Am Jom Kippur wurden, so hat es Gott angeordnet, zwei Ziegenböcke, die einander völlig gleich auszusehen hatten vor das Stiftzelt gestellt. Es wurde gelost, welcher der beiden als Opfer dem Heiligtum zugeführt, und welcher in einen Abgrund, Le´Asasel, gestürzt werden sollte. Welche Bewandtnis es damit auf sich hatte, klärt Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l in diesem Artikel.
Der Artikel erschien in der Zeitschrift „Jeschurun“, 5. Jahrgang, Heft 12, im Oktober 1858.
Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter:
https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2942827
Die beiden Lose
Ein Fragment aus der Abodah des י“כ
Inhalt: Der Monat Tischri. .י“כ Die Abodah am .י׳׳כ Der jüdische Hohepriester ist weder Sühneerteiler noch Sühnevermittler. Paritätische Gleichheit des Volkes und der Priester in der Sühne. Die beiden שְׂעִירִים. Ihre Gleichheit und die Verschiedenheit ihres Geschickes. Die beiden Wege. Symbolischer Charakter des שֵׂעִיר im Opfer. Israels Hartnäckigkeit. Gute und schlechte Konsequenz. .עֲזָאזֵל
—————
Welch ein Monat, dieser Tischri! Welche Gaben sein Angebinde! כַּפָּרָה — תְּשׁוּבָה — תְּרוּעָה [2]! שִׂמְחָה — Wo ist ein Volk, das sich gleicher Zeiten rühmen könnte! Wo, unter allen Veranstaltungen, die die Menschen Glauben, Religionen, Gottesverehrungen, und wie immer nennen, wo eine, die wie das Judentum es verstünde also den Baum des Lebens immer aufs Neue aufzurichten — תְּרוּעָה die Wurzel, תְּשׁוּבָה der Baum, כַּפָּרָה die Blüte, שִׂמְחָה die Frucht —, die es also verstünde den letzten Funken schlummernder Empfänglichkeit überall zu wecken und ihn nicht loszulassen, bis er sich zum Licht und zum Leben, zur Kraft und zur Freude entfaltet! Wo noch eine Veranstaltung auf Erden, die es so verstünde, den Hauch eines Weihegedenkens über einen ganzen Monat zu verbreiten und während eines ganzen Monats eine ganze Nation bis zu ihrem letzten vereinsamtesten Sprössling in der zersplittersten Zerstreuung durch die Wiederbelebung eines Gedankens von innen heraus in Selbstbearbeitung und Selbsterziehung zu nehmen! Wahrlich, wer das göttliche Gesetz in seinen Triumphen, wer das Judentum in seiner Heilswirksamkeit sehen will, der sehe unseren Tischri, der begleite das Judentum von dem ersten Schofarruf, der noch mit Horebgewalt seine Söhne und Töchter erschüttert der Herrlichkeit Gottes entgegen führt, bis zur letzten Dämmerstunde des unter Gottes Schutz froh voll- brachten Hüttenlebens, das dann mit der stillen Sammlung des Azerethtages[3] und der lauten Freude um das Gottesgesetz[4] sich krönt, das so in ewiger Jugendfrische das Füllhorn seiner Segnungen uns zu spenden versteht.
Den Mittelpunkt dieses großen Gottesmonats bildet unstreitig der יוֹם הַכִּפּוּרִים, an welchem die mit demיוֹם הַזִּכָּרוֹן , dem Tag der „Besinnung“, mit dem ,יוֹם תְּרוּעָה mit dem Tag des erschütternden Aufrufs geweckte Umkehr zur Erneuung des Lebens[5] ihre Blüten zur כַּפָּרָה und ,טָהֳרָה zur Sühne der Vergangenheit und zur Wiedergewinnung eines reinen Gefäßes für die Zukunft reifen soll, damit darin die Hüttenwoche dann die beglückende Frucht des Vertrauens und der Freudeאֱמוּנָה — וְשִׂמְחָה — vollenden könne.
Dieser Tag brachte einst den Vätern die neuen Tafeln des alten Gesetzes zum Unterpfand des erneuten Gottesbundes wieder. Ihn bestimmte Gottes Gnade für ewige Zeiten, חֻקַּת עוֹלָם , zu einem Tag der erneuten Gottesgnade, zu einem Tag ewiger Bundeserneuerung mit Gott durch Erneuerung unseres Bundes mit seinem Gesetz und seinem Heiligtum, und verhieß uns für ewige Zeiten an ihm כַּפָּרָה ,וְטָהֳרָה d.h. das höchste Gnadengeschenk seiner Wunderallmacht, die völlige Erneuerung unseres ganzen inneren und äußeren Lebens durch Tilgung der Vergangenheit und Verleihung eines reinen Geistes und reinen Herzens für ein gotttreues Leben der Zukunft.
Den Mittelpunkt der Betrachtungen, die uns an diesem Tag unserer Lebenserneuerung beschäftigen, bildet die „[6]עֲבוֹדָה“ die Erinnerung an jene Reihe bedeutungstiefer Handlungen, vermittelst welcher, als Israel noch einen sichtbaren Mittelpunkt hatte, in Jerusalem, diesem Herzen der Nation, die erneute „Hingebung an den Dienst Gottes und seines heiligen Gesetzes“ durch Wiederanknüpfung an alle die Momente des Heiligtums ihren Ausdruck fand, in deren Verwirklichung dieser Dienst seine Aufgabe findet. Es war der ,כֹּהֵן הַגָּדוֹל Israels Hohepriester, der sie vollbrachte. Aber nicht als den Sühneerteiler, nicht einmal als den Sühnevermittler, als den ersten, selbst der Sühne Bedürftigen sehen wir ihn zuerst seine und seines Hauses und seines priesterlichen Stammes Sünden vor Gott, dem einen, einzigen, wirklichen und wahrhaftigen Sühne und Gnade Spendenden bekennen, sehen ihn sein, seines Hauses, seines Stammes, ebenso aber auch des Volkes „Blut[7]“ abwechselnd im Allerheiligsten,בֵּין הַבַּדִּים[8] und im Heiligen,עַל הַפָּרֹכֶת[9] somit Priester und Volk in ebenbürtiger Gleichheit mit jedem Tropfen ihres Blutes erneut jeden für sich zu besonderen „Trägern“ und „Beschützern“ des göttlichen Gesetzes sich weihen, und dann דַּם הַפָּר וְדָם הַשָּׂעִיר[10] Priester und Volk zusammen, עַל [11]מִזְבֵּחַ הַזָּהָב im innigen Zusammen- und Ineinanderwirken, der Verwirklichung des göttlichen Gesetzes zum gemeinsamen Aufbau eines zum „göttlichen Wohlgefallen“ sich vollendenden „materiellen“ und „geistigen“ Gesamtlebens erneut hingegeben, wie es im הֵיכָל durch שֻׁלְחָן ,מִזְבֵּחַ הַזָּהָב und [12]מְנוֹרָה zum ewigen Ideal vergegenwärtigt wird.
Unter den heiligen Handlungen, die an diesem Tag zu vollziehen waren, ist eine einerseits so mit den soeben angedeuteten Handlungen der erneuten Hingebung Israels an Gott, sein Gesetz und sein Heiligtum verwebt, bildet andererseits ebenso den Mittelpunkt für die Sühne des wirklichen Lebens wie die eben angedeuteten Handlungen für die Beziehungen zu den ewig ungetrübten Idealen des Heiligtums, und scheint zugleich in allen ihren Stadien eine so tief ergreifende „Volkspredigt“ allgemeinster Verständlichkeit zu sein: dass wir einmal versuchen möchten sie uns hier zu vergegenwärtigen und die Gedanken zu verlautbaren, die, wie wir meinen, sie in jedem angeregt haben müsste, der ihrer Vollziehung beigewohnt.
„Und von der Gemeinde der Söhne Israels“, so ordnet das göttliche Wort, „empfängt er zwei שְׂעִירֵי עִזִּים (zwei Ziegenböcke) zum Sühnopfer und einen Widder zum Ganzopfer. Seinen Sühnestier führt Aharon zuerst hin und ersteht Sühne für sich und sein Haus. Dann nimmt man die beiden שְׂעִירִים[13] und stellt sie vor Gott an den Eingang des Stiftzeltes. Und Aharon gibt für die beiden שְׂעִירִים Lose, ein Los zu Gott ein Los zu Asasel. Den ,שֵׂעִיר für welchen das Los zu Gott ergangen, führt Aharon hin und weiht ihn zum Sühnopfer. Aber der שֵׂעִיר für welchen das Los zu Asasel ergangen, bleibe lebend vor Gott gestellt, auf ihm Sühne zu erflehen, ihn dann zu Asasel in die Wüste zu schicken. Seinen Sühnestier führt dann Aharon nochmals hin und erfleht Sühne für sich und sein Haus und tötet seinen Sühnestier und nimmt usw. Sodann tötet er den Sühne- שֵׂעִיר des Volkes und bringt sein Blut in das Innere hinter den Vorhang und handhabt sein Blut wie er mit dem Blute des Stieres verfahren und sprengt es hinauf gegen den Deckel (der Bundeslade) und vor den Deckel und sühnt das Heiligtum von den Unlauterkeiten der Söhne Israels und von dem Sündhaften aller ihrer Vergehen, und so auch vollbringt er für das Stiftszelt, das bei ihnen, mitten unter ihren Unlauterkeiten, weilt usw. Und hat er dann die Sühne des Heiligtums, des Stiftzeltes und des Altars vollzogen, so führt er den lebenden שֵׂעִיר hin und seine beiden Hände stützt Aharon auf das Haupt des lebenden,שֵׂעִיר bekennt darauf alle Sünden der Söhne Israels und alles Sündhafte aller ihrer Vergehen, legt sie auf das Haupt des‚שֵׂעִיר s und schickt ihn durch einen dazu bereiten Mann zur Wüste. Der שֵׂעִיר trägt auf sich alle ihre Sünden zu einem abgeschiedenen Lande und er schickt den שֵׂעִיר in die Wüste —“ [14]
So das göttliche Wort. Begleiten wir nun im Geiste die Vollziehung dieser göttlichen Anordnung, welche Gedanken weckt sie in uns am Tage der Sühne und Läuterung, am Tage der Neugeburt unseres ganzen Wesens und der Erneuerung des Bundes mit Gott und seinem heiligen Gesetz?
Wir treten zum Heiligtum. Das Morgenopfer, das allgemeine Festopfer ist vollbracht. Die besonderen Sühnopfer des Sühnetages haben begonnen. Es hat der Hohepriester bereits sein und seines Hauses Sünden auf das Haupt seines Sühnestiers neben dem Eingang zum הֵיכָל bekannt. Er tritt jetzt zurück bis zu dem Portal der Volkshalle .(עֲזָרָה) Dort, am Eingang warten zwei Tiere seiner, deren Bestimmung wir verfolgen.
Zwei Tiere sehen wir, beide in den Eingang des Heiligtums gestellt, beide das Haupt dem Allerheiligsten zugewendet, beide auf der mitternächtlichen Altarseite[15] stehend, wo das Opfer der allerheiligsten Opfer vollzogen wird, — beide sich einander völlig gleich an Ansehen, an Größe, an Wert — שָׁוִין בְּמַרְאֶה וּבְקוֹמָה וּבְדָמִים[16] — beide auch in einem Moment zugleich für das Heiligtum erworben — וּבִלְקִיחָתָן כְּאֶחָד[17] — und doch, welch einer verschiedenen Zukunft gehen sie beide entgegen!
Eine Urne steht vor ihnen — zwei Lose liegen darin — beide ununterscheidbar an Stoff und an Größe.— Ein Los !לה‘ Ein Los—[18] ! לַעֲזָאזֵל
Der Hohepriester tritt an sie hinan — greift in die Urne — zieht für das eine das Los: לה‘ ! für das andere das Los: לַעֲזָאזֵל ! — und die Zukunft dieser beiden, in einer Zeit, auf einem Boden, in einer Richtung stehenden, ganz gleichen Wesen ist bis zum vollendetsten Gegensatz verschieden!
Das לה‘ Bestimmte wird geopfert — aber, sobald es geopfert, geht sein Blut ein in die Reihe der Sühne und Weihe — wird vom Gefäß des Heiligtums in Empfang genommen — wird in das Allerheiligste getragen — wird im Allerheiligsten der Bundeslade des Gesetzes, im Heiligen dem Vorhang und dem Altar sprengend geweiht und findet für diese höchsten Ziele seinen Boden im Grund des Opferaltars.
Das לַעֲזָאזֵל Bestimmte wird nicht geopfert — in unversehrter Lebensfülle,יַעֲמֹד חַי[19] bleibt es aufrecht ,unangetastet, während sein ihm ganz gleicher Genosse den Opfertod leidet und alle die Wandlungen des Sühneprozesses durchgeht — .יַעֲמֹד חַי — Aber schon ist אִישׁ עִתִּי[20] sein „Schicksalsmann“ im Voraus „bereit“. Ihm wird es — das Nichtgeopferte, — wenn seines geopferten Genossen Sühne vollbracht ist ,חַי — in unversehrter Lebensfülle, übergeben — er führt es hinaus — weit hinaus — ins Freie — bergan — auf Felsenhöhe — da steht es — fernab von dem Messer, das ihm, wie dem Genossen den Opfertod gedroht — lebend, frei, hoch — da stürzt er es rücklings in den Abgrund, den es hinter seinem Rücken nicht gewahrt, und an den Felsenzacken zerschellt liegt es zertrümmert in der Tiefe —
Sind das nicht die beiden Wege, die einem jeden von uns offenstehen? Ist das nicht die lauteste, feierlichste, eindringlichste Proklamation des großen Grundsatzes, mit welchem das ganze göttliche Gesetz und unsere Heiligung steht und fällt, des großen Grundsatzes der ,בְּחִירָה[21] der Freiheit, mit welchem einem jeden von uns die eigene Zukunft in Händen gelegt ist, mit welchem wir selber uns לה‘ oder לַעֲזָאזֵל bestimmen?
Und wenn es dies ist, welche inhaltschwere Wahrheiten werden uns dann mit einem jeden Schritt dieser Handlung und mit jedem Satz ihrer Bestimmungen gepredigt!
Zwei Wege sind vor uns offen, der eine heißt לה‘ der andere — לַעֲזָאזֵל Der Weg לה‘ beginnt mit Selbstopferung, mit Aufgebung aller Selbstständigkeit, mit Verzichtleistung auf jedes eigenwillige, selbstsüchtige Sein, mit freiwilliger Dahingebung eines jeden Blutstropfens, eines jeden Pulsschlages an Gott und das Heiligtum Seines Gesetzes. Es scheint ein Sterben und ist der Eingang zum ewigen Leben, es scheint ein Verlorengehen und ist der Eintritt in ein höheres, reineres, wahreres Sein, es scheint ein Verzichten und ist die Gewinnung der höchsten Güter, es scheint eine Knechtung und ist die Erringung der wahrhaftigsten Freiheit — das tierische, gebundene Leben stirbt, aber es stirbt für die Aufnahme in das Heiligtum des göttlichen Gesetzes, und vom göttlichen Gesetzesheiligtum empfangen, lernt es sich zum „Träger“, „Wahrer“ und „Vollbringer“ des göttlichen Willens auf Erden hinzugeben, lernt es, im Gesamtverein aller seiner Mitgenossen, alles „geistige“ und „leibliche“ Leben in die Vollendung zum „göttlichen Wohlgefallen“ aufgehen zu lassen!
Der Weg לַעֲזָאזֵל beginnt mit Erhaltung der Selbstständigkeit, mit Wahrung des tierischen Seins, mit starrer Verneinung aller Aufopferung und Hingebung, mit ängstlichem Meiden alles Verlierens und Sterbens, mit hartnäckiger Verleugnung aller Ansprüche eines Höheren, Heiligen, — mit spöttischem Belächeln aller derer, die, sich versagen was sie zu gewinnen, die sich versagen was sie zu genießen vermöchten, die bereit sind Güter und Kräfte, Gut und Blut hinzugeben für Zwecke, die ihnen nicht wuchern, die den Weg der scheinbaren Verkümmerung mit Entbehrung und Entsagung, mit Selbstbekämpfung und Hinopferung wandeln — — es scheint Klugheit und ist Wahnsinn, es scheint der Weg zum Leben und ist der Weg zu kläglichem Tode, es scheint der Weg zur Freiheit, zur Freude, bürgerlichem Glück und Lebensgenuss, und ist der Weg vom Heiligtum zur Wüste, von Gottes Opferungsstätte — zum Hinabsturz in die vernichtende Tiefe der Öde. Je ferner von Gottes-Heiligtum umso freier, um so höher scheint der Lebensweg zu werden; triumphierend steht der dem opfervollen Heiligtum Entronnene auf schwindelnder Höhe, schaut mit siegreichem Lächeln auf die Stätte hin, wo die „blinden“ Genossen „verbluten“, und „sieht den Abgrund nicht“, der sich hinter seinem Rücken jählings öffnet und ihn im nächsten Augenblick rettungslos begräbt. (Fußnote von Rabbiner Hirsch s“l:מגיע עמו לצוק־דחפו לאחוריו והוא מתגלגל ויורד וכו‘. Siehe über das Ganze: Joma 37. 39f. 62f. Für diejenigen, welche in der dem שעיר המשתלח bereiteten Katastrophe nichts als eine krasse Sühnehandlung stellvertretender Vernichtung erblicken möchten, halten wir es nicht für überflüssig hier wenigstens in der Note zu bemerken, dass nur שילוח ודחייתו לצוק ,הגרלה מעכבת ist aber לכ״ע nur ,מצוה und nicht מעכב siehe Joma 60.65.40.)
Das sind die Wege, für die wir uns alle frei zu entscheiden haben. Vor jedem steht die Urne. Bis zur Ununterscheidbarkeit gleich ist für jeden die Möglichkeit gegeben, das eine oder das andere Los sich aufzulegen. In unserer eigenen Hand liegt die Wahl. Für jeden gleich möglich der Wegלה‘ , der Wegלַעֲזָאזֵל . Es klage keiner sein Ansehen, keiner seine Gestalt, keiner sein Vermögensverhältnis, keiner seine Zeit, keiner seine Stellung an, wenn er den Weg לַעֲזָאזֵל gewandelt. Ob schön oder hässlich, ob groß oder klein, ob stark oder schwach, ob reich oder arm, ob in dieser oder jener Zeit lebend, ob an diesen oder jenen Ort gestellt: kein äußeres Verhältnis hat zwingende Macht den freien Willen des Menschen so oder so zu bestimmen. Mit jedem Maß der Kraft und der Schwäche, des Vermögens und Unvermögens, unter jeder Konstellation des Himmels und der Erde, wird jeder von uns in den Eingang des Heiligtums gestellt, den Blick zum Heiligtum gewandt, und beide Lose jedem in die Hand gegeben. Siehe die beiden, wovon der eine לה‘ der andere לַעֲזָאזֵל gewandelt! Beide waren sie gleich ,[22]בַּמַּרְאֶה וּבַקּוֹמָה וּבַדָּמִים, וּלְקִיחָתָן כְּאֶחָת beide [23]תּוֹךְ חֲלַל הָעֲזָרָה לִפְנֵי ה‘ gestellt, beide ,[24]בְּצָפוֹן beide ,[25]פְּנֵיהֶם לַמַּעֲרָב וְאַחֲרֵיהֶם לַמִּזְרָח für beide lag das Los in der Urne, und zu so entgegengesetzten Zielen sind sie gelangt!
Und da klage keiner die Umstände an, das Werkzeug, das Mittel, womit er das Los sich bereitetגּוֹרָלוֹת שֶׁל כָּל דָּבָר[26] : gleichgültig war der Stoff, aus welchem die Lose gebildet, nur gleich sollten sie sein ;שֶׁיִּהְיוּ שָׁוִין, שֶׁלֹּא יַעֲשֶׂה אֶחָד שֶׁל זָהָב וְאֶחָד שֶׁל כֶּסֶף, אֶחָד גָּדוֹל וְאֶחָד קָטָן[27] denn mit demselben Guten, mit welchem der eine sich dem עֲזָאזֵל geweiht, hat der andere den Weg לה‘ gefunden!
Aber vor allem es klage keiner diese Möglichkeit selber an! Es klage der לה‘ Hinstrebende nicht über die jeden Augenblick drohende Gefahr, sich auf den Weg לַעֲזָאזֵל zu verlieren, nicht über den Kampf, dem jeder siegende Fortschritt לה‘ abgerungen werden muss, nicht über die Versuchungen und Reize die jenseits locken! Und es klage der לַעֲזָאזֵל Wandelnde den Schöpfer nicht an, dass er den Weg לַעֲזָאזֵל nicht mit Dornen verhauen, dass er auch auf diesem Wege Blumen gepflanzt, dass er dem Laster den Reiz und dem Menschen die Möglichkeit zu sündigen verliehen! Siehe: אֵין גּוֹרָל קוֹבֵעַ לַעֲזָאזֵל אֶלָּא בְּדָבָר הָרָאוּי לַשֵּׁם[28] siehe, es wäre nicht Sünde, wäre nicht die Möglichkeit zur Tugend vorhanden, aber ,הַגְרָלָה מְעַכֶּבֶת[29] es wäre auch nicht Tugend hätte das Laster keinen Reiz! Was hätte dein Wandel לה‘ für Bedeutung stünde dir der Weg לַעֲזָאזֵל nicht offen? Ja, wäre der Wandel לה‘dein Wandel, wäre es dein Entschluss, dein Wille, deine Tat, wenn du mit irrelosem Trieb, tiergleich nur den einen Weg zu wandeln vermöchtest, nur in ihm Lust und Befriedigung fändest, was aber hüben und drüben blüht keinen Duft und keinen Reiz für dich hätte? Du ziehst nur das [30] גּוֹרָל לַהּ‘ wenn du zugleich das גּוֹרָל לַעֲזָאזֵל[31] hättest ziehen können und der Weg לַעֲזָאזֵל führt nur darum in den Abgrund, weil du in jedem Augenblick רָאוּי לַשֵּׁם[32] gewesen wärest — —
Das scheint uns ein nicht unwahrscheinliches Fragment aus der großen– יוֹם הַכִּפּוּרִים Predigt zu sein, die der jüdische Hohepriester am großen Tag der Sühne sich und dem Volk durch die inhaltstiefen Handlungen der עֲבוֹדָה[33] zu halten hatte. Am Tage der Sühne, an welchem wir durch einen großen Entschluss eine ganz neue Zukunft gewinnen sollen, zeigte uns dieses Fragment die beiden Wege, die uns bevorstehen und lehrte uns der Folgen gedenkend den rechten zu wählen.
Verweilen wir nur noch mit Wenigem bei Betrachtung der Tiere, mit welchen dieser Teil der עֲבוֹדָה zu vollziehen war und befragen wir den Namen לַעֲזָאזֵל ob nicht vielleicht auch er uns noch eine Lehre zu bringen hätte.
Wir werden so Gott will anderweit Gelegenheit haben, die verschiedenen für die verschiedenen Opfer bestimmten Tierarten zu betrachten und hoffen dort nachzuweisen, wie sie sämtlich verschiedene Charaktere und Beziehungen der Menschen- und der Volkspersönlichkeit ausdrücken und in genauem Verhältnis zu der besonderen Art der Persönlichkeit und deren Beziehungen stehen, die durch das jemalige Opfer zum läuternden, befestigenden, weihenden und hingebenden Bewusstsein gebracht werden sollen. Eine auch nur flüchtige Vergegenwärtigung der verschiedenen Opfer zeigt, wie das Ziegengeschlecht, insbesondere שֵׂעִיר und שְׂעִירַת עִזִּים als das für das Sünde- und Sühnopfer, חַטָּאת, als das vorzüglichst Bestimmte erscheint. Drückt nun, wie wir glauben, jedes חַטָּאת die Aufgabe aus, die hätte gelöst werden müssen wenn nicht gesündigt worden wäre, und die in Zukunft zur Lösung kommen muss, wenn für die Vergangenheit Sühne gewonnen werden soll: so dürfte das Entsprechende der עֵז[34] im Allgemeinen und des שֵׂעִיר [35] insbesondere zum Ausdruck einer solchen Aufgabe einem jeden auf den ersten Blick klar sein. Gehört dochעֵז , die Ziege, im Allgemeinen zu jener Tiergruppe, [36] צֹאן, deren Eigentümlichkeit der Herden-Charakter bildet, die daher in der Rede und im Symbol zur Bezeichnung unserer Beziehung zu unserem Hirten, zum רוֹעֵה יִשְׂרָאֵל נוֹהֵג כַּצֹּאן יוֹסֵף [37] so hervortretend sich eignet. Drückt aber צֹאן im Allgemeinen unsere folgsame Hingebung an die Leitung und Führung unseres Hirten aus, so bringt עֵז diesem allgemeinen Charakter noch eine sehr bezeichnende Eigentümlichkeit. Die Ziegenart ist nur ihrem Hirten gefügig und leitsam, jedem anderen ist sie starr und störrig, und gerade diese untraktable[38] Widerstandsgeneigtheit bildet ihre spezifische Charakterunterscheidung von dem nach allen Seiten hin gefügigen Schaf. Sie heißt ja auch עֵז von ,עָזָז die Harte, Feste, Widerstand Leistende; denn eben schwer zu überwindende Widerstandsfähigkeit ist jene Art Kraft, für welche die Radix עזז den Ausdruck bildet. In noch höherem Grade tritt dieser Charakter imשֵׂעִיר hervor, den schon, wie sein Name, „der Haarichte[39]„, „Struppige“, es ausdrückt, seine äußere Erscheinung als den Abstoßenden, zum Widerstand Gerüsteten bezeichnet. Kaum lässt sich nun das Entschiedene, Ausschließliche, somit für jede Hinüberlockung in andere Bahnen Unzugängliche der von uns geforderten Hingebung an die Leitung unseres einen, einzigen „Hirten“ prägnanter, als durch den שֵׂעִיר -Charakter ausdrücken, kaum treffender die Aufgabe aussprechen: Gott treu zu sein, als:! שֵׂעִיר לה‘ Denn Treue setzt Festigkeit, Beharrlichkeit und eben daher Widerstand gegen Verlockung, Verführung, Entfremdung voraus. Nicht umsonst hat sich Gott das,עַם קְשֵׁה עוֹרֵף das hartnäckigste Volk, dessen Gehorsam und Treue schwer zu gewinnen war, zu Trägern seines Gesetzes für die Erlösung der Menschheit erwählt. Dieselbe Hartnäckigkeit, die es zuerst der Leitung seines Gottes entgegenkehrte, hat es nachher in unbezwinglichem Widerstand gegen jede mit allen Schrecken des Todes und allen Süßigkeiten des Lohnes gerüstete Verführung in einem tausendjährigen Märtyrergang sondergleichen glänzend bewährt. Nur das hartnäckigste Volk konnte solche Proben der Treue bestehen. Und nur die Feuerkraft des göttlichen Gesetzes konnte das hartnäckigste zu solcher Treue umwandeln. Das hat schon die Weisheit der Weisen gelehrt:
תנא משמיה דרבי מאיר מפני מה ניתנה תורה לישראל מפני שהן עזין שנאמר מימינו אש דת למו תנא דבי רבי ישמעאל ראוין הללו שניתן להן דת אש. ואיבעית אימא דתיהן של אלו אש היא שאלמלא לא ניתנה תורה לישראל אין כל בריה יכולה לעמוד מפניהם היינו דאמר ריש לקיש שלשה עזין הן ישראל באומות כלב בחיות תרנגול בעופות שור בבהמה במתניתא תנא עז בבהמה דקה ויש אומרים אף עלף באילנות (ביצה כה׳ב. כפי גירס‘ הילקוט .) (Original Hirsch)
תָּנָא מִשְּׁמֵיהּ דְּרַבִּי מֵאִיר: מִפְּנֵי מַה נִּתְּנָה תּוֹרָה לְיִשְׂרָאֵל? מִפְּנֵי שֶׁעַזִּין הֵן. שֶׁנֶּאֱמַר: (דברים לג) „מִימִינוֹ אֵשׁ דָּת לָמוֹ“ תָנָא דְּבֵי רַבִּי יִשְׁמָעֵאל : „מִימִינוֹ, אֵשׁ דָּת לָמוֹ“, רְאוּיִין הַלָּלוּ לִתֵּן לָהֶם דָּת שֶׁל אֵשׁ. ואיבעית אימא דָּתֵיהֶן שֶׁל אֵלּוּ, אֵשׁ, שֶׁאִלְמָלֵא (לא) נִתְּנָה תּוֹרָה לְיִשְׂרָאֵל, אֵין כָּל (בריה) [אֻמָּה וְלָשׁוֹן] יְכוֹלָה לַעֲמֹד בִּפְנֵיהֶם. הַיְנוּ דְּאָמַר רַבִּי שִׁמְעוֹן בֶּן לָקִישׁ: שְׁלֹשָׁה עַזִּין הֵן; יִשְׂרָאֵל בָּאֻמּוֹת. כֶּלֶב בַּחַיּוֹת. תַּרְנְגוֹל בָּעוֹפוֹת. שור בבהמה בְּמַתְנִיתָא תָּנָא: אַף עֵז בִּבְהֵמָה דַּקָּה. וְיֵשׁ אוֹמְרִים: אַף צָלָף בָּאִילָנוֹת. ([40](Ein Yaakov, Beizah 3,3
Nichts entsprechender daher zur Bezeichnung der Festigkeit, die der Sünde hätte Widerstand leisten sollen, so wie der Festigkeit, die die in Zukunft zu bewährende reine Treue zu betätigen haben wird, als שֵׂעִיר zum .חַטָּאת
Wie es aber einen שֵׂעִיר לה‘ gibt, so gibt es auch einen .שֵׂעִיר לַעֲזָאזֵל Es kommt auf das Ziel an, dem wir unsere beharrende Festigkeit zuwenden. Konsequenz, so nennen wir ja gemeinhin die sich immer gleichbleibende Beharrlichkeit, das feste Ausharren in dem begonnenen Weg, Konsequenz ist gut und schlecht, je nachdem der Weg ist in welchem, und das Prinzip ist, bei welchem sie beharrt. Konsequenz in Gutem istשֵׂעִיר לה‘ , Konsequenz in Schlechtem ist— שֵׂעִיר לַעֲזָאזֵל bezeichnet vielleicht = :עֲזָאזֵל die verwerfliche Festigkeit, die verwerfliche Beharrlichkeit, die verwerfliche Konsequenz, die Starrheit, die ,עֵז die ,אָזַל[41] die weichen muss, die keine Stätte findet, weder im Heiligtum noch in der bürgerlichen Gesellschaft, die in die Wüste zu verweisen ist, und in ihrem letzten Ziel auch dorthin gelangt und da ihren Untergang findet?
Jedenfalls sind wir am יוֹם הַכִּפּוּרִים zwischen diese beide שְׂעִירִים gestellt. Glücklich, wer sich für den rechten entscheidet, glücklich wer sich im Geiste dem hohepriesterlichen Bekenntnis anschließt, „dass wir gefehlt, dass wir gesündigt, dass wir gefrevelt“, und mit ihm jeden seiner Fehler, jede seiner Sünden und was immer er gefrevelt auf das Haupt des שָׂעִיר הַמִּשְׁתַּלֵּחַ[42] mit dem Bewusstsein niederlegt, dass der größte Fluch der Sünde die Beharrlichkeit im Sündigen, der Wahn ist, fortsündigen zu müssen weil man einmal gesündigt; glücklich, wer es begreift, dass nicht der kleinste Leichtsinn, der kleinste Mutwille, der kleinste Frevel gleichgültig ist, dass das kleinste Unrecht, so wir darin verharren, uns unfehlbar dem Heiligtum, der bürgerlichen Gesellschaft entfremdet, uns isolierend in die Wüste führt, und wie scheinbar frisch und froh wir auch auf dem Weg der Sünde emporkommen, hinter jeder, Gott, seinem Heiligtum und seinem heiligen Gesetz entfremdeten Größe der Abgrund lauert, der uns jählings begräbt.
Glücklich, wer mit der ganzen Festigkeit seines Charakters sich Gott und seinem heiligen Gesetz hingibt, wer am יוֹם הַכִּפּוּרִים die-שֵׂעִיר gleiche Festigkeit gewinnt, nicht eine andächtige Zähre[43], eine Träne der Zerknirschung in nur vorüberrauschender Erregung seinem Gott zuzuweinen, sondern im Anblick Gottes den männlichen Entschluss zu gewinnen weiß: fortan bin ich dein, dein mit der ganzen Festigkeit meines Willens, dein mit der ganzen Beharrlichkeit meiner Kraft, dein mit jedem Pulsschlag meines Herzens, unzugänglich wie der שֵׂעִיר für alles andere, was nicht du bist, was nicht dein Wille ist, was nicht in deinem Namen mich aufruft und deiner heiligen Nähe mich näher bringt.
Glücklich, wer für das גּוֹרָל ה‘ sich entscheidet, wie viel Hingebung, Hinopferung auch sofort an der Schwelle dieses Weges ihn empfängt. Glücklich, wer mit beharrlichem Entschluss sein Blut dem Heiligtum seines Gottes hingibt, und jeden Pulsschlag seines Herzens weiht, Mitträger seines heiligen Gesetzes, Mitbeschützer seines heiligen Gesetzes und vor allem Mitvollbringer dieses heiligen Gesetzes zu sein, das unser ganzes geistiges und leibliches Dasein zu einem Opferduft göttlichen Wohlgefallens verklärt, und für dieses eine einzige Ziel die ganze Summe seiner Lebenskraft auf den Boden des göttlichen Altares stellt, auf welchem täglich und stündlich das Sinai-Feuer des göttlichen Gesetzes leuchtet und unserer unausgesetzten Läuterung und Hingebung wartet.
Ihm wird der [44]יוֹם כִּפּוּר ein [45]יוֹם הַכִּפּוּרִים sein, ihm wird Gott sein „[46]סָלַחְתִּי!“ sprechen, und wie er aufs Neue mit den wiedergewonnenen Tafeln seines Gesetzes vor ihm gestanden, und mit unverbrüchlicher Treue den alten Bund aufs neue geschlossen, so wird er ihm für die Lösung dieser Treue, für die Erfüllung dieses Bundes sein bescheidenes Plätzchen auf Erden umfriedigen, auf welchem das Vertrauen die „gottgeschützte Hütte“ des Lebens erbaut und die „gottgewährten Güter“ des Daseins genießt.
[1] Ein Fragment aus dem Tempeldienst am Jom Kippur
[2] Schofarton – Umkehr – Vergebung – Freude; Schofarton schon im Elul – Umkehr zu Rosch Ha´Schana – Vergebung zu Jom Kippur – Freude zum Laubhüttenfest
[3] Abschlussfest nach Sukkoth
[4] Simchat Thora
[5] יוֹם הַזִּכָּרוֹן und יוֹם תְּרוּעָה sind Bezeichnungen für Rosch Haschana
[6] Die priesterlichen Handlungen im Tempel
[7] Im übertragenen Sinn ist das Tierblut das „Blut“ des Volkes
[8] Zwischen den Stangen der Bundeslade, auf den Deckel der Bundeslade
[9] An den Vorhang zwischen dem Allerheiligsten und dem Heiligsten
[10] Das Blut des Opferstieres und des Ziegenbockes wurden vermengt und auf den goldenen Altar gesprengt.
[11] Der goldene Altar (Räucheraltar)
[12] …. wie es im Tempel durch den goldenen Altar, den Schaubrodtisch und den siebenarmigen Leuchter ….
[13] Ziegenböcke
[14] Siehe Levitikus 16:5-22
[15] Nordseite
[16] Mischna Yoma 6:1
[17] ebenda
[18] Ein Los zu Gott, ein Los zu Asasel (zu Asasel siehe w.u.)
[19] Bleibt es am Leben
[20] Levitikus 16:21
[21] Wahlfreiheit
[22] Mishna Yoma 62a:8; DIE BEIDEN BÖCKE DES VERSÖHNUNGSTAGES SOLLEN GEBOTSMÄSSIG EINANDER GLEICHEN IN IHREM AUSSEHEN, IHREM WUCHSE UND IHREM PREISE (Übersetzung L. Goldschmidt)
[23] Im inneren Hofbereich gegenüber Gott gestellt
[24] Im nördlichen Bereich
[25] Die Vorderteile nach Westen und die Hinterteile nach Osten ausgerichtet
[26] Voraus sollten die Lose sein?
[27] Sie müssen beide egal sein; man darf nicht eines aus Gold und das andere aus Silber oder eines groß und das andere klein machen. (Übersetzung L. Goldschmidt)
[28] Chullin 11b; so ist ja das Los nur dann für A͑zazel bestimmend, wenn auch das für den Herrn bestimmte verwendbar ist.(Übersetzung L. Goldschmidt)
[29] Von der Auslosung hängt es ab
[30] Los für Gott
[31] Los für Asasel
[32] Gott würdig
[33] Siehe Fußnote 3
[34] Die Ziege
[35] Der Ziegenbock
[36] Herdentier (Kleintierherde: Schafe, Ziegen im Gegensatz zu בקר Großtierherde: Rinder
[37] Aus Psalm 80:2; Hirte Israels, der Du wie eine Herde Josef (Israel) führtest
[38] schwer zu handhaben
[39] שֵׂעִיר Verwandt mit שֵׂעַר = Haar
[40] Im Namen von R. Meir wurde gelehrt: „Warum wurde Israel das Gesetz gegeben? Weil sie (Israel) ungestüm sind (schwer zu bezwingen), wie es heißt (5. Mose 33,2): ‚Aus seiner Rechten gab Er ihnen ein feuriges Gesetz‘; und im Lehrhaus des R. Ismael wurde dies folgendermaßen erklärt: ‚Aus seiner Rechten gab Er ihnen ein feuriges Gesetz‘ – das heißt: ‚Die Israeliten verdienten es aufgrund ihres ungestümen Wesens, dass ihnen ein feuriges Gesetz gegeben wurde.‘“ Anderen zufolge: „Die Art und Weise dieses Volkes gleicht dem Feuer; wäre ihnen ein solches Gesetz nicht gegeben worden, hätte kein Geschöpf ihnen standhalten können.“ Und dies entspricht dem, was R. Simeon ben Lakisch sagte: „Das kühnste aller Völker ist Israel.“
[41] Die Verlorengegangene (die verlorengegangene Ziege: עז אזל)
[42] Des fortzuschickenden Ziegenbockes
[43] Träne
[44] Der Tag der Sühne
[45] Versöhnungstag
[46] Ich vergebe dir
