a href="#_ftnref16" id="_ftn16">[16]</a> Exodus 23:2</p>



<p><a href="#_ftnref17" id="_ftn17">[17]</a> Diese und jene sind Worte des lebendigen Gottes</p>



<p><a href="#_ftnref18" id="_ftn18">[18]</a> Sprüche 21:30; keine Klugheiten keine Einsicht und keine Überlegung gilt wider den Ewigen (Übersetzung Zunz)&nbsp;</p>



<p><a href="#_ftnref19" id="_ftn19">[19]</a> geschlossene Front</p>



<p><a href="#_ftnref20" id="_ftn20">[20]</a> Joschua 1:8</p>



<p><a href="#_ftnref21" id="_ftn21">[21]</a> Zitat aus dem Schema-Gebet</p>



<p><a href="#_ftnref22" id="_ftn22">[22]</a> Deuteronomium 10:9; Darum erhielt Levi keinen Teil und kein Erbe mit seinen Brüdern, Gott ist sein Erbe, wie Gott, dein Gott, ihm zugesprochen. (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref23" id="_ftn23">[23]</a> Mischna Peah 1:1; Das Studium der Thora übertrifft alles</p>



<p><a href="#_ftnref24" id="_ftn24">[24]</a> Freundlich. Von Herzen kommend</p>



<p><a href="#_ftnref25" id="_ftn25">[25]</a> bietet</p>



<p><a href="#_ftnref26" id="_ftn26">[26]</a> Jecheskiel 44:10; die sich mir während der Verirrung Israels entfremdet haben (Übersetzung Rabbiner Dr. Joseph Breuer)</p>



<p><a href="#_ftnref27" id="_ftn27">[27]</a> Jechesliel 44:15; Dagegen die Priester, die Leviten, die Söhne Zadoks, die die Hut meines Heiligtums gehütet haben (Übersetzung Rabbiner Dr. Joseph Breuer)</p>



<p><a href="#_ftnref28" id="_ftn28">[28]</a> Jecheskiel 44:15; sie sollen mir nahen, mir zu dienen, sie sollen vor mir stehen, mir Fett und Blut näher zu bringen, spricht mein Herr, Gott, der seine Liebe in Rechtswaltung offenbart. (Übersetzung Rabbiner Dr. Joseph Breuer)</p>



<p><a href="#_ftnref29" id="_ftn29">[29]</a> Jesaja 6:13; Wenn ein Zehntel noch da bleibt — wenn [das Land] der Vernichtung nahe ist, wie jene Terebinthe und Esche [am Tor Salechet], an welcher der Stamm geblieben, so bleibt ein Stamm der heiligen Samen. (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>



<p><a href="#_ftnref30" id="_ftn30">[30]</a> immer noch</p>



<p><a href="#_ftnref31" id="_ftn31">[31]</a> verselbständigt (?)</p>



<p><a href="#_ftnref32" id="_ftn32">[32]</a> Heiligung Gottes und Blasphemie</p>



<p><a href="#_ftnref33" id="_ftn33">[33]</a> Berachot 4a; Die Sünde könnte es verursachen. (Übersetzung L. Goldschmidt)</p>



<p><a href="#_ftnref34" id="_ftn34">[34]</a> prahlerisch</p>



<p><a href="#_ftnref35" id="_ftn35">[35]</a> Deuteronomium 29:28; Das Verborgene ist Gottes, unseres Gottes; aber, was offenbar ist, das ist unser und unserer Kinder auf ewig: alle Worte dieser Lehre zu erfüllen. (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref36" id="_ftn36">[36]</a> Shabbat 55a; und bei meinem Heiligtum fang an (Übersetzung L. Goldschmidt)</p>



<p><a href="#_ftnref37" id="_ftn37">[37]</a> Deuteronomium 25:16; Denn ein Abscheu Gottes, deines Gottes ist jeder, der solche Dinge tut, jeder, der Unrecht tut. (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref38" id="_ftn38">[38]</a> Jesaja 11:10; und seine Ruhe wird die Offenbarungsherrlichkeit sein. (Übersetzung Rabbiner Julius Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref39" id="_ftn39">[39]</a> die Geburt</p>



<p><a href="#_ftnref40" id="_ftn40">[40]</a> Vorrecht, Privileg</p>



<p><a href="#_ftnref41" id="_ftn41">[41]</a> Laue Gesinnung</p>



<p><a href="#_ftnref42" id="_ftn42">[42]</a> Zecharia 4:6</p>



<p><a href="#_ftnref43" id="_ftn43">[43]</a> Der Gott der Heerscharen</p>



<p><a href="#_ftnref44" id="_ftn44">[44]</a> Zecharia 4:7; wer bist du großer Berg? (Vor Serubawel) – zur Ebene (Übersetzung Mendel Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref45" id="_ftn45">[45]</a> Wikpedia: Serubbabel war der Enkel des 597 v. Chr. nach Babylonien deportierten Königs Jojachin von Juda. Nach biblischer Überlieferung führte er die Juden aus dem Exil nach Juda zurück, baute in Jerusalem den Altar zur Anbetung Gottes wieder auf und setzte damit den Opferdienst wieder in Gang.</p>



<p><a href="#_ftnref46" id="_ftn46">[46]</a> Zecharia 4:7; er führt den Stein empor zur Giebelvollendung (Übersetzung Mendel Hirsch)</p>



<p><a href="#_ftnref47" id="_ftn47">[47]</a> Ebenda: denn reiche Fülle jeglicher Begnadigung ist ihm verliehen. (Übersetzung Mendel Hirsch)</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/kislew-5785/">Kislew 5785</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://hirschinitiative.de/kislew-5785/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
