Dieser Artikel von Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l erschien in dem Monatsblatt „Jeschurun“ Jahrgang 5, Heft 10, Juli 1859. Die Thematik ist damals wie heute die gleiche. „Welche Bedeutung haben die Fastentage für uns.“ Rabbiner Hirsch s“l stellt im Text die Verfehlungen der Juden während des 1. und 2. Tempel gegenüber. Aus unterschiedlichen Gründen wurde im 1. und 2. Tempel die Wahrheit unterdrückt. Jedoch nur „ die Wahrheit und der Friede, das ist das einzige siegverkündende Zeichen unserer heilversprechenden Zukunft“.
Der Text ist vom deutschen Sprachgebrauch her für uns heute schwierig zu lesen. An einigen Stellen habe ich deshalb versucht den Text in ein moderneres Deutsch umzuschreiben, ohne den Inhalt zu verfälschen.
Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter:
https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pagetext/2943758
Soll ich noch weinen und fasten?
Secharjah[1]
„Soll ich noch weinen und fasten, wie ich seit vielen Jahren getan?“ — so lautete die Anfrage an die Priester und Propheten zu den Zeiten Secharjas, als unter der Milde persischer Herrscher[2] Israels Land wieder von Israels Söhnen bewohnt und der Tempel wieder gebaut war. „Soll ich noch weinen und fasten, wie ich seit vielen Jahren getan?“ — „Sprich zu dem Volk und den Priestern,“ lautete die Gottes-Antwort an Secharja, „wenn ihr euch kasteit und klagt, kasteit ihr da mich? Und wenn ihr esset und trinket, seid ihr da nicht die Essenden und Trinkenden? Kommt nicht alles auf die Worte an, die Gott schon durch die früheren Propheten verkündet, als auch Jerusalem wohl begründet und sicher ruhte, und ihre Städte ringsum, und auch der Süden und die Niederung ruhig bewohnt waren?“[3] Damals sprach Gott, sie aber machten ihr Herz kieselhart und hörten nicht auf die Lehre und die Worte, die Gott für den Frieden bestimmt hatte.
Zu den Zeiten des ersten Tempels entschieden sich die Führer des Volkes für den Frieden auf Kosten der Wahrheit, lockten die Reichen und Vornehmen und mit ihnen alle die von ihnen Abhängigen, alle die durch ihren Einfluss Gegängelten, mit hinein in das System des lügenhaften Friedens und der friedlich sich schmiegenden Lüge und gewannen auch feile Rhetoren, mit dem Heiligenschein des Prophetentums sich umgebende Prediger, die die Wahrheit zum Verbrechen, das System der Lüge zum Ausfluss der Wahrheit machten, den Zwiespalt mit Gott als Werk des Friedens im Himmel und auf Erden darzustellen und das Volk mit ihrem ‚Friede!‘ ‚Friede!‘ einzulullen wussten, in den sorglosesten Schlummer am Abhang der Vernichtung.
Da waren die Männer der Wahrheit die Störenfriede, die den Donnerkeil der Wahrheit hineinschleuderten in den lügendurchwobenen Kreis der Könige und Völker. Da war ein Michaja[4] mit seiner unliebsamen Wahrheit verloren inmitten vierhundert in harmonischer Lüge zusammenstimmender höfischer Lügenpropheten und musste den Wangenstreich hinnehmen von der Hand eines Zidkija ben Kenana[5]. Da galt es zu „sündigen und zu heucheln wider Gott“, da galt es „abzufallen von unserem Gott“, da galt es „den Treubruch und den Abfall zu predigen, zu produzieren, und zu deklamieren aus dem eigenen Herzen Worte der Lüge. Da ward das Recht zurückgestellt und die Pflicht blieb von ferne stehen; denn in den Straßen strauchelte die Wahrheit und das Gerade wagte nirgends den Eintritt. Da ward die Wahrheit zum Sonderling und der Unrechtscheue zum Verrückten. Das sah Gott, das war das Böse in seinen Augen, dass das Recht keinen Vertreter mehr hatte“ (Jes. 59) — da ward Gott sein Vertreter, da führte er die Wahrheit herbei und zerbrach das Gewebe der Lüge und des Friedens.
„Die Wahrheit, aber nicht den Frieden“, steht auf dem Leichenstein des zweiten Tempels.
| Wenn die Wahrheit gewahrt ist, dann steht unmittelbar in zweiter Linie der Friede. Wo der Friede die Wahrheit nicht verleugnet, nicht gefährdet, wo der Frieden nicht auf Kosten der Wahrheit zu erkaufen ist, da ist selbst in jenen getrübten Zeitabläufen, in welchen die Wahrheit nicht allgemein angestrebt wird, der Friede ein hohes Gut, dessen Wahrung und Förderung zur hohen Pflicht erwächst. | Wo die Wahrheit gewahrt wird, folgt der Frieden unmittelbar danach. Wo der Friede die Wahrheit nicht verleugnet und nicht gefährdet, wo er nicht auf ihre Kosten erkauft wird, da ist er auch in schwierigen Zeiten ein hohes Gut, dessen Schutz und Förderung zur wichtigen Pflicht wird. |
| Zur Rettung der Wahrheit ist der Kampf und der Streit, und gälte es der ganzen Welt gegenüber, nicht zu scheuen. | Zur Rettung der Wahrheit muss man kämpfen und streiten – notfalls gegen die ganze Welt. |
Allein wenn die Wahrheit gerettet ist, gilt es auch dem Wahren den friedlichen Boden zu erringen. Denn auch das Wahre blüht nur auf einem Boden des Friedens. Ist [6] סוּר מֵרָע und das עֲשֵׂה טוֹב gesichert, gilt es nicht in dem Kampf dem Aufkommen des Schlechten entgegen und für das Gute in die Schranke zu treten, dann בַּקֵּשׁ שָׁלוֹם וְרָדְפֵהוּ, dann störe nicht nur nicht den Frieden, dann brich nicht nur nicht den Frieden, dann suche den Frieden, und wenn er entfliehen will, eile ihm nach, dass du ihn dir erhältst und sicherst.
Diesen Wert des Friedens hatte man während des zweiten Tempels in den maßgebenden Kreisen aus den Augen verloren und schon dadurch im Allgemeinen einen zwiespältigen Geist der Unversöhnlichkeit, einen sich vererbenden Familienhass, einen Geist zwistnährender Selbstsucht und Eifersucht, einen Geist der [7] שִׂנְאָה חִנָּם verbreitet. Allein dieser Geist friedensfeindlicher Eifersüchtelei hatte in maßgebenden einflussreichen Kreisen selbst die Liebe zur Wahrheit angegriffen. Es war bald im Kreis der Führer und Großen nicht mehr die Liebe zur Wahrheit in Wahrheit und um der Wahrheit willen. Es stellte sich gar bald die Persönlichkeit an die Stelle der Sache; die eigene Ehre, die eigene Würde, die eigene Macht, persönliches Interesse ward zum Ziel erhoben und die Vertretung der Wahrheit ward zum Mittel des Eigennutzes herabgewürdigt. Ja, man bekannte sich zur Wahrheit und verleugnete sie nach politischen Rücksichten, bildete Bekenntnisse zu Stichwörtern von Parteien, entschied sich für die eine oder die andere, je nachdem staatsmännische Diplomatie auf der einen oder der anderen Vorteil erblickte.
Hohepriesterliche Würden wurden ein Kaufpreis der Reichen, ein Kaufpreis der Mächtigen und selbst das hohepriesterliche Geschlecht, dessen Ahnen Gesetz und Heiligtum todesmutig aus den unreinen Händen hellenischer Schergen gerettet[8], stellte, als die Rettung vollbracht, nicht Gott, sondern sich selbst den Thron im freien jüdischen Volke zurecht[9], schwang das Schwert, das zuerst die Brüder und ihr Heiligtum verteidigt, nach errungenem Sieg zur Knechtung der eigenen Brüder und beutete die Siege seiner Ahnen nicht für Gott und Israel, sondern für die Gründung einer Dynastie und für seine eigenen dynastischen Interessen aus.
So ging zum zweiten Mal die Wahrheit in den Händen ihrer Vertreter verloren, zum zweiten Mal sah sich Israels Heiligtum durch das Verderbnis seiner aristokratischen Geschlechter verraten, zum zweiten Mal verließ die Wahrheit, verließ Gottes heiliges Gesetz die Kreise seiner Hohepriester, seiner Fürsten und Könige und flüchtete sich in die Kreise des Volkes und seiner Lehrer; Tempel und Thron stürzten zum zweiten Mal durch die eigenen Priester und Dynasten zusammen. Denn als nun eben diese Dynasten zur Schlichtung ihrer Händel und zur Wahrung ihrer persönlichen Interessen nicht an Gott, nicht an seine Wahrheit, nicht an sein heiliges Gesetz, nicht an dessen Träger und Vertreter, das Volk und seine Lehrer, sondern an die Entscheidung einer fremden Macht appellierten, jener Macht, die eben auf den inneren Verfall und Zwiespalt der Nation spekulierte, um mit schiedsrichterlicher Miene das Schwert der Eroberung und Knechtung über alle zu schwingen, und diese Macht unglückseligerweise eben Rom sein musste — Rom, dem die Wahrheit immer nur als Vehikel der Interessen gegolten, Rom, dem Religion nichts als Werkzeug zur Knechtung der Völker gegolten und dessen Cäsaren nur auf dem von Parteiwut und Entsittlichung gegrabenen Volksgrab ihre Erhebung feierten — da war die Wahrheit und der Frieden im jüdischen Staat begraben und dem jüdischen Staat zum zweiten Mal der Untergang bereitet. Roms Schwert eroberte nur das, dem bereits Roms Politik das innerste Leben vergiftet. Der jüdische Staat ging in Trümmer, damit der Wahrheit und dem Frieden im jüdischen Volke und seinen Lehrern das Asyl gerettet bliebe.
Die Wahrheit und der Friede, das ist das einzige siegverkündende Zeichen unserer heilversprechenden Zukunft. Die volle Wahrheit, die ganze Wahrheit, die reine Wahrheit und eben darum und daraus der volle, reine, ganze, ewige Frieden, das ist das einzige gottverheißene Wahrzeichen unserer einstigen wahren Erlösung. Der Friede auf Kosten der Wahrheit hat unser erstes Staatenglück untergraben. Die Wahrheit als Deckmantel selbstsüchtiger, herrschsüchtiger Interessen hat unser zweites Staatenglück untergraben. Aus dem Doppelgrab unserer Vergangenheit wird unsere leuchtende Zukunft nur dann siegreich auferstehen, wenn wir die Wahrheit lieben und den Frieden, wenn uns die Wahrheit nicht einmal um den Preis des Friedens feil ist und wenn wir die Wahrheit nur um der Wahrheit willen lieben, uns alle persönlichen Interessen fremd sind und somit unsere glühendste Wahrheitsliebe Hand in Hand geht mit der aufrichtigsten Liebe des Friedens.
„Ob wir noch lange fasten und trauern müssen?“ — Wie stehen wir zur Wahrheit und zum Frieden, wie verhält sich unsere Zeit zu den beiden Verirrungen, die zweimal das Grab unserer Wohlfahrt geworden?
| Wie steht sie zur Wahrheit? Gilt ihr die Wahrheit als Höchstes, steht ihr die Wahrheit in erster Linie, dass sie den Frieden nur will, der nicht auf dem Grab der Wahrheit erbaut ist, oder steht ihr der Friede in erster Linie und will sie nur die Wahrheit, die sich mit allen und allem verträgt und möchte nur vor der Wahrheit sich beugen, die sich zuerst vor ihnen gebeugt? | Steht bei uns die Wahrheit an erster Stelle, sodass wir nur den Frieden wollen, der nicht auf dem Grab der Wahrheit errichtet ist? Oder steht der Friede an erster Stelle, und wir akzeptieren nur die Wahrheit, die sich mit allem und jedem verträgt? |
| Ist nicht „Akkommodation[10]“ das große Losungswort der Wissenschaft und des Lebens geworden, juste milieu[11] die Täuschungsformel des Geschlechts, Klugheit die Weisheit, die die Gemeinden von ihren Lehrern verlangen, und Schweigen der Preis, um den das Diplom der Klugheit sich erwirbt? Und ist Akkommodation, juste milieu und wie die beliebten savoir-faire[12]– und savoir-vivre[13]-Prinzipien alle heißen, die die Wahrheit sich aneignen muss, wenn sie „zeitgemäß“ sein will, sind sie etwas anderes als der schnödeste Trödel mit dem Heiligsten, als Verrat und Verleugnung der Wahrheit, die keinen Handel kennt und von einem Abfinden nichts weiß? | Steht bei uns die Wahrheit an erster Stelle, sodass wir nur den Frieden wollen, der nicht auf dem Grab der Wahrheit errichtet ist? Oder steht der Friede an erster Stelle, und wir akzeptieren nur die Wahrheit, die sich mit allem und jedem verträgt? Ist „Akkommodation“ nicht längst zum großen Losungswort von Wissenschaft und Leben geworden? Ist „juste milieu“, Klugheit und Schweigen nicht der Preis, den man heute für gesellschaftliche Anerkennung zahlt? All diese Prinzipien des „zeitgemäßen“ Umgangs mit der Wahrheit sind nichts anderes als Verrat am Heiligsten. |
„Die Wahrheit liegt in der Mitte“ sagt ihr? Die Lüge liegt in der Mitte. Wahrheit ist etwas Extremes, Scharfes, da gibt’s kein Mehr noch Minder. Zwei mal zwei ist vier, nicht viereinhalb und nicht fünfeinhalb. Aber dazu darf sich heutzutage keiner bekennen, wenn er den „Zeitgemäßen“ gemäß sein will, darf das unwandelbare göttliche Einmaleins der jüdischen Wahrheit nicht als Prüfung anlegen an die Lebensrechnungen der Zeit. Das Einmaleins muss gefälscht werden, damit die fait accompli[14]-Resultate gerechtfertigt erscheinen, und das ist der Mann und der Gott, der Priester und der Prophet der Zeit, der sich auf diese Fälschung am gewandtesten versteht und am kecksten es wagt, dem alten Einmaleins die Lüge aufzubürden. „Der Lehrer der Gemeinden muss über den Parteien stehen“, d. h. ihm muss die Wahrheit gar nichts gelten, es muss ihm alles recht sein, er muss für alles, für Rechts und Links, für Alt und Neu, für Wahr und Falsch sein Sprüchlein der Weihe und der Billigung bereit haben, indifferent gegen alles, muss er sich aus dem reichen Schatz göttlicher Wahrheit nur das Körnlein herausgelesen haben, das einmal jeder anerkennen kann, — weil es eben niemand geniert — und jeder anerkennen muss, wenn er überhaupt noch zu seiner Herde sich zählen soll. Er muss es verstanden haben, die Wahrheit auf dem Siebe des Friedens zu sichten[15].
Und das Familienleben? Die Ehe? Die Erziehung? Das Haus? Die Schule? Diese Kreise und Stätten, in welchen über unser ganzes Heil in Gegenwart und Zukunft die Würfel fallen? Ist es die Wahrheit oder der Friede, die soziale Verträglichkeit, die dort alles beherrscht und alles diktiert, alles in Frage stellt und alle Fragen entscheidet? Um des Friedens willen duldet der „fromme“ Gatte, dass die Gattin, duldet die „fromme“ Gattin, dass der Gatte den Kindern das Beispiel eines gesetzentfremdeten Lebens bietet. Um des Friedens willen macht der Vater der Mutter, macht die Mutter dem Vater die Konzession, die Söhne oder die Töchter für ein „modernes israelitisches“ Leben unterrichten und bilden zu lassen.
Um des Friedens willen wagen die Eltern kein Wort gegen das unjüdische Leben ihrer erwachsenen Söhne und Töchter. Um des Friedens willen wird das „Ja“-Wort zur Verbindung mit unjüdischem Eidam, mit unjüdischer Schwiegertochter gegeben. Um des Friedens willen duldet man den verderblichsten Einfluss unjüdischer Onkel und Vettern, unjüdischer Freunde und Verwandten auf die ganze Richtung des Hauses und der Kinder. Um des Friedens willen muss auch die Schule über allen Parteien stehen, muss auch die Schule die Wahrheit verleugnen, damit sie dem Hause keinen Anstoß gebe, — jenes ganze heillose System der Konvenienz, die den Frieden mit Gott preisgibt um des Friedens mit den Menschen willen, die um die Gunst der Fremden und Großen buhlt und alles dem herrschenden Modeton mundgerecht zu machen strebt, jenes System des Wahrheit verschachernden Friedens, das einst an der äußersten „Linken“ zum Geiste der Lüge im Munde der „Hofprediger-Schar“ geworden, die sich im Glanze Ahabs und Isebels[16] sonnten, und zur juste milieu-Reform eines Ahas, die den „Hauptgottesdienst“ nach dem damaszenischen Muster eines Tiglat-Pileser[17] modelliert, dabei aber so tolerant ist, den alten Gottesaltar noch als „Nebengottesdienst“ vegetieren zu lassen — [18] וּמִזְבַּ֧ח הַנְּחֹ֛שֶׁת יִֽהְיֶה־לִּ֖י לְבַקֵּֽר — jene ganze Zeit des ersten Tempels, ist sie nicht ganz eigentlich wieder erstanden in unseren Tagen; wären da nicht bereits die Tage des vierten und die Tage des fünften und die Tage des zehnten Monats Tage des Fastens und der Trauer — müssten wir uns solche Tage stiften, um unserer Verirrung inne und der Gefahr bewusst zu werden, die unser Heiligtum bedroht?
Und die Verirrungen des zweiten Tempels?? Ist unsere Liebe zur Wahrheit überall eine solche, eine so reine, so vollendete und ganze, dass sie von selbst die aufrichtigste Liebe des Friedens mit umschließt? Sind all die Kämpfe, die für die Wahrheit und im Namen der Wahrheit geführt werden, in Wahrheit Kämpfe um der Wahrheit willen, dass nirgends persönliche Interessen bewusst und unbewusst die eigentlich bewegenden Triebfedern bilden? Sind alle Hände rein, die die Standarte der Wahrheit erheben — hat sich die Wahrheit nirgend ihrer Kämpfer zu schämen? Gilt uns die Ehre unserer Sache mehr als die Ehre unserer eigenen Person, dass wir überall bereit sind unsere eigene Ehre und unseren eigenen Vorteil hintanzusetzen, wo die Sache der Wahrheit ein solches Opfer heischt?
Ja, sind wir in eben dem Maße gefügig und milde, versöhnlich, nachgebend, gelinde, bescheiden in Sachen unseres persönlichen Interesses, unseres Amtes, unserer Würde, unseres Rechts, unseres Vorteils, unserer Anerkennung, unseres Vermögens, überall ebenso friedlich, ohne Groll und ohne Hass, ohne Eigensinn und Starrsinn in Sachen unseres persönlichen Betreffs, wie wir fest und stark, unerschütterlich und unbestechlich, mutig und kühn, ohne Schwanken und Wanken, ohne Rücksicht und unnachgiebig dastehen, wo es gilt für die Sache der Wahrheit einzutreten und die Sache der Wahrheit zu verfechten?
Ist unsere Friedensliebe, unsere Uneigennützigkeit, unsere Milde und Bescheidenheit im sozialen Leben Bürge für die Echtheit unseres Eifers um die Sache der Wahrheit? Nur der Mann, von dem die Schrift bezeugt, dass er der bescheidenste Mensch auf Erden gewesen, durfte sich ins Tor des jüdischen Lagers mit dem Rufe stellen: „מִי לָה‘ אֵלַי!“ Wer Gottes ist — zu mir! Die Männer, die er sich zu Mitträgern seiner Sache in der Mitte seines Volkes zu erkiesen hatte, sie sollten nicht nur tüchtige gottesfürchtige Männer sein, [19]אַנְשֵׁי חַיִל יִרְאֵי אֱלֹקִים, sie sollten auch im sozialen Leben gekennzeichnet sein, als [20] אַנְשֵׁי אֱמֶת שֹׂנְאֵי בֶּצַע, als Männer der Wahrheit, jedem persönlichen Interesse feind — Und die Männer, die seine Nachfolger in Wahrheit waren, lehrten nicht nur: „הָעוֹסֵק בַּתּוֹרָה שֶׁלֹּא לִשְׁמָהּ נוֹחַ לוֹ שֶׁלֹּא נִבְרָא“ — wer sich mit der Tora in unreiner Absicht beschäftigt, dem wäre es besser, er wäre nie geboren, lehrten nicht nur: „אַל תַּעֲשֵׂם עֲטָרָה לְהִתְגַּדֵּל בָּהֶם וְלֹא קַרְדֹּם לַחְפֹּר בָּהֶם“ — mache sie nicht zum Ruhmeskranz dich zu verherrlichen, und nicht zur Axt damit zu graben, und „כָּל הֲנָאוֹת מד״ת נוֹטֵל חַיָּיו מִן הָעוֹלָם“ — mit jedem Eigennutz, zu welchem du die Worte der Tora missbrauchst, nimmst du dir das Leben aus deiner Ewigkeit, — sie lehrten dies nicht nur, ihr ganzes Leben war eine Besiegelung dieser Lehre —
„Sollen wir noch weinen und fasten, wie wir seit Jahren getan?“ ——
[1] Wikipedia: Sacharja oder Secharja (hebräisch זְכַרְיָה, lateinisch Zacharia, oder Sacharia, vollständig: Secharja, Sohn Berechjas, des Sohnes Iddos, der Prophet) heißt ein biblischer Prophet. Das nach ihm benannte Buch im hebräischen Tanach entstand nach dem babylonischen Exil (ab etwa 520 v. Chr.) und gehört zum Zwölfprophetenbuch… Sacharja wirkte in der Zeit kurz nach dem babylonischen Exil in Jerusalem und war Zeitgenosse des Propheten Haggai. Er war der Sohn Berechjas und Enkel Iddos. Er kam also aus einer Priesterfamilie und war wahrscheinlich selbst Priester. Zur Zeit des Hohepriesters Jojakin war Sacharja das Oberhaupt seines Geschlechts.
[2] Der persische Herrscher Darius I. (* 549 v. Chr.; † 486 v. Chr.) erlaubte den Juden der babylonischen Gefangenschaft die Rückkehr nach Juda und den Bau des Zweiten Tempels.
[3] Secharja 7: 5-7
[4] Wikipedia: Michajah der Sohn Jemlas מִיכָיְהוּ בֶן־יִמְלָה oder Sohn Jimlas oder Micha ben Jimla war eine biblische Person. Er wird in 1 Kön 22:8–28 und 2 Chr 18:7–27 als Prophet zur Regierungszeit Ahabs von Israel (873–853 v. Chr.) erwähnt.
Micha unterscheidet sich in seiner Aussage diametral von den offiziellen Kultpropheten, die dem König Erfolg bei einem Feldzug gegen Ramot-Gilead versprechen. Micha ist beim König unbeliebt, weil er nichts Gutes weissagt, sondern nur Böses. Er warnt den König vor einer großen Niederlage, die dann auch eintritt. Die Geschichte des Micha mit seinem Widersacher Zedekia ben Kenaana spiegelt den Widerspruch zwischen der offiziellen Heilsprophetie an den offiziellen Kultstätten und der opponierenden gesellschafts- und königskritischen Gerichtsprophetie jener Zeit. Beide Seiten berufen sich auf JHWH, aber nur eine Seite kann recht haben. Eine Seite wird vom König unterstützt, die andere unterdrückt. Die biblische Erzählung deutet die historischen Ereignisse so, dass sich am Ende zeigt, welche Seite recht hatte.
[5] Zedekia ben Kenaana – s. vorherige Fussnote
[6] Psalm 34:15; ס֣וּר מֵ֭רָע וַעֲשֵׂה־ט֑וֹב בַּקֵּ֖שׁ שָׁל֣וֹם וְרׇדְפֵֽהוּ׃ “halte dich fern von Schlechtem, und über Gutes ohne zaudern; suche Frieden und verfolge ihn.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)
[7] Grundloser Hass
[8] Chanukka: die Makkabäer
[9] Aristobulos I. (hebräischer Name wohl יהודה Jehudah) war König von Judäa 104 bis 103 v. Chr.
Nach dem Tod seines Vaters, des Hohepriesters Johannes Hyrkanos I., wurde Aristobulos im Jahr 104 v. Chr. sein Nachfolger. Als erster judäischer Herrscher seit dem Babylonischen Exil nahm er den Königstitel an und regierte offiziell als König und Hohepriester. Er errichtete ein Königreich und setzte sich selbst auf den Thron. Der Thron steht aber nur den Nachkommen König Davids zu!
[10] KI: Unter Akkommodation versteht man das Scharfstellen des Auges auf unterschiedliche Entfernungen. Hier Anpassungsfähigkeit, Assimilation.
[11] Juste milieu (auch Justemilieu) ist ein französischer Begriff, der den goldenen Mittelweg, die „rechte Mitte“ oder ein maßvolles Gleichgewicht beschreibt. Er bezeichnet eine kompromissbereite, ausgleichende Haltung, die Extreme meidet
[12] Der Begriff Savoir-faire stammt aus dem Französischen (wörtlich: wissen, wie man es macht) und beschreibt geschicktes, taktvolles Verhalten. Im Deutschen wird der Ausdruck meist als Synonym für Fingerspitzengefühl, Taktgefühl, Know-how oder soziale Kompetenz verwendet.
[13] Savoir-vivre (wörtlich „verstehen, zu leben“) ist die Kunst, das Leben bewusst, genussvoll und mit Stil zu gestalten. Im deutschsprachigen Raum steht es für Lebenskunst und Gelassenheit.
[14] Vollendete Tatsache
[15] KI: Die „drei Siebe des Sokrates“ sind ein hervorragender Filter, um wahre, gute und notwendige Erkenntnisse im Alltag oder in den Medien zu sichten. Sie helfen dabei, achtsamer und klarer zu kommunizieren.
Die drei Siebe im Überblick:
Ist es wahr?
Stellen Sie sicher, dass die Information, die Sie weitergeben oder empfangen möchten, tatsächlich den Tatsachen entspricht und nicht nur auf Hörensagen beruht.
Ist es gut?
Ist das, was Sie sagen wollen, positiv oder hilfreich? Wenn es weder wahr noch positiv ist, sollte man es nicht weitererzählen.
Ist es notwendig?
Ist es zwingend erforderlich, diese Information mitzuteilen? Wenn die Botschaft weder wahr, noch gut, noch nützlich ist, sollte man sie besser für sich behalten.
[16] König Ahab und Königin Isebel regierten im 9. Jahrhundert v. Chr. das Nordreich Israel. Ihre Ehe ging als Inbegriff politischer Machtgier und religiöser Verirrung in die Geschichte ein. Isebel, eine phönizische Prinzessin, brachte den Baalskult nach Israel. Beide wurden für ihre Unterdrückung des Gottesglaubens und brutale Machenschaften bekannt
[17] Tukulti-apil-Ešarra III. (akkadisch) oder biblisch Tiglat Pileser, meist auch Tiglat-Pileser III. war von 745 bis 726 v. Chr. König des Assyrischen Reiches.
Tiglat-Pileser gelang es, Assyrien – zu Beginn seiner Herrschaft eher eine lokale Macht – zur bedeutendsten Großmacht im Nahen Osten aufzubauen. Er reformierte die Reichsstruktur und hob Steuerprivilegien auf, um die Finanzierung der Militarisierung und die Expansionspolitik zu gewährleisten.
[18] 2. Könige 16:15; „Der kupferne Altar bleibe mir zum Ansehen“; (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)
[19] Tatkräftige, gottesfürchtige Menschen
[20] Wahrhaftige, den eigenen Vorteil verachtende Menschen
