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	<title>Hirschinitiative e.V.</title>
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	<description>Rabbiner S. R. Hirsch Plattform zur Wiederbelebung des orthodoxen deutschen Judentums</description>
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	<title>Hirschinitiative e.V.</title>
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		<title>Willkommen zur 11. Ausgabe des 5. Jahrgangs der Monatszeitschrift</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/willkommen-zur-11-ausgabe-des-5-jahrgangs-der-monatszeitschrift/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jul 2026 09:42:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Willkommen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>für den Monat Aw 5786 „Warum ging Juda ins Exil?“ Dieser Frage geht Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l in seinem Monatsblatt zum Monat Av nach.Das Monatsblatt für den Monat Av finden Sie hier. Antisemitismus, besser Judenhass, kurz vor der Machtergreifung 1933 durch die NSDP untersucht Rabbiner Dr. Hermann Klein s“l in einer Studie in der [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/willkommen-zur-11-ausgabe-des-5-jahrgangs-der-monatszeitschrift/">Willkommen zur 11. Ausgabe des 5. Jahrgangs der Monatszeitschrift</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
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<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="https://hirschinitiative.de/wp-content/uploads/2022/08/image.png" alt="Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist image.png"/></figure>



<p class="has-text-align-center has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>für den Monat Aw 5786</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warum ging Juda ins Exil?“ Dieser Frage geht Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l in seinem Monatsblatt zum Monat Av nach.<br><strong>Das Monatsblatt für den Monat Av finden Sie<a href="https://hirschinitiative.de/aw-5786/"> hier</a>.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Antisemitismus, besser Judenhass, kurz vor der Machtergreifung 1933 durch die NSDP untersucht Rabbiner Dr. Hermann Klein s“l in einer Studie in der Zeitschrift Nach<em>a</em>lath Z´wi.<br><strong>Den Artikel „Judenhass“ von Rabbiner Dr. Hermann Klein finden Sie <a href="https://hirschinitiative.de/judenhass/">hier</a>.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kinderecke — nicht nur für die jüngeren Leser unserer Zeitschrift — beendet mit zwei Geschichten und einer ausführlichen Beschreibung des Rabbiners, Dichters und Philosophen <strong>Salomo Ibn Gabriol</strong> diese Ausgabe.<br><strong>Die Kinderecke finden Sie <a href="https://hirschinitiative.de/kinderecke-aw/">hier</a>.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie immer können Sie sich das gesamte Monatsmagazin auch herunterladen. Bitte vergessen Sie dann Ihre Spende nicht!<br><strong>Das Monatsmagazin für den Monat Aw finden Sie <a href="https://hirschinitiative.de/magazin-fuer-den-monat-aw-5786/">hier.</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/willkommen-zur-11-ausgabe-des-5-jahrgangs-der-monatszeitschrift/">Willkommen zur 11. Ausgabe des 5. Jahrgangs der Monatszeitschrift</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Kinderecke Aw</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/kinderecke-aw/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jul 2026 09:31:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderecke]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Und wieder habe ich etwas in der Zeitung „Der Israelit“ für die jüngeren Leser dieser Zeitschrift gefunden. Sogar passend zum Monat Av. Die erste Geschichte „Aus Jerusalems letzten Tagen“ erschien in zwei Ausgaben, und zwar am 28.07.1921 und am 04.08.1921. Die zweite Geschichte „Des Sängers Fluch“ habe ich ebenfalls in der zuletzt genannten Ausgabe gefunden. [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/kinderecke-aw/">Kinderecke Aw</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Und wieder habe ich etwas in der Zeitung „Der Israelit“ für die jüngeren Leser dieser Zeitschrift gefunden. Sogar passend zum Monat Av.</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Die erste Geschichte „Aus Jerusalems letzten Tagen“ erschien in zwei Ausgaben, und zwar am 28.07.1921 und am 04.08.1921. Die zweite Geschichte „Des Sängers Fluch“ habe ich ebenfalls in der zuletzt genannten Ausgabe gefunden.</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Da sich die zweite Geschichte auf den Rabbiner Salomo Ibn Gabriol s“l bezieht, befindet sich eine ausführliche Personenbeschreibung (Wikipedia) dieses Dichters, Sängers und Philosophen im Anhang zu dieser Geschichte.</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter:</p>



<p class="has-text-align-center has-small-font-size wp-block-paragraph"><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pagetext/2526270">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pagetext/2526270</a></p>



<p class="has-text-align-center has-small-font-size wp-block-paragraph"><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2526284">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2526284</a></p>



<p class="has-text-align-center has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>Aus Jerusalems letzten Tagen.</strong></p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph">(Nach dem Midrasch Echo und Talmud Gittin.)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dreieinhalb Jahre belagerte Vespasjan Je­rusalem, und vier fürstliche Heerführer unterstanden seinem Befehl, die Fürsten von Arabien, Afrika, Alexandrien und Palästina. In Jerusalem aber standen an der Spitze der Bevölkerung vier reichbegüterte Männer: Ben <strong>Zijis</strong>, Ben <strong>Gu­rton</strong>, Ben <strong>Nakdimon</strong> und Ben <strong>Kalba Sabua</strong>. Jeder von ihnen hatte so reiche Mittel, dass er eine ganze Provinz zehn Jahre lang hätte ernähren können. Da war aber an der Spitze einer zum äußersten Kampf entschlossenen gewaffneten Mannschaft, der <strong>Barjonim</strong>, Ben <strong>Batiach</strong>, der Schwestersohn Rabbi Jochanan ben Sackais. Dieser Kraftmensch, der vor keiner Gewalt zurückscheute, hatte kein anderes Ziel im Auge, als die Jerusalemer Mannschaft zum Aus­fall aus der Festung zu zwingen und auf Leben und Tod eine Entscheidung herbeizuführen. Un­glücklicherweise war ihm die Bewachung der Lebensmittelvorräte in der Festung anvertraut. Mit trotziger Entschlossenheit steckte er diese seiner Obhut anvertrauten Schätze an Nahrung in Brand, um den Ausfall aus der Festung und die militärische Entscheidung zu erzwingen. Als Rabbi <strong>Jochanan ben Sackai</strong> von diesem Verzweiflungsakt hörte, rief er tieferschüttert aus: „Wehe (<strong>ווי</strong>) über Jerusalem!&#8220; Ben Batiah wurde diese Gefühlsäußerung seines Oheims so­fort hinterbracht, er ließ den Greis zu sich ent­bieten, um ihn zur Rechenschaft zu ziehen. „Warum hast du Wehe gerufen&#8220;, herrschte er ihn an. Rabbi Jochanan, der in all seiner Be­scheidenheit wusste, wie bitter nötig seine weitere Wirksamkeit dem schwergeprüften jüdischen Volke noch sein werde, antwortete, um sein Leben zu retten: „Nicht <strong>ווי</strong> habe ich gerufen, sondern „Wo<strong>ווה</strong><strong> </strong>.&#8220; („Wo&#8220;, ist im Aramäischen ein Ausdruck der Freude.) Warum dies? fragte Ben Batiach. „Ich freute mich, dass du alle Vorräte verbrannt hast, denn solange sie vorhanden waren, würde das Volk in der Tat sein Leben nicht hingeopfert haben, um den Kampf mit der Belagerungsarmee aufzunehmen.&#8220; So wurde Rabbi Jochanan durch den haarscharfen Unterschied zwischen <strong>י</strong> und <strong>ה</strong> vom sicheren Tode errettet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Drei Tage später ging Rabbi Jochanan ben Sackai auf den Markt hinaus und sah, wie dort bereits hungernde Menschen Stroh kochten und den ausgekochten Strohsaft als Nahrung schlürften. Da sagte sich Rabbi Jochanan: „Wo sollen Menschen, die von ausgekochtem Strohsaft leben, den Heeren eines Vespasjan widerstehen können, hier bleibt keine Rettung, als die An­knüpfung von Verhandlungen mit dem Belagerer.&#8220; Rabbi Jochanan überlegte! Sollte er nicht seinen Neffen Ben Batiach trotz dem furchtbaren Zu­sammenstoß der letzten Tage durch ein Wort der Liebe zu gewinnen, suchen? Er glaubte auf Ben Batiachs guten Kern vertrauen zu dürfen und war sicher, dass dieser nur unter dem Druck seiner fanatisierten Genossen so schroff gegen den Oheim ausgetreten war. So ließ er denn Ben Batiach bitten, ihm den Austritt aus der Festung zu gestatten. Ben Batiach ließ erwidern, dass das Militär beschlossen habe, niemand aus den Mauern Jerusalems herauszulassen, solange er lebe; nur <strong>Leichen</strong> könnten die Torwachen pas­sieren. Kurz entschlossen ließ sich Rabbi Jochanan, als sei er gestorben, in ein Leintuch gehüllt, von seinen Schülern Rabbi Elieser und Rabbi Josua zum Stadttor tragen, während der in die List eingeweihte Ben Batiach als Begleitender dem Leichenzug voranschritt. Die Torwächter wollten zunächst, wie sie gewohnt waren, die Leiche mit dem Schwerte durchbohren, allein Ben Batiach wehrte ab. „Wollt Ihr — so rief er — vor dem Feinde die Schmach auf den jüdischen Namen laden, dass jüdische Soldaten die tote Hülle ihres allverehrten Lehrers und Meisters schänden?&#8220; So konnte denn der Leichenzug ungestört das Tor passieren und Rabbi Jochanan wurde in eine benachbarte Grabhöhle gebracht, während die Begleiter zur Stadt zurückkehrten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kaum hatten die Begleiter das Grabgewölbe verlassen, als Rabbi Jochanan sich in das Haupt­quartier der Belagerungsarmee begab, um bei deren Oberbefehlshaber Vespasjan Zutritt zu erbitten. „<strong>Wo ist der König</strong>?&#8220; fragte er den diensttuenden Offizier. Dieser meldete, ohne zu antworten, die imposante Erscheinung und die seltsame Frage dem römischen Feldherrn. „Du hast mich&#8220;, so empfing Vespasjan den jüdischen Weisen, „als König begrüßt, ohne dass mir diese Würde zukommt. Wenn die Tatsache dem Kaiser in Rom bekannt wird, kann sie mich das Leben kosten.&#8220; Rabbi Jochanan erwiderte: „Bist Du nicht König, so wirst du es werden, denn das Haus unseres Gottes kann nur durch einen König fallen, wie der Prophet Jesaja es ver­heißen: „Der Libanon wird durch einen Mäch­tigen fallen.&#8220; Hierauf führte man Rabbi Jo­chanan in ein von jedem Lichtstrahl abgeschlossenes unterirdisches Gemach, wo er Stunden und Tage verbrachte. Bevor man ihn wieder ans Tages­licht ließ, stellten die Römer ihm die Frage, welche Stunde am Tage es sei. Rabbi Jochanan nannte mit überraschender Genauigkeit die Stunde und erklärte diese Treffsicherheit damit, dass er während der ganzen Zeit bestimmte Abschnitte des überlieferten Lehrstoffes wiederholt und nach der für jeden Abschnitt erfahrungsgemäß not­wendigen Zeit genau feststellen konnte, wie viel Stunden des Tages und der Nacht verflossen waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach kaum drei Tagen langte aus Rom am frühen Morgen die Botschaft ein, dass Kaiser Nero gestorben und Vespasjan zu seinem Nach­folger ausgerufen worden sei. Vespasjan ließ, noch mit dem Ankleiden beschäftigt, den jüdischen Weisen zu sich rufen, um ihm zu sagen, dass seine Prophezeiung sich überraschend schnell er­füllt habe. Dabei stellte sich heraus, dass Vespasjan trotz aller Mühe nicht in die ihm sonst tadellos passenden Schuhe hineingelangen konnte. Rabbi Jochanan ließ auch diese Gelegenheit nicht vorübergehen, um die in großen wir in kleinen Dingen unerschöpfliche Lebensweisheit, die im jüdischen Schrifttum schlummert, vor den Augen des heidnischen Großen hell leuchten zu lassen. „<strong>Eine gute Botschaft lässt das Gebein schwellen</strong>&#8222;, sagt König Salomo — und „ein gedrücktes Gemüt dörrt die Knochen aus.&#8220; Du brauchst also, Kaiser Vespasjan dich nicht zu wundern, dass in diesem Augenblick höchsten Glückes deine Fußbekleidung nicht mehr passt.&#8220; Nun begannen auch die um Vespasjan versammelten Fürsten in geistvollen Gleichnissen Rabbi Jochanans Schlagfertigkett zu erproben und Vespasjan war von dem Scharfsinn, der Geistesgegenwart und der Seelengröße Rabbi Jochanans in einem tragischen Augenblicke der Geschichte seines Volkes so ergriffen, dass er die Unterhaltung mit den Worten schloss: „Stelle eine Bitte und ich werde sie erfüllen.&#8220; Rabbi Jochanan erwiderte: „Was ich will? Zieh ab mit deinen Herren aus unserem Land und überlasse Jerusalem den Juden.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Glaubst du, weiser Rabbi, dass ich deshalb Kaiser ward, um Jerusalem preiszugeben? Du musst schon eine andere Forderung stellen.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hierauf Rabbi Jochanan: „Dann bitte ich nur um eins, lasst das Städtchen Jawne un­angetastet, <strong>damit dorthin die Thora und ihre Träger flüchten können</strong>.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diesen Wunsch erfüllte Vespasjan, ohne zu ahnen, dass er damit die <strong>Unsterblichkeit des jüdischen Volkes gesichert hatte.</strong></p>



<p class="has-text-align-center has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>Des Sängers Fluch.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor ungefähr 550 Jahren, da Spanien noch ein blühendes, glückliches Land war, lebte in Saragossa Rabbi <strong>Salomo ben Gabirol</strong><a href="#_ftn1" id="_ftnref1"><sup>[1]</sup></a>, der große Dichter und Denker, dessen Ruhm durch alle Lande ging und bis auf den heutigen Tag in der jüdischen Welt andauert. Zu der Seelen­größe des Dichters gesellte sich auch körperliche Schönheit. In ganz Kastilien würden von Jung und Alt seine herrlichen Lieder gesungen. Auch die spanischen Könige und Fürsten verehrten den jüdischen Dichter und Philosophen ungemein und überhäuften ihn mit Ehren und Geschenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kein Wunder, dass Gabirol viele Neider und bittere Feinde hatte, die ihm nach dem Leben trachteten. Besonders zeichnete sich durch seinen Hass ein in hoher Stellung sich befindender Mohr, namens <strong>Haschan</strong> aus. Zu dem Neid, der im Herzen des Mohren brannte, kam auch noch die Eifersucht, denn er beschuldigte Gabirol, ihm seine Geliebte, die schöne Sulaima, abspenstig gemacht zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit hatte er aber den Dichter ganz zu Unrecht beschuldigt. Wohl sah Sulaima mit glühendem Entzücken und feurigen Augen zu der Wundergestalt des allbeliebten jüdischen Dichters empor. Er aber, Gabirol, erwiderte diese Liebe nicht und hatte kein Auge für die schmachtenden Blicke des Weibes, das einem anderen und auch einem anderen Volke angehörte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Allein, je gleichgültiger Gabirol sich zeigte, umso höher und flammender stieg die Liebe der jungen, schönen Araberin. Und eines Tages suchte sie die Nähe des Dichters auf und offen­barte ihm die heißen Gefühle ihres Herzens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Edle Freundin&#8220;, sprach Gabirol, „schäumende Empfindungen des Augenblickes lassen Euch ver­gessen, dass wir zwei nicht zueinander gehören. Ich bin Angehöriger des jüdischen Glaubens, ihr aber Araberin und mohammedanischen Bekennt­nisses&#8220;.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das soll kein Hindernis sein&#8220;, warf Sulaima ein. „Nie darf Glaube der Liebe im Wege stehen. Ich will von heute an Jüdin, deines Glaubens sein&#8220;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Dichter gewann es nicht übers Herz, die Bittende barsch zurückzustoßen und bat sie, sie möge sich die Sache doch noch reiflich überlegen, mit sich selber zu Gerichte gehen, Einblick in die Geschichte und das jüdische Gesetz zu gewinnen, um danach ihren Beschluss und ihren geplanten Schritt noch einmal zu prüfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dem Mohr Haschan blieb diese Wandlung im Herzen der Sulaima nicht verschlossen und er schwor, blutige Rache an Gabirol zu nehmen. Äußerlich ließ er aber nichts anmerken. Er stellte sich im Gegenteil sehr freundlich zu Gabirol und lud ihn zu einem Besuch in seine in einsamer Waldgegend gelegene Sommerwohnung ein. Nichts Böses ahnend, nahm Gabirol die Einladung an. Sie ergingen sich in den blühenden Alleen, wie sie schon öfters promeniert und die Natur in poetischen Ergüssen besungen hatten. Denn auch der Mohr erprobte sich zuweilen in der Dichtkunst und hatte sich alle Zeit für die hohen Gedankengänge Gabirols empfänglich gezeigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war ein lieblicher Frühlingsabend. Ein sanfter Hauch küsste die Blumen und ein Raunen kam von den Wipfeln, als wollten die Bäume der untergehenden Sonne „Gute Nacht&#8220; zu­flüstern. Auf einer breitästigen Akazie sang eine Nachtigall ein Liebeslied zum dunklen Nachthimmel hinauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wie schön ist doch das Leben&#8220;, entrang es sich der Brust Gabirols.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ja schön ist das Leben&#8220;, sagte Haschan kalt, „umso schmerzlicher, wenn dieses schöne Leben plötzlich mittendrin abgehackt wird, da man glaubt, es noch lange genießen zu dürfen. Siehst du dieses Grab da unter dem Baume?&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was soll es mit diesem Grab?&#8220; fragte Gabirol erstaunt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„In diesem Grab wirst du heute Nacht schon ruhen&#8220;, antwortete Haschan in eisiger Ruhe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Was soll das heißen, Haschan?&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich denke, jetzt wirst du es endlich begreifen&#8220;, schrie Haschan in wilder Wut und stieß den Dolch in des Dichters Herz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gabirol stürzte zu Boden. In seinen letzten Zügen stieß er aber noch die Worte aus: „Mörder! Du hast mein Blut vergossen, und keiner sah es, der wider dich zeugen könnte. Aber Gott im Himmel sah es, und er lässt diese Tat nicht un­geahndet. Der Feigenbaum wird reden und seine Frucht wird gegen den Mörder Haschan zeugen.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Haschan lachte hell aus. „Der Baum wird <strong>schweigen</strong>, wie dieser tote Dichtermund, und Sulaima wird mein&#8220;. Mit diesen höhnischen Worten begrub er die Leiche unter dem Feigen­baum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am folgenden Tag herrschte große Aufregung in Saragossa, als man den Dichter am Hofe er­wartete, und er nicht kam. Man suchte ihn über­all und fand ihn nirgends. Man glaubte zuerst, er habe plötzlich eine Reise antreten müssen, als aber Wochen und Monate vergingen, ohne dass er wiederkam, steigerte sich die Unruhe gewaltig. Seine noch lebenden Eltern klagten bitterlich über den Verlust des seltenen Sohnes, und die ganze Gemeinde betrauerte ihren gottbegnadeten Sänger und den Dolmetsch ihrer Wünsche vor dem Throne. Als ein ganzes Jahr ins Land gegangen war, gab man alle Hoffnung auf und stellte das Suchen und Forschen nach dem Dichter ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur Sulaima gab keine Ruhe und weinte Tag und Nacht um Gabirol, den sie nicht ver­gessen konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Winter ging und wieder war es Frühling. Neues Leben erwachte und erblühte aus dem harten Boden. Die Felder legten das neue, grüne Gewand an, die Zitronen-, Orangen-, Öl- und Feigenbäume bedeckten sich mit Blättern und Blüten. Auch der Feigenbaum über dem Grab Gabirols erblühte. Aber wie merkwürdig groß und weiß und üppig standen doch seine Blüten. Es schien, als sauge der Baum aus geheimer Quelle Wunderkraft. Denn kaum zeigten die anderen Bäume die ersten Blättchen, so stand dieser Baum schon in voller Blüte; und wie die anderen zu blühen begangen, reiften an diesem schon die schönsten, edelsten Früchte heran. Alle Welt stand voller Verwunderung vor diesem Baum. Aber Haschan zuckte die Achseln und sagte: „Das Geheimnis dieses Baumes kann ich euch nicht sagen&#8220;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der ganzen Gegend sprach alles Volk von diesem Wunderbaum. Man hielt Haschan für einen Zauberer, der mit geheimen Mächten Verbindungen pflegte. Die Nachricht gelangte auch endlich bis zum Königspalast, und eines Tages kam der König mit seinem ganzen Hofstaat in den Garten Haschans, um den Baum zu be­wundern. Haschan erzitterte beim Anblick des Königs am ganzen Körper.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Warum erbleichst du, Haschan?&#8220; fragte der König: ,,Ich werde dir die Früchte nicht nehmen, nur ansehen möchte ich mir den wunderlichen Baum.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Still und bleich führte Haschan den König an den Baum. Da sprach der König: „Nun muss ich selber daran glauben, dass du dich ge­heimer Zaubermittel bedienst. Sage, Haschan, welche Bewandtnis es mit diesem Baume hat.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Haschan verwickelte sich in Widersprüche und sprach ohne Zusammenhang von allen möglichen Dingen, über die er gar nicht gefragt wurde. Das verletzte den König und er ließ Haschan ins Gefängnis werfen, wo er durch Folter zu Ge­ständnissen gezwungen wurde. Da schien es Haschan, als öffnete sich das Grab unter dem Feigenbaum und eine Stimme rief: „Gott im Himmel sieht es und wird es ahnden, die Früchte des Baumes werden wider dich zeugen.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Haschan wurde an den Feigenbaum gehängt. Hof und Garten Haschans wurden verwüstet, nur der Baum blieb mitten in der Öde, um zu zeugen, dass Gott ein Verbrechen gesehen und geahndet hat.</p>



<p class="has-text-align-center has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>Solomon ibn Gabirol</strong></p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Wikipedia: </strong><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Solomon_ibn_Gabirol"><strong>https://de.wikipedia.org/wiki/Solomon_ibn_Gabirol</strong></a><strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Solomon ben Jehuda ibn Gabirol, kurz Solomon (Salomo) ibn Gabirol oder Schlomo ibn Gevirol (geboren 1021 oder 1022 in Málaga; gestorben um 1070 in Valencia), war ein jüdischer Philosoph und Dichter im muslimischen Spanien (al-Andalus). In der lateinischsprachigen christlichen Gelehrtenwelt war er unter den latinisierten Namensformen „Avicebron“ und „Avencebrol“ bekannt; arabisch hieß er <strong>أبي أيوب سليمان بن يحيي بن جبيرول</strong> / Abū Ayyūb Sulaimān b. Yaḥyā b. Ǧabīrūl. Seine großenteils von einer pessimistischen, weltflüchtigen Stimmung geprägte hebräische Lyrik in arabischen Versmaßen erfreute sich schon im Mittelalter bei jüdischen Lesern hoher Wertschätzung. Sie galt als meisterhaft und fand Eingang in Gebetbücher. Seine philosophischen Lehren hingegen fanden bei seinen jüdischen Zeitgenossen nur geringe, bei den Muslimen keine Beachtung. Stark war jedoch die Resonanz auf sein philosophisches Hauptwerk „Die Lebensquelle“, von dem ab der Mitte des 12. Jahrhunderts eine lateinische Übersetzung vorlag, in der christlichen Welt. Dort trug sein neuplatonisches Weltbild zur Stärkung der neuplatonischen Strömung in der Philosophie der Scholastik bei, doch bei aristotelisch orientierten Philosophen stieß seine neuplatonische Anthropologie auf heftigen Widerspruch.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Leben</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Über ibn Gabirols Leben ist wenig bekannt; manche Angaben stammen von ihm selbst und geben seine Sicht in literarisch stilisierter Form wieder. Seine Familie stammte ursprünglich aus Córdoba (daher sein arabischer Beiname al-Qurṭūbī); wohl wegen der dortigen militärischen Auseinandersetzungen flohen seine Eltern nach Málaga, wo er 1021/1022 geboren wurde. Dann übersiedelten sie nach Saragossa, wo er aufwuchs. Er erhielt eine gründliche Ausbildung und zeigte schon als Jugendlicher, spätestens im Alter von sechzehn Jahren, eine außerordentliche Begabung als Dichter in seiner hebräischen Muttersprache. Sein Vater starb früh, was ihn zur Abfassung von Trauergedichten veranlasste. 1045 verlor er auch seine Mutter. Aus seinen Gedichten geht hervor, dass er von Kindheit an oft krank und von schwächlicher Konstitution war, dazu klein und von hässlichem Aussehen; insbesondere litt er an einer schweren Hautkrankheit, die ihn entstellte. Diese Umstände trugen wohl dazu bei, dass er unverheiratet und ohne Nachkommen blieb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da er sich nur der Philosophie und der Dichtkunst widmen wollte, war er stets auf Förderung durch wohlhabende Gönner angewiesen. Sein heftiges Temperament, seine Neigung zu schonungsloser Kritik und seine unkonventionellen Ansichten brachten ihn jedoch oft in Konflikt mit einflussreichen Persönlichkeiten und führten zu Spannungen mit der jüdischen Gemeinde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Saragossa erlangte ibn Gabirol die Unterstützung von Jekutiel (Yequthiel) ben Isaak ibn Ḥassan, einem Juden, der am Hof des dortigen muslimischen Herrschers offenbar eine prominente Stellung einnahm. Im Jahr 1039 wurde Jekutiel nach einem gewaltsamen Machtwechsel als Anhänger des gestürzten und ermordeten Machthabers von dessen Nachfolger hingerichtet, angeblich in seinem hundertsten Lebensjahr. Für ibn Gabirol war der Verlust seines Gönners ein schwerer Schlag. In den folgenden Jahren verschärfte sich sein Streit mit der jüdischen Gemeinde von Saragossa, die ihn daher bei den muslimischen Behörden denunzierte. Um 1045 verließ er die Stadt im Zorn. Er erwog auszuwandern und sich in den Nahen Osten zu begeben, doch kam es dazu nicht. Möglicherweise führte er ein Wanderleben. Jedenfalls hielt er sich längere Zeit in Granada auf. Der jüdische Großwesir des dortigen muslimischen Herrschers, Schmuel (Samuel) ha-Nagid, der selbst ein bedeutender Dichter war, wurde sein neuer Förderer. Zeitweilig kam es zur Entfremdung zwischen ihnen; ibn Gabirol kritisierte die Gedichte seines Gönners und griff ihn satirisch an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sicher ist, dass ibn Gabirol noch relativ jung war, als er in Valencia starb. Der Zeitpunkt und die Umstände seines Todes sind jedoch unklar. Eine späte Legende über seine angebliche Ermordung ist unglaubwürdig. Einer Behauptung des Schriftstellers Moses ibn Esra zufolge war er bei seinem Tod erst etwa dreißigjährig. Das kann aber ebenfalls nicht zutreffen, da aus Bemerkungen ibn Gabirols hervorgeht, dass er das Jahr 1068 noch erlebte. Daher ist auch die in vielen Nachschlagewerken übernommene Angabe von ibn Saʿīd al-Andalusī, ibn Gabirol sei 1057/1058 gestorben, falsch. Josef ibn Zaddik, der in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts lebte, setzte seinen Tod ins Jahr 1070; das kann ungefähr stimmen, denn in der Folgezeit ist er nicht mehr als lebend bezeugt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Werke</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In einem seiner Gedichte behauptet ibn Gabirol, zwanzig Bücher geschrieben zu haben. Seine Autorschaft ist aber abgesehen von seiner ausschließlich hebräischen Dichtung nur für zwei ursprünglich arabisch abgefasste philosophische Prosaschriften gesichert, nämlich sein Hauptwerk „Die Lebensquelle“ und die ethische Abhandlung „Buch der Verbesserung der Seeleneigenschaften“.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Dichtung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Von ibn Gabirol sind etwa 400 lyrische Gedichte überliefert. Man unterteilt sie traditionell in „weltliche“ und „religiöse“. Eine solche Aufteilung wird jedoch seinem Anliegen (und generell der mittelalterlichen hebräischen Lyrik) nicht gerecht, denn hinsichtlich der sprachlichen Form bestehen kaum wesentliche Unterschiede und inhaltlich finden sich auch in „weltlichen“ Gedichten religiöse Bezüge. Sinnvoller ist daher eine Aufteilung nach dem jeweiligen Anlass in liturgische (für den Gottesdienst geeignete) und nichtliturgische „soziale“ Dichtung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen großen Teil der nichtliturgischen Lyrik machen Lob- und Freundschaftsgedichte zu Ehren von Wohltätern aus. Relativ gering ist die Zahl der Trink- und Liebeslieder, die ibn Gabirol schon als Jugendlicher zu verfassen begann. Daneben stehen Klagen anlässlich des Todes von ihm nahestehenden Personen, Rätsel sowie Beschreibungen von Natur und Bauwerken (darunter eine Beschreibung der Alhambra). Mit zunehmendem Lebensalter treten pessimistische Motive in den Vordergrund.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese hebräische Lyrik ist formal und in ihrer Thematik an arabischen Vorbildern orientiert. Die Behandlung der Stoffe ist jedoch sehr individuell; sie ist von der eigenwilligen Persönlichkeit des Dichters, seiner Unzufriedenheit mit seinem unerfreulichen Schicksal, seinen wechselhaften Stimmungen und den schweren Spannungen mit seiner Umgebung geprägt. Des Öfteren ist von seiner Erwartung eines frühen Todes die Rede; er befürchtet, sein philosophisches Werk nicht vollenden zu können. Sein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und seine damit zusammenhängende soziale Isolation kommen deutlich zum Ausdruck. Häufig äußert er sich verächtlich und spöttisch über Dichter, von deren Fähigkeiten er wenig hält. Bitter und satirisch sind seine Bemerkungen über Personen, denen er Verständnislosigkeit vorwirft und deren Verhalten er missbilligt. Er klagt über die Nichtigkeit des Lebens und die Wertlosigkeit der irdischen Genüsse. Die meist trübsinnigen Inhalte vermittelt er sprachlich meisterhaft, und auch im Umgang mit schwierigen Versformen erweist er sich als souverän. Als besonders gelungen gilt eines seiner beiden Klagegedichte auf den Tod seines hingerichteten Wohltäters Jekutiel. Eine Reihe von Gedichten, in denen er sich über Schmuel ha-Nagid äußert, dokumentiert die Wechselhaftigkeit des Verhältnisses der beiden, das zwischen einer Beziehung zwischen Gönner und Gefördertem und bitterer Rivalität schwankte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine hebräische Grammatik in poetischer Form bietet das Lehrgedicht „Die Halskette“ (ha-ʿanāq), das ibn Gabirol als Neunzehnjähriger verfasste. Er preist darin die Überlegenheit der hebräischen Sprache über alle anderen und beklagt ihre Vernachlässigung durch seine Zeitgenossen. Von den 400 Doppelversen ist nur rund ein Viertel erhalten geblieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den religiösen Hymnen drückt er seine leidenschaftliche Frömmigkeit aus. Sein berühmtester Hymnus ist die „Krone des Königreichs“ (hebräisch Keter malchūt). Er war ursprünglich nicht für den Gottesdienst bestimmt, wurde aber in die Liturgie des jüdischen Versöhnungstages aufgenommen. Der Form nach ist die Krone rhythmische Reimprosa ohne Anlehnung an arabische Vorbilder. Ibn Gabirol präsentiert darin eine zusammenfassende Darstellung seiner Kosmologie und seiner religiösen Überzeugungen. Er beklagt die Unvollkommenheit, von der sich die menschliche Seele nicht selbst befreien könne.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Philosophische Schriften</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ibn Gabirols philosophisches Hauptwerk „Die Lebensquelle“ (arabisch Yanbuʾ al-ḥayat, hebräisch Sēfer Meqōr Ḥajjim) ist meist unter dem Titel der lateinischen Übersetzung „Fons vitae“ bekannt. Der Titel spielt auf das Gotteslob in Ps 36:10 an. Das arabische Original ist verloren; erhalten ist außer der lateinischen Übersetzung aus der Mitte des 12. Jahrhunderts nur eine auszugsweise hebräische aus dem 13. Jahrhundert, die von Schem Tov ibn Falaquera stammt. Es handelt sich um einen Dialog zwischen einem Meister und seinem Schüler; der Schüler fragt und lernt, er trägt nicht zur Argumentation bei. In dem Werk werden Kosmogonie, Kosmologie, Erkenntnistheorie und das Verhältnis zwischen Gott und der Welt rein philosophisch erörtert, ohne Berücksichtigung biblischer und theologischer Gesichtspunkte. Die Gedankenwelt ist neuplatonisch, das terminologische Instrumentarium teilweise aristotelisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Seelentheorie befasst sich ibn Gabirol unter ethischem Aspekt in seiner Abhandlung „Buch der Verbesserung der Seeleneigenschaften“. Die arabische Originalfassung heißt Kitāb ʾiṣlāḥ al-aḫlāq, die hebräische Übersetzung, die Jehuda ibn Tibbon im 12. Jahrhundert anfertigte, Sēfer Tiqqūn Middōt ha-Nefeš. Hier zitiert ibn Gabirol auch aus dem Tanach, wendet sich also an religiöse jüdische Leser. Derselben Thematik gewidmet ist die Schrift Perlenauslese (arabisch Muḫtār al-Ǧawāhir, hebräisch Mivḥār ha-Penīnīm), eine Sammlung ethischer Sprüche, die aber möglicherweise ibn Gabirol zu Unrecht zugeschrieben wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lehre</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ibn Gabirols Lehre macht nicht den Eindruck eines fertig ausgearbeiteten, in sich geschlossenen und in jeder Hinsicht stimmigen Systems. Einzelne Unklarheiten und Widersprüche haben zu unterschiedlichen Deutungen in der Forschung geführt. Möglicherweise spiegeln sich darin verschiedene Stadien einer geistigen Entwicklung. Da das philosophische Hauptwerk nicht im Originaltext erhalten ist, kommen auch Übersetzungsmängel als Erklärung von Unstimmigkeiten in Betracht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Metaphysik und Kosmologie</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Hauptmerkmal von ibn Gabirols Philosophie ist die Verbindung der neuplatonischen Emanationslehre mit einer durchgängig konsequenten Anwendung des aristotelischen Konzepts von Form und Materie auf die Gesamtheit der geschaffenen Dinge (Hylemorphismus). Er übernimmt den neuplatonischen Grundgedanken der Emanation, wonach die Welt hierarchisch in Seinsstufen (Hypostasen) gegliedert ist, von denen eine aus der anderen hervorgeht. Die erste und höchste Hypostase der Schöpfung ist unmittelbar aus Gott (dem Einen der Neuplatoniker) herausgeflossen bzw. nach jüdischer Vorstellung von ihm aus dem Nichts geschaffen. Die übrigen Hypostasen sind der jeweils nächsthöheren Stufe entsprungen und haben somit ihren Ursprung nur mittelbar in Gott. Je niedriger eine Hypostase in der Entstehungs- und Rangordnung ist, desto komplexer ist sie. Die oberen Bereiche dieser Stufenordnung sind rein geistiger Natur, nur in der untersten Region der Gesamtwirklichkeit existiert physische Materie. Diese Materie ist an sich reine Potenz. Da sie aber durch ihre stets gegebene Verbindung mit einzelnen Formen immer aktualisiert (in den Akt übergegangen) ist, existiert sie als Potenz nur theoretisch. Nur durch diese Verbindung spezifischer Formen mit Materie entstehen die sinnlich wahrnehmbaren Objekte. Form und Materie können nie getrennt voneinander existieren, sondern werden nur zum Zweck der Analyse gedanklich getrennt. Ibn Gabirol verwirft die Auffassung, wonach die Materie gequantelt ist, vielmehr betrachtet er sie als ein Kontinuum. Die reale Existenz kleinster, nicht mehr teilbarer Einheiten hält er für unmöglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ibn Gabirol übernimmt auch das neuplatonische Konzept der Weltseele, in der die Einzelseelen ihren Ursprung haben. Die Weltseele ist aus dem universellen Intellekt, dem Nous<a href="#_ftn2" id="_ftnref2">[2]</a> der antiken Neuplatoniker, hervorgegangen. Sie besteht ebenso wie die menschlichen Einzelseelen aus Vernunftseele, sinnlich wahrnehmender Seele und vegetativer Seele. Unterhalb der vegetativen Seele des Kosmos befindet sich als nächstniedrige Hypostase die Natur, unter der Natur folgt die Welt der physischen Körper.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Strittig war unter den mittelalterlichen Denkern, die verschiedene Varianten dieses Modells vertraten, ob die Seinsstufen der rein geistigen („intelligiblen“) Welt ebenfalls Verbindungen von Formen mit (in diesem Fall geistiger) Materie darstellen oder ob sie als reine Formen ohne materielles Substrat zu denken sind. In dieser Frage ist ibn Gabirol ein früher Vorkämpfer der aus dem antiken Neuplatonismus stammenden Auffassung, dass die geistigen Substanzen – insbesondere auch die menschliche Seele – analog zu den physischen zusammengesetzt sind. Mit Ausnahme von Gott besteht somit alles, was existiert, aus Form und Materie. Dabei stellt die universelle Materie das Prinzip des Bleibenden dar, während die Einzelformen in der physischen Welt, die Aspekte der primären universellen Form sind, entstehen und vergehen und sich unablässig wandeln, womit sie zur Weltwirklichkeit das Prinzip der Veränderung beisteuern. Gott ist die einzige Substanz, die nicht zusammengesetzt ist, sondern absolut einfach und einheitlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im spätantiken Neuplatonismus steht die physische Materie als ontologisch niedrigster, vom Göttlichen am weitesten entfernter Teil der kosmischen Ordnung in scharfem Gegensatz zum Geistigen (samt der geistigen Materie). Diesbezüglich weicht ibn Gabirol von der Tradition ab. Zwar betrachtet auch er die sinnlich wahrnehmbare Welt als untersten und ungeistigsten Teil des Kosmos, doch betont er, dass ein und dieselbe Materie das ganze Universum durchströme, von den höchsten Regionen des Geistes bis zum niedrigsten Bereich des Physischen. Für ihn ist somit der Unterschied zwischen geistiger und physischer Materie nur graduell; im Prinzip ist das materielle Substrat überall das gleiche. Damit wird die physische Materie als Aspekt der universellen Urmaterie in der ontologischen Rangordnung sogar nahe an Gott herangerückt, da Urform und Urmaterie als die primären Wesenheiten der Schöpfung erscheinen, ohne die nichts außerhalb von Gott existieren kann. Mit diesem Materiebegriff wird die neuplatonische Stufenordnung faktisch durchbrochen. Eine ähnliche Ansicht über Urform und Urmaterie hatte schon Isaak Israeli vertreten. Auch in Schriften, die im Mittelalter zu Unrecht teils dem antiken Philosophen Empedokles, teils Aristoteles zugeschrieben wurden, tauchen solche Gedanken auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ibn Gabirol betont den Wert der Selbsterkenntnis. Wie schon Isaak Israeli meint er, eine Erkenntnis der eigenen Seele impliziere eine Erkenntnis des ganzen Universums, da alles in der menschlichen Seele enthalten sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Grundfrage der neuplatonischen Ontologie lautet, wie der Hervorgang der Vielheit aus der absoluten Einheit zu erklären ist, wenn Vielheit und Einheit radikal wesensverschieden sind. Hier nimmt ibn Gabirol – auf die Schöpfungsvorstellung der jüdischen Religion zurückgreifend – den göttlichen Willen als vermittelnde Instanz an. Indem er diesem Willen eine zentrale Rolle in der Schöpfung zuweist, entgeht er einer deterministischen Deutung der Weltentstehung. Einerseits hält er den göttlichen Willen für eins mit dem göttlichen Wesen und ordnet ihn damit der Unendlichkeit zu, andererseits schreibt er ihm aber auch die Eigenschaft zu, im Bereich des Endlichen schöpferisch zu wirken, die geschaffenen Dinge zu durchdringen und sich so mit der Endlichkeit zu verbinden. Dieser Doppelaspekt des Willens wird für den Menschen zur Chance. Indem nämlich der Mensch in der begrenzten Welt, in der er lebt, durch Hingabe einen Zugang zum dort in der Endlichkeit wirkenden Gotteswillen erlangt, kann er sich mit diesem Willen verbinden und damit letztlich auch dessen unendlichem Aspekt, der Gottheit, nähern. Mit dem Tod befreit sich dann die Seele vom Körper. Damit beendet sie ihre Verbannung in die irdische Welt und kehrt in die geistige Welt zurück. Allerdings besteht immer eine unüberschreitbare Grenzlinie zwischen dem einfachen und prinzipiell unerkennbaren göttlichen Wesen und den aus Materie und Form zusammengesetzten Geschöpfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der schöpferische Charakter des göttlichen Willens äußert sich in der Formgebung. Aus dem Willen Gottes geht die Form hervor, aus seinem Wesen die Materie. So lässt sich die Dualität von Form und Materie bis zur Gottheit zurückverfolgen, unbeschadet der absoluten Einheit Gottes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Offen bleibt die in der Forschung diskutierte Frage, inwieweit es ibn Gabirol gelungen ist, mit seinem Verständnis des göttlichen Willens eine Brücke zwischen Vielheit und Einheit, Endlichkeit und Unendlichkeit zu schlagen und damit zugleich eine stimmige Harmonisierung zwischen neuplatonischer Emanationsphilosophie und jüdischer Schöpfungstheologie zu erreichen. Damit hängt die Frage zusammen, ob er in erster Linie neuplatonischer Metaphysiker oder jüdischer Theologe war und inwieweit er die Bruchstellen zwischen diesen beiden Elementen seiner Weltdeutung erkannt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ethik</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das Buch der Verbesserung der Seeleneigenschaften“ bietet einen originellen Versuch, ethische Verhaltensweisen auf naturphilosophischer Grundlage zu beschreiben und zu klassifizieren. Dabei verzichtet ibn Gabirol auf das in islamischer und christlicher Ethikliteratur beliebte Schema der vier Kardinaltugenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ibn Gabirol geht von zwanzig Charaktereigenschaften aus (zehn Tugenden und zehn Laster), die er den fünf Sinnen zuordnet. Jedes Sinnesorgan hängt mit zwei Tugenden und zwei Lastern zusammen, indem es durch seine besondere Art der Wahrnehmung zum Werkzeug für deren Betätigung wird. Außerdem postuliert er einen Zusammenhang zwischen den Tugenden und den vier Eigenschaften Hitze, Kälte, Feuchtigkeit und Trockenheit, den vier Elementen (Erde, Wasser, Luft und Feuer) und den vier Säften der Humoralpathologie, denen seit der Antike traditionell die vier Temperamente zugeordnet wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Rezeption</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die philosophischen Lehren ibn Gabirols wurden von seinen jüdischen Zeitgenossen weitgehend und von den Muslimen gänzlich ignoriert. Stark und anhaltend war hingegen die Rezeption bei den christlichen Scholastikern des Mittelalters. Als Dichter in hebräischer Sprache fand er im mittelalterlichen Judentum Anerkennung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jüdische Philosophie</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im mittelalterlichen Judentum fand das philosophische Vermächtnis ibn Gabirols wenig Anklang. Da er in der „Lebensquelle“ weder Bibelstellen anführt noch sich auf theologische Autoritäten beruft, wirkte sein Hauptwerk auf konservative Juden nicht ansprechend, und die Vereinbarkeit seines Neuplatonismus mit der religiösen Überlieferung des Judentums schien zumindest zweifelhaft. Außerdem wurde die neuplatonische Strömung im Spätmittelalter von der aristotelischen verdrängt. Seine poetische Leistung hingegen wurde geschätzt, und der liturgische Teil seiner Dichtung erwies sich als zur Verwendung im Gottesdienst geeignet. Dadurch blieben auch seine philosophischen Ideen unter den Juden zumindest ansatzweise bekannt, denn der berühmte, liturgisch verwendete Hymnus „Krone des Königreichs“ stellt seine Gedankenwelt umrisshaft dar. Dieser Hymnus steht noch heute in Gebetbüchern für den Versöhnungstag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Dichter und Philosoph Moses ibn Esra ist der erste jüdische Schriftsteller, der ibn Gabirol erwähnt. Er lobt seinen Charakter sowie seine poetischen und philosophischen Leistungen überschwänglich und zitiert die „Lebensquelle“ oft in seiner Abhandlung „Arugat ha-Bosem“. Auch der neuplatonisch orientierte Denker Josef ibn Zaddik benutzt diese Schrift. Der gelehrte Schriftsteller Abraham ibn Esra ist offenbar von der „Lebensquelle“ beeinflusst, nimmt aber nur selten ausdrücklich auf ibn Gabirol Bezug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spuren von ibn Gabirols Denken sind in Werken der spätmittelalterlichen kabbalistischen Literatur zu finden. Er wird dort aber gewöhnlich nicht namentlich genannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der erste prominente jüdische Kritiker von ibn Gabirols philosophischen Ideen ist Abraham ibn Daud, ein Aristoteliker. 1144 greift er die „Lebensquelle“ in seiner arabisch geschriebenen Abhandlung „Der erhabene Glaube“ an, die später, im 14. Jahrhundert, unter dem Titel „Ha-Emunah ha-Ramah“ ins Hebräische übersetzt wird. Darin behauptet er unter anderem, ibn Gabirols Behandlung des Themas sei weitschweifig und seine Argumentation weise Mängel in der Logik auf. Maimonides erwähnt ibn Gabirol überhaupt nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Renaissance bekennt sich der Neuplatoniker Leone Ebreo (Jehuda Abravanel, Judah Abrabanel) zur Lehre ibn Gabirols.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Christliche Philosophie</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im lateinischsprachigen christlichen Europa wurde ibn Gabirol ab der Mitte des 12. Jahrhunderts durch die lateinische Übersetzung der „Lebensquelle“ unter dem Titel „Fons vitae“ bekannt. Diese Übersetzung stammte von Johannes Hispanus und Dominicus Gundissalinus. Gundissalinus trug auch in seinen eigenen Werken zur Verbreitung von ibn Gabirols Lehre bei. Man nannte ibn Gabirol „Avicebron“ oder „Avencebrol“; seine jüdische Religionszugehörigkeit war unbekannt, manche sahen in ihm einen christlichen Philosophen. Ein eifriger Anhänger ibn Gabirols war der Philosoph Wilhelm von Auvergne, der ihn für einen arabischen Christen und für den „edelsten aller Philosophen“ hielt und besonders seine Lehre vom göttlichen Willen schätzte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Spätmittelalter wurde ibn Gabirols Lehre von Form und Materie zum Ausgangspunkt einer langanhaltenden Kontroverse. Seine Hypothese der Existenz einer geistigen Materie und der Zusammengesetztheit der geistigen Substanzen aus Form und Materie wurde unter Berufung auf ihn von der „Franziskanerschule“ (Alexander von Hales, Bonaventura, Johannes Duns Scotus) vertreten. Diese Position der mehr oder weniger neuplatonisch orientierten Franziskaner wurde von der aristotelischen Richtung unter den Dominikanern bekämpft, deren Hauptvertreter Thomas von Aquin war (Thomismus). Schon der Dominikaner Albertus Magnus hatte in diesem Sinn Stellung genommen. Der Konflikt bezog sich zum einen auf die Frage, ob die Seele eine eigene geistige Materie hat, zum anderen auf die Frage, ob die Seele die einzige Form des Körpers ist, wie die Thomisten meinten, oder ob der Körper auch über eine eigene „Form der Körperlichkeit“ verfügt und somit eine Mehrzahl von Formen in ihm vorhanden ist. Auch die Lehre von der Formenpluralität im Körper war von ibn Gabirol vertreten worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den Autoren, die ibn Gabirols „Lebensquelle“ studierten und zustimmend daraus zitierten, gehörte Meister Eckhart.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Legenden</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Legende aus dem 16. Jahrhundert über ibn Gabirols Tod besagt, dass ihn ein neidischer Feind in seinen Garten lockte, dort ermordete und unter einem Feigenbaum begrub. Der Baum trug daraufhin so außergewöhnlich schöne und süße Früchte, dass dies allgemeines Staunen erregte. Sogar der König wurde darauf aufmerksam gemacht. Er fragte den Besitzer nach dem Grund dieser auffallenden Erscheinung. Der Befragte verwickelte sich in Widersprüche, es kam zu einer Untersuchung. Das Verbrechen wurde aufgedeckt, der Mörder gestand unter Folter und wurde hingerichtet; man hängte ihn an dem Feigenbaum auf. Einer anderen Legende zufolge schuf ibn Gabirol aus Holz einen Golem, die Gestalt einer Frau, die ihm dann diente (wie ein Roboter); als er deswegen angezeigt wurde, zerlegte er sie wieder in ihre ursprünglichen Bestandteile.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Moderne Forschung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Jahr 1846 veröffentlichte Salomon Munk eine bahnbrechende Erkenntnis. Er hatte in der Pariser Nationalbibliothek eine von Šem-Tob ben Josef ibn Falāqīra im 13. Jahrhundert angefertigte hebräische Übersetzung von Auszügen aus der arabischen Originalfassung der „Lebensquelle“ gefunden. Dank dieses Fundes erkannte er die Identität des jüdischen Autors ibn Gabirol mit dem seit dem Mittelalter als Avicebron oder Avencebrol bekannten Verfasser des „Fons vitae“, den man zuvor für einen christlichen Scholastiker gehalten hatte. Erst diese Einsicht verschaffte der Forschung einen Gesamteindruck von dieser Schriftstellerpersönlichkeit. Jakob Guttmann trug wesentlich zur Erhellung des neuplatonischen Hintergrundes bei. Die im 20. Jahrhundert von David Neumark und später von Ernst Bloch vorgetragene Ansicht, ibn Gabirol sei eigentlich kein Neuplatoniker gewesen – Bloch reiht ihn in die aristotelische Tradition ein –, wird heute nicht mehr vertreten.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Zu seinem Leben siehe S. 23</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> griechisch für Geist oder Intellekt</p>
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			</item>
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		<title>Judenhass</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/judenhass/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jul 2026 09:26:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dieser Artikel stammt aus der Monatsschrift Nachalat Z´wi, 2. Jahrgang, Heft 11-12, vom August 1932. Diese Zeitung wurde von der Rabbiner-Hirsch-Gesellschaft herausgegeben. Der Artikel setzt sich mit dem Antizionismus in Deutschland kurz vor der Machtergreifung Hitlers am 30.01.1933 auseinander. Rabbiner Klein sieht vollkommen zurecht die NSDAP als eine im Grunde Sozialistische Partei an. Das in [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Dieser Artikel stammt aus der Monatsschrift Nach<em>a</em>lat Z´wi, 2. Jahrgang, Heft 11-12, vom August 1932. Diese Zeitung wurde von der Rabbiner-Hirsch-Gesellschaft herausgegeben. Der Artikel setzt sich mit dem Antizionismus in Deutschland kurz vor der Machtergreifung Hitlers am 30.01.1933 auseinander.</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Rabbiner Klein sieht vollkommen zurecht die NSDAP als eine im Grunde Sozialistische Partei an. Das in Folge der Machtergreifung, andere sozialistische und kommunistische Parteien verboten wurden liegt m.E. in der Natur des Sozialismus (Kommunismus). Es kann nur eine Sozialistische Partei geben – und zwar die, der es gelingt die Macht an sich zu reißen. Siehe Stalin – Lenin – Trotzki – Mao Tse Tung. Alles andere hat sich dieser Partei unterzuordnen.</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter:</p>



<p class="has-text-align-center has-small-font-size wp-block-paragraph"><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pagetext/2552335">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pagetext/2552335</a></p>



<p class="has-text-align-center has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>Eine Studie</strong></p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph">von Rabbiner <strong>Dr. Hermann Klein</strong>, Berlin<a href="#_ftn1" id="_ftnref1"><sup>[1]</sup></a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In unserer Zeit, in der der alte Judenhass sich in hemmungsloser Triebhaftigkeit austobt, da er sogar allein imstande war, einer Partei zum Sieg zu verhelfen<a href="#_ftn2" id="_ftnref2"><sup>[2]</sup></a>, die eigentlich sonst kaum etwas Neues zu bieten hat, als diesen alten Judenhass, reizt es einen aufs Neue, nach den Gründen dieses Hasses zu forschen, obgleich man sich sagen muss, dass es kaum möglich sein dürfte, etwas Neues in dieser uralten Frage zu entdecken. Man darf aber doch nicht müde werden zu forschen, denn fast alles, was bisher als Grund für diesen abgrundtiefen, unausrottbaren Hass angenommen wurde, kann ihn nicht erklären. Wie die Krebsforscher nicht müde werden, nach dem Krankheitserreger zu suchen, so dürfen wir nicht aufhören, nach dem Krankheitserreger dieser „Weltpest“ zu suchen, die ungleich mehr Opfer gefordert hat und noch fordert<a href="#_ftn3" id="_ftnref3"><sup>[3]</sup></a>, als die schreckliche Krebskrankheit. Und immer erneut gilt es auch, sich selbst zu prüfen, ob man nicht selbst die Schuld an diesem Hass trägt, ob wir Juden durch unser Verhalten nicht die Wut und die Feindschaft wecken. Es wäre töricht, in eitler Selbstgerechtigkeit und Selbstgefälligkeit den Antisemitismus mit Schlagworten wie „Suche nach dem Sündenbock“, „Sozialismus der Dummen“, „Folge wahnsinniger Hetze“ abzutun, und aus jedem Antisemiten einen kleinen Teufel zu machen, damit man nur dieser Selbstprüfung überhoben sei. Stellt sich aber nach gewissenhafter Prüfung heraus, dass wir trotz aller Fehler, die wir mit allen anderen Menschen gemein haben, diese „gefährliche Unmäßigkeit der Feindschaft“ nicht verdienen, so gilt es weiter zu suchen, um die Quelle zu entdecken, aus der die Bazillen dieser Krankheit stammen, und festzustellen, ob die Krankheit überhaupt heilbar ist. Sollte sich aber auch die Unheilbarkeit herausstellen, so wäre doch schon unendlich viel gewonnen, wenn man nur die Ursachen der Krankheit kennen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele werden natürlich schon gegen die Kennzeichnung des Antisemitismus als eine Krankheit protestieren. Für die waschechten Antisemiten sind ja die Juden die Krankheitserreger im Körper ihrer Wirtsvölker, sie sind, wie einer ihrer Wortführer meint, „Fremdkörper“, und „Fremdkörper“, so weiß es jede Gesundheitslehre und Lehre vom Organismus überhaupt, müssen ausgeschieden werden, soll nicht der Organismus schweren Schaden leiden, verkümmern oder zugrunde gehen. „Läge nichts weiter vor, als das tiefe Fremdgefühl und die natürliche Abneigung der Deutschen dem Juden gegenüber, der Wille, den Juden auszuscheiden, so würde schon das als Grund und Rechtstitel, es zu tun, vollauf genügen. Es gibt gar nichts, was so berechtigt, heilig und gewichtig wäre, wie diese innere Fremdheit und Abneigung“. Woher kommt es aber, dass der Jude eher als Fremdling und Fremdkörper empfunden wird als die anderen Fremden? Liegt es an seiner Religion? Viele behaupten es, aber dann wäre es kaum zu begreifen, warum denn auch die Nichtreligiösen und sogar die Atheisten (unter den Juden) mit einem ganz besonderen Hass beehrt werden? Neuerdings wird immer mehr von einem Hass gegen die Rasse gesprochen. Die höhere nordische Rasse hasst die niedrige semitische Rasse. Der Hass stammt aus dem Blute, die Natur selbst hat Feindschaft zwischen beide Rassen gesetzt. Mit Recht weist <strong>Isaac Breuer</strong> in seinem „Judenproblem<a href="#_ftn4" id="_ftnref4"><sup>[4]</sup></a>“ schon darauf hin, dass das Blut nicht hasst. Der Hass stammt von der Persönlichkeit, und es ist bloß ein Asyl der Unwissenheit, wenn wir diesen Hass in die Rasse verlegen. <strong>Weiniger<a href="#_ftn5" id="_ftnref5"><sup><strong><sup>[5]</sup></strong></sup></a></strong> spricht von einem „metaphysischen Abscheu“, d. h. mit anderen Worten, dass wir diesen Abscheu, und diesen Hass uns gar nicht erklären können, er ist übersinnlicher Art und daher gar nicht zu erklären. Auch Isaac <strong>Breuer</strong> spricht von einem „metaphysischen“ Hass. Aber ich glaube, dass auch dieses Wort nur das Eingeständnis enthält, dass wir uns diesen Hass nicht erklären können. Hass ist etwas sehr Sinnliches und gehört ganz und gar der Welt der Sinne an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anhänger des Marxismus in seiner konsequenten Durchführung wie <strong>Heller</strong> und <strong>Kantorowicz<a href="#_ftn6" id="_ftnref6"><sup><strong><sup>[6]</sup></strong></sup></a></strong> erblicken in dem Problem des Judenhasses nur einen Abschnitt aus dem sozialen Problem. Sie sind mit ihren Meistern<a href="#_ftn7" id="_ftnref7"><sup>[7]</sup></a> der Meinung, dass nur der Schacher es ist, der die Juden verhasst macht und dass das Verschwinden der kapitalistischen Welt auch den <strong>Untergang des Judentums</strong> nach Heller, oder das <strong>Schwinden des Judenhasses</strong> nach Kantorowicz bedeute. Beiden bedeutet der Satz von Marx: „Welches ist der weltliche Grund des Judentums? Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz. Welches ist der weltliche Kultus des Juden? Der Schacher. Welches ist sein weltlicher Gott? Das Geld“, eine unumstößliche Wahrheit. Ich kann es mir versagen, hier näher auf diese Seite des Problems einzugehen. Sie ist ausführlich von Raphael <strong>Breuer</strong> s. A.<a href="#_ftn8" id="_ftnref8"><sup>[8]</sup></a> in diesen Blättern behandelt worden und mit <strong>Heller</strong> hat sich Juda <strong>Steinberg<a href="#_ftn9" id="_ftnref9"><sup><strong><sup>[9]</sup></strong></sup></a></strong> gründlich auseinandergesetzt. Es ist eine Verkennung des ganzen Problems, wie ja die ganze marxistische Betrachtungsweise des Weltgeschehens eine furchtbar einseitige ist. Nur eine grob materialistische Betrachtungsweise kann die Geschichte der Menschheit in eine Geschichte des menschlichen Magens verwandeln. Niemals kann die materialistische Geschichtsauffassung restlos die Probleme des Weltgeschehens erklären, und nichts straft diese ganze geistige Richtung mehr Lügen als die Geschichte des jüdischen Volkes. Die Existenz dieses Volkes allein ist die schlagendste Widerlegung der marxistischen Geschichtsauffassung. Und wenn <strong>Lassalle<a href="#_ftn10" id="_ftnref10"><sup><strong><sup>[10]</sup></strong></sup></a></strong> sagt, dass er die Juden nicht liebe, ja sie sogar im allgemeinen verabscheue und in ihnen nur die entarteten Söhne einer großen, aber längst entschwundenen Vergangenheit sehe, so hat er, wenn er sich und seinen Kreis damit meint, gewiss nicht unrecht, aber in der Tatsache, dass diese Söhne einer längst entschwundenen Vergangenheit trotz des Fehlens aller materiellen Voraussetzungen noch immer da sind, liegt ein Beweis, dass doch wohl auch andere Faktoren, als Kapital und Arbeit, über Sein und Nichtsein von Völkern und Einzelnen entscheiden. Es ist übrigens unendlich bezeichnend für die Kampfweise der „anständigen“ Antisemiten, dass sie, die den Marxismus als jüdisch mit der ganzen Wut ihrer nordischen Seelen bekämpfen, Marx und Lassalle als Kronzeugen gegen die Juden anführen, deren Gegnerschaft gegen die Juden doch nur ein Ausfluss ihrer Weltanschauung ist: „Wir lehnen die ganze Blickrichtung des Marxismus als verfehlt ab und versprechen uns von der evtl. Verwirklichung der marxistischen Ideale weder das Verschwinden des Judenhasses noch befürchten wir von ihr den Untergang des Judentums.“ In der Geschichte wirken ganz andere Kräfte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Sammelschrift „Klärung“ (12. Autoren und Politiker über die Judenfrage. Verl. Tradition-Berlin) machen zwei Autoren, Ernst <strong>Johannsen<a href="#_ftn11" id="_ftnref11"><sup><strong><sup>[11]</sup></strong></sup></a></strong> und Hans <strong>Blüher<a href="#_ftn12" id="_ftnref12"><sup><strong><sup>[12]</sup></strong></sup></a></strong> darauf aufmerksam, dass die tiefsten Judengegner aus Instinkt Heiden sind, „Helenen“. „Manche haben eine heimliche Liebe für die alte Götterwelt ihrer Vorfahren; man mag darüber spotten, aber man glaube nur nicht, dass die Vorliebe vieler „Christen“ und Christen für die Götterwelt der Alten eine zufällige Neigung war und ist“ (Johannsen). Johannsen erklärt damit den Antisemitismus eines Nietzsche. Noch ausführlicher wird diese Erscheinung von Hans <strong>Blüher</strong> in seinem philosophisch-theologischen Aufsatz: „Die Erhebung Israels gegen die christlichen Güter“ behandelt. „Nach der Meinung der Völkischen — im weitesten Sinne des Wortes — ist das Christentum ein fremder Import, nun gar ein solcher jüdischer Abkunft und Prägung, nach dessen Abschüttelung die altgermanische Licht- und Tugendreligion wieder zum Vorschein kommen müsse; durch sie wiederum könne der Aufstand der Nation gegen fremde Unterdrücker von außen und innen erst siegreich durchgeführt werden. Die Ansicht hat etwas außerordentlich Bestechendes an sich und es spricht zunächst fast alles für ihre Richtigkeit. Man spürt ja doch jeden Tag mehr und mehr das Sichregen urgermanischer Kräfte im Volk. Aber noch mehr: wie als müsste es so sein, tut sich der Boden auf und reicht Schätze aus der vorchristlichen Germanenzeit heraus, die mit einem Schlage den langen Irrtum von der Wildheit und Barbarei unserer Ahnen zunichtemachen. Wir haben es, das <strong>wissen</strong> wir heute, bei unseren Vorfahren mit einem Kulturvolk ersten Ranges zu tun, und dieses Volk ist durch die christliche Mission des Kaisers Karl gewaltsam seiner Heiligtümer beraubt worden. Der <strong>Sakralraub</strong> ist also, das lernen wir, <strong>das</strong> Mittel, um grundlegende geschichtliche Wenden in den Völkern herbeizuführen; und alle großen Kriege (es sind immer dreißigjährige) sind Religionskriege. Auch der, in welchem wir leben.“ Zwei Elemente hatte die germanische Urreligion: die Gerechtigkeit und den leidenden Gott. Diese Religion ist geboren aus der Volksseele der Germanen heraus. Karl der Große war also kein germanischer Herrscher, sondern ein fremder Eroberer ohne Treu und Glauben. Aber die germanische Volksseele formte sich ihr Christentum nach ihrem religiösen Bedürfnis um. Paulus und Luther haben erkannt, dass der Mensch nicht gerechtfertigt werden könne durch Erfüllung der Werke des Gesetzes, sondern „allein durch den Glauben“. Durch Luther wird das Verbrechen Karls des Großen gutgemacht. Das Christentum ist mysterienhaft und übernatürlich. <strong>Der religiöse Vorgang spielt sich außerhalb des Gesetzes ab</strong>. Israel aber ist ein Volk des Gesetzes und dieses Gesetz ist wesentlich anders als die Gesetze der anderen Völker und das einzigartige am jüdischen Gesetz ist, dass es aus <strong>Offenbarung</strong> stammt. In Moses kristallisierte sich nicht die jüdische Volkspersönlichkeit, die ihrerseits in Rücksicht auf dieses Volk diesem ein Gesetz gibt, das Gesetz wird nicht aus dem Volke geboren, die Offenbarung stammt nicht aus dem Volke, aus der Psyche des Volkes, sondern <strong>sie ergeht an</strong> das Volk. Der Monotheismus ist nicht eine vereinfachte Form der Vielgötterei, wie wenn etwa bei den alten Griechen oder später bei den Römern der oberste Gott die Regie übernimmt, das bleibt vereinfachtes rationalisiertes Heidentum, sondern durch die Offenbarung wird die Lehre vom „Einigen Gott<a href="#_ftn13" id="_ftnref13"><sup>[13]</sup></a>“ allen anderen auch nur möglichen Konzeptionen des Heidentums, auch wenn sie quasi monotheistisch waren, entgegengestellt! Der „Einige Gott“ ist Schöpfer der Welt und Urgrund des Gesetzes. Und diesem „Einigen Gott“ steht als Korrelat die Einheit Israels zur Seite. Die Einheit und Unteilbarkeit Israels besteht in der Ebene der reinen Geschichte; von ihr wird jeder Jude erfasst. Sie ist das geschichtliche a priori<a href="#_ftn14" id="_ftnref14"><sup>[14]</sup></a> des Judentums. Das Judentum hat an der Linie des <strong>Gesetzes</strong> treu festgehalten und daher das Reich des Messias säkularisiert. Das ist seine Erhebung gegen die christlichen Güter. Für das Judentum bedeutet das Reich des Messias die Verwirklichung der Gerechtigkeit auf Erden von Menschen tragbar und durchführbar. Und Israel sucht immer seine Gedanken gegen das Christentum durchzusetzen und wo immer es antichristliche Gedankengänge in der deutschen Philosophie findet, so greift es diese Gedanken auf, so bei Nietzsche und Schopenhauer. Wer daher einen starken Staat will, geführt von einer bodenständigen Oberschicht, diese wieder geführt von einem christlichen König, muss Antisemit sein. Will man aber die Weltdemokratie, so muss man zum Judentum übertreten. Der christliche König umgeben von einem mystischen Nimbus ist Repräsentant des germanischen Volkes, das eine Urreligion aus sich heraus erzeugt hat, und dem es auch sein Christentum angepasst hat. Die Demokratie, das Endziel des Judentums, das eigentlich gar keine Religion im strengsten Sinne des Wortes hat, das niemals aus sich heraus religiöse Werte erzeugt hat, sondern dem ein Gesetz offenbart wurde, für dessen Verwirklichung es auf ein Reich hofft, nicht auf einen persönlichen Erlöser, der in dieser rationalistischen Gesetzesreligion gar nicht am Platze wäre. — Das sind so ungefähr die Gedankengänge des philosophisch-theologischen Wortführers der Nationalsozialisten und Völkischen, wenn ich sie richtig verstanden habe, denn Blüher liebt die Dunkelheit und Unklarheit. Er imponiert dadurch auch seinen Adepten<a href="#_ftn15" id="_ftnref15">[15]</a>, die Unklarheit und Verworrenheit für Tiefe nehmen. Nun wissen wir also, warum wir so gefährlich sind. Wir Juden, die eigentlich gar keine Religion haben, „und deren letzten Ziele nie andere als religiöse gewesen sind“, wollen die christlichen Güter, die wieder gar nicht christlich, sondern im Grunde genommen altheidnisch, oder genauer, urgermanisch sind, rauben. „Was daher dieses säkularisierte Judentum allein unter den christlichen Völkern, zwischen denen es im Galuth lebt, treiben kann, ist: Sakralraub.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und doch glaube ich, dass in dieser neu erwachten Sehnsucht nach dem alten Heidentum auch der tiefste psychologische Grund für den Judenhass zu suchen ist. Das Judentum, und darin hat Blüher recht, ist nicht aus der Volksseele der Juden herausgewachsen, sondern wurde ihm offenbart und wir haben den Mut zu behaupten, dass nur die Religion den Namen von Religion verdient, die offenbart wurde. Das Judentum ist aber nicht <strong>nur</strong> Religion, sondern es ist darüber hinaus <strong>auch Gesetz</strong>. Was nicht offenbart wurde und was nicht <strong>wenigstens mittelbar auf Offenbarung zurückgeht</strong>, ist Heidentum, Götzendienst und in seiner letzten psychologischen Wurzel: Menschenkult. Nach der Schöpfung offenbarte sich Gott seinen ersten Menschen, denn ohne diese Offenbarung wäre der Mensch niemals fähig gewesen, sich einen Gott zu erschaffen. Diese erste Offenbarung der Gottheit scheint in Vergessenheit geraten zu sein und die Menschen, die Gott nach seinem Ebenbild erschaffen hatte, schufen sich nun Götter nach ihrem eigenen Ebenbild. Die Menschen (der Vorzeit – vor der Offenbarung am Sinai) sahen, dass in der Welt Kräfte wirksam waren, deren Ursprung ihnen unbekannt war, deren Umfang sie nicht zu überschauen vermochten, deren scheinbar willkürlichem Walten sie schutzlos preisgegeben waren und so entstanden die Götter der Urzeit. Es ist selbstverständlich, dass die Götter deren Schöpfer Menschen waren, nichts anderes sein konnten als ins Riesenhafte und Gigantische gesteigerte Menschen. Alle Eigenschaften, Tugenden und Laster, die ihnen beigelegt wurden, waren menschliche Eigenschaften, dem Kreis menschlicher Vorstellungen entnommen. Das Verhängnis, das den Menschen vom Himmel ausschloss, war damit nicht beendet. Der Bezeichnung der ins Riesenhafte gesteigerten Menschen mit dem Namen Gott, oder die Personifikation der den Menschen sich offenbarenden, aber von ihnen nicht erforschten Naturkräfte der Gottheiten bedeuteten keine Bereicherung der menschlichen Seele, gewährten dem menschlichen Geist keine Möglichkeit des Höhenflugs, da ja die Götter ihr Werk waren und daher über keine Eigenschaften verfügen konnten, die die Vorstellungskraft und die Kenntnisse der Menschen überschritten. Die Menschheit löste sich die unzähligen Rätsel, die ihr die Umwelt zu lösen aufgab, indem sie die vielen Rätsel in ein einziges — Gott — oder in wenige — Götter — zusammenfasste, und kam der Lösung um keinen Schritt näher. Kein Mensch ist imstande, sich einen Gott zu erschaffen. Sich selbst malt der Mensch in seinen Göttern. <strong>Und die Klugen und Schlauen, die Starken und Gewalttätigen</strong> durchschauten, dass hinter den Göttern nichts Wesenhaftes stecke, aber <strong>dass sie ein vorzügliches Mittel seien, um durch sie die Massen zu beherrschen</strong>. So gelangten die Menschen (der Vorzeit – vor der Offenbarung am Sinai) zu einer Art Selbstvergötterung<a href="#_ftn16" id="_ftnref16">[16]</a>. Die Tyrannen und Despoten ließen durch den Mund der Götter der Masse Befehle erteilen, einzig und allein darauf gerichtet, ihre Machtposition zu stärken und unantastbar zu gestalten. Die Menschen waren die eigentlichen Götter, wie ja die Götter nichts als Menschenwerk waren. Die große Sehnsucht der Massen nach etwas Höherem und ihre dumpfe Angst vor dem sie umgebenden Rätselhaften wurde von den Starken und Helden für eigene selbstsüchtige Zwecke ausgebeutet. Auf den Schultern der von Menschen erschaffenen Göttern erhob sich die Herrschaft der Mächtigen. Die Masse ward entmündigt und entwürdigt. Sie war nur Mittel für die Zwecke der Großen. Und unter den Großen der Erde herrschte ewiger Krieg, denn jeder dünkte sich ja als der Gott seiner Götter und Götter sind eifersüchtig und erst recht, wenn sie von Menschen stammen. Die Menschen waren die Herrscher auf Erden. <strong>Da offenbarte sich Gott</strong>. Das war das Neuartige, das Originelle und Einzigartige der sinaitischen Offenbarung. Nicht der Mensch schuf sich diesen Gott, sondern Gott trat ihm entgegen, offenbarte sich ihm, um ihn aufs Neue nach seinem Ebenbild zu schaffen. Gott hat sich offenbart und hat den Menschen ihres Daseins Sinn und Zweck verkündet und das Ziel heißt: Gottähnlichkeit. Während bisher die Menschen das Vorbild waren und in ihrem Ebenbild die Götter erschufen; die Götter waren menschenähnlich, sollten nach der Offenbarung die Menschen versuchen, Gott ähnlich zu werden. Im Heidentum herrschten Menschen, im Judentum ist Gott Herrscher. Die Offenbarung Gottes am Sinai <strong>entthronte den Menschen</strong> — und — nun kommen wir zu dem Urquell des Judenhasses — seit dieser Zeit geht das Streben der Menschen dahin, <strong>Gott zu entthronen</strong>, und sich ihre Herrschaft zurückzuerobern. Daher die Sehnsucht nach Heidentum bei Nietzsche, für dessen „blonde Bestie“ und für dessen „Übermenschen“ in einer Welt, in der Gott herrscht, kein Raum ist, daher die Flucht Schopenhauers in die heidnische Welt des Buddhismus und daher die neu erwachte Liebe unserer Völkischen für ihr germanisches Heidentum, denn in dieser heidnischen Welt können sie den „Führer“ haben, nach dem sie sich sehnen. Zu Gott haben sie kein richtiges Verhältnis, denn vor Gott sind alle Menschen gleich, da er sie doch alle erschaffen. Die Offenbarung begründet erst in Wahrheit die sittliche Würde des Menschen. Kein Mensch ist Mittel für die Zwecke eines anderen, denn jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes, dem sich die Liebe und Fürsorge seines Gottes zuwendet. Ist in einer solchen Welt Raum für die Theorien von der Minderwertigkeit bestimmter Rassen? Die Menschen können es nicht verschmerzen, dass Gott sie entthront hat, nun versuchen sie, ihm die Herrschaft streitig zu machen. Es war dies schon der Fall nach der ersten Offenbarung Gottes im Kindheitsalter der Menschheit, wie ja die Menschheit sich innerlich, in geistig sittlicher Beziehung kaum entwickelt hat. Genau wie in den ersten Tagen der Schöpfung Kain seinen Bruder Abel erschlägt, weil er ihm nach irgendeiner Richtung hin im Wege steht, so wissen die Menschen auch heute noch kein anderes Mittel, um ihre Meinungsverschiedenheiten auszutragen, nur dass heute statt des einen Kain Millionen aufstehen, um ihre Brüder zu erschlagen. Also wie gesagt, auch nach der ersten Offenbarung der Gottheit erhoben sich die Menschen, um gegen Gott zu kämpfen. Der Turmbau zu Babylon sollte ihnen den Weg zum Himmel bahnen, damit sie Gott in seinem ureigensten Gebiet bekämpfen können. Und seit dieser Zeit ist die Sprachverwirrung in die Welt gekommen, „dass der eine Mensch die Sprache seines Nächsten nicht versteht“. Die „Herrenmenschen“ von Babylon waren scheinbar von der Rasse der „Blonden Bestie“. Wer für sein Leben die Parole: „<strong>wir</strong> wollen uns einen Namen machen“ erwählt, der kann sich nicht Gott unterordnen, für den alle Menschen gleich sind. Und es zeugt für den tiefen Blick der altjüdischen Weisen, wenn sie in ihrer Sprache sagen, dass der Berg deshalb den Namen „Sinai<a href="#_ftn17" id="_ftnref17"><sup>[17]</sup></a>“ erhielt, weil von dort aus der Hass in die Welt gekommen ist. Die Menschen können es nicht verschmerzen, dass Gott durch seine Offenbarung sie endgültig entthront hat. Denn was bedeutet schließlich dieses Toben und dieses Sichaufbäumen der abgesetzten Herren? Der im Himmel thront lacht und spottet all dieser Bemühungen, ihn zu entthronen. Uns, den Träger dieser Offenbarung, können sie durch ihren Hass, der sich nicht einmal gegen uns richtet, denn wir sind doch bloß Gefäß der Offenbarung, vorübergehend wehtun, aber besiegen können sie uns nicht, wie es ja die Geschichte der Judenverfolgungen unwiderleglich lehrt. Wir wurden zuerst von Nebukadnezar, dem babylonischen König besiegt, der gar kein Hehl daraus machte, dass er sich an die Stelle des jüdischen Gottes setzen wolle. Er glaubte, in uns Gott zu treffen. Titus, so wird im Talmud berichtet, zog mit seiner Geliebten ins Heiligtum ein und durchstach den Vorhang und glaubte, Gott getötet zu haben. Der jüdische Staat, der sichtbare Träger der Gottesoffenbarung, war ja zertrümmert, das Heiligtum, die sichtbare Stätte des Gottesdienstes, in seiner Gewalt, die Juden, die sichtbaren Träger der Gottesideen zertreten und aus ihrem Land gejagt, die lebendigen Zeugen der Gottheit also vernichtet, so glaubte er nun endlich den jüdischen Gott, dem ja sein Kampf eigentlich galt, sei erschlagen, aber siehe, er konnte den Tempel einäschern, den Staat zerschlagen, die Juden knechten, aber nicht Gott vernichten, denn er lebte weiter in den Sklaven, die — und das ist das große Geheimnis der Ewigkeit der Juden — niemals in ihrer Gesamtheit ihrem Gott die Treue brechen können. Der einzelne Jude hat diese Freiheit, und kann seinem Gott die Treue aufkündigen, aber die Gesamtheit ist nicht frei. Gott lässt sich einfach nicht von der Gesamtheit des jüdischen Volkes beiseiteschieben, denn so steht es geschrieben: „Fürwahr mit starker Hand und mit ausgegossenem Grimm werde ich über Euch regieren“. Es ist ein vergebliches Sichabbemühen vieler Juden, das Volk zum geistigen Selbstmord veranlassen zu wollen, es seinem Gott abwendig zu machen, das Volk als Ganzes kann nicht sterben und kann auch nicht Gott die Gefolgschaft verweigern, denn Gott lässt es nicht. Das Volk muss leben, es ist Träger einer ewigen Idee und hat an der Ewigkeit der Idee teil. Die Offenbarung am Sinai und die steinernen Tafeln, auf denen die Grundgebote des Gottesgesetzes eingegraben waren, brachten dem Volk die Freiheit vom Tod und die Freiheit von der Knechtung der weltlichen Mächte, so lautet ein tiefes Wort der Weisen. Es ist als Volk Gottes unsterblich und ist auch in Sklavenketten frei, denn seine Unterdrücker können seinen Körper peinigen, über seine Seele haben sie keine Macht. Und nach Titus kamen andere Mächte und wollen das in der Zerstreuung lebende Volk der Juden, denn es blieb auch ohne Staat ein Volk, zusammengehalten durch die Gottesidee und durch das Gottesgesetz, vernichten. Es kamen sogar Zeiten, in denen man die Juden im Namen Gottes vernichten wollte, des Gottes, den man durch die Juden kennengelernt hat, es waren dies jene Zeiten, in denen sich im Christentum die heidnischen Elemente, die nicht ganz überwunden waren, stärker bemerkbar machten; als man nach weltlicher Macht strebte und den Glauben, dieses rein Immaterielle und Geistige in den Dienst persönlichen Ehrgeizes und irdischer Machtgelüste stellte. Es ist immer ein untrüglicher Beweis für die Schwäche der geistigen Position, wenn man im Kampf um geistige Wahrheiten sich irdischer Waffen bedient. Der Genius eines Esau gesteht offen, dass er im Kampf mit Jakob der Unterlegene ist, weil er sich an ihm körperlich vergriffen und ihm seine Hüfte verrenkt hat. Und wo immer der Judenhass zu einer mächtigen Flamme aufloderte, so war es immer, vielleicht unbewusst, ein Sichauflehnen gegen Gott, dessen Verkünder nun einmal die Juden sind. Mit den Juden soll Gott vernichtet werden, denn solange die Gottesidee lebt und auf Erden Vertreter hat, können die Herrenmenschen ihre Herrschaft nicht für die Dauer auf Erden errichten. Das Judentum hat das antike Heidentum besiegt, denn es waren letzten Endes doch die jüdischen Ideen im Christentum, die das Heidentum überwunden haben und auch das moderne Heidentum, wird schließlich verschwinden müssen. Einer der lautesten Rufer im nationalistischen Lager, Graf <strong>Reventlow<a href="#_ftn18" id="_ftnref18"><sup><strong><sup>[18]</sup></strong></sup></a></strong>, schreibt: „Diese Wahrheit“, die richtige Gegenüberstellung Juden—Deutsche nämlich, „ist seitdem immer tiefer in die deutsche Bevölkerung gedrungen und hat sich in ihr ausgebreitet, nur die kirchlichen Kreise möchten sie noch nicht wahr haben, in dem mehr oder minder unbestimmten Gefühl, dass damit das katholische und evangelische Kirchentum eine seiner wesentlichen Grundlagen verliert; das in diesem Zusammenhang nur angedeutet werden soll. Man denke nur an den jüdischen Messianismus, den das Christentum in grotesker Verlängerung adoptiert hat. Fällt die Unwahrheit vom „Gottesvolk“, so fällt das „Alte Testament“, so fällt auch der „christliche“ Messianismus, und damit fällt Vieles, was die Kirchen nicht ertragen können“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn der Staat daran geht, die sogenannte „Gottlosenbewegung“ zu unterdrücken, so müsste er mit seiner ganzen Macht gegen den Antisemitismus einschreiten, denn dieser ist seinem Wesen nach nichts anderes als ein Kampf gegen Gott. Das Heidentum mit seiner Götterwelt soll wieder aufstehen. Menschen sollen aufs Neue sich ihre Götter erzeugen und sich von diesen Göttern die Macht über die Menschen übertragen lassen. Der Gott der Offenbarung soll entthront werden, denn dieser hat allen Menschen, die er in seinem Ebenbild erschaffen hat, die gleichen Rechte und die gleiche Würde vergeben. Und wenn er uns auserwählt hat, so hat er uns keine Vorrechte damit eingeräumt, sondern nur die schwerste Aufgabe zugewiesen, Träger seiner Wahrheiten zu sein und für diese seine Wahrheiten zu werben und ihnen die Gesamtmenschheit zu gewinnen. Solange dieses Ziel nicht erreicht ist, haben wir unsere Aufgabe nicht erfüllt und darin liegt nun wieder unsere tragische Schuld. Unsere historische Mission ist, durch unser ganzes Leben, durch unsere öffentliche und private Wirksamkeit, durch alle Äußerungen unseres Seins Zeugnis abzulegen für die Wahrheit der am Sinai geoffenbarten Lehre, die Lehre und Gesetz, die <strong>Thora</strong> ist, eine „von Gott in den Schoß eines Volkes gelegte Saat, aus welcher das ganze Leben dieses Volkes in allen seinen einzelnen und Gesamtgestaltungen erblühen soll, eine Gottessaat, deren Produkt Israel heißt, ein Individuum, das als Einzelwesen wie als Volksgesamtheit in allen seinen Schicksalen die Waltung Gottes bedeuten soll und das daher ebenso einzig in seiner geschichtlichen Erscheinung dasteht, wie die Thora einzig ist, die er belebt und die einzige Bedingung seiner geschichtlichen Erscheinung ist, und wie Gott einzig ist, der beide, Thora und Israel, als die Offenbarung seines Willens und seines Waltens in die Mitte der Menschheit gesetzt.“ Solange der Hass gegen uns wütet, also der Kampf gegen Gott tobt, haben wir diese Aufgabe nicht gelöst, Gottes Name ist nicht ganz, er enthält dann nur die Buchstaben, die von der Vergangenheit zeugen und für die Zukunft hoffen, aber die Gegenwart ist nicht sein, und sein Thron ist nicht voll- kommen, denn viele seiner Geschöpfe entziehen sich seiner Herrschaft und da gilt es sich ernstlich zu prüfen, ob wir ganz und gar der Thora gemäß leben, ob unser gesamtes Leben Thoraverwirklichung ist, denn nur durch ein solches Leben können wir dem Galuth der Schechinah ein Ende bereiten. Wohl uns, wenn wir Feindschaft leiden durch Verwirklichung des Thoralebens, wehe uns, wenn uns Hass umglüht, weil wir der Thora untreu geworden sind. Im ersten Fall können wir sicher sein, dass die Feindschaft an sich selbst zerschellen wird, „die Gewalt erhebt sich zur Zuchtrute des eigenen Frevels“, und Gott bleibt Sieger, im letzteren Falle gilt der Hass uns und wir sind ohnmächtig gegen eine Welt von Feinden, sind schutzlos gegen die Meereswellen des Hasses, die unser Lebensschiff bedrohen. Darum gibt es für uns nur ein Mittel: Leben, wie Gott befohlen, Thora verwirklichen wie unser Beruf ist, der Wahrheit den Weg bahnen, wie unsere Bestimmung ist, unser Herz panzern gegen alle Ausbrüche des Hasses, auf Gott vertrauen, der unser Fels ist, an dem alle Wut und aller Hass unserer Feinde, die im Grunde genommen seine Feinde sind, zerschellen wird.</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> KI: Rabbiner Dr. Hermann (Herrmann) Zwi (Zwi/Zev) Klein (1879–1955) war ein orthodoxer Rabbiner, Gelehrter und Pädagoge in Berlin. Er war eng mit der Adass-Jisroel-Gemeinde (Adath Israel) verbunden.Wichtige Funktionen und Tätigkeiten</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Er wirkte als Rabbinatsassessor (Dayan/rabbinischer Richter) bei der Adass-Jisroel-Gemeinde in Berlin. Diese unabhängige orthodoxe Gemeinde wurde im 19. Jahrhundert unter Rabbiner Esriel Hildesheimer gegründet.</li>



<li>Er unterrichtete an den Schulen der Adass Jisroel und war am Rabbiner-Seminar zu Berlin beteiligt, wo er gemeinsam mit Persönlichkeiten wie Dr. Meier Hildesheimer zukünftige Rabbiner ausbildete.</li>



<li>Er verfasste zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten zu jüdischen Themen in Hebräisch und Deutsch und galt als einer der führenden Rabbiner Deutschlands in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Historischer Kontext 1933, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, reiste Rabbiner Klein in die USA als Gast des Central Relief Committee. Er sprach auf der Jahresversammlung der Agudath Harabonim (Union of Orthodox Rabbis) und berichtete über die schwierige Lage der deutschen Juden. Er überlebte die NS-Zeit und starb 1955. In hebräischen Quellen wird er oft als Zev Tzvi oder Zwi Klein bezeichnet. Die Adass-Jisroel-Gemeinde pflegte eine streng orthodoxe Ausrichtung mit eigenen Synagogen, Schulen und Einrichtungen, getrennt von der liberaleren Hauptgemeinde. Rabbi Kleins Wirken verkörperte die Verbindung von traditioneller jüdischer Gelehrsamkeit und moderner Bildung.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> NSDAP National <strong>Sozialistische</strong> Partei Deutschland</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Am Ende waren es 6 Millionen Juden</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> Isaac Breuer, ein Enkel von Rabbiner Hirsch s“l schrieb den Aufsatz 1918. https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/freimann/content/titleinfo/4676661</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> Wikipedia: Otto Weininger (* 3. April 1880 in Wien, Österreich-Ungarn; † 4. Oktober 1903 in Wien) war ein österreichischer Philosoph. Er wurde durch sein Werk Geschlecht und Charakter bekannt. Darin entwickelte er eine philosophisch-psychologische Theorie der Geschlechter, in deren Zentrum die Theorie der menschlichen Bisexualität steht. Wenige Monate nach der Veröffentlichung starb Weininger durch Suizid in Ludwig van Beethovens Sterbehaus in Wien. Das Buch wurde zu einem Bestseller mit zahlreichen Auflagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In seinem Hauptwerk offenbarte Weininger eine scharf ablehnende Haltung alles Jüdischen und erwies sich zugleich als Verfechter einer frauen- und körperfeindlichen Geisteshaltung. Die Werte höheren Lebens seien der Frau ebenso unzugänglich wie die Welt der Ideen. Je weiblicher das Weib, desto mehr verkörpere es eine rein geistlose Geilheit. Erst durch den Mann empfange die Frau ein Leben aus zweiter Hand.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> KI: Sowohl <strong>Hermann Heller</strong> als auch <strong>Alfred Kantorowicz</strong> vertraten im 20. Jahrhundert linke und sozialistische Ideen, waren jedoch in ihrer theoretischen Ausrichtung <strong>keine klassischen Marxisten</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier ist die genaue historische Einordnung beider Persönlichkeiten:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hermann Heller (1891–1933)</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Rolle:</strong> Bedeutender Staats- und Verfassungsrechtler der Weimarer Republik.</li>



<li><strong>Einordnung:</strong> Heller war Sozialdemokrat und zählt zu den Vätern des <strong>demokratischen Sozialismus</strong>. Er vertrat den linken Flügel der SPD, lehnte den orthodoxen Marxismus und den Historischen Materialismus jedoch ausdrücklich ab. Er sah den Staat nicht als bloßes Instrument zur Unterdrückung (wie im klassischen Marxismus), sondern als demokratisch gestaltbares Werkzeug für soziale Gerechtigkeit.</li>



<li><strong>Hauptgegner:</strong> Innerhalb der Arbeiterbewegung lieferte er sich theoretische Debatten mit Vertretern des klassischen Marxismus wie Max Adler. In der Rechtslehre war er ein prominenter Kritiker des Marxisten Hans Kelsen.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Alfred Kantorowicz (1899–1979)</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Rolle:</strong> Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Publizist.</li>



<li><strong>Einordnung:</strong> Er war Mitglied der KPD, antifaschistischer Kämpfer und verstand sich als Marxist. Dennoch galt er vielen orthodoxen Parteimarxisten als unorthodoxer oder &#8222;bürgerlicher&#8220; Marxist, da er stark von der humanistischen Kultur, der europäischen Literatur und freiheitlichen Idealen geprägt war.</li>



<li><strong>Historischer Verlauf:</strong> Nach dem Zweiten Weltkrieg ging er in die DDR, um dort am Aufbau eines neuen Staates mitzuwirken. Er wandte sich jedoch zunehmend vom dogmatischen Stalinismus ab und floh 1957 in die Bundesrepublik.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> Marx und Engels</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> Wie Isaac Breuer ein Enkel von Rabbiner Hirsch s“l. Er war Rabbiner in Aschaffenburg.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> ???????????</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> Wikipedia: Ferdinand Lassalle (geboren am 11. April 1825 in Breslau als Ferdinand Johann Gottlieb Lassal; gestorben am 31. August 1864 in Carouge bei Genf) war Schriftsteller, sozialistischer Politiker im Deutschen Bund und einer der Wortführer der frühen deutschen Arbeiterbewegung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lassalles Idee des Sozialismus war genossenschaftlich und preußisch-nationalstaatlich orientiert. Damit geriet er in einen Gegensatz zu der von Karl Marx und Friedrich Engels dominierten Lehre, die revolutionär und internationalistisch ausgerichtet war.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref11" id="_ftn11">[11]</a> Wikipedia: Ernst Johannsen (* 28. Mai 1898 in Altona bei Hamburg; † 1. November 1977 in Hamburg) war ein deutscher Schriftsteller.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref12" id="_ftn12">[12]</a> Wikipedia: Hans Erich Karl Albert Hermann Blüher (* 17. Februar 1888 in Freiburg in Schlesien; † 4. Februar 1955 in Berlin) war ein deutscher antisemitischer und antifeministischer Schriftsteller und Philosoph.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref13" id="_ftn13">[13]</a> Einigen Gott = einzigen Gott; nicht etwa vereinigenden Gott!!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref14" id="_ftn14">[14]</a> Voraussetzung</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref15" id="_ftn15">[15]</a> Ein Eingeweihter, Jünger oder Schüler, der von einem Meister in eine Kunst, Wissenschaft oder Geheimlehre eingeführt wurde und dessen Erkenntnisse teilt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref16" id="_ftn16">[16]</a> Siehe z. B. die Pharaonen in Ägypten</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref17" id="_ftn17">[17]</a> Hebräisch Hass = <strong>שִׂנאָה</strong> = sin-a</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref18" id="_ftn18">[18]</a> Wikipedia: Ernst Christian Einar Ludwig Detlev Graf zu Reventlow (* 18. August 1869 in Husum; † 21. November 1943 in München) war ein deutscher Schriftsteller, Journalist und deutschvölkischer bzw. nationalsozialistischer Politiker.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/judenhass/">Judenhass</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Aw 5786</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/aw-5786/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jul 2026 09:22:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Monatsblatt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hirschinitiative.de/?p=5618</guid>

					<description><![CDATA[<p>Alles hat uns Gott gegeben, Land, Heimat, Eigenständigkeit – all dies haben wir verloren, weil wir seine Gebote missachtet. Diesen leidenschaftlichen Apell von Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l habe ich in der Zeitung Jeschurun, 5. Jahrgang, Heft 11, August 1859 gefunden. Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/aw-5786/">Aw 5786</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Alles hat uns Gott gegeben, Land, Heimat, Eigenständigkeit – all dies haben wir verloren, weil wir seine Gebote missachtet.</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Diesen leidenschaftlichen Apell von Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l habe ich in der Zeitung Jeschurun, 5. Jahrgang, Heft 11, August 1859 gefunden.</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter:</p>



<p class="has-text-align-center has-small-font-size wp-block-paragraph"><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/titleinfo/2932875">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/titleinfo/2932875</a></p>



<p class="has-text-align-center has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>Warum ging Juda ins Exil?</strong></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Ins Exil ging Juda aus Armuth<br>Und aus <strong>zu vielem Dienste</strong>;<br>Es saß unter den Völkern<br>Und <strong>fand keine Ruhe</strong>;<br><strong>Alle seine Verfolger trafen es stets zwischen den Grenzen!<a href="#_ftn1" id="_ftnref1"><sup><strong><sup>[1]</sup></strong></sup></a></strong></p>



<pre class="wp-block-preformatted has-medium-font-size"><br><br>Warum ging Juda ins Exil? Diese Frage dürfte keinem denkenden Juden als eine müßige erscheinen.</pre>



<p class="wp-block-paragraph">Lebt in ihm noch das edle jüdische Bewusstsein, das selbst in einer Entknechtung der gesamten Judenheit auf dem ganzen Erdboden noch nicht die Erlösung erblickte, das sich jüdisches Heil ohne jüdische Heiligung und ohne die jüdischen Heiligtümer nicht zu denken vermag und dem die Erlösung nicht da ist, so lange es nicht alle Juden wieder um das eine göttliche Gesetzesheiligtum auf ureigenem, diesem Gesetze heiligem Boden vereinigt und dieses Gesetz in ihrem Gesamtleben verwirklicht findet: so ist diese Frage für ihn die erste und die letzte. Er sagt sich: die Ursachen, die das Exil gebracht, das sind dieselben Ursachen, die das Exil verlängern, das sind dieselben Ursachen, die beseitigt sein müssen, wenn die Erlösung kommen soll, das sind dieselben Ursachen, deren Heilung und endliche Beseitigung Zweck und Ziel des Galuth sein müssen, deren Erkenntnis ihm somit die eigene Aufgabe und die Aufgabe seiner Brudergesamtheit in jeder Zeit das Galuth erkennen lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch wenn er in der modernen Täuschung befangen ist, die in vollendeter bürgerlicher Gleichstellung mit den Völkern und unter den Völkern der Erde das Ende des Galuth erblickt<a href="#_ftn2" id="_ftnref2"><sup>[2]</sup></a>, auch dann — und wenn er<strong> denkt</strong>, dann zuerst — müsste diese Frage ihn aufs lebhafteste interessieren. Israel war ja schon einmal gleichgestellt, ja mehr als das, war selbstständig, bildete eine eigene große Nation, bildete einen eigenen großen Staat, die Hauptstadt seines Reiches war <strong>רַבָּ֣תִי עָ֔ם</strong>, war<strong> רַבָּ֣תִי בַגּוֹיִ֗ם שָׂרָ֙תִי֙ בַּמְּדִינ֔וֹת</strong> und dennoch — <strong>הָיְתָ֖ה לָמַֽס</strong><strong>!</strong><a href="#_ftn3" id="_ftnref3"><sup>[3]</sup></a> Sollte ein Glück, das notdürftig zusammengebettelt worden an den Pforten der Parlamente, an den Türen der Stände, dessen Gewährung und Dauer bedingt ist von der Dauer so vieler anderen Beziehungen, deren Barometerstand von heute auf morgen nicht verbürgt werden kann, ein Glück, das von den zufälligsten Kombinationen abhängig ist, in welchen die zufällige Majorität einer zufälligen Versammlung das Recht der Juden vereinbar oder nicht vereinbar, notwendig oder unmöglich denkt mit ihren Rechten und ihren Interessen, ein Glück, das wir schon siebenmal auf dem Papier bewilligt und ebenso oft in der Wirklichkeit wieder verkümmert gesehen<a href="#_ftn4" id="_ftnref4"><sup>[4]</sup></a>: sollte denn dieses Glück je einmal stabiler und gegen alle Wechselfälle gesicherter sein können, als ein Glück, das auf einheitlichem Boden in einheitlicher Selbstständigkeit unter dem Schutz des einen Einzigen gegründet war, sollte es je die Gefahren nicht zu fürchten haben, an welchen selbst dieses gescheitert?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum ging nun Juda ins Exil?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„aus <strong>Armut</strong> und aus zu <strong>vielem Dienst<a href="#_ftn5" id="_ftnref5"><sup><strong><sup>[5]</sup></strong></sup></a></strong>“ lautet die erste Antwort des Propheten. Wenn aber Juda nach Aufschluss des Propheten <strong>aus</strong> Armut und <strong>aus</strong> zu vielem Dienste <strong>ins</strong> Exil gewandert, so kann das nicht die Armut und der Dienst, das Elend und die Abhängigkeit sein, die Judas Los in <strong>Folge</strong> des Exils geworden. Es war ja eine Armut und ein Übermaß des Dienstes, die die Ursache, nicht die die Folge des Exils gewesen. Wenn aber die „Volkreiche&#8220;, die „Große“, die „Fürstin unter den Nationen“ aus Armut und aus zu vielem Dienste ins Unglück gekommen, so muss dies eine Armut sein, die mitten im Reichtum, eine Dienstbarkeit, die trotz aller Herrlichkeit vorhanden sein konnte, ja, es mag dieser Reichtum und diese Herrlichkeit unter den Nationen im tieferen Grund die Armut und Dienstbarkeit selbst gewesen sein oder dieselbe erzeugt haben, um welche Juda ins Exil gewandert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wohl sollte Juda <strong>reich</strong>, — volkreich und güterreich — dastehen; das Gesetz, das Gott ihm gegeben, sollte eben seine segensreiche Kraft und seine göttliche Wahrheit bereits in der Blüte des diesseitigen Lebens bewähren. Es sprach und spricht nicht zu seinen Bekennern, — was ja auch dem erstbesten Impostoren<a href="#_ftn6" id="_ftnref6"><sup>[6]</sup></a> der Menschheit möglich — lernt meine Worte und erfüllet sie, dann mache ich euch <strong>jenseits</strong> glücklich, jenseits, von wo keiner zurückzuerwarten ist, der den betrügenden oder mitbetrogenen Betrüger des Betrugs zeihe. Es ist das einzige Wort auf Erden, das die ganze diesseitige Wirklichkeit und die ganze diesseitige Zeitentwicklung als Bürgen seiner Beglaubigung einsetzt und keiner beschämenden Widerlegung gewärtig ist. Es spricht zu seinen Bekennern: erfüllet mich, erfüllet mich ganz, so wird der Himmel und die Erde euch schon hinieden<a href="#_ftn7" id="_ftnref7"><sup>[7]</sup></a> zulächeln und ihr werdet meine Wahrheit spüren in dem zeitigen Regentropfen von oben, und in der reichen Blüte eurer Äcker und Herden unten, in der Gesundheit und Blüte eurer Kinder, in dem Segen eurer Händewerke und in dem Frieden, den die achtende Scheu des Waldtiers und des Erobererschwerts euch zollt. Allein Lohn nicht Sorge, Mittel nicht Zweck, am allerwenigsten Ziel sollte diese ganze reiche Fülle Juda werden, sollte ihm nur durchs Gesetz und fürs Gesetz erblühen. „Er gab ihnen die Länder der Völker, das Mühen der Nationen sollten sie erben, <strong>damit</strong> sie seine Gesetze hüten und seine Lehren bewahren sollten!<a href="#_ftn8" id="_ftnref8"><sup>[8]</sup></a>“ Diese Gesetze, diese Lehren sollten Judas Nationalschatz und den Reichtum seiner Söhne und Töchter bilden. Aller Segen des Himmels und der Erde sollte ihnen zusammenströmen, um durch das Gesetz in dem Lichte ihrer Geister, in dem Adel ihrer Gemüter, in der Reinheit ihrer Leiber, in der Wahrheit, der Gerechtigkeit, der Milde und Liebe ihrer Worte und Taten, der Heiligung und Beseligung ihres ganzen Einzel- und Gesamtlebens die höchste Blüte und Vollendung des Menschlichen im Menschen zu feiern. Sie aber berauschten sich an der Fülle, ließen sich blenden vom Glanze, hatten nur den materiellen Wohlstand und die herrlichen Genüsse die er bietet im Auge und blieben dabei stehen, und als ihnen das Land blühte und ihnen seine Frucht und seine Fülle zu spenden bereit war, <strong>וַתָּבֹ֙אוּ֙ וַתְּטַמְּא֣וּ אֶת־אַרְצִ֔י וְנַחֲלָתִ֥י שַׂמְתֶּ֖ם לְתוֹעֵבָֽה׃ הַכֹּהֲנִ֗ים לֹ֤א אָֽמְרוּ֙ אַיֵּ֣ה ה&#8216; וְתֹפְשֵׂ֤י הַתּוֹרָה֙ לֹ֣א יְדָע֔וּנִי וְהָרֹעִ֖ים פָּ֣שְׁעוּ בִ֑י וְהַנְּבִאִים֙ <a href="#_ftn9" id="_ftnref9"><sup><strong><sup>[9]</sup></strong></sup></a>נִבְּא֣וּ בַבַּ֔עַל וְאַחֲרֵ֥י לֹֽא־יוֹעִ֖לוּ הָלָֽכוּ׃</strong>, da, vergaßen sie des Zweckes für welchen, und der Bedingung unter welcher ihnen dieses Land der Fülle und des Segens verheißen war; in Sinnlichkeit und Gewalt ging ihnen die Fülle und der Reichtum auf, „den Gott heiligen Boden gaben sie sinnlicher Unlauterkeit, das Gotteserbe einer von Gott verworfenen Lebensweise preis&#8220;, sahen nichts weiter und wollten nichts weiter, „die Priester sprachen nicht: wo ist denn Gott?! Die Träger der Lehre kannten ihn nicht, die Führer waren von ihm abgefallen und die Prediger begeisterten sich für den Baal und so wandelten sie alle dem nichts Nützenden nach“, so wurde Juda arm, arm mitten in der reichsten Fülle, arm eben durch die reichste Fülle, arm an seinem einzigen wahren Reichtum, der die Dauer aller seiner anderen Errungenschaften und den Besitz des Gottesbodens bedingt. Denn weder dies Land noch Israel erträgt diese materielle, sinnliche Richtung. Geistig sittlich will in diesem Land alles materiell Sinnliche gewonnen, geistig sittlich dort alles materiell Sinnliche verwendet werden. Geistig sittlich soll Israel alles materiell Sinnliche gewinnen, geistig sittlich alles materiell Sinnliche verwenden und Gottes Gesetz enthält die geistig sittlichen Bedingungen und Bestimmungen alles materiell Sinnlichen auf Erden. So, aber auch nur so, gehört Israel dem Land und Israel das Land. Achtet es die Bedingungen, erfüllt es die Bestimmungen, so lächelt ihm der Himmel von oben und es blüht der Boden unter seinen Füßen und Gottes Cherubim lagern den Frieden um seinen Kreis. Wirft es aber Gottes Gesetz hinter seinen Rücken, will es das Materielle nur materiell erwerben und nur materiell verwenden, <strong>will es reich sein</strong>, <strong>dann macht es sich arm</strong>, will es Reichtum mit Reichtum erwerben und für Reichtum verwenden, dann schneidet es die Wurzel seines Wohlstandes entzwei, dann wird der Himmel eisern über seinem Haupt, und der Boden unter seinen Füßen wird ehern, es weicht der Gottesschutz von ihm und der Boden seines Wohlstandes wirft die ihm fremd gewordenen Besitzer aus. Juda wandert ins Exil aus Armut, weil es arm geworden an den Gütern, die die einzigen Bedingungen und Bestimmungen seines Wohlstandes sind, die somit seinen einzigen wahren Reichtum bilden — <strong>גָּֽלְתָ֨ה יְהוּדָ֤ה מֵעֹ֙נִי֙<a href="#_ftn10" id="_ftnref10"><sup><strong><sup>[10]</sup></strong></sup></a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>וּמֵרֹ֣ב עֲבֹדָ֔ה </strong>&nbsp;<a href="#_ftn11" id="_ftnref11"><sup>[11]</sup></a>, <strong>und aus zu vielem Dienst</strong>! Wohl ist Juda der Begriff: Dienst nicht fremd. Sein ganzes Dasein, die ganze Gestaltung und Entwicklung seines Einzel-, Familien- und Gemeindelebens soll ja eine fortlaufende <strong>עֲבֹדָ֔ה</strong>, einen fortlaufenden Dienst bilden. Überall und mit allem steht es im Dienst eines Höheren, steht nirgends in eigener Machtvollkommenheit da, beginnt nichts im eigenen Namen, vollendet nichts in eigenem Namen, setzt nirgends seinen Willen als Maßstab und Richtschnur für sein Denken und Fühlen, sein Wort und seine Tat. Sein ganzes Leben heißt dienen und das Ideal seiner Menschenwürde heißt: Dienst. Aber es ist der Dienst <strong>eines Einzigen</strong>, es ist der Dienst des <strong>einen Einzigen</strong>, in den es aufgehen soll, es ist der Dienst des einen einzigen wahrhaftigen Herrn und Meisters alles Seienden und Werdenden, des einen einzigen wahrhaftigen Herrn und Meisters der Natur und Geschichte, der die, die seinem Dienst sich ganz und ausschließend hingeben, zu sich heraufhebt in den Bereich seiner Freiheit, ihr Wesen frei macht von den Banden der Natur und ihr Geschick loslöst von den Wechselfällen der Geschichte. Dem einen Einzigen sollte Juda dienen und dieser Dienst sollte Juda frei machen, sollte es als das freieste Volk und seine Söhne als die freiesten Menschen auf Erden hinstellen. Ihm aber genügte nicht der Dienst dieses Einen, es hielt sich nicht sicher unter dieses Einen Fittig. Schutz-Herren suchte es sich, suchte sie in menschlichen Hoheiten unter seinen Söhnen, suchte sie in gebietenden Mächten unter den Naturgewalten, suchte sie in gefürchteten Schwertern unter den Völkergeißeln, schuf sich „Könige und Fürsten“ zu seiner Verteidigung, „Gottes-Anhöhen&#8220; zu seinem Schutz, „Bundesgenossenschaften&#8220; zu seiner Stütze, und sah nicht, dass es mit diesem Dienst der „Vielen“ den Schutz des einen Einzigen preisgab, der allein seine Verteidigung, sein Schutz und seine Stütze ist, und dessen Schutz ihm der Beistand der ganzen Welt nicht zu ersetzen vermag. Denn Juda hat keine Wahl. Es gibt sich dem Einen, Einzigen, einzig hin und steht dann gehoben über alle feindliche Macht der Natur und der Geschichte, oder es verlässt diesen Einen und geht dann in Natur und Geschichte unrettbar verloren. Denn nicht naturwüchsig und nicht geschichtsmäßig ist Juda geworden. An der Wiege seiner Entstehung sprachen die Konstellationen der Natur und Geschichte „Nein&#8220;! und nur der eine Einzige war&#8217;s, der mit seinem „Ja&#8220;! sein Dasein schuf, und nur der eine Einzige ist&#8217;s, der mit seinem „Ja!“ sein Dasein trotz Natur und Geschichte erhält. Das vergaß Juda, vergaß, dass wenn ihm der Eine nicht genügt, ihm nichts mehr genügen könne, wenn es den Einen nicht fürchtet, es alles zu fürchten habe, und als es um den Dienst der Vielen den Dienst des Einen gekündigt hatte, gruben seine Könige und Fürsten selbst sein Verderben, die Gewalten des Himmels und der Erde, um deren Gunst es vergötternd gebuhlt, schauten es mit starrem Fluch an und die Völker, um deren Schutzfreundschaft es sich erniedrigend gebettelt, trieben es mit Hohngelächter in die Fremde. „Es rief nach seinen Freunden, die hatten es betrogen, und da sitzt es nun und weint und weint in die Nacht hinaus und die Träne versiegt nicht auf seiner Wange. Keinen Trost hat es von allen seinen Freunden, alle seine Genossen sind ihm treulos, sind ihm die Feinde geworden. Juda geht ins Exil aus Armut und aus <strong>zu vielem Dienst</strong> <strong>גָּֽלְתָ֨ה יְהוּדָ֤ה מֵעֹ֙נִי֙ וּמֵרֹ֣ב עֲבֹדָ֔ה</strong> —</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>הִ֚יא יָשְׁבָ֣ה בַגּוֹיִ֔ם לֹ֥א מָצְאָ֖ה מָנ֑וֹחַ</strong> <a href="#_ftn12" id="_ftnref12"><sup>[12]</sup></a> Juda saß unter den Völkern, ja, Juda saß unter den Völkern, <strong>הִ֚יא יָשְׁבָ֣ה בַגּוֹיִ֔ם</strong> es, gerade es war unter allen Völkern eben dasjenige, das seinen Sitz gefunden haben sollte das ruhig „sitzen“ konnte und „sitzen&#8220; sollte, das, hinsichtlich seines äußeren Geschicks und seiner ganzen staatlichen Entfaltung bereits gefunden haben sollte, was alle, alle anderen Nationen auf Erden noch erst zu suchen haben, den gesicherten Kreis und eine blüten- und segensreiche Entfaltung und die über allen Zweifel und alle Täuschung erhabene Form und Norm der Entfaltung; das nichts zu erobern, nichts zu erkämpfen, nichts zu erfinden haben, dessen Fortschritt in ganz anderen Gebieten liegen sollte; dem das, was den anderen Völkern als anzustrebendes Ziel vorschwebt, gegeben ward und das Gegebene sein sollte, auf dass dies Gegebene ihm Mittel werde, auf diesem gegebenen und gesicherten Boden das höchste Ideal eines Gott dienenden Menschen- und Volks-Daseins zu verwirklichen. Alle Völker hatten zu <strong>werden</strong>, Juda sollte <strong>sein</strong>, sein, wie der fremde Seher<a href="#_ftn13" id="_ftnref13"><sup>[13]</sup></a> von Felsenhöhen es sah und von Hügeln herab es schaute, „ein Volk, das gesondert ruht und unter die Völker sich nicht zählt<a href="#_ftn14" id="_ftnref14"><sup>[14]</sup></a>&#8222;, „dessen Häuser wie Bäche geleitet, wie Gärten an dem Strom, wie Bäume die Gott gepflanzt, wie Zedern am Gewässer. Das Wasser fließt aus Gottes Eimern, seine Saat ists an reichen Wassern, darum wird höher als Agag sein König, darum erhebt sich sein Reich<a href="#_ftn15" id="_ftnref15"><sup>[15]</sup></a>,&#8220; oder, wie sein <strong>erster</strong> Prophet<a href="#_ftn16" id="_ftnref16"><sup>[16]</sup></a> es schaute: „Nichts Gott gleich, Jeschurun! Er lenkt Himmel in deiner Hilfe und in seiner Hoheit Wolken. Du wohnst unter dem Gott der Vorzeit, getragen von den Armen der Ewigkeit, während er den Feind vor dir vertrieb und „Vernichtung!“ sprach. Israel ruht, — sicher, gesondert, Jakobs Quell, für ein Land voll Korn und Most, auch seine Himmel triefen Tau. Heil dir, Israel, was gleicht dir, Volk, siegreich durch Gott, den Schild deiner Hilfe, und der das Schwert ist deiner Größe. Deine Feinde verleugnen sich dir — ihre Höhen besteigst du!<a href="#_ftn17" id="_ftnref17"><sup>[17]</sup></a>“ Das sollte Jeschurun sein, <strong>מְעוֹנָה</strong>, den Boden für jeden Moment seines zeitlichen Daseins sollte es in Gott, dem Gott aller Ewigkeiten, und somit sich schon hinieden auf Erden, <strong>מִתַּחַת</strong>, getragen fühlen von den alle Zeiten tragenden Armen ewiger Allmacht<a href="#_ftn18" id="_ftnref18"><sup>[18]</sup></a>; in diesem Bewusstsein sollte es fest und ruhig und sicher ruhen mitten in allen es umkreisenden Wechseln wandelnder Völkergeschicke — es aber verkannte seinen Hort, und als ob es noch zu suchen hätte was ihm längst gegeben war, und für dessen ewige unwandelbare Dauer es die Bedingung nur in sich trug, glaubte es seinen Halt auch in politischen Kombinationen und in Freundschaft der Menschen finden zu können, stürzte es sich hinein in den Strudel der Völkerbewegung und Juda, das wandellos wie der Pol ruhen sollte —&nbsp; <strong>הִ֚יא יָשְׁבָ֣ה בַגּוֹיִ֔ם</strong> — ward das ruhelose, rastlose, heimatlose Wandervolk auf Erden, das alle Katastrophen der Menschheit mit durchzumachen hatte und über das noch heute nach Jahrtausenden die Völker beraten ob und wie weit ihm Daseinsberechtigung zuzuerkennen wäre, <strong>לֹ֥א מָצְאָ֖ה מָנ֑וֹחַ</strong> — —</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>כׇּל־רֹדְפֶ֥יהָ הִשִּׂיג֖וּהָ בֵּ֥ין הַמְּצָרִֽים</strong> <a href="#_ftn19" id="_ftnref19"><sup>[19]</sup></a>, alle seine Verfolger erreichten es zwischen den Grenzen, <strong>בֵּ֥ין הַמְּצָרִֽים</strong>, „<strong>zwischen den Grenzen</strong>!“ Das ist der verhängnisvollste Vorwurf, das ist die Klage, die den ganzen Jammer enthält. Fragt nicht, woran ein Mensch, ein Haus, eine Familie, eine Gemeinde, ein Volk, woran eine Menschheit zu Grunde gegangen, wenn ihr sie überall und darum nirgends findet, wenn sie alles sein wollen und darum Nichts sind, wenn sie die Ganzheit, die eben in der Beschränktheit liegt, nicht kennen, wenn sie nicht den Mut und nicht die Kraft, nicht die Weisheit und die Besonnenheit nicht haben, die im vollendeten Ausleben des kleinsten, bescheidensten, heimischen Daseins ein Genüge und eine Seligkeit fühlt und eine Unzerstörbarkeit findet, die man vergebens durch Millionen glanzvollster Halbheiten sich zusammen zu betteln versucht. Warum Juda ins Exil musste? Weil es längst mit seinem Geist im Exil war, weil es auf heimischem Boden nicht heimisch gewesen, weil es mit seinen Wünschen, seinen Ansichten, seinen Bestrebungen längst ins Exil gegangen, weil es ihm nicht genügte Jude zu sein, es wollte auch Syrer und Assyrer, wollte auch Chaldäer und Ägypter sein, wollte auch mit allen Nachbarvölkern in dem Schein ihrer Größe wetteifern, und so hörte es auf Jude zu sein und Syrer und Assyrer, Chaldäer und Ägypter wurde es doch nicht, es gab die heimische Größe auf und die fremde wurde ihm doch nicht heimisch, alle seine Feinde trafen es <strong>zwischen</strong> den Grenzen, darum konnten sie es erreichen und zertrümmern.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>לֵ֤ךְ עַמִּי֙ בֹּ֣א בַחֲדָרֶ֔יךָ </strong>&nbsp;<a href="#_ftn20" id="_ftnref20"><sup>[20]</sup></a> Geh&#8216; mein Volk, gehe ein in deine Kammern, umschränke dich in deinem heimischen Kreis, lebe dich in deiner heimischen Umschränkung aus, sei Jude und weiter nichts, <a href="#_ftn21" id="_ftnref21"><strong>[21]</strong></a><strong>עַד יַעֲבוֹר זָֽעַם</strong>, bis die Zeiten um dich ausgebraust, hatte Gott zu Juda gesprochen, und hatte ihm damit das einzige Prinzip gereicht, auf dem es glücklich und ungestört und unangefochten von allen geschichtlichen Stürmen hätte ausharren sollen, bis durch alle geschichtlichen Stürme hindurch die Menschheit zu der Besinnung und dem Bewusstsein und zu dem einzigen wahrhaftigen Ruhepunkt in Gott gekommen, der auch ihr am Ziel aller geschichtlichen Völkerentwicklung die Erlösung und das Heil gewähren wird, die Israel bereits beim Eintritt in das geschichtliche Dasein verliehen. Dann, erst dann&nbsp; <a href="#_ftn22" id="_ftnref22"><sup>[22]</sup></a>&nbsp; <strong>הַבָּאִים֙ יַשְׁרֵ֣שׁ יַֽעֲקֹ֔ב יָצִ֥יץ וּפָרַ֖ח יִשְׂרָאֵ֑ל וּמָלְא֥וּ פְנֵי־תֵבֵ֖ל תְּנוּבָֽה</strong>, erst dann wird Jakob-Israel sein Blüteziel in Mitte der Völker erreichen; es wird aber dann nicht die fremden Keime in seinem Schoß zur Entfaltung bringen, sondern an dem Baum seiner Erkenntnis und seines Lebens wird die Menschheit ihre Heiles-Ernte feiern.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Klagelieder 1:3</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Assimilation</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Klagelieder 1:1; <strong> </strong><strong> אֵיכָ֣ה יָשְׁבָ֣ה בָדָ֗ד הָעִיר֙ רַבָּ֣תִי עָ֔ם הָיְתָ֖ה כְּאַלְמָנָ֑ה רַבָּ֣תִי בַגּוֹיִ֗ם שָׂרָ֙תִי֙ בַּמְּדִינ֔וֹת הָיְתָ֖ה לָמַֽס</strong>Ach, wie einsam sitzt sie da die Stadt [Jerusalem] reich an Volk, sie wurde wie eine Witwe. Die Große unter den Völkern, die Fürstin unter den Provinzen zu Zwangsabgaben gezwungen. (Übersetzung Igor Itkin)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> KI:</p>



<p class="wp-block-paragraph">1.&nbsp; Französische Revolution &amp; Napoleon-Zeit (1791/1808): Volle Bürgerrechte in Frankreich und eroberten Gebieten (z. B. Rheinbundstaaten, Westfalen). Nach Napoleons Niederlage und dem Wiener Kongress 1815 weitgehend zurückgenommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">2.&nbsp; Wiener Kongress &amp; Restauration (1815–1820er): Hoffnung auf einheitliche Emanzipation im Deutschen Bund zerschlagen. Viele Staaten (z. B. Preußen, Bayern, Baden) schränkten Rechte wieder ein oder machten sie von „Verbesserung“ abhängig. Juden blieben oft ohne volles Bürgerrecht, mit Berufs- und Wohnbeschränkungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">3.&nbsp; Hep-Hep-Pogrome 1819: Gewalttätige Ausschreitungen in vielen deutschen Städten als Reaktion auf frühe Emanzipationsfortschritte; begleitet von rechtlicher Rücknahme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">4.&nbsp; Nach 1830/1830er Jahre: In manchen Staaten (z. B. Sachsen, Hannover) vorübergehende Erleichterungen, die nach politischen Unruhen wieder beschnitten wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">5.&nbsp; Revolution von 1848/49: Im Frankfurter Parlament (Paulskirche) wurde die volle Gleichstellung beschlossen (Riesser-Rede). Nach Scheitern der Revolution in den Einzelstaaten größtenteils zurückgenommen oder ignoriert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">6.&nbsp; 1850er Jahre (Reaktionszeit): In Preußen, Österreich und anderen Staaten weitere Einschränkungen (z. B. bei Beamtenlaufbahnen, Landerwerb, Gemeindemitgliedschaft). Fortschritte blieben auf dem Papier.</p>



<p class="wp-block-paragraph">7.&nbsp; Vor 1860er Jahren in verschiedenen Kleinstaaten: Zahlreiche partielle Edikte (z. B. Baden 1809/1862, Bayern 1813, Württemberg 1828), die immer wieder revidiert oder verzögert wurden, bis zur endgültigen Reichseinigung 1869/1871.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> Unter „Dienst“ ist der Dienst für und an Gott zu verstehen, wie z.B. Gottesdienst</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Hochstaplern</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> jetzt und gleich</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> Psalm 105:44-45</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> Jeremija 2:7-8; “…. Ihr aber kamt und verunreinigtet Mein Land und Mein Erbe machtet ihr zum Abscheu. Die Priester, sie sprachen nicht, wo ist denn Gott, und die Handhaber der Thora, sie kannten mich nicht (mehr), die Hirten sind von Mir abgefallen, und die Propheten prophezeiten dem Baal — da gingen sie dem nach, was nichts nützt.” (Übersetzung Rabbiner Dr. Joseph Breuer)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> Klagelieder 1:3; „Jehuda ging in die Verbannung aus Elend…“ (Übersetzung Igor Itkin)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref11" id="_ftn11">[11]</a> w.v.; „…. und schwerer Arbeit.“ (Rabbiner Hirsch übersetzt &nbsp;„Arbeit“ mit „Dienst“ für und an Gott, dieses „Dienen“ ist ihnen zu schwer geworden)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref12" id="_ftn12">[12]</a> Klagelieder 1:3; „Sie [Jehuda] sitzt unter den Völkern, Ruhe findet sie nicht.“ (Übersetzung Igor Itkin)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref13" id="_ftn13">[13]</a> Bileam</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref14" id="_ftn14">[14]</a> Numeri 23:9</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref15" id="_ftn15">[15]</a> Numeri 24:6-7</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref16" id="_ftn16">[16]</a> Moses</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref17" id="_ftn17">[17]</a> Deuteronomium 33:26-29</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref18" id="_ftn18">[18]</a> Deuteronomium 33:27; <strong>מְעֹנָהֿ֙</strong><strong> אֱלֹ֣הֵי קֶ֔דֶם וּ</strong><strong>מִתַּ֖חַת</strong><strong> זְרֹעֹ֣ת עוֹלָ֑ם וַיְגָ֧רֶשׁ מִפָּנֶ֛יךָ אוֹיֵ֖ב וַיֹּ֥אמֶר הַשְׁמֵֽד </strong><strong>; Träger jedes verrinnenden Zeitmomentes</strong> ist der Gott der Vorzeit, und <strong>Er ist aus der Tiefe herauf der ewig alles tragende Halt</strong>. Er hat vor dich her den Feind vertrieben, Er Vernichtung gesprochen. (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref19" id="_ftn19">[19]</a> Klagelieder 1:3; „Alle ihre Verfolger holten sie ein, zwischen den engen [Gassen].“ (Übersetzung Igor Itkin)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref20" id="_ftn20">[20]</a> Jesaja 26:20; „Gehe mein Volk, begib dich in deine Gemächer …“ (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref21" id="_ftn21">[21]</a> Ebenda; „…bis vorüber ist der Grimm.“ (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref22" id="_ftn22">[22]</a> Jesaja 27:6; „Dann schlüge Jakob in Zukunft Wurzel, dann knospt und blühte Israel auf, und sie erfüllten des Erdballs Fläche mit Pflanzentrieb.“ (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>
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		<title>Magazin für den Monat Aw 5786</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/magazin-fuer-den-monat-aw-5786/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jul 2026 09:11:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/magazin-fuer-den-monat-aw-5786/">Magazin für den Monat Aw 5786</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
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		<title>Willkommen zur 10. Ausgabe des 5. Jahrgangs der Monatszeitschrift</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/willkommen-zur-10-ausgabe-des-5-jahrgangs-der-monatszeitschrift/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jun 2026 11:46:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Willkommen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>für den Monat Thamus 5786 Viermal im Jahr gedenken wir der Zerstörung des Tempels. Schon der Prophet Secharja fragte: „Soll ich noch weinen und fasten?“ Diese Frage greift Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l auf und beleuchtet die Hintergründe der Zerstörungen Jerusalems.Das Monatsblatt für den Monat Thamus finden Sie hier. Einen besonders interessanten Artikel von Rabbiner [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="https://hirschinitiative.de/wp-content/uploads/2022/08/image.png" alt="Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist image.png"/></figure>



<p class="has-text-align-center has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>für den Monat Thamus 5786</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Viermal im Jahr gedenken wir der Zerstörung des Tempels. Schon der Prophet Secharja fragte: „Soll ich noch weinen und fasten?“ Diese Frage greift Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l auf und beleuchtet die Hintergründe der Zerstörungen Jerusalems.<br><strong>Das Monatsblatt für den Monat Thamus finden Sie <a href="https://hirschinitiative.de/thamus-5786/">hier</a>.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Einen besonders interessanten Artikel von Rabbiner Benedikt Pinchas Wolf s“l über einen Vergleich des „Liberalen Christentums und des „liberalen“ Judentums“ habe ich in der Zeitschrift „Der Israelit“ gefunden.<br><strong>Den Artikel von Rabbiner Wolf finden Sie <a href="https://hirschinitiative.de/liberales-christentum-und-liberales-judentum/">hier</a>.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kinderecke darf natürlich nicht fehlen. Heinrich Einstädter beschreibt eine Klassenfahrt von München nach Bad Reichenhall vor genau 120 Jahren.<br><strong>Die Kinderecke finden Sie <a href="https://hirschinitiative.de/kinderecke-thamus-5786/">hier.</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie immer haben Sie die Möglichkeit das komplette Magazin herunterzuladen<br><strong>Das Magazin für den Monat Thamus finden Sie</strong><a href="https://hirschinitiative.de/magazin-fuer-den-monat-thamus-5786/"> hier.</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Kinderecke Thamus 5786</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/kinderecke-thamus-5786/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jun 2026 11:32:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderecke]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Meine Sommerferien. Diesen Kinderecken-Aufsatz, wahrscheinlich von Heinrich Einstädter[1] verfasst, habe ich in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 6.9.1906 gefunden. Ein jüdisches Mädchen beschreibt eine Klassenfahrt von München nach Bad Reichenhall. Im ersten Teil des Aufsatzes beschreibt sie die Bahnfahrt, vorbei an Ortschaften, Tälern und Bergen. Im zweiten Teil ihre Erlebnisse in Bad Reichenhall. Hier kommt [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>Meine Sommerferien.</strong></p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Diesen Kinderecken-Aufsatz, wahrscheinlich von Heinrich Einstädter<a href="#_ftn1" id="_ftnref1"><sup>[1]</sup></a> verfasst, habe ich in der Zeitschrift „Der Israelit“ vom 6.9.1906 gefunden. Ein jüdisches Mädchen beschreibt eine Klassenfahrt von München nach Bad Reichenhall. Im ersten Teil des Aufsatzes beschreibt sie die Bahnfahrt, vorbei an Ortschaften, Tälern und Bergen. Im zweiten Teil ihre Erlebnisse in Bad Reichenhall.</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Hier kommt eine große Verbundenheit, ja Liebe, zu Deutschland zum Ausdruck. Es wird klar – für die Juden, ob orthodox oder liberal war Deutschland Heimat.</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter:</p>



<p class="has-text-align-center has-small-font-size wp-block-paragraph"><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/7375181">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/7375181</a></p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph">Tagebuchblätter Juli 1906</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Reichenhall!</strong> Ich kann Dir nicht sagen, wie ich mich freue. Aber ich gebe mir Mühe, ruhig und gesetzt zu erscheinen. Und während in mir alles singt und klingt und der wunderbaren Bergwelt entgegenjauchst, bekümmere ich mich um Gepäck, Billet usw., um zu zeigen, dass ich schon ein großes Mädchen bin und mitgenommen werden kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir haben uns einige Tage in München aufgehalten, und nun soll es weiter gehen. Tefillat Haderech<a href="#_ftn2" id="_ftnref2"><sup>[2]</sup></a> ist gesagt, und am Ostbahnhof steigen wir zur Weiterfahrt ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Freilassing!</strong> Im Coupé halte ich´s nicht aus, ich stehe auf der Plattform und schaue, schaue, schaue! Schon bei Prien war ich außen. Da ist ja der wunderbare Chiemsee und auf der Herren-Insel eines der Prachtschlösser König Ludwigs II. von Bayern<a href="#_ftn3" id="_ftnref3"><sup>[3]</sup></a>. Ist&#8217;s Wahrheit, ist´s Sage, was sich an diesen Namen knüpft? —&nbsp; Die Eltern erzählen´s, und doch — man glaubt sich in eine Märchenwelt versetzt, es war einmal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie mich der Wind zerzaust, der frisch, kräftige Bergwind! Und da sind sie auch, der Staufen, der Zwiesel, der Untersberg, die Reitalp, ich kenne sie nicht alle. Ich fragte nach den Watzmann, weiß aber nicht, ob der Herr und König sich gezeigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hammerau, Piding</strong> , langsamer fährt der Zug, enger wird das Tal, es weitet sich wieder — <strong>Reichenhall</strong>. Ein sonniger, wonniger, herrlicher Tag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber glaube nur nicht, dass sie alle so sind, die Tage in diesem Eden. Weißt Du, wie die Winde heulen von den Bergen herab, aus den Schlünden hervor, wie es stürmt und tobt, wie die Blitze zucken und zünden, der Donner rollt, lang hingezogen, im Echo widerhallend von Bergwand zu Bergwand wie der Regen in Fluten herabstürzt! — Kennst Du es? — Ja, es ist ein anderes, ein Wetter in den Bergen oder eines in der Ebene.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hoch zurück zum Bahnhof! Du mein liebes Buch sollst ja später meinem Gedächtnis nachhelfen, selbst eine Art Gedächtnis sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dies Sprachgewirr! Natürlich deutsch vor allem, dabei auch die schwer verständliche Mundart der Einheimischen, dann französisch, englisch, rumänisch, serbisch, bulgarisch, russisch, polnisch, spanisch, italienisch, auch das jüdisch-deutsche<a href="#_ftn4" id="_ftnref4"><sup>[4]</sup></a> fehlt nicht, und ich weiß nicht, was noch. Neugierig bin ich nicht, aber wenn rings um Dich die angeregteste Unterhaltung ist, und Du verstehst nichts davon, ist&#8217;s doch ärgerlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Else und Paula sind mit ihren Eltern hier, wir wollen viel zusammen sein. Heute, während wir im Kurgarten der Musik zuhören, haben wir Pläne gemacht — Pläne!&nbsp; ja, wenn wir die ausführen dürfen, sind wir jeden Tag auf dem Gipfel eines anderen Berges. Schade, dass es in der Nähe keine gefährlichen Gletschertouren gibt. Es muss doch einzig sein, später zu erzählen, wie man angeseilt ganz mutig über Schnee und Eisberge geklettert, wie man schon einmal beinahe in eine Spalte gefallen. Hu, wie gruselig!</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">— — — —</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rauschender Bergstrom, liebliches Tal,<br>Behüte Gott Dich, mein Reichenhall!</p>



<p class="wp-block-paragraph">So steht an einer hübschen Villa angeschrieben, in der Bahnhofstraße nahe beim Bismarck-Denkmal<a href="#_ftn5" id="_ftnref5"><sup>[5]</sup></a>. Das Bismarck-Denkmal, nein, ich will nicht Kritik üben, sonst heißt&#8217;s, ich sei ungebildet, verstehe nichts von der Bildhauerkunst, aber ich kann es nicht schön finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei fällt mir unsere Literaturstunde ein. Wir hatten „Prinz Friedrich von Homburg<a href="#_ftn6" id="_ftnref6"><sup>[6]</sup></a>“ von Heinrich von Kleist gelesen und der Herr Professor fragte, wie er uns gefalle. Er hatte uns nicht gefallen, doch wollten wir&#8217;s nicht sagen. Da rief eine von uns: „Es steht so oft gleichviel drin“. Der Herr Professor tat uns etwas deutlich seine Meinung kund, und zwischen den Lippen zerdrückte er ein Wort, es war keine Schmeichelei, es war etwas Zoologisches, ein Vogelname im Plural, wir verstanden ihn wohl, und unser Selbstbewusstsein fiel, fiel unter den Gefrierpunkt. Denn der Herr Professor, entzückend sind seine Stunden, man wird mit „Fräulein&#8220; und „Sie&#8220; angeredet und um seine Meinung gefragt. Um zwölf Uhr warteten wir auch, ob er uns noch grüße, oder ob wir zu sehr in seiner Achtung gesunken. Aber er zog den Hut und lachte sogar. —</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir waren in der Saline, unendlich belehrend und interessant ist es dort. Dankt doch Reichenhall seine Bedeutung den reichen Salzquellen der Tiefe. Und hier tief im Dunkeln der Erde, wie auf freien Bergeshöhn, im rauschenden Wald, am jäh abspringenden Fels drängt sich es uns überwältigend auf: „Wie groß sind Deine Werke, o Herr, alle hast Du sie mit Weisheit ausgeführt, voll ist die Erde Deiner Güter.“<a href="#_ftn7" id="_ftnref7"><sup>[7]</sup></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Nett sahen wir aus als wir in grobe, weite, weiße Mäntel gehüllt, ein Filzhütchen auf dem Kopf, ein Grubenlicht in der Hand, hinabstiegen. Zweiundsiebzig ziemlich hohe Stufen gings hinunter ins Erdinnere, dann durch stockdunkle Schächte, spärlich beleuchtet von unserem Grubenlicht, zum Quellenbau, einer natürlichen großen nasskalten Felsenhöhle. Hier entspringen die meisten Quellen, ich glaube vierzehn, teils sprudeln sie von selbst hervor, teils werden sie herausgepumpt. Selbstverständlich habe ich von allen gekostet. Große Maschinen treiben diese Solequellen<strong> </strong>nach<strong> </strong>oben, doch<strong> </strong>nur<strong> </strong>die<strong> </strong>minderwertigen werden zum Kurgebrauch, am Gradierhaus, zu Bädern, zum Inhalieren usw. verwendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir kehrten zurück, legten unsere schöne Maskerade ab. — Schon fertig? — Noch hatten wir nicht ein Körnchen Salz gesehen. Da, aus dem Hintergrund eine Stimme: „Wollen die Herrschaften mir ins Sudhaus folgen?&#8220; Das wollten wir gerne. Aber war&#8217;s da heiß!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein hübsches Pfännchen von einigen Metern Durchmesser steht mit dem Wasser der Salzquellen gefüllt auf einer Höllenglut. Das Wasser siedet, es verdampft im Laufe dreier Stunden, das reine Salz bleibt zurück, wird mit großen Krücken in Holzkisten geschoben und dann auf den Trockenherd gebracht. Was liegen da Berge von Salz! Noch lange keine Not beim Fleisch koscher machen! Ein Teil des Salzes wird gemahlen und kommt als Tischsalz in den Handel, das grobe, das Kochsalz wird &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; in Zentnersäcke verpackt, plombiert usw. — Etwas Sole bleibt stehts beim Verdunsten zurück und wird als Mutterlauge zu Bädern verwendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir waren entlassen, nahmen noch jede ein Stückchen Pfannenstein mit, ihn den Freundinnen bei Gelegenheit als Zucker zu reichen, und gingen frohgemut.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> KI: Heinrich Einstädter war ein jüdischer Pädagoge, Autor und Übersetzer, der im frühen 20. Jahrhundert vor allem im Bereich der jüdischen Jugendliteratur und Religionspädagogik in Deutschland wirkte. Seine Werke erschienen größtenteils in renommierten Frankfurter Verlagen wie Kauffmann oder Sänger &amp; Friedberg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus verfasste er regelmäßig pädagogische und religiöse Beiträge für jüdische Zeitschriften und Periodika, wie etwa Essays zur Gestaltung von jüdischen Feiertagen und Trauertagen (z. B. über die jüdische Trauerzeit im Monat Aw) im familiären Umfeld.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach 1935 verliert sich seine Spur in den öffentlich zugänglichen Publikationsorganen. Mit dem Schulbesuchsverbot für jüdische Kinder im Juni 1942 und der systematischen Schließung und Liquidierung aller jüdischen Schulen und Verlage durch die Nationalsozialisten endete auch das gedruckte Erbe seiner pädagogischen Arbeit in Deutschland.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Ein Gebet vor Antritt einer Reise</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Wikipedia: Ludwig II. Otto Friedrich Wilhelm von Bayern (* 25. August 1845 auf Schloss Nymphenburg, Nymphenburg, heute München; † 13. Juni 1886 im Starnberger See (damals Würmsee) bei Schloss Berg), aus dem Haus Wittelsbach stammend, war vom 10. März 1864 bis zu seinem Tod König von Bayern. Nach seiner Entmündigung am 9. Juni 1886 übernahm sein Onkel Luitpold als Prinzregent die Regierungsgeschäfte im Königreich Bayern, da Ludwigs jüngerer Bruder Otto wegen einer Geisteskrankheit regierungsunfähig war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ludwig II. hat sich in der Geschichte Bayerns als leidenschaftlicher Schlossbauherr, vor allem der Schlösser Neuschwanstein, Herrenchiemsee und Linderhof, ein Denkmal gesetzt; er wird auch als Märchenkönig bezeichnet. Mit seinem Namen untrennbar verbunden ist auch die großzügige Förderung Richard Wagners. Während Ludwigs Regentschaft verlor Bayern als Verbündeter Österreichs 1866 den Preußisch-Österreichischen Krieg und vollzog nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 den Eintritt in das Deutsche Kaiserreich.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> Jiddisch</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> Bismarck-Brunnen – steht heute unter Denkmalschutz</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Wikipedia: Prinz Friedrich von Homburg ist ein 1809/1810 von Heinrich von Kleist verfasstes Drama, das erst nach dem Tod des Autors 1821 in Wien uraufgeführt werden konnte. Eine Aufführung zu Lebzeiten scheiterte, denn Prinzessin Marianne von Preußen (geborene Hessen-Homburg), der Kleist das Werk mit Widmung überreichte, sah dadurch die Familienehre gekränkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> Psalm 104:24</p>
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		<title>Liberales Christentum und &#8222;liberales&#8220; Judentum</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/liberales-christentum-und-liberales-judentum/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jun 2026 11:29:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hirschinitiative.de/?p=5577</guid>

					<description><![CDATA[<p>Jüdischer Volksfreund Monatsbeilage zum „Israelit“ Verantwortliche Redaktion: Rabbiner Dr. B. Wolf in Köln Liberales Christentum und „liberales&#8220; Judentum Rabbiner Dr. Pinkas Benedikt Wolf s“l habe ich in der vorherigen Ausgabe unseren Lesern vorgestellt. Er ist einer der orthodoxen Rabbinen in der Tradition von Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l. Hier habe ich einen höchst interessanten Artikel [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>Jüdischer Volksfreund</strong></p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Monatsbeilage zum „Israelit“</strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph" style="font-size:20px"><strong>Verantwortliche Redaktion: Rabbiner Dr. B. Wolf in Köln</strong></p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Liberales Christentum</strong></p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>und</strong></p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>„liberales&#8220; Judentum</strong></p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Rabbiner Dr. Pinkas Benedikt Wolf s“l habe ich in der vorherigen Ausgabe unseren Lesern vorgestellt. Er ist einer der orthodoxen Rabbinen in der Tradition von Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l. Hier habe ich einen höchst interessanten Artikel von ihm gefunden in dem er das Reformjudentum mit dem Christentum vergleicht.</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Der Artikel erschien als Beilage zur Zeitschrift „Der Israelit“ am 1.6.1911.</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter:</p>



<p class="has-text-align-center has-small-font-size wp-block-paragraph"><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2494793">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pageview/2494793</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Bewegung, welche heute die deutsche Christenheit beider Konfessionen ergriffen hat, beansprucht in hohem Maße das aufmerksame Interesse der ganzen gebildeten Welt, auch der Kreise, die keinem dieser Glaubensbekenntnisse angehören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbstverständlich haben wir nicht die Absicht, uns taktloserweise in die inneren Angelegen­heiten anderer Kirchengemeinschaften einzumischen. Es geht auch nicht an, über diese Bewegung heute schon ein geschichtliches Urteil zu fällen. Uns interessieren nur einige Gesichtspunkte rein menschlicher Art, die in den Kämpfen zur Sprache kommen, um zu untersuchen, ob diese rein mensch­lichen Ideen, die sich da aus der kirchlichen Form herausschälen, durch das bloße Schlagwort „li­beral&#8220; dem sogenannten liberalen, d. h. dem Reformjudentum oder der sogenannten Ortho­doxie, richtiger dem thoratreuen Judentum näher verwandt sind. Dabei wären die theoretischen und praktischen Seiten der Frage zu unterscheiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Bezug auf die Anschauung treffen sich die Linksliberalen beider Bekenntnisse bis fast zur Unmöglichkeit der Unterscheidung von einan­der. Das hat sich ja bei dem Meinungsaustausch Kohler-Maybaum<a href="#_ftn1" id="_ftnref1"><sup>[1]</sup></a> gezeigt. Die Verflüchtigung Gottes in Begriffe und Ideen sind beiden ge­meinsam. Nur Geburt und Rasse bildet noch einen Unterschied. Die völlige Negierung ist das einende Band, das sie verbindet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es brauchte es allerdings nicht zu sein, wenn man sich jüdischerseits klar machen wollte, dass man nichtjüdischerseits „<strong>die Gottinnigkeit<a href="#_ftn2" id="_ftnref2"><strong>[2]</strong></a> für wichtiger als die Gotteserkenntnis hält</strong>.&#8220; Sieht man denn nicht, dass in einem solchen modernen Gedanken ein guter Schritt in der Geschichte der Gedankenwelt zu der Auffassung getan ist, die im Judentum immer vertreten war? Der Denker solcher „neuen&#8220; Gedanken entlehnt sie mit Bewusstsein freilich nicht dem Judentum und will auch mit ihnen durchaus nicht auf das Judentum zurückgreifen. Denn ihm, der sich Christ nennt, bleibt das Judentum eine Vorstufe des Christentums und ihm ist der ethische Inhalt des Christentums von keiner Religion übertroffen. Diese Ansicht verargen wir dem im Christentum geborenen Denker nicht, wir verstehen sogar das Interesse, dass er in einem solchen Gedankengang — auch mehr unbewusst — einnimmt in einer Zeit, in der, was an Juden und Jüdisches erinnert, auch im aufge­klärtesten und liberalsten nichtjüdischen Kreis geächtet ist. In unserer Zeit beherrscht die Politik auch das Gebiet der Wahrheit. Die Wahrheit verkriecht sich vor der Macht der Lüge. Das ändert aber an der Wahrheit selbst nichts. Ob anerkannt oder nicht — sie bleibt bestehen. So ist es Tatsache, dass die Unterscheidung von Gottinnigkeit und Gotteserkenntnis eine Lehre der Thora ist. Nach jüdischer Anschauung hat der Mensch keine theoretische Gotteserkenntnis. Der jüdische Mensch vermisst sich nicht, sich eine Anschauung über Dinge und Wesen anzumaßen, die über­sinnlich sind. Wir haben keinen Katechismus und keine Dogmen, die etwas über Gottes Wesen aussagen. Wir gehen damit mit dem deutschen Denker einig, dass wir das Ding an sich<a href="#_ftn3" id="_ftnref3"><sup>[3]</sup></a> über­haupt nicht kennen, nur das kennen wir — selbst in der Welt der Erscheinungen — was das Ding uns ist. Wie viel berechtigter ist dieser Satz auf eine Welt angewandt, die jenseits des Ver­mögens unserer Sinne liegt und unserem Be­greifen entzogen ist. Folgt nun daraus die Not­wendigkeit der Verflüchtigung eines menschlich unfassbaren Wesens in einen menschlich definier­baren Begriff? <strong>Für das Judentum kei­neswegs</strong>. Das Judentum hat ja stets die Erkenntnismöglichkeit Gottes geleugnet und ebensosehr die <strong>יִרְאָה</strong> das Gottschauen, das ständige Bewusstsein von Gott, kurz „Gottesfurcht&#8220;, besser Ehrfurcht vor Gott, d.h. ja Gottinnigkeit, betont und hat sie in der praktischen Betätigung der Liebe und des Gehorsams als unbedingte Postulate zum Ausdruck gebracht. Aber der geschicht­liche Ursprung dieser Gottinnigkeit war ein be­sonders gearteter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist das Judentum nämlich keine Religion und Judentum ist kein Glaube. Seine Grund­lage bildet mitnichten ein Wunderglaube. Die Wunder waren ja nur so lange nötig, bis Moses am Hofe eines „<strong>andersgläubigen</strong>&#8220; Königs akkreditiert war. Nachdem das jüdische Volk aus diesem wundergläubigen <strong>anderen</strong> Volk herausgeführt war, steht es erst am Berg der Offenbarung. Für das jüdische Volk waren die Wunder kein Offenbarungsinhalt — sein <strong>Gesetz</strong> ist Inhalt seiner Offenbarung. Und diese Offenbarung fand am hellen Tage vor den Augen und den Ohren des gesamten Volkes statt. Das Volk in seiner Gesamtheit und seinen einzelnen Gliedern ist „durch sinnliche Wahrnehmung zur Erkenntnis gebracht worden, dass Gott Gott ist und niemand außer ihm.&#8220; Das Volk ist in seiner Gesamtheit und mit seinen einzelnen Glie­dern Zeuge eines <strong>geschichtlichen</strong> Ereignisses gewesen, von dem uns die Zeugen des Geschehens die Tatsache des Geschehens darum die glaubwürdigste geschichtliche Urkunde übermittelt haben, weil ausnahmslos das ganze damals lebende Geschlecht des jüdischen Volkes Zeuge dieses Erlebnisses war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie man eine geschichtliche Tatsache nicht zu beweisen braucht, so bedarf die geschichtliche Tat­sache der Offenbarung keines Beweises. Wie man das Dasein eines Wesens, dem man gegenübersteht, nicht zu beweisen braucht, so be­durfte es in Israel niemals eines Beweises für das Dasein Gottes. Mathematische Behauptungen, Begriffe reinen Denkens müssen <strong>bewiesen</strong> werden, geschichtliche Tatsachen werden <strong>bezeugt</strong>. Und hier im Judentum ist ein ganzes Volk Zeuge. Das Judentum ist keine Religion, und die Juden sind keine Schar Gläubiger. Das Judentum ist eine Gesetzesinstitution und die Juden sind ein Volk zur Hütung<a href="#_ftn4" id="_ftnref4">[4]</a> und Be­tätigung dieses Gesetzes. Das, was die Thora lehrt, spielt sich alles hier auf Erden ab und ist für die Erde da.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Wunder ist freilich dabei. Dieses Wun­der ist aber nicht im Weltbild der Bibel, sondern in dem Weltbild der <strong>Gegenwart</strong> zu suchen. Und dies Wunder ist die Erhaltung der Judenheit und des Judentums durch alle ihm meistens äußerlich und innerlich ungünstigen Zeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wenn man so will, so lassen wir dieses Wunder wohl als einen Beweis gelten, als Beweis für die Wahrheit vom Judentum, seiner Gesetzesoffenbarung und seines Schöpfers und Gesetzgebers. Ein Beweis, wie es keinen zweiten in der Weltgeschichte gibt, ein Beweis — nicht wegzuleugnen, nicht zu widerlegen —, weil es leibhaftig vorhanden ist und offenkundig in einem kleinen Volk, zerstreut, zerrissen, überall und nirgends sesshaft, ohne Macht und ohne Mittel, mit einer einzigen Erbschaft aus der Epoche seiner ehemaligen Selbständigkeit — und dieses Erbe ist einzig und allein seine Thora. Sie ist sein Sieg gewesen und geblieben. Sie ist der Sang seiner Lebensheiterkeit noch heute. Bedarf es eines größeren Beweises für den Besitz der Wahrheit?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehrere Wahrheiten aber gibt es nicht. Vielleicht ist diese eine Wahrheit in einzelnen Gedankensplittern anderen Systemen beigemischt worden. Mag sein, nun so ist es doch gerade wiederum die Thora, das Judentum, das für alle anderen Menschen nur die allgemeinen Menschenpflichten aufstellt. Man mag diese aus den Religionen „herausschälen&#8220; — — und hat die „Thora&#8220; des reinen Menschentums.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Menschenpflichten sind natürlich stetig und sind nicht beweglich. Sie beruhen auf der Gottinnigkeit des Menschen, die wiederum aus der Gotteserfahrung, d. h. wie wir gesehen, der geschichtlichen Erfahrung fließt. Eine Erfahrung kann aber nicht beweglich sein und auch nicht die Erinnerung daran. Dass wir keinen Glauben haben, dass wir eine Erkenntnis nicht suchen müssen, ist unser Vorzug und das Geheimnis nicht nur unserer Beständigkeit, sondern auch unseres Bestandes. Die nichtjüdischen Denker hätten davon schon längst lernen können, wenn sie aus ihrer Forschung die Betrachtung des ältesten Volkes und Kulturträgers nicht aus­schließen wollten und sich, falls sie das jüdische Volk in ihren Rundblick mit einbeziehen, an wirklich jüdischen Quellen der Thorawahrheit Rat einholen wollten. Dass die Neologie<a href="#_ftn5" id="_ftnref5"><sup>[5]</sup></a> des jüdischen Volkes nichts lernen <strong>will</strong>, liegt in ihrem Wesen. Die Verneinung ist ihr Inhalt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn daher der nichtjüdische Denker durch die Brille der Neologie das Judentum betrachten wollte, so würde er eine in sich abgeschlossene Gotteslehre dort gewiss nicht finden. Dass es aber eine solche nicht gibt, vermag er darum nicht zu behaupten. Man muss dabei allerdings den Subjektivismus ausschalten. Eine Lehre, die der Mensch aufstellt, kann er nie als ge­schlossen betrachten. Eine objektive Lehre, die er, wie der Pfeil das Ziel, erreichen soll, gibt es zugestandenermaßen, wenn anders alle Menschen sich im Gebet vereinigen: „Dein Reich komme.&#8220; Auf dem Gebiet der Erziehung haben wir dafür das Vorbild. Und wenn auf dem Gebiet des religiösen Lebens das Verhältnis vom Vater zum Sohn eine geläufige Darstellungsweise ist, dann kann man füglich einen bloßen Vergleich mit dem Erziehungsgeschäft nicht ablehnen. Ja man muss folgerichtig noch einen Schritt weitergehen und zugeben, dass, wenn sonst im Leben Vater und Sohn zwei Personen sind, auch die Menschheit ihren Vater hat, der nicht mit ihr identisch ist. Die Immanenz Gottes in der Welt ist dieselbe Immanenz wie die der Seele im Körper. Und auch sind Seele und Körper nicht identisch. Möchte auch der Materialismus der Radikalen Seele und Körper identifizieren, so entstehen ihnen gerade von ihrem Standpunkt der Wissenschaft der experimentellen Psychologie so viel Rätsel, dass sie einsehen müssen, dass sie sich von einer Lösung derselben viel mehr ent­fernen als sich einer solchen nähern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das alles, wenn wir für einen Augenblick den Ausdruck und den Begriff „Lehre&#8220; an­nehmen wollten. Wir Juden können uns diese umständliche Beweisführung aber sparen. Wir lehnen die Lehre ab, weil wir ein Gesetz em­pfangen haben. Seine Vollendung bedeutet sicher nicht Untergang, weil die Ertüchtigung zu seiner Erfüllung Leben — schon seit Jahrtau­senden — jugendfrisches Leben erweckt, ein Leben, das in seinem sittlichen Streben die sittlichen Ideale der biblischen Zeit bei aller Veränderung des <strong>äußeren</strong> Weltbildes als Zukunftsideal vor sich hat und unter unsäglichen Opfern, die dieser Idealismus heute noch fordert, auch in der Gegenwart hochhält.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Idealismus kann ja doch nur aus Optimismus geboren sein, geboren aus der grundlegenden Überzeugung von dem guten Kern, der in der Menschheit liegt, getragen vom Vertrauen, dass in jedem Menschen der Gottes­hauch der Reinheit, der ihn ins Leben rief, ob­siegen wird über den Reiz und die Fähigkeit zur Sünde, die ihn betören können, angespornt durch die Verantwortung, die ein jeder vor seinem Gott fühlt, vor dem er unmittelbar steht in Schuld und Sühne, in Gutem und in Schlech­tem. Niemals kannte und vertrat das Juden­tum eine andere Anschauung, man musste sie nur erst, um als Neuschöpfer solcher Ideen dazu­stehen, für die Bibel leugnen und erst ganze Teile aus ihr für unecht erklären, um Gedanken zu verkünden, die dem Urteil der modernen Zeit standhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Bibel musste man sie streichen; in der <strong>Thora nicht</strong>. Man verwechsele beides nicht. <strong>An unrichtigen Übertragungen trägt das Judentum keine Schuld.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Mögen andere Kreise die „Bibel&#8220; lesen, wie sie wollen. Die Angriffe, die infolge <strong>ihrer Auslegung</strong> gegen die Bibel geschleudert wer­den, <strong>treffen die Thora nicht</strong>. Wer immer die Thora in ihrem Urtext liest, wer die jüdische Literaturgeschichte nach der hergebrachten jüdischen Auffassung fragt, der kann vor die modernste Welt mit der alten jüdischen Thora treten, er wird noch immer ein noch <strong>modernen</strong> Mensch sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den modernsten Denkern und Dichtern, in den Ausgrabungen und Funden erstehen heute allerorts Kronzeugen für die Thora.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Würde man dort, wo die moderne Kritik der verschiedenen Religionssysteme heute einsetzt, den Gedankengang der Thora substituieren: die gei­stige Entwicklung und die harmonische Verstän­digung der Menschheit hätte größere Fortschritte gemacht, als es bisher der Fall ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber der Umstand, dass man die Thora nicht kennt, dieses Aschenbrödel in der Welt der all­gemeinen Bildung und Wissenschaft, verhindert die Möglichkeit, für negierende Kritik positive Werte einzutauschen. Wie leicht wäre es in den westeuropäischen Kulturländern das Augenmerk der Welt auf dieses sittliche Menschheitskleinod zu lenken und es nutzbar zu machen für die Staatengesetzgebung und das Völkerrecht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Statt dessen stößt man der Umwelt Abscheu vor dem Judentum ein, indem man statt den hehren Idealismus der Thora den krassesten Materialismus zur Schau trägt. Die Welt verwechselt natürlich Judenheit und Judentum. Es ist nur allzu begreiflich, dass der Sache zum allgemeinen Schaden der gesamten Menschheit der größte Nachteil daraus erwächst, dass ihre geborenen Vertreter zu Verrätern an ihr wer­den. Man verleumdet die Thora als rückständig und veraltet, wiewohl man selbst der höchsten Ignoranz sich schuldig macht. Man redet sich ein, so dem Judentum und dem Fortschritt zu dienen, und schmäht jenes und hemmt diesen. <strong>Nichtjüdische</strong> Kreise kommen da der Thora zu Hilfe und schildern das Menschenleid, um der Menschheit Erlösung zu fördern. <strong>Nichtjüdische</strong> Kreise propagieren die religiösen Ideen, während der Jude in den „Wahngeburten frem­der Gedanken sein Genüge&#8220; sucht und die Nach­ahmung fremder Sitten, für ihn inhaltlos, ja entwürdigend, als Erfolg preist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Würde man den <strong>denkenden</strong> Geist der Zeit kennen, statt immer die Gegenwart unter dem Zeichen der Technik und des rastlosen Ver­kehrs zu schauen, zu schauen als „rasendes Ross&#8220;, das nicht nach Zaum und Zügel fragt, dann würde man vielleicht in sich gehen — wenn die machtvolle Herrschaft der Sucht zu erwerben und zu genießen, nicht lieber auf einen Blick nach innen, so lange er vermeidlich ist, verzichtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was sagt z. B. die Neologie dazu, die sich so gern in heller Schadenfreude der Bibelkritik anschließt und sich in „verfeinertem Empfinden&#8220; vom „Rachegott des Alten Testaments&#8220; abwen­det, wenn sich Ibsen in „Brand“<a href="#_ftn6" id="_ftnref6"><sup>[6]</sup></a> I. 2 folgender­maßen vernehmen lässt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nicht zum Spott,<br>Ich zeichne nur nach der Natur<br>Des Landes, des Volks Familiengott.<br>Der Katholik stellt den Erlöser<br>Oft als ein kleines Kind sich vor.<br>Ihr lacht und macht es noch viel böser:<br>Nach euch ist Gott ein greiser Tor:<br>Ein wenig fehlt zum Kinde nur.<br>Und wie der Papst hat als Symbol<br>Der Herrschaft seine Doppelschlüssel,<br>So schaut ihr zwischen Pol und Pol<br>Die Welt in eurer Teuflingschüssel.<br>Ihr trennt vom Leben <strong>Glaub&#8216; und Lehre</strong>,<br>Als ob <strong>der Wandel</strong> gar nichts wäre,<br>Ihr möchtet euren Geist erheben,<br>und wagt nicht <strong>voll und ganz zu leben</strong> —<br>Braucht einen Gott der schwankend gehe,<br>Und der euch durch die Finger sehe.<br>Weil euer ganzes Leben Fratze,<br>Hat euer Gott Kalott&#8216; und Glatze! —<br>Mein Gott ist nicht so matt gesinnt.<br>Der mein&#8216; ist Sturm, der deine Wind;<br>Unbeugsam meiner — deiner dumpf,<br>Allliebend meiner — deiner stumpf.<br>Der meine jung und stark, ein Rächer,<br>Kein schwacher Alter, feiger Schächer.<br>Sein Ruf ist wie ein Sturmgetön,<br>Das aus dem Feuerbusch erscholl<br>Zu Moses auf des Horebs Höhn,<br>Ein Riese er, jedweder Zoll.<br>Die Sonne stand in Gideons Tal<br>Auf sein Geheiß. O ohne Zahl<br>Würd&#8216; er noch heute Wunder tun,<br>Wär&#8216; feige nicht die Welt wie du.&#8220;— —?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sind diese herrlichen Verse nicht von der jüdischen Erkenntnis diktiert, dass nicht Liebe das weltbeherrschende Prinzip sein kann, son­dern <strong>Gerechtigkeit</strong>? Liebe ist ein Gefühl. Gefühl ist dunkel. Heute kann ihm Liebe, mor­gen Hass entspringen. Zuneigung und Abnei­gung, unkontrollierbar und ungerecht, sind die Beherrscher der Welt. Ganz anders, wenn eine Intelligenz die Gerechtigkeit auf den Thron der Welt erhebt. Die Wahrheit ist ihr Ursprung und ihr Ziel, und ein wirklicher Ausgleich die wohltätige Wirkung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diesem Richter der Gerechtigkeit ist jede einzelne Seele verantwortlich. Kein anderes Wesen kann und darf zwischen sie und ihren Gott treten. Wie sollte ein Staubgeborener über seine Mitmenschen sich erheben dürfen und glau­ben, das Recht und die Fähigkeit zu besitzen, für die Seelen seiner Brüder und Schwestern „sorgen&#8220; zu können? So dachte stets das Ju­dentum und kannte keine Geistlichkeit. Es hatte Lehrer und eine große Reihe Mehrer seines Ge­setzes, die, in Lehre und Leben gleich ausge­zeichnet, als Vorbilder in Führung und Meister im Wissen glänzten. Je höher sie standen, je demutsvoller beugten sie sich vor Gott, so an­spruchsloser gestaltete sich ihr eigenes Dasein, so weniger kannten sie ihre Stufe und umso ent­schiedener wiesen sie jeglichen Personenkult weit von sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch dieser rein menschlichen Anschauung leiht Ibsen in seinem „Brand“ Ausdruck. Der Pfaffenherrschaft will er gründlich den Garaus machen und zeichnet deren Umstrickung der Seelen nach der Natur. Die fehlende Wahrheit und den frommen Betrug, die Unehrlichkeit und die Interessenpolitik geißelt er und erklärt daraus die Seltenheit von Persönlichkeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn der Idealist <strong>Brand</strong> meint IV. 1:<br>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; „Doch niemals wird, was schwarz ist, weiß,&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">dann antwortet der <strong>Vogt</strong>:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Mein lieber Freund, was hilft&#8217;s, ich seh&#8216;<br>Der Schnee sei weiß und rein das Eis,<br>Wenn alle Welt ruft: schwarz wie Schnee!&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Brand</strong>: „Ihr ruft wohl mit?&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Vogt</strong>: „Nicht so genau!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich rufe: schwarz zwar nicht, doch grau.<br>Wir sind human; weshalb erboßen?<br>Den Leuten vor die Köpfe stoßen?&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn <strong>Brand</strong> fragt:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„So habt ihr eure beste Kunst<br>Nur ausgeübt um Volkesgunst?&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">dann antwortet der <strong>Vogt</strong>:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Nein, nein, weiß Gott, das war es nicht,<br>Der Leute Bestes ist mein Ziel,<br>Nur darauf war ich stets erpicht.<br>Doch leugn&#8216; ich nicht, zu diesem Spiel<br>Trat auch die Hoffnung auf Entgelt<br>Für alles, was ich angestellt.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese wenigen Zitate, die einem großen Zu­sammenhang entlehnt sind, mögen die Kritik, die modernes Empfinden an hergebrachte, religiöse Zustände legt, beleuchten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Könnten wir Juden da nicht die Fahne er­greifen und führend und wegweisend voran mar­schieren und der Welt als die Modernsten der Modernen erscheinen, indem wir all die Nachahmungen fremder Sitten ablegten, welche sich in der Synagoge und auf dem Friedhof, bei der Trauung und sonstigen Handlungen, die im Judentum gar keine „kirchlichen&#8220; Funktionen sind, eingedrängt haben? Stattdessen haben wir das Wesentliche des Judentums, — das <strong>Lehr­haus</strong> — zu Grunde gehen lassen und die Syna­goge zum Mittelpunkt des Lebens erhoben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Merkwürdig und wie widerspruchsvoll, dass die Neologie vollends überhaupt nur noch ledig­lich das „Zeremoniell&#8220; — von anderswo her­übergenommen — als <strong>einzigen</strong> Inhalt des Judentums behalten hat, während sie das Sittengesetz des Lebens mit dem Spottnamen „Zeremonialgesetz&#8220; herabzusetzen sucht. <strong>Sie hat den Geist vertrieben und eine Farce an dessen Stelle gesetzt</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In anderen Religionskreisen ringt man sich zum Ernst der altjüdischen Anschauung durch; das <strong>„liberale&#8220; Judentum greift ohne denkenden Inhalt auf das zurück, was das liberale Christentum in strenger Logik und feinem Empfinden als überwunden erklärt.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Neologie arbeitet nur äußerlich, von Geist, von Verständnis, von Gefühlsleben keine Spur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hätte die Neologie sich für die Praxis noch wenigstens das erhalten, was sie mit Vorliebe als ihr Wirkungsgebiet ansieht, die Pflege der „Wohltätigkeit&#8220;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir wollen gar nicht davon sprechen, dass sie den Begriff mit dem Wort verändert hat. „Wohltätigkeit&#8220; schließt eine gewisse Belobigung und Selbstzufriedenheit des Wohltäters in sich. „Pflichttat&#8220; ist die richtige Übersetzung des Wortes <strong>צְדָקָה</strong>. Mit der Veränderung des Wortes hat man den Begriff verschlechtert. An die Stelle der alten jüdischen <strong>צְדָקָה</strong> hat man hochtönende soziale Fürsorge gesetzt. Das <a href="#_ftn7" id="_ftnref7">[7]</a> <strong>גְּמִילוּת חֶסֶד</strong> „ver­bittet man sich dankend&#8220;. Allenfalls gibt man für die Linderung der leiblichen Not, für die <strong>Seelennot</strong> hat man kein Verständnis. Man scheint auch darin von anderen Kreisen gelernt zu haben, wenigstens nach der satirischen Szene zu urteilen, mit der Ibsen ebenfalls in „Brand“ so manche Schäden geißelt, die dem <strong>Zentra­lisationssystem</strong> des „Wohltuns&#8220; anhaften.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So mancher „Wohltätigkeits&#8220;-Apparat, der mit seinen Vorstehern und Angestellten nach Schema „F&#8220; arbeitet, könnte sich den ersten Auf­tritt des zweiten Auszuges von „Brand&#8220; ins Stammbuch schreiben. Die Herzlosigkeit und die Obszönitäten, die man da bei „mildtätigen&#8220; Ver­teilungen zu hören bekommt, die Behandlung der Armen, die man da erleben kann, lässt den Dich­ter durch den Mund seines Helden die Worte ausrufen: „<strong>Hat Seelennot nicht auch ihr Recht?</strong>&#8220; Meinen wir nicht Jesajah in der Haftarah zum Versöhnungstag zu vernehmen? Da heißt es ja auch: „Dem Darbenden bringe <strong>Dein</strong> Gemüt entgegen&#8220;. Jüdische Wohltat ist es, neben dem Hunger nach Brot auch den Durst nach Wahrheit zu stillen. Nicht das Tier im Menschen zu erhalten, den <strong>Menschen</strong> im Men­schen zu retten, ist soziale Pflicht, die das Juden­tum, verlangt. Dem Darbenden Brot reichen und ihm dafür den <strong>Sabbath</strong> nehmen, seinen <strong>Kör­per</strong> pflegen, dafür den <strong>sittlichen</strong> Halt ihm rauben, bedeutet den Todesstoß der menschlichen Gesellschaft versetzen, bedeutet den Materialismus zu einer Herrschaft erheben, die alles Höhere, Reinere in Frage stellt, bedeutet ja an sich den geistigen und sittlichen <strong>Tiefstand</strong> einer Welt <strong>erzwingen</strong>, in der Freiheit und Sitte, Wahr­heit und Recht, die Güter, die das <strong>Judentum</strong> der Welt zu bringen gesandt ist, keinen Anspruch mehr ans Dasein haben sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">O, lernten wir doch von den Vorkämpfern für soziales Denken und soziale Einrichtung der Ge­sellschaft, von den nichtjüdischen Großen <strong>un­serer</strong> Zeit, das <strong>Judentum</strong> verstehen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir könnten von ihnen den Wert der Per­sönlichkeit lernen, wie er von der Thora ver­kündet wird. Sie selbst beklagen sich und leiden schwer unter dem Druck der nivellierenden Gleich­heit im großen Beamtenheer des Staates und der Kirche. Die ganze Schulerziehung, oder besser Dressur genannt, ist auf diesen Drill schon zuge­schnitten, der uns bis zum Grabe geleitet. Man verlangt „Versöhnlichkeit&#8220; und will damit die Unterdrückung jeder „Persönlichkeit&#8220; erzwingen. Im ersten Auftritt des fünften Auszugs meint ja allen Ernstes der Vertreter der Zeit, wiederum ein <strong>Geistlicher, </strong>der<strong> Probst</strong>:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„In jedem Fach wird sich enthüllen<br>Ein oberstes Gesetz, das man<br>Verschieden tauft, doch merken kann.<br>Man nennt es Schule in der Kunst,<br>Beim Militär zu halten Tritt;<br>Das ist die Rettung aus dem Dunst<br>Des allgemeinen: gleicher Schritt! —<br>So immerfort in Schritt und Tritt,<br>Da kommt der Kleine auch, wohl mit.<br>In jedem Fuß derselbe Takt:<br>Da gehts, und wär man selbst kontrakt.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ironisch fügt <strong>Brand</strong> hinzu:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Der Aar im Rinnstein, und die Gans<br>Im Ätherblau, im Himmelsglanz.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegen solche Gleichmachung — und Ver­nichtung erhebt die Thora durch das bloße Wort, das „gleich&#8220; und zugleich „vernichten&#8220; oder „gleich&#8220; und „unwahr&#8220; bedeutet — <strong>דָּמָה</strong> und <strong>שָׁוְא</strong> — den entschiedensten Protest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der moderne Mensch verlangt seine Frei­heit. Einem gewissen „Spruchkollegium&#8220;, das sich mit einer Lehre zu befassen hat, die angeblich mit dem Christentum nicht vereinbar ist, wird seitens des liberalen Christentums das Recht abgesprochen in die Freiheit und Unabhängigkeit der einzelnen Gemeinde sich einzumischen. Die <strong>Ge­meinde </strong><strong>sei</strong><strong> autonom</strong> und jede Gemeinde kann sich die Verfassung geben und sich die Be­amten anstellen, die sie will. So war es stets im Judentum.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Und angesichts dieser Anerken­nung der althergebrachten Institu­tionen des Judentums seitens der ganzen modernen gebildeten Welt wagt es eine sich „liberal&#8220; nennende, in Wahrheit rückständige und reaktionäre Neologie, uns im deutschen Reich mit einer Zwangs-Organisation zu drohen, die jede Freiheit erdrosselt, jede Selbständigkeit der Gemeinden vernichtet und jedes Selbstbestim­mungsrecht begräbt?!</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wer ist liberal — die Neologie oder die Orthodoxie?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">___________________________________</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zu Fußnote 1:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>KI: Meinungsaustausch Kohler-Maybaum</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Kontext der <strong>Judaistik und der jüdischen Zeitgeschichte</strong> des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts ist der Vergleich zwischen <strong>Kaufmann Kohler (1843–1926)</strong> und <strong>Siegmund Maybaum (1844–1919)</strong> ein hochinteressantes Feld. Der Begriff „Meinungsaustausch“ greift hier im historiografischen Sinne: Beide Rabbiner waren herausragende, prägende Denker des <strong>liberalen Reformjudentums</strong>, die einerseits eine fast identische theologische DNA teilten, deren Wirkungskreise sich jedoch geografisch und strukturell stark unterschieden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre historisch korrespondierenden Parallelen und vergleichenden Einordnungen lassen sich in vier zentrale Dimensionen unterteilen:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>1. Radikale Antizionisten im Dienst der „Messianischen Idee“</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die stärkste inhaltliche Korrespondenz zwischen Kohler und Maybaum liegt in ihrer <strong>vehementen Ablehnung des politischen Zionismus</strong> nach Theodor Herzl. Beide begründeten dies theologisch, nicht assimilationistisch:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Siegmund Maybaum</strong> war 1897 als Vorsitzender des deutschen Rabbinerverbandes maßgeblich an der Erklärung der sogenannten <strong>„Protestrabbiner“</strong> beteiligt. Diese Erklärung verhinderte, dass der erste Zionistenkongress wie geplant in München stattfand. Maybaum argumentierte, dass das Judentum eine religiöse Gemeinschaft und keine nationale Teilhabe sei; das Streben nach einem jüdischen Nationalstaat widerspreche den messianischen Verheißungen des Judentums.</li>



<li><strong>Kaufmann Kohler</strong> formierte auf der anderen Seite des Atlantiks dieselbe Front. Er war der theologische Kopf hinter der Pittsburgh Platform (1885), in der offiziell festgehalten wurde: <em>„Wir betrachten uns nicht mehr als Nation, sondern als religiöse Gemeinschaft“</em>.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Für beide war die Diaspora kein Exil, sondern der göttliche Auftrag (die „Mission Israels“), den ethischen Monotheismus unter den Völkern der Welt zu verbreiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>2. Geografische Spaltung des Reformjudentums (Berlin vs. Cincinnati)</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im vergleichenden Kontrast spiegelt die Biografie der beiden Gelehrten die institutionelle Spaltung und Evolution des liberalen Judentums wider:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Siegmund Maybaum</strong> repräsentiert das <strong>gemäßigtere, kontinentaleuropäische Reformjudentum</strong>. Als Rabbiner in Berlin und Dozent an der Berliner <em>Hochschule für die Wissenschaft des Judentums</em> agierte er in einem Umfeld, das trotz aller Modernisierung stets Rücksicht auf die jüdische Tradition, die hebräische Liturgie und die Einheit der Gemeindekonstrukte („Einheitsgemeinde“) nehmen musste.</li>



<li><strong>Kaufmann Kohler</strong> steht für das <strong>„Classical Reform Judaism“ in den USA</strong>. In Deutschland (unter anderem wegen seiner radikalen Dissertation) akademisch und rabbinisch blockiert, emigrierte er in die USA. Als Präsident des <em>Hebrew Union College</em> in Cincinnati trieb er Reformen voran, die in Europa undenkbar gewesen wären, wie die weitgehende Abschaffung von Speisegebote (Kaschrut) und die Einführung von Sonntagsgottesdiensten.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>3. Wegbereiter einer modernen jüdischen Homiletik und Methodik</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Beide Männer professionalisierten die Ausbildung moderner Rabbiner und jüdischer Religionslehrer, indem sie die <em>Wissenschaft des Judentums</em> in die Praxis übertrug:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Maybaum</strong> verfasste mit seiner <em>„Jüdischen Homiletik“ (1890)</em> und der <em>„Methodik des jüdischen Religionsunterrichts“</em> absolute Standardwerke. Er lehrte Rabbiner, wie man zeitgemäß, wissenschaftlich fundiert und dennoch erbaulich auf Deutsch predigt.</li>



<li><strong>Kohler</strong> lieferte das theologische Fundament dazu. Mit seinem Hauptwerk <em>„Grundriß einer systematischen Theologie des Judentums auf geschichtlicher Grundlage“ (1910)</em> schuf er den ersten umfassenden Versuch, jüdische Glaubensinhalte systematisch-evolutionär für das moderne Bewusstsein aufzubereiten.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>4. Umgang mit der historisch-kritischen Bibelexegese</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Sowohl Kohler als auch Maybaum korrespondierten in der Überzeugung, dass die Tora ein historisch gewachsenes Dokument und nicht wortwörtlich von Gott diktiert worden sei.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Maybaum lehrte jüdische Religionslehrer explizit, dass sie sich vor der historisch-kritischen Forschung nicht fürchten müssten: Die religiöse und ethische Wahrheit der biblischen Erzählungen bleibe unberührt, selbst wenn Figuren oder Texte wissenschaftlich als „jüngere, sagenhafte Ausgestaltungen“ entlarvt würden.</li>



<li>Kohler nutzte genau diese Freiheit, um in den USA die Evolution der jüdischen Religion vom „Stammesgott“ zum universalen Weltgott wissenschaftlich zu begründen.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zusammenfassung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Judaistik werden Kaufmann Kohler und Siegmund Maybaum als <strong>theologische Zwillinge in getrennten Welten</strong> eingeordnet. Während Maybaum im preußisch-deutschen Kontext den Spagat zwischen radikaler Wissenschaft und traditioneller Gemeinderealität bewahren musste, konnte Kohler im freien amerikanischen Raum die gemeinsamen liberalen Ideale bis zur radikalen Konsequenz institutionalisieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zu Fußnote 6</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wikipedia: „Brand“ von Henrik Ibsen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Handlung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Der junge Vikar Brand zieht durch ein Gebirge. Dort trifft er seinen Schulkameraden Einar und dessen Verlobte Agnes, deren Lebensweise er ablehnt. Als Nächstes begegnet er dem verrückten Zigeunermädchen Gerd. Er steigt in sein Heimatdorf ins Tal zurück. Dort herrscht eine Hungersnot, die er für eine Strafe Gottes für mangelnde Frömmigkeit hält. Die Dorfbewohner bitten ihn, als Pfarrer bei ihnen zu bleiben, was er tut. Durch die gefährliche Fahrt über einen Fjord kann er einem Sterbenden den letzten Trost spenden. Agnes ist von seinem Glauben und Engagement so beeindruckt, dass sie seine Frau wird. Die beiden bekommen einen Sohn Alf. Brand verweigert seiner sterbenden Mutter die letzten Sakramente, weil sie nicht bereit ist, seinen radikalen Glaubensforderungen zu entsprechen. Der junge Sohn Alf verträgt das raue Klima nicht und der Familie wird geraten, an einen milderen Ort zu ziehen. Brand lehnt dies ab. Der Junge stirbt. Die Frau verwindet dessen Tod nicht und stirbt auch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Brand lässt eine große Kirche im Dorf bauen. Bei der Einweihung fordert er die Dorfbewohner auf, ihm in das Gebirge zu folgen, um dort Gott zu suchen. Diese lehnen das ab und Brand zieht allein in die Berge. Dort hat er eine Vision seiner verstorbenen Frau Agnes, die ihm rät, wieder zurück in das Dorf zu gehen. Er hält dies für eine Versuchung und zieht weiter. Brand begegnet wieder dem Zigeunermädchen Gerd, die ihn für den leibhaftigen Christus hält. Brand schießt auf einen vermeintlichen Habicht, von dem sich Gerd verfolgt fühlt. Eine dadurch ausgelöste Schneelawine begräbt die beiden unter sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Henrik Ibsen stellt einen radikalen jungen Geistlichen dar, der konsequent seinem Glauben folgen will. Die Halbheiten seiner Mitmenschen lehnt er ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;&nbsp;&nbsp; „Nicht ich bin&#8217;s, unsere lasche Zeit ist es, die nach Heilung schreit. Ihr wollt nur lachen, lieben, spielen, ein wenig glauben, ein bisschen fühlen, all eure Laster packt ihr auf den, der – wie man euch gelehrt – einst kam, und das Gericht fromm auf sich nahm. Ihm die Dornenkrone, euch der Spaß.“</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Meinungsaustausch Kohler-Maybaum siehe am Ende des Artikels</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Ehrfurcht vor Gott, siehe w.u.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Wikipedia: Das Ding an sich ist ein Begriff, der in der modernen Erkenntnistheorie wesentlich von Immanuel Kants dualistischer Philosophie geprägt ist, wobei er in dessen Gesamtwerk in zahlreichen, teils miteinander nicht vereinbaren Bedeutungen verwendet wird. Vorwiegend gilt der Terminus aber als Oberbegriff für sogenannte intelligible Gegenstände oder für die denkmögliche Entität einer intelligiblen Ursache, die beide dadurch bestimmt sind, keine Entsprechung in der reinen, folglich auch nicht in der sinnlichen Anschauung (Erfahrung) zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> Bewahrung</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> Das Reformjudentum</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Wikipedia: “Brand” ist ein Drama von Henrik Ibsen von 1866. Zum Inhalt des Dramas siehe am Ende des Artikels</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> Das Erweisen von Wohltaten, nicht nur der materiellen sondern auch der Seelischen</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/liberales-christentum-und-liberales-judentum/">Liberales Christentum und &#8222;liberales&#8220; Judentum</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Thamus 5786</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/thamus-5786/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jun 2026 11:20:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Monatsblatt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dieser Artikel von Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l erschien in dem Monatsblatt „Jeschurun“ Jahrgang 5, Heft 10, Juli 1859. Die Thematik ist damals wie heute die gleiche. „Welche Bedeutung haben die Fastentage für uns.“ Rabbiner Hirsch s“l stellt im Text die Verfehlungen der Juden während des 1. und 2. Tempel gegenüber. Aus unterschiedlichen Gründen wurde [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Dieser Artikel von Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l erschien in dem Monatsblatt „Jeschurun“ Jahrgang 5, Heft 10, Juli 1859. Die Thematik ist damals wie heute die gleiche. „Welche Bedeutung haben die Fastentage für uns.“ Rabbiner Hirsch s“l stellt im Text die Verfehlungen der Juden während des 1. und 2. Tempel gegenüber. Aus unterschiedlichen Gründen wurde im 1. und 2. Tempel die Wahrheit unterdrückt. Jedoch nur „ die Wahrheit und der Friede, das ist das einzige siegverkündende Zeichen unserer heilversprechenden Zukunft“.</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Der Text ist vom deutschen Sprachgebrauch her für uns heute schwierig zu lesen. An einigen Stellen habe ich deshalb versucht den Text in ein moderneres Deutsch umzuschreiben, ohne den Inhalt zu verfälschen.</p>



<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph">Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter:</p>



<p class="has-text-align-center has-small-font-size wp-block-paragraph"><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pagetext/2943758">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/pagetext/2943758</a></p>



<p class="has-text-align-center has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>Soll ich noch weinen und fasten?</strong></p>



<p class="has-text-align-right has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Secharjah<a href="#_ftn1" id="_ftnref1"><sup><strong><sup>[1]</sup></strong></sup></a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Soll ich noch weinen und fasten, wie ich seit vielen Jahren getan?“ — so lautete die Anfrage an die Priester und Propheten zu den Zeiten Secharjas, als unter der Milde persischer Herrscher<a href="#_ftn2" id="_ftnref2"><sup>[2]</sup></a> Israels Land wieder von Israels Söhnen bewohnt und der Tempel wieder gebaut war. „Soll ich noch weinen und fasten, wie ich seit vielen Jahren getan?“ — „Sprich zu dem Volk und den Priestern,“ lautete die Gottes-Antwort an Secharja, „wenn ihr euch kasteit und klagt, kasteit ihr da mich? Und wenn ihr esset und trinket, seid ihr da nicht die Essenden und Trinkenden? Kommt nicht alles auf die Worte an, die Gott schon durch die früheren Propheten verkündet, als auch Jerusalem wohl begründet und sicher ruhte, und ihre Städte ringsum, und auch der Süden und die Niederung ruhig bewohnt waren?“<a href="#_ftn3" id="_ftnref3"><sup>[3]</sup></a> Damals sprach Gott, sie aber machten ihr Herz kieselhart und hörten nicht auf die Lehre und die Worte, die Gott für den Frieden bestimmt hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu den Zeiten des <strong>ersten</strong> Tempels entschieden sich die Führer des Volkes für den Frieden auf Kosten der Wahrheit, lockten die Reichen und Vornehmen und mit ihnen alle die von ihnen Abhängigen, alle die durch ihren Einfluss Gegängelten, mit hinein in das System des lügenhaften Friedens und der friedlich sich schmiegenden Lüge und gewannen auch feile Rhetoren, mit dem Heiligenschein des Prophetentums sich umgebende Prediger, die die Wahrheit zum Verbrechen, das System der Lüge zum Ausfluss der Wahrheit machten, den Zwiespalt mit Gott als Werk des Friedens im Himmel und auf Erden darzustellen und das Volk mit ihrem ‚Friede!‘ ‚Friede!‘ einzulullen wussten, in den sorglosesten Schlummer am Abhang der Vernichtung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da waren die Männer der Wahrheit die Störenfriede, die den Donnerkeil der Wahrheit hineinschleuderten in den lügendurchwobenen Kreis der Könige und Völker. Da war ein Michaja<a href="#_ftn4" id="_ftnref4"><sup>[4]</sup></a> mit seiner unliebsamen Wahrheit verloren inmitten vierhundert in harmonischer Lüge zusammenstimmender höfischer Lügenpropheten und musste den Wangenstreich hinnehmen von der Hand eines Zidkija ben Kenana<a href="#_ftn5" id="_ftnref5"><sup>[5]</sup></a>. Da galt es zu „sündigen und zu heucheln wider Gott“, da galt es „abzufallen von unserem Gott“, da galt es „den Treubruch und den Abfall zu predigen, zu produzieren, und zu deklamieren aus dem eigenen Herzen Worte der Lüge. Da ward das Recht zurückgestellt und die Pflicht blieb von ferne stehen; denn in den Straßen strauchelte die Wahrheit und das Gerade wagte nirgends den Eintritt. Da ward die Wahrheit zum Sonderling und der Unrechtscheue zum Verrückten. Das sah Gott, das war das Böse in seinen Augen, dass das Recht keinen Vertreter mehr hatte“ (Jes. 59) — da ward Gott sein Vertreter, da führte er die Wahrheit herbei und zerbrach das Gewebe der Lüge und des Friedens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„<strong>Die Wahrheit, aber nicht den Frieden</strong>“, steht auf dem Leichenstein des <strong>zweiten</strong> Tempels.</p>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Wenn die Wahrheit gewahrt ist, dann steht unmittelbar in zweiter Linie der Friede. Wo der Friede die Wahrheit nicht verleugnet, nicht gefährdet, wo der Frieden nicht auf Kosten der Wahrheit zu erkaufen ist, da ist selbst in jenen getrübten Zeitabläufen, in welchen die Wahrheit nicht allgemein angestrebt wird, der Friede ein hohes Gut, dessen Wahrung und Förderung zur hohen Pflicht erwächst.</td><td>Wo die Wahrheit gewahrt wird, folgt der Frieden unmittelbar danach. Wo der Friede die Wahrheit nicht verleugnet und nicht gefährdet, wo er nicht auf ihre Kosten erkauft wird, da ist er auch in schwierigen Zeiten ein hohes Gut, dessen Schutz und Förderung zur wichtigen Pflicht wird.</td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Zur<strong> Rettung </strong>der Wahrheit ist der Kampf und der Streit, und gälte es der ganzen Welt gegenüber, nicht zu scheuen.</td><td>Zur <strong>Rettung</strong> der Wahrheit muss man kämpfen und streiten – notfalls gegen die ganze Welt.</td></tr></tbody></table></figure>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;Allein wenn die Wahrheit gerettet ist, gilt es auch dem Wahren den friedlichen Boden zu erringen. Denn auch das Wahre blüht nur auf einem Boden des Friedens. Ist <a href="#_ftn6" id="_ftnref6"><sup>[6]</sup></a> <strong>סוּר מֵרָע</strong> und das <strong>עֲשֵׂה טוֹב</strong> gesichert, gilt es nicht in dem Kampf dem Aufkommen des Schlechten entgegen und für das Gute in die Schranke zu treten, dann <strong>בַּקֵּשׁ שָׁלוֹם וְרָדְפֵהוּ</strong>, dann störe nicht nur nicht den Frieden, dann brich nicht nur nicht den Frieden, dann suche den Frieden, und wenn er entfliehen will, eile ihm nach, dass du ihn dir erhältst und sicherst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diesen Wert des Friedens hatte man während des zweiten Tempels in den maßgebenden Kreisen aus den Augen verloren und schon dadurch im Allgemeinen einen zwiespältigen Geist der Unversöhnlichkeit, einen sich vererbenden Familienhass, einen Geist zwistnährender Selbstsucht und Eifersucht, einen Geist der <a href="#_ftn7" id="_ftnref7"><sup>[7]</sup></a> <strong>שִׂנְאָה חִנָּם</strong> verbreitet. Allein dieser Geist friedensfeindlicher Eifersüchtelei hatte in maßgebenden einflussreichen Kreisen selbst die Liebe zur Wahrheit angegriffen. Es war bald im Kreis der Führer und Großen nicht mehr die Liebe zur Wahrheit in Wahrheit und um der Wahrheit willen. Es stellte sich gar bald die Persönlichkeit an die Stelle der Sache; die eigene Ehre, die eigene Würde, die eigene Macht, persönliches Interesse ward zum Ziel erhoben und die Vertretung der Wahrheit ward zum Mittel des Eigennutzes herabgewürdigt. Ja, man bekannte sich zur Wahrheit und verleugnete sie nach politischen Rücksichten, bildete Bekenntnisse zu Stichwörtern von Parteien, entschied sich für die eine oder die andere, je nachdem staatsmännische Diplomatie auf der einen oder der anderen Vorteil erblickte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hohepriesterliche Würden wurden ein Kaufpreis der Reichen, ein Kaufpreis der Mächtigen und selbst das hohepriesterliche Geschlecht, dessen Ahnen Gesetz und Heiligtum todesmutig aus den unreinen Händen hellenischer Schergen gerettet<a href="#_ftn8" id="_ftnref8"><sup>[8]</sup></a>, stellte, als die Rettung vollbracht, nicht Gott, sondern sich selbst den Thron im freien jüdischen Volke zurecht<a href="#_ftn9" id="_ftnref9"><sup>[9]</sup></a>, schwang das Schwert, das zuerst die Brüder und ihr Heiligtum verteidigt, nach errungenem Sieg zur Knechtung der eigenen Brüder und beutete die Siege seiner Ahnen nicht für Gott und Israel, sondern für die Gründung einer Dynastie und für seine eigenen dynastischen Interessen aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So ging zum zweiten Mal die Wahrheit in den Händen ihrer Vertreter verloren, zum zweiten Mal sah sich Israels Heiligtum durch das Verderbnis seiner aristokratischen Geschlechter verraten, zum zweiten Mal verließ die Wahrheit, verließ Gottes heiliges Gesetz die Kreise seiner Hohepriester, seiner Fürsten und Könige und flüchtete sich in die Kreise des Volkes und seiner Lehrer; Tempel und Thron stürzten zum zweiten Mal durch die eigenen Priester und Dynasten zusammen. Denn als nun eben diese Dynasten zur Schlichtung ihrer Händel und zur Wahrung ihrer persönlichen Interessen nicht an Gott, nicht an seine Wahrheit, nicht an sein heiliges Gesetz, nicht an dessen Träger und Vertreter, das Volk und seine Lehrer, sondern an die Entscheidung einer fremden Macht appellierten, jener Macht, die eben auf den inneren Verfall und Zwiespalt der Nation spekulierte, um mit schiedsrichterlicher Miene das Schwert der Eroberung und Knechtung über alle zu schwingen, und diese Macht unglückseligerweise eben Rom sein musste — Rom, dem die Wahrheit immer nur als Vehikel der Interessen gegolten, Rom, dem Religion nichts als Werkzeug zur Knechtung der Völker gegolten und dessen Cäsaren nur auf dem von Parteiwut und Entsittlichung gegrabenen Volksgrab ihre Erhebung feierten — da war die Wahrheit und der Frieden im jüdischen Staat begraben und dem jüdischen Staat zum zweiten Mal der Untergang bereitet. Roms Schwert eroberte nur das, dem bereits Roms Politik das innerste Leben vergiftet. Der jüdische Staat ging in Trümmer, damit der Wahrheit und dem Frieden im jüdischen Volke und seinen Lehrern das Asyl gerettet bliebe.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Wahrheit <u>und</u> der Friede</strong>, das ist das einzige siegverkündende Zeichen unserer heilversprechenden Zukunft. Die volle Wahrheit, die ganze Wahrheit, die reine Wahrheit und eben darum und daraus der volle, reine, ganze, ewige Frieden, das ist das einzige gottverheißene Wahrzeichen unserer einstigen wahren Erlösung. Der Friede auf Kosten der Wahrheit hat unser erstes Staatenglück untergraben. Die Wahrheit als Deckmantel selbstsüchtiger, herrschsüchtiger Interessen hat unser zweites Staatenglück untergraben. Aus dem Doppelgrab unserer Vergangenheit wird unsere leuchtende Zukunft nur dann siegreich auferstehen, wenn wir die Wahrheit lieben und den Frieden, wenn uns die Wahrheit nicht einmal um den Preis des Friedens feil ist und wenn wir die Wahrheit nur um der Wahrheit willen lieben, uns alle persönlichen Interessen fremd sind und somit unsere glühendste Wahrheitsliebe Hand in Hand geht mit der aufrichtigsten Liebe des Friedens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ob wir noch lange fasten und trauern müssen?“ — Wie stehen wir zur Wahrheit und zum Frieden, wie verhält sich unsere Zeit zu den beiden Verirrungen, die zweimal das Grab unserer Wohlfahrt geworden?</p>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Wie steht sie zur Wahrheit? Gilt ihr die Wahrheit als Höchstes, steht ihr die Wahrheit in erster Linie, dass sie den Frieden nur will, der nicht auf dem Grab der Wahrheit erbaut ist, oder steht ihr der Friede in erster Linie und will sie nur die Wahrheit, die sich mit allen und allem verträgt und möchte nur vor der Wahrheit sich beugen, die sich zuerst vor ihnen gebeugt?</td><td>Steht bei uns die Wahrheit an erster Stelle, sodass wir nur den Frieden wollen, der nicht auf dem Grab der Wahrheit errichtet ist? Oder steht der Friede an erster Stelle, und wir akzeptieren nur die Wahrheit, die sich mit allem und jedem verträgt?</td></tr><tr><td>Ist nicht „Akkommodation<a href="#_ftn10" id="_ftnref10"><sup>[10]</sup></a>“ das große Losungswort der Wissenschaft und des Lebens geworden, juste milieu<a href="#_ftn11" id="_ftnref11"><sup>[11]</sup></a> die Täuschungsformel des Geschlechts, Klugheit die Weisheit, die die Gemeinden von ihren Lehrern verlangen, und Schweigen der Preis, um den das Diplom der Klugheit sich erwirbt? Und ist Akkommodation, juste milieu und wie die beliebten savoir-faire<a href="#_ftn12" id="_ftnref12"><sup>[12]</sup></a>&#8211; und savoir-vivre<a href="#_ftn13" id="_ftnref13"><sup>[13]</sup></a>-Prinzipien alle heißen, die die Wahrheit sich aneignen muss, wenn sie „zeitgemäß“ sein will, sind sie etwas anderes als der schnödeste Trödel mit dem Heiligsten, als Verrat und Verleugnung der Wahrheit, die keinen Handel kennt und von einem Abfinden nichts weiß? &nbsp;</td><td>Steht bei uns die Wahrheit an erster Stelle, sodass wir nur den Frieden wollen, der nicht auf dem Grab der Wahrheit errichtet ist? Oder steht der Friede an erster Stelle, und wir akzeptieren nur die Wahrheit, die sich mit allem und jedem verträgt? Ist „Akkommodation“ nicht längst zum großen Losungswort von Wissenschaft und Leben geworden? Ist „juste milieu“, Klugheit und Schweigen nicht der Preis, den man heute für gesellschaftliche Anerkennung zahlt? All diese Prinzipien des „zeitgemäßen“ Umgangs mit der Wahrheit sind nichts anderes als Verrat am Heiligsten.</td></tr></tbody></table></figure>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Wahrheit liegt in der Mitte“ sagt ihr? Die Lüge liegt in der Mitte. Wahrheit ist etwas Extremes, Scharfes, da gibt’s kein Mehr noch Minder. Zwei mal zwei ist vier, nicht viereinhalb und nicht fünfeinhalb. Aber dazu darf sich heutzutage keiner bekennen, wenn er den „Zeitgemäßen“ gemäß sein will, darf das unwandelbare göttliche Einmaleins der jüdischen Wahrheit nicht als Prüfung anlegen an die Lebensrechnungen der Zeit. Das Einmaleins muss gefälscht werden, damit die <em>fait accompli<a href="#_ftn14" id="_ftnref14"><sup><strong><sup>[14]</sup></strong></sup></a></em>-Resultate gerechtfertigt erscheinen, und das ist der Mann und der Gott, der Priester und der Prophet der Zeit, der sich auf diese Fälschung am gewandtesten versteht und am kecksten es wagt, dem alten Einmaleins die Lüge aufzubürden. „Der Lehrer der Gemeinden muss über den Parteien stehen“, d. h. ihm muss die Wahrheit gar nichts gelten, es muss ihm alles recht sein, er muss für alles, für Rechts und Links, für Alt und Neu, für Wahr und Falsch sein Sprüchlein der Weihe und der Billigung bereit haben, indifferent gegen alles, muss er sich aus dem reichen Schatz göttlicher Wahrheit nur das Körnlein herausgelesen haben, das einmal jeder anerkennen kann, — weil es eben niemand geniert — und jeder anerkennen muss, wenn er überhaupt noch zu seiner Herde sich zählen soll. Er muss es verstanden haben, die Wahrheit auf dem Siebe des Friedens zu sichten<a href="#_ftn15" id="_ftnref15">[15]</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das Familienleben? Die Ehe? Die Erziehung? Das Haus? Die Schule? Diese Kreise und Stätten, in welchen über unser ganzes Heil in Gegenwart und Zukunft die Würfel fallen? Ist es die Wahrheit oder der Friede, die soziale Verträglichkeit, die dort alles beherrscht und alles diktiert, alles in Frage stellt und alle Fragen entscheidet? Um des Friedens willen duldet der „fromme“ Gatte, dass die Gattin, duldet die „fromme“ Gattin, dass der Gatte den Kindern das Beispiel eines gesetzentfremdeten Lebens bietet. Um des Friedens willen macht der Vater der Mutter, macht die Mutter dem Vater die Konzession, die Söhne oder die Töchter für ein „modernes israelitisches“ Leben unterrichten und bilden zu lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um des Friedens willen wagen die Eltern kein Wort gegen das unjüdische Leben ihrer erwachsenen Söhne und Töchter. Um des Friedens willen wird das „Ja“-Wort zur Verbindung mit unjüdischem Eidam, mit unjüdischer Schwiegertochter gegeben. Um des Friedens willen duldet man den verderblichsten Einfluss unjüdischer Onkel und Vettern, unjüdischer Freunde und Verwandten auf die ganze Richtung des Hauses und der Kinder. Um des Friedens willen muss auch die Schule über allen Parteien stehen, muss auch die Schule die Wahrheit verleugnen, damit sie dem Hause keinen Anstoß gebe, — jenes ganze heillose System der Konvenienz, die den Frieden mit Gott preisgibt um des Friedens mit den Menschen willen, die um die Gunst der Fremden und Großen buhlt und alles dem herrschenden Modeton mundgerecht zu machen strebt, jenes System des Wahrheit verschachernden Friedens, das einst an der äußersten „Linken“ zum Geiste der Lüge im Munde der „Hofprediger-Schar“ geworden, die sich im Glanze Ahabs und Isebels<a href="#_ftn16" id="_ftnref16"><sup>[16]</sup></a> sonnten, und zur <em>juste milieu</em>-Reform eines Ahas, die den „Hauptgottesdienst“ nach dem damaszenischen Muster eines Tiglat-Pileser<a href="#_ftn17" id="_ftnref17"><sup>[17]</sup></a> modelliert, dabei aber so tolerant ist, den alten Gottesaltar noch als „Nebengottesdienst“ vegetieren zu lassen — <a href="#_ftn18" id="_ftnref18"><sup>[18]</sup></a><strong> וּמִזְבַּ֧ח הַנְּחֹ֛שֶׁת יִֽהְיֶה־לִּ֖י לְבַקֵּֽר</strong> — jene ganze Zeit des ersten Tempels, ist sie nicht ganz eigentlich wieder erstanden in unseren Tagen; wären da nicht bereits die Tage des vierten und die Tage des fünften und die Tage des zehnten Monats Tage des Fastens und der Trauer — müssten wir uns solche Tage stiften, um unserer Verirrung inne und der Gefahr bewusst zu werden, die unser Heiligtum bedroht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und die Verirrungen des zweiten Tempels?? Ist unsere Liebe zur Wahrheit überall eine solche, eine so reine, so vollendete und ganze, dass sie von selbst die aufrichtigste Liebe des Friedens mit umschließt? Sind all die Kämpfe, die für die Wahrheit und im Namen der Wahrheit geführt werden, in Wahrheit Kämpfe um der Wahrheit willen, dass nirgends persönliche Interessen bewusst und unbewusst die eigentlich bewegenden Triebfedern bilden? Sind alle Hände rein, die die Standarte der Wahrheit erheben — hat sich die Wahrheit nirgend ihrer Kämpfer zu schämen? Gilt uns die Ehre unserer Sache mehr als die Ehre unserer eigenen Person, dass wir überall bereit sind unsere eigene Ehre und unseren eigenen Vorteil hintanzusetzen, wo die Sache der Wahrheit ein solches Opfer heischt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, sind wir in eben dem Maße gefügig und milde, versöhnlich, nachgebend, gelinde, bescheiden in Sachen unseres persönlichen Interesses, unseres Amtes, unserer Würde, unseres Rechts, unseres Vorteils, unserer Anerkennung, unseres Vermögens, überall ebenso friedlich, ohne Groll und ohne Hass, ohne Eigensinn und Starrsinn in Sachen unseres persönlichen Betreffs, wie wir fest und stark, unerschütterlich und unbestechlich, mutig und kühn, ohne Schwanken und Wanken, ohne Rücksicht und unnachgiebig dastehen, wo es gilt für die Sache der Wahrheit einzutreten und die Sache der Wahrheit zu verfechten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ist unsere Friedensliebe, unsere Uneigennützigkeit, unsere Milde und Bescheidenheit im sozialen Leben Bürge für die Echtheit unseres Eifers um die Sache der Wahrheit? Nur der Mann, von dem die Schrift bezeugt, dass er der bescheidenste Mensch auf Erden gewesen, durfte sich ins Tor des jüdischen Lagers mit dem Rufe stellen: „<strong>מִי לָה&#8216; אֵלַי</strong>!“ Wer Gottes ist — zu mir! Die Männer, die er sich zu Mitträgern seiner Sache in der Mitte seines Volkes zu erkiesen hatte, sie sollten nicht nur tüchtige gottesfürchtige Männer sein, <a href="#_ftn19" id="_ftnref19"><sup>[19]</sup></a><strong>אַנְשֵׁי חַיִל יִרְאֵי אֱלֹקִים</strong>, sie sollten auch im sozialen Leben gekennzeichnet sein, als <a href="#_ftn20" id="_ftnref20"><sup>[20]</sup></a> <strong>אַנְשֵׁי אֱמֶת שֹׂנְאֵי בֶּצַע</strong>, als Männer der Wahrheit, jedem persönlichen Interesse feind — Und die Männer, die seine Nachfolger in Wahrheit waren, lehrten nicht nur: „<strong>הָעוֹסֵק בַּתּוֹרָה שֶׁלֹּא לִשְׁמָהּ נוֹחַ לוֹ שֶׁלֹּא נִבְרָא</strong>“ — wer sich mit der Tora in unreiner Absicht beschäftigt, dem wäre es besser, er wäre nie geboren, lehrten nicht nur: „<strong>אַל תַּעֲשֵׂם עֲטָרָה לְהִתְגַּדֵּל בָּהֶם וְלֹא קַרְדֹּם לַחְפֹּר בָּהֶם</strong>“ — mache sie nicht zum Ruhmeskranz dich zu verherrlichen, und nicht zur Axt damit zu graben, und „<strong>כָּל הֲנָאוֹת מד״ת נוֹטֵל חַיָּיו מִן הָעוֹלָם</strong>“ — mit jedem Eigennutz, zu welchem du die Worte der Tora missbrauchst, nimmst du dir das Leben aus deiner Ewigkeit, — sie lehrten dies nicht nur, ihr ganzes Leben war eine Besiegelung dieser Lehre —</p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>„Sollen wir noch weinen und fasten, wie wir seit Jahren getan?“ ——</strong></p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Wikipedia: Sacharja oder Secharja (hebräisch <strong>זְכַרְיָה</strong>, lateinisch Zacharia, oder Sacharia, vollständig: Secharja, Sohn Berechjas, des Sohnes Iddos, der Prophet) heißt ein biblischer Prophet. Das nach ihm benannte Buch im hebräischen Tanach entstand nach dem babylonischen Exil (ab etwa 520 v. Chr.) und gehört zum Zwölfprophetenbuch… Sacharja wirkte in der Zeit kurz nach dem babylonischen Exil in Jerusalem und war Zeitgenosse des Propheten Haggai. Er war der Sohn Berechjas und Enkel Iddos. Er kam also aus einer Priesterfamilie und war wahrscheinlich selbst Priester. Zur Zeit des Hohepriesters Jojakin war Sacharja das Oberhaupt seines Geschlechts.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Der persische Herrscher Darius I. (* 549 v. Chr.; † 486 v. Chr.) erlaubte den Juden der babylonischen Gefangenschaft die Rückkehr nach Juda und den Bau des Zweiten Tempels.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> Secharja 7: 5-7</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> Wikipedia: Michajah der Sohn Jemlas <strong>מִיכָיְהוּ בֶן־יִמְלָה</strong> oder Sohn Jimlas oder Micha ben Jimla war eine biblische Person. Er wird in 1 Kön 22:8–28 und 2 Chr 18:7–27 als Prophet zur Regierungszeit Ahabs von Israel (873–853 v. Chr.) erwähnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Micha unterscheidet sich in seiner Aussage diametral von den offiziellen Kultpropheten, die dem König Erfolg bei einem Feldzug gegen Ramot-Gilead versprechen. Micha ist beim König unbeliebt, weil er nichts Gutes weissagt, sondern nur Böses. Er warnt den König vor einer großen Niederlage, die dann auch eintritt. Die Geschichte des Micha mit seinem Widersacher Zedekia ben Kenaana spiegelt den Widerspruch zwischen der offiziellen Heilsprophetie an den offiziellen Kultstätten und der opponierenden gesellschafts- und königskritischen Gerichtsprophetie jener Zeit. Beide Seiten berufen sich auf JHWH, aber nur eine Seite kann recht haben. Eine Seite wird vom König unterstützt, die andere unterdrückt. Die biblische Erzählung deutet die historischen Ereignisse so, dass sich am Ende zeigt, welche Seite recht hatte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a>&nbsp; Zedekia ben Kenaana – s. vorherige Fussnote</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Psalm 34:15; <strong>ס֣וּר מֵ֭רָע וַעֲשֵׂה־ט֑וֹב בַּקֵּ֖שׁ שָׁל֣וֹם וְרׇדְפֵֽהוּ׃ </strong>&nbsp;“halte dich fern von Schlechtem, und über Gutes ohne zaudern; suche Frieden und verfolge ihn.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> Grundloser Hass</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> Chanukka: die Makkabäer</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> Aristobulos I. (hebräischer Name wohl <strong>יהודה</strong> Jehudah) war König von Judäa 104 bis 103 v. Chr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Tod seines Vaters, des Hohepriesters Johannes Hyrkanos I., wurde Aristobulos im Jahr 104 v. Chr. sein Nachfolger. Als erster judäischer Herrscher seit dem Babylonischen Exil nahm er den Königstitel an und regierte offiziell als König und Hohepriester. Er errichtete ein Königreich und setzte sich selbst auf den Thron. Der Thron steht aber nur den Nachkommen König Davids zu!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> KI: Unter Akkommodation versteht man das <strong>Scharfstellen des Auges</strong> auf unterschiedliche Entfernungen. Hier Anpassungsfähigkeit, Assimilation.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref11" id="_ftn11">[11]</a> Juste milieu (auch Justemilieu) ist ein französischer Begriff, der den goldenen Mittelweg, die „rechte Mitte“ oder ein maßvolles Gleichgewicht beschreibt. Er bezeichnet eine kompromissbereite, ausgleichende Haltung, die Extreme meidet</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref12" id="_ftn12">[12]</a> Der Begriff Savoir-faire stammt aus dem Französischen (wörtlich: wissen, wie man es macht) und beschreibt geschicktes, taktvolles Verhalten. Im Deutschen wird der Ausdruck meist als Synonym für Fingerspitzengefühl, Taktgefühl, Know-how oder soziale Kompetenz verwendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref13" id="_ftn13">[13]</a> Savoir-vivre (wörtlich „verstehen, zu leben“) ist die Kunst, das Leben bewusst, genussvoll und mit Stil zu gestalten. Im deutschsprachigen Raum steht es für Lebenskunst und Gelassenheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref14" id="_ftn14">[14]</a> Vollendete Tatsache</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref15" id="_ftn15">[15]</a> KI: Die „drei Siebe des Sokrates“ sind ein hervorragender Filter, um wahre, gute und notwendige Erkenntnisse im Alltag oder in den Medien zu sichten. Sie helfen dabei, achtsamer und klarer zu kommunizieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die drei Siebe im Überblick:</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ist es wahr?</strong><br>Stellen Sie sicher, dass die Information, die Sie weitergeben oder empfangen möchten, tatsächlich den Tatsachen entspricht und nicht nur auf Hörensagen beruht.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ist es gut?</strong><br>Ist das, was Sie sagen wollen, positiv oder hilfreich? Wenn es weder wahr noch positiv ist, sollte man es nicht weitererzählen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Ist es notwendig?</strong><br>Ist es zwingend erforderlich, diese Information mitzuteilen? Wenn die Botschaft weder wahr, noch gut, noch nützlich ist, sollte man sie besser für sich behalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref16" id="_ftn16">[16]</a> König Ahab und Königin Isebel regierten im 9. Jahrhundert v. Chr. das Nordreich Israel. Ihre Ehe ging als Inbegriff politischer Machtgier und religiöser Verirrung in die Geschichte ein. Isebel, eine phönizische Prinzessin, brachte den Baalskult nach Israel. Beide wurden für ihre Unterdrückung des Gottesglaubens und brutale Machenschaften bekannt</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref17" id="_ftn17">[17]</a> Tukulti-apil-Ešarra III. (akkadisch) oder biblisch Tiglat Pileser, meist auch Tiglat-Pileser III. war von 745 bis 726 v. Chr. König des Assyrischen Reiches.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tiglat-Pileser gelang es, Assyrien – zu Beginn seiner Herrschaft eher eine lokale Macht – zur bedeutendsten Großmacht im Nahen Osten aufzubauen. Er reformierte die Reichsstruktur und hob Steuerprivilegien auf, um die Finanzierung der Militarisierung und die Expansionspolitik zu gewährleisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref18" id="_ftn18">[18]</a> 2. Könige 16:15; „Der kupferne Altar bleibe mir zum Ansehen“; (Übersetzung Rabbiner Dr. S. Bernfeld)</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref19" id="_ftn19">[19]</a> Tatkräftige, gottesfürchtige Menschen</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref20" id="_ftn20">[20]</a> Wahrhaftige, den eigenen Vorteil verachtende Menschen</p>
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		<title>Magazin für den Monat Thamus 5786</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/magazin-fuer-den-monat-thamus-5786/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jun 2026 11:08:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="_df_book df-lite" id="df_5568"  _slug="magazin-thamus-5786" data-title="magazin-thamus-5786" wpoptions="true" thumbtype="" ></div><script class="df-shortcode-script" nowprocket type="application/javascript">window.option_df_5568 = {"outline":[],"autoEnableOutline":"false","autoEnableThumbnail":"false","overwritePDFOutline":"false","direction":"1","pageSize":"0","source":"https:\/\/hirschinitiative.de\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Magazin-Thamus-5786.pdf","wpOptions":"true"}; if(window.DFLIP && window.DFLIP.parseBooks){window.DFLIP.parseBooks();}</script>


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		<title>Willkommen zur 9. Ausgabe des 5. Jahrgangs der Monatszeitschrift</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/willkommen-zur-9-ausgabe-des-5-jahrgangs-der-monatszeitschrift/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 11:01:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Willkommen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>für den Monat Siwan 5786 Allen unseren jüdischen Lesern, Förderern und Freunden wünschen wir חג שבועות שמח &#160; Allen unseren nichtjüdischen Lesern, Förderern und Freunden wünschen wir ein frohes Pfingstfest Im Monatsblatt hält Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l den sich vom orthodoxen Judentum Abgewandten den Spiegel vor Augen. Sinngemäß schreibt er: Sie sind nicht einmal [&#8230;]</p>
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<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="https://hirschinitiative.de/wp-content/uploads/2022/08/image.png" alt="Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist image.png"/></figure>



<p class="has-text-align-center has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>für den Monat Siwan 5786</strong></p>



<p class="has-text-align-center has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>Allen unseren jüdischen Lesern, Förderern und Freunden wünschen wir</strong></p>



<p class="has-text-align-center has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>חג שבועות שמח</strong> &nbsp;<strong></strong></p>



<p class="has-text-align-center has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>Allen unseren nichtjüdischen Lesern, Förderern und Freunden wünschen wir</strong></p>



<p class="has-text-align-center has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>ein frohes Pfingstfest</strong><strong></strong></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Im Monatsblatt hält Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l den sich vom orthodoxen Judentum Abgewandten den Spiegel vor Augen. Sinngemäß schreibt er: Sie sind nicht einmal in der Lage die 10 Gebote ohne wenn und aber zu akzeptieren. Wenn sie wie selbstverständlich „du sollst nicht töten, oder du sollst nicht stehlen, akzeptieren, kommen sie ins Trudeln, wenn da steht du sollst den Schabbat heiligen und an diesem Tag kein Werk verrichten“.<br><strong>Das Monatsblatt für den Monat Siwan finden Sie <a href="https://hirschinitiative.de/siwan-5786/" data-type="link" data-id="https://hirschinitiative.de/siwan-5786/">hier.</a></strong></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">In dem Monatsblatt von Rabbiner Hirsch s“l kommt er auf den Psalm 50 zu sprechen. Ich habe den Psalm 50 hier mit zwei Übersetzungen und Auszügen aus dem Kommentar von Rabbiner Hirsch s“l abgedruckt. Die eine Übersetzung ist auf Jiddisch.<br><strong>Den Psalm 50 finden Sie <a href="https://hirschinitiative.de/psalm-50/">hier.</a></strong></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Die Kinderecke besteht diesmal aus zwei Teilen. Im ersten Teil sind es agadische Geschichten aus dem Talmud im zweiten eine sehr rührende Geschichte zu Schawuot.<br><strong>Die Kinderecke finden Sie auf <a href="https://hirschinitiative.de/kinderecke-schawuoth/">hier.</a></strong></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Der Morascha-Verlag hat u.a. mit der Unterstützung unseres Vereins „Mischle — Das Buch der Sprüche“ in der Übersetzung und dem Kommentar von Rabbiner Dr. Benedikt Pinchas Wolf s“l neu aufgelegt. Wir stellen hier das Buch sowie Rabbiner Dr. Wolf und seine in Petach Tikva gegründete Gemeinde „Mekor Chaim“ vor.<br><strong>Die Buchbesprechung finden Sie <a href="https://hirschinitiative.de/mischle-das-buch-der-sprueche/">hier.</a></strong></p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Wie immer haben Sie die Möglichkeit das komplette Magazin herunterzuladen<br><strong>Das Magazin für den Monat Siwan finden Sie <a href="https://hirschinitiative.de/magazin-fuer-den-monat-ijar-5786/"></a></strong><a href="https://hirschinitiative.de/magazin-fuer-den-monat-siwan-5786/"><strong>hier</strong>.</a></p>
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		<title>Mischle &#8211; Das Buch der Sprüche</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/mischle-das-buch-der-sprueche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 10:46:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Verlag Morascha]]></category>
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		<title>Kinderecke Schawuoth</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/kinderecke-schawuoth/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 10:36:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderecke]]></category>
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<div data-wp-interactive="core/file" class="wp-block-file"><object data-wp-bind--hidden="!state.hasPdfPreview" hidden class="wp-block-file__embed" data="https://hirschinitiative.de/wp-content/uploads/2026/05/Kinderecke-Schawuoth.pdf" type="application/pdf" style="width:100%;height:600px" aria-label="Einbettung von Kinderecke Schawuoth."></object><a id="wp-block-file--media-2c6dc630-e32a-4577-a698-c113c3780f3f" href="https://hirschinitiative.de/wp-content/uploads/2026/05/Kinderecke-Schawuoth.pdf">Kinderecke Schawuoth</a><a href="https://hirschinitiative.de/wp-content/uploads/2026/05/Kinderecke-Schawuoth.pdf" class="wp-block-file__button wp-element-button" download aria-describedby="wp-block-file--media-2c6dc630-e32a-4577-a698-c113c3780f3f">Herunterladen</a></div>
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		<item>
		<title>Psalm 50</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/psalm-50/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 10:27:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/psalm-50/">Psalm 50</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<div data-wp-interactive="core/file" class="wp-block-file"><object data-wp-bind--hidden="!state.hasPdfPreview" hidden class="wp-block-file__embed" data="https://hirschinitiative.de/wp-content/uploads/2026/05/Psalm-50.pdf" type="application/pdf" style="width:100%;height:600px" aria-label="Einbettung von Psalm 50."></object><a id="wp-block-file--media-1614ffea-2532-4c2e-be37-db70630aa103" href="https://hirschinitiative.de/wp-content/uploads/2026/05/Psalm-50.pdf">Psalm 50</a><a href="https://hirschinitiative.de/wp-content/uploads/2026/05/Psalm-50.pdf" class="wp-block-file__button wp-element-button" download aria-describedby="wp-block-file--media-1614ffea-2532-4c2e-be37-db70630aa103">Herunterladen</a></div>
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		<item>
		<title>Siwan 5786</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/siwan-5786/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 09:25:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Monatsblatt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Für wen hat Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l  im Jahre 1858 diesen grundlegenden Artikel über die tiefe Bedeutung des Schawuot-Festes geschrieben? Den orthodoxen Juden seiner Zeit musste er die heilige Bedeutung dieses Festtages gewiss nicht erst vor Augen führen. Ihnen war Schawuot als das Fest der Thoraübergabe, als „Zman Matan Toratenu“, zutiefst vertraut. Wenn Rabbiner [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[		<div data-elementor-type="wp-post" data-elementor-id="5528" class="elementor elementor-5528">
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<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Für wen hat Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l  im Jahre 1858 diesen grundlegenden Artikel über die tiefe Bedeutung des Schawuot-Festes geschrieben? Den orthodoxen Juden seiner Zeit musste er die heilige Bedeutung dieses Festtages gewiss nicht erst vor Augen führen. Ihnen war Schawuot als das Fest der Thoraübergabe, als „Zman Matan Toratenu“, zutiefst vertraut. Wenn Rabbiner Hirsch s“l dennoch einen ausführlichen Artikel zu diesem Thema verfasste, dann richtete er sich ganz bewusst an eine andere Leserschaft: an die nicht-orthodoxe, liberale und reformierte jüdische Öffentlichkeit seiner Zeit.</p>

<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Liebe Leser, stellen Sie sich einmal für einen Moment meine Fußnoten, Erklärungen und die hinzugefügte Punktierung der hebräischen Wörter und Zitate weg. Nehmen Sie den reinen Text von Rabbiner Hirsch, wie er 1858 erschien. Besitzen Sie wirklich das umfassende Hintergrundwissen, um diesen Artikel – und überhaupt alle anderen Aufsätze des Rabbiners, die ich in dieser Zeitschrift regelmäßig abdrucke – vollständig zu erfassen? Sind Ihnen die Prophetenworte, auf die Hirsch sich bezieht, geläufig? Kennen Sie die Psalmen, auf die er anspielt, zur Genüge? Verfügen Sie über jenes tiefe historische Wissen sowohl der jüdischen als auch der allgemeinen Geschichte, das nötig ist, um seine feinen Anspielungen auf vergangene Epochen und ihre Lehren wirklich zu verstehen?</p>

<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Ich selbst muss ehrlich gestehen: Ich kann es ohne diese Hilfestellungen nicht. Und doch ist es eine bemerkenswerte Tatsache, dass die liberalen und reformierten Juden zur Zeit Hirschs diese Texte ohne jede Schwierigkeit lesen und verstehen konnten. Sie brauchten weder ausführliche Fußnoten noch Punktierungen der hebräischen Begriffe. Ihr jüdisches Wissen, ihre Vertrautheit mit Tanach, Talmud und jüdischer Tradition war noch so lebendig, dass sie die anspruchsvollen Ausführungen des großen Rabbiners mühelos folgen konnten.</p>

<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Genau hier liegt die entscheidende Frage: Wenn die liberalen und reformierten Juden in der Mitte des 19. Jahrhunderts noch über ein derart hohes Maß an jüdischem Wissen und innerer Jüdischkeit verfügten – wie war es dann möglich, dass sie sich dennoch mehr und mehr vom orthodoxen Judentum abwandten?</p>

<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Meine Antwort auf diese Frage lautet klar und deutlich: <strong>Antisemitismus.</strong></p>

<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Es war der Antisemitismus, der viele Juden dazu brachte, die Heiligung des Schabbats aufzugeben. Es war der Antisemitismus, der Orgel und gemischten Chor in die Synagogen einführte. Der Antisemitismus zwang oder verleitete Juden dazu, auf koschere Speisen zu verzichten und sich ihrer traditionellen jüdischen Kleidung zu entledigen. Viele derjenigen, die sich vom orthodoxen Weg abkehrten, taten dies in der aufrichtigen, wenn auch tragischen Überzeugung, durch Anpassung an die nichtjüdische Mehrheitsgesellschaft dem Antisemitismus wirksam begegnen zu können. Sie glaubten: Wenn es keine sichtbaren Unterschiede mehr zwischen Juden und ihren Mitbürgern gäbe, dann würde der Hass schwächer werden, dahinschmelzen und schließlich verschwinden.</p>

<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Die bittere historische Erfahrung hat jedoch das genaue Gegenteil gezeigt. Je mehr sich Juden vom orthodoxen Judentum entfernten und sich der Mehrheitsgesellschaft anpassten, desto stärker wurde in vielen Fällen der Antisemitismus. Denn das eigentliche Ziel des Judenhasses ist nicht die bloße Ablehnung bestimmter Bräuche oder Kleidungsstücke – sein letztes und tiefstes Ziel ist die vollständige Auslöschung des Judentums als solches.</p>

<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Gegen diese verhängnisvolle Entwicklung stellte sich Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l mit seiner ganzen Familie und seiner unermüdlichen Kraft. Sein Schwiegersohn, Rabbiner Salomon Breuer s“l, führte diesen geistigen und geistlichen Kampf wiederum mit seiner Familie entschlossen weiter. Dessen Nachfolger wurde Rabbiner Josef Jona Horovitz s“l, der die Israelitische Religionsgesellschaft (IRG) in Frankfurt bis in die dunkelsten Jahre des Holocausts hinein als mutiger und treuer Hirte leitete.</p>

<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Die Geschichte lehrt uns eine schmerzliche, aber unübersehbare Wahrheit: Je weiter sich Juden von der Orthodoxie entfernen, desto größer wird paradoxerweise der Antisemitismus – weil dieser Hass letztlich nicht auf Äußerlichkeiten, sondern auf der bloßen Existenz des jüdischen Volkes als Träger der Thora zielt.</p>

<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Dieser Artikel von Rabbiner Samson Raphael Hirch s“l wurde in der Zeitschrift Jeschurun, 4. Jahrgang, Heft 9, im Juni 1858 veröffentlicht.</p>

<p class="has-small-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Der Text wurde dem heutigen Sprachgebrauch leicht angepasst und mit Erklärungen versehen von Michael Bleiberg. Das Original finden Sie in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main unter:</p>

<p class="has-text-align-center has-small-font-size wp-block-paragraph"><a href="https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/titleinfo/2932859">https://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/cm/periodical/titleinfo/2932859</a></p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">„Es war im dreißigsten Jahr am fünften des vierten Monats, ich war mitten unter den Vertriebenen am Strome Kebar<a id="_ftnref1" href="#_ftn1"><sup>[1]</sup></a>, da öffneten sich die Himmel und ich sah Erscheinungen Gottes.<a id="_ftnref2" href="#_ftn2"><sup>[2]</sup></a>&#8220; — Das mit diesem Satz eingeleitete Prophetenwort Jecheskels ward uns am Siwan-Fest unserer Gesetzoffenbarung aus dem reichen Schatz des göttlichen Wortes zur Betrachtung gereicht.</p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Dreißig Jahre waren verflossen, seitdem der Hohepriester Chilkijahu<a id="_ftnref3" href="#_ftn3"><sup>[3]</sup></a> bei einer Renovierung des Tempels eine Thora-Rolle im Heiligtum gefunden und sie als einen seltenen Fund dem jungen Fürsten Joschijahu<a id="_ftnref4" href="#_ftn4"><sup>[4]</sup></a> zugesandt hatte; dreißig Jahre, seitdem dessen Herz so von dem Inhalt dieses Buches ergriffen worden, dass es ihn zum heilbringenden Regenerator begeisterte.</p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">In welch eine Zeit versetzt uns diese Notiz am Geburtsfeste unserer Thora! Diese Thora, deren dreitausend-einhundert-neunundsechzigsten Geburtstag wir in diesem Monate begingen<a id="_ftnref5" href="#_ftn5"><sup>[5]</sup></a>, die uns noch heute nach so vielen tausend Jahren mit immer frischer Begeisterung zusammenruft und welcher unsere Herzen, mit immer neuer Weihe und Hingebung entgegenschlagen, diese Thora hat schon Zeiten erlebt, in welchen  unseres Volkes ihr bereits, durch die Politik ihrer Führer und die Sophistik ihrer „Geistlichen&#8220; verführt, den Rücken gewandt und dadurch der ganzen glorreichen Sendung ihrer welthistorischen Bestimmung verlustig gegangen waren, und sie auch bei dem übrigen unter der siebenundfünfzigjährigen Regierungszeit eines gottvergessenen und leider nur zu spät in sich gegangenen Fürsten und seines Sohnes — wenigstens im Kreis der leitenden Hofluft<a id="_ftnref6" href="#_ftn6"><sup>[6]</sup></a> — fast in Vergessenheit geraten war.</p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Fünfundfünfzig Jahre hatte Menascheh<a id="_ftnref7" href="#_ftn7"><sup>[7]</sup></a> mit dem ganzen Fanatismus eines in der Richtung des Baal-Kultus reformatorischen Systems rücksichtslos in Jerusalem und dem Gottesheiligtum gehaust. Die dem individuellen Egoismus schmeichelnde Bamoth-Zersplitterung<a id="_ftnref8" href="#_ftn8"><sup>[8]</sup></a> hatte er wieder hergestellt und auf deren Grund den ganzen Wust eines die himmlischen Naturkräfte verehrenden Kultus in seiner ganzen entsittlichenden Konsequenz bis in das Allerheiligste des einen Einzigen eingeführt. Es war ihm „Prinzip&#8220;, das Volk des einen Einzigen und seines geoffenbarten Gesetzes zum Niveau der emoritischen Völker rückschreitend zu reformieren und in diesem Reformbestreben die geschicktesten Könige des schon auf diesem Wege zu Grabe gegangenen „israelitischen&#8220; Reiches also zu überflügeln, dass auch über das „jüdische&#8220; Reich das bereits an dem „israelitischen&#8220; vollzogene Verhängnis unwiderruflich ausgesprochen worden.</p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">War es ein Wunder, dass sein Sohn Amon, den er schon früh der Feuer-Weihe des Götzentums übergab, der Erziehung seiner Jugend treu blieb selbst als sein Vater im Alter seinen Sinn zum Besseren wandte? Und als nun, wahrlich wundergleich, von diesem Amon dem Menascheh im Joschijahu ein Enkel geboren war, der unter allen seinen Vorgängern keinen seines Gleichen gehabt, der also mit ganzem Herzen und ganzer Seele und allem Vermögen zu Gott und seinem heiligen Gesetz zurückgekehrt, — war&#8217;s ein Wunder, dass diesem Joschijahu zu seiner Jugend das Buch der Thora völlig fremd geblieben, dass es an ein Wunder grenzte, wenn in dem von Menaschehs und Amons Unwesen entweihten Heiligtum sich noch ein Exemplar des alten, heiligen Gottesgesetzes vorgefunden und dass erst aus dem Inhalte dieses Fundes dem Joschijahu die ganze Wucht des Abfalls klar geworden, in welchen Vater und Großvater ihr Volk hineingerissen?</p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Und nun siehe die göttliche Kraft dieses göttlichen Gesetzes! Den <strong>Staat</strong> konnte es nicht mehr retten. Der erlag dem von Gott verhängten und verheißenen Geschick. Aber die Rettung des <strong>Volkes</strong> vermochte es zu vollbringen. Im vollen Bewusstsein, dass gleichwohl der Staat in Trümmer gehen werde, sammelte Joschijahu das ganze Volk, Priester und Propheten, das ganze Volk von Klein bis Groß um das Buch dieses Gesetzes. Mitten unter seinem Volk stand er hoch auf einer Säule und errichtete vor Gott das Bündnis, Ihm nachzufolgen und seine Gebote, seine Zeugnisse und seine Gesetze mit ganzem Herzen und ganzer Seele zu erfüllen und die Bundesbestimmungen alle aufrecht zu halten, die in diesem Buche verzeichnet waren. Und das ganze Volk trat ein in den Bund. Der Ernst aber, mit welchem Joschijahu in den letzten Jahren des jüdischen Staates das Volk wieder um die Thora versammelte und den Bund mit dem jüdischen Gesetz erneuerte, der Ernst, mit welchem er diese Bundeserneuerung in ihren letzten Konsequenzen verfolgte, dieser Ernst hatte in dem jüdischen Volk wieder seine Lebensseele wach gerufen, hatte es bewirkt, dass nun als Juda — wie es Jirmijahu bezeichnet — hinabstürzte, es von dem geistigen Erbgut, das Gott ihm gegeben, mit in diesem Hinabsturz in sich hinausrettete<strong>, וְשָׁמַטְתָּ֗ה וּבְךָ֙ מִנַּחֲלָֽתְךָ֙ אֲשֶׁ֣ר נָתַ֣תִּי לָ֔ךְ<a id="_ftnref9" href="#_ftn9"><sup><strong><sup>[9]</sup></strong></sup></a> , </strong>und als es ins Galuth ging<strong>, </strong>die Thora mit in die Verbannung wanderte. Wer weiß, ob nicht ohne diese Wiedererweckung durch Joschijahu Juda völlig das Geschick Israels geteilt hätte, und, ohne das geistige Band und den geistigen Odem des Gesetzes vom heimatlichen Boden vertrieben, gänzlich in der Fremde in die Masse der übrigen Völker verloren gegangen wäre. Wer weiß, ob wir es nicht eben diesem regeneratorischen Ernst des Joschijahu verdanken, dass wir noch heute nach mehr als dreiundzwanzig hundert (2.300) Jahren, umflutet von allen Strömungen eines europäischen Lebens mit vollster Begeisterung das Geburtsfest unserer Thora feiern und mit sinaitischem Ernst dem göttlichen Gesetz, als unserem einzigen geistigen Halt und Führer, unser ,,Naaßeh Wenischma<a id="_ftnref10" href="#_ftn10"><sup>[10]</sup></a>&#8220; zuwenden!</p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Dieser regeneratorische Ernst des Joschijahu hatte es möglich gemacht, dass, als dreißig Jahre später bereits der bedeutendste Teil des jüdischen Volkes, auch seine „Bildner und Regler&#8220; mit dem König Zechanjah (Zedekia<a id="_ftnref11" href="#_ftn11"><sup>[11]</sup></a>) in die babylonische Gefangenschaft gewandert war, der Prophet auf fremdländischem Boden, an fremdländischem Strome mitten unter der Golah sich befand, sich <strong>dort</strong> ihm die Himmel öffneten und auch <strong>dort</strong> die Gotteshand auf ihn kam! War ja die Thora mitgewandert, und wo das Gottesgesetz weilt, da ist die Gottesherrlichkeit nicht fern. Wohl war in dieser außerjüdischen Welt eben diesem Gottesgesetz kein Heiligtum erbaut und ebendarum hatte die Gottesherrlichkeit dort keine Stätte im irdischen Kreis der Menschen<strong> — וְעָ֥שׂוּ לִ֖י מִקְדָּ֑שׁ וְשָׁכַנְתִּ֖י בְּתוֹכָֽם<a id="_ftnref12" href="#_ftn12"><sup><strong><sup>[12]</sup></strong></sup></a> — </strong>allein dennoch sah er und siehe! wie aus Mitternachtsturm und Wolke, Feuer und Glanz, psychisch-physisch-geistiges Leben sich entfaltet, wie alles Lebendige auf allen Stufen der Entwicklung sich vereinigt um Träger des Thrones der göttlichen Herrlichkeit zu sein, wie da jegliches — im Dienste Gottes — in gerader Richtung zu dem Ziel wandelt, wohin der Geist es weist und nimmer abweicht in seinem Wandel — — „und da mich der Geist emporhob, hörte ich mir nach in lautem Sturme den Ruf: Die Herrlichkeit Gottes ist gesegnet, wo sie ihre Stätte nimmt!&#8220;<a id="_ftnref13" href="#_ftn13"><sup>[13]</sup></a></p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Wollen wir es unseren Väter nicht danken, dass sie eben dieses Prophetenwort uns zu unserem Fest der Gesetzoffenbarung gereicht? Ist es ja eben dafür Bürge, dass auch im Exil <strong>כל מקום שגלו שכינה עמהם<a id="_ftnref14" href="#_ftn14"><sup><strong><sup>[14]</sup></strong></sup></a></strong> überall wohin wir auch den wandernden Fuß des Verbannten setzen, Gottes Herrlichkeit uns begleite, überall wo wir in seinem Namen uns versammeln Er in seiner Herrlichkeit uns nahe und überall, wie ja der letzte Nachruf der sinaitischen Offenbarung lautet:</p>

<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>בְּכׇל־הַמָּקוֹם֙ אֲשֶׁ֣ר אַזְכִּ֣יר אֶת־שְׁמִ֔י אָב֥וֹא אֵלֶ֖יךָ וּבֵרַכְתִּֽיךָ</strong><br />Überall wo ich meinen Namen nennen lasse komme Ich zu dir und segne dich!<a id="_ftnref15" href="#_ftn15"><sup>[15]</sup></a></p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Ist es ja eben dieses Bewusstsein, das unser Gesetzgebungsfest nicht zu einem Gedenkfest der Vergangenheit, sondern zu einem Weihefest für jegliche Gegenwart gestaltet, das auch jedem außerpalästinensischen Geschlecht den ewigen Gottesbund und die ewige Gottesnähe zuführt und eben dieses Gesetz für jede Zeit und jedes Geschlecht nicht als die Wurzel, aus welcher einst die „religiöse Bildung der Väter&#8220; erblüht, sondern als den einzigen Boden, auf welchem jedes kommende Geschlecht zu stehen hat und als die einzige Bedingung begreifen lässt, an welche für jedes kommende Geschlecht die Segensnähe der Gottesherrlichkeit geknüpft ist.</p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">O, dass ein Joschijahu unter uns aufstünde, dem der ganze Bruch unserer Zeit zu Herzen ginge, dem der ganze Abfall unseres Geschlechts von dem ewigen Gottesgesetz vor die Augen träte, der das ganze Unwesen in seiner Hohlheit und Verwerflichkeit zu würdigen wüsste, mit welchem eine jerobeamisch menaschehische Rückschrittsreform unsere Heiligtümer entweiht, unser Familienleben entgöttlicht, unser Geistes- und Gemütsleben entheiligt, die Heiligkeit unseres Gesetzes zum Gelächter gemacht und indem sie unserem Volk den göttlichen, einheitlichen, alle, alle in weitester Ferne und in zerstreutester Vereinzelung zusammenhaltenden Mittelpunkt eben in diesem Gottesgesetz entrissen, die alte Bamoth-Wirtschaft kläglichster Zerrissenheit wieder heraufbeschworen<strong>,</strong> in welcher<strong> אִישׁ בּוֹנֶה בָּמָה לְעַצְמוֹ<a id="_ftnref16" href="#_ftn16"><sup><strong><sup>[16]</sup></strong></sup></a></strong> , in welcher jeder sich eine beliebige religiöse Weihe zusammenzimmert und in jeder Stadt, jedem Dorf, jedem Weiler ein gefirmeltes Schulmeisterlein sitzt, das für sich und seine Gemeinde ein modernes Heiligtümchen zurechtschneidet, je wie es den zufälligen Gelüsten und den <em>soi disant<a id="_ftnref17" href="#_ftn17"><sup><strong><sup>[17]</sup></strong></sup></a></em> Ansichten und „Überzeugungen&#8220; zusagt, und die Jugend für dieses <em>Credo<a id="_ftnref18" href="#_ftn18"><sup><strong><sup>[18]</sup></strong></sup></a></em> seiner Mache mit Sinne bestechendem Firlefanz konfirmiert.</p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">O, dass ein solcher es verstünde an dem Fest der Offenbarung unseres Gesetzes, im Anblick des blitzeumleuchteten, dampfenden Sinai-Gipfels, unter dem Zürnen der dahinrollenden Horeb-Donner das Volk wieder hinanzuführen zu Gott und <strong>seinem</strong> Gesetz und den alten Bund zu erneuern, Ihm, Ihm, Ihm, dem einzigen <strong>Ihm</strong> nachzuwandeln und seine Gebote, seine Zeugnisse und seine Gesetze mit ganzem Herzen und ganzer Seele zu hüten und die Bundes-Worte alle aufrecht zu halten, die in dem Gesetz verzeichnet sind, dessen Offenbarung Israel eben feiert.</p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Wir haben keine Chulda<a id="_ftnref19" href="#_ftn19"><sup>[19]</sup></a> und keinen Jeremias mehr, bei denen wir uns Rat einholen könnten über die nächste Zukunft, die unser wartet, nach dem Abfall, der in so erschreckenden Dimensionen sich in jüdischen Kreisen vollzogen.</p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Das aber wissen wir, das bezeugt uns unsere ganze mehr als dreitausendjährige Vergangenheit, das ruft uns mahnend jedes Blatt dieses unseres geoffenbarten Gesetzes zu: Wie auch die Zeiten sich gestalten mögen, kein Heil für uns, wenn nicht in voller, aufrichtiger unverklausulierter Rückkehr zu diesem ganzen Gesetz!</p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Vergebens rühmt sich unsere Zeit schönerer, zierlicherer Tempel, vergebens harmonischer gefügter, musikalischer Choräle, vergebens stilgewandterer, formgerechterer Predigten — von allem dem weiß das Gesetz, dessen Offenbarung wir feiern, nichts, nichts von einer mit ein Paar Minuten andächtiger Tempelrührung erfüllten Rechnungsabfindung mit Gott. Seine Erfüllung fordert es, Erfüllung seiner Gebote, Zeugnisse und Gesetze, Erfüllung derselben mit ganzem Herzen, ganzer Seele und allem Vermögen. Und so wir dieser Erfüllung nicht unsere Häuser, unsere Ehen, unsere Familien, unsere Kinder, unser Geschäft, unsere Mahlzeiten, unser Freud und Leid, unser ganzes Dasein in- und außerhalb der Tempeln hingeben; so unsere Tempel und unser Gottesdienst nicht bloß Vorbereitung, Rüst und Weihe sein sollen für den Dienst Gottes in einem gesetzestreuen Leben außerhalb des Tempels; so wir im Tempel nicht den Bund mit dem Gesetz erneuern, sondern der Tempelbesuch Stellvertreter der Gesetzerfüllung sein, und uns von unseren Tempelministranten den Tempelgottesdienst nicht als Mittel und Vorbereitung für den eigentlichen Bundesgottesdienst des Lebens, sondern als das All und die Summe, als Inhalt und Blüte unseres ganzen Bundes mit Gott ausschwatzen lassen wollen: ist dies dann nicht ganz wieder die alte heillose heidnische Überschätzung des Tempels und seines Gottesdienstes, gegen welche schon so manches alte Wort des jüdischen Geistes und der Gottesbotschaft aus dem Munde der Propheten gesprochen wurde?</p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Wenn Aßaf<a id="_ftnref20" href="#_ftn20"><sup>[20]</sup></a> heutigen Tages wieder aufstünde, wenn er am Tag unseres Offenbarungsfestes unsere zur Konfirmation der Jugend festlich geschmückten modernen Tempel beträte, würde seinen Lippen ein anderes als sein<strong> ק&#8217;ל אלקים ה&#8216; דבר<a id="_ftnref21" href="#_ftn21"><sup><strong><sup>[21]</sup></strong></sup></a> , </strong>entströmen?</p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="padding-left: 80px;">Gott, Gott, Gott sprach schon als er die Erde rief<br />Von Sonnen-Aufgang bis zum Niedergang;<br />Auch aus Zion der Schönheit Fülle,<br />Ist schon Gott erschienen.<br />Er wird <strong>wieder</strong> kommen, unser Gott, und wird nicht schweigen, —<br />Zehrend Feuer um ihn her,<br />Rings um ihn stürmend Beben.<br />Wird zum Himmel rufen aus der Höh&#8216;<br />Und zur Erde, sein Volk zu richten:<br /><strong>„Sammelt meine Frommen mir,<br />Die meinen Bund beim Opfer schließen!&#8220;</strong><br />Und die Himmel verkünden dann sein Recht,<br />Denn Gott ist Richter, Sela.</p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Hör&#8216; mein Volk, ich will reden,<br />Israel, ich will zeugen wider dich!<br />Nicht um deine Opfer weis&#8216; ich dich zu rechte,<br />Deine Opfer — sind ja ununterbrochen vor mir!</p>

<ul class="wp-block-list">
<li>— — — —</li>
</ul>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Huldigung</strong> opfere Gott<br />Und löse dem Höchsten dein Gelübde,<br />Dann ruf mich an am Tage der Not,<br />Ich rette dich und du ehrest mich.</p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="padding-left: 80px;">Aber zum Gesetzlosen spricht Gott:<br />Wie ziemt es dir meine Gesetze zu erzählen<br />Und meinen Bund in deinem Mund zu tragen?<br />Du hassest ja die Fessel<br />Und wirfst meine Worte hinter dich!</p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph">Merkt doch dies, ihr Gottvergessenen,<br />Dass ich nicht rettungslos vernichte:</p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="padding-left: 80px;"><strong>Nur wer Huldigung opfert</strong><br />Ehret mich,<br /><strong>Und nur wer darauf seinen Wandel gründet,<br /></strong>Den lasse ich schauen das Gottesheil!</p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">In der Tat dürfte sich schwer begreifen lassen, wie in unseren modernen Tempeln am Tage des Gesetzoffenbarungsfestes auch nur die Zehngebote vorgelesen und auf die Zehngebote die Jugend konfirmiert werden konnte, in diesen Tempeln, in welchen nicht die Unterwerfung des Lebens unter das Gesetz, sondern die Akkommodation<a id="_ftnref22" href="#_ftn22"><sup>[22]</sup></a> des Gesetzes an das Leben als leitendes Prinzip dasteht und selbst die Zehngebote — im jüdischen Kreis keine höhere Geltung als alle übrigen Gesetze beanspruchend — nicht ohne jesuitische Reservatio mentalis<a id="_ftnref23" href="#_ftn23"><sup>[23]</sup></a> als Gottes Gebot gelehrt werden können.</p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Ist nicht das Gebot der Sabbatheiligung eins dieser Zehngebote? Und wie muss nun der jüdische „Geistliche&#8220;, der den Ansichten, den „Überzeugungen&#8220; seiner Gemeinde, aufrichtig gesprochen, den Anforderungen des gesellschaftlichen Lebens Rechnung tragen will, wie muss er dieses Gebot mit jesuitischen Vorbehalten ausstatten, welch künstlichen Manipulationen mit „Wenn&#8220; und „Aber&#8220;, „Freilich&#8220; und „Jedoch&#8220; muss er es unterwerfen, bis er dieses Gebot, das nicht weniger als den Stillstand unseres ganzen arbeitenden und geschäftlichen Lebens von uns für die 24 Sabbatstunden fordert, bis er es zu den paar Stunden Tempelandacht mit obligater Predigt und Choralgesang herunterbringt! Wollt ihr euren Katechumenen und Konfirmanden, euren „andächtigen Zuhörern und Zuhörerinnen&#8220; dieselben jesuitischen Vorbehalte und Klauseln, dieselben das Gottesgesetz zur wächsernen Spielpuppe herabwürdigenden Manipulationen auch bei dem Verbot des Meineids, das vorangeht und dem Gebot der Elternehre, den Verboten des Mordes, des Ehebruchs, des Diebstahls, des falschen Zeugnisses, die ihm folgen, gestatten? Und was wollt ihr tun, wenn sie euch in „heiligster Stunde der Weihe&#8220; lediglich die Kunst abgelernt haben, wie man heiligsten, unzweideutigsten Gottes geboten irgend einen Zwickel andichtet, mit dem man sie, je wie es bequem ist, bei Seite schiebt, wie man sich für heilige Gewissenspflichten das bequemste Ruhekissen mit Rücksicht auf die Anforderungen des Lebens, der Zeit, der Mode, auf wirkliche und eingebildete Lebensbedürfnisse usw. zurechtlegt, wenn sie euch diese Kunst im Stillen abgelernt für Pflichten für die ihr es nicht gemeint, was wollt ihr tun?! Denn, dass Gott, den ihr doch am Schawuotfest als den Geber der Zehngebote preist, dass Gott das Sabbatgebot, und zwar eben in dem Untersagen <strong>jeglichen Werkes</strong>, etwa weniger ernst als die übrigen Gebote gemeint, das könnt ihr doch im Ernst nicht meinen und auch euere Katechumenen im Ernst nicht glauben. Ihr könnt, bei aller Unkunde des heiligen Textes, die ihr bei ihnen großzieht, ihnen ja doch einmal den Einblick in eine übersetzte Bibel nicht hindern. Und mit höchster diesseitiger und jenseitiger Strafe, mit Steinigungstod und Extermination lesen sie in ihrer Bibel die Entweihung des Sabbats bedroht und von allen anderen Todesstrafen finden sie nur zwei im Pentateuch ausgeführt — den Sabbatschänder und Gotteslästerer, — und was hatte der arme Sabbatschänder getan? War er zur Predigt ausgeblieben? Hatte er eine falsche Note im Chor gesungen? Hatte er gegen die „Synagogenordnung&#8220; verstoßen? Nein! Er hatte ein paar Reiser auf dem Feld aufgelesen!! Das steht auch in der Thora, aus deren Göttlichkeit ihr eure Jugend „konfirmiert&#8220; — —</p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Das war wahrlich nicht der Sinn des alten<strong> &#8220; נַעֲשֶׂה וְנִשְׁמַע &#8220; </strong>mit welchem unsere Väter am allerersten Schawuotfest in den Gottesbund zur Thora traten, dass sie oder ihre Söhne und Enkel jeder- zeit<strong> כָּל אֲשֶׁר דָּבָר ה&#8216; , </strong>alles, was Gott geboten, erst vor das Forum ihrer Klugheit und Neigung, ihrer Einsicht und Ansicht laden und die alte ewige Verfassungsurkunde immer einer Revision unterziehen sollten um in Hinblick aus Zeit und Umstände, aus Lage und Verhältnis zu bestimmen was und wie viel noch von den Gesetzen Gottes zur Geltung zu kommen habe oder nicht.</p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Das war nicht der jüdische „Leichtsinn&#8220;, um welchen die Heiden die Juden das<strong> עַמָּא פְּזִיזָא , </strong>das leichtfertige Volk schalten, das den Mund versprechen ließ, ohne dass das Ohr vernommen und geprüft, der aber in den Augen unserer Weisen eben Israel in den Chor der Gott dienenden Genien hob<strong>, </strong>die<strong>, גִּבֹּרֵי כֹחַ עֹשֵׂי דְבָרוֹ לִשְׁמֹעַ בְּקוֹל דְּבָרוֹ<a id="_ftnref24" href="#_ftn24"><sup><strong><sup>[24]</sup></strong></sup></a> , </strong>die „kraftgerüstet sein Wort vollstrecken um seinem Worte gehorsam zu sein,&#8220; die, wie Jesaias sie schaute, mit zwei Flügeln sich das Angesicht, mit zweien die Füße sich verhüllen und mit zweien dahin fliegen, im Dienste Gottes nicht fragen wo sie stehen, nicht fragen wohin es führt, Aug und Fuß verhüllt dahin eilen, wohin Gott sie ruft, die wie Jecheskel sie geschaut „geraden Fußes vor Gott stehen&#8220;, und wohin sein Geist sie weist dorthin wandeln und nimmer abweichen von ihrem Gange — das ist vielmehr die ganze heidnische Weisheit, die das Gottesgebot an den Menschen nicht kennt und nur dem Gott und seinem Orakel in der Menschenbrust lauscht — —</p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Das war endlich nicht der Sinn jener seligen Verheißung, mit welcher Gott uns am Sinai entließ<strong> בְּכׇל־הַמָּקוֹם֙ אֲשֶׁ֣ר אַזְכִּ֣יר אֶת־שְׁמִ֔י אָב֥וֹא אֵלֶ֖יךָ וּבֵרַכְתִּֽיךָ<a id="_ftnref25" href="#_ftn25"><sup><strong><sup>[25]</sup></strong></sup></a>,</strong> es gleichgültig wäre, wie und wo und womit wir uns zu Gott erheben würden, dass — wie das so gerne von den Orakeln unserer modernen heidnischen Weisheit gepredigt wird — dass auf die andächtige Regung allein alles ankomme, alles Übrige nur Form, nur gleichgültige und gleichgeltende Form sei, die der Mensch nach seiner jeweiligen Bildungsstufe und seinem jeweiligen religiösen Bedürfnis sich zu erfinden habe, „Gott komme überall wo wir seinen Namen nennen&#8220; — dass Gott mit dieser letzten Verheißung sein ganzes Gesetz wieder über den Haufen und uns wieder in die Subjektivität unseres eigenen, jeweiligen, heidnischen Beliebens zurückgeworfen<strong> — אֲשֶׁר </strong><strong>תַּזְכִּיר</strong><strong> אֶת שְׁמִי אֵין כָּתוּב כַּאן אֶלָּא בְּכָל מָּקוֹם אֲשֶׁר </strong><strong>אַזְכִּיר</strong><a id="_ftnref26" href="#_ftn26"><strong><sup><strong><sup>[26]</sup></strong></sup></strong></a><strong> , </strong>mahnt schon Rabbi Jochanan im Jeruschalmi Berachoth IV.  „Nicht überall, wo du meinen Namen nennst, heißt es, sondern überall wo ich meinen Namen nenne, wo ich es bin, der ich dich meinen Namen nennen lasse, wo du meinen Namen in meinem Geheiß, nach meinem Willen nennst, wo <strong>nicht das subjektive Belieben, wo der Gehorsam dich leitet —: da komme ich zu dir und segne dich.</strong></p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Und alle unsere Tempel, alle unsere Feier, alle unsere Chöre und Gesänge, alle unsere Feste und gottesdienstlichen Veranstaltungen nützen alle nichts, so wir nicht zu diesem ersten Gehorsam zurückkehren, mit welchem wir einst das Gottesgesetz empfingen.</p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Als es uns ward, da mussten wir uns reinigen und heiligen und unsere Kleider wechseln, mussten erst andere Menschen werden und aus der Subjektivität des Heidentums in die Dahingebung an den Dienst Gottes treten. In unnahbarer Höhe ward uns das Gesetz gezeigt, das uns <strong>gegeben</strong> werden sollte. Es ward das Volk, es wurden vor allem unsere Priester, die am nächsten zu Gott hintraten, gewarnt, die Grenze nicht zu überschreiten, ihrer Stellung bewusst zu bleiben, die ihnen Gott und seinem heiligen Gesetz gegenüber angewiesen ist<strong> &#8222;! יִתְקַדְּשׁוּ <a id="_ftnref27" href="#_ftn27"><sup><strong><sup>[27]</sup></strong></sup></a>&#8220; </strong>heißt diese Stellung. An die eigene Heiligung, an die eigene Vervollkommnung durch das Gesetz und zur Höhe des Gesetzes hin sind sie gewiesen, nicht aber dem Gesetz eine Weihe, eine Vollendung, eine fortschreitende Verbesserung zu bringen. Die Priester wie das Volk standen zurück als Gott das Gesetz <strong>gab</strong>. Priester wie Volk <strong>empfingen</strong> das Gesetz. Es war keine Religion ihrer Mache und wird nimmer eine solche werden<a id="_ftnref28" href="#_ftn28">[28]</a>.</p>

<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph" style="text-align: justify;">Und schritte der Abfall vom göttlichen Gesetz auch noch weiter im jüdischen Kreis, erstünde auch ein Menascheh wieder in unseren Zeiten, der mit prinzipiellem Fanatismus dem göttlichen Gesetze den Untergang in Israel geschworen, würde die Zerfahrenheit auch noch größer, dass jedes Haus sich eine Beneige amah<a id="_ftnref29" href="#_ftn29">[29]</a> des Abfalls erbaute, unsere Tempel Altäre des Baal empfingen und unsere Jugend dem heidnischen Feuer der Sinnlichkeit und des Wahns verfiele: so lange es nicht gelingt die Bücher des göttlichen Gesetzes bis auf das letzte Exemplar zu vernichten, so lange ist die Sache dieses ewigen Gesetzes gerettet. Ein Buch bleibt übrig und das findet seinen Joschijahu. Der liest es und liest den ganzen Ernst und die ganze göttliche Wahrheit, die die Baalskünste unserer Pfaffen unserem Geschlecht entzogen, unserem Geschlecht entstellt, und es geht ihm zu Herzen und er steht auf für Gott und sein heiliges Gesetz in Israel und es sammelt sich das ganze Volk um ihn und tritt wieder neu ein in den Bund des Gesetzes. Keine dreißig Jahre vergehen — das äußere Geschick geht an den bitteren Früchten des Abfalls zu Grunde — aber das Gottesgesetz und Israel für das Gottesgesetz ist gerettet — und es öffnen sich die Himmel und mitten in der Zerstreuung ist Gott uns nahe — und welche Stürme auch kommen, mitten durch die Stürme der Zeiten trägt uns der Geist, tönt uns der Ruf:</p>

<p class="has-text-align-center has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>בָּרוּךְ כְּבוֹד ה׳ מִמְּקוֹמוֹ !<a id="_ftnref30" href="#_ftn30"><sup><strong><sup>[30]</sup></strong></sup></a></strong></p>
<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity" />
<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn1" href="#_ftnref1">[1]</a> KI: Der Kebar (auch Chebar) ist ein in der Bibel (Jecheskel 1:1) erwähnter „Strom“ oder Kanal im antiken Babylonien (Land der Chaldäer), an dem jüdische Exilanten lebten.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn2" href="#_ftnref2">[2]</a> Jecheskel 1:1</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn3" href="#_ftnref3">[3]</a> KI: Chilkijahu (auch Hilkija, hebräisch <em>Ḥilqiyyāhû</em>) war Hohepriester im antiken Juda im Tempel von Jerusalem unter der Herrschaft von König Josia (ca. 640–609 v. Chr.). Chilkijahu wird besonders bekannt durch den Fund des „Buches der Tora“ (Gesetzbuch) im Tempel, was eine zentrale Rolle bei den religiösen Reformen des Königs Josia spielte. Er wirkte in der Zeit der letzten sieben Könige Judas, insbesondere im 13. Regierungsjahr des Josia (ca. 627 v. Chr. wird als Beginn der prophetischen Wirksamkeit in diesem Kontext genannt).</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn4" href="#_ftnref4">[4]</a> Wikipedia: Joschija oder Josia (auch Josias; hebräisch <strong>יֹאשִׁיָּהוּ</strong> Jôšijjā́hû; * um 647; † 609 v. Chr.) war von 640 bis 609 v. Chr. König des Reiches Juda (Südreich) aus der Dynastie der Davididen in der Königszeit Israels. Er war einer der prägendsten Gestalten in der Religionsgeschichte Israels.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn5" href="#_ftnref5">[5]</a> Das war im Jahr 1858, heute wäre es der 3337. Geburtstag. Nach Isaac Breuer war der erste Schawuoth 1320 Jahre vor der Zeitrechnung. (Kampf um Gott; Seite 148)</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn6" href="#_ftnref6">[6]</a> KI: Die Redewendung „Hofluft schnuppern“ oder sich im „Kreis der Hofluft“ bewegen, bezieht sich metaphorisch auf die Nähe zu Machtzentren, elitären Kreisen oder einflussreichen Personen. Es beschreibt das Bestreben, Teil einer privilegierten Gesellschaft zu sein oder zumindest deren Atmosphäre zu erleben, oft verbunden mit dem Wunsch nach sozialem Aufstieg, Prestige oder Einflussnahme.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn7" href="#_ftnref7">[7]</a> Wikipedia: König Manasse (hebräisch <strong>מְנַשֶּׁה</strong> Menashe; * um 708 v. Chr.; † um 642 oder 641 v. Chr., regierte zwischen 696/95 und 642/41 v. Chr. das Südreich Juda.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn8" href="#_ftnref8">[8]</a> Das opfern auf und in persönlich individuell eingerichteten Opferstätten – nicht Teilnahme an den Opferungen zu  den Wallfahrtsfeiertagen usw.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn9" href="#_ftnref9">[9]</a> Jecheskel 17:4; Du wirst durch dein eigenes Handeln das Erbe verlieren, das ich dir gegeben habe;</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn10" href="#_ftnref10">[10]</a> „Wir werden tun und hören“; Exodus 24:7</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn11" href="#_ftnref11">[11]</a> Wikipedia: Zedekia oder Zidkija (hebräisch <strong>צִדְקִיָּהוּ</strong> ṣidqîjāhû, deutsch Gott ist (meine) Gerechtigkeit‘; * 618; † nach 586 v. Chr.) war der letzte König des Reiches Juda (Südreich) in der Königszeit Israels. Er hieß als dritter Sohn Josias ursprünglich Mataniah. Der babylonische König Nebukadnezar II. änderte Mataniahs Namen nach der Inthronisierung in Zedekia.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn12" href="#_ftnref12">[12]</a> Exodus 25:8; „Sie sollen mir ein Heiligtum schaffen, so werde ich unter ihnen wohnen.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn13" href="#_ftnref13">[13]</a> Jecheskel 3:12</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn14" href="#_ftnref14">[14]</a> Megilla 29a: <strong>שֶׁבְּכָל מָקוֹם שֶׁגָּלוּ — שְׁכִינָה עִמָּהֶן</strong> „denn wohin sie auch verbannt wurden, war die Göttlichkeit immer bei ihnen.“ (Übersetzung L. Goldschmidt)</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn15" href="#_ftnref15">[15]</a> Exodus 20:21</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn16" href="#_ftnref16">[16]</a> Jeder baut sich seine „Bama“ selbst</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn17" href="#_ftnref17">[17]</a> angeblich</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn18" href="#_ftnref18">[18]</a> Glaubenssatz, Bekenntnis, Grundsatz, Prinzip, Überzeugung</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn19" href="#_ftnref19">[19]</a> Wikipedia: Nach 2 Kön 22,8–20 EU und 2 Chr 34,22–28 EU war Hulda die Frau Schallums. Sie lebte in Jerusalem während der Herrschaft des Königs Joschija von Juda und war eine Prophetin. Als man Joschija aus dem „Buch des Gesetzes“, das von dem Hohenpriester Hilkija während der Ausbesserungsarbeiten am Tempel gefunden worden war, vorlas, entsandte er eine Abordnung, um Gott zu befragen. Die Delegation wandte sich an Hulda, die daraufhin in prophetischer Rede ein zweiteiliges Wort Gottes ausrichtete. Zunächst wurde in einer Unheilsprophezeiung angekündigt, dass wegen ihres Ungehorsams all das im „Buch“ beschriebene Unglück über die abtrünnige Nation kommen werde. Im zweiten Teil übermittelte Hulda die persönliche Heilszusage an Joschija, wonach er das Unglück nicht mit ansehen müsse, da er sich vor Gott gedemütigt habe. Er werde sich mit seinen Vorvätern vereinen und in Frieden begraben werden.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn20" href="#_ftnref20">[20]</a> Asaf, auch Asaph, ist in der Bibel ein Gesangsmeister Davids und der Ahnherr einer nachexilischen Sängergilde.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn21" href="#_ftnref21">[21]</a> Psalm 50</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn22" href="#_ftnref22">[22]</a> Anpassung</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn23" href="#_ftnref23">[23]</a> KI: Reservatio mentalis (lateinisch für „geistiger Vorbehalt“) bezeichnet einen geheimen Vorbehalt, bei dem eine Person eine Willenserklärung abgibt, aber innerlich eine abweichende Absicht verfolgt, ohne dies dem Empfänger mitzuteilen.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn24" href="#_ftnref24">[24]</a> Psalm 103:20</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn25" href="#_ftnref25">[25]</a> Exodus 20:21; „an jedem Orte, wo ich meines Namens gedacht wissen will, werde ich zu dir kommen und dich segnen.“ (Übersetzung Rabbiner S.R. Hirsch)</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn26" href="#_ftnref26">[26]</a> Jeruschalmi Berachot 4:4; Es heißt nicht „wo du es erwähnen wirst“, sondern „an jedem Ort, wo ich meinen Namen erwähnen lassen werde“.</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn27" href="#_ftnref27">[27]</a> Macht euch heilig!</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn28" href="#_ftnref28">[28]</a> Siehe Leitmotiv unserer Broschüre: Das Judentum ist keine Religion (Umschlagseite)</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn29" href="#_ftnref29">[29]</a> jedes Haus würde sich eine eigene (heidnische) Kultstätte / Opferhöhe des Abfalls errichten</p>

<p class="wp-block-paragraph"><a id="_ftn30" href="#_ftnref30">[30]</a> Gepriesen sei die Herrlichkeit des Herrn von seinem Ort aus.</p>
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		<title>Magazin für den Monat Siwan 5786</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/magazin-fuer-den-monat-siwan-5786/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2026 08:56:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Magazin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Beitrag <a href="https://hirschinitiative.de/magazin-fuer-den-monat-siwan-5786/">Magazin für den Monat Siwan 5786</a> erschien zuerst auf <a href="https://hirschinitiative.de">Hirschinitiative e.V.</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<div class="_df_book df-lite" id="df_5525"  _slug="magazin-siwan-5786" data-title="magazin-siwan-5786" wpoptions="true" thumbtype="" ></div><script class="df-shortcode-script" nowprocket type="application/javascript">window.option_df_5525 = {"outline":[],"autoEnableOutline":"false","autoEnableThumbnail":"false","overwritePDFOutline":"false","direction":"1","pageSize":"0","source":"https:\/\/hirschinitiative.de\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Magazin-Siwan-5786.pdf","wpOptions":"true"}; if(window.DFLIP && window.DFLIP.parseBooks){window.DFLIP.parseBooks();}</script>



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		<title>Willkommen zur 8. Ausgabe des 5. Jahrgangs der Monatszeitschrift</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/willkommen-zur-8-ausgabe-des-5-jahrgangs-der-monatszeitschrift/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Apr 2026 17:35:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Willkommen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>für den Monat Ijar 5786 Die Zeit zwischen Pessach und Schawuoth ist die sogenannte Omerzeit. Sie bezeichnet den Zeitraum der beginnenden Gerstenernte (neues Korn) und der endenden Weizenernte (altes Korn). 49 Tage wurde täglich ein Omer (eine Garbe) des neues Kornes als Opfer zum Tempel gebracht. Da in dieser Zeit viel Leid und Elend über [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-image"><img decoding="async" src="https://hirschinitiative.de/wp-content/uploads/2022/08/image.png" alt="Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist image.png"/></figure>



<p class="has-text-align-center has-large-font-size wp-block-paragraph"><strong>für den Monat Ijar 5786</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Zeit zwischen Pessach und Schawuoth ist die sogenannte Omerzeit. Sie bezeichnet den Zeitraum der beginnenden Gerstenernte (neues Korn) und der endenden Weizenernte (altes Korn). 49 Tage wurde täglich ein Omer (eine Garbe) des neues Kornes als Opfer zum Tempel gebracht. Da in dieser Zeit viel Leid und Elend über die jüdischen Gemeinden weltweit sich verbreiteten, ist diese Zeit auch eine Trauerzeit für uns Juden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Monatsblatt von Rabbiner Samson Raphael Hirsch s“l beschäftigt sich mit der Wanderung der Juden von dem Sklavenhaus in Ägypten zum Berg Sinai während genau dieser Omerzeit. Es galt in dieser Zeit ein Volk von Priestern und Heiligen zu werden. An dieser Aufgabe sind wir Juden bis zum heutigen Tag gescheitert, daher, so Hirsch, beginnt immer wieder unsere Wanderung von neuem im Sklavenhaus. &nbsp;<br><strong>Das Monatsblatt für den Monat Ijar finden Sie <a href="https://hirschinitiative.de/ijar-57876/">hier.</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">In dem Monatsblatt von Rabbiner Hirsch s“l nimmt der Psalm 90 einen breiten Raum ein. Ich habe den Psalm 90 hier mit zwei Übersetzungen und einem Auszug aus dem Kommentar von Rabbiner Hirsch s“l zu diesem Psalm abgedruckt.<br><strong>Den Psalm 90 finden Sie <a href="https://hirschinitiative.de/psalm-90/">hier.</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereits mehrfach veröffentlicht: Eine Rückschau auf das Pessachfest in Form einer Glosse, also eines Märchens, nicht ernst zu nehmen.<br><strong>Die „Nachbetrachtung zum Pessachfest“ finden Sie <a href="https://hirschinitiative.de/nachbetrachtung-zum-pessachfest-3/">hier.</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kinderecke nimmt uns mit in den Palast von König Salomon. Er lädt die Königin von Saba zu sich ein. Das alles ist im Buch „Targum Sheni“, ein Midrasch zum Buch Ester nachzulesen.<br><strong>Die Kinderecke mit der Geschichte vom „König Salomo und Königin Saba“ finden Sie <a href="https://hirschinitiative.de/kinderecke-ijar-5786/" data-type="link" data-id="https://hirschinitiative.de/kinderecke-ijar-5786/">hier.</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie immer haben Sie die Möglichkeit das komplette Magazin herunterzuladen<br><strong>Das Magazin für den Monat Ijar finden Sie <a href="https://hirschinitiative.de/magazin-fuer-den-monat-ijar-5786/">hier.</a></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Psalm 90</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/psalm-90/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Apr 2026 17:29:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich habe hier den Psalm 90, auf den sich Rabbiner Hirsch s“l im vorherigen Artikel bezieht, wiedergegeben. Einmal in der Übersetzung von Rabbiner Hirsch und einmal in der Übersetzung von Raw Joseph Scheuer (Siddur Schma Kolenu). Zwischen den Übersetzungen liegen mehr als 100 Jahre. Aber beide Übersetzer wussten die richtigen Worte zu finden, um die [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Ich habe hier den Psalm 90, auf den sich Rabbiner Hirsch s“l im vorherigen Artikel bezieht, wiedergegeben. Einmal in der Übersetzung von Rabbiner Hirsch und <em>einmal in der Übersetzung von Raw Joseph Scheuer (Siddur Schma Kolenu). </em>Zwischen den Übersetzungen liegen mehr als 100 Jahre. Aber beide Übersetzer wussten die richtigen Worte zu finden, um die Leser in ihrer Zeit zu fesseln. Die Sprache mag sich ändern, die Inhalte nicht. Wenn man noch berücksichtigt, dass der Verfasser des Originals vor mehr als 3000 Jahren lebte, berühren mich diese hier vorgetragenen Gedanken zutiefst. Es sei dahingestellt, ob Moses selbst diesen Psalm geschrieben, ob König David, Moses diese Worte in den Mund gelegt hat, oder wer auch immer meinte im Namen Moses aufzutreten, — diese Worte zeugen von einer so tiefen Wahrheit, dass es ein durch und durch gottesfürchtiger Mann gewesen sein muss, mit einer großen Lebenserfahrung, der diese Worte einst niederschrieb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Psalm habe ich noch einen kurzen Auszug aus dem Kommentar zu diesem Psalm von Rabbiner Hirsch s“l wiedergegeben, in dem er wiederum auf einen Kommentar zu Deuteronomium 30:2 hinweist.</p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>תְּפִלָּה֮ לְמֹשֶׁ֢ה אִֽישׁ־הָאֱלֹ֫קים אֲֽדֹנָ֗י מָע֣וֹן אַ֭תָּה הָיִ֥יתָ לָּ֗נוּ בְּדֹ֣ר וָדֹֽר׃</strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Gebet von Mosche, dem Mann Gottes.<br>Mein Herr, Träger der verrinnenden Zeitmomente bist Du, Du warst uns in jeglichem Geschlecht.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><em>Ein Gebet von Mosche, dem Gottesmann:<br>Mein Herr, Zuflucht warst du uns in jeder Generation.</em></p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>בְּטֶ֤רֶם ׀ הָ֘רִ֤ים יֻלָּ֗דוּ וַתְּח֣וֹלֵֽל אֶ֣רֶץ וְתֵבֵ֑ל וּֽמֵעוֹלָ֥ם עַד־ע֝וֹלָ֗ם אַתָּ֥ה אֵֽל׃</strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Bevor Berge erzeugt wurden, ließest Du kreisen Erde und Menschenwelt, und von aller Vergangenheit bis in alle Zukunft hin bist Du die alles bewegende Kraft.<strong></strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><em>Noch bevor Berge geboren wurden, Du Erde und Weltall geschaffen hast — warst du und bist du Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.</em><strong></strong></p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>תָּשֵׁ֣ב אֱ֭נוֹשׁ עַד־דַּכָּ֑א וַ֝תֹּ֗אמֶר שׁ֣וּבוּ בְנֵֽי־אָדָֽם׃</strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Entartete Menschheit, lässt Du bis zur Zermalmung zurücksinken, wenn Du sprachst: kehret wieder Menschensöhne!</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><em>Du führst den Sterblichen bis zur Zerknirschung und sprichst: Kehret um, Menschenkinder.</em></p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>כִּ֤י אֶ֪לֶף שָׁנִ֡ים בְּֽעֵינֶ֗יךָ כְּי֣וֹם אֶ֭תְמוֹל כִּ֣י יַעֲבֹ֑ר וְאַשְׁמוּרָ֥ה בַלָּֽיְלָה׃</strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Denn tausend Jahre in Deinen Augen, sind wie ein gestriger Tag, wann er vorübergehen will, ja, sind eine Nachtwache in der Nacht.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><em>Denn tausend Jahre sind in Deinen Augen wie ein gestriger Tag, der vergangen und wie eine Wache in der Nacht.</em><strong></strong></p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>זְ֭רַמְתָּם שֵׁנָ֣ה יִהְי֑וּ בַּ֝בֹּ֗קֶר כֶּחָצִ֥יר יַחֲלֹֽף׃</strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Du lässt sie dahinströmen, ein Schlaf werden sie, aber am Morgen erneut es frisch wie Gras die Kraft,</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><em>Du lässt (die Menschenleben) dahin strömen, als wären sie im Schlaf, am Morgen sprießt es wie Gras.</em></p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>בַּ֭בֹּקֶר יָצִ֣יץ וְחָלָ֑ף לָ֝עֶ֗רֶב יְמוֹלֵ֥ל וְיָבֵֽשׁ׃</strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">am Morgen sprosst und gewinnt frische Kraft, was, dem Abend zugewendet, dieser knickt und es dorrt.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><em>Am Morgen sprießt es, am Abend welkt es und verdorrt.</em></p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>כִּי־כָלִ֥ינוּ בְאַפֶּ֑ךָ וּֽבַחֲמָתְךָ֥ נִבְהָֽלְנוּ׃</strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Denn wir gingen zugrunde durch Deinen Zorn, und durch Deinen Unwillen waren wir in Bestürzung.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><em>Ja, wir vergehen durch deinen Zorn, durch deinen Grimm sind wir erschrocken.</em></p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>שַׁתָּ֣</strong><strong>ה</strong><strong> </strong>&nbsp;<strong>עֲוֺנֹתֵ֣ינוּ לְנֶגְדֶּ֑ךָ עֲ֝לֻמֵ֗נוּ לִמְא֥וֹר פָּנֶֽיךָ׃</strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Du hattest unsere Verkehrtheiten Dir gegenübergestellt, den in uns schlummernden Kern vor die Leuchte Deines Angesichts.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><em>Du stellst unsere Vergehen vor dich hin, unser heimliches Tun vor das Licht Deines Angesichtes.</em></p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>כִּ֣י כׇל־יָ֭מֵינוּ פָּנ֣וּ בְעֶבְרָתֶ֑ךָ כִּלִּ֖ינוּ שָׁנֵ֣ינוּ כְמוֹ־הֶֽגֶה׃</strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Denn alle unsere Tage gingen zur Wende durch Dein Hinausschreiten, wir endigten unsere Jahre wie in einem unausgesprochen Gedanken.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><em>All unsere Tages schwanden in Deinem Grimm, unsere Jahre vergehen wie ein Hauch.</em></p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>יְמֵֽי־שְׁנוֹתֵ֨ינוּ בָהֶ֥ם שִׁבְעִ֪ים שָׁנָ֡ה וְאִ֤ם בִּגְבוּרֹ֨ת ׀ שְׁמ֘וֹנִ֤ים שָׁנָ֗ה וְ֭רׇהְבָּם עָמָ֣ל וָאָ֑וֶן כִּי־גָ֥ז חִ֝֗ישׁ וַנָּעֻֽפָה׃</strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Unter ihnen waren die Tage unserer Jahre siebzig Jahr, und wenn mit Anstrengung achtzig Jahr, ward ihr Stolz Mühseligkeit und Gewalt. Denn die Schnelle schnitt ab, und wir flogen dahin.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><em>Die Tage unserer Lebensjahre sind siebzig, mit Anstrengung achtzig Jahre, auch zur Zeit ihrer Stärke ist es Mühe und Kummer, wie abgeschnitten schnell fliegen wir dahin.</em><strong></strong></p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>מִֽי־י֭וֹדֵעַ עֹ֣ז אַפֶּ֑ךָ וּ֝כְיִרְאָתְךָ֗ עֶבְרָתֶֽךָ׃</strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Wer aber kennt das unwiderstehliche Ziel Deines Zornes und dass Du nur so weit hinausschreitest als Du gefürchtet sein willst!</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><em>Wer kennt die Macht Deines Zornes und weiß, wie Dein Grimm zu fürchten ist?</em></p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>לִמְנ֣וֹת יָ֭מֵינוּ כֵּ֣ן הוֹדַ֑ע וְ֝נָבִ֗א לְבַ֣ב חׇכְמָֽה׃</strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Unsere Tage zu zählen lehre uns so, dann bringen wir dein Herz der Weisheit heim.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><em>Lehre uns, unsere Tage richtig zu zählen, damit wir es zu einem weisen Herzen bringen.</em></p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>שׁוּבָ֣ה ה</strong>&#8218;<strong> </strong>&nbsp;<strong>עַד־מָתָ֑י וְ֝הִנָּחֵ֗ם עַל־עֲבָדֶֽיךָ׃</strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Kehre wieder, Gott! Bis zu welchem Ende denn? Lasse dich zu anderem bestimmen über Deine Diener.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><em>Wende Dich uns zu, Ewiger, viel lange noch; erbarme dich deiner Knechte.</em></p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>שַׂבְּעֵ֣נוּ בַבֹּ֣קֶר חַסְדֶּ֑ךָ וּֽנְרַנְּנָ֥ה וְ֝נִשְׂמְחָ֗ה בְּכׇל־יָמֵֽינוּ׃</strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Sättige uns am Morgen mit Deiner Liebe, so werden wir lauten Frohsinns und freudig sein an allen unseren Tagen.<strong></strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><em>Sättige uns am Morgen mit Deiner Liebe, damit wir jubeln und uns all unsere Tage freuen.</em></p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>שַׂ֭מְּחֵנוּ כִּימ֣וֹת עִנִּיתָ֑נוּ שְׁ֝נ֗וֹת רָאִ֥ינוּ רָעָֽה׃</strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Gib uns Freude wie die Tage, in denen Du uns Leid gegeben, die Jahre, in denen wir Unglück sahen.<strong></strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><em>Erfreue uns gleich den Tagen, da du uns gebeugt, den Jahren da wir Böses sahen.</em></p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>יֵרָאֶ֣ה אֶל־עֲבָדֶ֣יךָ פׇעֳלֶ֑ךָ וַ֝הֲדָרְךָ֗ עַל־בְּנֵיהֶֽם׃</strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Lass Deinen Dienern Dein Wirken sichtbar werden und deine Herrlichkeit über ihren Kindern.<strong></strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><em>Dein Wirken werde Deinen Knechten sichtbar, Deine Herrlichkeit über ihren Kindern.</em></p>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>וִיהִ֤י ׀ נֹ֤עַם אֲדֹנָ֥י אֱלֹקינוּ עָ֫לֵ֥ינוּ וּמַעֲשֵׂ֣ה יָ֭דֵינוּ כּוֹנְנָ֥ה עָלֵ֑ינוּ וּֽמַעֲשֵׂ֥ה יָ֝דֵ֗ינוּ כּוֹנְנֵֽהוּ׃</strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Werde uns, Herr unser Gott, das Beglückende: das Tun unserer Hände gründe auf uns, und das Tun unserer Hände stelle Du fest!<strong></strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Es sei das Beglückende meines Herrn, unseres Gottes, über uns, und das Werk unserer Hände fördere Er uns bei uns, und das Werk unserer Hände festige Er.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Aus dem Kommentar zu V.1. </strong><strong>&nbsp;,תפלה למשה</strong> eine <strong>תפלה</strong>, in welcher Mosche als <strong>איש אלוקים</strong> als von Gott zum Werkzeug für Seine Waltung Erwählter, sich die Bedeutung dieser seiner Sendung für die Geschichte der Menschheit aus einem Hinblick auf die Bedeutung der bis zu seiner Sendung verflossenen Jahrhunderte der Menschenentwicklung zur Erkenntnis bringt…. Mehr als 2000 Jahre lagen aus der Geschichte der Menschheit zurück. Die Welt war geistig und sittlich wieder in <strong>,תהו</strong> ins Chaos zurückgesunken. Mit der Erwählung Abrahams waren nach dem Ausdruck der Weisen die <strong>,שני אלפי תהו</strong> die 2000 Jahre des menschengeschichtlichen Chaos zu Ende und der Anfang der <strong>שני אלפי תורה</strong>, der Anfang der 2000 Jahre der Einbürgerung des Gottesgesetzes zunächst in ein für die geistige und sittliche Auferstehung der Menschheit ausgesandte Volk angebahnt (siehe Pent. Dewarim S. 560). Aber erst mit Mosches Sendung trat dieser Anfang mit deutlicher Sichtbarkeit hervor.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Dewarim S. 560:</strong> Wenn erst alles, was ein Segen und Fluch über die Gestaltung deiner Zukunft Jahrtausende voraus in diesem Buch des Gesetzes völlig ausgesprochen ist, sich an dir erfüllt hat, dann wirst du die Summe dieser tausendjährigen Erfahrungen deiner äußeren Schicksalsgänge zum Nachdenken in dein Inneres zurückbringen, und das Resultat davon wird sein, dass du mit ganzem Herzen und ganzer Seele zu deinem Gott und Seinem Gesetze zurückkehrst und deine Kinder zur gleichen Treue an Gott und Seinem Gesetz gewinnst. Denn die Erfahrung deiner Jahrtausende wird dir endlich „Gott“ und die „Göttlichkeit deines Gesetzes“ für immer besiegelt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter allen Völkern, wohin dich Gott zerstreut, bleibst du trotz aller Wandlungen bis ans Ende der Jahrtausende das „Gottesvolk mit dem Gottesgesetz in den Händen“, und das ermöglicht und bewirkt zusammen mit der Erfüllung deines Geschickes, deine endliche Umkehr und Aufkehr und Rückkehr zu Gott und Seinem Gesetz.</p>
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		<item>
		<title>Kinderecke Ijar 5786</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/kinderecke-ijar-5786/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Apr 2026 17:21:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderecke]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://hirschinitiative.de/?p=5507</guid>

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		<title>Nachbetrachtung zum Pessachfest</title>
		<link>https://hirschinitiative.de/nachbetrachtung-zum-pessachfest-3/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Manuela Hoffmann-Bleiberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Apr 2026 17:12:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vom Auszug aus Ägypten und wie es danach bis heute weiterging Eine Glosse von Michael Bleiberg Wir haben noch den Geschmack von Mazza und Maror im Mund vom letzten Pessachfest. In der Hagada haben wir vom Auszug der, wie Rabbiner Hirsch sie zuweilen nennt, „Ziegelbrennerhorde“[1] aus Ägypten gelesen. Die 10 Plagen, mit denen Gott den [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Vom Auszug aus Ägypten und wie es danach bis heute weiterging</strong></p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Eine Glosse von Michael Bleiberg</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir haben noch den Geschmack von Mazza und Maror im Mund vom letzten Pessachfest. In der Hagada haben wir vom Auszug der, wie Rabbiner Hirsch sie zuweilen nennt, „Ziegelbrennerhorde“<a href="#_ftn1" id="_ftnref1"><sup>[1]</sup></a> aus Ägypten gelesen. Die 10 Plagen, mit denen Gott den Pharao maßregelte, sind uns noch in Erinnerung. So erlaube ich mir, Ihnen die Geschichte vom Auszug aus Ägypten in einer anderen Version vorzustellen und wie es dann bis zum heutigen Tage weiterging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da für Gott 1000 Jahre so wie der gestrige Tag sind<a href="#_ftn2" id="_ftnref2"><sup>[2]</sup></a>, sind für die Juden die etwa 210 bzw. 240 Jahre Sklaverei in Ägypten<a href="#_ftn3" id="_ftnref3"><sup>[3]</sup></a> so gesehen eine relativ kurze Zeitspanne. Jedenfalls erinnerte sich Gott eines Tages an sein Versprechen, das er Abraham gegeben hatte, seine Nachkommen aus der Sklaverei zu erlösen<a href="#_ftn4" id="_ftnref4"><sup>[4]</sup></a>. Also beauftragte er Moses und Aron dementsprechend bei Pharao vorzusprechen und ihn zu bitten: „Let my people go!“ Da dieser nicht einwilligte, verhängte Gott 10 Plagen über ihn und sein Volk.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei fällt dem Bibelkundigen auf, dass die ersten neun Plagen<a href="#_ftn5" id="_ftnref5"><sup>[5]</sup></a> sich grundsätzlich von der zehnten Plage<a href="#_ftn6" id="_ftnref6"><sup>[6]</sup></a> unterscheiden. Allen neun Plagen ist gemein, dass die Juden nichts zu unternehmen brauchten, um von den Plagen verschont zu bleiben. Sie, die Juden, blieben stets passiv. Darüber hinaus erteilt die Heilige Schrift expliziert darüber Auskunft, dass Gott die Plagen 4, 5 und 9 nicht auf das Gebiet Goschen, wo die Juden wohnten, ausgedehnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der 10. Plage, der Tötung der Erstgeborenen, war es jedoch komplett anders. Gott wollte von seinen Juden wissen, ob sie bereit wären, seinen Anordnungen, jetzt und für immer, Folge zu leisten. Deshalb befahl er: Jede Familie nehme sich am 10. Nissan, je nach Anzahl der Familienangehörigen, ein oder mehrere Lämmer. Die Lämmer können entweder von Ziegen oder Schafen sein, müssen einjährig, fehlerlos und männlich sein. Ist die Familie zu klein für ein Lamm, so schließe sie sich mit einer anderen Familie zusammen. Das Lämmchen solle 4 Tage lang bei der Familie bleiben. Gegen Abend des 14. auf den 15. Nissan, soll es geschächtet werden und sein Blut an die Pfosten und den Oberbalken des Eingangsbereiches gestrichen werden. Das Lamm soll sodann in einem Stück gegrillt&nbsp; und bis Mitternacht von den Familienangehörigen gegessen werden. – Wenn dann Gott durch Ägypten zieht, um die Erstgeborenen zu töten, werden die Häuser, die das Blutzeichen am Eingang haben, überschritten (ausgelassen) <a href="#_ftn7" id="_ftnref7"><sup>[7]</sup></a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sofort bildeten sich unter den Juden mindestens 4 Gruppen. Die Orthodoxen, die Konservativen, die Liberalen und die Egalitären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Orthodoxen sagten: „Genauso wie es Gott angeordnet hat, so wollen wir es tun“. Die anderen Gruppierungen bekamen jedoch Zweifel bezüglich dieser Anweisung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Konservativen sagten: „Also im Hinblick auf unsere Kinder, können wir das so nicht genau befolgen. Denn, wenn wir das Lämmchen bei uns zuhause 4 Tage aufbewahren, werden die Kinder es füttern und streicheln. Sie werden mit ihm spielen und es liebgewinnen. Und ich als Vater soll dann am 14. abends mit dem Schächtmesser kommen und dem Lämmchen den „Garaus“ machen? Die Kinder bekommen dann ja einen Schock fürs Leben. Sie werden mich dafür hassen. Was soll ich ihnen sagen, Gott hat das so gewollt? Sie werden auch Gott dafür hassen. Nein, wenn schon ein Lamm, dann besorge ich es frühestens am 14. morgens und nicht schon 4 Tage vorher.&nbsp; Ich werde es verstecken, damit die Kinder es gar nicht erst sehen. Dann, wenn es keiner sieht, werde ich es schächten, die Eingangstür mit dem Blut kennzeichnen, es grillen und wir werden dann alle zusammen zu Abend essen. – ­­Oder besser noch, ich werde zu den Orthodoxen gehen und mir von Ihnen etwas Blut ausbitten. Damit werde ich die Eingangstür bestreichen – wer wird schon den Unterschied mitbekommen. Außerdem soll man sowieso so spät abends nicht mehr so viel essen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Liberalen sagten: „Also, zum einen sind die meisten von uns Vegetarier und wir essen deshalb gar kein Fleisch. Zum anderen verträgt sich diese Vorschrift nicht mit dem Tierschutz! Bevor man ein Tier auf so grausame Art und Weise tötet, sollte es mit einem Bolzenschussgerät betäubt werden. Und dann, mit dem Blut die Eingangstür von <strong>außen</strong> beschmieren, was werden die Nachbarn von uns denken. Also diese Vorschriften sind aus der „Zopfzeit“ und bestimmt nicht mehr auf unsere heutige Zeit zu übertragen!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Egalitären sagten: „Das ist mal wieder typisch…ein <strong>männliches</strong> Lamm soll es sein. Das haben sich die Rabbiner (hier: Moses und Aron) doch nur wieder ausgedacht um die männliche Nuance der jüdischen Religion in den Vordergrund zu spielen. Gott hätte so etwas nie angeordnet. Er hätte gesagt nehmt ein Lamm und fertig. Frauen an den Herd und die Männer an die Thora – diese Zeiten sind schon längst vorbei. Wir machen hier nicht mit!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so kam es, als Gott in dieser Nacht durch Ägypten zog, er auch die Häuser der Konservativen, Liberalen und Egalitären <strong><u>nicht</u></strong> verschonte. Überall hatten auch Sie einen toten Erstgeborenen zu beklagen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am anderen Morgen, als die Ägypter die vielen Leichen überall sahen, erschraken sie sehr, denn sie wussten nicht, haben die Russen oder die Ukrainer das angerichtet?! Sie wussten aber, die Juden waren daran schuld. Und so beschlossen sie, Ägypten judenrein zu machen und warfen die Juden, und zwar alle, die Orthodoxen, die Konservativen, die Liberalen und die Egalitären, obwohl ja einige von ihnen ebenfalls Tote in den eigenen Reihen zu beklagen hatten, mir nichts dir nichts aus Ägypten<a href="#_ftn8" id="_ftnref8"><sup>[8]</sup></a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Juden aber hatten nichts anderes zu tun, als Ägypten zu plündern<a href="#_ftn9" id="_ftnref9"><sup>[9]</sup></a>. Sie steckten sich die Taschen voll mit Gold, Silber und schönen Kleidern und vergaßen dabei, sich auch etwas als Wegzehrung vorzubereiten. Da keine Zeit mehr war, Brot zu backen, mussten Sie mit Mazze vorliebnehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit dieser Zeit, kann man sagen, sind die Juden nun auf Wanderschaft. Zunächst mussten sie 40 Jahre in der Wüste umherwandern, damit aus den Orthodoxen, Konservativen, Liberalen und Egalitären <strong>ein</strong> Gottesvolk heranwachse, das bereit war, das Gotteswort zu beherzigen und zu praktizieren. Und das darüber hinaus bereit war im gelobten Land eines Tages einen Gottesstaat, nicht etwa einen Judenstaat, zu errichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das gelang ihnen dann auch mit der Zeit. Immerhin zu Zeiten König Davids und König Salomons war der Gottesstaat, in dem die Menschen in Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit nach Gottes Wort, d.h. nach den Geboten Gottes miteinander lebten, verwirklicht worden. Von überall her kamen Menschen um im Tempel von Jerusalem dem Alleinen Gott zu opfern und anzuerkennen, dass Gott der König der Welt sei<a href="#_ftn10" id="_ftnref10"><sup>[10]</sup></a>. Und sie bewunderten die Juden und sagten, was für ein weises und kluges Volk doch die Juden sind<a href="#_ftn11" id="_ftnref11"><sup>[11]</sup></a>, wir wollen auch so leben wie sie, in Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wie es so ist, „wenn es dem Esel zu gut geht, geht er aufs Eis tanzen“. Und trotz der Mahnung der vielen Propheten, teilten sich die Juden wieder mindestens in Orthodoxe, Konservative, Liberale und Egalitäre. Das war nun doch Gott zu viel – und er jagte seine Juden aus dem Heiligen Land. Sie bekamen zwar nach 70 Jahren<a href="#_ftn12" id="_ftnref12"><sup>[12]</sup></a>, andere meinen nach 58 Jahren<a href="#_ftn13" id="_ftnref13"><sup>[13]</sup></a>, eine zweite Chance, aber sie wussten sie nicht zu nutzen. So ließ Gott den Tempel<a href="#_ftn14" id="_ftnref14"><sup>[14]</sup></a> und Jerusalem ein zweites Mal zerstören und schickte seine Kinder letztendlich wieder auf Wanderschaft. Die einen gingen nach links, die anderen gingen nach rechts. So verstreute Gott sie über die ganze Erde. Die Konservativen, Liberalen und Egalitären assimilierten sich sehr schnell in den Ländern ihres jeweiligen Aufenthalts. Nur die Orthodoxen blieben als winzige, kleine Minderheit in ihren Beherbergungsländern bestehen, solange sie dort jedenfalls geduldet wurden. Sie hielten fest an dem Gotteswort, das sie in ihren kleinen Gemeinden praktizierten und träumten davon, eines Tages wieder einen Gottesstaat für alle Menschen zu errichten: Sie träumten von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. So vergingen fast zweitausend Jahre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann, plötzlich im Jahre 1789 schwappte der Gedanke dieser kleinen jüdischen Minderheit über und entfachte einen Weltenbrand. Die Französische Revolution schrieb genau das auf ihre Fahnen, was die orthodoxen Juden schon immer als lebens- und erstrebenswert hielten: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit! Jetzt, dachten vor allem die jüngeren Juden, ist es so weit. Jetzt entsteht der langersehnte Gottesstaat. Und sie verließen ihre kleinen Gemeinden um sich dem großen Gedanken von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit für alle Menschen anzuschließen. Und wurden so wieder zu Konservative, Liberale und Egalitäre, denn in der Französischen Revolution spielte Gott keine Rolle. Und einen Gottesstaat ohne Gott zu errichten ist ja wohl schlecht möglich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anstatt sich ihre Verirrung einzugestehen, und in ihre Gemeinden zurückzukehren, assimilierte sich ein großer Teil von Ihnen und die anderen vereinigten sich zu den sogenannte Reformjuden. Wie eine Seuche verbreitete sich das Reformjudentum in Mittel- und Osteuropa. Diese Reformjuden verloren mehr und mehr den Kontakt zu Gott, weil sie sich nicht mehr an das Gotteswort und somit an das Gottesgesetz gebunden fühlten. Und das führte dazu, dass sie sich von den Orthodoxen angewidert fühlten, weil diese noch immer am Gotteswort hingen und immer noch davon träumten, von diesem Gottesreich auf Erden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Je mehr sich die Reformer vor den Orthodoxen angewidert fühlten, umso mehr ekelte sich Gott vor den Reformern. Und er beschloss, diesen Reformern ein Ende zu bereiten und den Orthodoxen gleich mit, weil sie sich nicht entschiedener gegen die Reformer zur Wehr setzten. Die Juden Europas wurden zu Sklaven erklärt und mussten Fronarbeit leisten, genau wie damals in Ägypten. 6 Millionen kamen durch Gottes Fügung um. Doch am Ende hatte Gott, wie immer, ein Nachsehen mit seinen Kindern. Und er schaffte Ihnen die Möglichkeit wieder einen Gottesstaat auf heiligem Boden zu gründen. – Doch am Ende kam dabei doch kein Gottessaat zustande, sondern nur ein Judenstaat – ein Staat halt, so wie all die anderen Staaten auch – ohne Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit im jüdisch-göttlichen Sinne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">p.s.: Ich habe eine Gruppierung vergessen zu erwähnen, die sich innerhalb der Gruppe der Orthodoxen schon vor sehr langer Zeit gebildet hat: Die Schein-Orthodoxen. Diese Gruppe kleidet sich wie die Orthodoxen, lebt wie die Orthodoxen, spricht wie die Orthodoxen. Sie sind oft erst nach reichlicher Prüfung als Scheinorthodoxe zu erkennen. Sie lügen und betrügen sich und andere. Sie sind der Meinung, vor allem die Nichtjuden belügen und betrügen zu dürfen, da sie denken, das Gotteswort hätte nur Weisung innerhalb der jüdischen Gemeinschaft. Eigens für diese Schwindler wurde in der Schmone Esre (18-Gebet) nach Anweisung von Rabban Gamliel in Jawne eine zusätzliche Beracha eingeführt, sodass die Schmone Esre jetzt 19 Verse hat. Diese Beracha beginnt mit <strong>וְלַמַּלְשִׁינִים אַל תְּהִי תִקְוָה</strong><strong> – </strong>gib Verrätern keine Chance, — modern übersetzt.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref1" id="_ftn1">[1]</a> Jeschurun, Jhrg. 3, Heft 9; Jeschurun, Jhrg. 8, Heft 7</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref2" id="_ftn2">[2]</a> Psalm 90:4</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref3" id="_ftn3">[3]</a> siehe hierzu: Jüd. Allgemeine, Lea Himelfarb, 02.02.2006, „Der Ewige berechnete das Ende“, https://www.juedische-allgemeine.de/allgemein/der-ewige-berechnete-das-ende/</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref4" id="_ftn4">[4]</a> Genesis 19:13-14</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref5" id="_ftn5">[5]</a> Exodus 7-10</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref6" id="_ftn6">[6]</a> Exodus 11</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref7" id="_ftn7">[7]</a> Exodus 12:1-20; Maftir zu Schabbat Hachodesch</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref8" id="_ftn8">[8]</a> Exodus 12:30-31</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref9" id="_ftn9">[9]</a> Exodus 12:35-36</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref10" id="_ftn10">[10]</a> Könige 8:41-43</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref11" id="_ftn11">[11]</a> Deuteronomium 4:6</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref12" id="_ftn12">[12]</a> Jeremia 25:11</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref13" id="_ftn13">[13]</a> Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Babylonisches_Exil</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="#_ftnref14" id="_ftn14">[14]</a> im Jahre 70 n.d.Z.; Mischna Traktat Taʿanit 4:6</p>
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